Nachdem man sich vor Nārāyaṇa verneigt hat, und vor Nara, dem Besten der Männer, und ebenso vor der Göttin Sarasvatī, dann erst spreche man den Sieg (Jaya) aus.
Wort für Wort
nārāyaṇam namaskṛtya
nachdem man sich vor Nārāyaṇa verneigt hat (Akk. Sg. m. / Absolutiv)
naram ca eva narottamam
und vor Nara, dem Besten der Männer (Akk. Sg. m. / Partikel / Partikel / Akk. Sg. m.)
devīm sarasvatīm ca eva
und ebenso vor der Göttin Sarasvatī (Akk. Sg. f. / Akk. Sg. f. / Partikel / Partikel)
tataḥ jayam udīrayet
dann spreche man den Sieg aus (Adv. / Akk. Sg. m. / 3. Sg. Opt. Akt. von īr)
[Anm.: Diese formelhafte Anrufung (*0001_01–02) steht im Quelltext am Beginn des Karṇaparva (Buch 8) und markiert dessen Anfang; sie entspricht der traditionellen Eröffnungsformel, die im Mahābhārata mehrere Parvas einleitet („Jaya“ ist der alte Beiname des gesamten Epos). Mit diesem Vers endet das Droṇaparva (zuletzt Kap.173) und das Karṇaparva beginnt.]
tato droṇe hate rājan duryodhanamukhā nṛpāḥ bhṛśam udvignamanaso droṇaputram upāgaman
Da, als Droṇa erschlagen war, o König, gingen die von Duryodhana angeführten Fürsten, ihres Sinnes heftig erschüttert, zu Droṇas Sohn.
Wort für Wort
tataḥ droṇe hate rājan
da, als Droṇa erschlagen war, o König (Adv. / Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Vok. Sg. m.)
duryodhanamukhāḥ nṛpāḥ
die von Duryodhana angeführten Fürsten (Nom. Pl. m. / Nom. Pl. m.)
bhṛśam udvignamanasaḥ
ihres Sinnes heftig erschüttert (Adv. / Nom. Pl. m.)
droṇaputram upāgaman
gingen zu Droṇas Sohn (Akk. Sg. m. / 3. Pl. Impf. Akt. von upa-gam)
[Anm.: Die Sprecherangabe „vaiśaṃpāyana uvāca“ (bei 08,001.001) wurde ausgelassen. Hier setzt, nach dem Ende des Droṇaparva, wieder die äußere Rahmenerzählung ein: Vaiśaṃpāyana berichtet dem König Janamejaya (beim Schlangenopfer) die Geschichte, wie sie schon zu Beginn des Werks angelegt ist; die innere Rahmenerzählung (Saṃjaya berichtet Dhṛtarāṣṭra) wird erst später in diesem Kapitel wieder aufgenommen.]
Man meditiere auf Viṣṇu, den weiße Gewänder Tragenden, von mondgleicher Farbe, Vierarmigen, mit heiterem Antlitz, zur Besänftigung aller Hindernisse.
Wort für Wort
śuklāmbaradharam viṣṇum
Viṣṇu, den weiße Gewänder Tragenden (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
śaśivarṇam caturbhujam
von mondgleicher Farbe, Vierarmigen (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
prasannavadanam dhyāyet
man meditiere auf den mit heiterem Antlitz (Akk. Sg. m. / 3. Sg. Opt. Akt. von dhyai)
sarvavighnopaśāntaye
zur Besänftigung aller Hindernisse (Dat. Sg. f.)
[Anm.: Eine apparatus-Zeile (*0002_01–02) wird als eigene Einheit wiedergegeben; es handelt sich um einen bekannten, eigenständigen Anrufungsvers (dhyāna-śloka) an Viṣṇu, der im Quelltext mitten in Vers 08,001.001 eingefügt ist.]
te droṇam upaśocantaḥ kaśmalābhihataujasaḥ paryupāsanta śokārtās tataḥ śāradvatīsutam muhūrtaṃ te samāśvāsya hetubhiḥ śāstrasaṃmitaiḥ rātryāgame mahīpālāḥ svāni veśmāni bhejire
Sie, um Droṇa trauernd, ihre Kraft von Bestürzung geschlagen, vom Kummer gequält, umgaben darauf den Sohn der Śaradvatī (Kṛpa). Nachdem sie ihn einen Augenblick lang mit den Śāstras entsprechenden Gründen getröstet hatten, begaben sich die Fürsten, als die Nacht anbrach, zu ihren eigenen Wohnstätten.
Wort für Wort
te droṇam upaśocantaḥ
sie, um Droṇa trauernd (Nom. Pl. m. / Akk. Sg. m. / Nom. Pl. m. Part. Präs.)
kaśmalābhihataujasaḥ
ihre Kraft von Bestürzung geschlagen (Nom. Pl. m.)
paryupāsanta śokārtāḥ
umgaben, vom Kummer gequält (3. Pl. Impf. Med. von pari-upa-ās / Nom. Pl. m.)
tataḥ śāradvatīsutam
darauf den Sohn der Śaradvatī (Adv. / Akk. Sg. m.)
muhūrtam te samāśvāsya
nachdem sie ihn einen Augenblick getröstet hatten (Akk. Sg. m., adv. / Nom. Pl. m. / Absolutiv)
hetubhiḥ śāstrasaṃmitaiḥ
mit den Śāstras entsprechenden Gründen (Instr. Pl. m. / Instr. Pl. m.)
rātryāgame mahīpālāḥ
als die Nacht anbrach, die Fürsten (Lok. Sg. m. / Nom. Pl. m.)
svāni veśmāni bhejire
begaben sich zu ihren eigenen Wohnstätten (Akk. Pl. n. / Akk. Pl. n. / 3. Pl. Perf. Med. von bhaj)
viśeṣataḥ sūtaputro rājā caiva suyodhanaḥ duḥśāsano 'tha śakunir na nidrām upalebhire te veśmasv api kauravya pṛthvīśā nāpnuvan sukham cintayantaḥ kṣayaṃ tīvraṃ nidrāṃ naivopalebhire
Besonders der Sohn des Sūta (Karṇa), und König Suyodhana (Duryodhana), und Duḥśāsana, und Śakuni fanden keinen Schlaf. Selbst in ihren Wohnstätten, o Nachkomme Kurus, fanden die Herren der Erde kein Glück; an den furchtbaren Untergang denkend, fanden sie überhaupt keinen Schlaf.
