svena cchandena naḥ sarvān nāvadhīd vyaktam arjunaḥ / na hy asya samare mucyetāntako 'py ātatāyinaḥ
„Aus eigenem freien Willen hat Arjuna uns alle offenkundig nicht getötet; denn selbst der Tod, obgleich er mit gezückter Waffe angreift, könnte ihm im Kampf nicht entrinnen.
Wort für Wort
svena cchandena
aus eigenem Willen (Instr. Sg.)
naḥ sarvān
uns alle (Akk. Pl.)
na
nicht (Negation)
avadhīt
er tötete (3. Sg. Impf.)
vyaktam
offenkundig (Adv.)
arjunaḥ
Arjuna (Nom. Sg.)
hi
denn (Partikel)
asya
vor ihm (Gen./Abl. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
mucyeta
er könnte entrinnen (3. Sg. Opt. Pass.)
antakaḥ
der Tod (Nom. Sg.)
api
selbst, sogar (Partikel)
ātatāyinaḥ
mit gezückter Waffe (Gen. Sg.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚dhṛtarāṣṭra uvāca‘ (V. 001) wurde weggelassen; da hier eine echte, mehrere Verse umfassende Rede Dhṛtarāṣṭras an Saṃjaya beginnt, wird sie durchgehend mit Anführungszeichen wiedergegeben (Öffnung in dieser Einheit, Schluss in Einheit 4).]
Der Sohn Pṛthās allein raubte die Holde, allein sättigte er Agni; und allein machte er, nachdem er diese Erde erobert hatte, die Könige zu Tributpflichtigen.
eko nivātakavacān avadhīd divyakārmukaḥ / nivātakavacānāṃ ca tisraḥ koṭīr jaghāna ha / ekaḥ kirātarūpeṇa sthitaṃ śarvam ayodhayat
Allein, mit seinem göttlichen Bogen, erschlug er die Nivātakavacas - drei Koṭis (dreißig Millionen) der Nivātakavacas tötete er; und allein kämpfte er gegen Śarva (Śiva), der in Jägergestalt (Kirāta) vor ihm stand.
Wort für Wort
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
nivātakavacān
die Nivātakavacas (Akk. Pl.)
avadhīt
er erschlug (3. Sg. Impf.)
divyakārmukaḥ
mit göttlichem Bogen (Nom. Sg.)
tisraḥ koṭīḥ
drei Koṭis, dreißig Millionen (Akk. Pl.)
jaghāna
er tötete (3. Sg. Perf.)
kirātarūpeṇa
in Jägergestalt (Instr. Sg.)
sthitam
dastehend (Akk. Sg.)
śarvam
Śarva, Śiva (Akk. Sg.)
ayodhayat
er bekämpfte (3. Sg. Impf.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.003b*0188_01 wurde mit V. 003 zu einer Einheit verbunden.]
eko 'bhyarakṣad bharatān eko bhavam atoṣayat / tenaikena jitāḥ sarve madīyā ugratejasaḥ / te na nindyāḥ praśasyāś ca yat te cakrur bravīhi tat / tato duryodhanaḥ sūta paścāt kim akarot tadā
Allein beschützte er die Bharatas, allein erfreute er Bhava (Śiva); von ihm allein wurden alle meine Krieger von wilder Kraft besiegt. Sie sind nicht zu tadeln, sondern zu preisen - sage mir, was sie taten. Was, o Wagenlenker, tat Duryodhana danach, hinterher?“
Wort für Wort
abhyarakṣat
er beschützte (3. Sg. Impf.)
bharatān
die Bharatas (Akk. Pl.)
bhavam
Bhava, Śiva (Akk. Sg.)
atoṣayat
er erfreute (3. Sg. Impf. Kaus.)
tena ekena
durch ihn allein (Instr. Sg.)
jitāḥ
besiegt (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
madīyāḥ
die meinigen (Nom. Pl.)
ugratejasaḥ
von wilder Kraft (Nom. Pl.)
na nindyāḥ
nicht zu tadeln (Nom. Pl.)
praśasyāḥ
zu preisen (Nom. Pl.)
yat te cakruḥ
was sie taten (3. Pl. Perf.)
bravīhi
sage! (2. Sg. Imp.)
tataḥ
danach (Adv.)
duryodhanaḥ
Duryodhana (Nom. Sg.)
sūta
o Wagenlenker (Vok. Sg.)
paścāt
hinterher (Adv.)
kim akarot
was tat er? (3. Sg. Impf.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.004f*0189_01 wurde mit V. 004 zu einer Einheit verbunden. Hier schließt die in Einheit 1 begonnene Rede Dhṛtarāṣṭras.]
Erschlagen, geschlagen und zerschmettert, ihrer Rüstung, Waffen und Reittiere beraubt, mit kläglicher Stimme, leidend, obgleich stolz, von den Feinden bezwungen, berieten sich die Kauravas, wieder in ihrem Lager, aufs Neue, gleich Schlangen mit zerbrochenen Giftzähnen und verlorenem Gift, die man mit dem Fuß niedergetreten hat.
Wort für Wort
hataprahatavidhvastāḥ
erschlagen, geschlagen, zerschmettert (Nom. Pl.)
vivarmāyudhavāhanāḥ
ihrer Rüstung, Waffen und Reittiere beraubt (Nom. Pl.)
dīnasvarāḥ
mit kläglicher Stimme (Nom. Pl.)
dūyamānāḥ
leidend (Nom. Pl.)
māninaḥ
stolz, ehrbewusst (Nom. Pl.)
śatrubhiḥ
von den Feinden (Instr. Pl.)
jitāḥ
bezwungen (Nom. Pl.)
śibirasthāḥ
im Lager befindlich (Nom. Pl.)
punaḥ
wieder (Adv.)
mantram
Rat, Beratung (Akk. Sg.)
mantrayanti sma
sie berieten (3. Pl. periphr. Impf.)
kauravāḥ
die Kauravas (Nom. Pl.)
bhagnadaṃṣṭrāḥ
mit zerbrochenen Giftzähnen (Nom. Pl.)
hataviṣāḥ
mit vernichtetem Gift (Nom. Pl.)
padākrāntāḥ
mit dem Fuß niedergetreten (Nom. Pl.)
iva
wie (Partikel)
uragāḥ
Schlangen (Nom. Pl.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚saṃjaya uvāca‘ (V. 005) wurde weggelassen, da Saṃjaya hier lediglich seine Erzählung fortsetzt. Die Verse 005-006 wurden zu einer Einheit zusammengefasst, da V. 005 ohne finites Verb an V. 006 anschließt.]
yatto dṛḍhaś ca dakṣaś ca dhṛtimān arjunaḥ sadā / sa bodhayati cāpy enaṃ prāptakālam adhokṣajaḥ / sahasāstravisargeṇa vayaṃ tenādya vañcitāḥ / śvas tv ahaṃ tasya saṃkalpaṃ sarvaṃ hantā mahīpate
„Arjuna ist stets wachsam, standhaft, geschickt und beharrlich, und Adhokṣaja (Kṛṣṇa) weckt ihn zudem stets zur rechten Zeit. Durch seinen plötzlichen Waffeneinsatz sind wir heute getäuscht worden; doch morgen werde ich all sein Vorhaben zunichtemachen, o Herrscher der Erde.“
evam uktas tathety uktvā so 'nujajñe nṛpottamān / te 'nujñātā nṛpāḥ sarve svāni veśmāni bhejire / sukhoṣitās te rajanīṃ hṛṣṭā yuddhāya niryayuḥ
So angesprochen, sagte er ‚So sei es‘ und entließ die besten Könige; jene Könige, entlassen, begaben sich alle zu ihren eigenen Wohnstätten; nachdem sie die Nacht angenehm verbracht hatten, zogen sie freudig zur Schlacht aus.
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
uktaḥ
angesprochen (Nom. Sg.)
tathā iti
‚so sei es‘ (Zitatpartikel)
uktvā
gesagt habend (Absolutiv)
saḥ
er (Nom. Sg.)
anujajñe
er entließ, gab die Erlaubnis (3. Sg. Perf. Med.)
nṛpottamān
die besten Könige (Akk. Pl.)
anujñātāḥ
entlassen (Nom. Pl.)
nṛpāḥ sarve
alle Könige (Nom. Pl.)
svāni veśmāni
ihre eigenen Wohnstätten (Akk. Pl.)
bhejire
sie begaben sich (3. Pl. Perf. Med.)
sukhoṣitāḥ
angenehm verweilt habend (Nom. Pl.)
rajanīm
die Nacht (Akk. Sg.)
hṛṣṭāḥ
freudig (Nom. Pl.)
yuddhāya
zur Schlacht (Dat. Sg.)
niryayuḥ
sie zogen aus (3. Pl. Perf.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.010b*0190_01 wurde mit V. 010 zu einer Einheit verbunden.]
te 'paśyan vihitaṃ vyūhaṃ dharmarājena durjayam / prayatnāt kurumukhyena bṛhaspatyuśanomatāt
Sie sahen die von Dharmarāja (Yudhiṣṭhira) errichtete, schwer zu bezwingende Schlachtordnung, mit Sorgfalt von dem Ersten der Kurus nach der Lehre des Bṛhaspati und des Uśanas angelegt.
Da gedachte Duryodhana des stierschultrigen Karṇa, des stetigen Widersachers jener, die sich für unbesiegbar hielten; zu Karṇa, der im Kampf Puraṃdara (Indra) gleicht, an Kraft den Marut-Scharen und an Heldenmut Kārtavīrya, wandte sich des Königs Sinn; und der Sinn aller Heere wandte sich allein zu Karṇa, dem großen Bogenschützen, dem Sohn des Wagenlenkers, wie zu einem Verwandten in Zeiten der Gefahr.
Wort für Wort
atha
da (Adv.)
pratīpakartāram
den Widersacher (Akk. Sg.)
satatam
stetig (Adv.)
vijitātmanām
derer, die sich für unbesiegbar/selbstbeherrscht hielten (Gen. Pl.)
sasmāra
er gedachte (3. Sg. Perf.)
vṛṣabhaskandham
stierschultrig (Akk. Sg.)
karṇam
Karṇa (Akk. Sg.)
duryodhanaḥ
Duryodhana (Nom. Sg.)
tadā
da (Adv.)
puraṃdarasamam
Puraṃdara, Indra gleich (Akk. Sg.)
yuddhe
im Kampf (Lok. Sg.)
marudgaṇasamam
den Marut-Scharen gleich (Akk. Sg.)
bale
an Kraft (Lok. Sg.)
kārtavīryasamam
Kārtavīrya gleich (Akk. Sg.)
vīrye
an Heldenmut (Lok. Sg.)
rājñaḥ
des Königs (Gen. Sg.)
agaman manaḥ
der Sinn wandte sich (3. Sg. Impf.)
sarveṣāṃ sainyānām
aller Heere (Gen. Pl.)
sūtaputram
den Sohn des Wagenlenkers (Akk. Sg.)
maheṣvāsam
den großen Bogenschützen (Akk. Sg.)
bandhum
einen Verwandten (Akk. Sg.)
ātyayikeṣu
in Zeiten der Gefahr (Lok. Pl.)
iva
wie (Partikel)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.013d*0191_01 wurde mit den Versen 012-013 zu einer Einheit verbunden.]
yad vo 'gaman mano mandāḥ karṇaṃ vaikartanaṃ tadā / apy adrākṣata taṃ yūyaṃ śītārtā iva bhāskaram
„Als sich da euer Sinn, ihr Toren, Karṇa Vaikartana zuwandte, habt ihr ihn da erblickt wie von Kälte Geplagte die Sonne?
Wort für Wort
yat
als (Konj.)
vaḥ
euer (Gen. Pl.)
agaman manaḥ
der Sinn wandte sich (3. Sg. Impf.)
mandāḥ
ihr Toren (Vok. Pl.)
karṇaṃ vaikartanam
zu Karṇa Vaikartana (Akk. Sg.)
tadā
da (Adv.)
api
denn, wohl (Partikel)
adrākṣata
ihr habt erblickt (2. Pl. Impf.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
yūyam
ihr (Nom. Pl.)
śītārtāḥ
von Kälte Geplagte (Nom. Pl.)
iva
wie (Partikel)
bhāskaram
die Sonne (Akk. Sg.)
[Anm.: Mit V. 014 setzt eine zweite, längere Rede Dhṛtarāṣṭras ein, die bis V. 023 reicht (Anführungszeichen entsprechend erst in Einheit 19 geschlossen).]
kṛte 'vahāre sainyānāṃ pravṛtte ca raṇe punaḥ / kathaṃ vaikartanaḥ karṇas tatrāyudhyata saṃjaya / kathaṃ ca pāṇḍavāḥ sarve yuyudhus tatra sūtajam
Als der Rückzug der Heere vollzogen war und die Schlacht von neuem begann, wie kämpfte dort Karṇa Vaikartana, Saṃjaya? Und wie kämpften dort alle Pāṇḍavas gegen den Sohn des Wagenlenkers?
karṇo hy eko mahābāhur hanyāt pārthān sasomakān / karṇasya bhujayor vīryaṃ śakraviṣṇusamaṃ matam / tathāstrāṇi sughorāṇi vikramaś ca mahātmanaḥ / mama caiva sadā mandaḥ śaṃsate nityam agrataḥ / karṇaś ca tān maheṣvāsān pāṇḍuputrān mahārathān
Denn Karṇa allein, der Großarmige, könnte die Söhne Pṛthās samt den Somakas erschlagen; Karṇas Armkraft gilt als Śakra und Viṣṇu gleich, ebenso seine überaus furchtbaren Waffen und die Kühnheit des Hochgesinnten - und mein eigener törichter Sohn verkündet mir das stets vor allen anderen: dass Karṇa jene großen Bogenschützen, die Söhne des Pāṇḍu, die großen Wagenkämpfer, [bezwingen werde].
Wort für Wort
karṇaḥ
Karṇa (Nom. Sg.)
hi
denn (Partikel)
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
mahābāhuḥ
der Großarmige (Nom. Sg.)
hanyāt
er könnte erschlagen (3. Sg. Opt.)
pārthān
die Söhne Pṛthās (Akk. Pl.)
sasomakān
samt den Somakas (Akk. Pl.)
bhujayoḥ
der beiden Arme (Gen. Dual)
vīryam
die Kraft (Nom. Sg.)
śakraviṣṇusamam
Śakra und Viṣṇu gleich (Nom. Sg.)
matam
gilt, wird gedacht (Nom. Sg.)
astrāṇi
die Waffen (Nom. Pl.)
sughorāṇi
überaus furchtbar (Nom. Pl.)
vikramaḥ
die Kühnheit (Nom. Sg.)
mahātmanaḥ
des Hochgesinnten (Gen. Sg.)
mama
mein (Gen. Sg.)
mandaḥ
der Törichte (Nom. Sg.)
śaṃsate
er verkündet (3. Sg. Präs. Med.)
nityam agrataḥ
stets voran, vor allen (Adv.)
maheṣvāsān
die großen Bogenschützen (Akk. Pl.)
pāṇḍuputrān
die Söhne des Pāṇḍu (Akk. Pl.)
mahārathān
die großen Wagenkämpfer (Akk. Pl.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,022.016f*0192_01 und *0192_02 wurden mit V. 016 zu einer Einheit verbunden.]
Nachdem er gesehen hatte, wie Duryodhana da vom Pāṇḍava (Yudhiṣṭhira) schwer bedrängt worden war, und nachdem er die Söhne des Pāṇḍu im großen Kampf als überlegen gesehen hatte, [wagt] Duryodhana, sich auf Karṇa im Kampf verlassend, in seinem Stolz erneut, die Söhne Pṛthās samt ihren Söhnen und mit Keśava zu besiegen.
Wort für Wort
duryodhanam
Duryodhana (Akk. Sg.)
tadā
da (Adv.)
dṛṣṭvā
gesehen habend (Absolutiv)
pāṇḍavena
vom Pāṇḍava, Yudhiṣṭhira (Instr. Sg.)
bhṛśārditam
schwer bedrängt (Akk. Sg.)
parākrāntān
überlegen, siegreich (Akk. Pl.)
pāṇḍusutān
die Söhne des Pāṇḍu (Akk. Pl.)
mahāhave
im großen Kampf (Lok. Sg.)
karṇam
auf Karṇa (Akk. Sg.)
āśritya
sich verlassend (Absolutiv)
saṃgrāme
im Kampf (Lok. Sg.)
darpaḥ
der Stolz (Nom. Sg.)
duryodhane
in Duryodhana (Lok. Sg.)
punaḥ
erneut (Adv.)
jetum
zu besiegen (Inf.)
utsahate
er wagt, ist imstande (3. Sg. Präs. Med.)
pārthān
die Söhne Pṛthās (Akk. Pl.)
saputrān
samt ihren Söhnen (Akk. Pl.)
sahakeśavān
mit Keśava (Akk. Pl.)
[Anm.: Die Verse 017-018 wurden zu einer Einheit zusammengefasst, da V. 017 ohne finites Verb an V. 018 anschließt.]
Ach, welch großes Leid, dass der ungestüme Karṇa die Söhne des Pāṇḍu im Kampf nicht zu überwinden vermochte! Gewiss ist das Schicksal die letzte Zuflucht. Ach, dieser furchtbare Ausgang des Würfelspiels vollzieht sich nun!
saubalaṃ ca tathā tāta nītimān iti manyate / karṇaś ca rabhaso nityaṃ rājānaṃ cāpy anuvrataḥ / karṇaṃ cāpratimaṃ yuddhe devair api durutsaham / manyate 'bhyadhikaṃ pārthād daivaṃ cāsya hṛdi sthitam
Und ebenso hält er, mein Kind, den Sohn Subalas (Śakuni) für klug in der Staatskunst; und Karṇa, der stets Ungestüme, dem König ergeben, hält er für unvergleichlich im Kampf, selbst von Göttern kaum zu bestehen, dem Sohn Pṛthās überlegen - und doch wohnt das Schicksal in seinem Herzen.
rājan pūrvanimittāni dharmiṣṭhāni vicintaya / atikrāntaṃ hi yat kāryaṃ paścāc cintayatīti ca / tac cāsya na bhavet kāryaṃ cintayā ca vinaśyati
„O König, bedenke die früheren, den rechten Dingen entsprechenden Vorzeichen. Denn was vergangenes Handeln betrifft, das man hinterher bedenkt - dessen Tun gelingt ihm dadurch nicht mehr, und durch Grübeln geht man zugrunde.
Wort für Wort
rājan
o König (Vok. Sg.)
pūrvanimittāni
die früheren Vorzeichen (Akk. Pl.)
dharmiṣṭhāni
den rechten Dingen entsprechend (Akk. Pl.)
vicintaya
bedenke! (2. Sg. Imp.)
atikrāntam
vergangen (Akk. Sg.)
hi
denn (Partikel)
yat kāryam
das Tun, das (Akk. Sg.)
paścāt
hinterher (Adv.)
cintayati
man bedenkt (3. Sg. Präs.)
iti
so (Zitatpartikel)
tat kāryam
dieses Tun (Nom. Sg.)
asya
für ihn (Gen. Sg.)
na bhavet
es könnte nicht sein, gelingen (3. Sg. Opt.)
cintayā
durch Grübeln (Instr. Sg.)
vinaśyati
man geht zugrunde (3. Sg. Präs.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚saṃjaya uvāca‘ (V. 024) wurde weggelassen; da hier eine echte, mehrere Verse umfassende Gegenrede Saṃjayas an Dhṛtarāṣṭra beginnt, wird sie mit Anführungszeichen wiedergegeben (Schluss in Einheit 24). Die Apparatzeile 08,022.024*0195_01 wurde mit V. 024 zu einer Einheit verbunden.]
tad idaṃ tava kāryaṃ tu dūraprāptaṃ vijānatā / na kṛtaṃ yat tvayā pūrvaṃ prāptāprāptavicāraṇe
Diese deine Aufgabe aber - obwohl du wusstest, dass sie weit fortgeschritten war - hast du zuvor nicht erfüllt, indem du erwogen hättest, was zu erlangen und was nicht zu erlangen sei.
Wort für Wort
tat idam
diese (Nom. Sg.)
tava kāryam
deine Aufgabe (Nom. Sg.)
dūraprāptam
weit fortgeschritten (Akk. Sg.)
vijānatā
obwohl wissend (Instr. Sg., Part.)
na kṛtam
nicht getan (Nom. Sg.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
pūrvam
zuvor (Adv.)
prāptāprāptavicāraṇe
bei der Erwägung von Erlangtem und Nichterlangtem (Lok. Sg.)
ukto 'si bahudhā rājan mā yudhyasveti pāṇḍavaiḥ / gṛhṇīṣe na ca tan mohāt pāṇḍaveṣu viśāṃ pate
Du wurdest vielfach, o König, von den Pāṇḍavas ermahnt: ‚Kämpfe nicht!‘ - doch aus Verblendung hast du das nicht angenommen, o Herr der Völker, gegenüber den Pāṇḍavas.
tat tv idānīm atikramya mā śuco bharatarṣabha / śṛṇu sarvaṃ yathāvṛttaṃ ghoraṃ vaiśasam acyuta
Doch nun, dies beiseite lassend, betrauere es nicht, o Stier der Bharatas; höre alles, wie es sich zugetragen hat, das furchtbare Blutbad, o Unerschütterlicher.“
Wort für Wort
tat
das (Akk. Sg.)
tu
aber, doch (Partikel)
idānīm
nun (Adv.)
atikramya
beiseite gelassen habend (Absolutiv)
mā śucaḥ
betrauere nicht! (2. Sg. Prohibitiv)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok. Sg.)
śṛṇu
höre! (2. Sg. Imp.)
sarvam
alles (Akk. Sg.)
yathāvṛttam
wie es sich zugetragen hat (Akk. Sg.)
ghoram
furchtbar (Akk. Sg.)
vaiśasam
das Blutbad (Akk. Sg.)
acyuta
o Unerschütterlicher (Vok. Sg.)
[Anm.: ‚Acyuta‘ (‚der Unerschütterliche‘) ist hier ein Beiname Dhṛtarāṣṭras und nicht mit dem gleichnamigen, geläufigeren Beinamen Kṛṣṇa-Vāsudevas (s. Glossar) zu verwechseln. Hier endet die mit Einheit 20 (V. 024) begonnene Rede Saṃjayas.]
prabhātāyāṃ rajanyāṃ tu karṇo rājānam abhyayāt / sametya ca mahābāhur duryodhanam abhāṣata
Als die Nacht sich zum Morgen aufgehellt hatte, trat Karṇa vor den König; und nachdem er sich zu ihm begeben hatte, sprach der Großarmige zu Duryodhana:
Wort für Wort
prabhātāyām rajanyām
als die Nacht sich aufgehellt hatte (Lok. Sg., abs.)
bahutvān mama kāryāṇāṃ tathā pārthasya pārthiva / nābhūt samāgamo rājan mama caivārjunasya ca
Wegen der Vielzahl meiner Aufgaben, und ebenso derer des Sohnes Pṛthās, o Fürst, hat es bisher noch keine Begegnung zwischen mir und Arjuna gegeben, o König.
idaṃ tu me yathāprajñaṃ śṛṇu vākyaṃ viśāṃ pate / anihatya raṇe pārthaṃ nāham eṣyāmi bhārata
Doch höre dieses mein Wort, so wie ich es verstehe, o Herr der Völker: Ohne Pārtha im Kampf erschlagen zu haben, werde ich nicht zurückkehren, o Bhārata.
Wort für Wort
idam
dieses (Akk. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
yathāprajñam
nach meinem Verständnis (Adv.)
śṛṇu
höre! (2. Sg. Imp.)
vākyam
das Wort (Akk. Sg.)
viśāṃ pate
o Herr der Völker (Vok. Sg.)
anihatya
ohne erschlagen zu haben (Absolutiv, neg.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
pārtham
Pārtha (Akk. Sg.)
na āham eṣyāmi
ich werde nicht kommen, zurückkehren (1. Sg. Fut.)
Wenn die Helden dieses Heeres erschlagen sind und ich allein noch im Kampf stehe, wird Pārtha gegen mich vorrücken, der ich der Śakti Indras beraubt bin.
Wort für Wort
hatapravīre
mit erschlagenen Helden (Lok. Sg.)
sainye asmin
in diesem Heer (Lok. Sg.)
mayi
während ich (Lok. Sg., abs.)
sthite
stehend (Lok. Sg., abs.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
abhiyāsyati
er wird vorrücken (3. Sg. Fut.)
mām
gegen mich (Akk. Sg.)
pārthaḥ
Pārtha (Nom. Sg.)
śakraśaktyā
der Śakti Indras (Instr. Sg.)
vinākṛtam
beraubt (Akk. Sg.)
[Anm.: Der Verweis bezieht sich auf die von Indra erlangte Vasavī-Śakti, die Karṇa für Arjuna aufbewahrt hatte, aber im Droṇaparva gegen Ghaṭotkaca einsetzen musste und damit verloren hat.]
tataḥ śreyaskaraṃ yat te tan nibodha janeśvara / āyudhānāṃ ca yad vīryaṃ dravyāṇām arjunasya ca / kāyasya mahato bhede lāghave dūrapātane / sauṣṭhave cāstrayoge ca savyasācī na matsamaḥ / prāṇe śaurye ca vijñāne vikrame cāpi bhārata / nimittajñānayoge ca savyasācī na matsamaḥ
Vernimm nun, was dir zum Heile gereicht, o Herr der Menschen, sowie die Kraft der Waffen und Mittel Arjunas: Im Durchschlagen eines großen Leibes, in Behändigkeit, im Fernschuss, in Gewandtheit und im Einsatz der Waffen ist der Ambidextrer (Savyasācin, Arjuna) mir nicht gleich; an Lebenskraft, Heldenmut und Wissen, ebenso an Kühnheit, o Bhārata, und in der Kenntnis der Vorzeichen ist der Ambidextrer mir nicht gleich.
Wort für Wort
tataḥ
nun (Adv.)
śreyaskaram
zum Heile gereichend (Akk. Sg.)
yat te
was dir (Akk. Sg.)
nibodha
vernimm! (2. Sg. Imp.)
janeśvara
o Herr der Menschen (Vok. Sg.)
āyudhānām
der Waffen (Gen. Pl.)
vīryam
die Kraft (Nom. Sg.)
dravyāṇām
der Mittel, Besitztümer (Gen. Pl.)
kāyasya
des Leibes (Gen. Sg.)
mahataḥ bhede
im Durchschlagen des großen (Lok. Sg.)
lāghave
in Behändigkeit (Lok. Sg.)
dūrapātane
im Fernschuss (Lok. Sg.)
sauṣṭhave
in Gewandtheit (Lok. Sg.)
astrayoge
im Waffeneinsatz (Lok. Sg.)
savyasācī
der Ambidextrer, Arjuna (Nom. Sg.)
na matsamaḥ
mir nicht gleich (Nom. Sg.)
prāṇe
an Lebenskraft (Lok. Sg.)
śaurye
an Heldenmut (Lok. Sg.)
vijñāne
an Wissen (Lok. Sg.)
vikrame
an Kühnheit (Lok. Sg.)
nimittajñānayoge
in der Kenntnis der Vorzeichen (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Verse 034-035 sowie die Apparatzeilen 08,022.035d*0196_01 und *0196_02 wurden zu einer Einheit zusammengefasst, da V. 034 den Rahmen setzt und V. 035 mit dem zweifach wiederholten Refrain ‚savyasācī na matsamaḥ‘ fortführt.]
yena daityagaṇān rājañ jitavān vai śatakratuḥ / yasya ghoṣeṇa daityānāṃ vimuhyanti diśo daśa / tad bhārgavāya prāyacchac chakraḥ paramasaṃmatam
Mit dem, o König, Śatakratu (Indra) die Scharen der Daityas besiegte; an dessen Klang die zehn Himmelsrichtungen der Daityas betäubt werden - jenen, hochgeschätzten, gab Śakra dem Nachkommen Bhṛgus (Paraśurāma).
Jenen göttlichen, vortrefflichen Bogen gab mir der Nachkomme Bhṛgus, mit dem ich gegen den großarmigen Arjuna kämpfen werde, den Besten unter den Siegreichen; so wie Indra im Kampf alle versammelten Daiteyas erschlug, so werde ich alle Pāṇḍavas im Kampf besiegen.
Wort für Wort
tat divyam
jenen göttlichen (Akk. Sg.)
bhārgavaḥ
der Nachkomme Bhṛgus (Nom. Sg.)
mahyam
mir (Dat. Sg.)
adadāt
er gab (3. Sg. Impf.)
dhanuḥ uttamam
den vortrefflichen Bogen (Akk. Sg.)
yena
mit dem (Instr. Sg.)
yotsye
ich werde kämpfen (1. Sg. Fut. Med.)
mahābāhum
den großarmigen (Akk. Sg.)
arjunam
Arjuna (Akk. Sg.)
jayatāṃ varam
den Besten unter den Siegreichen (Akk. Sg.)
yathā
so wie (Adv.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
daiteyān
die Daiteyas (Akk. Pl.)
samāgatān
versammelt (Akk. Pl.)
nijaghāna
er erschlug (3. Sg. Perf.)
jeṣyāmi
ich werde besiegen (1. Sg. Fut.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
pāṇḍavān
die Pāṇḍavas (Akk. Pl.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.038f*0197_01 wurde mit V. 038 zu einer Einheit verbunden.]
dhanur ghoraṃ rāmadattaṃ gāṇḍīvāt tad viśiṣyate / triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivī dhanuṣā tena nirjitā
Der furchtbare, von Rāma (Paraśurāma) verliehene Bogen übertrifft den Gāṇḍīva; mit jenem Bogen wurde die Erde einundzwanzigmal (dreimal siebenmal) bezwungen.
Wort für Wort
dhanuḥ ghoram
der furchtbare Bogen (Nom. Sg.)
rāmadattam
von Rāma verliehen (Nom. Sg.)
gāṇḍīvāt
als der Gāṇḍīva (Abl. Sg.)
viśiṣyate
er übertrifft (3. Sg. Präs. Pass.)
triḥsaptakṛtvaḥ
einundzwanzigmal (Adv.)
pṛthivī
die Erde (Nom. Sg.)
dhanuṣā tena
mit jenem Bogen (Instr. Sg.)
nirjitā
bezwungen (Nom. Sg.)
[Anm.: Die hier genannten einundzwanzig Eroberungen der Erde beziehen sich auf die bekannte Überlieferung von Paraśurāmas wiederholter Vernichtung des Kṣatriya-Standes; Karṇa beansprucht damit denselben Bogen, den er zuvor als von Indra über Śakra an Paraśurāma gelangt beschrieben hat.]
Heute, o Duryodhana, werde ich dich samt deinen Verwandten erfreuen, nachdem ich den Helden Arjuna, den Besten unter den Siegreichen, im Kampf erschlagen habe.
Nichts Unerreichbares gibt es heute für mich, zumal um deines Wohlgefallens willen - so wie dem, der wahrhaft dem Recht ergeben und selbstbeherrscht ist, der Erfolg [gewiss ist].
na hi māṃ samare soḍhuṃ sa śakto 'gniṃ tarur yathā / avaśyaṃ tu mayā vācyaṃ yena hīno 'smi phalgunāt
Denn er ist nicht imstande, mich im Kampf zu bestehen, wie ein Baum nicht das Feuer besteht; doch notwendigerweise muss ich sagen, worin ich Phalguna (Arjuna) unterlegen bin.
Seine Bogensehne ist göttlich, ebenso seine beiden unerschöpflichen Köcher; sein Wagenlenker ist Govinda (Kṛṣṇa) - dergleichen habe ich nicht; sein göttlicher Bogen, der vortreffliche Gāṇḍīva, altert nicht im Kampf.
Wort für Wort
jyā
die Bogensehne (Nom. Sg.)
tasya dhanuṣaḥ
seines Bogens (Gen. Sg.)
divyā
göttlich (Nom. Sg.)
akṣayyau
unerschöpflich (Nom. Dual)
maheṣudhī
die beiden großen Köcher (Nom. Dual)
sārathiḥ
der Wagenlenker (Nom. Sg.)
tasya
sein (Gen. Sg.)
govindaḥ
Govinda, Kṛṣṇa (Nom. Sg.)
mama
mein (Gen. Sg.)
tādṛk
dergleichen (Nom. Sg.)
na vidyate
es gibt nicht (3. Sg. Präs. Pass.)
divyam dhanuḥ
der göttliche Bogen (Nom. Sg.)
śreṣṭham
vortrefflich (Nom. Sg.)
gāṇḍīvam
der Gāṇḍīva (Nom. Sg.)
ajaram
nicht alternd (Nom. Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.045b*0198_01 wurde mit V. 045 zu einer Einheit verbunden.]
agnidattaś ca vai divyo rathaḥ kāñcanabhūṣaṇaḥ / acchedyaḥ sarvato vīra vājinaś ca manojavāḥ / dhvajaś ca divyo dyutimān vānaro vismayaṃkaraḥ
Sein göttlicher, von Agni geschenkter Wagen, mit Gold geschmückt, ist von allen Seiten unzerstörbar, o Held, und seine Rosse sind gedankenschnell; und sein göttliches, strahlendes Banner trägt den Staunen erregenden Affen.
tathā śalyasamo nāsti hayayāne ha kaś cana / vīryataḥ sārataś caiva yogataḥ karmato 'rthataḥ / so 'yam abhyadhikaḥ pārthād bhaviṣyati ratho mama / samudyātuṃ na śakṣyanti devā api savāsavāḥ / evaṃ kṛte rathastho 'haṃ guṇair abhyadhiko 'rjunāt / bhave yudhi jayeyaṃ ca phālgunaṃ kurusattama / vijayeyam ahaṃ saṃkhye phalgunaṃ kurunandana
Ebenso gibt es niemanden, der Śalya in der Rosselenkung gleich wäre - an Kraft, an Wesenskern, an Geschick, an Tatkraft, an Wirksamkeit; so wird dieser mein Wagen dem des Sohnes Pṛthās überlegen sein; selbst die Götter samt Vāsava (Indra) werden ihm nicht gewachsen sein, sich zu erheben. So gerüstet werde ich, auf dem Wagen stehend, an Vorzügen Arjuna überlegen sein; dann werde ich im Kampf Phalguna (Arjuna) besiegen können, o Bester der Kurus - ich werde Phalguna im Kampf bezwingen, o Freude der Kurus.
Wort für Wort
śalyasamaḥ
Śalya gleich (Nom. Sg.)
na asti
es gibt nicht (3. Sg. Präs.)
hayayāne
in der Rosselenkung (Lok. Sg.)
vīryataḥ
an Kraft (Adv.)
sārataḥ
an Wesenskern (Adv.)
yogataḥ
an Geschick (Adv.)
karmataḥ
an Tatkraft (Adv.)
arthataḥ
an Wirksamkeit (Adv.)
saḥ ayam rathaḥ
dieser Wagen (Nom. Sg.)
abhyadhikaḥ
überlegen (Nom. Sg.)
pārthāt
als der des Sohnes Pṛthās (Abl. Sg.)
bhaviṣyati mama
wird mein sein (3. Sg. Fut.)
samudyātum
sich zu erheben, entgegenzutreten (Inf.)
na śakṣyanti
sie werden nicht imstande sein (3. Pl. Fut.)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
savāsavāḥ
samt Vāsava, Indra (Nom. Pl.)
evam kṛte
so gerüstet (Lok. Sg., abs.)
rathasthaḥ
auf dem Wagen stehend (Nom. Sg.)
guṇaiḥ
an Vorzügen (Instr. Pl.)
abhyadhikaḥ arjunāt
überlegen als Arjuna (Nom. Sg.)
bhave
dann, in diesem Fall (Lok. Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
jayeyam
ich könnte besiegen (1. Sg. Opt.)
phālgunam
Phalguna, Arjuna (Akk. Sg.)
kurusattama
o Bester der Kurus (Vok. Sg.)
vijayeyam
ich werde bezwingen (1. Sg. Opt.)
saṃkhye
im Kampf (Lok. Sg.)
kurunandana
o Freude der Kurus (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,022.056b*0199_01, *0200_01, *0201_01, *0201_02 und *0202_01 wurden mit V. 056 zu einer Einheit verbunden, da sie denselben Gedankengang über die Überlegenheit von Śalyas Wagenlenkung fortführen.]
Dies wünsche ich von dir vollzogen, o Großkönig, Bezwinger der Feinde; möge dieser mein Wunsch erfüllt werden - lass diese Zeit euch nicht entgehen! Wenn dies geschehen ist, wird mir alles mit allen meinen Wünschen zuteilgeworden sein.
Wort für Wort
etat kṛtam
dies vollzogen (Akk. Sg.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
icchāmi
ich wünsche (1. Sg. Präs.)
paraṃtapa
o Bezwinger der Feinde (Vok. Sg.)
kriyatām
es werde vollzogen! (3. Sg. Imp. Pass.)
eṣa kāmaḥ me
dieser mein Wunsch (Nom. Sg.)
mā
nicht (Prohibitiv)
vaḥ
euch (Akk. Pl.)
kālaḥ
die Zeit (Nom. Sg.)
atyagāt
sie entgehe (3. Sg. Aor., Prohibitiv)
ayam
diese (Nom. Sg.)
evam kṛte
wenn dies geschehen ist (Lok. Sg., abs.)
kṛtam mahyam
mir vollbracht (Nom. Sg.)
sarvakāmaiḥ
mit allen Wünschen (Instr. Pl.)
bhaviṣyati
es wird sein (3. Sg. Fut.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.057b*0203_01 wurde mit V. 057 zu einer Einheit verbunden.]
tato draṣṭāsi samare yat kariṣyāmi bhārata / sarvathā pāṇḍavān sarvāñ jeṣyāmy adya samāgatān / na hi me samare śaktāḥ samudyātuṃ surāsurāḥ / kim u pāṇḍusutā rājan raṇe mānuṣayonayaḥ
Dann wirst du sehen, o Bhārata, was ich im Kampf vollbringen werde: Auf jede Weise werde ich heute alle versammelten Pāṇḍavas besiegen; denn nicht einmal Götter und Dämonen sind imstande, mir im Kampf entgegenzutreten - wie viel weniger denn die Söhne des Pāṇḍu, o König, die aus menschlichem Schoß geboren sind!“
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
draṣṭā asi
du wirst sehen (2. Sg. Fut. periphr.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
yat kariṣyāmi
was ich tun werde (1. Sg. Fut.)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)
sarvathā
auf jede Weise (Adv.)
pāṇḍavān sarvān
alle Pāṇḍavas (Akk. Pl.)
jeṣyāmi
ich werde besiegen (1. Sg. Fut.)
adya
heute (Adv.)
samāgatān
versammelt (Akk. Pl.)
na hi
denn nicht (Partikel)
me
mir (Dat. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
śaktāḥ
imstande (Nom. Pl.)
samudyātum
entgegenzutreten (Inf.)
surāsurāḥ
Götter und Dämonen (Nom. Pl.)
kim u
wie viel weniger (Partikel)
pāṇḍusutāḥ
die Söhne des Pāṇḍu (Nom. Pl.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
mānuṣayonayaḥ
aus menschlichem Schoß geboren (Nom. Pl.)
[Anm.: Die Apparatzeile 08,022.058d*0204_01 wurde mit V. 058 verbunden. Zwischen den beiden Halbzeilen dieser Apparatstelle (*0204_01 und der zweiten Zeile mit gleicher Nummerierung *0204_02) erscheint im Quelltext die Formel ‚saṃjaya uvāca‘ - offenkundig eine versprengte, an dieser Stelle unpassende Sprecherangabe (Karṇas Rede läuft inhaltlich ungebrochen weiter), die hier stillschweigend als Übertragungsfehler behandelt und nicht wiedergegeben wird. Hier endet die in Einheit 26 (V. 030) begonnene Rede Karṇas.]
„Dies alles werde ich tun, so wie du, Karṇa, es für richtig hältst; Wagen mit Köchern und Rossen werden dir folgen, Sohn des Wagenlenkers.
Wort für Wort
sarvam etat
dies alles (Akk. Sg.)
kariṣyāmi
ich werde tun (1. Sg. Fut.)
yathā
so wie (Adv.)
tvam
du (Nom. Sg.)
karṇa
o Karṇa (Vok. Sg.)
manyase
du hältst für richtig (2. Sg. Präs. Med.)
sopāsaṅgāḥ
mit Köchern (Nom. Pl.)
rathāḥ
Wagen (Nom. Pl.)
sāśvāḥ
mit Rossen (Nom. Pl.)
anuyāsyanti
sie werden folgen (3. Pl. Fut.)
sūtaja
o Sohn des Wagenlenkers (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚duryodhana uvāca‘ (V. 059) wurde weggelassen; da hier eine echte, kurze Antwortrede Duryodhanas an Karṇa vorliegt, wird sie mit Anführungszeichen wiedergegeben (Schluss in Einheit 56).]
Nachdem er so gesprochen hatte, o Großkönig, trat dein mächtiger Sohn, der König, zum König der Madras (Śalya) und sprach zu ihm dieses Wort:
Wort für Wort
evam uktvā
so gesprochen habend (Absolutiv)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
tava putrāḥ
dein Sohn (Nom. Sg.)
pratāpavān
mächtig (Nom. Sg.)
abhigamya
hingetreten (Absolutiv)
abravīt
er sprach (3. Sg. Impf.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
madrarājam
zum König der Madras, Śalya (Akk. Sg.)
idam vacaḥ
dieses Wort (Akk. Sg.)
[Anm.: Die Eingangsformel ‚saṃjaya uvāca‘ (V. 061) wurde weggelassen, da Saṃjaya hier lediglich seine Erzählung fortsetzt. Mit diesem abschließenden Vers leitet das Kapitel zu Duryodhanas Bitte an Śalya über, Karṇas Wagenlenker zu werden, die im folgenden Kapitel geschildert wird.]