putras tava mahārāja madrarājam idaṃ vacaḥ / evam ukto mahārāja tava putraḥ pratāpavān / madreśvaraṃ prati raṇe parasainyabhayaṃkaram / sarvaṃ tathākarot tūrṇaṃ rādheyas tad yad abravīt / madrarājaṃ ca samare praṇamya ca mahāratham / vinayenopasaṃgamya praṇayād vākyam abravīt
Dein Sohn, o Großkönig - so [von Karṇa] angesprochen -, tat gegenüber dem Herrn der Madras, der im Kampf den feindlichen Heeren Furcht einflößt, eilends alles genau so, wie es Rādheya (Karṇa) gesagt hatte; und nachdem er sich vor dem König der Madras, dem großen Wagenkämpfer, im Kampfe verneigt und sich ihm mit Höflichkeit genähert hatte, sprach er aus Zuneigung dieses Wort.
Wort für Wort
putraḥ tava
dein Sohn (Nom. Sg.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
madrarājam
zum König der Madras (Akk. Sg.)
idam vacaḥ
dieses Wort (Akk. Sg.)
evam uktaḥ
so angesprochen (Nom. Sg.)
pratāpavān
mächtig (Nom. Sg.)
madreśvaram prati
gegenüber dem Herrn der Madras (Adv.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
parasainyabhayaṃkaram
der den feindlichen Heeren Furcht einflößt (Akk. Sg.)
sarvam
alles (Akk. Sg.)
tathā akarot
er tat so (3. Sg. Impf.)
tūrṇam
eilends (Adv.)
rādheyaḥ
Rādheya, Karṇa (Nom. Sg.)
tat yat abravīt
was er gesagt hatte (3. Sg. Impf.)
madrarājam
den König der Madras (Akk. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
praṇamya
sich verneigt habend (Absolutiv)
mahāratham
den großen Wagenkämpfer (Akk. Sg.)
vinayena
mit Höflichkeit (Instr. Sg.)
upasaṃgamya
sich genähert habend (Absolutiv)
praṇayāt
aus Zuneigung (Abl. Sg.)
vākyam abravīt
er sprach das Wort (3. Sg. Impf.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚saṃjaya uvāca‘ (V. 001) wurde weggelassen, da Saṃjaya hier lediglich seine Erzählung fortsetzt. Die Apparatzeilen 08,023.001b*0205_01 bis *0205_04 wurden mit V. 001 zu einer Einheit verbunden. Die Verszeile ist elliptisch verkürzt; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Auflösung des Zusammenhangs mit dem Ende von Kapitel 22.]
„O du, dessen Gelübde wahr ist, hochbeglückter, Mehrer des Leids für die Hassenden, Herr der Madras, Held im Kampf, der du feindlichen Heeren Furcht einflößt - du hast gehört, wie Karṇa, der Beste der Redner, sprach, wie er dich inmitten der löwengleichen Könige erwählt. Darum, o du von unvergleichlicher Kraft, Bringer der Vernichtung für die Reihen der Feinde, Herr der Madras, bitte ich dich heute mit gesenktem Haupt und in Demut: Beschütze Karṇa von allen Seiten, o Tugendhafter, wie Brahmā den Bhava (Śiva) beschützt.
Wort für Wort
satyavrata
o du, dessen Gelübde wahr ist (Vok. Sg.)
mahābhāga
hochbeglückt (Vok. Sg.)
dviṣatām
der Hassenden (Gen. Pl.)
aghavardhana
Mehrer des Leids (Vok. Sg.)
madreśvara
o Herr der Madras (Vok. Sg.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
śūra
o Held (Vok. Sg.)
parasainyabhayaṃkara
der feindlichen Heeren Furcht einflößt (Vok. Sg.)
śrutavān asi
du hast gehört (2. Sg. Perf.)
karṇasya bruvataḥ
wie Karṇa sprach (Gen. Sg., Part.)
vadatāṃ vara
o Bester der Redner (Vok. Sg.)
nṛpatisiṃhānām
der löwengleichen Könige (Gen. Pl.)
madhye
inmitten (Lok. Sg.)
tvām
dich (Akk. Sg.)
varayati
er erwählt (3. Sg. Präs.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
aprativīrya
von unvergleichlicher Kraft (Vok. Sg.)
adya
heute (Adv.)
śatrupakṣakṣayāvaha
Bringer der Vernichtung für die Reihen der Feinde (Vok. Sg.)
prayāce aham
ich bitte (1. Sg. Präs.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
vinayena
mit Demut (Instr. Sg.)
tvam pāhi
beschütze du! (2. Sg. Imp.)
sarvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
karṇam
Karṇa (Akk. Sg.)
bhavam
Bhava, Śiva (Akk. Sg.)
brahma
Brahmā (Nom. Sg.)
iva
wie (Partikel)
suvrata
o Tugendhafter (Vok. Sg.)
[Anm.: Mit V. 002 beginnt Duryodhanas erste Rede an Śalya, die bis V. 018 reicht (Anführungszeichen entsprechend erst in Einheit 17 geschlossen). Die Apparatzeilen 08,023.003d*0206_01, *0206_02 und *0207_01 wurden mit den Versen 002-003 zu einer Einheit verbunden.]
tasmāt pārthavināśārthaṃ hitārthaṃ mama caiva hi / sārathyaṃ rathināṃ śreṣṭha sumanāḥ kartum arhasi / tvayi yantari rādheyo vidviṣo me vijeṣyate / abhīṣūṇāṃ hi karṇasya grahītānyo na vidyate
Darum, zum Zwecke von Pārthas Vernichtung und zu meinem eigenen Wohl, o Bester der Wagenkämpfer, solltest du mit gutem Willen das Amt des Wagenlenkers übernehmen; mit dir als Lenker wird Rādheya meine Feinde besiegen; denn es gibt keinen anderen, der die Zügel Karṇas zu halten vermag.