Wort für Wort
viśeṣataḥ sūtaputraḥ
besonders der Sohn des Sūta (Adv. / Nom. Sg. m.)
rājā ca eva suyodhanaḥ
und König Suyodhana (Nom. Sg. m. / Partikel / Partikel / Nom. Sg. m.)
duḥśāsanaḥ atha śakuniḥ
Duḥśāsana und Śakuni (Nom. Sg. m. / Adv. / Nom. Sg. m.)
na nidrām upalebhire
fanden keinen Schlaf (Negation / Akk. Sg. f. / 3. Pl. Perf. Med. von upa-labh)
te veśmasu api kauravya
selbst in ihren Wohnstätten, o Nachkomme Kurus (Nom. Pl. m. / Lok. Pl. n. / Partikel / Vok. Sg. m.)
pṛthvīśāḥ na āpnuvan sukham
die Herren der Erde fanden kein Glück (Nom. Pl. m. / Negation / 3. Pl. Impf. Akt. von āp / Akk. Sg. n.)
cintayantaḥ kṣayam tīvram
an den furchtbaren Untergang denkend (Nom. Pl. m. Part. Präs. / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
nidrām na eva upalebhire
fanden überhaupt keinen Schlaf (Akk. Sg. f. / Negation / Partikel / 3. Pl. Perf. Med. von upa-labh)
sahitās te niśāyāṃ tu duryodhananiveśane atipracaṇḍād vidveṣāt pāṇḍavānāṃ mahātmanām yat tad dyūtaparikliṣṭāṃ kṛṣṇām āninyire sabhām tat smaranto 'nvatapyanta bhṛśam udvignacetasaḥ
Vereint in jener Nacht, in Duryodhanas Wohnstatt, aus überaus heftigem Hass gegen die großherzigen Pāṇḍavas — an das denkend, wie sie einst die durch das Würfelspiel gequälte Kṛṣṇā (Draupadī) in die Versammlungshalle geschleppt hatten, wurden sie von Reue verzehrt, ihres Sinnes heftig erschüttert.
Wort für Wort
sahitāḥ te niśāyām tu
vereint sie in jener Nacht (Nom. Pl. m. / Nom. Pl. m. / Lok. Sg. f. / Partikel)
duryodhananiveśane
in Duryodhanas Wohnstatt (Lok. Sg. n.)
atipracaṇḍāt vidveṣāt
aus überaus heftigem Hass (Abl. Sg. m. / Abl. Sg. m.)
pāṇḍavānām mahātmanām
gegen die großherzigen Pāṇḍavas (Gen. Pl. m. / Gen. Pl. m.)
yat tat dyūtaparikliṣṭām
wie sie einst, durch das Würfelspiel gequälte (Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n. / Akk. Sg. f.)
kṛṣṇām āninyire sabhām
Kṛṣṇā in die Versammlungshalle geschleppt hatten (Akk. Sg. f. / 3. Pl. Perf. Med. von ā-nī / Akk. Sg. f.)
tat smarantaḥ anvatapyanta
daran denkend wurden sie von Reue verzehrt (Akk. Sg. n. / Nom. Pl. m. Part. Präs. / 3. Pl. Impf. Med. von anu-tap)
bhṛśam udvignacetasaḥ
ihres Sinnes heftig erschüttert (Adv. / Nom. Pl. m.)
Und an jene, durch das Würfelspiel verursachten Leiden der Pārthas denkend, verbrachten sie, o König, mit Mühe die Nacht, die einer Hundertschaft von Jahren glich. Dann, bei klarem Morgengrauen, fest im vorgeschriebenen Gebot stehend, verrichteten alle ihre notwendigen Pflichten mit den durch die Satzung vorgesehenen Riten.
Wort für Wort
cintayantaḥ ca pārthānām
und denkend an der Pārthas (Nom. Pl. m. Part. Präs. / Partikel / Gen. Pl. m.)
tān kleśān dyūtakāritān
jene durch das Würfelspiel verursachten Leiden (Akk. Pl. m. / Akk. Pl. m. / Akk. Pl. m.)
kṛcchreṇa kṣaṇadām rājan
mit Mühe die Nacht, o König (Instr. Sg. n. / Akk. Sg. f. / Vok. Sg. m.)
ninyuḥ abdaśatopamām
verbrachten sie, einer Hundertschaft von Jahren gleich (3. Pl. Perf. Akt. von nī / Akk. Sg. f.)
tataḥ prabhāte vimale
dann bei klarem Morgengrauen (Adv. / Lok. Sg. n. / Lok. Sg. n.)
sthitāḥ diṣṭasya śāsane
fest im vorgeschriebenen Gebot stehend (Nom. Pl. m. / Gen. Sg. n. / Lok. Sg. n.)
cakruḥ āvaśyakam sarve
verrichteten alle ihre notwendigen Pflichten (3. Pl. Perf. Akt. von kṛ / Akk. Sg. n. / Nom. Pl. m.)
vidhidṛṣṭena karmaṇā
mit den durch die Satzung vorgesehenen Riten (Instr. Sg. n. / Instr. Sg. n.)
te kṛtvāvaśyakāryāṇi samāśvasya ca bhārata yogam ājñāpayām āsur yuddhāya ca viniryayuḥ karṇaṃ senāpatiṃ kṛtvā kṛtakautukamaṅgalāḥ vācayitvā dvijaśreṣṭhān dadhipātraghṛtākṣataiḥ
Nachdem sie ihre notwendigen Pflichten verrichtet und sich Trost verschafft hatten, o Nachkomme Bharatas, befahlen sie das Anspannen und zogen zur Schlacht aus. Nachdem sie Karṇa zum Heerführer gemacht, die Glücksriten vollzogen und die besten der Zweifachgeborenen mit Gefäßen von Quark, Ghee und ungebrochenem Reis Segenssprüche hatten sprechen lassen —
Wort für Wort
te kṛtvā āvaśyakāryāṇi
sie, nachdem sie ihre notwendigen Pflichten verrichtet hatten (Nom. Pl. m. / Absolutiv / Akk. Pl. n.)
samāśvasya ca bhārata
und sich Trost verschafft, o Nachkomme Bharatas (Absolutiv / Partikel / Vok. Sg. m.)
yogam ājñāpayām āsuḥ
befahlen sie das Anspannen (Akk. Sg. m. / 3. Pl. Perf. Periphr. von ājñā)
yuddhāya ca viniryayuḥ
und zogen zur Schlacht aus (Dat. Sg. n. / Partikel / 3. Pl. Perf. Akt. von vi-nis-i)
karṇam senāpatim kṛtvā
nachdem sie Karṇa zum Heerführer gemacht hatten (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
kṛtakautukamaṅgalāḥ
die die Glücksriten vollzogen hatten (Nom. Pl. m.)
vācayitvā dvijaśreṣṭhān
nachdem sie die besten der Zweifachgeborenen hatten sprechen lassen (Absolutiv / Akk. Pl. m.)
dadhipātraghṛtākṣataiḥ
mit Gefäßen von Quark, Ghee und ungebrochenem Reis (Instr. Pl. n.)
