Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 29: karṇasya pratyuttaram Karṇas Antwort: Die beiden Flüche

madrādhipasyādhirathis tadaivaṃ vaco niśamyāpriyam apratītaḥ / uvāca śalyaṃ viditaṃ mamaitad yathāvidhāv arjunavāsudevau

Saṃjaya sprach: Da sprach der Sohn des Adhiratha, nachdem er dieses unangenehme Wort des Herrn der Madras vernommen hatte, unbeirrt, zu Śalya:

Wort für Wort
madrādhipasya adhirathiḥ
der Sohn des Adhiratha, des Herrn der Madras (Nom./Gen.)
tadā evam vacaḥ niśamya
nachdem er dieses Wort so vernommen hatte (Adv./Adv./Akk./Absol.)
apriyam apratītaḥ
unangenehm, unbeirrt (Akk./Nom.)
uvāca śalyam viditam mama
sprach zu Śalya: mir ist bekannt (3.Sg.Perf./Akk./Nom./Gen.)
etat yathāvidhau arjunavāsudevau
dies, wie beschaffen Arjuna und Vāsudeva sind (Nom./Adv./Nom.Dual)

śaure rathaṃ vāhayato 'rjunasya balaṃ mahāstrāṇi ca pāṇḍavasya / ahaṃ vijānāmi yathāvad adya parokṣabhūtaṃ tava tat tu śalya

„Wie es sich mit Kṛṣṇa verhält, der Arjunas Wagen lenkt, und mit der Kraft und den großen Waffen des Pāṇḍava - dies weiß ich heute genau; dir aber, Śalya, ist dies verborgen.

Wort für Wort
śaure ratham vāhayataḥ
mit Kṛṣṇa, der den Wagen lenkt (Lok./Akk./Gen.)
arjunasya balam mahāstrāṇi ca
Arjunas Kraft und große Waffen (Gen./Akk./Akk.)
pāṇḍavasya
des Pāṇḍava (Gen.)
aham vijānāmi yathāvat adya
ich weiß es heute genau (Nom./1.Sg.Präs./Adv./Adv.)
parokṣabhūtam tava tat tu śalya
dir aber, Śalya, ist dies verborgen (Nom./Gen./Nom./Adv./Vok.)

tau cāpradhṛṣyau śastrabhṛtāṃ variṣṭhau vyapetabhīr yodhayiṣyāmi kṛṣṇau

Und diese beiden Unangreifbaren, die Besten der Waffenträger, werde ich ohne Furcht bekämpfen, die beiden Kṛṣṇas.

Wort für Wort
tau ca apradhṛṣyau
und diese beiden Unangreifbaren (Akk.Dual)
śastrabhṛtām variṣṭhau
die Besten der Waffenträger (Gen./Akk.Dual)
vyapetabhīḥ yodhayiṣyāmi kṛṣṇau
ohne Furcht werde ich die beiden Kṛṣṇas bekämpfen (Nom./1.Sg.Fut./Akk.Dual)

purā mahendrādrivare samṛddhe tapasvinaṃ rāmam upetya śalya / astrārthinaṃ mādya śiṣyaṃ gṛhāṇety athābruvaṃ brāhmaṇacchadmanā ca / tatrāvasaṃ brāhmaṇa ity avipro brahmāstralobhād anṛtena cāham / taj jāmadagnyena paraṃ mahāstraṃ samantrayuktaṃ vihitaṃ mamāsīt / astraṃ yadā tad viditaṃ mamāsīt tadābravīd brāhmaṇo māṃ maharṣiḥ / āpadgatenāstram idaṃ prayojyaṃ tvayā raṇe gacchatā sādhayeti

Einst, am herrlichen, gesegneten Berg Mahendra, kam ich, Śalya, zu dem Asketen Rāma und sprach: 'Nimm mich heute als Waffenschüler an' - so sprach ich, unter dem Vorwand, ein Brahmane zu sein. Dort weilte ich als Brahmane, obwohl ich keiner war, aus Verlangen nach der Brahma-Waffe und mit Unwahrheit. Da wurde mir von dem Sohn Jamadagnis jene höchste, große Waffe, mit den Zaubersprüchen versehen, verliehen. Als ich diese Waffe erhalten hatte, sprach der Brahmane, der große Weise, zu mir: 'Diese Waffe sollst du, in Not geraten, im Kampf anwenden, wenn du dorthin gehst - vollbringe damit dein Werk.'

Wort für Wort
purā mahendrādrivare samṛddhe
einst am herrlichen, gesegneten Berg Mahendra (Adv./Lok.)
tapasvinam rāmam upetya śalya
zu dem Asketen Rāma kommend, Śalya (Akk./Akk./Absol./Vok.)
astrārthinam mā adya śiṣyam gṛhāṇa
nimm mich heute als Waffenschüler an (Akk./Akk./Adv./Akk./2.Sg.Imp.)
iti atha abruvam brāhmaṇacchadmanā ca
so sprach ich, unter dem Vorwand eines Brahmanen (Adv./Adv./1.Sg.Impf./Instr.)
tatra avasam brāhmaṇaḥ iti avipraḥ
dort weilte ich als Brahmane, obwohl kein Brahmane (Adv./1.Sg.Impf./Nom./Adv./Nom.)
brahmāstralobhāt anṛtena ca aham
aus Verlangen nach der Brahma-Waffe und mit Unwahrheit (Abl./Instr./Nom.)
tat jāmadagnyena param mahāstram
jene höchste große Waffe von dem Sohn Jamadagnis (Nom./Instr./Nom./Nom.)
samantrayuktam vihitam mama āsīt
mit Zaubersprüchen versehen wurde mir verliehen (Nom./Nom./Gen./3.Sg.Impf.)
astram yadā tat viditam mama āsīt
als mir diese Waffe bekannt war (Nom./Adv./Nom./Nom./Gen./3.Sg.Impf.)
tadā abravīt brāhmaṇaḥ mām maharṣiḥ
da sprach der Brahmane, der große Weise, zu mir (Adv./3.Sg.Impf./Nom./Akk./Nom.)
āpadgatena astram idam prayojyam
diese Waffe soll, in Not geraten, angewandt werden (Instr./Nom./Nom./Nom.Ger.)
tvayā raṇe gacchatā sādhaya iti
von dir, im Kampf, wenn du dorthin gehst, vollbringe (Instr./Lok./Instr./2.Sg.Imp./Adv.)

[Anm.: Diese Rückblende schildert ausführlicher, wie Karṇa durch Verstellung als Brahmane bei Paraśurāma (Rāma Jāmadagnya) die Brahma-Waffe erlangte - ein Hintergrund, der bereits knapper in Kap.24 (Karṇaparva) angedeutet wurde; hier wird er detailliert nacherzählt.]

saṃtāpayaty abhyadhikaṃ tu rāmāc chāpo 'dya māṃ brāhmaṇasattamāc ca

Doch heute quält mich über die Maßen der Fluch von Rāma, dem besten der Brahmanen.

Wort für Wort
saṃtāpayati abhyadhikam tu
quält aber über die Maßen (3.Sg.Präs./Adv.)
rāmāt śāpaḥ adya mām
der Fluch von Rāma heute mich (Abl./Nom./Adv./Akk.)
brāhmaṇasattamāt ca
und von dem besten der Brahmanen (Abl.)

avātsaṃ vai brāhmaṇacchadmanāhaṃ rāme purā divyam astraṃ cikīrṣuḥ / tatrāpi me devarājena vighno hitārthinā phalgunasyaiva śalya

Ich weilte einst, in der Verkleidung eines Brahmanen, bei Rāma, begierig, die göttliche Waffe zu erlangen. Doch auch dort schuf mir der Götterkönig, im Interesse Phalgunas, ein Hindernis, Śalya,

Wort für Wort
avātsam vai brāhmaṇacchadmanā aham
ich weilte in der Verkleidung eines Brahmanen (1.Sg.Impf./Adv./Instr./Nom.)
rāme purā divyam astram cikīrṣuḥ
bei Rāma einst, begierig die göttliche Waffe zu erlangen (Lok./Adv./Akk./Nom.)
tatra api me devarājena vighnaḥ
auch dort schuf mir der Götterkönig ein Hindernis (Adv./Adv./Gen./Instr./Nom.)
hitārthinā phalgunasya eva śalya
im Interesse Phalgunas, Śalya (Instr./Gen./Adv./Vok.)

kṛto 'vabhedena mamorum etya praviśya kīṭasya tanuṃ virūpām / mamorum etya prabibheda kīṭaḥ supte gurau tatra śiro nidhāya / ūruprabhedāc ca mahān babhūva śarīrato me ghanaśoṇitaughaḥ / guror bhayāc cāpi na celivān ahaṃ tac cāvabuddho dadṛśe sa vipraḥ / sa dhairyayuktaṃ prasamīkṣya māṃ vai na tvaṃ vipraḥ ko 'si satyaṃ vadeti / tasmai tadātmānam ahaṃ yathāvad ākhyātavān sūtavadetya śalya

indem er, in die missgestaltete Gestalt eines Käfers schlüpfend, kam und meinen Schenkel durchbohrte; der Käfer kam an meinen Schenkel heran und durchbohrte ihn, während der Lehrer dort schlief, sein Haupt in meinem Schoß gebettet, und durch das Durchbohren des Schenkels entstand aus meinem Leib ein gewaltiger Strom von dickem Blut. Doch aus Furcht vor dem Lehrer rührte ich mich nicht, und als er erwachte, sah der Brahmane es. Er, als er mich so voller Standhaftigkeit erblickte, sprach: 'Du bist kein Brahmane - sag mir die Wahrheit, wer du bist!' Da offenbarte ich ihm sogleich, wie es sich verhielt, meine wahre Herkunft, Śalya, als dem Geschlecht der Sūtas zugehörig.