Es gibt in der Welt keinen anderen Zügelhalter für ihn, der dir gleich wäre; denn außer dir, o Hochbeglückter, dem Vāsudeva (Kṛṣṇa) im Kampf Ebenbürtigen - mögest du Karṇa von allen Seiten beschützen, wie Brahmā den Śaṃkara (Śiva) beschützt.
Wort für Wort
asya
für ihn (Gen. Sg.)
abhīśugrahaḥ
der Zügelhalter (Nom. Sg.)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
na anyaḥ asti
es gibt keinen anderen (3. Sg. Präs.)
bhavatā samaḥ
dir gleich (Nom. Sg.)
ṛte
außer (Postposition)
tvām
dich (Akk. Sg.)
mahābhāga
o Hochbeglückter (Vok. Sg.)
vāsudevasamam
Vāsudeva gleich (Akk. Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
saḥ pātu
er möge beschützen (3. Sg. Imp.)
sarvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
karṇam
Karṇa (Akk. Sg.)
bhavān
du (Nom. Sg.)
brahma
Brahmā (Nom. Sg.)
śaṃkaram
Śaṃkara, Śiva (Akk. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.005b*0209_01 wurde mit V. 005 zu einer Einheit verbunden.]
Wie Kṛṣṇa, Pārthas Gefährte, dessen vortrefflicher Zügelhalter ist, so beschütze auch du Rādheya von allen Seiten; und wie der Nachkomme Vṛṣṇis (Kṛṣṇa) den Pāṇḍava in jeder Gefahr beschützt, so beschütze du, o Herr der Madras, heute Rādheya.
Wort für Wort
pārthasya
Pārthas (Gen. Sg.)
sacivaḥ
der Gefährte (Nom. Sg.)
kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
abhīśugrahaḥ varaḥ
der vortreffliche Zügelhalter (Nom. Sg.)
tvam api
auch du (Nom. Sg.)
rādheyam
Rādheya, Karṇa (Akk. Sg.)
sarvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
paripālaya
beschütze! (2. Sg. Imp.)
sarvathā āpatsu
in jeder Gefahr (Lok. Pl.)
vārṣṇeyaḥ
der Nachkomme Vṛṣṇis, Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
pāti
er beschützt (3. Sg. Präs.)
pāṇḍavam
den Pāṇḍava (Akk. Sg.)
madreśvara
o Herr der Madras (Vok. Sg.)
adya
heute (Adv.)
pratipālaya
beschütze! (2. Sg. Imp.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.006d*0210_01 und *0210_02 wurden mit V. 006 zu einer Einheit verbunden.]
bhīṣmo droṇaḥ kṛpaḥ karṇo bhavān bhojaś ca vīryavān / śakuniḥ saubalo drauṇir aham eva ca no balam / eṣām eva kṛto bhāgo navadhā pṛtanāpate
Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa, Karṇa, du, und der starke Bhoja (Kṛtavarman), Śakuni, der Sohn Subalas, der Sohn Droṇas (Aśvatthāman), und ich selbst - unter eben diesen ist unser Heer in neun Teile geteilt worden, o Herr des Heeres.
naiva bhāgo 'tra bhīṣmasya droṇasya ca mahātmanaḥ / tābhyām atītya tau bhāgau nihatā mama śatravaḥ
Hier gibt es keinen [verbliebenen] Anteil mehr von Bhīṣma und dem großmütigen Droṇa; jene beiden, nachdem sie über ihre beiden Anteile hinausgegangen waren, wurden getötet, [doch zuvor] meine Feinde erschlagend.
vṛddhau hi tau naravyāghrau chalena nihatau ca tau / kṛtvā nasukaraṃ karma gatau svargam ito 'nagha
Denn jene beiden tigergleichen Männer, obwohl betagt, wurden durch List getötet; nachdem sie eine schwer zu vollbringende Tat vollbracht hatten, gingen sie von hier zum Himmel, o Schuldloser.
tathānye puruṣavyāghrāḥ parair vinihatā yudhi / asmadīyāś ca bahavaḥ svargāyopagatā raṇe / tyaktvā prāṇān yathāśakti ceṣṭāḥ kṛtvā ca puṣkalāḥ / tad idaṃ hatabhūyiṣṭhaṃ balaṃ mama narādhipa / pūrvam apy alpakaiḥ pārthair hataṃ kim uta sāṃpratam / balavanto mahātmānaḥ kaunteyāḥ satyavikramāḥ / balaṃ śeṣaṃ na hanyur me yathā tat kuru pārthiva / hatavīram idaṃ sainyaṃ pāṇḍavaiḥ samare vibho
Ebenso wurden andere tigergleiche Männer von den Feinden im Kampf erschlagen, und viele der Unsrigen sind im Gefecht zum Himmel eingegangen, nachdem sie, soweit es ihre Kraft erlaubte, ihr Leben hingegeben und gewaltige Anstrengungen unternommen hatten. Dieses mein Heer, o Herr der Menschen, ist nun größtenteils erschlagen; wurde es schon früher von den [damals noch] wenigen Söhnen Pṛthās geschlagen, wie viel mehr jetzt, da die mächtigen, hochgemuten Söhne der Kuntī von wahrhaftiger Kühnheit sind! Tue, o König, so, dass sie mir den verbliebenen Rest des Heeres nicht erschlagen; dieses Heer, o Mächtiger, hat seine Helden von den Pāṇḍavas im Kampf erschlagen bekommen.