[Anm.: Hier wird Karṇas Ernennung zum Heerführer (senāpati) der Kaurava-Streitmacht berichtet, das zentrale Ereignis, das dem Karṇaparva seinen Namen gibt.]
— während sie mit Goldmünzen, Rindern, Gold und kostbaren Gewändern, und mit Siegessegen von Barden, Preisdichtern und Lobsängern gepriesen wurden — ebenso zogen, o König, die Pāṇḍavas, nachdem sie alle Morgenriten vollzogen hatten, aus ihren Lagern aus, o König, zur Schlacht entschlossen.
Wort für Wort
niṣkaiḥ gobhiḥ hiraṇyena
mit Goldmünzen, Rindern, Gold (Instr. Pl. m. / Instr. Pl. f. / Instr. Sg. n.)
vāsobhiḥ ca mahādhanaiḥ
und mit kostbaren Gewändern (Instr. Pl. n. / Partikel / Instr. Pl. n.)
vardhyamānāḥ jayāśīrbhiḥ
gepriesen mit Siegessegen (Nom. Pl. m. Part. Präs. Pass. / Instr. Pl. f.)
sūtamāgadhabandibhiḥ
von Barden, Preisdichtern und Lobsängern (Instr. Pl. m.)
tathā eva pāṇḍavāḥ rājan
ebenso die Pāṇḍavas, o König (Adv. / Partikel / Nom. Pl. m. / Vok. Sg. m.)
kṛtasarvāhṇikakriyāḥ
die alle Morgenriten vollzogen hatten (Nom. Pl. m.)
śibirāt niryayuḥ rājan
zogen aus ihrem Lager aus, o König (Abl. Sg. n. / 3. Pl. Perf. Akt. von nis-i / Vok. Sg. m.)
yuddhāya kṛtaniścayāḥ
zur Schlacht entschlossen (Dat. Sg. n. / Nom. Pl. m.)
Dann entbrannte eine tumultartige, haarsträubende Schlacht zwischen den Kurus und den Pāṇḍavas, die einander zu töten trachteten. Zwei Tage lang war die Schlacht der beiden Heere der Kurus und Pāṇḍavas, mit Karṇa als Heerführer, o König, ein wundersamer Anblick. Dann, nachdem er eine überaus gewaltige Vernichtung der Feinde in der Schlacht bewirkt hatte, wurde der Stier (Karṇa), vor den Augen der Söhne Dhṛtarāṣṭras, von Phalguna (Arjuna) zu Fall gebracht.
Wort für Wort
tataḥ pravavṛte yuddham
dann entbrannte eine Schlacht (Adv. / 3. Sg. Perf. Med. von pra-vṛt / Nom. Sg. n.)
tumulam romaharṣaṇam
tumultartig, haarsträubend (Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
kurūṇām pāṇḍavānām ca
der Kurus und der Pāṇḍavas (Gen. Pl. m. / Gen. Pl. m. / Partikel)
parasparavadhaiṣiṇām
die einander zu töten trachteten (Gen. Pl. m.)
tayoḥ dve divase yuddham
zwei Tage lang die Schlacht der beiden (Gen. Du. n. / Nom. Du. n. / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
kurupāṇḍavasenayoḥ
der beiden Heere der Kurus und Pāṇḍavas (Gen. Du. f.)
karṇe senāpatau rājan
mit Karṇa als Heerführer, o König (Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Vok. Sg. m.)
abhūt adbhutadarśanam
war ein wundersamer Anblick (3. Sg. Impf. Akt. von bhū / Nom. Sg. n.)
tataḥ śatrukṣayam kṛtvā
dann, nachdem er eine Vernichtung der Feinde bewirkt hatte (Adv. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
sumahāntam raṇe vṛṣaḥ
eine überaus gewaltige, der Stier in der Schlacht (Akk. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
paśyatām dhārtarāṣṭrāṇām
vor den Augen der Söhne Dhṛtarāṣṭras (Gen. Pl. m. Part. Präs. / Gen. Pl. m.)
phalgunena nipātitaḥ
wurde von Phalguna zu Fall gebracht (Instr. Sg. m. / Nom. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
[Anm.: Diese vorausdeutende Zusammenfassung nennt bereits hier, am Beginn des Karṇaparva, dessen zentrales Ereignis — den Fall Karṇas durch Arjuna —, das erst in einem späteren Kapitel ausführlich erzählt wird.]
tatas tat saṃjayaḥ sarvaṃ gatvā nāgāhvayaṃ puram ācakhyau dhṛtarāṣṭrāya yad vṛttaṃ kurujāṅgale
Dann ging Saṃjaya in die nach dem Elefanten benannte Stadt (Nāgāhvaya, Hāstinapura) und berichtete Dhṛtarāṣṭra all das, was sich im Kuru-Land zugetragen hatte.
Wort für Wort
tataḥ tat saṃjayaḥ sarvam
dann all das, Saṃjaya (Adv. / Akk. Sg. n. / Nom. Sg. m. / Akk. Sg. n.)
gatvā nāgāhvayam puram
nachdem er in die nach dem Elefanten benannte Stadt gegangen war (Absolutiv / Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n.)
ācakhyau dhṛtarāṣṭrāya
berichtete er Dhṛtarāṣṭra (3. Sg. Perf. Akt. von ā-khyā / Dat. Sg. m.)
yat vṛttam kurujāṅgale
was sich im Kuru-Land zugetragen hatte (Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n. / Lok. Sg. n.)