Wort für Wort
kṛtaḥ avabhedena mama ūrum etya
geschaffen durch das Durchbohren, an meinen Schenkel kommend (Nom./Instr./Gen./Akk./Absol.)
praviśya kīṭasya tanum virūpām
in die missgestaltete Gestalt eines Käfers schlüpfend (Absol./Gen./Akk./Akk.)
mama ūrum etya prabibheda kīṭaḥ
der Käfer kam an meinen Schenkel und durchbohrte ihn (Gen./Akk./Absol./3.Sg.Perf./Nom.)
supte gurau tatra śiraḥ nidhāya
während der Lehrer dort schlief, sein Haupt bettend (Lok.Abs./Lok./Adv./Akk./Absol.)
ūruprabhedāt ca mahān babhūva
und durch das Durchbohren des Schenkels entstand ein gewaltiger (Abl./Nom./3.Sg.Perf.)
śarīrataḥ me ghanaśoṇitaughaḥ
aus meinem Leib ein Strom von dickem Blut (Abl./Gen./Nom.)
guroḥ bhayāt ca api na celivān aham
aus Furcht vor dem Lehrer rührte ich mich nicht (Gen./Abl./Adv./Adv./Neg./Nom./Nom.)
tat ca avabuddhaḥ dadṛśe sa vipraḥ
und als er erwachte, sah der Brahmane es (Akk./Nom./3.Sg.Perf./Nom./Nom.)
saḥ dhairyayuktam prasamīkṣya mām vai
er, mich voller Standhaftigkeit erblickend (Nom./Akk./Absol./Akk./Adv.)
na tvam vipraḥ kaḥ asi satyam vada
du bist kein Brahmane, wer bist du, sag die Wahrheit (Neg./Nom./Nom./Nom./2.Sg.Präs./Akk./2.Sg.Imp.)
iti tasmai tadā ātmānam aham yathāvat
so ihm da meine wahre Herkunft ich genau (Adv./Dat./Adv./Akk./Nom./Adv.)
ākhyātavān sūtavat etya śalya
offenbarte ich, als dem Sūta-Geschlecht zugehörig, hinzutretend, Śalya (Nom./Adv./Absol./Vok.)

pṛṣṭaś cāhaṃ tam avocaṃ maharṣiṃ sūto 'ham asmīti sa māṃ śaśāpa / sa māṃ niśamyātha mahātapasvī saṃśaptavān roṣaparītacetāḥ / sūtopadhāv āptam idaṃ tvayāstraṃ na karmakāle pratibhāsyati tvām

Gefragt, sagte ich dem großen Weisen: 'Ich bin ein Sūta' - da verfluchte er mich. Er, dies von mir vernehmend, der große Asket, von Zorn erfüllten Sinnes, sprach einen Fluch aus: 'Diese Waffe, die du dir durch die Verstellung als Sūta erworben hast, wird dir zur Zeit der Tat nicht ins Gedächtnis kommen,

Wort für Wort
pṛṣṭaḥ ca aham tam avocam maharṣim
gefragt sagte ich dem großen Weisen (Nom./Nom./Akk./1.Sg.Impf./Akk.)
sūtaḥ aham asmi iti sa mām śaśāpa
'ich bin ein Sūta' - da verfluchte er mich (Nom./Nom./1.Sg.Präs./Adv./Nom./Akk./3.Sg.Perf.)
sa mām niśamya atha mahātapasvī
er, dies von mir vernehmend, der große Asket (Nom./Akk./Absol./Adv./Nom.)
saṃśaptavān roṣaparītacetāḥ
sprach einen Fluch aus, von Zorn erfüllten Sinnes (Nom./Nom.)
sūtopadhau āptam idam tvayā astram
diese durch die Verstellung als Sūta erworbene Waffe von dir (Lok./Nom./Nom./Instr./Nom.)
na karmakāle pratibhāsyati tvām
wird zur Zeit der Tat dir nicht ins Gedächtnis kommen (Neg./Lok./3.Sg.Fut./Akk.)

anyatra yasmāt tava mṛtyukālād abrāhmaṇe brahma na hi dhruvaṃ syāt / tad adya paryāptam atīva śastram asmin saṃgrāme tumule tāta bhīme

außer zur Zeit deines Todes - denn bei einem Nicht-Brahmanen kann brahmanische Kraft nicht beständig sein.' Das Waffenwissen ist heute überaus fällig, in dieser furchtbaren, tumultartigen Schlacht, mein Lieber.

Wort für Wort
anyatra yasmāt tava mṛtyukālāt
außer zur Zeit deines Todes (Adv./Adv./Gen./Abl.)
abrāhmaṇe brahma na hi dhruvam syāt
bei einem Nicht-Brahmanen kann brahmanische Kraft nicht beständig sein (Lok./Nom./Neg./Adv./Nom./3.Sg.Opt.)
tat adya paryāptam atīva śastram
das ist heute überaus fällig, das Waffenwissen (Nom./Adv./Nom./Adv./Nom.)
asmin saṃgrāme tumule tāta bhīme
in dieser tumultartigen, furchtbaren Schlacht, mein Lieber (Lok./Lok./Lok./Vok./Lok.)

yo 'yaṃ śalya bharateṣūpapannaḥ prakarṣaṇaḥ sarvaharo 'tibhīmaḥ / so 'bhimanye kṣatriyāṇāṃ pravīrān pratāpitā balavān vai vimardaḥ / śalyogradhanvānam ahaṃ variṣṭhaṃ tarasvinaṃ bhīmam asahyavīryam / satyapratijñaṃ yudhi pāṇḍaveyaṃ dhanaṃjayaṃ mṛtyumukhaṃ nayiṣye

Dieser, Śalya, unter den Bharatas geboren, der Hinwegraffende, Alles-Fortnehmende, überaus Furchtbare - ihn halte ich für den vordersten unter den tapferen Kṣatriyas; gewaltig ist diese Zermalmung, die er entfacht. Den fürchterlich-bogenschwingenden, vortrefflichsten, schnellkräftigen, furchtbaren, von unerträglicher Tapferkeit, in der Schlacht wahrhaft seinem Gelübde treuen Sohn des Pāṇḍu, Dhanañjaya, werde ich, Śalya, zum Rachen des Todes führen.

Wort für Wort
yaḥ ayam śalya bharateṣu upapannaḥ
dieser, Śalya, unter den Bharatas geboren (Nom./Nom./Vok./Lok./Nom.)
prakarṣaṇaḥ sarvaharaḥ atibhīmaḥ
der Hinwegraffende, Alles-Fortnehmende, überaus Furchtbare (Nom.)
saḥ abhimanye kṣatriyāṇām pravīrān
ihn halte ich für den vordersten der tapferen Kṣatriyas (Nom./1.Sg.Präs./Gen./Akk.)
pratāpitā balavān vai vimardaḥ
gewaltig ist diese entfachte Zermalmung (Nom./Nom./Adv./Nom.)
śalya ugradhanvānam aham variṣṭham
Śalya, den fürchterlich-bogenschwingenden, vortrefflichsten, ich (Vok./Akk./Nom./Akk.)
tarasvinam bhīmam asahyavīryam
schnellkräftigen, furchtbaren, von unerträglicher Tapferkeit (Akk.)
satyapratijñam yudhi pāṇḍaveyam
seinem Gelübde treu, in der Schlacht, den Sohn des Pāṇḍu (Akk./Lok./Akk.)
dhanaṃjayam mṛtyumukham nayiṣye
Dhanañjaya werde ich zum Rachen des Todes führen (Akk./Akk./1.Sg.Fut.)

[Anm.: Der Wortlaut dieses Halbverses (0359) ist im Original an mehreren Stellen syntaktisch unklar; die Übersetzung folgt dem Sinn, so gut er sich erschließen lässt.]

astraṃ hi me tat pratipannam adya yena kṣepsye samare śatrupūgān / pratāpinaṃ balavantaṃ kṛtāstraṃ tam ugradhanvānam amitaujasaṃ ca / krūraṃ śūraṃ raudram amitrasāhaṃ dhanaṃjayaṃ saṃyuge 'haṃ haniṣye

Denn jene Waffe ist mir heute verfügbar, mit der ich im Kampf die Scharen der Feinde niederschmettern werde; den glutvollen, kräftigen, waffenkundigen, fürchterlich-bogenschwingenden, von unermesslicher Kraft, den grausamen, heldenhaften, furchtbaren, unbesiegbaren Feindebezwinger Dhanañjaya werde ich im Zusammenstoß erschlagen.

Wort für Wort
astram hi me tat pratipannam adya
denn jene Waffe ist mir heute verfügbar (Nom./Adv./Gen./Nom./Nom./Adv.)
yena kṣepsye samare śatrupūgān
mit der ich im Kampf die Scharen der Feinde niederschmettern werde (Instr./1.Sg.Fut./Lok./Akk.)
pratāpinam balavantam kṛtāstram
den glutvollen, kräftigen, waffenkundigen (Akk.)
tam ugradhanvānam amitaujasam ca
den fürchterlich-bogenschwingenden, von unermesslicher Kraft (Akk./Akk./Akk.)
krūram śūram raudram amitrasāham
den grausamen, heldenhaften, furchtbaren, unbesiegbaren Feindebezwinger (Akk.)
dhanaṃjayam saṃyuge aham haniṣye
Dhanañjaya werde ich im Zusammenstoß erschlagen (Akk./Lok./Nom./1.Sg.Fut.)

dhruvaṃ kurūṇām ayam antakālo mahābhayaḥ śoṇitaughapravāhī / dhruvaḥ kṣayaḥ kṣatriyapuṃgavānāṃ mahābhayo 'yaṃ samupasthito 'dya / astraṃ hi me na pratibhām upaiti yena kṣayaṃ śatrugaṇān nayiṣye / tasmāt tam āsādaya madrarāja divyaṃ dhanur yasya maheṣavaś ca / astrāṇi divyāni ca santi yasmiṃs tasmin rathaṃ prāpaya śīghram adya / śroṣyantīmaṃ kathyamānaṃ vicitraṃ yāvad bhūmau bhavitāro manuṣyāḥ

Gewiss ist dies die Stunde des Endes für die Kurus, eine große Schreckenszeit, ein Strom von Blutfluten; gewiss der Untergang der Stiere unter den Kṣatriyas - dieses große Schrecknis ist heute hereingebrochen. Denn meine Waffe kommt mir nicht ins Gedächtnis, mit der ich die Feindesscharen zur Vernichtung führen könnte. Darum bring mich, König der Madras, zu jenem, der den göttlichen Bogen und die großen Pfeile hat, in dem göttliche Waffen ruhen - zu ihm bring den Wagen heute rasch. Diese wunderbare Geschichte, wenn sie erzählt wird, werden Menschen hören, solange es Menschen auf der Erde geben wird:

Wort für Wort
dhruvam kurūṇām ayam antakālaḥ
gewiss ist dies die Stunde des Endes für die Kurus (Nom./Gen./Nom./Nom.)
mahābhayaḥ śoṇitaughapravāhī
eine große Schreckenszeit, ein Strom von Blutfluten (Nom./Nom.)
dhruvaḥ kṣayaḥ kṣatriyapuṃgavānām
gewiss der Untergang der Stiere unter den Kṣatriyas (Nom./Nom./Gen.)
mahābhayaḥ ayam samupasthitaḥ adya
dieses große Schrecknis ist heute hereingebrochen (Nom./Nom./Nom./Adv.)
astram hi me na pratibhām upaiti
denn meine Waffe kommt mir nicht ins Gedächtnis (Nom./Adv./Gen./Neg./Akk./3.Sg.Präs.)
yena kṣayam śatrugaṇān nayiṣye
mit der ich die Feindesscharen zur Vernichtung führen könnte (Instr./Akk./Akk./1.Sg.Fut.)
tasmāt tam āsādaya madrarāja
darum bring mich zu jenem, König der Madras (Adv./Akk./2.Sg.Imp./Vok.)
divyam dhanuḥ yasya maheṣavaḥ ca
der den göttlichen Bogen und die großen Pfeile hat (Akk./Nom./Gen./Nom.)
astrāṇi divyāni ca santi yasmin
in dem göttliche Waffen sind (Nom./Nom./Nom./3.Pl.Präs./Lok.)
tasmin ratham prāpaya śīghram adya
zu ihm bring den Wagen heute rasch (Lok./Akk./2.Sg.Imp./Adv./Adv.)
śroṣyanti imam kathyamānam vicitram
sie werden diese wunderbare, erzählte hören (3.Pl.Fut./Akk./Akk./Akk.)
yāvat bhūmau bhavitāraḥ manuṣyāḥ
solange es Menschen auf der Erde geben wird (Adv./Lok./Nom./Nom.)

karṇaḥ kṛṣṇau jaghnivān ekavīraḥ kṛṣṇau karṇaṃ jaghnivantāv athāpi

‚Karṇa, der einzelne Held, hat die beiden Kṛṣṇas erschlagen‘ - oder aber ‚die beiden Kṛṣṇas haben Karṇa erschlagen‘ - dies werden sie erzählen.

Wort für Wort
karṇaḥ kṛṣṇau jaghnivān ekavīraḥ
Karṇa, der einzelne Held, hat die beiden Kṛṣṇas erschlagen (Nom./Akk.Dual/Nom.Perf.Part./Nom.)
kṛṣṇau karṇam jaghnivantau atha api
die beiden Kṛṣṇas haben Karṇa erschlagen (Nom.Dual/Akk./Nom.Perf.Part.Dual/Adv./Adv.)

apāṃ patir vegavān aprameyo nimajjayiṣyan nivahān prajānām / mahānagaṃ yaḥ kurute samudraṃ velaiva taṃ vārayaty aprameyam

Der Herr der Gewässer, ungestüm, unermesslich, der die Scharen der Geschöpfe zu versenken droht und aus dem großen Fluss ein Meer macht - ihn, den Unermesslichen, hält nur die Küste zurück.

Wort für Wort
apām patiḥ vegavān aprameyaḥ
der Herr der Gewässer, ungestüm, unermesslich (Gen./Nom./Nom./Nom.)
nimajjayiṣyan nivahān prajānām
der die Scharen der Geschöpfe zu versenken droht (Part./Akk./Gen.)
mahānagam yaḥ kurute samudram
der aus dem großen Fluss ein Meer macht (Akk./Nom./3.Sg.Präs./Akk.)
velā eva tam vārayati aprameyam
nur die Küste hält ihn, den Unermesslichen, zurück (Nom./Adv./Akk./3.Sg.Präs./Akk.)

pramuñcantaṃ bāṇasaṃghān amoghān marmacchido vīrahaṇaḥ sapatrān / kuntīputraṃ pratiyotsyāmi yuddhe jyākarṣiṇām uttamam adya loke

Den Sohn der Kuntī, der unfehlbare, gefiederte, die Lebensmarken durchschneidende, Helden vernichtende Pfeilscharen entsendet, den heute in der Welt Besten der Bogenspanner, werde ich im Kampf bekämpfen.

Wort für Wort
pramuñcantam bāṇasaṃghān amoghān
der entsendet unfehlbare Pfeilscharen (Akk./Akk./Akk.)
marmacchidaḥ vīrahaṇaḥ sapatrān
die Lebensmarken durchschneidende, Helden vernichtende, gefiederte (Akk.)
kuntīputram pratiyotsyāmi yuddhe
den Sohn der Kuntī werde ich im Kampf bekämpfen (Akk./1.Sg.Fut./Lok.)
jyākarṣiṇām uttamam adya loke
den heute in der Welt Besten der Bogenspanner (Gen./Akk./Adv./Lok.)

evaṃ balenātibalaṃ mahāstraṃ samudrakalpaṃ sudurāpam ugram / śaraughiṇaṃ pārthivān majjayantaṃ veleva pārtham iṣubhiḥ saṃsahiṣye

So werde ich, wie die Küste das Meer, den Pārtha - der an Kraft überaus kräftig ist, ein großes Geschoss, meergleich, überaus schwer zu erlangen, furchtbar, ein Pfeilstrom, der die Erdenherrscher versenkt - mit meinen Pfeilen aushalten.

Wort für Wort
evam balena atibalam mahāstram
so, an Kraft überaus kräftig, ein großes Geschoss (Adv./Instr./Akk./Akk.)
samudrakalpam sudurāpam ugram
meergleich, überaus schwer zu erlangen, furchtbar (Akk.)
śaraughiṇam pārthivān majjayantam
ein Pfeilstrom, der die Erdenherrscher versenkt (Akk./Akk./Akk.)
velā iva pārtham iṣubhiḥ saṃsahiṣye
wie die Küste werde ich den Pārtha mit meinen Pfeilen aushalten (Nom./Adv./Akk./Instr./1.Sg.Fut.)

adyāhave yasya na tulyam anyaṃ manye manuṣyaṃ dhanur ādadānam / surāsurān vai yudhi yo jayeta tenādya me paśya yuddhaṃ sughoram

Heute, in der Schlacht, gibt es, wie ich meine, keinen Menschen, der ihm gleicht, wenn er den Bogen ergreift, der Götter und Asuras im Kampf besiegen könnte - mit ihm sieh heute meinen überaus furchtbaren Kampf.

Wort für Wort
adya āhave yasya na tulyam anyam
heute, in der Schlacht, gibt es keinen ihm gleichen anderen (Adv./Lok./Gen./Neg./Akk./Akk.)
manye manuṣyam dhanuḥ ādadānam
wie ich meine, einen Menschen, der den Bogen ergreift (1.Sg.Präs./Akk./Akk./Akk.)
surāsurān vai yudhi yaḥ jayeta
der Götter und Asuras im Kampf besiegen könnte (Akk./Adv./Lok./Nom./3.Sg.Opt.)
tena adya me paśya yuddham sughoram
mit ihm sieh heute meinen überaus furchtbaren Kampf (Instr./Adv./Gen./2.Sg.Imp./Akk./Akk.)

atimānī pāṇḍavo yuddhakāmo amānuṣair eṣyati me mahāstraiḥ / tasyāstram astrair abhihatya saṃkhye śarottamaiḥ pātayiṣyāmi pārtham

Der überaus stolze, kampfbegierige Pāṇḍava wird mit übermenschlichen großen Waffen gegen mich anrücken; doch seine Waffe werde ich mit meinen Waffen im Kampf abwehren und den Pārtha mit den besten Pfeilen zu Fall bringen.

Wort für Wort
atimānī pāṇḍavaḥ yuddhakāmaḥ
der überaus stolze, kampfbegierige Pāṇḍava (Nom.)
amānuṣaiḥ eṣyati me mahāstraiḥ
wird mit übermenschlichen großen Waffen gegen mich anrücken (Instr./3.Sg.Fut./Akk./Instr.)
tasya astram astraiḥ abhihatya saṃkhye
seine Waffe mit meinen Waffen abwehrend im Kampf (Gen./Akk./Instr./Absol./Lok.)
śarottamaiḥ pātayiṣyāmi pārtham
mit den besten Pfeilen werde ich den Pārtha zu Fall bringen (Instr./1.Sg.Fut./Akk.)

divākareṇāpi samaṃ tapantaṃ samāptaraśmiṃ yaśasā jvalantam / sahasraraśmipratimaṃ jvalantaṃ diśaś ca sarvāḥ pratapantam ugram / tamonudaṃ megha ivātimātro dhanaṃjayaṃ chādayiṣyāmi bāṇaiḥ

Den, der gleich der Sonne glüht, dessen Strahlenkranz vollendet ist, der von Ruhm erstrahlt, dem Tausendstrahligen gleich glühend, der alle Himmelsrichtungen furchtbar durchglüht, der die Finsternis vertreibt - wie eine übermäßige Wolke werde ich Dhanañjaya mit Pfeilen verhüllen.