Wort für Wort
tathā
ebenso (Adv.)
anye puruṣavyāghrāḥ
andere tigergleiche Männer (Nom. Pl.)
paraiḥ
von den Feinden (Instr. Pl.)
vinihatāḥ
erschlagen (Nom. Pl.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
asmadīyāḥ
die Unsrigen (Nom. Pl.)
bahavaḥ
viele (Nom. Pl.)
svargāya upagatāḥ
zum Himmel eingegangen (Nom. Pl.)
raṇe
im Gefecht (Lok. Sg.)
tyaktvā
hingegeben habend (Absolutiv)
prāṇān
das Leben (Akk. Pl.)
yathāśakti
soweit die Kraft erlaubte (Adv.)
ceṣṭāḥ
Anstrengungen (Akk. Pl.)
kṛtvā
unternommen habend (Absolutiv)
puṣkalāḥ
gewaltig (Akk. Pl.)
tat idam
dieses (Nom. Sg.)
hatabhūyiṣṭham
größtenteils erschlagen (Nom. Sg.)
balam mama
mein Heer (Nom. Sg.)
narādhipa
o Herr der Menschen (Vok. Sg.)
pūrvam api
schon früher (Adv.)
alpakaiḥ pārthaiḥ
von den wenigen Söhnen Pṛthās (Instr. Pl.)
hatam
geschlagen (Nom. Sg.)
kim uta sāṃpratam
wie viel mehr jetzt (Adv.)
balavantaḥ mahātmānaḥ
die mächtigen Hochgemuten (Nom. Pl.)
kaunteyāḥ
die Söhne der Kuntī (Nom. Pl.)
satyavikramāḥ
von wahrhaftiger Kühnheit (Nom. Pl.)
balam śeṣam
der verbliebene Rest des Heeres (Akk. Sg.)
na hanyuḥ me
sie mögen mir nicht erschlagen (3. Pl. Opt.)
yathā tat kuru
tue so, dass (2. Sg. Imp.)
pārthiva
o König (Vok. Sg.)
hatavīram
mit erschlagenen Helden (Akk. Sg.)
idam sainyam
dieses Heer (Nom. Sg.)
pāṇḍavaiḥ
von den Pāṇḍavas (Instr. Pl.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
vibho
o Mächtiger (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.010f*0211_01 bis *0211_04 und *0212_01 wurden mit V. 010 zu einer Einheit verbunden.]
karṇo hy eko mahābāhur asmatpriyahite rataḥ / bhavāṃś ca puruṣavyāghra sarvalokamahārathaḥ / śalya karṇo 'rjunenādya yoddhum icchati saṃyuge / tasmiñ jayāśā vipulā mama madrajanādhipa / tasyābhīṣugrahavaro nānyo 'sti bhuvi kaś cana / tasmāj jayāya me vīra sārathyaṃ kartum arhasi
Denn Karṇa allein, der Großarmige, ist unserem Wohl und Nutzen ergeben; und du, o Tiger unter den Männern, bist der größte Wagenkämpfer der ganzen Welt. O Śalya, Karṇa wünscht heute, gegen Arjuna im Kampf zu streiten; darin habe ich große Hoffnung auf Sieg, o Herr des Madra-Volkes; es gibt keinen anderen auf Erden, der ein vortrefflicherer Zügelhalter für ihn wäre; darum solltest du, o Held, zu meinem Sieg das Amt des Wagenlenkers übernehmen.
Wort für Wort
karṇaḥ
Karṇa (Nom. Sg.)
hi
denn (Partikel)
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
mahābāhuḥ
der Großarmige (Nom. Sg.)
asmatpriyahite
unserem Wohl und Nutzen (Lok. Sg.)
rataḥ
ergeben (Nom. Sg.)
puruṣavyāghra
o Tiger unter den Männern (Vok. Sg.)
sarvalokamahārathaḥ
der größte Wagenkämpfer der ganzen Welt (Nom. Sg.)
śalya
o Śalya (Vok. Sg.)
arjunena
gegen Arjuna (Instr. Sg.)
adya
heute (Adv.)
yoddhum icchati
er wünscht zu kämpfen (3. Sg. Präs. + Inf.)
saṃyuge
im Kampf (Lok. Sg.)
tasmin
darin (Lok. Sg.)
jayāśā vipulā
große Hoffnung auf Sieg (Nom. Sg.)
mama
meine (Gen. Sg.)
madrajanādhipa
o Herr des Madra-Volkes (Vok. Sg.)
tasya
für ihn (Gen. Sg.)
abhīṣugrahavaraḥ
der vortrefflichere Zügelhalter (Nom. Sg.)
na anyaḥ asti
es gibt keinen anderen (3. Sg. Präs.)
bhuvi
auf Erden (Lok. Sg.)
tasmāt
darum (Adv.)
jayāya me
zu meinem Sieg (Dat. Sg.)
vīra
o Held (Vok. Sg.)
sārathyam
das Wagenlenkeramt (Akk. Sg.)
kartum arhasi
du solltest tun (2. Sg. Präs. + Inf.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.011d*0213_01, *0214_01 und *0215_01 wurden mit V. 011 zu einer Einheit verbunden.]
pārthasya samare kṛṣṇo yathābhīśuvaragrahaḥ / tathā karṇarathe rājaṃs tvam abhīṣugraho bhava / tena yukto raṇe pārtho rakṣyamāṇaś ca pārthiva / yāni karmāṇi kurute pratyakṣāṇi tathaiva te
Wie Kṛṣṇa für Pārtha im Kampf der vortreffliche Zügelhalter ist, so sei du, o König, auf Karṇas Wagen der Zügelhalter; mit ihm vereint und von ihm beschützt, [vollbringt] Pārtha im Kampf, o König, Taten - diese sind auch dir vor Augen.