āpageyaṃ hataṃ śrutvā droṇaṃ ca samare paraiḥ yo jagāma parām ārtiṃ vṛddho rājāmbikāsutaḥ sa śrutvā nihataṃ karṇaṃ duryodhanahitaiṣiṇam kathaṃ dvijavara prāṇān adhārayata duḥkhitaḥ yasmiñ jayāśāṃ putrāṇām amanyata sa pārthivaḥ tasmin hate sa kauravyaḥ kathaṃ prāṇān adhārayat durmaraṃ bata manye 'haṃ nṛṇāṃ kṛcchre 'pi vartatām yatra karṇaṃ hataṃ śrutvā nātyajaj jīvitaṃ nṛpaḥ
„Nachdem er gehört hatte, dass der Sohn der Fluss (Bhīṣma, Āpageya) von den Feinden in der Schlacht erschlagen war, und Droṇa ebenso, er, der greise König, Sohn der Ambikā (Dhṛtarāṣṭra), der ins höchste Elend geriet — er, nachdem er gehört hatte, dass Karṇa, der auf Duryodhanas Wohl bedacht war, erschlagen war, wie, o Bester der Zweifachgeborenen, ertrug er, der Betrübte, sein Leben? Er, in dem jener Fürst die Hoffnung auf den Sieg seiner Söhne gesetzt hatte — als jener erschlagen war, wie ertrug der Nachkomme Kurus sein Leben? Schwer zu sterben, fürwahr, meine ich, ist das Los der Menschen, selbst in äußerster Not — da doch der König, als er von Karṇas Tod hörte, sein Leben nicht aufgab!
Wort für Wort
āpageyam hatam śrutvā
nachdem er gehört hatte, dass der Sohn der Fluss erschlagen war (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
droṇam ca samare paraiḥ
und Droṇa in der Schlacht von den Feinden (Akk. Sg. m. / Partikel / Lok. Sg. m. / Instr. Pl. m.)
yaḥ jagāma parām ārtim
er, der ins höchste Elend geriet (Nom. Sg. m. / 3. Sg. Perf. Akt. von gam / Akk. Sg. f. / Akk. Sg. f.)
vṛddhaḥ rājāmbikāsutaḥ
der greise König, Sohn der Ambikā (Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
sa śrutvā nihatam karṇam
er, nachdem er gehört hatte, dass Karṇa erschlagen war (Nom. Sg. m. / Absolutiv / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
duryodhanahitaiṣiṇam
der auf Duryodhanas Wohl bedacht war (Akk. Sg. m.)
katham dvijavara prāṇān
wie, o Bester der Zweifachgeborenen, sein Leben (Adv. / Vok. Sg. m. / Akk. Pl. m.)
adhārayata duḥkhitaḥ
ertrug er, der Betrübte (3. Sg. Impf. Med. von dhṛ / Nom. Sg. m.)
yasmin jayāśām putrāṇām
in dem die Hoffnung auf den Sieg seiner Söhne (Lok. Sg. m. / Akk. Sg. f. / Gen. Pl. m.)
amanyata sa pārthivaḥ
gesetzt hatte jener Fürst (3. Sg. Impf. Med. von man / Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
tasmin hate sa kauravyaḥ
als jener erschlagen war, der Nachkomme Kurus (Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
katham prāṇān adhārayat
wie ertrug er sein Leben (Adv. / Akk. Pl. m. / 3. Sg. Impf. Akt. von dhṛ)
durmaram bata manye aham
schwer zu sterben, fürwahr, meine ich (Nom. Sg. n. / Partikel / 1. Sg. Präs. Med. von man / Nom. Sg.)
nṛṇām kṛcchre api vartatām
ist das Los der Menschen, selbst in Not befindlicher (Gen. Pl. m. / Lok. Sg. n. / Partikel / Gen. Pl. m. Part. Präs.)
yatra karṇam hatam śrutvā
da, nachdem er von Karṇas Tod gehört hatte (Adv. / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
na atyajat jīvitam nṛpaḥ
der König sein Leben nicht aufgab (Negation / 3. Sg. Impf. Akt. von tyaj / Akk. Sg. n. / Nom. Sg. m.)
[Anm.: Die Sprecherangabe „janamejaya uvāca“ (bei 08,001.018) wurde ausgelassen. Hier stellt König Janamejaya, der Zuhörer der Rahmenerzählung, seine Frage an Vaiśaṃpāyana.]
tathā śāṃtanavaṃ vṛddhaṃ brahman bāhlikam eva ca droṇaṃ ca somadattaṃ ca bhūriśravasam eva ca tathaiva cānyān suhṛdaḥ putrapautrāṃś ca pātitān śrutvā yan nājahāt prāṇāṃs tan manye duṣkaraṃ dvija etan me sarvam ācakṣva vistareṇa tapodhana na hi tṛpyāmi pūrveṣāṃ śṛṇvānaś caritaṃ mahat
Ebenso, o Brahmane, von dem greisen Sohn des Śāṃtanu (Bhīṣma), und von Bāhlika, und von Droṇa, und von Somadatta, und von Bhūriśravas — und ebenso, nachdem er von anderen gefallenen Freunden, Söhnen und Enkeln gehört hatte, dass er sein Leben nicht aufgab, das halte ich für schwer vollbringbar, o Zweifachgeborener. Dies alles erzähle mir ausführlich, o Reicher an Buße, denn ich werde nicht satt, das große Wirken der Vorfahren zu hören.“
Wort für Wort
tathā śāṃtanavam vṛddham
ebenso, den greisen Sohn des Śāṃtanu (Adv. / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
brahman bāhlikam eva ca
o Brahmane, und Bāhlika (Vok. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Partikel / Partikel)
droṇam ca somadattam ca
und Droṇa und Somadatta (Akk. Sg. m. / Partikel / Akk. Sg. m. / Partikel)
bhūriśravasam eva ca
und ebenso Bhūriśravas (Akk. Sg. m. / Partikel / Partikel)
tathā eva ca anyān suhṛdaḥ
und ebenso von anderen Freunden (Adv. / Partikel / Partikel / Akk. Pl. m. / Akk. Pl. m.)
putrapautrān ca pātitān
und von gefallenen Söhnen und Enkeln (Akk. Pl. m. / Partikel / Akk. Pl. m.)
śrutvā yat na ajahāt prāṇān
nachdem er gehört hatte, dass er sein Leben nicht aufgab (Absolutiv / Nom. Sg. n. / Negation / 3. Sg. Impf. Akt. von hā / Akk. Pl. m.)
tat manye duṣkaram dvija
das halte ich für schwer vollbringbar, Zweifachgeborener (Akk. Sg. n. / 1. Sg. Präs. Med. von man / Akk. Sg. n. / Vok. Sg. m.)
etat me sarvam ācakṣva
erzähle mir dies alles (Akk. Sg. n. / Dat. Sg. / Akk. Sg. n. / Imp. 2. Sg. Akt. von ā-cakṣ)
vistareṇa tapodhana
ausführlich, o Reicher an Buße (Instr. Sg. m., adv. / Vok. Sg. m.)
na hi tṛpyāmi pūrveṣām
denn ich werde nicht satt an den Vorfahren (Negation / Partikel / 1. Sg. Präs. Akt. von tṛp / Gen. Pl. m.)
śṛṇvānaḥ caritam mahat
hörend das große Wirken (Nom. Sg. m. Part. Präs. / Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n.)
Als Karṇa erschlagen war, o Großkönig, ging da, in der Nacht, der Sohn des Gavalgaṇa (Saṃjaya), elend, mit windschnellen Pferden zur nach dem Elefanten benannten Stadt. Nachdem er Hāstinapura erreicht hatte, seines Sinnes heftig erschüttert, ging er zur Wohnstatt Dhṛtarāṣṭras, dessen Verwandte dahingeschwunden waren.
Wort für Wort
hate karṇe mahārāja
als Karṇa erschlagen war, o Großkönig (Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Vok. Sg. m.)
niśi gāvalgaṇiḥ tadā
in der Nacht der Sohn des Gavalgaṇa, da (Lok. Sg. f. / Nom. Sg. m. / Adv.)
dīnaḥ yayau nāgapuram
elend ging er zur nach dem Elefanten benannten Stadt (Nom. Sg. m. / 3. Sg. Perf. Akt. von yā / Akk. Sg. n.)
aśvaiḥ vātasamaiḥ jave
mit windschnellen Pferden, in Eile (Instr. Pl. m. / Instr. Pl. m. / Lok. Sg. m., adv.)
sa hāstinapuram gatvā
er, nachdem er Hāstinapura erreicht hatte (Nom. Sg. m. / Akk. Sg. n. / Absolutiv)
bhṛśam udvignamānasaḥ
seines Sinnes heftig erschüttert (Adv. / Nom. Sg. m.)
jagāma dhṛtarāṣṭrasya
ging er zu Dhṛtarāṣṭras (3. Sg. Perf. Akt. von gam / Gen. Sg. m.)
kṣayam prakṣīṇabāndhavam
Wohnstatt, dessen Verwandte dahingeschwunden waren (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
[Anm.: Die Sprecherangabe „vaiśaṃpāyana uvāca“ (bei 08,001.025) wurde ausgelassen; die Erzählung Vaiśaṃpāyanas an Janamejaya setzt sich fort, springt hier aber zeitlich zurück zu Saṃjayas nächtlicher Ankunft bei Dhṛtarāṣṭra — der inneren Rahmenerzählung, die im weiteren Kapitel wieder aufgenommen wird.]
sa samudvīkṣya rājānaṃ kaśmalābhihataujasam vavande prāñjalir bhūtvā mūrdhnā pādau nṛpasya ha saṃpūjya ca yathānyāyaṃ dhṛtarāṣṭraṃ mahīpatim hā kaṣṭam iti coktvā sa tato vacanam ādade
Er, nachdem er den König erblickt hatte, dessen Kraft von Bestürzung geschlagen war, verneigte sich, mit gefalteten Händen, mit dem Haupt vor den Füßen des Königs. Und nachdem er den Erdenherrn Dhṛtarāṣṭra gebührend geehrt hatte, sprach er: ‚Ach, wie schmerzlich!‘, und ergriff darauf das Wort.
Wort für Wort
sa samudvīkṣya rājānam
er, nachdem er den König erblickt hatte (Nom. Sg. m. / Absolutiv / Akk. Sg. m.)
kaśmalābhihataujasam
dessen Kraft von Bestürzung geschlagen war (Akk. Sg. m.)
vavande prāñjaliḥ bhūtvā
verneigte sich, mit gefalteten Händen geworden (3. Sg. Perf. Med. von vand / Nom. Sg. m. / Absolutiv)
mūrdhnā pādau nṛpasya ha
mit dem Haupt vor den Füßen des Königs (Instr. Sg. n. / Akk. Du. m. / Gen. Sg. m. / Partikel)
saṃpūjya ca yathānyāyam
und nachdem er gebührend geehrt hatte (Absolutiv / Partikel / Adv.)
dhṛtarāṣṭram mahīpatim
den Erdenherrn Dhṛtarāṣṭra (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
hā kaṣṭam iti uktvā
'Ach, wie schmerzlich!' sagend (Interj. / Akk. Sg. n. / Zitatpartikel / Absolutiv)
sa tataḥ vacanam ādade
er ergriff darauf das Wort (Nom. Sg. m. / Adv. / Akk. Sg. n. / 3. Sg. Perf. Med. von ā-dā)
„Saṃjaya bin ich, o Herr der Erde. Bist du wohlauf? Nachdem du durch eigene Schuld ins Unglück geraten bist, bist du nicht, auch jetzt, von Bestürzung befangen?
Wort für Wort
saṃjayaḥ aham kṣitipate
Saṃjaya bin ich, o Herr der Erde (Nom. Sg. m. / Nom. Sg. / Vok. Sg. m.)
kaccit āste sukham bhavān
bist du wohlauf, Herr (Interrog.-Partikel / 2. Sg. Präs. Med. von ās / Akk. Sg. n., adv. / Nom. Sg. m.)
svadoṣeṇa āpadam prāpya
nachdem du durch eigene Schuld ins Unglück geraten bist (Instr. Sg. m. / Akk. Sg. f. / Absolutiv)
kaccit na adya vimuhyasi
bist du nicht, auch jetzt, von Bestürzung befangen (Interrog.-Partikel / Negation / Adv. / 2. Sg. Präs. Akt. von vi-muh)
hitāny uktāni viduradroṇagāṅgeyakeśavaiḥ agṛhītāny anusmṛtya kaccin na kuruṣe vyathām rāmanāradakaṇvaiś ca hitam uktaṃ sabhātale nagṛhītam anusmṛtya kaccin na kuruṣe vyathām suhṛdas tvaddhite yuktān bhīṣmadroṇamukhān paraiḥ nihatān yudhi saṃsmṛtya kaccin na kuruṣe vyathām
Wenn du dich der heilsamen Worte erinnerst, die von Vidura, Droṇa, dem Sohn der Gaṅgā (Bhīṣma) und Keśava (Kṛṣṇa) gesprochen, doch nicht angenommen wurden, wirst du da nicht von Schmerz erfasst? Wenn du dich des heilsamen Wortes erinnerst, das von Rāma (Balarāma), Nārada und Kaṇva in der Versammlungshalle gesprochen, doch nicht angenommen wurde, wirst du da nicht von Schmerz erfasst? Wenn du dich der Freunde erinnerst, die auf dein Wohl bedacht waren, angeführt von Bhīṣma und Droṇa, von den Feinden in der Schlacht erschlagen, wirst du da nicht von Schmerz erfasst?“
Wort für Wort
hitāni uktāni
die heilsamen Worte, die gesprochen wurden (Nom. Pl. n. / Nom. Pl. n.)
viduradroṇagāṅgeyakeśavaiḥ
von Vidura, Droṇa, dem Sohn der Gaṅgā und Keśava (Instr. Pl. m.)
agṛhītāni anusmṛtya
die nicht angenommenen, nachdem du dich erinnert hast (Akk. Pl. n. / Absolutiv)
kaccit na kuruṣe vyathām
wirst du da nicht von Schmerz erfasst (Interrog.-Partikel / Negation / 2. Sg. Präs. Med. von kṛ / Akk. Sg. f.)
rāmanāradakaṇvaiḥ ca
und von Rāma, Nārada und Kaṇva (Instr. Pl. m. / Partikel)
hitam uktam sabhātale
das heilsame Wort, gesprochen in der Versammlungshalle (Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n. / Lok. Sg. n.)
na gṛhītam anusmṛtya
das nicht angenommene, nachdem du dich erinnert hast (Akk. Sg. n. / Absolutiv)
kaccit na kuruṣe vyathām
wirst du da nicht von Schmerz erfasst (Interrog.-Partikel / Negation / 2. Sg. Präs. Med. von kṛ / Akk. Sg. f.)
suhṛdaḥ tvaddhite yuktān
die Freunde, auf dein Wohl bedacht (Akk. Pl. m. / Lok. Sg. n. / Akk. Pl. m.)
bhīṣmadroṇamukhān paraiḥ
angeführt von Bhīṣma und Droṇa, von den Feinden (Akk. Pl. m. / Instr. Pl. m.)
nihatān yudhi saṃsmṛtya
erschlagen in der Schlacht, nachdem du dich erinnert hast (Akk. Pl. m. / Lok. Sg. f. / Absolutiv)
kaccit na kuruṣe vyathām
wirst du da nicht von Schmerz erfasst (Interrog.-Partikel / Negation / 2. Sg. Präs. Med. von kṛ / Akk. Sg. f.)
tam evaṃvādinaṃ rājā sūtaputraṃ kṛtāñjalim sudīrgham abhiniḥśvasya duḥkhārta idam abravīt
Zu ihm, dem so sprechenden Sohn des Sūta, der die Hände gefaltet hatte, sprach der König, nachdem er lange und tief geseufzt hatte, vom Kummer gequält, dieses:
Wort für Wort
tam evaṃvādinam rājā
zu ihm, dem so Sprechenden, der König (Akk. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
sūtaputram kṛtāñjalim
zum Sohn des Sūta, der die Hände gefaltet hatte (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
sudīrgham abhiniḥśvasya
nachdem er lange und tief geseufzt hatte (Akk. Sg. n., adv. / Absolutiv)
duḥkhārtaḥ idam abravīt
vom Kummer gequält, sprach dieses (Nom. Sg. m. / Akk. Sg. n. / 3. Sg. Impf. Akt. von brū)
gāṅgeye nihate śūre divyāstravati saṃjaya droṇe ca parameṣvāse bhṛśaṃ me vyathitaṃ manaḥ yo rathānāṃ sahasrāṇi daṃśitānāṃ daśaiva hi ahany ahani tejasvī nijaghne vasusaṃbhavaḥ sa hato yajñasenasya putreṇeha śikhaṇḍinā pāṇḍaveyābhiguptena bhṛśaṃ me vyathitaṃ manaḥ
„Als der Held, der Sohn der Gaṅgā (Bhīṣma), Träger göttlicher Waffen, erschlagen war, Saṃjaya, und Droṇa, der oberste Bogenschütze, ist mein Sinn heftig erschüttert. Er, der Tag für Tag zehntausend gepanzerte Streitwagen vernichtete, der Glanzvolle, der Vasu-Geborene (Bhīṣma) — er wurde hier von Śikhaṇḍin, dem Sohn des Yajñasena, erschlagen, beschützt von den Söhnen des Pāṇḍu; mein Sinn ist heftig erschüttert.
Wort für Wort
gāṅgeye nihate śūre
als der Held, der Sohn der Gaṅgā, erschlagen war (Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m.)
divyāstravati saṃjaya
Träger göttlicher Waffen, Saṃjaya (Lok. Sg. m. / Vok. Sg. m.)
droṇe ca parameṣvāse
und Droṇa, der oberste Bogenschütze (Lok. Sg. m. / Partikel / Lok. Sg. m.)
bhṛśam me vyathitam manaḥ
heftig erschüttert ist mein Sinn (Adv. / Gen. Sg. / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
yaḥ rathānām sahasrāṇi
er, der Tausende von Streitwagen (Nom. Sg. m. / Gen. Pl. m. / Akk. Pl. n.)
daṃśitānām daśa eva hi
der gepanzerten, wahrlich zehn (Gen. Pl. m. / Akk. Sg. n. / Partikel / Partikel)
ahani ahani tejasvī
Tag für Tag, der Glanzvolle (Lok. Sg. n. / Lok. Sg. n. / Nom. Sg. m.)
nijaghne vasusaṃbhavaḥ
vernichtete, der Vasu-Geborene (3. Sg. Perf. Med. von han / Nom. Sg. m.)
sa hataḥ yajñasenasya
er wurde erschlagen, des Yajñasena (Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m. / Gen. Sg. m.)
putreṇa iha śikhaṇḍinā
durch den Sohn hier, Śikhaṇḍin (Instr. Sg. m. / Adv. / Instr. Sg. m.)
pāṇḍaveyābhiguptena
beschützt von den Söhnen des Pāṇḍu (Instr. Sg. m.)
bhṛśam me vyathitam manaḥ
heftig erschüttert ist mein Sinn (Adv. / Gen. Sg. / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
Er, dem der Nachkomme Bhṛgus (Paraśurāma) die höchste Waffe gab, dem großherzigen, der in der Jugend unmittelbar von Rāma (Paraśurāma) in die Wissenschaft des Bogens eingeführt wurde — durch dessen Gnade die mächtigen Königssöhne, die Söhne der Kuntī, und ebenso andere Herren der Erde den Rang großer Wagenkämpfer erlangten — nachdem ich gehört habe, dass jener Droṇa, treu seinen Gelübden, der große Bogenschütze, von Dhṛṣṭadyumna im Kampf erschlagen wurde, ist mein Sinn heftig erschüttert.
Wort für Wort
bhārgavaḥ pradadau yasmai
der Nachkomme Bhṛgus gab, dem (Nom. Sg. m. / 3. Sg. Perf. Akt. von pra-dā / Dat. Sg. m.)
paramāstram mahātmane
die höchste Waffe, dem Großherzigen (Akk. Sg. n. / Dat. Sg. m.)
sākṣāt rāmeṇa yaḥ bālye
der unmittelbar von Rāma in der Jugend (Adv. / Instr. Sg. m. / Nom. Sg. m. / Lok. Sg. n.)
dhanurveda upākṛtaḥ
in die Wissenschaft des Bogens eingeführt wurde (Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
yasya prasādāt kaunteyāḥ
durch dessen Gnade die Söhne der Kuntī (Gen. Sg. m. / Abl. Sg. m. / Nom. Pl. m.)
rājaputrāḥ mahābalāḥ
die mächtigen Königssöhne (Nom. Pl. m. / Nom. Pl. m.)
mahārathatvam saṃprāptāḥ
erlangten den Rang großer Wagenkämpfer (Akk. Sg. n. / Nom. Pl. m.)
tathā anye vasudhādhipāḥ
und ebenso andere Herren der Erde (Adv. / Nom. Pl. m. / Nom. Pl. m.)
tam droṇam nihatam śrutvā
nachdem ich gehört habe, dass jener Droṇa erschlagen wurde (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
dhṛṣṭadyumnena saṃyuge
von Dhṛṣṭadyumna im Kampf (Instr. Sg. m. / Lok. Sg. m.)
satyasaṃdham maheṣvāsam
treu seinen Gelübden, den großen Bogenschützen (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m.)
bhṛśam me vyathitam manaḥ
heftig erschüttert ist mein Sinn (Adv. / Gen. Sg. / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
yayor loke pumān astre na samo 'sti caturvidhe tau droṇabhīṣmau śrutvā tu hatau me vyathitaṃ manaḥ
Jene beiden, denen in der vierfachen Waffenkunst in der Welt kein Mann gleich ist — von jenen beiden, Droṇa und Bhīṣma, nachdem ich gehört habe, dass sie erschlagen sind, ist mein Sinn erschüttert.
Wort für Wort
yayoḥ loke pumān astre
denen in der Welt kein Mann in der Waffenkunst (Gen. Du. m. / Lok. Sg. m. / Nom. Sg. m. / Lok. Sg. n.)
na samaḥ asti caturvidhe
gleich ist in der vierfachen (Negation / Nom. Sg. m. / 3. Sg. Präs. Akt. von as / Lok. Sg. n.)
tau droṇabhīṣmau śrutvā tu
jene beiden, Droṇa und Bhīṣma, nachdem ich gehört habe (Akk. Du. m. / Akk. Du. m. / Absolutiv / Partikel)
hatau me vyathitam manaḥ
dass sie erschlagen sind, ist mein Sinn erschüttert (Akk. Du. m. / Gen. Sg. / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
[Anm.: Zwei apparatus-Zeilen (*0003_01–02) werden mit dem Hauptvers verbunden, ohne Dhṛtarāṣṭras Klage zu unterbrechen.]
trailokye yasya śāstreṣu na pumān vidyate samaḥ taṃ droṇaṃ nihataṃ śrutvā kim akurvata māmakāḥ saṃśaptakānāṃ ca bale pāṇḍavena mahātmanā dhanaṃjayena vikramya gamite yamasādanam
Er, dem in den drei Welten in den Waffenlehren kein Mann gleich ist — nachdem ich gehört habe, dass jener Droṇa erschlagen wurde, was taten die Meinen? Und als das Heer der Saṃśaptakas durch die Tapferkeit des großherzigen Pāṇḍava Dhanaṃjaya (Arjuna) zur Wohnstatt des Yama geschickt worden war —
Wort für Wort
trailokye yasya śāstreṣu
in den drei Welten, dem in den Waffenlehren (Lok. Sg. n. / Gen. Sg. m. / Lok. Pl. n.)
na pumān vidyate samaḥ
kein Mann gleich ist (Negation / Nom. Sg. m. / 3. Sg. Präs. Pass. von vid / Nom. Sg. m.)
tam droṇam nihatam śrutvā
nachdem ich gehört habe, dass jener Droṇa erschlagen wurde (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Absolutiv)
kim akurvata māmakāḥ
was taten die Meinen (Interrog. / 3. Pl. Impf. Med. von kṛ / Nom. Pl. m.)
saṃśaptakānām ca bale
und das Heer der Saṃśaptakas (Gen. Pl. m. / Partikel / Lok. Sg. n.)
pāṇḍavena mahātmanā
durch den großherzigen Pāṇḍava (Instr. Sg. m. / Instr. Sg. m.)
dhanaṃjayena vikramya
durch Dhanaṃjaya, durch Tapferkeit (Instr. Sg. m. / Absolutiv)
gamite yamasādanam
geschickt zur Wohnstatt des Yama (Lok. Sg. n. / Akk. Sg. n.)
nārāyaṇāstre nihate droṇaputrasya dhīmataḥ hataśeṣeṣv anīkeṣu kim akurvata māmakāḥ vipradrutān ahaṃ manye nimagnaḥ śokasāgare plavamānān hate droṇe sannanaukān ivārṇave
als die Nārāyaṇa-Waffe des weisen Droṇa-Sohnes (Aśvatthāman) neutralisiert war, was taten die Meinen in den vom Gemetzel übriggebliebenen Heerhaufen? Ich glaube, versunken im Ozean des Kummers, dass sie, als Droṇa erschlagen war, zerstreut flohen, wie schwimmende auf einem sinkenden Schiff im Meer.
Wort für Wort
nārāyaṇāstre nihate
als die Nārāyaṇa-Waffe neutralisiert war (Lok. Sg. n. / Lok. Sg. n.)
droṇaputrasya dhīmataḥ
des weisen Droṇa-Sohnes (Gen. Sg. m. / Gen. Sg. m.)
hataśeṣeṣu anīkeṣu
in den vom Gemetzel übriggebliebenen Heerhaufen (Lok. Pl. n. / Lok. Pl. n.)
kim akurvata māmakāḥ
was taten die Meinen (Interrog. / 3. Pl. Impf. Med. von kṛ / Nom. Pl. m.)
vipradrutān aham manye
zerstreut geflohene, ich glaube (Akk. Pl. m. / Nom. Sg. / 1. Sg. Präs. Med. von man)
nimagnaḥ śokasāgare
versunken im Ozean des Kummers (Nom. Sg. m. / Lok. Sg. m.)
plavamānān hate droṇe
schwimmende, als Droṇa erschlagen war (Akk. Pl. m. / Lok. Sg. m. / Lok. Sg. m.)
sannanaukān iva arṇave
wie auf einem sinkenden Schiff im Meer (Akk. Pl. m. / Partikel / Lok. Sg. m.)
Von Duryodhana, von Karṇa, von dem Bhoja Kṛtavarman, von Śalya, dem König der Madras, und ebenso von Droṇas Sohn (Aśvatthāman) und von Kṛpa, ebenso von den übriggebliebenen meiner Söhne, und ebenso von den anderen, Saṃjaya — in den zerstreuten Heerhaufen, welche Gesichtsfarbe zeigten sie? Erzähle mir dies alles, wie es sich der Wahrheit nach in der Schlacht zutrug, o Sohn des Gavalgaṇa, von den Söhnen des Pāṇḍu und von den Meinen, ganz und gar.“
Wort für Wort
duryodhanasya karṇasya
von Duryodhana, von Karṇa (Gen. Sg. m. / Gen. Sg. m.)
bhojasya kṛtavarmaṇaḥ
von dem Bhoja Kṛtavarman (Gen. Sg. m. / Gen. Sg. m.)
madrarājasya śalyasya
von Śalya, dem König der Madras (Gen. Sg. m. / Gen. Sg. m.)
drauṇeḥ ca eva kṛpasya ca
und ebenso von Droṇas Sohn und von Kṛpa (Gen. Sg. m. / Partikel / Partikel / Gen. Sg. m. / Partikel)
matputraśeṣasya tathā
ebenso von den übriggebliebenen meiner Söhne (Gen. Sg. m. / Adv.)
tathā anyeṣām ca saṃjaya
und ebenso von den anderen, Saṃjaya (Adv. / Gen. Pl. m. / Partikel / Vok. Sg. m.)
viprakīrṇeṣu anīkeṣu
in den zerstreuten Heerhaufen (Lok. Pl. n. / Lok. Pl. n.)
mukhavarṇaḥ abhavat katham
welche Gesichtsfarbe zeigten sie (Nom. Sg. m. / 3. Sg. Impf. Akt. von bhū / Adv.)
etat sarvam yathā vṛttam
dies alles, wie es sich zutrug (Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n. / Adv. / Akk. Sg. n.)
tattvam gāvalgaṇe raṇe
der Wahrheit nach, o Sohn des Gavalgaṇa, in der Schlacht (Akk. Sg. n., adv. / Vok. Sg. m. / Lok. Sg. m.)
ācakṣva pāṇḍaveyānām
erzähle von den Söhnen des Pāṇḍu (Imp. 2. Sg. Akt. von ā-cakṣ / Gen. Pl. m.)
māmakānām ca sarvaśaḥ
und von den Meinen, ganz und gar (Gen. Pl. m. / Partikel / Adv.)
pāṇḍaveyair hi yad vṛttaṃ kauraveyeṣu māriṣa tac chrutvā mā vyathāṃ kārṣīd iṣṭe na vyathate manaḥ yasmād abhāvī bhāvī vā bhaved artho naraṃ prati aprāptau tasya vā prāptau na kaś cid vyathate budhaḥ
„Was immer, o Verehrungswürdiger, den Kauravas durch die Söhne des Pāṇḍu widerfahren ist — höre es, doch gerate nicht in Schmerz; der Sinn des Weisen gerät nicht in Schmerz über das Bestimmte. Denn da für einen Menschen ein Ereignis, sei es nicht bestimmt oder bestimmt, eintreten wird — ob es nun ausbleibt oder eintritt, kein Verständiger gerät darüber in Schmerz.“
Wort für Wort
pāṇḍaveyaiḥ hi yat vṛttam
was immer den Söhnen des Pāṇḍu widerfahren ist (Instr. Pl. m. / Partikel / Nom. Sg. n. / Nom. Sg. n.)
kauraveyeṣu māriṣa
den Kauravas, o Verehrungswürdiger (Lok. Pl. m. / Vok. Sg. m.)
tat śrutvā mā vyathām kārṣīt
höre es, gerate nicht in Schmerz (Akk. Sg. n. / Absolutiv / Negation / Akk. Sg. f. / 2. Sg. Aor. Inj. Akt. von kṛ)
iṣṭe na vyathate manaḥ
über das Bestimmte gerät der Sinn nicht in Schmerz (Lok. Sg. n. / Negation / 3. Sg. Präs. Med. von vyath / Nom. Sg. n.)
yasmāt abhāvī bhāvī vā
denn sei es nicht bestimmt oder bestimmt (Adv. / Nom. Sg. m. / Nom. Sg. m. / Partikel)
bhavet arthaḥ naram prati
wird ein Ereignis für einen Menschen eintreten (3. Sg. Opt. Akt. von bhū / Nom. Sg. m. / Akk. Sg. m. / Präp.)
aprāptau tasya vā prāptau
in dessen Ausbleiben oder Eintreten (Lok. Sg. f. / Gen. Sg. m. / Partikel / Lok. Sg. f.)
na kaścit vyathate budhaḥ
kein Verständiger gerät in Schmerz (Negation / Nom. Sg. m. / 3. Sg. Präs. Med. von vyath / Nom. Sg. m.)
[Anm.: Die Sprecherangabe „saṃjaya uvāca“ (bei 08,001.047) wurde ausgelassen.]
na vyathā śṛṇvataḥ kā cid vidyate mama saṃjaya diṣṭam etat purā manye kathayasva yathecchakam
„Kein Schmerz ist es, der bei mir, der ich zuhöre, entsteht, Saṃjaya; ich halte dies für längst bestimmt. Erzähle, wie es dir beliebt.“
Wort für Wort
na vyathā śṛṇvataḥ
kein Schmerz ist es bei dem Zuhörenden (Negation / Nom. Sg. f. / Gen. Sg. m. Part. Präs.)
kā cit vidyate mama saṃjaya
irgendein, entsteht bei mir, Saṃjaya (Nom. Sg. f. / Partikel / 3. Sg. Präs. Pass. von vid / Gen. Sg. / Vok. Sg. m.)
diṣṭam etat purā manye
dies halte ich für längst bestimmt (Akk. Sg. n. / Akk. Sg. n. / Adv. / 1. Sg. Präs. Med. von man)
kathayasva yathecchakam
erzähle, wie es dir beliebt (Imp. 2. Sg. Med. von kath / Adv.)
[Anm.: Die Sprecherangabe „dhṛtarāṣṭra uvāca“ (bei 08,001.049) wurde ausgelassen; dies ist Dhṛtarāṣṭras kurze Antwort und der Abschluss des Kapitels. Die folgende Sprecherangabe „saṃjaya uvāca“ (bei 08,002.001) gehört bereits zum nächsten Kapitel und wurde ausgelassen.]