Wort für Wort
divākareṇa api samam tapantam
gleich der Sonne glühend (Instr./Adv./Adv./Akk.)
samāptaraśmim yaśasā jvalantam
dessen Strahlenkranz vollendet ist, von Ruhm erstrahlend (Akk./Instr./Akk.)
sahasraraśmipratimam jvalantam
dem Tausendstrahligen gleich glühend (Akk./Akk.)
diśaḥ ca sarvāḥ pratapantam ugram
alle Himmelsrichtungen furchtbar durchglühend (Akk./Akk./Akk./Akk.)
tamonudam meghaḥ iva atimātraḥ
der die Finsternis vertreibt, wie eine übermäßige Wolke (Akk./Nom./Adv./Nom.)
dhanaṃjayam chādayiṣyāmi bāṇaiḥ
werde ich Dhanañjaya mit Pfeilen verhüllen (Akk./1.Sg.Fut./Instr.)

vaiśvānaraṃ dhūmaśikhaṃ jvalantaṃ tejasvinaṃ lokam imaṃ dahantam / megho bhūtvā śaravarṣair yathāgniṃ tathā pārthaṃ śamayiṣyāmi yuddhe / āśīviṣaṃ durdharam aprameyaṃ sutīkṣṇadaṃṣṭraṃ jvalanaprabhāvam / krodhapradīptaṃ tv ahitaṃ mahāntaṃ kuntīputraṃ śamayiṣyāmi bhallaiḥ

Den Vaiśvānara, mit Rauchwipfel lodernd, glutvoll, diese Welt verbrennend - wie eine Wolke mit Pfeilregen das Feuer löscht, so werde ich den Pārtha im Kampf zur Ruhe bringen. Die giftige Schlange, unbezähmbar, unermesslich, mit überaus scharfen Zähnen, von Feuerglanz, zornentflammt, den feindseligen, gewaltigen Sohn der Kuntī werde ich mit Pfeilspitzen zur Ruhe bringen.

Wort für Wort
vaiśvānaram dhūmaśikham jvalantam
den Vaiśvānara, mit Rauchwipfel, lodernd (Akk.)
tejasvinam lokam imam dahantam
glutvoll, diese Welt verbrennend (Akk./Akk./Akk./Akk.)
meghaḥ bhūtvā śaravarṣaiḥ yathā agnim
wie eine Wolke mit Pfeilregen das Feuer (Nom./Absol./Instr./Adv./Akk.)
tathā pārtham śamayiṣyāmi yuddhe
so werde ich den Pārtha im Kampf zur Ruhe bringen (Adv./Akk./1.Sg.Fut./Lok.)
āśīviṣam durdharam aprameyam
die giftige Schlange, unbezähmbar, unermesslich (Akk.)
sutīkṣṇadaṃṣṭram jvalanaprabhāvam
mit überaus scharfen Zähnen, von Feuerglanz (Akk.)
krodhapradīptam tu ahitam mahāntam
zornentflammt, den feindseligen, gewaltigen (Akk.)
kuntīputram śamayiṣyāmi bhallaiḥ
den Sohn der Kuntī werde ich mit Pfeilspitzen zur Ruhe bringen (Akk./1.Sg.Fut./Instr.)

pramāthinaṃ balavantaṃ prahāriṇaṃ prabhañjanaṃ mātariśvānam ugram / yuddhe sahiṣye himavān ivācalo dhanaṃjayaṃ kruddham amṛṣyamāṇam

Den Wühlenden, Kräftigen, Schlagenden, den Sturmwind Mātariśvan, den Furchtbaren - im Kampf werde ich, wie der unbewegliche Himavant, den erzürnten, unduldsamen Dhanañjaya aushalten.

Wort für Wort
pramāthinam balavantam prahāriṇam
den Wühlenden, Kräftigen, Schlagenden (Akk.)
prabhañjanam mātariśvānam ugram
den Sturmwind Mātariśvan, den Furchtbaren (Akk.)
yuddhe sahiṣye himavān iva acalaḥ
im Kampf werde ich, wie der unbewegliche Himavant, aushalten (Lok./1.Sg.Fut./Nom./Adv./Nom.)
dhanaṃjayam kruddham amṛṣyamāṇam
den erzürnten, unduldsamen Dhanañjaya (Akk.)

viśāradaṃ rathamārgeṣv asaktaṃ dhuryaṃ nityaṃ samareṣu pravīraṃ / loke varaṃ sarvadhanurdharāṇāṃ dhanaṃjayaṃ saṃyuge saṃsahiṣye

Den in den Wegen des Wagenkampfes Erfahrenen, Unermüdlichen, den stets in Schlachten Vortrefflichen, Tapferen, den Besten aller Bogenträger in der Welt, Dhanañjaya, werde ich im Zusammenstoß aushalten.

Wort für Wort
viśāradam rathamārgeṣu asaktam
in den Wegen des Wagenkampfes Erfahrenen, Unermüdlichen (Akk./Lok./Akk.)
dhuryam nityam samareṣu pravīram
den stets in Schlachten Vortrefflichen, Tapferen (Akk./Adv./Lok./Akk.)
loke varam sarvadhanurdharāṇām
den Besten aller Bogenträger in der Welt (Lok./Akk./Gen.)
dhanaṃjayam saṃyuge saṃsahiṣye
Dhanañjaya werde ich im Zusammenstoß aushalten (Akk./Lok./1.Sg.Fut.)

adyāhave yasya na tulyam anyaṃ madhyemanuṣyaṃ dhanur ādadānam / sarvām imāṃ yaḥ pṛthivīṃ saheta tathā vidvān yotsyamāno 'smi tena

Heute, in der Schlacht, gibt es, wie ich weiß, keinen ihm gleichen unter den Menschen, wenn er den Bogen ergreift, der diese ganze Erde aushalten könnte - wissend werde ich dennoch mit ihm kämpfen.

Wort für Wort
adya āhave yasya na tulyam anyam
heute in der Schlacht gibt es keinen ihm gleichen anderen (Adv./Lok./Gen./Neg./Akk./Akk.)
madhyemanuṣyam dhanuḥ ādadānam
unter den Menschen, wenn er den Bogen ergreift (Akk./Akk./Akk.)
sarvām imām yaḥ pṛthivīm saheta
der diese ganze Erde aushalten könnte (Akk./Akk./Nom./Akk./3.Sg.Opt.)
tathā vidvān yotsyamānaḥ asmi tena
so, wissend, werde ich dennoch mit ihm kämpfen (Adv./Nom./Nom./1.Sg.Präs./Instr.)

yaḥ sarvabhūtāni sadevakāni prasthe 'jayat khāṇḍave savyasācī / ko jīvitaṃ rakṣamāṇo hi tena yuyutsate mām ṛte mānuṣo 'nyaḥ / mānī kṛtāstraḥ kṛtahastayogo divyāstravic chvetahayaḥ pramāthī / tasyāham adyātirathasya kāyāc chiro hariṣyāmi śitaiḥ pṛṣatkaiḥ / yotsyāmy enaṃ śalya dhanaṃjayaṃ vai mṛtyuṃ puraskṛtya raṇe jayaṃ vā / anyo hi na hy ekarathena martyo yudhyeta yaḥ pāṇḍavam indrakalpam

Er, der Ambidexter, der im Khāṇḍava-Wald alle Wesen samt den Göttern besiegte - welcher andere Mensch, sein Leben schützend, würde außer mir mit ihm kämpfen wollen? Stolz, waffenkundig, mit geübter Handhabung, der göttlichen Waffen kundig, der Weißpferdige, der Wühlende - von diesem Wagenkämpfer höchsten Ranges werde ich heute mit scharfen Pfeilspitzen das Haupt vom Leib trennen. Ich werde mit ihm kämpfen, Śalya, mit Dhanañjaya, den Tod oder den Sieg im Kampf vor Augen; denn kein anderer Sterblicher könnte allein auf einem Wagen gegen den Pāṇḍava, der Indra gleicht, kämpfen.

Wort für Wort
yaḥ sarvabhūtāni sadevakāni
der alle Wesen samt den Göttern (Nom./Akk./Akk.)
prasthe ajayat khāṇḍave savyasācī
im Khāṇḍava-Wald besiegte, der Ambidexter (Lok./3.Sg.Impf./Lok./Nom.)
kaḥ jīvitam rakṣamāṇaḥ hi tena
welcher, sein Leben schützend, mit ihm (Nom./Akk./Nom./Adv./Instr.)
yuyutsate mām ṛte mānuṣaḥ anyaḥ
würde außer mir kämpfen wollen, welcher andere Mensch (3.Sg.Präs.Des./Akk./Adv./Nom./Nom.)
mānī kṛtāstraḥ kṛtahastayogaḥ
stolz, waffenkundig, mit geübter Handhabung (Nom.)
divyāstravit śvetahayaḥ pramāthī
der göttlichen Waffen kundig, der Weißpferdige, der Wühlende (Nom.)
tasya aham adya atirathasya kāyāt
von diesem Wagenkämpfer höchsten Ranges heute (Gen./Nom./Adv./Gen./Abl.)
śiraḥ hariṣyāmi śitaiḥ pṛṣatkaiḥ
werde ich das Haupt mit scharfen Pfeilspitzen trennen (Akk./1.Sg.Fut./Instr.)
yotsyāmi enam śalya dhanaṃjayam vai
ich werde mit ihm kämpfen, Śalya, mit Dhanañjaya (1.Sg.Fut./Akk./Vok./Akk./Adv.)
mṛtyum puraskṛtya raṇe jayam vā
den Tod oder den Sieg im Kampf vor Augen (Akk./Absol./Lok./Akk./Adv.)
anyaḥ hi na hi ekarathena martyaḥ
denn kein anderer Sterblicher allein auf einem Wagen (Nom./Adv./Neg./Adv./Instr./Nom.)
yudhyeta yaḥ pāṇḍavam indrakalpam
könnte, der gegen den Pāṇḍava, der Indra gleicht, kämpfen (3.Sg.Opt./Nom./Akk./Akk.)

ahaṃ tasya pauruṣaṃ pāṇḍavasya brūyāṃ hṛṣṭaḥ samitau kṣatriyāṇāṃ / kiṃ tvaṃ mūrkhaḥ prabhaṣan mūḍhacetā mām avocaḥ pauruṣam arjunasya

Ich selbst würde, erfreut, in der Versammlung der Kṣatriyas von der Mannhaftigkeit dieses Pāṇḍava sprechen - warum hast du, Tor, schwatzend, verblendeten Sinnes, mir gegenüber von Arjunas Mannhaftigkeit gesprochen?

