Kapitel 58: dhanaṃjayena sūtaputrasenāvidhvaṃsanaṃ daśadhārtarāṣṭravadhaś ca
Dhanañjayas Vernichtung von Karṇas Heer und das Erschlagen der zehn Dhṛtarāṣṭra-Söhne
Saṃjaya sprach: O König, Dhanañjaya, begierig, den Sohn der Kuntī, der wie ertrinkend inmitten der besten Streitkräfte der Kurus bedrängt wurde, herauszuziehen, zermalmte mit seinen Pfeilen das Heer des Sūta-Sohnes, o Bhārata, und sandte die feindlichen Helden in die Welt des Todes, Dhanañjaya.
tato 'syāmbaram āvṛtya śarajālāni bhāgaśaḥ / adṛśyanta tathānye ca nighnantas tava vāhinīm / sa pakṣisaṃghācaritam ākāśaṃ pūrayañ śaraiḥ / dhanaṃjayo mahārāja kurūṇām antako 'bhavat
Da bedeckten Pfeilnetze überall den Himmel um ihn, und ebenso waren andere zu sehen, die dein Heer niedermachten; den von Vogelscharen durchzogenen Luftraum mit Pfeilen erfüllend, wurde Dhanañjaya, Großkönig, zum Ende der Kurus.
tato bhallaiḥ kṣurapraiś ca nārācair nirmalair api / gātrāṇi prākṣiṇot pārthaḥ śirāṃsi ca cakarta ha / chinnagātrair vikavacair viśiraskaiḥ samantataḥ / patitaiś ca patadbhiś ca yodhair āsīt samāvṛtam
Da zerschmetterte Pārtha mit Bhalla-, Rasiermesser- und makellosen Nārāca-Pfeilen die Glieder und schlug die Häupter ab; mit zerschnittenen Gliedern, ihrer Rüstung beraubten, hauptlosen, gefallenen und noch fallenden Kriegern war es ringsum bedeckt.
Mit von Dhanañjayas Pfeilen heimgesuchten Wagen, Rossen, Männern und Elefanten, zerschnittenen, zerspaltenen, zerstörten, mit verstümmelten Gliedern und Körperteilen übersät, unwegsam, überaus uneben, überaus furchtbar und schwer zu erblicken wurde das Schlachtfeld, o König, gleich der großen Vaitaraṇī.
Wort für Wort
saṃchinnabhinnavidhvastaiḥ
zerschnitten, zerspalten, zerstört (Instr. Pl.)
sudurdṛśā
schwer zu erblicken (Nom.)
mahāvaitaraṇī
die große Vaitaraṇī (Nom.)
Die Vaitaraṇī ist der mythische, mit Blut und Unrat gefüllte Grenzfluss der Unterwelt, den die Toten auf ihrem Weg zu Yamas Reich überqueren müssen; das Bild kehrt im Epos mehrfach als Vergleich für ein blutüberströmtes Schlachtfeld wieder.
gatasattvaiḥ sasattvaiś ca saṃvṛtāsīd vasuṃdharā / īṣācakrākṣabhaṅgaiś ca vyaśvaiḥ sāśvaiś ca yudhyatām / sasūtair hatasūtaiś ca rathaiḥ stīrṇābhavan mahī
Mit leblosen und noch lebenden Wesen war die Erde bedeckt; mit den zerbrochenen Deichseln, Rädern und Achsen der Wagen der Kämpfenden, mit und ohne Rosse, mit und ohne Wagenlenker, ward die Erde übersät.
Wort für Wort
gatasattvaiḥ
mit den leblosen Wesen (Instr.)
īṣācakrākṣabhaṅgaiḥ
mit zerbrochenen Deichseln, Rädern und Achsen (Instr.)
stīrṇā
übersät (Nom.)
Die Apparatszeilen *0900_01/02 wiederholen den Inhalt dieses Verses in nahezu identischer Formulierung (mit 'sādihīnaiḥ' statt 'hatasūtaiḥ' u.ä.) und werden hier nicht gesondert übersetzt, um Wiederholung zu vermeiden.
Von Kriegern in goldener Panzerung und goldenem Geschmeide bestiegen, gepanzert, prächtig, stets in Brunft, stürmten die erzürnten Elefanten, von erzürnten Mahouts entsandt, auf Arjuna zu.
Vierhundert von ihnen fielen, von Kirīṭins Pfeilregen erschlagen, wie umgestürzte, noch beseelte Gipfel eines großen Berges; die Erde war mit von Dhanañjayas Pfeilen heimgesuchten vortrefflichen Elefanten übersät.
hatair gajamanuṣyāśvair bhagnaiś ca bahudhā rathaiḥ / viśastrapatrakavacair yuddhaśauṇḍair gatāsubhiḥ / apaviddhāyudhair mārgaḥ stīrṇo 'bhūt phalgunena vai
Mit getöteten Elefanten, Männern und Rossen, mit vielfach zerbrochenen Wagen, mit ihrer Waffen, Schilde und Panzer beraubten, kampfestrunkenen, entseelten Kriegern, mit weggeworfenen Waffen wurde der Weg von Phalguna übersät.
Wort für Wort
viśastrapatrakavacaiḥ
ihrer Waffen, Schilde und Panzer beraubt (Instr. Pl.)
Denn den starkarmigen Bhīmasena damals in der Schlacht loslassend, war das ganze Heer der Kurus bestürzt und wandte sich zur Flucht; als die Kurus so geschlagen waren, wandte sich der unbesiegte Bībhatsu, zu Bhīmasena gelangt, für einen Augenblick ihm zu.
samāgamya sa bhīmena mantrayitvā ca phalgunaḥ / viśalyam arujaṃ cāsmai kathayitvā yudhiṣṭhiram / bhīmasenābhyanujñātas tataḥ prāyād dhanaṃjayaḥ / nādayan rathaghoṣeṇa pṛthivīṃ dyāṃ ca bhārata
Nachdem er mit Bhīma zusammengetroffen war und sich mit ihm beraten hatte, und nachdem er ihm mitgeteilt hatte, dass Yudhiṣṭhira ohne Pfeilwunde und unverletzt sei, zog Dhanañjaya, von Bhīmasena verabschiedet, weiter, Erde und Himmel mit dem Getöse seines Wagens erdröhnen lassend, o Bhārata.
Da wurde Dhanañjaya von zehn furchtbaren, den Feinden überlegenen deinen Söhnen umringt, jünger als Duḥśāsana; sie bedrängten ihn mit Pfeilen wie mit Meteoren einen Elefanten, die grausamen Pfeile auf gespannten Bögen wie tanzend, o Bhārata.
apasavyāṃs tu tāṃś cakre rathena madhusūdanaḥ / niyuktān hi sa tān mene yamāyāśu kirīṭinā / tatas te prādravañ śūrāḥ parāṅmukharathe 'rjune
Doch Madhusūdana machte sie mit dem Wagen zu seiner Rechten, denn er hielt sie, von Kirīṭin schon dem Yama geweiht, für ihm zugeteilt; da flohen jene Helden, während Arjunas Wagen sich ihnen entgegenwandte.
Wort für Wort
apasavyān
zu seiner Rechten befindlich (Akk. Pl.)
niyuktān
zugeteilt (Akk. Pl.)
parāṅmukharathe
während sich der Wagen entgegenwandte (Lok. Abs.)
Die Wendung 'apasavya' bezeichnet das Umkreisen im Uhrzeigersinn mit der rechten (unheilbringenden) Seite dem Gegner zugewandt - eine als unheilvoll geltende Positionierung, hier von Kṛṣṇa gegen die feindlichen Krieger eingesetzt.
Da ließ er mit zehn weiteren Bhalla-Pfeilen ihre Häupter zu Boden fallen; mit vor Zorn geröteten Augen, mit zusammengebissenen Lippen leuchteten jene Gesichter auf dem Boden wie eine Sternenschar am Himmel.
Jene zehn Kauravas aber, mit goldenen Armreifen geschmückt, durchbohrte der Feindevernichter mit zehn überaus schnellen, golden befiederten Bhalla-Pfeilen und zog weiter.