Wort für Wort
pārthasya
für Pārtha (Gen. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
abhīśuvaragrahaḥ
der vortreffliche Zügelhalter (Nom. Sg.)
karṇarathe
auf Karṇas Wagen (Lok. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
tvam
du (Nom. Sg.)
abhīṣugrahaḥ bhava
sei der Zügelhalter! (2. Sg. Imp.)
tena yuktaḥ
mit ihm vereint (Nom. Sg.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
pārthaḥ
Pārtha (Nom. Sg.)
rakṣyamāṇaḥ
beschützt (Nom. Sg.)
pārthiva
o König (Vok. Sg.)
yāni karmāṇi kurute
welche Taten er vollbringt (3. Sg. Präs.)
pratyakṣāṇi
vor Augen, offenkundig (Nom. Pl.)
te
dir (Dat. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.012b*0216_01 wurde mit V. 012 zu einer Einheit verbunden.]
pūrvaṃ na samare hy evam avadhīd arjuno ripūn / idānīṃ vikramo hy asya kṛṣṇena sahitasya ca / kṛṣṇena sahitaḥ pārtho dhārtarāṣṭrīṃ mahācamūm / ahany ahani madreśa drāvayan dṛśyate yudhi
Früher tötete Arjuna die Feinde im Kampf nicht auf diese Weise; jetzt aber, seine mit Kṛṣṇa vereinte Kühnheit - mit Kṛṣṇa vereint wird Pārtha Tag für Tag gesehen, o Herr der Madras, wie er das große Heer des Sohnes Dhṛtarāṣṭras im Kampf in die Flucht schlägt.
Wort für Wort
pūrvam
früher (Adv.)
na samare
nicht im Kampf (Lok. Sg.)
evam
auf diese Weise (Adv.)
avadhīt
er tötete (3. Sg. Impf.)
arjunaḥ
Arjuna (Nom. Sg.)
ripūn
die Feinde (Akk. Pl.)
idānīm
jetzt (Adv.)
vikramaḥ asya
seine Kühnheit (Nom. Sg.)
kṛṣṇena sahitasya
mit Kṛṣṇa vereint (Gen. Sg.)
pārthaḥ
Pārtha (Nom. Sg.)
dhārtarāṣṭrīm mahācamūm
das große Heer des Sohnes Dhṛtarāṣṭras (Akk. Sg.)
ahani ahani
Tag für Tag (Adv.)
madreśa
o Herr der Madras (Vok. Sg.)
drāvayan
in die Flucht schlagend (Part. Nom. Sg.)
dṛśyate
er wird gesehen (3. Sg. Präs. Pass.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.013b*0217_01 und *0217_02 wurden mit V. 013 zu einer Einheit verbunden.]
Es bleibt ein Anteil übrig für Karṇa und für dich, o du Glanzvoller; jenen Anteil vernichte, zusammen mit Karṇa, zugleich im Kampf. Wie die Sonne, zusammen mit Aruṇa (ihrem Wagenlenker/der Morgenröte), die Dunkelheit vertreibt, so erschlage, mit Karṇa vereint, den Pārtha im großen Kampf; und wie beim Anblick zweier aufgehender Sonnen, gleich jungen Sonnen an Glanz, mögen die großen Wagenkämpfer beim Anblick Karṇas und Śalyas im Kampf fliehen.
Wort für Wort
bhāgaḥ avaśiṣṭaḥ
ein verbliebener Anteil (Nom. Sg.)
karṇasya
für Karṇa (Gen. Sg.)
tava
für dich (Gen. Sg.)
mahādyute
o Glanzvoller (Vok. Sg.)
tam bhāgam
jenen Anteil (Akk. Sg.)
saha karṇena
zusammen mit Karṇa (Instr. Sg.)
yugapat
zugleich (Adv.)
nāśaya
vernichte! (2. Sg. Imp.)
āhave
im Kampf (Lok. Sg.)
aruṇena sārdham
zusammen mit Aruṇa (Instr. Sg.)
tamaḥ
die Dunkelheit (Akk. Sg.)
sūryaḥ
die Sonne (Nom. Sg.)
vyapohati
sie vertreibt (3. Sg. Präs.)
karṇena sahitaḥ
mit Karṇa vereint (Nom. Sg.)
jahi
erschlage! (2. Sg. Imp.)
pārtham
Pārtha (Akk. Sg.)
mahāhave
im großen Kampf (Lok. Sg.)
udyantau sūryau
zwei aufgehende Sonnen (Nom. Dual)
bālasūryasamaprabhau
gleich jungen Sonnen an Glanz (Nom. Dual)
karṇaśalyau
Karṇa und Śalya (Akk. Dual)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
dṛṣṭvā
erblickt habend (Absolutiv)
vidravantu
sie mögen fliehen (3. Pl. Imp.)
mahārathāḥ
die großen Wagenkämpfer (Nom. Pl.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.014d*0218_01, *0218_02, *0219_01 und *0219_02 wurden mit V. 014 zu einer Einheit verbunden.]
Wie beim Anblick von Sonne und Aruṇa die Dunkelheit vergeht, o Verehrungswürdiger, so mögen die Söhne der Kuntī, samt den Pāñcālas und Sṛñjayas, vergehen.
rathānāṃ pravaraḥ karṇo yantṝṇāṃ pravaro bhavān / saṃyogo yuvayor loke nābhūn na ca bhaviṣyati / saṃnipātaḥ samo loke bhavator nāsti kaś cana
Karṇa ist der Vorzüglichste der Wagenkämpfer, du der Vorzüglichste der Lenker; eine Vereinigung wie die eurer beiden gab es in der Welt noch nicht und wird es nicht geben; ein Zusammentreffen euer beider gleichen Ranges gibt es nirgends in der Welt.