Wort für Wort
aham tasya pauruṣam pāṇḍavasya
ich von der Mannhaftigkeit dieses Pāṇḍava (Nom./Gen./Akk./Gen.)
brūyām hṛṣṭaḥ samitau kṣatriyāṇām
würde sprechen, erfreut, in der Versammlung der Kṣatriyas (1.Sg.Opt./Nom./Lok./Gen.)
kim tvam mūrkhaḥ prabhaṣan mūḍhacetāḥ
warum hast du, Tor, schwatzend, verblendeten Sinnes (Adv./Nom./Nom./Part./Nom.)
mām avocaḥ pauruṣam arjunasya
mir gegenüber von Arjunas Mannhaftigkeit gesprochen (Akk./2.Sg.Impf./Akk./Gen.)

apriyo yaḥ paruṣo niṣṭhuro hi kṣudraḥ kṣeptā kṣamiṇaś cākṣamāvān / hanyām ahaṃ tādṛśānāṃ śatāni kṣamāmi tvāṃ kṣamayā kālayogāt

Wer unangenehm, schroff, hartherzig, niedrig ist, ein Schmäher der Geduldigen, selbst ungeduldig - Hunderte solcher Menschen könnte ich erschlagen; dir aber verzeihe ich aus Geduld, wegen der gegenwärtigen Zeitumstände.

Wort für Wort
apriyaḥ yaḥ paruṣaḥ niṣṭhuraḥ hi
wer unangenehm, schroff, hartherzig ist (Nom./Nom./Nom./Nom./Adv.)
kṣudraḥ kṣeptā kṣamiṇaḥ ca akṣamāvān
niedrig, ein Schmäher der Geduldigen, selbst ungeduldig (Nom./Nom./Gen./Nom.)
hanyām aham tādṛśānām śatāni
Hunderte solcher könnte ich erschlagen (1.Sg.Opt./Nom./Gen./Akk.)
kṣamāmi tvām kṣamayā kālayogāt
dir aber verzeihe ich aus Geduld, wegen der Zeitumstände (1.Sg.Präs./Akk./Instr./Abl.)

avocas tvaṃ pāṇḍavārthe 'priyāṇi pradharṣayan māṃ mūḍhavat pāpakarman / mayy ārjave jihmagatir hatas tvaṃ mitradrohī saptapadaṃ hi mitram

Du hast im Interesse der Pāṇḍavas unangenehme Worte gesprochen, mich herausfordernd, wie ein Tor, du Übeltäter; gegen mich, der ich aufrichtig bin, bist du mit krummem Sinn - du bist verloren, Freundesverräter, denn schon nach sieben Schritten gemeinsamen Weges gilt man als Freund.

Wort für Wort
avocaḥ tvam pāṇḍavārthe apriyāṇi
du hast im Interesse der Pāṇḍavas unangenehme Worte gesprochen (2.Sg.Impf./Nom./Lok./Akk.)
pradharṣayan mām mūḍhavat pāpakarman
mich herausfordernd, wie ein Tor, du Übeltäter (Part./Akk./Adv./Vok.)
mayi ārjave jihmagatiḥ hataḥ tvam
gegen mich, der ich aufrichtig bin, mit krummem Sinn, bist du verloren (Lok./Lok./Nom./Nom./Nom.)
mitradrohī saptapadam hi mitram
Freundesverräter, denn nach sieben Schritten gilt man als Freund (Nom./Akk./Adv./Nom.)

kālas tv ayaṃ mṛtyumayo 'tidāruṇo duryodhano yuddham upāgamad yat / tasyārthasiddhim abhikāṅkṣamāṇas tam abhyeṣye yatra naikāntyam asti / tathāpy ahaṃ pāṇḍavavāsudevau yotsye raṇe madvidhasyaiva karma / na prākṛtaḥ sajjate vai kadā cid yaḥ pratyudīyāt kṛṣṇadhanaṃjayau tau

Doch diese Zeit ist todbringend, überaus grausam, da Duryodhana in den Krieg gezogen ist; in der Hoffnung, sein Anliegen zu erfüllen, gehe ich dorthin, wo keine Gewissheit des Ausgangs ist. Dennoch werde ich im Kampf gegen den Pāṇḍava und Vāsudeva kämpfen - das ist die Aufgabe eines meinesgleichen; niemals hängt sich ein gewöhnlicher Mensch an den an, der sich den beiden, Kṛṣṇa und Dhanañjaya, entgegenstellt.

Wort für Wort
kālaḥ tu ayam mṛtyumayaḥ atidāruṇaḥ
doch diese Zeit ist todbringend, überaus grausam (Nom./Adv./Nom./Nom./Nom.)
duryodhanaḥ yuddham upāgamat yat
da Duryodhana in den Krieg gezogen ist (Nom./Akk./3.Sg.Impf./Konj.)
tasya arthasiddhim abhikāṅkṣamāṇaḥ
in der Hoffnung, sein Anliegen zu erfüllen (Gen./Akk./Nom.)
tam abhyeṣye yatra na ekāntyam asti
gehe ich dorthin, wo keine Gewissheit ist (Akk./1.Sg.Fut./Adv./Neg./Nom./3.Sg.Präs.)
tathā api aham pāṇḍavavāsudevau
dennoch werde ich gegen den Pāṇḍava und Vāsudeva (Adv./Adv./Nom./Akk.Dual)
yotsye raṇe madvidhasya eva karma
im Kampf kämpfen - das ist die Aufgabe eines meinesgleichen (1.Sg.Fut./Lok./Gen./Adv./Nom.)
na prākṛtaḥ sajjate vai kadā cit
niemals hängt sich ein gewöhnlicher Mensch an (Neg./Nom./3.Sg.Präs./Adv./Adv.)
yaḥ pratyudīyāt kṛṣṇadhanaṃjayau tau
der sich den beiden, Kṛṣṇa und Dhanañjaya, entgegenstellt (Nom./3.Sg.Opt./Akk.Dual/Akk.Dual)

mitraṃ mider nandateḥ prīyater vā saṃtrāyater mānada modater vā / pramīyate bhajater yac ca mitraṃ tac cāpi sarvaṃ mama duryodhane 'sti / mitraṃ mitrair nandyate prīyate vā saṃtrāyate mānada modate vā / bravīti tac cāmuta viprapūrvāt tac cāpi sarvaṃ mama duryodhane 'sti

'Freund' (mitra) - von 'mid' [zärtlich sein], oder von 'nand' [sich freuen], oder von 'prī' [lieben], oder von 'trai' [beschützen], o Ehrenspender, oder von 'mud' [sich freuen], oder von 'mī' [ehren], oder von 'bhaj' [zugetan sein] - all dies, was 'Freund' bedeutet, trifft auf Duryodhana zu. 'Ein Freund wird durch Freunde erfreut oder geliebt, beschützt, o Ehrenspender, oder erfreut sich ihrer' - so sagt man es, wie es einst von den Brahmanen überliefert wurde; und dies alles trifft auf Duryodhana zu.

Wort für Wort
mitram mideḥ nandateḥ prīyateḥ vā
'Freund', von 'mid', von 'nand', oder von 'prī' (Nom./Abl./Abl./Abl./Adv.)
saṃtrāyateḥ mānada modateḥ vā
von 'trai', o Ehrenspender, oder von 'mud' (Abl./Vok./Abl./Adv.)
pramīyate bhajateḥ yat ca mitram
was 'Freund' von 'mī' und 'bhaj' bedeutet (3.Sg.Präs.Pass./Abl./Nom./Nom./Nom.)
tat ca api sarvam mama duryodhane asti
und dies alles trifft auf Duryodhana zu (Nom./Adv./Adv./Nom./Gen./Lok./3.Sg.Präs.)
mitram mitraiḥ nandyate prīyate vā
ein Freund wird durch Freunde erfreut oder geliebt (Nom./Instr./3.Sg.Präs.Pass./3.Sg.Präs.Pass./Adv.)
saṃtrāyate mānada modate vā
beschützt, o Ehrenspender, oder erfreut sich (3.Sg.Präs./Vok./3.Sg.Präs./Adv.)
bravīti tat ca amuta viprapūrvāt
so sagt man es, wie es von den Brahmanen überliefert wurde (3.Sg.Präs./Akk./Adv./Adv./Abl.)
tat ca api sarvam mama duryodhane asti
und dies alles trifft auf Duryodhana zu (Nom./Adv./Adv./Nom./Gen./Lok./3.Sg.Präs.)

[Anm.: Die Verse 23-24 enthalten eine traditionelle volksetymologische Herleitung der Wörter 'mitra' (Freund) und 'śatru' (Feind) aus verschiedenen Sanskrit-Wurzeln (mid, nand, prī, trai, mud u.a. bzw. śad, śās, śī, śṝ, śvi, sūd u.a.) - ein gängiges Stilmittel (nirukta) der altindischen Rhetorik. Die im Apparat überlieferte zweite, fast wortgleiche Fassung dieser Etymologie-Reihe (nur mit vertauschter Wortstellung) wird als Dublette nicht gesondert übersetzt.]

śatruḥ śadeḥ śāsateḥ śāyater vā śṛṇāter vā śvayater vāpi sarge / upasargād bahudhā sūdateś ca prāyeṇa sarvaṃ tvayi tac ca mahyam

'Feind' (śatru) - von 'śad' [vergehen machen], oder von 'śās' [befehlen/bestrafen], oder von 'śī' [niederstrecken], oder von 'śṝ' [zerbrechen], oder von 'śvi' [anschwellen] in seiner Bedeutung, mit mancherlei Vorsilben, und von 'sūd' [vernichten] - all dies trifft größtenteils auf dich zu, und das Gegenteil auf mich.

