Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 55: arjunāgamanaṃ bhīmasenasya parākramaḥ śakuninā saha yuddhaṃ ca Arjunas Herannahen, Bhīmasenas Kampfeskraft und sein Duell mit Śakuni

śrutvā ca rathanirghoṣaṃ siṃhanādaṃ ca saṃyuge / arjunaḥ prāha govindaṃ śīghraṃ codaya vājinaḥ / jayatu bhuvanabhartā dharmavid dharmarājo / diśatu śivam idānīṃ keśavaḥ pāṇḍavebhyaḥ / vipulavijayavājī jṛmbhatāṃ vai kirīṭī / ripukulavanadāhau mādriputrau bhavetām

Saṃjaya sprach: Als er im Kampfgetümmel das Rollen der Wagen und das Löwengebrüll vernommen hatte, sprach Arjuna zu Govinda: „Treibe eilends die Rosse an! Es siege der Weltenträger, der Dharma-Kundige, der Dharmarāja! Keśava gewähre den Pāṇḍavas jetzt Heil! Der Kirīṭin, dessen Ross der weite Sieg ist, entfalte seine Kraft! Die beiden Söhne der Mādrī mögen zu Waldbränden für die Sippe der Feinde werden!“

Wort für Wort
rathanirghoṣam
Wagengetöse (Akk.)
siṃhanādam
Löwengebrüll (Akk.)
codaya
treibe an! (Imp.)
dharmarājaḥ
der Dharma-König (Nom., Beiname Yudhiṣṭhiras)
mādriputrau
die beiden Söhne der Mādrī (Nom. Dual, Nakula und Sahadeva)

Die Segensworte ab „Es siege der Weltenträger...“ finden sich im Apparat (*0834) als Erweiterung von Arjunas kurzem Zuruf im Haupttext; sie werden hier als Fortsetzung derselben Rede wiedergegeben.

arjunasya vacaḥ śrutvā govindo 'rjunam abravīt / eṣa gacchāmi sukṣipraṃ yatra bhīmo vyavasthitaḥ

Als er Arjunas Worte vernommen hatte, sprach Govinda zu Arjuna: „Ich fahre nun eilends dorthin, wo Bhīma steht.“

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend (Ger.)
abravīt
er sprach (Impf.)
sukṣipram
sehr eilends (Adv.)
vyavasthitaḥ
steht, sich befindet (PPP)

āyāntam aśvair himaśaṅkhavarṇaiḥ suvarṇamuktāmaṇijālanaddhaiḥ / jambhaṃ jighāṃsuṃ pragṛhītavajraṃ jayāya devendram ivogramanyum / rathāśvamātaṅgapadātisaṃghā bāṇasvanair nemikhurasvanaiś ca / saṃnādayanto vasudhāṃ diśaś ca kruddhā nṛsiṃhā jayam abhyudīyuḥ

So kam er heran mit Rossen von der Farbe des Schneekristalls und der Muschel, geschirrt mit Netzen aus Gold, Perlen und Juwelen – wie der grimmige Indra, der Götterfürst, der mit erhobenem Blitz zum Sieg über Jambha den Tod bringen will. Die Scharen von Wagen, Rossen, Elefanten und Fußvolk, die Erde und die Himmelsrichtungen erdröhnen lassend vom Klang der Pfeile und vom Dröhnen der Radfelgen und Hufe, stürmten die zornentbrannten Männerlöwen dem Sieg entgegen.

Wort für Wort
himaśaṅkhavarṇaiḥ
von der Farbe des Schnees und der Muschel (Instr. Pl.)
jambham
Jambha (Akk., ein von Indra erschlagener Dämon)
pragṛhītavajram
mit erhobenem Blitz (Akk.)
nṛsiṃhāḥ
Männerlöwen (Nom. Pl.)

teṣāṃ ca pārthasya mahat tadāsīd dehāsupāpmakṣapaṇaṃ suyuddham / trailokyahetor asurair yathāsīd devasya viṣṇor jayatāṃ varasya / trailokanāthasya ca cakrapāṇeḥ / tair astam uccāvacam āyudhaugham ekaḥ praciccheda kirīṭamālī / kṣurārdhacandrair niśitaiś ca bāṇaiḥ śirāṃsi teṣāṃ bahudhā ca bāhūn

Und zwischen ihnen und Pārtha entbrannte damals eine gewaltige, rechtschaffene Schlacht, die Leiber, Lebenskraft und Sünde vernichtete – so wie einst der Kampf der Asuras gegen den Herrn der drei Welten, den Diskusträger Viṣṇu, besten der Sieger, um die Herrschaft über die drei Welten ging. Die von ihnen entsandte Flut mannigfacher Waffen zerschnitt der Kirīṭamālī [Arjuna] allein, und mit scharfen Rasier- und Halbmondpfeilen [zerschnitt er] vielfach ihre Häupter und Arme.

Wort für Wort
suyuddham
rechtschaffene Schlacht (Nom.)
trailokyahetoḥ
um der drei Welten willen (Abl./Gen.)
kirīṭamālī
der Kranz-Diademträger (Nom., Beiname Arjunas)
kṣurārdhacandraiḥ
mit Rasiermesser- und Halbmondpfeilen (Instr. Pl.)

chatrāṇi vālavyajanāni ketūn aśvān rathān pattigaṇān dvipāṃś ca / te petur urvyāṃ bahudhā virūpā vātaprabhagnāni yathā vanāni / suvarṇajālāvatatā mahāgajāḥ savaijayantīdhvajayodhakalpitāḥ / suvarṇapuṅkhair iṣubhiḥ samācitāś cakāśire prajvalitā yathācalāḥ / vidīryamāṇā valinātra nāgāḥ davāgnidagdhair iva vaṃśadagdhaiḥ

Schirme, Fliegenwedel aus Yakhaar, Banner, Rosse, Wagen, Scharen von Fußvolk und Elefanten – sie fielen vielfach entstellt zu Boden, wie Wälder, die vom Sturm zerbrochen wurden. Die großen Elefanten, überspannt mit goldenen Netzen, mit Siegesbannern und Kriegern ausgerüstet, von goldbeschafteten Pfeilen übersät, leuchteten wie lodernde Berge; ihre Runzelhaut wurde dabei zerrissen, wie von Waldbrand verbrannte Bambusstauden.

