Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 28: kākopākhyānam Śalyas Gleichnis vom Raben und dem Schwan

māriṣādhiratheḥ śrutvā vaco yuddhābhinandinaḥ / śalyo 'bravīt punaḥ karṇaṃ nidarśanam udāharan

Saṃjaya sprach: Nachdem er die kampflustige Rede des Sohnes des Adhiratha vernommen hatte, o Gebieter, sprach Śalya abermals zu Karṇa, ein Gleichnis vortragend:

Wort für Wort
māriṣa
o Gebieter (Vok.)
ādhiratheḥ śrutvā vacaḥ
nachdem er die Rede des Sohnes des Adhiratha vernommen hatte (Gen./Absol./Akk.)
yuddhābhinandinaḥ
des Kampflustigen (Gen.)
śalyaḥ abravīt punaḥ karṇam
Śalya sprach abermals zu Karṇa (Nom./3.Sg.Impf./Akk.)
nidarśanam udāharan
ein Gleichnis vortragend (Akk./Part.)

jāto 'haṃ yajvanāṃ vaṃśe saṃgrāmeṣv anivartinām / rājñāṃ mūrdhābhiṣiktānāṃ svayaṃ dharmaparāyaṇaḥ / yathaiva matto madyena tvaṃ tathā na ca vā tathā / tathāhaṃ tvāṃ pramādyantaṃ cikitsāmi suhṛttayā

„Ich bin geboren in einer Linie von Opferern, die in Schlachten nie zurückweichen, von gesalbten Königen, selbst dem Recht ergeben. Ob du nun wie einer bist, der vom Wein berauscht ist, oder nicht - so behandle ich dich, der du unbedacht redest, aus Freundschaft, wie ein Arzt.

Wort für Wort
jātaḥ aham yajvanām vaṃśe
ich bin geboren in einer Linie von Opferern (Nom./Gen./Lok.)
saṃgrāmeṣu anivartinām
die in Schlachten nicht zurückweichen (Lok./Gen.)
rājñām mūrdhābhiṣiktānām
von gesalbten Königen (Gen.)
svayam dharmaparāyaṇaḥ
selbst dem Recht ergeben (Adv./Nom.)
yathā eva mattaḥ madyena
wie einer, der vom Wein berauscht ist (Adv./Nom./Instr.)
tvam tathā na ca vā tathā
ob du so bist oder nicht (Nom./Adv.)
tathā aham tvām pramādyantam
so behandle ich dich, der du unbedacht bist (Adv./Nom./Akk.)
cikitsāmi suhṛttayā
behandle ich aus Freundschaft (1.Sg.Präs./Instr.)

imāṃ kākopamāṃ karṇa procyamānāṃ nibodha me / śrutvā yatheṣṭaṃ kuryās tvaṃ vihīna kulapāṃsana

Vernimm von mir, Karṇa, dieses Gleichnis vom Raben, das ich dir vortrage; höre es, und tue dann, wie es dir beliebt, du Verworfener, Schande deines Geschlechts.

Wort für Wort
imām kākopamām karṇa
dieses Gleichnis vom Raben, Karṇa (Akk./Vok.)
procyamānām nibodha me
das vorgetragene, vernimm von mir (Akk./2.Sg.Imp./Gen.)
śrutvā yatheṣṭam kuryāḥ tvam
höre es und tue, wie es dir beliebt (Absol./Akk./2.Sg.Opt./Nom.)
vihīna kulapāṃsana
du Verworfener, Schande deines Geschlechts (Vok.)

nāham ātmani kiṃ cid vai kilbiṣaṃ karṇa saṃsmare / yena tvaṃ māṃ mahābāho hantum icchasy anāgasam

Ich erinnere mich, Karṇa, an keinerlei Verfehlung bei mir selbst, weswegen du, Starkarmiger, mich, den Schuldlosen, töten wolltest.

Wort für Wort
na aham ātmani kim cit
ich nicht bei mir selbst irgendetwas (Nom./Lok./Akk.)
vai kilbiṣam karṇa saṃsmare
an Verfehlung, Karṇa, erinnere ich mich (Akk./Vok./1.Sg.Präs.)
yena tvam mām mahābāho
weswegen du mich, Starkarmiger (Instr./Nom./Akk./Vok.)
hantum icchasi anāgasam
töten wolltest, den Schuldlosen (Inf./2.Sg.Präs./Akk.)

avaśyaṃ tu mayā vācyaṃ budhyatāṃ yadi te hitam / viśeṣato rathasthena rājñaś caiva hitaiṣiṇā / samaṃ ca viṣamaṃ caiva rathinaś ca balābalam / śramaḥ khedaś ca satataṃ hayānāṃ rathinā saha

Doch notwendig muss ich reden - möge es dir, wenn es dein Wohl ist, verständlich werden -, zumal als einer, der auf dem Wagen steht und dem König wohlgesinnt ist: ebenes und unebenes Gelände, die Kraft und Schwäche des Wagenkämpfers, die stete Ermüdung und Erschöpfung der Pferde zusammen mit dem Wagenkämpfer,

Wort für Wort
avaśyam tu mayā vācyam
notwendig aber muss von mir geredet werden (Adv./Instr./Nom.Ger.)
budhyatām yadi te hitam
möge es verständlich werden, wenn es dein Wohl ist (3.Sg.Imp./Nom.)
viśeṣataḥ rathasthena
zumal als einer, der auf dem Wagen steht (Adv./Instr.)
rājñaḥ ca eva hitaiṣiṇā
und dem König wohlgesinnt (Gen./Instr.)
samam ca viṣamam ca eva
ebenes und unebenes Gelände (Akk.)
rathinaḥ ca balābalam
und die Kraft und Schwäche des Wagenkämpfers (Gen./Akk.)
śramaḥ khedaḥ ca satatam
die stete Ermüdung und Erschöpfung (Nom./Adv.)
hayānām rathinā saha
der Pferde zusammen mit dem Wagenkämpfer (Gen./Instr.)

āyudhasya parijñānaṃ rutaṃ ca mṛgapakṣiṇām / bhāraś cāpy atibhāraś ca śalyānāṃ ca pratikriyā / astrayogaś ca yuddhaṃ ca nimittāni tathaiva ca / sarvam etan mayā jñeyaṃ rathasyāsya kuṭumbinā / atas tvāṃ kathaye karṇa nidarśanam idaṃ punaḥ

die genaue Kenntnis der Waffen, die Laute der Tiere und Vögel, die rechte Last und Überlast, sowie die Behandlung von Pfeilverwundungen, die Anwendung der Waffen und der Kampf sowie die Vorzeichen - dies alles muss ich als der für diesen Wagen Verantwortliche kennen. Darum trage ich dir, Karṇa, wiederum dieses Gleichnis vor.

Wort für Wort
āyudhasya parijñānam
die genaue Kenntnis der Waffen (Gen./Akk.)
rutam ca mṛgapakṣiṇām
und die Laute der Tiere und Vögel (Akk./Gen.)
bhāraḥ ca api atibhāraḥ ca
die rechte Last und Überlast (Nom.)
śalyānām ca pratikriyā
und die Behandlung von Pfeilverwundungen (Gen./Nom.)
astrayogaḥ ca yuddham ca
die Anwendung der Waffen und der Kampf (Nom.)
nimittāni tathā eva ca
sowie die Vorzeichen (Nom.)
sarvam etat mayā jñeyam
dies alles muss von mir gekannt werden (Nom./Instr./Nom.Ger.)
rathasya asya kuṭumbinā
von mir als dem für diesen Wagen Verantwortlichen (Gen./Instr.)
ataḥ tvām kathaye karṇa
darum trage ich dir vor, Karṇa (Adv./Akk./1.Sg.Präs./Vok.)
nidarśanam idam punaḥ
dieses Gleichnis wiederum (Akk./Adv.)

vaiśyaḥ kila samudrānte prabhūtadhanadhānyavān / yajvā dānapatiḥ kṣāntaḥ svakarmastho 'bhavac chuciḥ / bahuputraḥ priyāpatyaḥ sarvabhūtānukampakaḥ / rājño dharmapradhānasya rāṣṭre vasati nirbhayaḥ

Es war einst, so heißt es, am Rand des Meeres ein Vaiśya, reich an Gut und Korn, ein Opferer, freigebiger Herr, geduldig, seinem eigenen Werk ergeben, lauter, vielsöhnig, seine Kinder liebend, mitfühlend mit allen Wesen; er wohnte furchtlos im Reich eines Königs, dem das Recht das Höchste war.

Wort für Wort
vaiśyaḥ kila samudrānte
ein Vaiśya, so heißt es, am Rand des Meeres (Nom./Adv./Lok.)
prabhūtadhanadhānyavān
reich an Gut und Korn (Nom.)
yajvā dānapatiḥ kṣāntaḥ
ein Opferer, freigebiger Herr, geduldig (Nom.)
svakarmasthaḥ abhavat śuciḥ
seinem eigenen Werk ergeben, war lauter (Nom./3.Sg.Impf./Nom.)
bahuputraḥ priyāpatyaḥ
vielsöhnig, seine Kinder liebend (Nom.)
sarvabhūtānukampakaḥ
mitfühlend mit allen Wesen (Nom.)
rājñaḥ dharmapradhānasya
eines Königs, dem das Recht das Höchste war (Gen.)
rāṣṭre vasati nirbhayaḥ
wohnte furchtlos im Reich (Lok./3.Sg.Präs./Nom.)

putrāṇāṃ tasya bālānāṃ kumārāṇāṃ yaśasvinām / kāko bahūnām abhavad ucciṣṭakṛtabhojanaḥ

Für seine jungen Söhne, die ruhmreichen Knaben, gab es unter den vielen einen Raben, der sich von ihren Speiseresten ernährte.

Wort für Wort
putrāṇām tasya bālānām
für seine jungen Söhne (Gen.)
kumārāṇām yaśasvinām
die ruhmreichen Knaben (Gen.)
kākaḥ bahūnām abhavat
es gab unter den vielen einen Raben (Nom./Gen./3.Sg.Impf.)
ucciṣṭakṛtabhojanaḥ
der sich von Speiseresten ernährte (Nom.)

tasmai sadā prayacchanti vaiśyaputrāḥ kumārakāḥ / māṃsodanaṃ dadhi kṣīraṃ pāyasaṃ madhusarpiṣī / sa cocchiṣṭabhṛtaḥ kāko vaiśyaputraiḥ kumārakaiḥ / sadṛśān pakṣiṇo dṛptaḥ śreyasaś cāvamanyate

Ihm gaben die Söhne des Vaiśya, die Knaben, stets Fleisch mit Reis, Dickmilch, Milch, Milchreis, Honig und geklärte Butter. Und dieser Rabe, von den Söhnen des Vaiśya mit Speiseresten genährt, wurde hochmütig und verachtete Vögel, die ihm ebenbürtig oder gar überlegen waren.

Wort für Wort
tasmai sadā prayacchanti
ihm geben stets (Dat./Adv./3.Pl.Präs.)
vaiśyaputrāḥ kumārakāḥ
die Söhne des Vaiśya, die Knaben (Nom.)
māṃsodanam dadhi kṣīram
Fleisch mit Reis, Dickmilch, Milch (Akk.)
pāyasam madhusarpiṣī
Milchreis, Honig und geklärte Butter (Akk.)
saḥ ca ucchiṣṭabhṛtaḥ kākaḥ
und dieser mit Speiseresten genährte Rabe (Nom.)
vaiśyaputraiḥ kumārakaiḥ
von den Söhnen des Vaiśya, den Knaben (Instr.)
sadṛśān pakṣiṇaḥ dṛptaḥ
hochmütig, die ebenbürtigen Vögel (Akk./Nom.)
śreyasaḥ ca avamanyate
und die Überlegenen verachtet er (Akk./3.Sg.Präs.)

atha haṃsāḥ samudrānte kadā cid abhipātinaḥ / garuḍasya gatau tulyāś cakrāṅgā hṛṣṭacetasaḥ

Nun kamen einst am Rand des Meeres herabfliegende Schwäne an, dem Garuḍa gleich im Flug, mit dem Radzeichen, frohen Sinnes.

Wort für Wort
atha haṃsāḥ samudrānte
nun Schwäne am Rand des Meeres (Adv./Nom./Lok.)
kadā cit abhipātinaḥ
einst herabfliegend (Adv./Nom.)
garuḍasya gatau tulyāḥ
dem Garuḍa gleich im Flug (Gen./Lok./Nom.)
cakrāṅgāḥ hṛṣṭacetasaḥ
mit dem Radzeichen, frohen Sinnes (Nom.)

kumārakās tato haṃsān dṛṣṭvā kākam athābruvan / bhavān eva viśiṣṭo hi patatribhyo vihaṃgama / ete nipātinaḥ paśya sahitān viyadāśritān / ebhis tvam abhiśaknoṣi kasmān na prāpitas tvayā

Da sprachen die Knaben, als sie die Schwäne sahen, zum Raben: ‚Du bist doch ausgezeichnet unter den Vögeln, o Vogel - sieh diese, die vereint im Luftraum herabgekommen sind: kannst du es mit ihnen aufnehmen? Warum hast du es nicht mit ihnen aufgenommen?‘

Wort für Wort
kumārakāḥ tataḥ haṃsān
die Knaben, als sie die Schwäne (Nom./Adv./Akk.)
dṛṣṭvā kākam atha abruvan
sahen, sprachen sie zum Raben (Absol./Akk./3.Pl.Impf.)
bhavān eva viśiṣṭaḥ hi
du bist doch ausgezeichnet (Nom.)
patatribhyaḥ vihaṃgama
unter den Vögeln, o Vogel (Abl./Vok.)
ete nipātinaḥ paśya
sieh diese Herabkommenden (Akk./2.Sg.Imp.)
sahitān viyadāśritān
vereint, im Luftraum weilend (Akk.)
ebhiḥ tvam abhiśaknoṣi
mit diesen kannst du es aufnehmen (Instr./Nom./2.Sg.Präs.)
kasmāt na prāpitaḥ tvayā
warum hast du es nicht getan (Adv./Nom./Instr.)

atha haṃsavaco mūḍhaḥ kutsayitvā punaḥ punaḥ / prajagādottaraṃ kākaḥ katthano jātilāghavāt

Da, nachdem er die Rede der Schwäne wieder und wieder verhöhnt hatte, gab der törichte, prahlerische Rabe aus angeborener Leichtfertigkeit eine Erwiderung.

Wort für Wort
atha haṃsavacaḥ mūḍhaḥ
da die Rede der Schwäne, der Törichte (Adv./Akk./Nom.)
kutsayitvā punaḥ punaḥ
nachdem er verhöhnt hatte, wieder und wieder (Absol./Adv.)
prajagāda uttaram kākaḥ
gab eine Erwiderung, der Rabe (3.Sg.Perf./Akk./Nom.)
katthanaḥ jātilāghavāt
der prahlerische, aus angeborener Leichtfertigkeit (Nom./Abl.)

tān so 'bhipatya jijñāsuḥ ka eṣāṃ śreṣṭhabhāg iti / ucchiṣṭadarpitaḥ kāko bahūnāṃ dūrapātinām / teṣāṃ yaṃ pravaraṃ mene haṃsānāṃ dūrapātinām / tam āhvayata durbuddhiḥ patāma iti pakṣiṇam

Zu ihnen flog er, der vom Speiseabfall hochmütig gewordene Rabe, begierig zu erfahren, wer unter den vielen weitfliegenden Schwänen der Beste sei; und den er für den Vorzüglichsten hielt, den forderte er, der Übelgesinnte, heraus: ‚Lass uns um die Wette fliegen!‘

Wort für Wort
tān saḥ abhipatya jijñāsuḥ
zu ihnen flog er, begierig zu erfahren (Akk./Nom./Absol./Nom.)
kaḥ eṣām śreṣṭhabhāk iti
wer unter ihnen der Beste sei (Nom./Gen./Nom.)
ucchiṣṭadarpitaḥ kākaḥ
der vom Speiseabfall hochmütig gewordene Rabe (Nom.)
bahūnām dūrapātinām
der vielen weitfliegenden (Gen.)
teṣām yam pravaram mene
den er unter ihnen für den Vorzüglichsten hielt (Gen./Akk./3.Sg.Perf.)
haṃsānām dūrapātinām
der weitfliegenden Schwäne (Gen.)
tam āhvayata durbuddhiḥ
den forderte er heraus, der Übelgesinnte (Akk./3.Sg.Impf./Nom.)
patāmaḥ iti pakṣiṇam
'lass uns fliegen' zu dem Vogel (1.Pl.Opt./Akk.)

tac chrutvā prāhasan haṃsā ye tatrāsan samāgatāḥ / bhāṣato bahu kākasya balinaḥ patatāṃ varāḥ / idam ūcuś ca cakrāṅgā vacaḥ kākaṃ vihaṃgamāḥ

Als sie das hörten, lachten die Schwäne, die dort versammelt waren, die kräftigen, besten der Flieger, über das viele Gerede des Raben, und die Radgezeichneten sprachen dieses Wort zum Raben, die Vögel:

Wort für Wort
tat śrutvā prāhasan haṃsāḥ
als sie das hörten, lachten die Schwäne (Akk./Absol./3.Pl.Impf./Nom.)
ye tatra āsan samāgatāḥ
die dort versammelt waren (Nom./Adv./3.Pl.Impf./Nom.)
bhāṣataḥ bahu kākasya
über das viele Gerede des Raben (Gen.Part./Akk./Gen.)
balinaḥ patatām varāḥ
die kräftigen, besten der Flieger (Nom./Gen./Nom.)
idam ūcuḥ ca cakrāṅgāḥ
dieses sprachen die Radgezeichneten (Akk./3.Pl.Perf./Nom.)
vacaḥ kākam vihaṃgamāḥ
das Wort zum Raben, die Vögel (Akk./Akk./Nom.)

vayaṃ haṃsāś carāmemāṃ pṛthivīṃ mānasaukasaḥ / pakṣiṇāṃ ca vayaṃ nityaṃ dūrapātena pūjitāḥ / kathaṃ nu haṃsaṃ balinaṃ vajrāṅgaṃ dūrapātinam / kāko bhūtvā nipatane samāhvayasi durmate / kathaṃ tvaṃ patanaṃ kāka sahāsmābhir bravīṣi tat

‚Wir Schwäne, die auf dem Mānasa-See wohnen, durchziehen diese Erde; und wir werden unter den Vögeln stets wegen unseres Weitflugs geehrt. Wie kannst du, ein Rabe, einen kräftigen, diamantgliedrigen, weitfliegenden Schwan im Wettflug herausfordern, Übelgesinnter? Wie kommst du dazu, Rabe, von einem Wettflug mit uns zu sprechen?‘

Wort für Wort
vayam haṃsāḥ carāma imām
wir Schwäne durchziehen diese (Nom./Nom./1.Pl.Präs./Akk.)
pṛthivīm mānasaukasaḥ
die Erde, die auf dem Mānasa-See wohnen (Akk./Nom.)
pakṣiṇām ca vayam nityam
und wir unter den Vögeln stets (Gen./Nom./Adv.)
dūrapātena pūjitāḥ
wegen des Weitflugs geehrt (Instr./Nom.)
katham nu haṃsam balinam
wie denn einen kräftigen Schwan (Adv./Akk.)
vajrāṅgam dūrapātinam
diamantgliedrigen, weitfliegenden (Akk.)
kākaḥ bhūtvā nipatane
ein Rabe seiend, im Wettflug (Nom./Absol./Lok.)
samāhvayasi durmate
forderst du heraus, Übelgesinnter (2.Sg.Präs./Vok.)
katham tvam patanam kāka
wie kommst du, Rabe, zum Fliegen (Adv./Nom./Akk./Vok.)
saha asmābhiḥ bravīṣi tat
mit uns zu sprechen (Instr./2.Sg.Präs./Akk.)

atha haṃsavaco mūḍhaḥ kutsayitvā punaḥ punaḥ / prajagādottaraṃ kākaḥ katthano jātilāghavāt

Da, nachdem er abermals die Rede der Schwäne wieder und wieder verhöhnt hatte, gab der törichte, prahlerische Rabe aus angeborener Leichtfertigkeit erneut eine Erwiderung:

Wort für Wort
atha haṃsavacaḥ mūḍhaḥ
da die Rede der Schwäne, der Törichte (Adv./Akk./Nom.)
kutsayitvā punaḥ punaḥ
nachdem er verhöhnt hatte, wieder und wieder (Absol./Adv.)
prajagāda uttaram kākaḥ
gab eine Erwiderung, der Rabe (3.Sg.Perf./Akk./Nom.)
katthanaḥ jātilāghavāt
der prahlerische, aus angeborener Leichtfertigkeit (Nom./Abl.)

[Anm.: Dieser Halbvers wiederholt wörtlich Vers 12 - eine im Original offenbar beabsichtigte formelhafte Wiederholung, die den erneuten Wortwechsel einleitet.]

śatam ekaṃ ca pātānāṃ patitāsmi na saṃśayaḥ / śatayojanam ekaikaṃ vicitraṃ vividhaṃ tathā / uḍḍīnam avaḍīnaṃ ca praḍīnaṃ ḍīnam eva ca / niḍīnam atha saṃḍīnaṃ tiryak cātigatāni ca

‚Hundertundeins Flugarten bin ich geflogen, kein Zweifel; jede einzelne über hundert Yojanas weit, mannigfaltig und vielfältig: Auffliegen, Abwärtsfliegen, Vorwärtsfliegen und einfaches Fliegen, Niederfliegen und Zusammenfliegen, sowie Querfliegen und Überfliegen,

Wort für Wort
śatam ekam ca pātānām
hundertundeins von Flugarten (Akk./Gen.)
patitā asmi na saṃśayaḥ
bin ich geflogen, kein Zweifel (Nom./1.Sg.Präs./Nom.)
śatayojanam ekaikam
jede einzelne über hundert Yojanas (Akk.)
vicitram vividham tathā
mannigfaltig und vielfältig (Akk./Adv.)
uḍḍīnam avaḍīnam ca
Auffliegen, Abwärtsfliegen (Akk.)
praḍīnam ḍīnam eva ca
Vorwärtsfliegen und einfaches Fliegen (Akk.)
niḍīnam atha saṃḍīnam
Niederfliegen und Zusammenfliegen (Akk.)
tiryak ca atigatāni ca
Querfliegen und Überfliegen (Akk.)

viḍīnaṃ pariḍīnaṃ ca parāḍīnaṃ suḍīnakam / atiḍīnaṃ mahāḍīnaṃ niḍīnaṃ pariḍīnakam

Seitwärtsfliegen und Rundumfliegen, Wegfliegen und Schönfliegen, Überaus-Fliegen und Großfliegen, Niederfliegen und Rundum-Niederfliegen,

Wort für Wort
viḍīnam pariḍīnam ca
Seitwärtsfliegen und Rundumfliegen (Akk.)
parāḍīnam suḍīnakam
Wegfliegen und Schönfliegen (Akk.)
atiḍīnam mahāḍīnam
Überaus-Fliegen und Großfliegen (Akk.)
niḍīnam pariḍīnakam
Niederfliegen und Rundum-Niederfliegen (Akk.)

[Anm.: Die Verse 18-19 (samt der anschließenden, hier übergangenen apparatus-Fortsetzung) reihen zahlreiche, größtenteils mit dem Präfix -ḍīna gebildete, teils offenbar erfundene Bezeichnungen für Flugarten aneinander, deren genaue technische Bedeutung sich nicht sicher bestimmen lässt - ein komisch-prahlerischer Wortschwall des Raben; sie werden möglichst wörtlich, dem Klang und der Bildung nach, wiedergegeben. Die apparatus-Einfügung nach Vers 19 (drei weitere Halbverse mit noch mehr solchen Wortbildungen sowie eine Aufforderung des Raben an die Schwäne, ihm eine Flugart vorzugeben) wird als bloße Fortsetzung derselben Aufzählung übergangen.]

gatāgatapratigatā bahvīś ca nikuḍīnikāḥ / kartāsmi miṣatāṃ vo 'dya tato drakṣyatha me balam

Hin- und Herfliegen, Gegenfliegen und viele Arten des Herabschwirrens werde ich heute vor euren Augen vollführen - dann werdet ihr meine Kraft sehen!‘

Wort für Wort
gatāgatapratigatāḥ
Hin- und Herfliegen, Gegenfliegen (Akk.)
bahvīḥ ca nikuḍīnikāḥ
und viele Arten des Herabschwirrens (Akk.)
kartā asmi miṣatām vaḥ
werde ich vollführen, vor euren Augen (Nom./1.Sg.Präs./Gen.)
adya tataḥ drakṣyatha me balam
heute, dann werdet ihr meine Kraft sehen (Adv./Adv./2.Pl.Fut./Akk.)

evam ukte tu kākena prahasyaiko vihaṃgamaḥ / uvāca haṃsas taṃ kākaṃ vacanaṃ tan nibodha me

Als der Rabe so gesprochen hatte, lachte einer der Vögel, und der Schwan sprach zum Raben dieses Wort - vernimm es von mir:

Wort für Wort
evam ukte tu kākena
als so gesprochen war vom Raben (Adv./Lok.Abs./Instr.)
prahasya ekaḥ vihaṃgamaḥ
lachend einer der Vögel (Absol./Nom.)
uvāca haṃsaḥ tam kākam
sprach der Schwan zu dem Raben (3.Sg.Perf./Nom./Akk.)
vacanam tat nibodha me
dieses Wort, vernimm von mir (Akk./2.Sg.Imp./Gen.)

śatam ekaṃ ca pātānāṃ tvaṃ kāka patitā dhruvam / ekam eva tu ye pātaṃ viduḥ sarve vihaṃgamāḥ / tam ahaṃ patitā kāka nānyaṃ jānāmi kaṃ cana / pata tvam api raktākṣa yena vā tena manyase

‚Hundertundeins Flugarten bist du, Rabe, gewiss geflogen; doch nur eine einzige Flugart kennen alle Vögel wirklich. Diese eine fliege ich, Rabe, keine andere kenne ich. Fliege du auch, Rotäugiger, mit welcher du willst.‘

Wort für Wort
śatam ekam ca pātānām
hundertundeins von Flugarten (Akk./Gen.)
tvam kāka patitā dhruvam
bist du, Rabe, gewiss geflogen (Nom./Vok./Nom./Adv.)
ekam eva tu ye pātam
doch nur eine einzige Flugart, die (Akk./Nom./Akk.)
viduḥ sarve vihaṃgamāḥ
kennen alle Vögel (3.Pl.Perf./Nom./Nom.)
tam aham patitā kāka
diese fliege ich, Rabe (Akk./Nom./Nom./Vok.)
na anyam jānāmi kam cana
keine andere kenne ich (Akk./1.Sg.Präs./Akk.)
pata tvam api raktākṣa
fliege auch du, Rotäugiger (2.Sg.Imp./Nom./Vok.)
yena vā tena manyase
mit welcher du willst (Instr./Instr./2.Sg.Präs.)

atha kākāḥ prajahasur ye tatrāsan samāgatāḥ / katham ekena pātena haṃsaḥ pātaśataṃ jayet

Da lachten die Raben, die dort versammelt waren: ‚Wie sollte ein Schwan mit einer einzigen Flugart die hundert Flugarten besiegen?‘

Wort für Wort
atha kākāḥ prajahasuḥ
da lachten die Raben (Adv./Nom./3.Pl.Perf.)
ye tatra āsan samāgatāḥ
die dort versammelt waren (Nom./Adv./3.Pl.Impf./Nom.)
katham ekena pātena
wie mit einer einzigen Flugart (Adv./Instr.)
haṃsaḥ pātaśatam jayet
sollte ein Schwan die hundert Flugarten besiegen (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)

ekenaiva śatasyaikaṃ pātenābhibhaviṣyati / aham ekena pātena haṃsa pātaśataṃ jaye / ekenaiva ca haṃsa tvaṃ pāteneha patiṣyasi / haṃsasya patitaṃ kāko balavān āśuvikramaḥ

Mit nur einer einzigen Flugart, so hieß es, wird er die hundert überwinden; doch der kräftige, schnellkräftige Rabe forderte dennoch den Flug des Schwans heraus: ‚Ich werde mit einer einzigen Flugart die hundert Flugarten übertreffen, Schwan; und du, Schwan, wirst hier mit nur einer Flugart zu Fall kommen.‘

Wort für Wort
ekena eva śatasya ekam
mit nur einer die eine der hundert (Instr./Gen./Akk.)
pātena abhibhaviṣyati
wird er mit der Flugart überwinden (Instr./3.Sg.Fut.)
aham ekena pātena haṃsa
ich mit einer Flugart, Schwan (Nom./Instr./Vok.)
pātaśatam jaye
die hundert Flugarten werde ich besiegen (Akk./1.Sg.Fut.)
ekena eva ca haṃsa tvam
und mit nur einer, Schwan, wirst du (Instr./Vok./Nom.)
pātena iha patiṣyasi
hier mit der Flugart zu Fall kommen (Instr./2.Sg.Fut.)
haṃsasya patitam kākaḥ
den Flug des Schwans der Rabe (Gen./Akk./Nom.)
balavān āśuvikramaḥ
der kräftige, schnellkräftige (Nom.)

prapetatuḥ spardhayātha tatas tau haṃsavāyasau / ekapātī ca cakrāṅgaḥ kākaḥ pātaśatena ca

Da flogen die beiden, Schwan und Rabe, im Wetteifer auf - der Radgezeichnete mit einer einzigen Flugart, der Rabe mit den hundert Flugarten; beide, eifrig wetteifernd, erhoben sich rasch in die Luft, kraftvoll. Doch der Rabe machte sich zuerst rasch auf den Weg; aus Leichtfertigkeit zeigte er dem Schwan wiederholt seine Schnelligkeit, überholte ihn mit Schwung und kehrte immer wieder zurück, hackte ihn mit dem Schnabel, wobei er ihn nach links umkreiste, und forderte ihn schreiend immer wieder heraus.

Wort für Wort
prapetatuḥ spardhayā atha
da flogen die beiden im Wetteifer auf (3.Du.Perf./Instr./Adv.)
tataḥ tau haṃsavāyasau
die beiden, Schwan und Rabe (Adv./Nom.Dual)
ekapātī ca cakrāṅgaḥ
der Radgezeichnete mit einer Flugart (Nom./Nom.)
kākaḥ pātaśatena ca
und der Rabe mit den hundert Flugarten (Nom./Instr.)

petivān atha cakrāṅgaḥ petivān atha vāyasaḥ / visismāpayiṣuḥ pātair ācakṣāṇo 'tmanaḥ kriyām / atha kākasya citrāṇi patitānītarāṇi ca / dṛṣṭvā pramuditāḥ kākā vinedur atha taiḥ svaraiḥ / haṃsāṃś cāvahasanti sma prāvadann apriyāṇi ca / utpatyotpatya ca prāhur muhūrtam iti ceti ca / vṛkṣāgrebhyaḥ sthalebhyaś ca nipatanty utpatanti ca / kurvāṇā vividhān rāvān āśaṃsantas tadā jayam

Da flog der Radgezeichnete, da flog der Rabe, beide wollten die anderen durch ihre Flugkünste in Staunen versetzen, ihre eigene Leistung vorführend. Als die Raben nun die kunstvollen und mancherlei anderen Flugfiguren des Raben sahen, jubelten sie und schrien mit ihren Stimmen auf; sie verspotteten die Schwäne und sprachen unfreundliche Worte, und immer wieder auffliegend riefen sie: 'Nur noch einen Augenblick!' Von Baumwipfeln und vom Boden aus flogen sie herab und wieder auf, allerlei Laute ausstoßend, in der Erwartung des Sieges.

Wort für Wort
petivān atha cakrāṅgaḥ
da flog der Radgezeichnete (Nom./Adv./Nom.)
petivān atha vāyasaḥ
da flog der Rabe (Nom./Adv./Nom.)
visismāpayiṣuḥ pātaiḥ
wollend in Staunen versetzen durch die Flüge (Nom./Instr.)
ācakṣāṇaḥ ātmanaḥ kriyām
die eigene Leistung vorführend (Nom./Gen./Akk.)
atha kākasya citrāṇi
da des Raben kunstvolle (Adv./Gen./Akk.)
patitāni itarāṇi ca
Flüge und andere (Akk.)
dṛṣṭvā pramuditāḥ kākāḥ
als sie sahen, jubelten die Raben (Absol./Nom./Nom.)
vineduḥ atha taiḥ svaraiḥ
schrien auf mit ihren Stimmen (3.Pl.Perf./Adv./Instr.)
haṃsān ca avahasanti sma
und verspotteten die Schwäne (Akk./3.Pl.Präs.)
prāvadan apriyāṇi ca
sprachen unfreundliche Worte (3.Pl.Impf./Akk.)
utpatya utpatya ca prāhuḥ
immer wieder auffliegend riefen sie (Absol./3.Pl.Perf.)
muhūrtam iti ca iti ca
'nur einen Augenblick' und so weiter (Akk.)
vṛkṣāgrebhyaḥ sthalebhyaḥ ca
von Baumwipfeln und vom Boden (Abl.)
nipatanti utpatanti ca
flogen sie herab und wieder auf (3.Pl.Präs.)
kurvāṇāḥ vividhān rāvān
allerlei Laute ausstoßend (Nom./Akk.)
āśaṃsantaḥ tadā jayam
den Sieg erwartend (Nom./Adv./Akk.)

haṃsas tu mṛdukenaiva vikrāntum upacakrame / pratyahīyata kākāc ca muhūrtam iva māriṣa / avamanya rayaṃ haṃsān idaṃ vacanam abravīt / yo 'sāv utpatito haṃsaḥ so 'sāv eva prahīyate

Der Schwan aber begann nur mit sanfter Kraft zu fliegen und blieb, mein Gebieter, eine Weile hinter dem Raben zurück. Da, dessen Schwung geringschätzend, sprach der Rabe dieses Wort: ‚Der Schwan, der da aufgeflogen ist, der bleibt eben zurück!‘

Wort für Wort
haṃsaḥ tu mṛdukena eva
der Schwan aber nur mit sanfter Kraft (Nom./Instr.)
vikrāntum upacakrame
begann zu fliegen (Inf./3.Sg.Perf.)
pratyahīyata kākāt ca
blieb zurück hinter dem Raben (3.Sg.Impf.Pass./Abl.)
muhūrtam iva māriṣa
wie eine Weile, mein Gebieter (Akk./Vok.)
avamanya rayam haṃsān
geringschätzend den Schwung des Schwans (Absol./Akk.)
idam vacanam abravīt
sprach dieses Wort (Akk./Akk./3.Sg.Impf.)
yaḥ asau utpatitaḥ haṃsaḥ
der Schwan, der da aufgeflogen ist (Nom.)
saḥ asau eva prahīyate
der bleibt eben zurück (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

atha haṃsaḥ sa tac chrutvā prāpatat paścimāṃ diśam / vigāhya haṃso vikṣobhya upary upari vegena sāgaraṃ varuṇālayam

Da, als der Schwan dies gehört hatte, flog er in Richtung Westen davon, sich emporschwingend, mit gewaltiger Kraft immer höher über das Meer hinweg, die Heimstatt Varuṇas, hineinstürzend, es aufwühlend,

Wort für Wort
atha haṃsaḥ saḥ tat śrutvā
da der Schwan, als er dies gehört hatte (Adv./Nom./Nom./Akk./Absol.)
prāpatat paścimām diśam
flog er in Richtung Westen davon (3.Sg.Impf./Akk.)
vigāhya haṃsaḥ vikṣobhya
sich emporschwingend, der Schwan, aufwühlend (Absol./Nom./Absol.)
upari upari vegena
immer höher, mit Kraft (Adv./Instr.)
sāgaram varuṇālayam
über das Meer, die Heimstatt Varuṇas (Akk.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (zwei Wörter) ist im vorliegenden Textzeugnis durch **** unleserlich; der Sinn - eine weitere Beschreibung des vom Schwan Gesagten oder Getanen - lässt sich aus dem Zusammenhang nicht mehr rekonstruieren und wird daher nicht ergänzt.]

bahusattvasamākīrṇaṃ vīcībhir bhīmadarśanam / athācireṇa rādheya kāko vegād ahīyata / tato 'tīva pariśrāntaḥ kathaṃ cid dhaṃsam anvagāt

über das von vielen Wesen erfüllte, von Wellen schreckliche Meer; und schon bald, Sohn der Rādhā, blieb der Rabe im Schwung zurück, und dann, überaus ermattet, folgte er dem Schwan nur mit Mühe.

Wort für Wort
bahusattvasamākīrṇam
das von vielen Wesen erfüllte (Akk.)
vīcībhiḥ bhīmadarśanam
von Wellen schrecklich anzusehen (Instr./Akk.)
atha acireṇa rādheya
und bald, Sohn der Rādhā (Adv./Instr./Vok.)
kākaḥ vegāt ahīyata
blieb der Rabe im Schwung zurück (Nom./Abl./3.Sg.Impf.Pass.)
tataḥ atīva pariśrāntaḥ
dann überaus ermattet (Adv./Adv./Nom.)
katham cit haṃsam anvagāt
folgte er nur mit Mühe dem Schwan (Adv./Akk./3.Sg.Impf.)

tato bhīḥ prāviśat kākaṃ tadā tatra vicetasam / dvīpadrumān apaśyantaṃ nipatantaṃ śramānvitam / avekṣamāṇas taṃ kākaṃ vihvalaṃ taṃ muhur muhuḥ / nipateyaṃ kva nu śrānta iti tasmiñ jalārṇave

Da überkam den Raben Furcht, der dort seiner selbst nicht mehr mächtig war, keine Inselbäume mehr erblickte, erschöpft herabsank und immer wieder verwirrt zurückblickte: ‚Wo soll ich, erschöpft, in dieser Wasserflut niederfallen?‘

Wort für Wort
tataḥ bhīḥ prāviśat kākam
da überkam den Raben Furcht (Adv./Nom./3.Sg.Impf./Akk.)
tadā tatra vicetasam
der dort seiner selbst nicht mehr mächtig war (Adv./Adv./Akk.)
dvīpadrumān apaśyantam
keine Inselbäume mehr erblickend (Akk./Akk.)
nipatantam śramānvitam
herabsinkend, erschöpft (Akk./Akk.)
avekṣamāṇaḥ tam kākam
zurückblickend, jener Rabe (Nom./Akk./Akk.)
vihvalam tam muhuḥ muhuḥ
verwirrt, immer wieder (Akk./Akk./Adv.)
nipateyam kva nu śrāntaḥ
wo soll ich, erschöpft, niederfallen (1.Sg.Opt./Adv./Adv./Nom.)
iti tasmin jalārṇave
in dieser Wasserflut (Adv./Lok./Lok.)

aviṣahyaḥ samudro hi bahusattvagaṇālayaḥ / mahābhūtaśatodbhāsī nabhaso 'pi viśiṣyate / gāmbhīryād dhi samudrasya na viśeṣaḥ kulādhama / digambarāmbhasāṃ karṇa samudrasthā hi durjayāḥ / vidūrapātāt toyasya kiṃ punaḥ karṇa vāyasaḥ

Denn das Meer, unwiderstehlich, Heimstatt vieler Scharen von Lebewesen, von hunderten großen Wesen erstrahlend, übertrifft sogar den Himmelsraum. An der Tiefe des Meeres, du Niedrigster deines Geschlechts, gibt es keinen Unterschied - selbst die Gewässer, die sich unter freiem Himmel erstrecken, sind, wenn sie zum Meer gehören, schwer zu überwinden, Karṇa; wie viel mehr erst für einen Raben, angesichts des von weit entfernten Wassers, Karṇa!

Wort für Wort
aviṣahyaḥ samudraḥ hi
denn das Meer, unwiderstehlich (Nom.)
bahusattvagaṇālayaḥ
Heimstatt vieler Scharen von Lebewesen (Nom.)
mahābhūtaśatodbhāsī
von hunderten großen Wesen erstrahlend (Nom.)
nabhasaḥ api viśiṣyate
übertrifft sogar den Himmelsraum (Abl./3.Sg.Präs.Pass.)
gāmbhīryāt hi samudrasya
an der Tiefe des Meeres (Abl./Gen.)
na viśeṣaḥ kulādhama
gibt es keinen Unterschied, du Niedrigster deines Geschlechts (Nom./Vok.)
digambarāmbhasām karṇa
der Gewässer unter freiem Himmel, Karṇa (Gen./Vok.)
samudrasthāḥ hi durjayāḥ
sind, zum Meer gehörig, schwer zu überwinden (Nom./Nom.)
vidūrapātāt toyasya
angesichts des von weit entfernten Wassers (Abl./Gen.)
kim punaḥ karṇa vāyasaḥ
wie viel mehr, Karṇa, ein Rabe (Adv./Adv./Vok./Nom.)

atha haṃso 'bhyatikramya muhūrtam iti ceti ca / avekṣamāṇas taṃ kākaṃ nāśaknod vyapasarpitum / atikramya ca cakrāṅgaḥ kākaṃ taṃ samudaikṣata / yāvad gatvā pataty eṣa kāko mām iti cintayan / tataḥ kāko bhṛśaṃ śrānto haṃsam abhyāgamat tadā / śanakaiḥ parihīyantaṃ pariśrāntam acetasam / taṃ prahasya ca cakrāṅgaḥ kākaṃ mandagatiṃ tadā

Da überholte der Schwan ihn, immer wieder 'nur einen Augenblick noch' rufend, doch, immer auf den Raben zurückblickend, konnte er sich nicht davonmachen; und der Radgezeichnete, obwohl er ihn überholt hatte, behielt den Raben im Blick, denkend: 'Solange dieser Rabe noch fliegt, bis er zu mir herabfällt.' Da näherte sich der Rabe, überaus erschöpft, dem Schwan; und über den langsam zurückbleibenden, ermatteten, besinnungslosen Raben lachte der Radgezeichnete da, den langsam dahinfliegenden Raben.

Wort für Wort
atha haṃsaḥ abhyatikramya
da der Schwan, überholend (Adv./Nom./Absol.)
muhūrtam iti ca iti ca
'nur einen Augenblick noch' (Akk.)
avekṣamāṇaḥ tam kākam
zurückblickend auf jenen Raben (Nom./Akk.)
na aśaknot vyapasarpitum
konnte sich nicht davonmachen (3.Sg.Impf./Inf.)
atikramya ca cakrāṅgaḥ
und der Radgezeichnete, obwohl er ihn überholt hatte (Absol./Nom.)
kākam tam samudaikṣata
behielt jenen Raben im Blick (Akk./Akk./3.Sg.Impf.)
yāvat gatvā patati eṣaḥ kākaḥ
solange dieser Rabe noch fliegt, bis er fällt (Adv./Absol./3.Sg.Präs./Nom./Nom.)
mām iti cintayan
an mich denkend (Akk./Part.)
tataḥ kākaḥ bhṛśam śrāntaḥ
da der Rabe, überaus erschöpft (Adv./Nom./Adv./Nom.)
haṃsam abhyāgamat tadā
näherte sich dem Schwan da (Akk./3.Sg.Impf./Adv.)
śanakaiḥ parihīyantam
langsam zurückbleibend (Instr./Akk.)
pariśrāntam acetasam
ermattet, besinnungslos (Akk.)
tam prahasya ca cakrāṅgaḥ
über den lachend, der Radgezeichnete (Akk./Absol./Nom.)
kākam mandagatim tadā
den langsam dahinfliegenden Raben da (Akk./Akk./Adv.)

taṃ tathā hīyamānaṃ ca haṃso dṛṣṭvābravīd idam / ujjihīrṣur nimajjantaṃ smaran satpuruṣavratam / bahūni patanāni tvam ācakṣāṇo muhur muhuḥ / patasy avyāharaṃś cedaṃ na no guhyaṃ prabhāṣase / kiṃ nāma patanaṃ kāka yat tvaṃ patasi sāṃpratam / jalaṃ spṛśasi pakṣābhyāṃ tuṇḍena ca punaḥ punaḥ / prabrūhi katame tatra pāte vartasi vāyasa / ehy ehi kāka śīghraṃ tvam eṣa tvāṃ pratipālaye

Als der Schwan ihn so zurückbleiben sah, sprach er, ihn aus dem Wasser retten wollend, eingedenk des Gelübdes der Guten, dies: ‚Viele Flugarten hast du immer wieder gerühmt - jetzt fliegst du stumm; verrätst du uns dein Geheimnis nicht? Was für ein Fliegen, Rabe, ist das, das du jetzt fliegst, da du mit den Flügeln und immer wieder mit dem Schnabel das Wasser berührst? Sag mir, in welcher von diesen Flugarten du dich jetzt befindest, Rabe! Komm, komm rasch her, Rabe - ich warte auf dich.‘

Wort für Wort
tam tathā hīyamānam ca
ihn so zurückbleibend (Akk./Adv./Akk.)
haṃsaḥ dṛṣṭvā abravīt idam
der Schwan, als er sah, sprach dies (Nom./Absol./3.Sg.Impf./Akk.)
ujjihīrṣuḥ nimajjantam
retten wollend den Versinkenden (Nom./Akk.)
smaran satpuruṣavratam
eingedenk des Gelübdes der Guten (Part./Akk.)
bahūni patanāni tvam
viele Flugarten du (Akk./Nom.)
ācakṣāṇaḥ muhuḥ muhuḥ
immer wieder rühmend (Nom./Adv.)
patasi avyāharan ca
fliegst du, ohne zu sprechen (2.Sg.Präs./Part.)
idam na naḥ guhyam prabhāṣase
verrätst du uns dies, dein Geheimnis, nicht (Akk./Akk./Akk./2.Sg.Präs.)
kim nāma patanam kāka
was für ein Fliegen, Rabe (Nom./Adv./Nom./Vok.)
yat tvam patasi sāṃpratam
das du jetzt fliegst (Akk./Nom./2.Sg.Präs./Adv.)
jalam spṛśasi pakṣābhyām
berührst du das Wasser mit den Flügeln (Akk./2.Sg.Präs./Instr.)
tuṇḍena ca punaḥ punaḥ
und mit dem Schnabel, wieder und wieder (Instr./Adv.)
prabrūhi katame tatra pāte
sag mir, in welcher Flugart dort (2.Sg.Imp./Lok./Adv./Lok.)
vartasi vāyasa
du dich befindest, Rabe (2.Sg.Präs./Vok.)
ehi ehi kāka śīghram
komm, komm rasch, Rabe (2.Sg.Imp./Vok./Adv.)
tvam eṣa tvām pratipālaye
ich warte hier auf dich (Nom./Nom./Akk./1.Sg.Präs.)

sa pakṣābhyāṃ spṛśann ārtas tuṇḍena jalam arṇave / dṛṣṭo haṃsena duṣṭātmann idaṃ haṃsaṃ tato 'bravīt / apaśyann ambhasaḥ pāraṃ nipataṃś ca śramānvitaḥ / pātavegapramathito haṃsaṃ kāko 'bravīd idam / vayaṃ kākāḥ kuto nāma carāmaḥ kākapātikām / haṃsa prāṇaiḥ prapadye tvāṃ dvīpāntaṃ prāpayasva mām

Er, der mit den Flügeln und mit dem Schnabel gequält das Wasser des Meeres berührte, elend, vom Schwan erblickt, o Bösartiger, sprach da zum Schwan dies - das Ufer des Wassers nicht mehr erblickend, herabsinkend und erschöpft, vom Schwung des Sturzes zermürbt, sprach der Rabe zum Schwan dies: ‚Wir Raben - wovon sollten wir wohl eine 'Rabenflugart' kennen? Schwan, ich nehme meine Zuflucht zu dir bei meinem Leben - bring mich zu einer Insel!‘

Wort für Wort
saḥ pakṣābhyām spṛśan ārtaḥ
er, mit den Flügeln berührend, elend (Nom./Instr./Part./Nom.)
tuṇḍena jalam arṇave
mit dem Schnabel das Wasser im Meer (Instr./Akk./Lok.)
dṛṣṭaḥ haṃsena duṣṭātman
vom Schwan erblickt, o Bösartiger (Nom./Instr./Vok.)
idam haṃsam tataḥ abravīt
sprach da dies zum Schwan (Akk./Akk./Adv./3.Sg.Impf.)
apaśyan ambhasaḥ pāram
das Ufer des Wassers nicht mehr erblickend (Part./Gen./Akk.)
nipatan ca śramānvitaḥ
herabsinkend und erschöpft (Part./Nom.)
pātavegapramathitaḥ
vom Schwung des Sturzes zermürbt (Nom.)
haṃsam kākaḥ abravīt idam
sprach der Rabe zum Schwan dies (Akk./Nom./3.Sg.Impf./Akk.)
vayam kākāḥ kutaḥ nāma
wir Raben, woher denn (Nom./Nom./Adv./Adv.)
carāmaḥ kākapātikām
sollten wir eine Rabenflugart kennen (1.Pl.Präs./Akk.)
haṃsa prāṇaiḥ prapadye tvām
Schwan, bei meinem Leben nehme ich Zuflucht zu dir (Vok./Instr./1.Sg.Präs./Akk.)
dvīpāntam prāpayasva mām
bring mich zu einer Insel (Akk./2.Sg.Imp./Akk.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Zeile (*0339) wiederholt nur den bereits gesagten Halbvers vom Berühren des Wassers mit Flügeln und Schnabel und wird als Dublette übergangen.]

sa pakṣābhyāṃ spṛśann ārtas tuṇḍena ca mahārṇavam / kāko dṛḍhaṃ pariśrāntaḥ sahasā nipapāta ha

Er, mit den Flügeln und mit dem Schnabel elend das große Meer berührend, der Rabe, fest erschöpft, stürzte jäh herab.

Wort für Wort
saḥ pakṣābhyām spṛśan ārtaḥ
er, mit den Flügeln berührend, elend (Nom./Instr./Part./Nom.)
tuṇḍena ca mahārṇavam
und mit dem Schnabel das große Meer (Instr./Akk.)
kākaḥ dṛḍham pariśrāntaḥ
der Rabe, fest erschöpft (Nom./Adv./Nom.)
sahasā nipapāta ha
stürzte jäh herab (Adv./3.Sg.Perf.)

sāgarāmbhasi taṃ dṛṣṭvā patitaṃ dīnacetasam / mriyamāṇam idaṃ kākaṃ haṃso vākyam uvāca ha

Als der Schwan ihn dort im Wasser des Meeres fallen sah, mit betrübtem Sinn, im Sterben, sprach er zu dem Raben dieses Wort:

Wort für Wort
sāgarāmbhasi tam dṛṣṭvā
als er ihn im Wasser des Meeres sah (Lok./Akk./Absol.)
patitam dīnacetasam
gefallen, mit betrübtem Sinn (Akk.)
mriyamāṇam idam kākam
im Sterben, zu diesem Raben (Akk./Akk./Akk.)
haṃsaḥ vākyam uvāca ha
sprach der Schwan das Wort (Nom./Akk./3.Sg.Perf.)

śatam ekaṃ ca pātānāṃ yat prabhāṣasi vāyasa / ślāghamānas tvam ātmānaṃ kāka bhāṣitavān asi / sa tvam ekaśataṃ pātaṃ patann abhyadhiko mayā / katham evaṃ pariśrāntaḥ patito 'si mahārṇave / nānāvidhānīha purā tac cānṛtam ihādya te

‚Die hundertundeine Flugart, von der du sprichst, Rabe - du hast dich selbst rühmend so gesprochen; du, der die hundertundeine Flugart fliegt, mir überlegen - wie kommt es, dass du so erschöpft ins große Meer gefallen bist? Mancherlei hast du einst hier gerühmt - das erweist sich heute als Lüge bei dir.‘

Wort für Wort
śatam ekam ca pātānām
die hundertundeine der Flugarten (Akk./Gen.)
yat prabhāṣasi vāyasa
von der du sprichst, Rabe (Akk./2.Sg.Präs./Vok.)
ślāghamānaḥ tvam ātmānam
dich selbst rühmend (Nom./Nom./Akk.)
kāka bhāṣitavān asi
Rabe, du hast gesprochen (Vok./Nom./2.Sg.Perf.)
saḥ tvam ekaśatam pātam
du, die hundertundeine Flugart (Nom./Nom./Akk./Akk.)
patan abhyadhikaḥ mayā
fliegend, mir überlegen (Part./Nom./Instr.)
katham evam pariśrāntaḥ
wie so erschöpft (Adv./Adv./Nom.)
patitaḥ asi mahārṇave
bist du gefallen ins große Meer (Nom./2.Sg.Perf./Lok.)
nānāvidhāni iha purā
mancherlei hier einst (Akk./Adv./Adv.)
tat ca anṛtam iha adya te
das erweist sich heute hier als Lüge bei dir (Nom./Nom./Adv./Adv./Gen.)

pratyuvāca tataḥ kākaḥ sīdamāna idaṃ vacaḥ / upariṣṭhaṃ tadā haṃsam abhivīkṣya prasādayan

Da erwiderte der Rabe, erschöpft sinkend, dieses Wort, zu dem oben schwebenden Schwan aufblickend, ihn begütigend:

Wort für Wort
pratyuvāca tataḥ kākaḥ
da erwiderte der Rabe (3.Sg.Perf./Adv./Nom.)
sīdamānaḥ idam vacaḥ
erschöpft sinkend, dieses Wort (Nom./Akk./Akk.)
upariṣṭham tadā haṃsam
zu dem oben [schwebenden] Schwan da (Akk./Adv./Akk.)
abhivīkṣya prasādayan
aufblickend, ihn begütigend (Absol./Part.)

ucchiṣṭadarpito haṃsa manye 'tmānaṃ suparṇavat / avamanya bahūṃś cāhaṃ kākān anyāṃś ca pakṣiṇaḥ / prāṇair haṃsa prapadye tvāṃ dvīpāntaṃ prāpayasva mām / ucchiṣṭānnena puṣṭo 'haṃ darpotsiktaḥ kuvāyasaḥ / suparṇa iti cātmānaṃ jñātavān buddhilāghavāt / śaraṇaṃ tvāṃ prapanno 'ham udakāntam avāpnuyām / haṃsedānīṃ pariśrāntam āpado māṃ samuddhara

‚Vom Speiseabfall hochmütig gemacht, Schwan, hielt ich mich für einen Suparṇa; viele Raben und andere Vögel verachtete ich. Bei meinem Leben, Schwan, nehme ich Zuflucht zu dir - bring mich zu einer Insel! Von übriggelassener Speise genährt, aufgebläht vor Hochmut, ein übler Rabe, hielt ich mich in meiner Kurzsichtigkeit für einen Suparṇa. Zu dir habe ich meine Zuflucht genommen - möge ich das Ufer des Wassers erreichen. Schwan, jetzt bin ich erschöpft - errette mich aus der Not!

Wort für Wort
ucchiṣṭadarpitaḥ haṃsa
vom Speiseabfall hochmütig gemacht, Schwan (Nom./Vok.)
manye ātmānam suparṇavat
hielt ich mich für einen Suparṇa (1.Sg.Präs./Akk./Adv.)
avamanya bahūn ca aham
verachtend, viele, und ich (Absol./Akk./Nom.)
kākān anyān ca pakṣiṇaḥ
Raben und andere Vögel (Akk.)
prāṇaiḥ haṃsa prapadye tvām
bei meinem Leben, Schwan, nehme ich Zuflucht zu dir (Instr./Vok./1.Sg.Präs./Akk.)
dvīpāntam prāpayasva mām
bring mich zu einer Insel (Akk./2.Sg.Imp./Akk.)
ucchiṣṭānnena puṣṭaḥ aham
von übriggelassener Speise genährt, ich (Instr./Nom./Nom.)
darpotsiktaḥ kuvāyasaḥ
aufgebläht vor Hochmut, ein übler Rabe (Nom./Nom.)
suparṇaḥ iti ca ātmānam
für einen Suparṇa mich selbst (Nom./Akk.)
jñātavān buddhilāghavāt
hielt ich aus Kurzsichtigkeit (Nom./Abl.)
śaraṇam tvām prapannaḥ aham
zu dir habe ich Zuflucht genommen (Akk./Akk./Nom./Nom.)
udakāntam avāpnuyām
möge ich das Ufer des Wassers erreichen (Akk./1.Sg.Opt.)
haṃsa idānīm pariśrāntam
Schwan, jetzt, erschöpft (Vok./Adv./Akk.)
āpadaḥ mām samuddhara
errette mich aus der Not (Abl./Akk./2.Sg.Imp.)

yady ahaṃ svastimān haṃsa svadeśaṃ prāpnuyāṃ punaḥ / na kaṃ cid avamanyeyam āpado māṃ samuddhara / yadi nāma punar jīvan gaccheyaṃ svaṃ niveśanam / naivaṃ punar hīnam api kṣeptāhaṃ khevicāriṇam

Sollte ich heil, o Schwan, wieder mein eigenes Land erreichen, würde ich keinen mehr verachten - errette mich aus der Not! Sollte ich, am Leben bleibend, wieder in meine eigene Behausung gelangen, würde ich nie wieder, selbst den geringsten Luftwanderer, verachten.‘

Wort für Wort
yadi aham svastimān haṃsa
sollte ich, heil, Schwan (Konj./Nom./Nom./Vok.)
svadeśam prāpnuyām punaḥ
mein eigenes Land erreichen, wieder (Akk./1.Sg.Opt./Adv.)
na kam cit avamanyeyam
würde ich keinen verachten (Akk./1.Sg.Opt.)
āpadaḥ mām samuddhara
errette mich aus der Not (Abl./Akk./2.Sg.Imp.)
yadi nāma punaḥ jīvan
sollte ich, am Leben bleibend, wieder (Konj./Adv./Adv./Part.)
gaccheyam svam niveśanam
gelangen in meine eigene Behausung (1.Sg.Opt./Akk./Akk.)
na evam punaḥ hīnam api
nie wieder, selbst den geringsten (Adv./Adv./Adv./Akk./Adv.)
kṣeptā aham khevicāriṇam
würde ich verachten den Luftwanderer (1.Sg.Fut./Nom./Akk.)

tam evaṃvādinaṃ dīnaṃ vilapantam acetanam / kāka kāketi vāśantaṃ nimajjantaṃ mahārṇave / kṛpayābhiparīto vai kṛpāṃ cakre durātmani

Ihn, der so klagte, elend, wehklagend, besinnungslos, 'Rabe, Rabe' krächzend, im großen Meer versinkend, umfing Mitleid, und er empfand Erbarmen für den Bösartigen.

Wort für Wort
tam evaṃvādinam dīnam
ihn, der so sprach, elend (Akk./Akk./Akk.)
vilapantam acetanam
wehklagend, besinnungslos (Akk./Akk.)
kāka kāka iti vāśantam
'Rabe, Rabe' krächzend (Vok./Vok./Adv./Akk.)
nimajjantam mahārṇave
versinkend im großen Meer (Akk./Lok.)
kṛpayā abhiparītaḥ vai
von Mitleid umfangen (Instr./Nom./Adv.)
kṛpām cakre durātmani
empfand Erbarmen für den Bösartigen (Akk./3.Sg.Perf./Lok.)

tathaitya vāyasaṃ haṃso jalaklinnaṃ sudurdarśam / padbhyām utkṣipya vepantaṃ pṛṣṭham āropayac chanaiḥ

So kam der Schwan zu dem vom Wasser durchnässten, überaus elenden Raben heran, hob ihn mit den Füßen auf, den Zitternden, und setzte ihn sanft auf seinen Rücken.

Wort für Wort
tathā etya vāyasam haṃsaḥ
so kam der Schwan zu dem Raben heran (Adv./Absol./Akk./Nom.)
jalaklinnam sudurdarśam
vom Wasser durchnässt, überaus elend (Akk.)
padbhyām utkṣipya vepantam
mit den Füßen aufhebend, den Zitternden (Instr./Absol./Akk.)
pṛṣṭham āropayat śanaiḥ
setzte ihn sanft auf den Rücken (Akk./3.Sg.Impf./Adv.)

āropya pṛṣṭhaṃ kākaṃ taṃ haṃsaḥ karṇa vicetasam / avismayaṃs tadā karṇa punar enaṃ samānayat / ājagāma punar dvīpaṃ spardhayā petatur yataḥ / utsṛjaṃś cābravīn maivaṃ punaḥ kāryaṃ tvayeti ha

Nachdem er den besinnungslosen Raben auf seinen Rücken gehoben hatte, o Karṇa, brachte ihn der Schwan, ohne Erstaunen zu zeigen, wieder zurück; er kehrte zu der Insel zurück, von der aus sie im Wettstreit aufgeflogen waren, und ließ ihn dort frei, indem er sprach: ‚So etwas sollst du nie wieder tun.‘

Wort für Wort
āropya pṛṣṭham kākam tam
nachdem er den Raben auf den Rücken gehoben hatte (Absol./Akk./Akk./Akk.)
haṃsaḥ karṇa vicetasam
der Schwan, Karṇa, den Besinnungslosen (Nom./Vok./Akk.)
avismayan tadā karṇa
ohne Erstaunen zu zeigen, da, Karṇa (Part./Adv./Vok.)
punaḥ enam samānayat
brachte ihn wieder zurück (Adv./Akk./3.Sg.Impf.)
ājagāma punaḥ dvīpam
kehrte wieder zur Insel zurück (3.Sg.Perf./Adv./Akk.)
spardhayā petatuḥ yataḥ
von der aus sie im Wettstreit aufgeflogen waren (Instr./3.Du.Perf./Adv.)
utsṛjan ca abravīt
und ließ ihn frei, sprechend (Part./3.Sg.Impf.)
mā evam punaḥ kāryam tvayā
so etwas sollst du nie wieder tun (Neg./Adv./Adv./Nom.Ger./Instr.)
iti ha
so (Adv.)

saṃsthāpya taṃ cāpi punaḥ samāśvāsya ca khecaram / gato yathepsitaṃ deśaṃ haṃso mana ivāśugaḥ / evam ucchiṣṭapuṣṭaḥ sa kāko haṃsaparājitaḥ / balaṃ vīryaṃ mahat karṇa tyaktvā kṣāntim upāgataḥ

Nachdem er ihn, den Luftwanderer, wieder aufgerichtet und getröstet hatte, ging der Schwan, so schnell wie der Gedanke, dorthin, wohin es ihn verlangte. So wurde der Rabe, vom Speiseabfall genährt, vom Schwan besiegt; seine große Kraft und Tapferkeit aufgebend, Karṇa, gelangte er zur Demut.

Wort für Wort
saṃsthāpya tam ca api punaḥ
nachdem er ihn wieder aufgerichtet hatte (Absol./Akk./Adv.)
samāśvāsya ca khecaram
und getröstet hatte, den Luftwanderer (Absol./Akk.)
gataḥ yathepsitam deśam
ging dorthin, wohin es ihn verlangte (Nom./Akk.)
haṃsaḥ manaḥ iva āśugaḥ
der Schwan, so schnell wie der Gedanke (Nom./Nom./Adv./Nom.)
evam ucchiṣṭapuṣṭaḥ
so vom Speiseabfall genährt (Adv./Nom.)
saḥ kākaḥ haṃsaparājitaḥ
dieser Rabe, vom Schwan besiegt (Nom./Nom./Nom.)
balam vīryam mahat karṇa
seine große Kraft und Tapferkeit, Karṇa (Akk./Akk./Akk./Vok.)
tyaktvā kṣāntim upāgataḥ
aufgebend, gelangte er zur Demut (Absol./Akk./Nom.)

ucchiṣṭabhojanāt kāko yathā vaiśyakule tu saḥ / evaṃ tvam ucchiṣṭabhṛto dhārtarāṣṭrair na saṃśayaḥ / sadṛśāñ śreyasaś cāpi sarvān karṇātimanyase

Wie jener Rabe im Haus des Vaiśya von Speiseresten genährt wurde, so bist du, ohne Zweifel, von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras mit Speiseresten genährt, und verachtest, Karṇa, alle, die dir ebenbürtig oder überlegen sind.

Wort für Wort
ucchiṣṭabhojanāt kākaḥ
vom Speiseabfall, der Rabe (Abl./Nom.)
yathā vaiśyakule tu saḥ
wie im Haus des Vaiśya (Adv./Lok./Adv./Nom.)
evam tvam ucchiṣṭabhṛtaḥ
so bist du mit Speiseresten genährt (Adv./Nom./Nom.)
dhārtarāṣṭraiḥ na saṃśayaḥ
von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, ohne Zweifel (Instr./Nom.)
sadṛśān śreyasaḥ ca api
die Ebenbürtigen und auch die Überlegenen (Akk.)
sarvān karṇa atimanyase
alle, Karṇa, verachtest du (Akk./Vok./2.Sg.Präs.)

droṇadrauṇikṛpair gupto bhīṣmeṇānyaiś ca kauravaiḥ / virāṭanagare pārtham ekaṃ kiṃ nāvadhīs tadā

Beschützt von Droṇa, Aśvatthāman und Kṛpa, von Bhīṣma und den anderen Kauravas - warum hast du damals nicht einmal den einzelnen Pārtha in der Stadt Virāṭas erschlagen?

Wort für Wort
droṇadrauṇikṛpaiḥ guptaḥ
beschützt von Droṇa, Aśvatthāman und Kṛpa (Instr./Nom.)
bhīṣmeṇa anyaiḥ ca kauravaiḥ
von Bhīṣma und den anderen Kauravas (Instr.)
virāṭanagare pārtham ekam
in der Stadt Virāṭas den einzelnen Pārtha (Lok./Akk./Akk.)
kim na avadhīḥ tadā
warum hast du nicht erschlagen, damals (Adv./Neg./2.Sg.Impf./Adv.)

yatra vyastāḥ samastāś ca nirjitāḥ stha kirīṭinā / sṛgālā iva siṃhena kva te vīryam abhūt tadā / bhrātaraṃ ca hataṃ dṛṣṭvā nirjitaḥ savyasācinā / paśyatāṃ kuruvīrāṇāṃ prathamaṃ tvaṃ palāyathāḥ

Als ihr, verstreut wie auch vereint, von dem Diademträger besiegt wurdet, wie Schakale von einem Löwen - wo war da eure Tapferkeit? Als du deinen Bruder erschlagen sahst, von dem Ambidexter besiegt, bist du, vor den Augen der Kuru-Helden, als Erster geflohen.

Wort für Wort
yatra vyastāḥ samastāḥ ca
wo verstreut wie auch vereint (Adv./Nom./Nom.)
nirjitāḥ stha kirīṭinā
wurdet ihr besiegt vom Diademträger (Nom./2.Pl.Impf./Instr.)
sṛgālāḥ iva siṃhena
wie Schakale von einem Löwen (Nom./Adv./Instr.)
kva te vīryam abhūt tadā
wo war da eure Tapferkeit (Adv./Gen./Nom./3.Sg.Impf./Adv.)
bhrātaram ca hatam dṛṣṭvā
als du deinen Bruder erschlagen sahst (Akk./Akk./Absol.)
nirjitaḥ savyasācinā
besiegt von dem Ambidexter (Nom./Instr.)
paśyatām kuruvīrāṇām
vor den Augen der Kuru-Helden (Gen.)
prathamam tvam palāyathāḥ
bist du als Erster geflohen (Adv./Nom./2.Sg.Impf.)

tathā dvaitavane karṇa gandharvaiḥ samabhidrutaḥ / kurūn samagrān utsṛjya prathamaṃ tvaṃ palāyathāḥ / hatvā jitvā ca gandharvāṃś citrasenamukhān raṇe / karṇa duryodhanaṃ pārthaḥ sabhāryaṃ samamocayat

Ebenso, Karṇa, im Dvaita-Wald, von den Gandharvas bedrängt, bist du, alle Kurus im Stich lassend, als Erster geflohen. Nachdem er die Gandharvas unter Citrasenas Führung im Kampf geschlagen und besiegt hatte, Karṇa, befreite Pārtha Duryodhana samt seiner Gattin.

Wort für Wort
tathā dvaitavane karṇa
ebenso im Dvaita-Wald, Karṇa (Adv./Lok./Vok.)
gandharvaiḥ samabhidrutaḥ
von den Gandharvas bedrängt (Instr./Nom.)
kurūn samagrān utsṛjya
alle Kurus im Stich lassend (Akk./Akk./Absol.)
prathamam tvam palāyathāḥ
bist du als Erster geflohen (Adv./Nom./2.Sg.Impf.)
hatvā jitvā ca gandharvān
nachdem er die Gandharvas geschlagen und besiegt hatte (Absol./Absol./Akk.)
citrasenamukhān raṇe
unter Citrasenas Führung im Kampf (Akk./Lok.)
karṇa duryodhanam pārthaḥ
Karṇa, Duryodhana, Pārtha (Vok./Akk./Nom.)
sabhāryam samamocayat
befreite ihn samt seiner Gattin (Akk./3.Sg.Impf.)

punaḥ prabhāvaḥ pārthasya purāṇaḥ keśavasya ca / kathitaḥ karṇa rāmeṇa sabhāyāṃ rājasaṃsadi / satataṃ ca tad aśrauṣīr vacanaṃ droṇabhīṣmayoḥ / avadhyau vadatoḥ kṛṣṇau saṃnidhau vai mahīkṣitām

Wiederum wurde die alte Macht des Pārtha und Keśavas, Karṇa, von Rāma in der Versammlung, in der Ratsversammlung der Könige, verkündet. Und du hast beständig jenes Wort Droṇas und Bhīṣmas vernommen: dass die beiden Kṛṣṇas unbesiegbar seien, gesprochen in Gegenwart der Erdenherrscher.

Wort für Wort
punaḥ prabhāvaḥ pārthasya
wiederum die Macht des Pārtha (Adv./Nom./Gen.)
purāṇaḥ keśavasya ca
die alte, und Keśavas (Nom./Gen.)
kathitaḥ karṇa rāmeṇa
verkündet, Karṇa, von Rāma (Nom./Vok./Instr.)
sabhāyām rājasaṃsadi
in der Versammlung, der Ratsversammlung der Könige (Lok./Lok.)
satatam ca tat aśrauṣīḥ
und beständig hast du jenes vernommen (Adv./Nom./Akk./2.Sg.Impf.)
vacanam droṇabhīṣmayoḥ
das Wort Droṇas und Bhīṣmas (Akk./Gen.Dual)
avadhyau vadatoḥ kṛṣṇau
dass die beiden Kṛṣṇas unbesiegbar seien, der beiden Sprechenden (Akk.Dual/Gen.Dual/Nom.Dual)
saṃnidhau vai mahīkṣitām
in Gegenwart der Erdenherrscher (Lok./Adv./Gen.)

kiyantaṃ tatra vakṣyāmi yena yena dhanaṃjayaḥ / tvatto 'tiriktaḥ sarvebhyo bhūtebhyo brāhmaṇo yathā / idānīm eva draṣṭāsi pradhane syandane sthitau / putraṃ ca vasudevasya pāṇḍavaṃ ca dhanaṃjayam

Wie viel soll ich dort noch sagen, womit Dhanañjaya dir überlegen ist, allen Wesen überlegen, wie ein Brahmane? Gerade jetzt wirst du sie sehen, wie sie vereint auf einem Wagen in der Schlacht stehen, den Sohn des Vasudeva und den Pāṇḍava Dhanañjaya.

Wort für Wort
kiyantam tatra vakṣyāmi
wie viel soll ich dort noch sagen (Akk./Adv./1.Sg.Fut.)
yena yena dhanaṃjayaḥ
womit Dhanañjaya (Instr./Instr./Nom.)
tvattaḥ atiriktaḥ sarvebhyaḥ
dir überlegen, allen (Abl./Nom./Abl.)
bhūtebhyaḥ brāhmaṇaḥ yathā
Wesen überlegen, wie ein Brahmane (Abl./Nom./Adv.)
idānīm eva draṣṭāsi
gerade jetzt wirst du sehen (Adv./Adv./2.Sg.Fut.)
pradhane syandane sthitau
in der Schlacht, auf dem Wagen stehend (Lok./Lok./Akk.Dual)
putram ca vasudevasya
und den Sohn des Vasudeva (Akk./Gen.)
pāṇḍavam ca dhanaṃjayam
und den Pāṇḍava Dhanañjaya (Akk./Akk.)

yathāśrayata cakrāṅgaṃ vāyaso buddhim āsthitaḥ / tathāśrayasva vārṣṇeyaṃ pāṇḍavaṃ ca dhanaṃjayam / yadā tvaṃ yudhi vikrāntau vāsudevadhanaṃjayau / draṣṭāsy ekarathe karṇaṃ tadā naivaṃ vadiṣyasi

Wie der Rabe sich, zur Einsicht gelangt, dem Radgezeichneten anvertraute, so vertraue auch du dich dem Vārṣṇeya und dem Pāṇḍava Dhanañjaya an. Wenn du, Karṇa, im Kampf die beiden gewaltigen Vāsudeva und Dhanañjaya vereint auf einem Wagen erblickst, wirst du nicht mehr so reden.

Wort für Wort
yathā āśrayata cakrāṅgam
wie er sich dem Radgezeichneten anvertraute (Adv./3.Sg.Impf.Med./Akk.)
vāyasaḥ buddhim āsthitaḥ
der Rabe, zur Einsicht gelangt (Nom./Akk./Nom.)
tathā āśrayasva vārṣṇeyam
so vertraue dich dem Vārṣṇeya an (Adv./2.Sg.Imp./Akk.)
pāṇḍavam ca dhanaṃjayam
und dem Pāṇḍava Dhanañjaya (Akk./Akk.)
yadā tvam yudhi vikrāntau
wenn du im Kampf die beiden gewaltigen (Adv./Nom./Lok./Akk.Dual)
vāsudevadhanaṃjayau
Vāsudeva und Dhanañjaya (Akk.Dual)
draṣṭāsi ekarathe karṇa
wirst du erblicken auf einem Wagen, Karṇa (2.Sg.Fut./Lok./Vok.)
tadā na evam vadiṣyasi
dann wirst du nicht mehr so reden (Adv./Neg./Adv./2.Sg.Fut.)

yadā śaraśataiḥ pārtho darpaṃ tava vadhiṣyati / tadā tvam antaraṃ draṣṭā ātmanaś cārjunasya ca / tvaṃ śīghram eva vārṣṇeyaṃ pāṇḍavaṃ ca dhanaṃjayam / devāsuramanuṣyeṣu prakhyātau yau nararṣabhau / tau māvamaṃsthā maurkhyāt tvaṃ khadyota iva rocanau / sūryācandramasau yadvat tadvad arjunakeśavau

Wenn Pārtha mit hunderten Pfeilen deinen Hochmut zerschlägt, dann wirst du den Unterschied zwischen dir selbst und Arjuna erkennen. Du sollst rasch den Vārṣṇeya und den Pāṇḍava Dhanañjaya aufsuchen - die beiden Mannlöwen, unter Göttern, Asuras und Menschen berühmt, verachte du nicht aus Torheit, du Glühwürmchen gegenüber ihrem Glanz; wie Sonne und Mond sind Arjuna und Keśava,

Wort für Wort
yadā śaraśataiḥ pārthaḥ
wenn Pārtha mit hunderten Pfeilen (Adv./Instr./Nom.)
darpam tava vadhiṣyati
deinen Hochmut zerschlagen wird (Akk./Gen./3.Sg.Fut.)
tadā tvam antaram draṣṭā
dann wirst du den Unterschied erblicken (Adv./Nom./Akk./2.Sg.Fut.)
ātmanaḥ ca arjunasya ca
zwischen dir selbst und Arjuna (Gen./Gen.)
tvam śīghram eva vārṣṇeyam
du sollst rasch den Vārṣṇeya (Nom./Adv./Adv./Akk.)
pāṇḍavam ca dhanaṃjayam
und den Pāṇḍava Dhanañjaya (Akk./Akk.)
devāsuramanuṣyeṣu
unter Göttern, Asuras und Menschen (Lok.)
prakhyātau yau nararṣabhau
die beiden berühmten Mannlöwen (Nom.Dual/Nom.Dual/Nom.Dual)
tau mā avamaṃsthāḥ maurkhyāt
die beiden verachte nicht aus Torheit (Akk.Dual/Neg./2.Sg.Inj./Abl.)
tvam khadyotaḥ iva rocanau
du wie ein Glühwürmchen gegenüber ihrem Glanz (Nom./Nom./Adv./Nom.Dual)
sūryācandramasau yadvat
wie Sonne und Mond (Nom.Dual/Adv.)
tadvat arjunakeśavau
so Arjuna und Keśava (Adv./Nom.Dual)

prakāśenābhivikhyātau tvaṃ tu khadyotavan nṛṣu / evaṃ vidvān māvamaṃsthāḥ sūtaputrācyutārjunau / nṛsiṃhau tau naraśvā tvaṃ joṣam āssva vikatthana

durch ihren Glanz allbekannt, du aber bist unter den Menschen nur wie ein Glühwürmchen. So, da du dies weißt, missachte nicht, Sohn eines Sūta, Acyuta und Arjuna, die beiden Mannlöwen - du, ein Hund unter den Menschen, schweige still, du Prahler!“

Wort für Wort
prakāśena abhivikhyātau
durch ihren Glanz allbekannt (Instr./Nom.Dual)
tvam tu khadyotavan nṛṣu
du aber wie ein Glühwürmchen unter den Menschen (Nom./Adv./Adv./Lok.)
evam vidvān mā avamaṃsthāḥ
so, da du dies weißt, missachte nicht (Adv./Nom./Neg./2.Sg.Inj.)
sūtaputra acyutārjunau
Sohn eines Sūta, Acyuta und Arjuna (Vok./Akk.Dual)
nṛsiṃhau tau naraśvā tvam
die beiden Mannlöwen, du Hund unter den Menschen (Akk.Dual/Akk.Dual/Nom./Nom.)
joṣam āssva vikatthana
schweige still, du Prahler (Akk./2.Sg.Imp./Vok.)

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