Wort für Wort
śatruḥ śadeḥ śāsateḥ śāyateḥ vā
'Feind', von 'śad', von 'śās', oder von 'śī' (Nom./Abl./Abl./Abl./Adv.)
śṛṇāteḥ vā śvayateḥ vā api sarge
oder von 'śṝ', oder auch von 'śvi' in seiner Bedeutung (Abl./Adv./Abl./Adv./Adv./Lok.)
upasargāt bahudhā sūdateḥ ca
mit mancherlei Vorsilben und von 'sūd' (Abl./Adv./Abl./Nom.)
prāyeṇa sarvam tvayi tat ca mahyam
größtenteils trifft alles auf dich zu, und das Gegenteil auf mich (Adv./Nom./Lok./Nom./Nom./Dat.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (sechs Halbverse) führt das Lob Duryodhanas als eines wohltätigen, gerechten Herrschers weiter aus, ohne inhaltlich Neues zur bereits ausgedrückten Etymologie-Argumentation hinzuzufügen, und wird hier mit dieser Anmerkung übergangen.]

duryodhanārthaṃ tava cāpriyārthaṃ yaśortham ātmārtham apīśvarārtham / tasmād ahaṃ pāṇḍavavāsudevau yotsye yatnāt karma tat paśya me 'dya / yāhi tattvaṃ saṃgataḥ pāṇḍavena dhanaṃjayaṃ mṛtyulokaṃ nayiṣye / tayā cāhaṃ mṛtyulokaṃ gamiṣye yasmād upāttaṃ bhārgavād astravṛndam / tasmād astraṃ śatrusaṃghe pramāmi [?] / śalyādyāhaṃ saṃgataḥ pāṇḍavena mucyeyaṃ cej jīvamānaḥ kathaṃ cit / śaśvan mṛtyoḥ syām anādhṛṣyarūpo vyaktaṃ tasmāt saṃyugād vipramuktaḥ

Um Duryodhanas willen, und dir zum Verdruss, um des Ruhmes willen, um meiner selbst willen und auch um des Herrschers willen - darum werde ich gegen den Pāṇḍava und Vāsudeva mit aller Kraft kämpfen; sieh heute diese meine Tat! Geh - im Zusammentreffen mit dem Pāṇḍava wird sich die Wahrheit zeigen: entweder werde ich Dhanañjaya in die Welt des Todes führen, oder ich selbst werde durch ihn in die Welt des Todes gehen; denn mit der von Bhārgava erhaltenen Waffenschar werde ich in der Feindesschar [mein Los] zumessen [?]. Śalya, sollte ich heute, im Zusammentreffen mit dem Pāṇḍava, auf irgendeine Weise lebend entkommen, so würde ich fortan dem Tod unangreifbar erscheinen - offenkundig, aus dieser Schlacht befreit.

Wort für Wort
duryodhanārtham tava ca apriyārtham
um Duryodhanas willen und dir zum Verdruss (Akk./Gen./Adv./Akk.)
yaśortham ātmārtham api īśvarārtham
um des Ruhmes willen, um meiner selbst willen, auch um des Herrschers willen (Akk./Akk./Adv./Akk.)
tasmāt aham pāṇḍavavāsudevau
darum ich gegen den Pāṇḍava und Vāsudeva (Adv./Nom./Akk.Dual)
yotsye yatnāt karma tat paśya me adya
werde ich mit aller Kraft kämpfen - sieh heute diese meine Tat (1.Sg.Fut./Abl./Akk./Akk./2.Sg.Imp./Gen./Adv.)
yāhi tattvam saṃgataḥ pāṇḍavena
geh, die Wahrheit wird sich im Zusammentreffen mit dem Pāṇḍava zeigen (2.Sg.Imp./Akk./Nom./Instr.)
dhanaṃjayam mṛtyulokam nayiṣye
werde ich Dhanañjaya in die Welt des Todes führen (Akk./Akk./1.Sg.Fut.)
tayā ca aham mṛtyulokam gamiṣye
oder ich selbst werde durch ihn in die Welt des Todes gehen (Instr./Nom./Nom./Akk./1.Sg.Fut.)
yasmāt upāttam bhārgavāt astravṛndam
denn mit der von Bhārgava erhaltenen Waffenschar (Abl./Nom./Abl./Nom.)
tasmāt astram śatrusaṃghe pramāmi
werde ich in der Feindesschar mein Los zumessen (Adv./Nom./Lok./1.Sg.Präs.)
śalya adya aham saṃgataḥ pāṇḍavena
Śalya, sollte ich heute im Zusammentreffen mit dem Pāṇḍava (Vok./Adv./Nom./Nom./Instr.)
mucyeyam cet jīvamānaḥ katham cit
auf irgendeine Weise lebend entkommen (1.Sg.Opt./Konj./Nom./Adv./Adv.)
śaśvat mṛtyoḥ syām anādhṛṣyarūpaḥ
so würde ich fortan dem Tod unangreifbar erscheinen (Adv./Gen./1.Sg.Opt./Nom.)
vyaktam tasmāt saṃyugāt vipramuktaḥ
offenkundig, aus dieser Schlacht befreit (Adv./Adv./Abl./Nom.)

[Anm.: Die Lesart 'pramāmi' im vorletzten Halbvers ist unsicher; die wörtliche Bedeutung der Wurzel (etwa 'zumessen, vernichten') bleibt an dieser Stelle unklar, der Sinn - eine Anspielung auf Sieg oder Tod im bevorstehenden Kampf - lässt sich aus dem Zusammenhang nur ungefähr erschließen.]

astrāṇi paśyādya mamottamāni brāhmāṇi divyāny atha mānuṣāṇi / āsādayiṣyāmy aham ugravīryaṃ dvipottamaṃ mattam ivābhimattaḥ

Sieh heute meine höchsten Waffen, brahmanische, göttliche und auch menschliche; ich werde dem von gewaltiger Kraft entgegentreten, wie ein wild gewordener Elefant einem brünstigen Elefantenbullen entgegentritt.

Wort für Wort
astrāṇi paśya adya mama uttamāni
sieh heute meine höchsten Waffen (Akk./2.Sg.Imp./Adv./Gen./Akk.)
brāhmāṇi divyāni atha mānuṣāṇi
brahmanische, göttliche und auch menschliche (Akk.)
āsādayiṣyāmi aham ugravīryam
ich werde dem von gewaltiger Kraft entgegentreten (1.Sg.Fut./Nom./Akk.)
dvipottamam mattam iva abhimattaḥ
wie ein wild gewordener Elefant einem brünstigen Elefantenbullen (Akk./Akk./Adv./Nom.)

astraṃ brāhmaṃ manasā tad dhy ajayyaṃ kṣepsye pārthāyāpratimaṃ jayāya / tenāpi me naiva mucyeta yuddhe na cet pated viṣame me 'dya cakram

Die Brahma-Waffe, unbesiegbar durch den Geist, werde ich, unvergleichlich, zum Sieg gegen den Pārtha schleudern; doch selbst damit könnte er mir im Kampf nicht entkommen, wenn nicht heute mein Rad in eine gefährliche Lage geriete.

Wort für Wort
astram brāhmam manasā tat hi ajayyam
die Brahma-Waffe, durch den Geist unbesiegbar (Akk./Akk./Instr./Akk./Adv./Akk.)
kṣepsye pārthāya apratimam jayāya
werde ich, unvergleichlich, zum Sieg gegen den Pārtha schleudern (1.Sg.Fut./Dat./Akk./Dat.)
tena api me na eva mucyeta yuddhe
doch selbst damit könnte er mir im Kampf nicht entkommen (Instr./Adv./Gen./Neg./Adv./3.Sg.Opt.Pass./Lok.)
na cet patet viṣame me adya cakram
wenn nicht heute mein Rad in eine gefährliche Lage geriete (Neg./Konj./3.Sg.Opt./Lok./Gen./Adv./Nom.)

vaivasvatād daṇḍahastād varuṇād vāpi pāśinaḥ / sagadād vā dhanapateḥ savajrād vāpi vāsavāt / nānyasmād api kasmāc cid bibhimo hy ātatāyinaḥ / iti śalya vijānīhi yathā nāhaṃ bibhemy abhīḥ

Vor Vaivasvata mit dem Stab in der Hand, oder vor Varuṇa mit der Schlinge, oder vor dem keulentragenden Herrn der Schätze, oder vor dem blitztragenden Vāsava - vor keinem anderen Waffenträger, wer immer es sei, fürchte ich mich. So wisse, Śalya: Ich fürchte mich nicht, ich bin furchtlos.

Wort für Wort
vaivasvatāt daṇḍahastāt
vor Vaivasvata mit dem Stab in der Hand (Abl./Abl.)
varuṇāt vā api pāśinaḥ
oder auch vor Varuṇa mit der Schlinge (Abl./Adv./Adv./Abl.)
sagadāt vā dhanapateḥ
oder vor dem keulentragenden Herrn der Schätze (Abl./Adv./Abl.)
savajrāt vā api vāsavāt
oder auch vor dem blitztragenden Vāsava (Abl./Adv./Adv./Abl.)
na anyasmāt api kasmāt cit
vor keinem anderen, wer immer es sei (Neg./Abl./Adv./Abl./Adv.)
bibhimaḥ hi ātatāyinaḥ
fürchte ich mich vor dem Waffenträger (1.Sg.Präs./Adv./Abl.)
iti śalya vijānīhi yathā
so wisse, Śalya (Adv./Vok./2.Sg.Imp./Adv.)
na aham bibhemi abhīḥ
ich fürchte mich nicht, ich bin furchtlos (Neg./Nom./1.Sg.Präs./Nom.)

tasmād bhayaṃ na me pārthān nāpi caiva janārdanāt / adya yuddhaṃ hi tābhyāṃ me saṃparāye bhaviṣyati / kadā cid vijayasyāham astrahetor aṭan nṛpa / ajñānād dhi kṣipan bāṇān ghorarūpān bhayānakān

Darum habe ich keine Furcht vor Pārtha, noch auch vor Janārdana; heute wird es zwischen mir und den beiden zur Schlacht kommen. Einst, o König, während ich um des Sieges willen, auf der Suche nach Waffen, umherzog, schoss ich in Unwissenheit furchtbare, schreckliche Pfeile ab,

Wort für Wort
tasmāt bhayam na me pārthāt
darum habe ich keine Furcht vor Pārtha (Adv./Nom./Neg./Gen./Abl.)
na api ca eva janārdanāt
noch auch vor Janārdana (Neg./Adv./Adv./Adv./Abl.)
adya yuddham hi tābhyām me
heute wird es zwischen mir und den beiden zur Schlacht kommen (Adv./Nom./Adv./Instr.Dual/Gen.)
saṃparāye bhaviṣyati
es wird kommen im Zusammenstoß (Lok./3.Sg.Fut.)
kadā cit vijayasya aham astrahetoḥ
einst, um des Sieges willen, auf der Suche nach Waffen (Adv./Gen./Nom./Abl.)
aṭan nṛpa ajñānāt hi
umherziehend, o König, aus Unwissenheit (Part./Vok./Abl./Adv.)
kṣipan bāṇān ghorarūpān bhayānakān
schoss ich furchtbare, schreckliche Pfeile ab (Part./Akk./Akk./Akk.)