Wort für Wort
vātaprabhagnāni
vom Sturm zerbrochen (Nom. Pl. Neutr.)
suvarṇajālāvatatāḥ
mit goldenen Netzen überspannt (Nom. Pl.)
vidīryamāṇāḥ
sich zerreißend, aufreißend (Part. Präs. Pass.)

vidārya nāgāṃś ca rathāṃś ca vājinaḥ śarottamair vāsavavajrasaṃnibhaiḥ / drutaṃ yayau karṇajighāṃsayā tathā yathā marutvān balabhedane purā

Nachdem er Elefanten, Wagen und Rosse mit vorzüglichsten, dem Blitz des Vāsava gleichenden Pfeilen durchbohrt hatte, eilte er, von der Begierde, Karṇa zu töten, ebenso schnell dahin, wie einst der Windbeherrschte [Indra] bei der Vernichtung Balas.

Wort für Wort
vidārya
durchbohrt habend (Ger.)
vāsavavajrasaṃnibhaiḥ
dem Blitz des Vāsava gleichend (Instr. Pl.)
karṇajighāṃsayā
aus Begierde, Karṇa zu töten (Instr.)

tataḥ sa puruṣavyāghraḥ sūtasainyam ariṃdama / praviveśa mahābāhur makaraḥ sāgaraṃ yathā / taṃ dṛṣṭvā tāvakā rājan rathapattisamanvitāḥ / gajāśvasādibahulāḥ pāṇḍavaṃ samupādravan / tatrābhidravatāṃ pārtham ārāvaḥ sumahān abhūt / sāgarasyeva mattasya yathā syāt salilasvanaḥ

Da drang jener Tiger unter den Männern, der Feindebezwinger, der Starkarmige, in das Heer der Sūta-Söhne ein, wie ein Makara-Ungeheuer ins Meer eindringt. Als sie ihn erblickten, o König, stürmten die Deinen, mit Wagen und Fußvolk versehen, reich an Elefanten und Reiterei, auf den Pāṇḍava-Sohn los. Während sie auf Pārtha zustürmten, erhob sich dort ein gewaltiges Getöse, wie das Rauschen des tobenden Ozeans.

Wort für Wort
puruṣavyāghraḥ
der Tiger unter den Männern (Nom.)
makaraḥ
das Meeresungeheuer, der Makara (Nom.)
samupādravan
sie stürmten heran (Impf. Pl.)

te tu taṃ puruṣavyāghraṃ vyāghrā iva mahārathāḥ / abhyadravanta saṃgrāme tyaktvā prāṇakṛtaṃ bhayam / teṣām āpatatāṃ tatra śaravarṣāṇi muñcatām / arjuno vyadhamat sainyaṃ mahāvāto ghanān iva

Sie aber, die großen Wagenkämpfer, stürmten wie Tiger auf jenen Tiger unter den Männern los und ließen im Kampf die um das Leben gehegte Furcht fahren. Während sie heranstürmten und Pfeilschauer entsandten, zerstreute Arjuna das Heer, wie ein gewaltiger Sturmwind die Wolken zerstreut.

Wort für Wort
mahārathāḥ
die großen Wagenkämpfer (Nom. Pl.)
śaravarṣāṇi
Pfeilschauer (Akk. Pl.)
vyadhamat
er zerstreute, zerblies (Impf.)

te 'rjunaṃ sahitā bhūtvā rathavaṃśaiḥ prahāriṇaḥ / abhiyāya maheṣvāsā vivyadhur niśitaiḥ śaraiḥ / śaktibhis tomarair bāṇaiḥ kuṇapaiḥ kuramudgaraiḥ / śūlais trimūlaiḥ parighair bhiṇḍipālaiḥ paraśvadhaiḥ / karanālair gaḍaiḥ khaḍgair iṣṭibhir muśalais tathā / parighaiḥ paṭṭiśaiś caiva gadābhiś ca paraśvadhaiḥ / mahāyodhanaraiḥ kṣiptaiḥ saśarkarajapāṃśubhiḥ / saśakrāśanisaṃpātaṃ jālaiḥ pāśaiḥ kaḍaṃgaraiḥ / pradīptaśikharāvarṣaiḥ śilābhiḥ kāṣṭhaśaṃkubhiḥ / mahārṣṭikābhiḥ kāntābhir ayaskāntair vināśinaiḥ / praduṣṭacakrebhahayaiḥ sasaṃghair gūḍham āyudhaiḥ / śibirād ekam āyāntam arjunaṃ sahakeśavam / nānādeśyā nṛpavarā mlecchāś cāyutaśo 'bhyayuḥ / tato 'rjunaḥ sahasrāṇi rathavāraṇavājinām / preṣayām āsa viśikhair yamasya sadanaṃ prati

Sie, die schlagkräftigen großen Bogenschützen, vereinten sich mit ihren Wagenscharen gegen Arjuna, griffen ihn an und durchbohrten ihn mit scharfen Pfeilen – mit Speeren, Wurflanzen, Pfeilen, schweren Keulen, Hämmern, Dreizack-Spießen, eisernen Stangen, Wurfscheiben, Streitäxten, Rohrstäben, Knütteln, Schwertern, Wurfspießen und Keulen, wiederum mit eisernen Stangen, Sicheln, Streitkolben und Äxten, mit geschleuderten mächtigen Baumstämmen samt Kies und Staub, mit dem Blitzeinschlag des Śakra gleichenden Netzen, Fangseilen und Fesselschlingen, mit Schauern brennender Feuerbrände, mit Felsblöcken und hölzernen Pfählen, mit glänzenden, todbringenden magnetischen Geschossen, mit Truppen verborgener Waffen für Wagen, Elefanten und Rosse – so kamen von vielen Ländern her Fürsten und Mleccha-Völker zu Zehntausenden über den einen, der allein mit Keśava aus dem Lager herankam, über Arjuna. Da sandte Arjuna Tausende von Wagen, Elefanten und Rossen mit seinen Pfeilen zum Sitz des Yama.

Wort für Wort
śaktibhiḥ
mit Speeren (Instr. Pl.)
paraśvadhaiḥ
mit Streitäxten (Instr. Pl.)
ayaskāntaiḥ
mit magnetischen/eisenanziehenden Geschossen (Instr. Pl.)
mlecchāḥ
die Mleccha-Völker, Fremdvölker (Nom. Pl.)
yamasya sadanam
der Sitz/das Haus des Yama (Akk., Totenreich)

Die umfangreiche Waffenaufzählung des Apparats (*0838, elf Zeilen) wird hier als zusammenhängende Aufzählung wiedergegeben statt zeilenweise übersetzt; 'kuṇapaiḥ' (wörtlich 'Leichname') ist unklar - möglicherweise sind damit leichenartig schwere Keulen oder vergiftete/verwesende Geschosse gemeint, hier sinngemäß als 'schwere Keulen' wiedergegeben [?].

te vadhyamānāḥ samare pārthacāpacyutaiḥ śaraiḥ / tatra tatra sma līyante bhaye jāte mahārathāḥ

Sie, die von Pārthas Bogen entfesselten Pfeilen in der Schlacht niedergemacht wurden, jene großen Wagenkämpfer, verkrochen sich hier und dort, als Furcht sie ergriffen hatte.

Wort für Wort
vadhyamānāḥ
niedergemacht werdend (Part. Präs. Pass.)
pārthacāpacyutaiḥ
von Pārthas Bogen entfesselt (Instr. Pl.)
līyante
sie verbergen sich, verkriechen sich (Präs.)

teṣāṃ catuḥśatān vīrān yatamānān mahārathān / arjuno niśitair bāṇair anayad yamasādanam

Vierhundert Helden unter ihnen, große, kämpfende Wagenkämpfer, führte Arjuna mit scharfen Pfeilen zur Wohnstatt des Yama.

Wort für Wort
catuḥśatān
vierhundert (Akk. Pl.)
yatamānān
sich anstrengend, kämpfend (Part. Präs. Akk. Pl.)
yamasādanam
zur Wohnstatt des Yama (Akk.)

te vadhyamānāḥ samare nānāliṅgaiḥ śitaiḥ śaraiḥ / arjunaṃ samabhityajya dudruvur vai diśo bhayāt / teṣāṃ śabdo mahān āsīd dravatāṃ vāhinīmukhe / mahaughasyeva bhadraṃ te girim āsādya dīryataḥ

Sie, in der Schlacht von scharfen Pfeilen mannigfacher Gestalt niedergemacht, ließen Arjuna gänzlich hinter sich und flohen aus Furcht in alle Richtungen. Ihr Lärm, als sie an der Heeresspitze davonliefen, war gewaltig – gleich dem Tosen einer großen Flut, o Trefflicher, die gegen einen Berg brandet und sich bricht.

Wort für Wort
dudruvuḥ
sie flohen (Perf.)
vāhinīmukhe
an der Heeresspitze (Lok.)
mahaughasya
einer großen Flut (Gen.)

tāṃ tu senāṃ bhṛśaṃ viddhvā drāvayitvārjunaḥ śaraiḥ / prāyād abhimukhaḥ pārthaḥ sūtānīkāni māriṣa / tasya śabdo mahān āsīt parān abhimukhasya vai / tasyābhidravataḥ karṇaṃ rathaghoṣo mahān abhūt / garuḍasyeva patataḥ pannagārthe yathā purā

Nachdem Arjuna jenes Heer mit seinen Pfeilen heftig durchbohrt und in die Flucht getrieben hatte, zog Pārtha, o Verehrter, den Scharen der Sūta-Söhne entgegen. Sein Lärm, als er den Feinden entgegenzog, war gewaltig; als er auf Karṇa zustürmte, erhob sich ein gewaltiges Wagengetöse, gleich dem einst des herabstoßenden Garuḍa, als er um der Schlange willen [herabschoss].

Wort für Wort
drāvayitvā
in die Flucht getrieben habend (Ger.)
sūtānīkāni
die Scharen der Sūta-Söhne (Akk. Pl.)
rathaghoṣaḥ
das Wagengetöse (Nom.)

taṃ tu śabdam abhiśrutya bhīmaseno mahābalaḥ / babhūva paramaprītaḥ pārthadarśanalālasaḥ / śrutvaiva pārtham āyāntaṃ bhīmasenaḥ pratāpavān / tyaktvā prāṇān mahārāja senāṃ tava mamarda ha

Als er jenen Lärm vernommen hatte, wurde der überaus starke Bhīmasena höchst erfreut, begierig, Pārtha zu erblicken. Kaum hatte der glanzvolle Bhīmasena gehört, dass Pārtha herannahte, gab er, sein Leben hintansetzend, o großer König, deine Truppen der Vernichtung preis.

Wort für Wort
abhiśrutya
gehört habend (Ger.)
pārthadarśanalālasaḥ
begierig, Pārtha zu erblicken (Nom.)
mamarda
er zermalmte (Perf.)

sa vāyuvegapratimo vāyuvegasamo jave / vāyuvad vyacarad bhīmo vāyuputraḥ pratāpavān / tenārdyamānā rājendra senā tava viśāṃ pate / vyabhrāmyata mahārāja bhinnā naur iva sāgare

Er, der windgleiche, an Windesgeschwindigkeit dem Wind gleichkommend in seiner Schnelligkeit, der glanzvolle Bhīma, der Sohn des Windes, bewegte sich wie der Wind. Von ihm bedrängt, o Fürst der Könige, o Herr der Untertanen, wankte dein Heer, großer König, wie ein zerbrochenes Schiff auf dem Meer.