Wort für Wort
rathānām
der Wagenkämpfer (Gen. Pl.)
pravaraḥ
der Vorzüglichste (Nom. Sg.)
karṇaḥ
Karṇa (Nom. Sg.)
yantṝṇām
der Lenker (Gen. Pl.)
pravaraḥ bhavān
der vorzüglichste du (Nom. Sg.)
saṃyogaḥ
die Vereinigung (Nom. Sg.)
yuvayoḥ
euer beider (Gen. Dual)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
na abhūt
es gab nicht (3. Sg. Aor.)
na bhaviṣyati
es wird nicht geben (3. Sg. Fut.)
saṃnipātaḥ samaḥ
ein gleiches Zusammentreffen (Nom. Sg.)
bhavatoḥ
euer beider (Gen. Dual)
na asti kaścana
es gibt nirgends (3. Sg. Präs.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.016b*0220_01 wurde mit V. 016 zu einer Einheit verbunden.]
Wie der Nachkomme Vṛṣṇis (Kṛṣṇa) in jeder Lage den Pāṇḍava beschützt, so mögest du Karṇa Vaikartana im Kampf erretten; das Wagenlenkeramt werde für ihn ausgeübt, während er im Gefecht kämpft; und wie Kṛṣṇa im Kampf Arjuna von allen Seiten beschützt, so beschütze auch du Rādheya im großen Kampf.
Wort für Wort
yathā
wie (Adv.)
sarvāsu avasthāsu
in jeder Lage (Lok. Pl.)
vārṣṇeyaḥ
der Nachkomme Vṛṣṇis, Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
pāti
er beschützt (3. Sg. Präs.)
pāṇḍavam
den Pāṇḍava (Akk. Sg.)
bhavān
du (Nom. Sg.)
paritrātu
möge erretten (3. Sg. Imp.)
karṇam vaikartanam
Karṇa Vaikartana (Akk. Sg.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
sārathyam kriyatām
das Wagenlenkeramt werde ausgeübt (3. Sg. Imp. Pass.)
tasya yudhyamānasya
während er kämpft (Gen. Sg., Part.)
saṃyuge
im Gefecht (Lok. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
rakṣate
er beschützt (3. Sg. Präs. Med.)
sarvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
arjunam
Arjuna (Akk. Sg.)
tvam api
auch du (Nom. Sg.)
rādheyam
Rādheya, Karṇa (Akk. Sg.)
rakṣasva
beschütze! (2. Sg. Imp. Med.)
mahāraṇe
im großen Kampf (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.017d*0221_01 bis *0221_03 wurden mit V. 017 zu einer Einheit verbunden.]
tvayā sārathinā hy eṣa apradhṛṣyo bhaviṣyati / devatānām api raṇe saśakrāṇāṃ mahīpate / kiṃ punaḥ pāṇḍaveyānāṃ mātiśaṅkīr vaco mama
Mit dir als Wagenlenker wird dieser unangreifbar sein, selbst für die Götter samt Śakra (Indra) im Kampf, o Herr der Erde - wie viel mehr für die Söhne des Pāṇḍu! Zweifle nicht an meinem Wort.“
Wort für Wort
tvayā sārathinā
mit dir als Wagenlenker (Instr. Sg.)
eṣaḥ
dieser (Nom. Sg.)
apradhṛṣyaḥ
unangreifbar (Nom. Sg.)
bhaviṣyati
er wird sein (3. Sg. Fut.)
devatānām
der Götter (Gen. Pl.)
api
selbst (Partikel)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
saśakrāṇām
samt Śakra (Gen. Pl.)
mahīpate
o Herr der Erde (Vok. Sg.)
kim punaḥ
wie viel mehr (Adv.)
pāṇḍaveyānām
der Söhne des Pāṇḍu (Gen. Pl.)
mā atiśaṅkīḥ
zweifle nicht übermäßig! (2. Sg. Prohibitiv)
vacaḥ mama
an meinem Wort (Akk. Sg.)
[Anm.: Hier endet die in Einheit 2 (V. 002) begonnene erste Rede Duryodhanas an Śalya.]
Nachdem er Duryodhanas Worte gehört hatte, sprach Śalya, von Zorn erfüllt, die Mundwinkel leckend, zum Sohn Dhṛtarāṣṭras; so angesprochen, wie eine mit dem Fuß berührte Schlange vor Zorn, die Stirn zu einer dreifachen Falte gerunzelt, immer wieder die Hände schüttelnd, die großen, vor Zorn geröteten Augen rollend, der Großarmige - stolz auf Geschlecht, Herrschaft, Gelehrsamkeit und Kraft, sprach Śalya dieses:
Wort für Wort
duryodhanavacaḥ
Duryodhanas Worte (Akk. Sg.)
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
śalyaḥ
Śalya (Nom. Sg.)
krodhasamanvitaḥ
von Zorn erfüllt (Nom. Sg.)
dhārtarāṣṭram
zum Sohn Dhṛtarāṣṭras (Akk. Sg.)
atha
da (Adv.)
uvāca
er sprach (3. Sg. Perf.)
sṛkkiṇī parilelihan
die Mundwinkel leckend (Part. Nom. Sg.)
evam uktaḥ
so angesprochen (Nom. Sg.)
krodhāt
vor Zorn (Abl. Sg.)
padā spṛṣṭaḥ
mit dem Fuß berührt (Nom. Sg.)
iva uragaḥ
wie eine Schlange (Nom. Sg.)
triśikhām bhrukuṭīm kṛtvā
die Stirn zu einer dreifachen Falte gerunzelt (Absolutiv)
dhunvan hastau
die Hände schüttelnd (Part. Nom. Sg.)
punaḥ punaḥ
immer wieder (Adv.)
krodharakte mahānetre
die großen, zornroten Augen (Akk. Dual)
parivartya
gerollt habend (Absolutiv)
mahābhujaḥ
der Großarmige (Nom. Sg.)
kulaiśvaryaśrutibalaiḥ
auf Geschlecht, Herrschaft, Gelehrsamkeit und Kraft (Instr. Pl.)
Ein überlegener Gegner werde mir zugewiesen, o Herr der Erde; nachdem ich jenen im Kampf erschlagen habe, werde ich zurückkehren, wie ich gekommen bin.
Und ein Mann meinesgleichen würde, wenn er sich seine Wunschziele ins Herz gesetzt hat, o Sohn des Kuru, nicht anders handeln; zweifle, zweifle nicht übermäßig an mir.
dhanuḥ paśya ca me citraṃ śarāṃś cāśīviṣopamān / rathaṃ paśya ca me kḷptaṃ sadaśvair vātavegitaiḥ / gadāṃ ca paśya gāndhāre hemapaṭṭavibhūṣitām
Sieh auch meinen prächtigen Bogen und meine Pfeile, giftigen Schlangen gleich; sieh auch meinen Wagen, ausgestattet mit trefflichen, windschnellen Rossen; und sieh, o Sohn der Gāndhārī, meine Keule, mit Goldplatten geschmückt.
tan mām evaṃvidhaṃ jānan samartham arinigrahe / kasmād yunakṣi sārathye nyūnasyādhirather nṛpa / na cāpi mama rādheyaḥ kalām arhati ṣoḍaśīm / sakarṇā ye trayo lokāḥ sārjunāḥ sajanārdanāḥ / nibaddhāṃs tān raṇe rājan na mucyeyaṃ kathaṃ cana / tathāpi śaktaṃ kauravya vihāya hṛdayena mām / na cāhaṃ prākṛtaḥ kaś cin na cāpy adhigataḥ svayam / ayaṃ cāpy avamāno me na kartavyaḥ kathaṃ cana
Da du mich, solcherart, als fähig zur Bezwingung der Feinde kennst, warum spannst du mich, o König, in die Wagenlenkerschaft eines geringeren Wagenkämpfers ein? Rādheya erreicht nicht einmal ein Sechzehntel von mir; wären die drei Welten, samt Karṇa, Arjuna und Janārdana (Kṛṣṇa), im Kampf vor mir gefesselt, so würde ich sie niemals freilassen. Und dennoch hast du mich, den Fähigen, o Sohn des Kuru, in deinem Herzen beiseitegesetzt - und ich bin kein gewöhnlicher Mensch, noch habe ich [meinen Rang] von selbst erlangt; auch diese Geringschätzung soll mir niemals erwiesen werden.
Wort für Wort
tat
das (Akk. Sg.)
mām
mich (Akk. Sg.)
evaṃvidham
solcherart (Akk. Sg.)
jānan
kennend (Part. Nom. Sg.)
samartham
fähig (Akk. Sg.)
arinigrahe
zur Bezwingung der Feinde (Lok. Sg.)
kasmāt
warum (Adv.)
yunakṣi
du spannst ein (2. Sg. Präs.)
sārathye
in die Wagenlenkerschaft (Lok. Sg.)
nyūnasya adhirathaḥ
eines geringeren Wagenkämpfers (Gen. Sg.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
mama rādheyaḥ
Rādheya im Vergleich zu mir (Nom. Sg.)
kalām
einen Teil (Akk. Sg.)
arhati
er erreicht (3. Sg. Präs.)
ṣoḍaśīm
ein Sechzehntel (Akk. Sg.)
sakarṇāḥ trayaḥ lokāḥ
die drei Welten samt Karṇa (Nom. Pl.)
sārjunāḥ sajanārdanāḥ
samt Arjuna und Janārdana (Nom. Pl.)
nibaddhān
gefesselt (Akk. Pl.)
tān
sie (Akk. Pl.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
na mucyeyam
ich würde nicht freilassen (1. Sg. Opt.)
kathaṃ cana
niemals (Adv.)
tathāpi
dennoch (Adv.)
śaktam
den Fähigen (Akk. Sg.)
kauravya
o Sohn des Kuru (Vok. Sg.)
vihāya
beiseitegesetzt habend (Absolutiv)
hṛdayena
im Herzen (Instr. Sg.)
mām
mich (Akk. Sg.)
na prākṛtaḥ kaścit
kein gewöhnlicher (Nom. Sg.)
na adhigataḥ svayam
nicht von selbst erlangt (Nom. Sg.)
ayam avamānaḥ me
diese Geringschätzung mir (Nom. Sg.)
na kartavyaḥ
soll nicht erwiesen werden (Nom. Sg., Ger.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,023.029d*0223_01 bis *0223_05 und *0224_01 wurden mit V. 029 zu einer Einheit verbunden.]
na nāma dhuri rājendra prayoktuṃ tvam ihārhasi / na hi pāpīyasaḥ śreyān bhūtvā preṣyatvam utsahe
Du solltest mich hier wahrlich nicht an die Deichsel spannen, o König der Könige; denn ich, der Bessere, würde die Dienstbarkeit gegenüber einem Geringeren nicht ertragen.
yo hy abhyupagataṃ prītyā garīyāṃsaṃ vaśe sthitam / vaśe pāpīyaso dhatte tat pāpam adharottaram
Denn wer den Größeren, der aus Zuneigung gekommen ist und sich [freiwillig] in dessen Gewalt befindet, unter die Gewalt eines Geringeren stellt, das ist eine Sünde - das Niedrigere über das Höhere zu setzen.
Die Brahmanen wurden von Brahmā aus dem Munde erschaffen, das Kṣatriya-[Geschlecht] sodann aus der Brust; aus den beiden Schenkeln schuf er die Vaiśyas, die Śūdras aus den Füßen - so heißt es in der Offenbarung (śruti); und aus ihnen entstanden die besonderen Mischkasten, entgegen und entlang der [natürlichen] Ordnung geboren.
Wort für Wort
brāhmaṇāḥ
die Brahmanen (Nom. Pl.)
brahmaṇā
von Brahmā (Instr. Sg.)
sṛṣṭāḥ
erschaffen (Nom. Pl.)
mukhāt
aus dem Munde (Abl. Sg.)
kṣatram
das Kṣatriya-Geschlecht (Nom. Sg.)
athaḥ urasaḥ
sodann aus der Brust (Abl. Sg.)
ūrubhyām
aus den beiden Schenkeln (Abl. Dual)
asṛjat
er schuf (3. Sg. Impf.)
vaiśyān
die Vaiśyas (Akk. Pl.)
śūdrān
die Śūdras (Akk. Pl.)
padbhyām
aus den beiden Füßen (Abl. Dual)
iti śrutiḥ
so die Offenbarung (Nom. Sg.)
tebhyaḥ
aus ihnen (Abl. Pl.)
varṇaviśeṣāḥ
die besonderen Mischkasten (Nom. Pl.)
pratilomānulomajāḥ
entgegen und entlang der Ordnung geboren (Nom. Pl.)
[Anm.: Śalya legitimiert hier seinen Anspruch auf höheren Rang mit der klassischen Puruṣa-Kosmogonie der Kastenordnung (vgl. Ṛgveda 10.90) und leitet daraus im Folgenden (V. 033-036) die Unterordnung des Sūta-Standes unter Brahmanen und Kṣatriyas ab.]
Die Brahmanen wurden, durch Opferleitung, Lehre und reine Annahme von Gaben, von Brahmā auf Erden zum Wohl der Welt eingesetzt; der Schutz der Untertanen, das Geben und der Kampf wurden für das Kṣatriya-[Geschlecht] festgelegt.
Wort für Wort
yājanādhyāpanaiḥ
durch Opferleitung und Lehre (Instr. Pl.)
viprāḥ
die Brahmanen (Nom. Pl.)
viśuddhaiḥ pratigrahaiḥ
durch reine Annahme von Gaben (Instr. Pl.)
lokasya anugrahārthāya
zum Wohl der Welt (Dat. Sg.)
sthāpitāḥ
eingesetzt (Nom. Pl.)
brahmaṇā
von Brahmā (Instr. Sg.)
bhuvi
auf Erden (Lok. Sg.)
prajānām
der Untertanen (Gen. Pl.)
rakṣaṇam
der Schutz (Nom. Sg.)
dānam
das Geben (Nom. Sg.)
yuddham
der Kampf (Nom. Sg.)
kṣatrasya
für das Kṣatriya-Geschlecht (Gen. Sg.)
nirmitam
festgelegt (Nom. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.034d*0225_01 wurde mit V. 034 zu einer Einheit verbunden.]
kṛṣiś ca pāśupālyaṃ ca viśāṃ dānaṃ ca sarvaśaḥ / brahmakṣatraviśāṃ śūdrā vihitāḥ paricārakāḥ
Ackerbau, Viehzucht und Geben in jeder Hinsicht [sind das Amt] der Vaiśyas; die Śūdras wurden als Diener der Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas bestimmt.
so 'haṃ mūrdhāvasiktaḥ san rājarṣikulasaṃbhavaḥ / mahārathaḥ samākhyātaḥ sevyaḥ stavyaś ca bandinām
Ich, [zum König] auf dem Haupte gesalbt, aus einem Geschlecht königlicher Seher entsprossen, bin als großer Wagenkämpfer bekannt, zu bedienen und zu preisen von den Barden.
Wort für Wort
saḥ aham
ich (Nom. Sg.)
mūrdhāvasiktaḥ
auf dem Haupte gesalbt (Nom. Sg.)
san
seiend (Part. Nom. Sg.)
rājarṣikulasaṃbhavaḥ
aus einem Geschlecht königlicher Seher entsprossen (Nom. Sg.)
avamānam ahaṃ prāpya na yotsyāmi kathaṃ cana / āpṛcchya tvādya gāndhāre gamiṣyāmi yathāgatam / na cāhaṃ sūtaputrasya sārathyam upajagmivān
Nachdem ich diese Geringschätzung erfahren habe, werde ich keinesfalls kämpfen; nachdem ich mich heute von dir verabschiedet habe, o Sohn der Gāndhārī, werde ich zurückkehren, wie ich gekommen bin; denn ich bin nicht hierhergekommen, um das Wagenlenkeramt für den Sohn eines Sūta zu übernehmen.“
Wort für Wort
avamānam
die Geringschätzung (Akk. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
prāpya
erfahren habend (Absolutiv)
na yotsyāmi
ich werde nicht kämpfen (1. Sg. Fut.)
kathaṃ cana
keinesfalls (Adv.)
āpṛcchya
mich verabschiedet habend (Absolutiv)
tvā
von dir (Akk. Sg.)
adya
heute (Adv.)
gāndhāre
o Sohn der Gāndhārī (Vok. Sg.)
gamiṣyāmi
ich werde zurückkehren (1. Sg. Fut.)
yathāgatam
wie gekommen (Adv.)
na ca aham
und ich nicht (Nom. Sg.)
sūtaputrasya
für den Sohn eines Sūta (Gen. Sg.)
sārathyam
das Wagenlenkeramt (Akk. Sg.)
upajagmivān
hergekommen (Nom. Sg., Part. Perf.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.039d*0226_01 wurde mit V. 039 zu einer Einheit verbunden. Hier endet die in Einheit 19 (V. 021) begonnene erste Rede Śalyas.]
Nachdem er so gesprochen hatte, erhob sich der Tiger unter den Männern, Śalya, im Kampfe glänzend, und ging, erzürnt, eilends aus der Mitte der Könige fort.
yathā śalya tvam ātthedam evam etad asaṃśayam / abhiprāyas tu me kaś cit taṃ nibodha janeśvara
„Wie du dies sagst, Śalya, so ist es, ohne Zweifel; doch ich habe eine gewisse Absicht - vernimm sie, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
yathā
wie (Adv.)
śalya
o Śalya (Vok. Sg.)
tvam āttha
du sagst (2. Sg. Perf.)
idam
dies (Akk. Sg.)
evam etat
so ist es (Nom. Sg.)
asaṃśayam
ohne Zweifel (Adv.)
abhiprāyaḥ tu me
doch meine Absicht (Nom. Sg.)
kaścit
eine gewisse (Nom. Sg.)
tam nibodha
vernimm sie! (2. Sg. Imp.)
janeśvara
o Herr der Menschen (Vok. Sg.)
[Anm.: Mit V. 042 beginnt Duryodhanas zweite, versöhnliche Rede an Śalya, die bis V. 050 reicht (Anführungszeichen entsprechend erst in Einheit 48 geschlossen).]
ṛtam eva hi pūrvās te vahanti puruṣottamāḥ / jñātam eva hi pūrvaṃ te vartma rājarṣisattama / tasmād ārtāyaniḥ prokto bhavān iti matir mama
Denn die Wahrheit allein tragen deine Vorfahren, die besten der Männer; dein Weg ist ja von altersher bekannt, o Bester der königlichen Seher; darum wirst du 'Ārtāyani' (Sohn der Wahrheit) genannt - so ist meine Meinung.
Wort für Wort
ṛtam eva hi
die Wahrheit allein (Akk. Sg.)
pūrvāḥ te
deine Vorfahren (Nom. Pl.)
vahanti
sie tragen (3. Pl. Präs.)
puruṣottamāḥ
die besten der Männer (Nom. Pl.)
jñātam eva
bekannt (Nom. Sg.)
pūrvam
von altersher (Adv.)
te vartma
dein Weg (Nom. Sg.)
rājarṣisattama
o Bester der königlichen Seher (Vok. Sg.)
tasmāt
darum (Adv.)
ārtāyaniḥ
Ārtāyani, Sohn der Wahrheit (Nom. Sg.)
proktaḥ bhavān
du wirst genannt (Nom. Sg.)
iti matiḥ mama
so ist meine Meinung (Nom. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,023.044b*0227_01 wurde mit V. 044 zu einer Einheit verbunden. Das Beiwort ‚Ārtāyaniḥ‘ wird hier volksetymologisch von ‚ṛta‘ (Wahrheit) hergeleitet.]
yathā hy abhyadhikaṃ karṇaṃ guṇais tāta dhanaṃjayāt / vāsudevād api tvāṃ ca loko 'yam iti manyate
Denn wie diese Welt Karṇa an Vorzügen dem Dhanañjaya (Arjuna) überlegen hält, so hält sie, mein Freund, auch dich sogar dem Vāsudeva (Kṛṣṇa) überlegen.
karṇo hy abhyadhikaḥ pārthād astrair eva nararṣabha / bhavān apy adhikaḥ kṛṣṇād aśvayāne bale tathā
Denn Karṇa ist dem Sohn Pṛthās nur in den Waffen überlegen, o Stier unter den Männern; du aber bist Kṛṣṇa überlegen in der Rosselenkung und ebenso an Kraft.
„Da du zu mir sagst, o Sohn der Gāndhārī, inmitten des Heeres, o Kaurava, ich sei vorzüglicher als der Sohn Devakīs (Kṛṣṇa) - ich bin dir wohlgesonnen.
Wort für Wort
yat
da (Konj.)
mā bravīṣi
du sagst zu mir (2. Sg. Präs.)
gāndhāre
o Sohn der Gāndhārī (Vok. Sg.)
madhye sainyasya
inmitten des Heeres (Lok. Sg.)
kaurava
o Kaurava (Vok. Sg.)
viśiṣṭam
vorzüglicher (Akk. Sg.)
devakīputrāt
als der Sohn Devakīs, Kṛṣṇa (Abl. Sg.)
prītimān asmi aham
ich bin wohlgesonnen (1. Sg. Präs.)
tvayi
dir gegenüber (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚śalya uvāca‘ (V. 051) wurde weggelassen; da hier eine echte, kurze Antwortrede Śalyas an Duryodhana vorliegt, wird sie mit Anführungszeichen wiedergegeben (Schluss in Einheit 51).]
Hiermit übernehme ich das Wagenlenkeramt für den ruhmreichen Rādheya, während er gegen den Ersten der Pāṇḍavas kämpft, so wie du, o Held, es für richtig hältst.
tatheti rājan putras te saha karṇena bhārata / abravīn madrarājasya sutaṃ bharatasattama
'So sei es', sprach dein Sohn, zusammen mit Karṇa, o Bhārata, zum König der Madras, o Bester der Bharatas.
Wort für Wort
tathā iti
'so sei es' (Zitatpartikel)
rājan
o König (Vok. Sg.)
putraḥ te
dein Sohn (Nom. Sg.)
saha karṇena
zusammen mit Karṇa (Instr. Sg.)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)
abravīt
er sprach (3. Sg. Impf.)
madrarājasya sutam
zum König der Madras (Akk. Sg.)
bharatasattama
o Bester der Bharatas (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚saṃjaya uvāca‘ (V. 054) wurde weggelassen, da Saṃjaya hier lediglich seine Erzählung abschließt. Die Formulierung ‚madrarājasya sutam‘ (‚zum Sohn des Königs der Madras‘) ist im Quelltext auffällig, da Śalya selbst durchgehend als König der Madras angesprochen wird, nicht als dessen Sohn; möglicherweise eine Textvariante. Die Übersetzung fasst den Ausdruck hier als auf Śalya selbst bezogen auf.]