śvabhre te patatāṃ cakram iti me brāhmaṇo 'vadat / yudhyamānasya saṃgrāme prāptasyaikāyane bhayam

'In eine Grube werde dein Rad fallen' - so sprach zu mir ein Brahmane, für den Fall, dass mir im Kampf, wenn ich auf einem einzigen Weg in Bedrängnis geriete, Gefahr drohte.

Wort für Wort
śvabhre te patatām cakram
in eine Grube werde dein Rad fallen (Lok./Gen./3.Sg.Opt./Nom.)
iti me brāhmaṇaḥ avadat
so sprach zu mir ein Brahmane (Adv./Gen./Nom./3.Sg.Impf.)
yudhyamānasya saṃgrāme
im Kampf, wenn ich kämpfe (Gen./Lok.)
prāptasya ekāyane bhayam
wenn ich auf einem einzigen Weg in Bedrängnis geriete, Gefahr (Gen./Lok./Nom.)

tasmād bibhemi balavad brāhmaṇavyāhṛtād aham / ete hi somarājāna īśvarāḥ sukhaduḥkhayoḥ / adāṃ tasmai gosahasraṃ balīvardāṃś ca ṣaṭśatān / prasādaṃ na lebhe śalya brāhmaṇān madrakeśvara

Darum fürchte ich mich sehr vor dem, was der Brahmane ausgesprochen hat; denn diese, die Soma zu ihrem König haben, sind die Herren über Glück und Leid. Ich gab ihm tausend Kühe und sechshundert Ochsen, doch die Gnade der Brahmanen erlangte ich nicht, Śalya, Herr der Madras.

Wort für Wort
tasmāt bibhemi balavat
darum fürchte ich mich sehr (Adv./1.Sg.Präs./Adv.)
brāhmaṇavyāhṛtāt aham
vor dem, was der Brahmane ausgesprochen hat, ich (Abl./Nom.)
ete hi somarājānaḥ īśvarāḥ
denn diese, die Soma zu ihrem König haben, sind die Herren (Nom./Adv./Nom./Nom.)
sukhaduḥkhayoḥ
über Glück und Leid (Gen.Dual)
adām tasmai gosahasram
ich gab ihm tausend Kühe (1.Sg.Impf./Dat./Akk.)
balīvardān ca ṣaṭśatān
und sechshundert Ochsen (Akk./Nom./Akk.)
prasādam na lebhe śalya
doch die Gnade erlangte ich nicht, Śalya (Akk./Neg./1.Sg.Perf./Vok.)
brāhmaṇāt madrakeśvara
von den Brahmanen, Herr der Madras (Abl./Vok.)

[Anm.: Dieser Halbvers nimmt den weiteren Verlauf der sogleich erzählten Geschichte - Karṇas vergebliche Versöhnungsversuche - bereits vorweg; die ausführliche Erzählung folgt in den nächsten Versen.]

kadā cid brāhmaṇasyātha homadhenor ahaṃ nṛpa / ajānann akṣipaṃ bāṇaṃ ghorarūpaṃ bhayānakam / homadhenvā vatsam asya pramatta iṣuṇāhanam / carantam ajane śalya brāhmaṇāt tapaso nidheḥ

Einst, o König, schoss ich unwissentlich einen furchtbaren, schrecklichen Pfeil auf das Opferkalb eines Brahmanen, und traf, unachtsam, mit dem Pfeil das Kalb der Opferkuh dieses Brahmanen, das in menschenleerer Gegend umherzog, Śalya, eines Brahmanen, eines Schatzes der Askese.

Wort für Wort
kadā cit brāhmaṇasya atha homadhenoḥ
einst auf das Opferkalb eines Brahmanen (Adv./Gen./Adv./Gen.)
aham nṛpa ajānan akṣipam bāṇam
ich, o König, unwissentlich schoss einen Pfeil (Nom./Vok./Part./1.Sg.Impf./Akk.)
ghorarūpam bhayānakam
furchtbar, schrecklich (Akk.)
homadhenvāḥ vatsam asya pramattaḥ
das Kalb der Opferkuh dieses, unachtsam (Gen./Akk./Gen./Nom.)
iṣuṇā ahanam carantam ajane śalya
traf ich mit dem Pfeil, das in menschenleerer Gegend umherzog, Śalya (Instr./1.Sg.Impf./Akk./Lok./Vok.)
brāhmaṇāt tapasaḥ nidheḥ
eines Brahmanen, eines Schatzes der Askese (Gen./Gen./Gen.)

yasmāt tvayā pramattena homadhenvā hataḥ sutaḥ / yasmād vatsa tvayā cātra homadhenvā hataḥ sutaḥ / tasmāt tvam api rādheya vākśalyaṃ mahad āpnuhi / śvabhre te patitā cakraṃ

‚Weil du, unachtsam, das Junge der Opferkuh getötet hast - weil du, mein Kind, hier das Junge der Opferkuh getötet hast, darum sollst auch du, Sohn der Rādhā, einen gewaltigen Wort-Pfeilstich erleiden: In eine Grube wird dein Rad fallen -

Wort für Wort
yasmāt tvayā pramattena
weil du, unachtsam (Abl./Instr./Instr.)
homadhenvā hataḥ sutaḥ
das Junge der Opferkuh getötet (Instr./Nom./Nom.)
yasmāt vatsa tvayā ca atra
weil du, mein Kind, hier (Abl./Vok./Instr./Adv./Adv.)
homadhenvā hataḥ sutaḥ
das Junge der Opferkuh getötet (Instr./Nom./Nom.)
tasmāt tvam api rādheya
darum sollst auch du, Sohn der Rādhā (Adv./Nom./Adv./Vok.)
vākśalyam mahat āpnuhi
einen gewaltigen Wort-Pfeilstich erleiden (Akk./Akk./2.Sg.Imp.)
śvabhre te patitā cakram
in eine Grube wird dein Rad fallen (Lok./Gen./Nom./Nom.)

yudhyamānasya śatruṇā prāpta ekāyane kāle mṛtyusādhāraṇe tvayi / spardhase yena saṃgrāme yadarthaṃ ghaṭase 'niśam / tata eva dhruvaṃ mṛtyuṃ sūta prāpsyasi saṃyuge

wenn du mit dem Feind kämpfst, wenn die dem Tod gemeinsame Zeit dich auf dem einzigen Weg erreicht - dann, worum du im Kampf wetteiferst, wofür du dich unablässig abmühst, eben dadurch wirst du, Wagenlenkersohn, gewiss den Tod im Kampf finden.‘

Wort für Wort
yudhyamānasya śatruṇā
wenn du mit dem Feind kämpfst (Gen./Instr.)
prāpte ekāyane kāle
wenn die Zeit dich auf dem einzigen Weg erreicht (Lok./Lok./Lok.)
mṛtyusādhāraṇe tvayi
die dem Tod gemeinsame, dich (Lok./Lok.)
spardhase yena saṃgrāme
worum du im Kampf wetteiferst (2.Sg.Präs./Instr./Lok.)
yadartham ghaṭase aniśam
wofür du dich unablässig abmühst (Akk./2.Sg.Präs./Adv.)
tataḥ eva dhruvam mṛtyum sūta
eben dadurch gewiss den Tod, Wagenlenkersohn (Adv./Adv./Akk./Akk./Vok.)
prāpsyasi saṃyuge
wirst du finden im Kampf (2.Sg.Fut./Lok.)

[Anm.: Der Beginn dieser apparatus-Einfügung (zwei Wörter) ist im vorliegenden Textzeugnis durch **** unleserlich; der fehlende Textanfang lässt sich aus dem Zusammenhang nicht mehr sicher rekonstruieren und wird daher nicht ergänzt.]

īṣādantān saptaśatān dāsīdāsaśatāni ca / aśvānāṃ ca sahasre dve dadato dvijamukhyāya prasādaṃ na cakāra me

Siebenhundert Elefanten mit pflugstangenartigen Stoßzähnen und hunderte Sklavinnen und Sklaven, dazu zweitausend Pferde bot ich dem vornehmsten der Zweimalgeborenen dar, doch er gewährte mir keine Gnade.

Wort für Wort
īṣādantān saptaśatān
siebenhundert Elefanten mit pflugstangenartigen Stoßzähnen (Akk./Akk.)
dāsīdāsaśatāni ca
und hunderte Sklavinnen und Sklaven (Akk.)
aśvānām ca sahasre dve
und zweitausend Pferde (Gen./Nom./Akk.Dual/Akk.Dual)
dadataḥ dvijamukhyāya
bot ich dem vornehmsten der Zweimalgeborenen dar (Part./Dat.)
prasādam na cakāra me
doch er gewährte mir keine Gnade (Akk./Neg./3.Sg.Perf./Gen.)

[Anm.: Die apparatus-Einfügung vor 'aśvānāṃ ca sahasre dve' ist im vorliegenden Textzeugnis zu Beginn durch **** unleserlich; sie scheint eine weitere Angabe von Elefanten zu enthalten, die sich aus dem Zusammenhang nicht mehr sicher rekonstruieren lässt.]

kṛṣṇānāṃ śvetavatsānāṃ sahasrāṇi caturdaśa / āharan na labhe tasmāt prasādaṃ dvijasattamāt

Vierzehntausend schwarze Kühe mit weißen Kälbern brachte ich dar, doch erlangte ich von jenem besten der Zweimalgeborenen keine Gnade.

Wort für Wort
kṛṣṇānām śvetavatsānām
schwarzer Kühe mit weißen Kälbern (Gen.)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehntausend (Akk.)
āharan na labhe tasmāt
brachte ich dar, doch erlangte ich von jenem nicht (Part./Neg./1.Sg.Perf./Abl.)
prasādam dvijasattamāt
die Gnade von dem besten der Zweimalgeborenen (Akk./Abl.)