Wort für Wort
vāyuvegapratimaḥ
dem Windessturm gleichend (Nom.)
ārdyamānā
bedrängt werdend (Part. Präs. Pass. Nom. Fem.)
bhinnā nauḥ
ein zerbrochenes Schiff (Nom.)

tāṃ tu senāṃ tadā bhīmo darśayan pāṇilāghavam / rathaṃ rathenābhyahanat turagāṃs turagais tathā / gajān gajair naravarān narair evānayat kṣayam / kaṃ cid gajaṃ samutkṣipya gajaṃ bhīmo 'bhyadhāvata / mahauṣadhisamāyuktaṃ hanumān iva parvatam / sa tu tenāhanat kruddho giriṇeva mahāgirim / kasya cid dantam utpāṭya dantenaivāhanad gajam / yathairāvatam āsādya kumbhakarṇaḥ purā raṇe / gajau saṃgṛhya pāṇibhyāṃ saṃnipātair amārayat / rathān hayān nṛpavarān āviṣṭa iva pāṇḍavaḥ / śarair avacakartograiḥ preṣayiṣyan yamakṣayam

Jenes Heer nun führte Bhīma damals dem Verderben zu, indem er die Geschicklichkeit seiner Hände zeigte: Wagen schlug er mit Wagen, Rosse ebenso mit Rossen, Elefanten mit Elefanten, treffliche Männer mit Männern. Einen Elefanten emporhebend, stürmte Bhīma auf einen anderen Elefanten los, wie Hanumān auf den mit großen Heilkräutern beladenen Berg; im Zorn schlug er ihn mit jenem, wie ein Berg einen anderen großen Berg schlägt. Einem [Elefanten] den Stoßzahn ausreißend, erschlug er mit eben diesem Zahn einen [anderen] Elefanten, wie einst Kumbhakarṇa im Kampf, als er auf Airāvata stieß; zwei Elefanten mit seinen Händen packend, tötete er sie, indem er sie gegeneinander schmetterte. Wie von einem [göttlichen] Geist ergriffen, schnitt der Pāṇḍava Wagen, Rosse und treffliche Fürsten mit furchtbaren Pfeilen nieder, im Begriff, sie zur Vernichtung durch Yama zu senden.

Wort für Wort
pāṇilāghavam
die Geschicklichkeit/Leichtigkeit der Hände (Akk.)
mahauṣadhisamāyuktam
mit großen Heilkräutern versehen (Akk.)
saṃnipātaiḥ
durch Zusammenstöße, durch Aneinanderschmettern (Instr. Pl.)
yamakṣayam
zum Verderben durch Yama (Akk.)

'mahauṣadhisamāyuktaṃ ... parvatam' spielt auf die Rāmāyaṇa-Episode an, in der Hanumān den heilkräuterbewachsenen Berg emporhebt und herbeiträgt.

tatra bhārata bhīmasya balaṃ dṛṣṭvātimānuṣam / vyatrasyanta raṇe yodhāḥ kālasyeva yugakṣaye

Dort, o Bhārata, erzitterten die Krieger in der Schlacht, als sie Bhīmas übermenschliche Kraft erblickten, wie vor der Zerstörung des Zeitalters durch Kāla.

Wort für Wort
atimānuṣam
übermenschlich (Akk.)
vyatrasyanta
sie erzitterten, erschraken (Impf. Pl.)
yugakṣaye
bei der Zerstörung des Weltzeitalters (Lok.)

tathārditān bhīmabalān bhīmasenena bhārata / dṛṣṭvā duryodhano rājā idaṃ vacanam abravīt / sainikān sa maheṣvāso yodhāṃś ca bharatarṣabha / samādiśad raṇe sarvān hata bhīmam iti sma ha / tasmin hate hataṃ manye sarvasainyam aśeṣataḥ

Als er sah, wie die Furchtbarstarken so von Bhīmasena bedrängt wurden, o Bhārata, sprach König Duryodhana dieses Wort. Jener große Bogenschütze befahl allen Soldaten und Kriegern im Kampf, o Stier der Bharatas: „Erschlagt Bhīma! Ist er erschlagen, so gilt mir das gesamte Heer als restlos erschlagen.“

Wort für Wort
bhīmabalān
die Furchtbarstarken (Akk. Pl.)
samādiśat
er befahl (Impf.)
hata bhīmam
erschlagt Bhīma! (Imp., wörtlich 'schlagt Bhīma tot')

pratigṛhya ca tām ājñāṃ tava putrasya pārthivāḥ / bhīmaṃ pracchādayām āsuḥ śaravarṣaiḥ samantataḥ / tasmin raṇe mahārāja maheṣvāsā narās tathā / gajāś ca bahulā rājan narāś ca jayagṛddhinaḥ / rathā hayāś ca rājendra parivavrur vṛkodaram

Nachdem sie diesen Befehl deines Sohnes empfangen hatten, umhüllten die Fürsten Bhīma von allen Seiten mit Pfeilschauern. In jener Schlacht, großer König, umringten den Vṛkodara die großen Bogenschützen und Männer, zahlreiche Elefanten, o König, und nach dem Sieg gierende Männer, Wagen und Rosse, o Fürst der Könige.

Wort für Wort
pracchādayām āsuḥ
sie umhüllten, bedeckten (Perf.)
jayagṛddhinaḥ
nach dem Sieg gierend (Nom. Pl.)
parivavruḥ
sie umringten (Perf.)

sa taiḥ parivṛtaḥ śūraiḥ śūro rājan samantataḥ / śuśubhe bharataśreṣṭha nakṣatrair iva candramāḥ / pariveṣī yathā somaḥ paripūrṇo virājate

Er, der Held, von jenen Helden ringsum umgeben, o König, erstrahlte, bester der Bharatas, wie der Mond von den Sternen umgeben; wie der von einem Halo umgebene, volle Mond erstrahlt.

Wort für Wort
parivṛtaḥ
umgeben (PPP)
nakṣatraiḥ
von den Sternen (Instr. Pl.)
pariveṣī somaḥ
der von einem Halo umgebene Mond (Nom.)

sa rarāja tathā saṃkhye darśanīyo narottamaḥ / nirviśeṣaṃ mahārāja yathā hi vijayas tathā

So erstrahlte er in der Schlacht, der ansehnliche beste der Männer, unterschiedslos, großer König, als wäre er der Sieg selbst.

Wort für Wort
darśanīyaḥ
ansehnlich, sehenswert (Nom.)
nirviśeṣam
unterschiedslos (Adv./Akk.)
vijayaḥ
der Sieg (Nom.)

Die Wendung 'nirviśeṣaṃ ... yathā hi vijayas tathā' ('unterschiedslos, wie eben der Sieg') ist knapp und etwas dunkel; sinngemäß aufgefasst als: Bhīma erschien untrennbar eins mit dem Sieg, gleichsam dessen Verkörperung [?].

tatra te pārthivāḥ sarve śaravṛṣṭīḥ samāsṛjan / krodharaktekṣaṇāḥ krūrā hantukāmā vṛkodaram

Dort entließen alle jene Fürsten Pfeilschauer, ihre Augen vor Zorn gerötet, grausam, begierig, den Vṛkodara zu töten.

Wort für Wort
śaravṛṣṭīḥ
Pfeilschauer (Akk. Pl.)
krodharaktekṣaṇāḥ
mit vor Zorn geröteten Augen (Nom. Pl.)
hantukāmāḥ
begierig zu töten (Nom. Pl.)

sa vidārya mahāsenāṃ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ / niścakrāma raṇād bhīmo matsyo jālād ivāmbhasi

Nachdem er das große Heer mit Pfeilen mit geglätteten Gelenken durchbohrt hatte, trat Bhīma aus der Schlacht heraus, wie ein Fisch aus dem Netz ins Wasser.

Wort für Wort
saṃnataparvabhiḥ
mit geglätteten/gebogenen Gelenken (Instr. Pl., von Pfeilen)
niścakrāma
er trat heraus (Perf.)

hatvā daśa sahasrāṇi gajānām anivartinām / nṛṇāṃ śatasahasre dve dve śate caiva bhārata / pañca cāśvasahasrāṇi rathānāṃ śatam eva ca / hatvā prāsyandayad bhīmo nadīṃ śoṇitakardamām

Nachdem er zehntausend nicht zurückweichende Elefanten erschlagen hatte, sowie zweihunderttausend und zweihundert Männer, o Bhārata, und fünftausend Rosse und hundert Wagen, ließ Bhīma einen Fluss aus Blut und Schlamm strömen.

Wort für Wort
anivartinām
nicht zurückweichend (Gen. Pl.)
śoṇitakardamām
aus Blut und Schlamm bestehend (Akk. Fem., attributiv zu 'nadīm')

Die Zahlenangabe in 037c ('nṛṇāṃ śatasahasre dve dve śate') ist sprachlich auffällig doppelt gesetzt ('zwei Hunderttausend, zwei Hundert') und könnte textlich verderbt sein; hier wörtlich als 'zweihunderttausend und zweihundert' wiedergegeben [?].

śoṇitodāṃ rathāvartāṃ hastigrāhasamākulām / naramīnām aśvanakrāṃ keśaśaivalaśādvalām / saṃchinnabhujanāgendrāṃ bahuratnāpahāriṇīm / ūrugrāhāṃ majjapaṅkāṃ śīrṣopalasamākulām / dhanuṣkāśāṃ śarāvāpāṃ gadāparighaketanām / haṃsacchatradhvajopetām uṣṇīṣavaraphenilām / hārapadmākarāṃ caiva bhūmireṇūrmimālinīm / āryavṛttavatīṃ saṃkhye sutarāṃ bhīrudustarām / yodhavrātavatīṃ saṃkhye vahantīṃ yamasādanam

[Ein Strom entstand,] dessen Wasser Blut war, dessen Strudel die Wagen waren, gedrängt voll von Elefanten als Krokodilen, mit Menschen als Fischen und Rossen als Krokodilen, mit Haar als Wassermoos und Uferwiese, mit den abgehauenen Rüsseln der Elefantenfürsten [als treibenden Schlangen], viele Juwelen mit sich fortreißend; mit Schenkeln als Untiefen, mit Knochenmark als Schlamm, voll von Schädeln als Gesteinsbrocken; mit Bögen als Schilfrohr, mit Köchern als Wasserbecken, mit Keulen und eisernen Stangen als Uferbänken; mit Schwänen, Schirmen und Bannern versehen, schäumend von kostbaren Turbanen; mit Halsketten als Lotosbeeten, mit dem aufgewirbelten Erdenstaub als Wellenkranz; für Rechtschaffene leicht zu durchqueren, für Feiglinge in der Schlacht schwer zu durchqueren; eine Schar von Kriegern mit sich führend, floss er zur Wohnstatt des Yama.

Wort für Wort
śoṇitodām
mit Blut als Wasser (Akk. Fem.)
hastigrāhasamākulām
voll von Elefanten als Krokodilen (Akk. Fem.)
yamasādanam
zur Wohnstatt des Yama (Akk.)

Diese dichte Strom-Metapher enthält mehrere ungewöhnliche Komposita (z.B. 'dhanuṣkāśāṃ', Bögen als Schilfrohr; 'śarāvāpāṃ', Köcher als Wasserbecken), deren genaue Bildlogik im Deutschen sinngemäß, nicht wortwörtlich nachgebildet wurde.

kṣaṇena puruṣavyāghraḥ prāvartayata nimnagām / yathā vaitaraṇīm ugrāṃ dustarām akṛtātmabhiḥ / tathā dustaraṇīṃ ghorāṃ bhīrūṇāṃ bhayavardhanīm / tathā prāvartayad bhīmo vīrayodhāpahāriṇīm

In einem Augenblick ließ der Tiger unter den Männern diesen Strom fließen – wie die furchtbare Vaitaraṇī, die für die Unbeherrschten schwer zu durchqueren ist. Ebenso ließ Bhīma ihn fließen, schrecklich, schwer zu durchqueren, die Furcht der Feiglinge mehrend, die tapfere Krieger mit sich fortreißend.

Wort für Wort
vaitaraṇīm
die Vaitaraṇī (Akk., der mythische Fluss der Unterwelt)
bhayavardhanīm
die Furcht mehrend (Akk. Fem.)
vīrayodhāpahāriṇīm
tapfere Krieger mit sich fortreißend (Akk. Fem.)

yato yataḥ pāṇḍaveyaḥ pravṛtto rathasattamaḥ / tatas tato 'pātayata yodhāñ śatasahasraśaḥ

Wohin auch immer der Pāṇḍava-Sohn, der vorzüglichste der Wagenkämpfer, sich wandte, dort und dort ließ er die Krieger zu Hunderttausenden fallen.

Wort für Wort
rathasattamaḥ
der vorzüglichste der Wagenkämpfer (Nom.)
śatasahasraśaḥ
zu Hunderttausenden (Adv.)

evaṃ dṛṣṭvā kṛtaṃ karma bhīmasenena saṃyuge / duryodhano mahārāja śakuniṃ vākyam abravīt / jaya mātula saṃgrāme bhīmasenaṃ mahābalam / asmiñ jite jitaṃ manye pāṇḍaveyaṃ mahābalam

Als er das so von Bhīmasena im Kampf vollbrachte Werk gesehen hatte, sprach Duryodhana, großer König, zu Śakuni dieses Wort: „Besiege, Onkel, im Kampf den überaus starken Bhīmasena! Ist dieser besiegt, so gilt mir das mächtige Pāṇḍava-Heer als besiegt.“

Wort für Wort
mātula
Onkel (mütterlicherseits) (Vok.)
mahābalam
überaus stark (Akk.)
jite
wenn besiegt (Lok. Abs.)

tataḥ prāyān mahārāja saubaleyaḥ pratāpavān / raṇāya mahate yukto bhrātṛbhiḥ parivāritaḥ / sa samāsādya saṃgrāme bhīmaṃ bhīmaparākramam / vārayām āsa taṃ vīro veleva makarālayam

Da zog der glanzvolle Sohn Subalas [Śakuni] aus, großer König, bereit für die große Schlacht, von seinen Brüdern umgeben. Er, jener Held, trat in der Schlacht dem furchtgebietenden Bhīma entgegen und hielt ihn zurück, wie die Küste das Heim der Meeresungeheuer zurückhält.

Wort für Wort
saubaleyaḥ
der Sohn Subalas (Nom., Śakuni)
bhīmaparākramam
von furchtgebietender Kraft (Akk.)
makarālayam
das Heim der Makaras, das Meer (Akk.)

sa nyavartata taṃ bhīmo vāryamāṇaḥ śitaiḥ śaraiḥ / bhāgineyavacaḥ śrutvā śakuniḥ śaṭhakṛttamaḥ / śakunis tasya rājendra vāme pārśve stanāntare / preṣayām āsa nārācān rukmapuṅkhāñ śilāśitān / varma bhittvā tu sauvarṇaṃ bāṇās tasya mahātmanaḥ / nyamajjanta mahārāja kaṅkabarhiṇavāsasaḥ

Bhīma, von scharfen Pfeilen aufgehalten, wandte sich gegen ihn. Nachdem er die Worte seines Neffen [Duryodhanas] vernommen hatte, sandte Śakuni, der Verschlagenste, o Fürst der Könige, in dessen linke Seite, zwischen den Brüsten, eisenharte Pfeile mit goldenen Schäften, an Stein geschärft. Nachdem sie die goldene Rüstung durchdrungen hatten, drangen die Pfeile jenes Hochgesinnten ein, o großer König, mit Federn von Kaṅka-Vögeln und Pfauen befiedert.

Wort für Wort
śaṭhakṛttamaḥ
der Verschlagenste, der größte Betrüger (Nom.)
nārācān
eisenharte Pfeile (Akk. Pl.)
kaṅkabarhiṇavāsasaḥ
mit Kaṅka- und Pfauenfedern bekleidet (Nom. Pl., von Pfeilen)

so 'tividdho raṇe bhīmaḥ śaraṃ hemavibhūṣitam / preṣayām āsa sahasā saubalaṃ prati bhārata / tam āyāntaṃ śaraṃ ghoraṃ śakuniḥ śatrutāpanaḥ / ciccheda śatadhā rājan kṛtahasto mahābalaḥ

Bhīma, so in der Schlacht schwer verwundet, sandte sogleich einen mit Gold geschmückten Pfeil gegen den Sohn Subalas, o Bhārata. Jenen heranfliegenden furchtbaren Pfeil zerschnitt Śakuni, der Feindebedränger, geschickter Hand und großer Kraft, o König, in hundert Stücke.

Wort für Wort
atividdhaḥ
schwer verwundet (PPP)
hemavibhūṣitam
mit Gold geschmückt (Akk.)
kṛtahastaḥ
geschickter Hand (Nom.)

tasmin nipatite bhūmau bhīmaḥ kruddho viśāṃ pate / dhanuś ciccheda bhallena saubalasya hasann iva / tad apāsya dhanuś chinnaṃ saubaleyaḥ pratāpavān / anyad ādatta vegena dhanur bhallāṃś ca ṣoḍaśa

Als jener [Pfeil] zu Boden gefallen war, zerschnitt der zornige Bhīma, o Herr der Untertanen, mit einem Bhalla-Pfeil den Bogen [Śakunis], wie im Spott. Nachdem der glanzvolle Sohn Subalas seinen zerschnittenen Bogen fortgeworfen hatte, ergriff er rasch einen anderen Bogen und sechzehn Bhalla-Pfeile.

Wort für Wort
bhallena
mit einem breitköpfigen Pfeil (Instr.)
hasann iva
wie lachend, wie im Spott (Part. Präs.)
vegena
rasch, mit Schwung (Instr.)

tais tasya tu mahārāja bhallaiḥ saṃnataparvabhiḥ / caturbhiḥ sārathiṃ hy ārcchad bhīmaṃ pañcabhir eva ca / dhvajam ekena ciccheda chatraṃ dvābhyāṃ viśāṃ pate / caturbhiś caturo vāhān vivyādha subalātmajaḥ

Mit diesen Bhalla-Pfeilen mit geglätteten Gelenken traf er, großer König, mit vieren seinen [Bhīmas] Wagenlenker und mit fünfen Bhīma selbst. Mit einem zerschnitt er das Banner, mit zweien den Schirm, o Herr der Untertanen; mit vieren durchbohrte der Sohn Subalas die vier Rosse.

Wort für Wort
saṃnataparvabhiḥ
mit geglätteten Gelenken (Instr. Pl.)
sārathim
den Wagenlenker (Akk.)
subalātmajaḥ
der Sohn Subalas (Nom.)

tato hṛṣṭo mahārāja tava putro mahīpatiḥ / sādhu sādhu mahābāho jahi bhīmaṃ śitaiḥ śaraiḥ / ayam eva suduṣṭātmā sarvadāsmān prabādhate / mardayainaṃ mahābāho vinihatya sukhī bhava

Da rief dein Sohn, der Herrscher der Erde, hocherfreut, großer König: „Trefflich, trefflich, Starkarmiger! Erschlage Bhīma mit scharfen Pfeilen! Eben dieser Bösartige bedrängt uns beständig. Zermalme ihn, Starkarmiger; nachdem du ihn vernichtet hast, sei glücklich!“

Wort für Wort
hṛṣṭaḥ
hocherfreut (PPP)
suduṣṭātmā
der Bösartige, der von böser Wesensart (Nom.)
mardaya
zermalme! (Imp.)

tataḥ kruddho mahārāja bhīmasenaḥ pratāpavān / śaktiṃ cikṣepa samare rukmadaṇḍām ayasmayīm / sā bhīmabhujanirmuktā nāgajihveva cañcalā / nipapāta rathe tūrṇaṃ saubalasya mahātmanaḥ

Da schleuderte der zornige, glanzvolle Bhīmasena, großer König, im Kampf einen aus Eisen gefertigten Speer mit goldenem Schaft. Aus Bhīmas Arm entlassen, flackernd wie die Zunge einer Schlange, fiel er rasch auf den Wagen des hochgesinnten Sohnes Subalas.

Wort für Wort
rukmadaṇḍām
mit goldenem Schaft (Akk. Fem.)
ayasmayīm
aus Eisen bestehend (Akk. Fem.)
nāgajihvā iva cañcalā
flackernd wie die Zunge einer Schlange (Nom. Fem.)

tatas tām eva saṃgṛhya śaktiṃ kanakabhūṣaṇām / bhīmasenāya cikṣepa kruddharūpo viśāṃ pate / bhīmo 'pi paramāmarṣī tāṃ śaktiṃ saṃnivārya ca / mumoca śaravarṣāṇi śakuneḥ sarvamarmasu / saubalaḥ so 'pi duṣṭātmā bhīmasenaśarārditaḥ / papāta ca rathopasthe paśyatāṃ sarvabhūbhṛtām

Da ergriff er [Śakuni] eben diesen goldgeschmückten Speer und schleuderte ihn zornentbrannt gegen Bhīmasena, o Herr der Untertanen. Bhīma aber, höchst erzürnt, wehrte jenen Speer ab und entließ Pfeilschauer auf alle wunden Punkte Śakunis. Der Sohn Subalas, jener Bösartige, von Bhīmasenas Pfeilen bedrängt, sank vor den Augen aller Erdenherrscher auf den Boden seines Wagens nieder.

Wort für Wort
kanakabhūṣaṇām
goldgeschmückt (Akk. Fem.)
paramāmarṣī
höchst erzürnt, äußerst ungeduldig (Nom.)
sarvamarmasu
auf alle Wundpunkte, alle verwundbaren Stellen (Lok. Pl.)

sā nirbhidya bhujaṃ savyaṃ pāṇḍavasya mahātmanaḥ / papāta ca tato bhūmau yathā vidyun nabhaścyutā / athotkruṣṭaṃ mahārāja dhārtarāṣṭraiḥ samantataḥ / na tu taṃ mamṛṣe bhīmaḥ siṃhanādaṃ tarasvinām

Jener [Speer] durchbohrte den linken Arm des hochgesinnten Pāṇḍava-Sohnes und fiel dann zu Boden, wie ein vom Himmel gefallener Blitzstrahl. Da erhob sich, großer König, von allen Seiten ein Aufschrei der Söhne Dhṛtarāṣṭras; doch Bhīma ertrug jenen Löwenschrei der Ungestümen nicht.

Wort für Wort
nirbhidya
durchbohrt habend (Ger.)
utkruṣṭam
ein Aufschrei (Nom./Akk., substantiviert)
siṃhanādam
den Löwenschrei (Akk.)

Hier scheint ein gewisser Widerspruch zum vorigen Vers vorzuliegen, wo Bhīma den Speer 'abwehrte' (saṃnivārya); offenbar traf ihn der Speer dennoch am Arm, sei es weil die Abwehr nur teilweise gelang oder weil ein zweiter Wurf gemeint ist - der Text wird hier unkommentiert wiedergegeben.

sa saṃgṛhya dhanuḥ sajyaṃ tvaramāṇo mahārathaḥ / muhūrtād iva rājendra chādayām āsa sāyakaiḥ / saubalasya balaṃ saṃkhye tyaktvātmānaṃ mahābalaḥ / tasyāśvāṃś caturo hatvā sūtaṃ caiva viśāṃ pate

Er, der große Wagenkämpfer, ergriff seinen gespannten Bogen und bedeckte, hastig, gleichsam binnen eines Augenblicks, o Fürst der Könige, Śakunis Streitmacht in der Schlacht mit Pfeilen, sich selbst hintansetzend, der überaus Starke. Nachdem er dessen vier Rosse und auch den Wagenlenker erschlagen hatte, o Herr der Untertanen –

Wort für Wort
sajyam dhanuḥ
den gespannten Bogen (Akk.)
chādayām āsa
er bedeckte (Perf.)
tyaktvātmānam
sich selbst hintansetzend (Ger.+Akk.)

dhvajaṃ ciccheda bhallena tvaramāṇaḥ parākramī / hatāśvaṃ ratham utsṛjya tvaramāṇo narottamaḥ / tasthau visphārayaṃś cāpaṃ krodharaktekṣaṇaḥ śvasan / śaraiś ca bahudhā rājan bhīmam ārcchat samantataḥ / pratihatya tu vegena bhīmasenaḥ pratāpavān / dhanuś ciccheda saṃkruddho vivyādha ca śitaiḥ śaraiḥ

– zerschnitt er hastig, der Tatkräftige, mit einem Bhalla-Pfeil das Banner. Da verließ der beste der Männer eilends den Wagen mit den erschlagenen Rossen und stand da, seinen Bogen schwingend, die Augen vor Zorn gerötet, keuchend, und traf Bhīma auf vielfache Weise von allen Seiten mit Pfeilen, o König. Doch der glanzvolle Bhīmasena, dessen Anprall mit Schwung erwidernd, zerschnitt zornentbrannt seinen Bogen und durchbohrte ihn mit scharfen Pfeilen.

Wort für Wort
visphārayan
schwingend, spannend (Part. Präs.)
krodharaktekṣaṇaḥ
mit vor Zorn geröteten Augen (Nom.)
pratihatya
zurückgeschlagen habend, erwidert habend (Ger.)

so 'tividdho balavatā śatruṇā śatrukarśanaḥ / nipapāta tato bhūmau kiṃ cit prāṇo narādhipa / tatas taṃ vihvalaṃ jñātvā putras tava viśāṃ pate / apovāha rathenājau bhīmasenasya paśyataḥ

Er, der Feindebezwinger, so schwer verwundet vom mächtigen Feind, sank darauf zu Boden, kaum noch Leben in sich, o Herrscher der Menschen. Da, als er ihn ohnmächtig/taumelnd erkannte, o Herr der Untertanen, trug ihn dein Sohn mit dem Wagen aus der Schlacht fort, vor den Augen Bhīmasenas.

Wort für Wort
śatrukarśanaḥ
der Feindebezwinger (Nom.)
vihvalam
ohnmächtig, taumelnd (Akk.)
apovāha
er trug fort (Impf.)

rathasthe tu naravyāghre dhārtarāṣṭrāḥ parāṅmukhāḥ / pradudruvur diśo bhītā bhīmāj jāte mahābhaye / saubale nirjite rājan bhīmasenena dhanvinā / bhayena mahatā bhagnaḥ putro duryodhanas tava / apāyāj javanair aśvaiḥ sāpekṣo mātulaṃ prati / parāṅmukhaṃ tu rājānaṃ dṛṣṭvā sainyāni bhārata / viprajagmuḥ samutsṛjya dvairathāni samantataḥ

Während jener Tiger unter den Männern [Duryodhana] noch auf seinem Wagen stand, flohen die Söhne Dhṛtarāṣṭras, ihm den Rücken kehrend, erschrocken in alle Richtungen, da durch Bhīma große Furcht entstanden war. Als der Sohn Subalas vom bogenführenden Bhīmasena besiegt war, o König, zog sich dein Sohn Duryodhana, von gewaltiger Furcht gebrochen, mit schnellen Rossen zurück, besorgt um seinen Onkel. Als sie aber den König in die Flucht gewandt sahen, o Bhārata, zerstreuten sich die Truppen und ließen von ihren Zweikämpfen ab, nach allen Seiten hin.

Wort für Wort
parāṅmukhāḥ
den Rücken kehrend, fliehend (Nom. Pl.)
nirjite
als besiegt war (Lok. Abs.)
dvairathāni
Zweikämpfe (Akk. Pl.)

tān dṛṣṭvātirathān sarvān dhārtarāṣṭrān parāṅmukhān / javenābhyapatad bhīmaḥ kirañ śaraśatān bahūn / te vadhyamānā bhīmena dhārtarāṣṭrāḥ parāṅmukhāḥ / karṇam āsādya samare sthitā rājan samantataḥ

Als Bhīma alle jene großen Wagenkämpfer, die Söhne Dhṛtarāṣṭras, fliehend erblickte, stürmte er mit Ungestüm auf sie los und streute viele hundert Pfeile aus. Sie, die Söhne Dhṛtarāṣṭras, von Bhīma niedergemacht, flohen und nahmen, Karṇa in der Schlacht erreichend, ringsum bei ihm Aufstellung, o König.

Wort für Wort
atirathān
große Wagenkämpfer (Akk. Pl.)
javena
mit Ungestüm, mit Schnelligkeit (Instr.)
āsādya
erreicht habend (Ger.)

sa hi teṣāṃ mahāvīryo dvīpo 'bhūt sumahābalaḥ / bhinnanaukā yathā rājan dvīpam āsādya nirvṛtāḥ / bhavanti puruṣavyāghra nāvikāḥ kālaparyaye / tathā karṇaṃ samāsādya tāvakā bharatarṣabha / agādhe majjatāṃ teṣāṃ karṇo dvīpo 'bhavat tadā / samāśvastāḥ sthitā rājan saṃprahṛṣṭāḥ parasparam / samājagmuś ca yuddhāya mṛtyuṃ kṛtvā nivartanam

Denn er, von gewaltiger Tatkraft und überaus großer Stärke, wurde ihnen zur Insel; so wie, o König, wenn Seeleute mit zerbrochenem Boot mit der Zeit eine Insel erreichen und sich beruhigen, o Tiger unter den Männern, so wurde Karṇa den Deinen, als sie ihn erreichten, o Stier der Bharatas, zur Insel für sie, die im Bodenlosen versanken. Beruhigt standen sie dort, o König, sich gegenseitig erfreuend, und zogen wieder in die Schlacht, nachdem sie den Tod zu ihrer einzigen Umkehr gemacht hatten.

Wort für Wort
mahāvīryaḥ
von gewaltiger Tatkraft (Nom.)
bhinnanaukāḥ
mit zerbrochenem Boot (Nom. Pl.)
agādhe majjatām
für die im Bodenlosen Versinkenden (Gen. Pl.)
mṛtyuṃ kṛtvā nivartanam
den Tod zur [einzigen] Umkehr gemacht habend (Ger.-Konstruktion)

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