ṛddhaṃ gehaṃ sarvakāmair yac ca me vasu kiṃ cana / tat sarvam asmai satkṛtya prayacchāmi na cecchati / yat kiṃ cin māmakaṃ vittaṃ tvadadhīnaṃ karomi tat / iti māṃ yācamānaṃ vai brāhmaṇaḥ pratyavārayat / krodhadīptekṣaṇaḥ śalya nirdahann iva cakṣuṣā

Mein an allen Wünschen reiches Haus und was ich sonst an Gut besaß - dies alles bot ich ihm ehrerbietig dar; doch er wollte es nicht. 'Was auch immer an Besitz mein ist, das mache ich dir untertan' - so bat ich ihn flehentlich, doch der Brahmane, mit zornentflammten Augen, Śalya, mich gleichsam mit seinem Blick verbrennend, wies mich ab.

Wort für Wort
ṛddham geham sarvakāmaiḥ
mein an allen Wünschen reiches Haus (Akk./Akk./Instr.)
yat ca me vasu kim cana
und was ich sonst an Gut besaß (Nom./Nom./Gen./Nom./Adv.)
tat sarvam asmai satkṛtya
dies alles bot ich ihm ehrerbietig dar (Akk./Akk./Dat./Absol.)
prayacchāmi na ca icchati
ich biete dar, doch er wollte es nicht (1.Sg.Präs./Neg./Adv./3.Sg.Präs.)
yat kim cit māmakam vittam
was auch immer an Besitz mein ist (Nom./Nom./Nom./Nom.)
tvadadhīnam karomi tat
das mache ich dir untertan (Akk./1.Sg.Präs./Akk.)
iti mām yācamānam vai brāhmaṇaḥ
so bat ich ihn flehentlich, der Brahmane (Adv./Akk./Akk./Adv./Nom.)
pratyavārayat
wies mich ab (3.Sg.Impf.)
krodhadīptekṣaṇaḥ śalya
mit zornentflammten Augen, Śalya (Nom./Vok.)
nirdahan iva cakṣuṣā
mich gleichsam mit seinem Blick verbrennend (Part./Adv./Instr.)

tato 'bravīn māṃ yācantam aparāddhaṃ prayatnataḥ / vyāhṛtaṃ yan mayā sūta tat tathā na tad anyathā

‚Was von mir gesprochen wurde, Sūta-Sohn, das bleibt so, und nicht anders.‘ So sprach er zu mir, der ich, den Fehler begangen habend, eifrig bat.

Wort für Wort
tataḥ abravīt mām yācantam
da sprach er zu mir, der bat (Adv./3.Sg.Impf./Akk./Akk.)
aparāddham prayatnataḥ
der ich, den Fehler begangen habend, eifrig (Akk./Adv.)
vyāhṛtam yat mayā sūta
was von mir gesprochen wurde, Sūta-Sohn (Nom./Nom./Instr./Vok.)
tat tathā na tat anyathā
das bleibt so, und nicht anders (Nom./Adv./Neg./Nom./Adv.)

anṛtoktaṃ prajā hanyāt tataḥ pāpam avāpnuyāt / tasmād dharmābhirakṣārthaṃ nānṛtaṃ vaktum utsahe

‚Eine Lüge könnte die Geschöpfe vernichten, und dadurch würde ich Sünde auf mich laden; darum, um das Recht zu wahren, bringe ich es nicht über mich, eine Unwahrheit zu sprechen.

Wort für Wort
anṛtoktam prajā hanyāt
eine Lüge könnte die Geschöpfe vernichten (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)
tataḥ pāpam avāpnuyāt
und dadurch würde ich Sünde auf mich laden (Adv./Akk./1.Sg.Opt.)
tasmāt dharmābhirakṣārtham
darum, um das Recht zu wahren (Adv./Akk.)
na anṛtam vaktum utsahe
bringe ich es nicht über mich, eine Unwahrheit zu sprechen (Neg./Akk./Inf./1.Sg.Präs.)

mā tvaṃ brahmagatiṃ hiṃsyāḥ prāyaścittaṃ kṛtaṃ tvayā / naitad avyāhṛtaṃ kuryāt sarvaloko 'pi sūtaja / yan mayoktaṃ saroṣeṇa gaccha sūtaja mā ciram / iti mām asakṛt kruddhaḥ sa uvāca dvijottamaḥ / ete hi somarājāna īśvarāḥ sukhaduḥkhayoḥ / nāhaṃ bibhemi bībhatsor na śalya madhusūdanāt / tasmād bibhemy ahaṃ śāpāt tena satyena te śape / saha yuddhaṃ sametābhyām adyedaṃ samupasthitam / yuddhe 'smiñ jīvitaṃ me 'dya śalya saṃśayam āgatam / śakro 'py amararāṭ tābhyām upagamyāhavaṃ saha / saṃśayaṃ paramaṃ gacchet kathaṃ vā manyate bhavān

Verletze du nicht den gerechten Gang des Brahmanentums - eine Buße hast du zwar geleistet; doch selbst die ganze Welt könnte dies nicht ungesagt machen, Sohn des Sūta! Was von mir im Zorn gesprochen wurde - geh, Sohn des Sūta, säume nicht!‘ So sprach jener Beste der Zweimalgeborenen wiederholt zornig zu mir. Denn diese, die Soma zu ihrem König haben, sind die Herren über Glück und Leid. Ich fürchte mich nicht vor dem Ambidexter, Śalya, noch vor Madhusūdana; doch vor jenem Fluch fürchte ich mich - bei dieser Wahrheit schwöre ich dir: Der Kampf gegen die beiden Vereinten steht mir heute bevor; in dieser Schlacht ist mein Leben heute in Zweifel geraten, Śalya. Selbst Śakra, der König der Unsterblichen, würde, träte er diesen beiden im Kampf entgegen, in höchste Gefahr geraten - wie erst, meinst du, ergeht es mir?

Wort für Wort
mā tvam brahmagatim hiṃsyāḥ
verletze du nicht den gerechten Gang des Brahmanentums (Neg./Nom./Akk./2.Sg.Opt.)
prāyaścittam kṛtam tvayā
eine Buße hast du geleistet (Akk./Nom./Instr.)
na etat avyāhṛtam kuryāt
dies könnte nicht ungesagt machen (Neg./Akk./Akk./3.Sg.Opt.)
sarvalokaḥ api sūtaja
selbst die ganze Welt, Sohn des Sūta (Nom./Adv./Vok.)
yat mayā uktam saroṣeṇa
was von mir im Zorn gesprochen wurde (Nom./Instr./Nom./Instr.)
gaccha sūtaja mā ciram
geh, Sohn des Sūta, säume nicht (2.Sg.Imp./Vok./Neg./Adv.)
iti mām asakṛt kruddhaḥ
so, wiederholt, zornig, zu mir (Adv./Akk./Adv./Nom.)
sa uvāca dvijottamaḥ
sprach jener Beste der Zweimalgeborenen (Nom./3.Sg.Perf./Nom.)
ete hi somarājānaḥ īśvarāḥ
denn diese, die Soma zu ihrem König haben, sind die Herren (Nom./Adv./Nom./Nom.)
sukhaduḥkhayoḥ
über Glück und Leid (Gen.Dual)
na aham bibhemi bībhatsoḥ
ich fürchte mich nicht vor dem Ambidexter (Neg./Nom./1.Sg.Präs./Abl.)
na śalya madhusūdanāt
noch, Śalya, vor Madhusūdana (Neg./Vok./Abl.)
tasmāt bibhemi aham śāpāt
doch vor jenem Fluch fürchte ich mich (Adv./1.Sg.Präs./Nom./Abl.)
tena satyena te śape
bei dieser Wahrheit schwöre ich dir (Instr./Instr./Gen./1.Sg.Präs.)
saha yuddham sametābhyām
der Kampf gegen die beiden Vereinten (Adv./Nom./Instr.Dual)
adya idam samupasthitam
steht mir heute bevor (Adv./Nom./Nom.)
yuddhe asmin jīvitam me adya
in dieser Schlacht ist mein Leben heute (Lok./Lok./Nom./Gen./Adv.)
śalya saṃśayam āgatam
in Zweifel geraten, Śalya (Vok./Akk./Nom.)
śakraḥ api amararāṭ tābhyām
selbst Śakra, der König der Unsterblichen, diesen beiden (Nom./Adv./Nom./Instr.Dual)
upagamya āhavam saha
entgegentretend im Kampf (Absol./Akk./Adv.)
saṃśayam paramam gacchet
würde in höchste Gefahr geraten (Akk./Akk./3.Sg.Opt.)
katham vā manyate bhavān
wie erst, meinst du (Adv./Adv./3.Sg.Präs./Nom.)

madvākyaṃ nānṛtaṃ loke kaś cit kuryāt samāpnuhi / ity etat te mayā proktaṃ kṣiptenāpi suhṛttayā / jānāmi tvādhikṣipantaṃ joṣam āssvottaraṃ śṛṇu

Niemand in der Welt könnte mein Wort zur Lüge machen - das wisse wohl. So habe ich dir dies gesagt, obwohl du mich verhöhnt hast, dennoch aus Freundschaft. Ich weiß, dass du mich schmähst - schweig nun und höre meine Antwort.“

Wort für Wort
madvākyam na anṛtam loke
mein Wort könnte in der Welt nicht zur Lüge (Akk./Neg./Akk./Lok.)
kaḥ cit kuryāt samāpnuhi
niemand könnte es machen - das wisse wohl (Nom./Adv./3.Sg.Opt./2.Sg.Imp.)
iti etat te mayā proktam
so habe ich dir dies gesagt (Adv./Akk./Gen./Instr./Nom.)
kṣiptena api suhṛttayā
obwohl du mich verhöhnt hast, dennoch aus Freundschaft (Instr./Adv./Instr.)
jānāmi tvā adhikṣipantam
ich weiß, dass du mich schmähst (1.Sg.Präs./Akk./Part.)
joṣam āssva uttaram śṛṇu
schweig nun und höre meine Antwort (Akk./2.Sg.Imp./Akk./2.Sg.Imp.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht