Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 49: arjunayudhiṣṭhirasaṃvādaḥ kṛṣṇasya dharmopadeśaś ca Die Krise zwischen Arjuna und Yudhiṣṭhira und Kṛṣṇas Belehrung über die Pflicht

saṃjaya uvāca / yudhiṣṭhireṇaivam uktaḥ kaunteyaḥ śvetavāhanaḥ / asiṃ jagrāha saṃkruddho jighāṃsur bharatarṣabham / tasya kopaṃ samudvīkṣya cittajñaḥ keśavas tadā

Saṃjaya sprach: So von Yudhiṣṭhira angesprochen, ergriff der Sohn der Kuntī, der Weißpferdige, zornentbrannt das Schwert, den Bullen der Bharatas zu töten begehrend. Als Keśava, der die Herzen kennt, damals dessen Zorn erblickte,

Wort für Wort
yudhiṣṭhireṇa evam uktaḥ
so von Yudhiṣṭhira angesprochen (Instr. / Adv. / Nom.)
kaunteyaḥ śvetavāhanaḥ
der Sohn der Kuntī, der Weißpferdige (Nom. / Nom.)
asim jagrāha saṃkruddhaḥ
ergriff zornentbrannt das Schwert (Akk. / 3.Sg.Perf. / Nom.)
jighāṃsuḥ bharatarṣabham
den Bullen der Bharatas zu töten begehrend (Nom. / Akk.)
tasya kopam samudvīkṣya
als er dessen Zorn erblickte (Gen. / Akk. / Ger.)
cittajñaḥ keśavaḥ tadā
Keśava, der die Herzen kennt, damals (Nom. / Nom. / Adv.)

uvāca kim idaṃ pārtha gṛhītaḥ khaḍga ity uta / neha paśyāmi yoddhavyaṃ tava kiṃ cid dhanaṃjaya / te dhvastā dhārtarāṣṭrā hi sarve bhīmena dhīmatā / apayāto 'si kaunteya rājā draṣṭavya ity api / sa rājā bhavatā dṛṣṭaḥ kuśalī ca yudhiṣṭhiraḥ

„sprach: Was ist dies, Pārtha? Hast du etwa das Schwert ergriffen? Ich sehe hier nichts mehr für dich zu bekämpfen, Dhanañjaya; denn alle Söhne Dhṛtarāṣṭras sind von dem weisen Bhīma vernichtet. Du bist fortgegangen, Sohn der Kuntī, um auch den König zu sehen; jener König wurde von dir gesehen, wohlbehalten, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
uvāca kim idam pārtha
sprach: was ist dies, Pārtha (3.Sg.Perf. / Nom. / Nom. / Vok.)
gṛhītaḥ khaḍgaḥ iti uta
hast du etwa das Schwert ergriffen (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Frage)
na iha paśyāmi yoddhavyam tava
ich sehe hier nichts mehr für dich zu bekämpfen (Neg. / Adv. / 1.Sg.Präs. / Akk. / Gen.)
kim cit dhanaṃjaya
irgendetwas, Dhanañjaya (Akk. / Akk. / Vok.)
te dhvastāḥ dhārtarāṣṭrāḥ hi sarve
denn alle Söhne Dhṛtarāṣṭras sind vernichtet (Nom. Pl. / Nom. Pl. / Nom. Pl. / Partikel / Nom. Pl.)
bhīmena dhīmatā
von dem weisen Bhīma (Instr. / Instr.)
apayātaḥ asi kaunteya
du bist fortgegangen, Sohn der Kuntī (Nom. / 2.Sg.Präs. / Vok.)
rājā draṣṭavyaḥ iti api
um auch den König zu sehen (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Partikel)
saḥ rājā bhavatā dṛṣṭaḥ
jener König wurde von dir gesehen (Nom. / Nom. / Instr. / Nom.)
kuśalī ca yudhiṣṭhiraḥ
wohlbehalten, Yudhiṣṭhira (Nom. / Konj. / Nom.)

taṃ dṛṣṭvā nṛpaśārdūlaṃ śārdūlasamavikramam / harṣakāle tu saṃprāpte kasmāt tvā manyur āviśat / na taṃ paśyāmi kaunteya yas te vadhyo bhaved iha / prahartum icchase kasmāt kiṃ vā te cittavibhramaḥ / kasmād bhavān mahākhaḍgaṃ parigṛhṇāti satvaram / tat tvā pṛcchāmi kaunteya kim idaṃ te cikīrṣitam / parāmṛśasi yat kruddhaḥ khaḍgam adbhutavikrama

„Als du jenen Tiger unter den Königen, von tigergleicher Kraft, erblickt hast, zur Zeit, da doch Freude hätte einkehren sollen — warum ist Zorn in dich gefahren? Ich sehe niemanden hier, Sohn der Kuntī, der von dir zu töten wäre. Warum willst du zuschlagen? Was ist diese Verwirrung deines Sinnes? Warum ergreifst du so eilig das große Schwert? Das frage ich dich, Sohn der Kuntī: was hast du vor, dass du zornig nach dem Schwert greifst, o du von wunderbarer Kraft?“

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā nṛpaśārdūlam
als du jenen Tiger unter den Königen erblickt hast (Akk. / Ger. / Akk.)
śārdūlasamavikramam
von tigergleicher Kraft (Akk.)
harṣakāle tu saṃprāpte
zur Zeit, da doch Freude eingekehrt war (Lok. / Partikel / Lok.)
kasmāt tvā manyuḥ āviśat
warum ist Zorn in dich gefahren (Abl. / Akk. / Nom. / 3.Sg.Impf.)
na tam paśyāmi kaunteya
ich sehe ihn nicht, Sohn der Kuntī (Neg. / Akk. / 1.Sg.Präs. / Vok.)
yaḥ te vadhyaḥ bhavet iha
der von dir zu töten wäre (Nom. / Gen. / Nom. / 3.Sg.Opt. / Adv.)
prahartum icchase kasmāt
warum willst du zuschlagen (Inf. / 2.Sg.Präs. / Abl.)
kim vā te cittavibhramaḥ
was ist diese Verwirrung deines Sinnes (Nom. / Konj. / Gen. / Nom.)
kasmāt bhavān mahākhaḍgam
warum du das große Schwert (Abl. / Nom. / Akk.)
parigṛhṇāti satvaram
ergreifst du so eilig (2.Sg.Präs. / Adv.)
tat tvā pṛcchāmi kaunteya
das frage ich dich, Sohn der Kuntī (Akk. / Akk. / 1.Sg.Präs. / Vok.)
kim idam te cikīrṣitam
was hast du vor (Nom. / Nom. / Gen. / Nom.)
parāmṛśasi yat kruddhaḥ
dass du zornig danach greifst (2.Sg.Präs. / Konj. / Nom.)
khaḍgam adbhutavikrama
nach dem Schwert, o du von wunderbarer Kraft (Akk. / Vok.)

evam uktas tu kṛṣṇena prekṣamāṇo yudhiṣṭhiram / arjunaḥ prāha govindaṃ kruddhaḥ sarpa iva śvasan

So von Kṛṣṇa angesprochen, sprach Arjuna, auf Yudhiṣṭhira blickend, zornig, wie eine Schlange zischend, zu Govinda:

Wort für Wort
evam uktaḥ tu kṛṣṇena
so von Kṛṣṇa angesprochen (Adv. / Nom. / Partikel / Instr.)
prekṣamāṇaḥ yudhiṣṭhiram
auf Yudhiṣṭhira blickend (Nom. / Akk.)
arjunaḥ prāha govindam
sprach Arjuna zu Govinda (Nom. / 3.Sg.Perf. / Akk.)
kruddhaḥ sarpaḥ iva śvasan
zornig, wie eine Schlange zischend (Nom. / Nom. / Partikel / Part.Präs.)

dada gāṇḍīvam anyasmā iti māṃ yo 'bhicodayet / chindyām ahaṃ śiras tasya ity upāṃśuvrataṃ mama / yudhiṣṭhireṇa tenāham uktaś cāsmi janārdana / tad ukto 'ham adīnātman rājñāmitaparākrama / samakṣaṃ tava govinda na tat kṣantum ihotsahe / tasmād enaṃ vadhiṣyāmi rājānaṃ dharmabhīrukam / pratijñāṃ pālayiṣyāmi hatvemaṃ narasattamam / etadarthaṃ mayā khaḍgo gṛhīto yadunandana

„‚Gib den Gāṇḍīva einem anderen!‘ — wer immer mich damit anstacheln sollte, dem würde ich das Haupt abschlagen: dies ist mein insgeheim gelobtes Gelübde. Eben damit bin ich nun von Yudhiṣṭhira angesprochen worden, Janārdana. Damit angesprochen, o du von unverzagter Seele, o König von unermesslicher Kraft — das kann ich in deiner Gegenwart, Govinda, hier nicht ertragen. Darum werde ich diesen König töten, der übertrieben pflichtängstlich ist; ich werde mein Gelübde erfüllen, indem ich diesen Besten der Männer erschlage; eben dafür habe ich das Schwert ergriffen, Freude der Yadus.“

Wort für Wort
dada gāṇḍīvam anyasmai iti
gib den Gāṇḍīva einem anderen — so (2.Sg.Imp. / Akk. / Dat. / Zitatpartikel)
mām yaḥ abhicodayet
wer immer mich anstacheln sollte (Akk. / Nom. / 3.Sg.Opt.)
chindyām aham śiraḥ tasya
dem würde ich das Haupt abschlagen (1.Sg.Opt. / Nom. / Akk. / Gen.)
iti upāṃśuvratam mama
dies ist mein insgeheim gelobtes Gelübde (Zitatpartikel / Nom. / Gen.)
yudhiṣṭhireṇa tena aham uktaḥ
eben damit bin ich von Yudhiṣṭhira angesprochen worden (Instr. / Instr. / Nom. / Nom.)
ca asmi janārdana
und ich bin, Janārdana (Konj. / 1.Sg.Präs. / Vok.)
tat uktaḥ aham adīnātman
damit angesprochen, ich, von unverzagter Seele (Instr. / Nom. / Nom. / Vok.)
rājñā amitaparākrama
o König von unermesslicher Kraft (Instr. / Vok.)
samakṣam tava govinda
in deiner Gegenwart, Govinda (Adv. / Gen. / Vok.)
na tat kṣantum iha utsahe
das kann ich hier nicht ertragen (Neg. / Akk. / Inf. / Adv. / 1.Sg.Präs.)
tasmāt enam vadhiṣyāmi
darum werde ich diesen töten (Abl. / Akk. / 1.Sg.Fut.)
rājānam dharmabhīrukam
den König, der übertrieben pflichtängstlich ist (Akk. / Akk.)
pratijñām pālayiṣyāmi
ich werde mein Gelübde erfüllen (Akk. / 1.Sg.Fut.)
hatvā imam narasattamam
indem ich diesen Besten der Männer erschlage (Ger. / Akk. / Akk.)
etadartham mayā khaḍgaḥ
eben dafür habe ich das Schwert (Akk. / Instr. / Nom.)
gṛhītaḥ yadunandana
ergriffen, Freude der Yadus (Nom. / Vok.)

so 'haṃ yudhiṣṭhiraṃ hatvā satye 'py ānṛṇyatāṃ gataḥ / viśoko vijvaraś cāpi bhaviṣyāmi janārdana / kiṃ vā tvaṃ manyase prāptam asmin kāle samutthite / tvam asya jagatas tāta vettha sarvaṃ gatāgatam / jātas tvatto hi dharmaś cādharmaś ceti parā śrutiḥ / tat tathā prakariṣyāmi yathā māṃ vakṣyate bhavān

„So werde ich, nachdem ich Yudhiṣṭhira erschlagen habe, auch in Bezug auf die Wahrheit meiner Schuld ledig sein und werde ohne Kummer und ohne Fieber sein, Janārdana. Doch was, meinst du, ist in diesem heraufgezogenen Augenblick geschehen? Du, mein Lieber, kennst alles Kommen und Gehen dieser Welt; denn von dir, so die höchste Überlieferung, sind Dharma und Adharma geboren. So werde ich handeln, wie du es mir sagen wirst.“

Wort für Wort
saḥ aham yudhiṣṭhiram hatvā
so werde ich, nachdem ich Yudhiṣṭhira erschlagen habe (Nom. / Nom. / Akk. / Ger.)
satye api ānṛṇyatām gataḥ
auch in Bezug auf die Wahrheit meiner Schuld ledig (Lok. / Partikel / Akk. / Nom.)
viśokaḥ vijvaraḥ ca api
ohne Kummer und ohne Fieber, auch (Nom. / Nom. / Konj. / Partikel)
bhaviṣyāmi janārdana
werde ich sein, Janārdana (1.Sg.Fut. / Vok.)
kim vā tvam manyase prāptam
doch was, meinst du, ist geschehen (Nom. / Konj. / Nom. / 2.Sg.Präs.Med. / Nom.)
asmin kāle samutthite
in diesem heraufgezogenen Augenblick (Lok. / Lok. / Lok.)
tvam asya jagataḥ tāta
du, mein Lieber, dieser Welt (Nom. / Gen. / Gen. / Vok.)
vettha sarvam gatāgatam
kennst alles Kommen und Gehen (2.Sg.Perf. / Akk. / Akk.)
jātaḥ tvattaḥ hi dharmaḥ ca adharmaḥ ca
denn von dir sind Dharma und Adharma geboren (Nom. / Abl. / Partikel / Nom. / Konj. / Nom. / Konj.)
iti parā śrutiḥ
so die höchste Überlieferung (Zitatpartikel / Nom. / Nom.)
tat tathā prakariṣyāmi
so werde ich handeln (Akk. / Adv. / 1.Sg.Fut.)
yathā mām vakṣyate bhavān
wie du es mir sagen wirst (Adv. / Akk. / 3.Sg.Fut.Med. / Nom.)

saṃjaya uvāca / dhig dhig ity eva govindaḥ pārtham uktvābravīt punaḥ

Saṃjaya sprach: ‚Schande, Schande!‘ — nur dies sprach Govinda zu Pārtha, dann sprach er abermals.

Wort für Wort
saṃjayaḥ uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
dhik dhik iti eva
Schande, Schande — nur dies (Interjektion / Interjektion / Zitatpartikel / Partikel)
govindaḥ pārtham uktvā
sprach Govinda zu Pārtha (Nom. / Akk. / Ger.)
abravīt punaḥ
sprach er abermals (3.Sg.Impf. / Adv.)

kṛṣṇa uvāca / idānīṃ pārtha jānāmi na vṛddhāḥ sevitās tvayā / akāle puruṣavyāghra saṃrambhakriyayānayā / na hi dharmavibhāgajñaḥ kuryād evaṃ dhanaṃjaya / yathā tvaṃ pāṇḍavādyeha dharmabhīrur apaṇḍitaḥ

„Jetzt erkenne ich, Pārtha, dass du die Alten nicht recht bedient hast, da du zur falschen Zeit, o Tiger unter den Männern, in dieser aufgewühlten Handlung befangen bist. Denn wer den Unterschied des Dharma kennt, würde nicht so handeln, Dhanañjaya, wie du, Sohn des Pāṇḍu, heute hier, dharmascheu und unweise.“

Wort für Wort
kṛṣṇaḥ uvāca
Kṛṣṇa sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
idānīm pārtha jānāmi
jetzt erkenne ich, Pārtha (Adv. / Vok. / 1.Sg.Präs.)
na vṛddhāḥ sevitāḥ tvayā
dass du die Alten nicht recht bedient hast (Neg. / Akk.Pl. / Nom. / Instr.)
akāle puruṣavyāghra
zur falschen Zeit, o Tiger unter den Männern (Lok. / Vok.)
saṃrambhakriyayā anayā
durch diese aufgewühlte Handlung (Instr. / Instr.)
na hi dharmavibhāgajñaḥ
denn wer den Unterschied des Dharma kennt (Neg. / Partikel / Nom.)
kuryāt evam dhanaṃjaya
würde nicht so handeln, Dhanañjaya (3.Sg.Opt. / Adv. / Vok.)
yathā tvam pāṇḍava adya iha
wie du, Sohn des Pāṇḍu, heute hier (Adv. / Nom. / Vok. / Adv. / Adv.)
dharmabhīruḥ apaṇḍitaḥ
dharmascheu und unweise (Nom. / Nom.)

akāryāṇāṃ ca kāryāṇāṃ saṃyogaṃ yaḥ karoti vai / kāryāṇām akriyāṇāṃ ca sa pārtha puruṣādhamaḥ / anusṛtya tu ye dharmaṃ kavayaḥ samupasthitāḥ / samāsavistaravidāṃ na teṣāṃ vettha niścayam / aniścayajño hi naraḥ kāryākāryaviniścaye / avaśo muhyate pārtha yathā tvaṃ mūḍha eva tu

Wer eine Vermischung von Nicht-zu-Tuendem und zu Tuendem herbeiführt, und ebenso ein Unterlassen des zu Tuenden, der ist, Pārtha, der niedrigste der Männer. Du kennst nicht die Entscheidung jener weisen Seher, die, dem Dharma folgend, sich darauf eingelassen haben, die kundig sind in Kürze und Ausführlichkeit. Denn ein Mann, der die Entscheidung zwischen Tun und Nicht-Tun nicht kennt, gerät hilflos in Verwirrung, Pārtha, so wie du, ganz und gar verblendet.

Wort für Wort
akāryāṇām ca kāryāṇām
von Nicht-zu-Tuendem und zu Tuendem (Gen.Pl. / Konj. / Gen.Pl.)
saṃyogam yaḥ karoti vai
wer eine Vermischung herbeiführt (Akk. / Nom. / 3.Sg.Präs. / Partikel)
kāryāṇām akriyāṇām ca
des zu Tuenden und der Unterlassung (Gen.Pl. / Gen.Pl. / Konj.)
sa pārtha puruṣādhamaḥ
der ist, Pārtha, der niedrigste der Männer (Nom. / Vok. / Nom.)
anusṛtya tu ye dharmam
die, dem Dharma folgend (Ger. / Partikel / Nom.Pl. / Akk.)
kavayaḥ samupasthitāḥ
die weisen Seher, die sich eingelassen haben (Nom.Pl. / Nom.Pl.)
samāsavistaravidām
die kundig sind in Kürze und Ausführlichkeit (Gen.Pl.)
na teṣām vettha niścayam
du kennst nicht ihre Entscheidung (Neg. / Gen.Pl. / 2.Sg.Perf. / Akk.)
aniścayajñaḥ hi naraḥ
denn ein Mann, der die Entscheidung nicht kennt (Nom. / Partikel / Nom.)
kāryākāryaviniścaye
in der Entscheidung zwischen Tun und Nicht-Tun (Lok.)
avaśaḥ muhyate pārtha
gerät hilflos in Verwirrung, Pārtha (Nom. / 3.Sg.Präs.Pass. / Vok.)
yathā tvam mūḍhaḥ eva tu
so wie du, ganz und gar verblendet (Adv. / Nom. / Nom. / Partikel / Partikel)

na hi kāryam akāryaṃ vā sukhaṃ jñātuṃ kathaṃ cana / śrutena jñāyate sarvaṃ tac ca tvaṃ nāvabudhyase / avijñānād bhavān yac ca dharmaṃ rakṣati dharmavit / prāṇināṃ hi vadhaṃ pārtha dhārmiko nāvabudhyate / prāṇinām avadhas tāta sarvajyāyān mato mama / anṛtaṃ tu bhaved vācyaṃ na ca hiṃsyāt kathaṃ cana

Denn was zu tun oder nicht zu tun ist, lässt sich auf keine Weise leicht erkennen; alles wird durch Gelehrtheit erkannt, und das begreifst du nicht. Und dass du, weil du dharmakundig bist, aus Unwissenheit den Dharma zu wahren meinst — der Pflichtbewusste erkennt nicht, Pārtha, dass es sich hier um die Tötung von Lebewesen handelt. Das Nicht-Töten von Lebewesen, mein Lieber, gilt mir als das Allerhöchste; Falschheit mag gesprochen werden, doch Gewalt sollte man auf keine Weise üben.

Wort für Wort
na hi kāryam akāryam vā
denn was zu tun oder nicht zu tun ist (Neg. / Partikel / Nom. / Nom. / Konj.)
sukham jñātum katham cana
lässt sich auf keine Weise leicht erkennen (Adv. / Inf. / Adv. / Partikel)
śrutena jñāyate sarvam
alles wird durch Gelehrtheit erkannt (Instr. / 3.Sg.Präs.Pass. / Nom.)
tat ca tvam na avabudhyase
und das begreifst du nicht (Akk. / Konj. / Nom. / Neg. / 2.Sg.Präs.Med.)
avijñānāt bhavān yat ca
und dass du aus Unwissenheit (Abl. / Nom. / Akk. / Konj.)
dharmam rakṣati dharmavit
den Dharma zu wahren meinst, dharmakundig (Akk. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
prāṇinām hi vadham pārtha
denn die Tötung von Lebewesen, Pārtha (Gen.Pl. / Partikel / Akk. / Vok.)
dhārmikaḥ na avabudhyate
der Pflichtbewusste erkennt nicht (Nom. / Neg. / 3.Sg.Präs.Pass.)
prāṇinām avadhaḥ tāta
das Nicht-Töten von Lebewesen, mein Lieber (Gen.Pl. / Nom. / Vok.)
sarvajyāyān mataḥ mama
gilt mir als das Allerhöchste (Nom. / Nom. / Gen.)
anṛtam tu bhavet vācyam
Falschheit mag gesprochen werden (Nom. / Partikel / 3.Sg.Opt. / Nom.)
na ca hiṃsyāt katham cana
doch Gewalt sollte man auf keine Weise üben (Neg. / Konj. / 3.Sg.Opt. / Adv. / Partikel)

sa kathaṃ bhrātaraṃ jyeṣṭhaṃ rājānaṃ dharmakovidam / hanyād bhavān naraśreṣṭha prākṛto 'nyaḥ pumān iva / ayudhyamānasya vadhas tathāśastrasya bhārata / parāṅmukhasya dravataḥ śaraṇaṃ vābhigacchataḥ / kṛtāñjaleḥ prapannasya na vadhaḥ pūjyate budhaiḥ

Wie könntest du denn den älteren Bruder, den König, den im Dharma Erfahrenen, töten, du Bester der Männer, wie irgendein gewöhnlicher anderer Mann? Die Tötung eines Nicht-Kämpfenden, ebenso eines Waffenlosen, Bhārata, eines sich Abwendenden, eines Fliehenden, oder eines, der Zuflucht sucht, eines mit gefalteten Händen, eines sich Ergebenden — eine solche Tötung wird von den Weisen nicht gebilligt.

Wort für Wort
sa katham bhrātaram jyeṣṭham
wie könntest du denn den älteren Bruder (Nom. / Adv. / Akk. / Akk.)
rājānam dharmakovidam
den König, den im Dharma Erfahrenen (Akk. / Akk.)
hanyāt bhavān naraśreṣṭha
töten, du Bester der Männer (3.Sg.Opt. / Nom. / Vok.)
prākṛtaḥ anyaḥ pumān iva
wie irgendein gewöhnlicher anderer Mann (Nom. / Nom. / Nom. / Partikel)
ayudhyamānasya vadhaḥ
die Tötung eines Nicht-Kämpfenden (Gen. / Nom.)
tathā aśastrasya bhārata
ebenso eines Waffenlosen, Bhārata (Adv. / Gen. / Vok.)
parāṅmukhasya dravataḥ
eines sich Abwendenden, eines Fliehenden (Gen. / Gen.)
śaraṇam vā abhigacchataḥ
oder eines, der Zuflucht sucht (Akk. / Konj. / Gen.)
kṛtāñjaleḥ prapannasya
eines mit gefalteten Händen, eines sich Ergebenden (Gen. / Gen.)
na vadhaḥ pūjyate budhaiḥ
eine solche Tötung wird von den Weisen nicht gebilligt (Neg. / Nom. / 3.Sg.Präs.Pass. / Instr.Pl.)

**** **** pramattasya tathaiva ca / na vadhaḥ pūjyate sadbhis tac ca sarvaṃ gurau tava / tvayā caiva vrataṃ pārtha bālenaiva kṛtaṃ purā / tasmād adharmasaṃyuktaṃ mauḍhyāt karma vyavasyasi / sa guruṃ pārtha kasmāt tvaṃ hanyā dharmam anusmaran / asaṃpradhārya dharmāṇāṃ gatiṃ sūkṣmāṃ duranvayām

[...] und ebenso eines Unachtsamen: auch dessen Tötung wird von den Guten nicht gebilligt. Und all dies trifft auf deinen Guru zu. Auch dein Gelübde, Pārtha, hast du einst als bloßes Kind abgelegt; darum beschließt du aus Torheit eine mit Unrecht verbundene Tat. Wie könntest du denn, Pārtha, deinen Guru töten, während du dich des Dharma erinnerst, ohne den feinen, schwer zu verfolgenden Gang der Dharma-Regeln erwogen zu haben?

Wort für Wort
pramattasya tathā eva ca
und ebenso eines Unachtsamen (Gen. / Adv. / Partikel / Konj.)
na vadhaḥ pūjyate sadbhiḥ
wird dessen Tötung von den Guten nicht gebilligt (Neg. / Nom. / 3.Sg.Präs.Pass. / Instr.Pl.)
tat ca sarvam gurau tava
und all dies trifft auf deinen Guru zu (Nom. / Konj. / Nom. / Lok. / Gen.)
tvayā ca eva vratam pārtha
auch dein Gelübde, Pārtha (Instr. / Konj. / Partikel / Nom. / Vok.)
bālena eva kṛtam purā
hast du einst als bloßes Kind abgelegt (Instr. / Partikel / Nom. / Adv.)
tasmāt adharmasaṃyuktam
darum eine mit Unrecht verbundene (Abl. / Akk.)
mauḍhyāt karma vyavasyasi
Tat beschließt du aus Torheit (Abl. / Akk. / 2.Sg.Präs.)
sa gurum pārtha kasmāt tvam
wie könntest du denn, Pārtha, deinen Guru (Nom. / Akk. / Vok. / Abl. / Nom.)
hanyāḥ dharmam anusmaran
töten, während du dich des Dharma erinnerst (2.Sg.Opt. / Akk. / Part.Präs.)
asaṃpradhārya dharmāṇām
ohne erwogen zu haben, der Dharma-Regeln (Ger. / Gen.Pl.)
gatim sūkṣmām duranvayām
den feinen, schwer zu verfolgenden Gang (Akk. / Akk. / Akk.)

Die Apparatus-Stelle *0692 enthält zwei textkritisch als '****' markierte, in der Überlieferung unlesbare/verderbte Wörter; sie wurden hier durch eine Auslassungsmarkierung [...] wiedergegeben statt inhaltlich rekonstruiert.

idaṃ dharmarahasyaṃ ca vakṣyāmi bharatarṣabha / yad brūyāt tava bhīṣmo vā dharmajño vā yudhiṣṭhiraḥ / viduro vā tathā kṣattā kuntī vāpi yaśasvinī / kuntī vā bharataśreṣṭha draupadī vā yaśasvinī / tat te vakṣyāmi tattvena tan nibodha dhanaṃjaya

Dieses Geheimnis des Dharma werde ich dir verkünden, Bester der Bharatas — das, was dir Bhīṣma sagen würde, oder der Dharmakundige Yudhiṣṭhira, oder Vidura, der Wagenlenker, oder auch Kuntī, die Ruhmreiche, oder Draupadī, die Ruhmreiche. Das werde ich dir der Wahrheit gemäß verkünden; das vernimm, Dhanañjaya.

Wort für Wort
idam dharmarahasyam ca
dieses Geheimnis des Dharma (Akk. / Akk. / Konj.)
vakṣyāmi bharatarṣabha
werde ich verkünden, Bester der Bharatas (1.Sg.Fut. / Vok.)
yat brūyāt tava bhīṣmaḥ vā
das, was dir Bhīṣma sagen würde, oder (Akk. / 3.Sg.Opt. / Gen. / Nom. / Konj.)
dharmajñaḥ vā yudhiṣṭhiraḥ
der Dharmakundige Yudhiṣṭhira, oder (Nom. / Konj. / Nom.)
viduraḥ vā tathā kṣattā
oder Vidura, ebenso der Wagenlenker (Nom. / Konj. / Adv. / Nom.)
kuntī vā api yaśasvinī
oder auch Kuntī, die Ruhmreiche (Nom. / Konj. / Partikel / Nom.)
bharataśreṣṭha draupadī vā
Bester der Bharatas, oder Draupadī (Vok. / Nom. / Konj.)
yaśasvinī tat te vakṣyāmi
die Ruhmreiche — das werde ich dir verkünden (Nom. / Akk. / Gen. / 1.Sg.Fut.)
tattvena tat nibodha dhanaṃjaya
der Wahrheit gemäß, das vernimm, Dhanañjaya (Instr. / Akk. / Imp. / Vok.)

Apparatus *0693 nennt Kuntī ein zweites Mal (Wiederholung der vorangehenden Zeile); die Doppelnennung wurde zu einer einzigen kohärenten Aufzählung zusammengefasst.

satyasya vacanaṃ sādhu na satyād vidyate param / tattvenaitat sudurjñeyaṃ yasya satyam anuṣṭhitam / bhavet satyam avaktavyaṃ vaktavyam anṛtaṃ bhavet / sarvasvasyāpahāre tu vaktavyam anṛtaṃ bhavet

Das Sprechen der Wahrheit ist gut; nichts steht höher als die Wahrheit. Doch dies ist der Wahrheit gemäß sehr schwer zu erkennen für den, der die Wahrheit befolgt: es kann Wahrheit geben, die nicht gesprochen werden sollte, und Falschheit, die gesprochen werden sollte. Bei der Beraubung des gesamten Besitzes etwa sollte Falschheit gesprochen werden.

Wort für Wort
satyasya vacanam sādhu
das Sprechen der Wahrheit ist gut (Gen. / Nom. / Nom.)
na satyāt vidyate param
nichts steht höher als die Wahrheit (Neg. / Abl. / 3.Sg.Präs.Pass. / Nom.)
tattvena etat sudurjñeyam
doch dies ist der Wahrheit gemäß sehr schwer zu erkennen (Instr. / Nom. / Nom.)
yasya satyam anuṣṭhitam
für den, der die Wahrheit befolgt (Gen. / Nom. / Nom.)
bhavet satyam avaktavyam
es kann Wahrheit geben, die nicht gesprochen werden sollte (3.Sg.Opt. / Nom. / Nom.)
vaktavyam anṛtam bhavet
und Falschheit, die gesprochen werden sollte (Nom. / Nom. / 3.Sg.Opt.)
sarvasvasya apahāre tu
bei der Beraubung des gesamten Besitzes aber (Gen. / Lok. / Partikel)
vaktavyam anṛtam bhavet
sollte Falschheit gesprochen werden (Nom. / Nom. / 3.Sg.Opt.)

prāṇātyaye vivāhe ca vaktavyam anṛtaṃ bhavet / yatrānṛtaṃ bhavet satyaṃ satyaṃ cāpy anṛtaṃ bhavet / vivāhakāle ratisaṃprayoge / prāṇātyaye sarvadhanāpahāre / viprasya cārthe hy anṛtaṃ vadeta / pañcānṛtāny āhur apātakāni

Bei Todesgefahr und bei der Heirat sollte Falschheit gesprochen werden — dort, wo Falschheit gleichsam Wahrheit wäre und Wahrheit gleichsam Falschheit. Zur Zeit der Heirat, bei der Vereinigung der Liebe, bei Todesgefahr, bei der Beraubung allen Besitzes und um eines Brahmanen willen — dort dürfe man Falschheit sprechen. Diese fünf Arten von Falschheit nennt man nicht sündhaft.

Wort für Wort
prāṇātyaye vivāhe ca
bei Todesgefahr und bei der Heirat (Lok. / Lok. / Konj.)
vaktavyam anṛtam bhavet
sollte Falschheit gesprochen werden (Nom. / Nom. / 3.Sg.Opt.)
yatra anṛtam bhavet satyam
dort, wo Falschheit gleichsam Wahrheit wäre (Adv. / Nom. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
satyam ca api anṛtam bhavet
und Wahrheit gleichsam Falschheit (Nom. / Konj. / Partikel / Nom. / 3.Sg.Opt.)
vivāhakāle ratisaṃprayoge
zur Zeit der Heirat, bei der Vereinigung der Liebe (Lok. / Lok.)
prāṇātyaye sarvadhanāpahāre
bei Todesgefahr, bei der Beraubung allen Besitzes (Lok. / Lok.)
viprasya ca arthe hi anṛtam vadeta
und um eines Brahmanen willen dürfe man Falschheit sprechen (Gen. / Konj. / Lok. / Partikel / Akk. / 3.Sg.Opt.)
pañca anṛtāni āhuḥ apātakāni
diese fünf Arten von Falschheit nennt man nicht sündhaft (Nom.Pl. / Nom.Pl. / 3.Pl.Perf. / Nom.Pl.)

tādṛśaṃ paśyate bālo yasya satyam anuṣṭhitam / bhavet satyam avaktavyaṃ na vaktavyam anuṣṭhitam / satyānṛte viniścitya tato bhavati dharmavit / kim āścaryaṃ kṛtaprajñaḥ puruṣo 'pi sudāruṇaḥ / sumahat prāpnuyāt puṇyaṃ balāko 'ndhavadhād iva / kim āścaryaṃ punar mūḍho dharmakāmo 'py apaṇḍitaḥ / sumahat prāpnuyāt pāpam āpagām iva kauśikaḥ

Ein Tor sieht es so, dass für den, der die Wahrheit befolgt, stets Wahrheit sein muss, die man nicht sprechen sollte, statt Nicht-zu-Sprechendem befolgt zu haben. Erst nachdem man Wahrheit und Falschheit recht unterschieden hat, wird man dharmakundig. Was ist es für ein Wunder, dass ein von Erkenntnis erfüllter Mann, mag er auch sehr furchtbar erscheinen, überaus großes Verdienst erlangt, wie Balāka durch die Tötung des Blinden? Was ist es wiederum für ein Wunder, dass ein Verblendeter, der zwar nach Dharma verlangt, doch unweise ist, überaus große Sünde erlangt, wie Kauśika bei den Flüssen?

Wort für Wort
tādṛśam paśyate bālaḥ
ein Tor sieht es so (Akk. / 3.Sg.Präs.Med. / Nom.)
yasya satyam anuṣṭhitam
für den, der die Wahrheit befolgt (Gen. / Nom. / Nom.)
bhavet satyam avaktavyam
muss Wahrheit sein, die man nicht sprechen sollte (3.Sg.Opt. / Nom. / Nom.)
na vaktavyam anuṣṭhitam
statt Nicht-zu-Sprechendem befolgt zu haben (Neg. / Nom. / Nom.)
satyānṛte viniścitya
nachdem man Wahrheit und Falschheit unterschieden hat (Akk.Dual / Ger.)
tataḥ bhavati dharmavit
dann wird man dharmakundig (Adv. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
kim āścaryam kṛtaprajñaḥ
was ist es für ein Wunder, ein von Erkenntnis erfüllter (Nom. / Nom. / Nom.)
puruṣaḥ api sudāruṇaḥ
Mann, mag er auch sehr furchtbar sein (Nom. / Partikel / Nom.)
sumahat prāpnuyāt puṇyam
überaus großes Verdienst erlangt (Akk. / 3.Sg.Opt. / Akk.)
balākaḥ andhavadhāt iva
wie Balāka durch die Tötung des Blinden (Nom. / Abl. / Partikel)
kim āścaryam punaḥ mūḍhaḥ
was ist es wiederum für ein Wunder, ein Verblendeter (Nom. / Nom. / Adv. / Nom.)
dharmakāmaḥ api apaṇḍitaḥ
der nach Dharma verlangt, doch unweise ist (Nom. / Partikel / Nom.)
sumahat prāpnuyāt pāpam
überaus große Sünde erlangt (Akk. / 3.Sg.Opt. / Akk.)
āpagām iva kauśikaḥ
wie Kauśika bei den Flüssen (Akk. / Partikel / Nom.)

arjuna uvāca / ācakṣva bhagavann etad yathā vidyām ahaṃ tathā / balākāndhābhisaṃbaddhaṃ nadīnāṃ kauśikasya ca

„Erkläre mir dies, Verehrter, so, dass ich es verstehe — was mit Balāka und dem Blinden zusammenhängt, und, bei den Flüssen, mit Kauśika.“

Wort für Wort
arjunaḥ uvāca
Arjuna sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
ācakṣva bhagavan etat
erkläre mir dies, Verehrter (Imp. / Vok. / Akk.)
yathā vidyām aham tathā
so, dass ich es verstehe (Adv. / 1.Sg.Opt. / Nom. / Adv.)
balākāndhābhisaṃbaddham
was mit Balāka und dem Blinden zusammenhängt (Akk.)
nadīnām kauśikasya ca
bei den Flüssen, mit Kauśika (Gen.Pl. / Gen. / Konj.)

kṛṣṇa uvāca / mṛgavyādho 'bhavat kaś cid balāko nāma bhārata / yātrārthaṃ putradārasya mṛgān hanti na kāmataḥ

„Es gab einst einen Jäger namens Balāka, Bhārata; um des Unterhalts seiner Kinder und seiner Frau willen tötete er Wild, nicht aus Lust.“

Wort für Wort
kṛṣṇaḥ uvāca
Kṛṣṇa sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
mṛgavyādhaḥ abhavat kaścit
es gab einst einen Jäger (Nom. / 3.Sg.Impf. / Nom.)
balākaḥ nāma bhārata
namens Balāka, Bhārata (Nom. / Adv. / Vok.)
yātrārtham putradārasya
um des Unterhalts seiner Kinder und seiner Frau willen (Akk. / Gen.)
mṛgān hanti na kāmataḥ
tötete er Wild, nicht aus Lust (Akk. / 3.Sg.Präs. / Neg. / Abl.)

so 'ndhau ca mātāpitarau bibharty anyāṃś ca saṃśritān / svadharmanirato nityaṃ satyavāg anasūyakaḥ / sa kadā cin mṛgāṃl lipsur nānvavindat prayatnavān / athāpaśyat sa pītodaṃ śvāpadaṃ ghrāṇacakṣuṣam

Er ernährte seine blinden Eltern und ebenso andere Schutzbefohlene; stets seiner eigenen Pflicht ergeben, wahrhaftig redend, ohne Missgunst. Einst, als er, eifrig bemüht, nach Wild suchte, fand er keines; da erblickte er ein Raubtier, das Wasser trank, das mit der Nase statt mit den Augen wahrnahm.

Wort für Wort
saḥ andhau ca mātāpitarau
er seine blinden Eltern und (Nom. / Akk.Dual / Konj. / Akk.Dual)
bibharti anyān ca saṃśritān
ernährte, und andere Schutzbefohlene (3.Sg.Präs. / Akk.Pl. / Konj. / Akk.Pl.)
svadharmaniratah nityam
stets seiner eigenen Pflicht ergeben (Nom. / Adv.)
satyavāk anasūyakaḥ
wahrhaftig redend, ohne Missgunst (Nom. / Nom.)
sa kadācit mṛgān lipsuḥ
einst, als er nach Wild zu erlangen suchte (Nom. / Adv. / Akk. / Nom.)
na anvavindat prayatnavān
fand er keines, eifrig bemüht (Neg. / 3.Sg.Impf. / Nom.)
atha apaśyat sa pītodam
da erblickte er, das Wasser trank (Adv. / 3.Sg.Impf. / Nom. / Akk.)
śvāpadam ghrāṇacakṣuṣam
ein Raubtier, das mit der Nase als Auge wahrnahm (Akk. / Akk.)

'ghrāṇacakṣuṣam' (wörtlich 'mit der Nase als Auge') beschreibt ein Wesen, das mittels des Geruchssinns statt des Sehsinns wahrnimmt — im Kontext ein blindes bzw. sich blind orientierendes Wesen.

adṛṣṭapūrvam api tat sattvaṃ tena hataṃ tadā / anv eva ca tato vyomnaḥ puṣpavarṣam avāpatat / apsarogītavāditrair nāditaṃ ca manoramam / vimānam āgamat svargān mṛgavyādhaninīṣayā / tad bhūtaṃ sarvabhūtānām abhāvāya kilārjuna / tapas taptvā varaṃ prāptaṃ kṛtam andhaṃ svayaṃbhuvā / tad dhatvā sarvabhūtānām abhāvakṛtaniścayam / tato balākaḥ svaragād evaṃ dharmaḥ sudurvidaḥ

Jenes nie zuvor gesehene Wesen wurde von ihm sogleich getötet. Und unmittelbar danach fiel vom Himmel ein Blütenregen; und ein von Apsaras-Gesang und Musikinstrumenten ertöntes, entzückendes Himmelsgefährt kam vom Himmel herab, um den Jäger zu geleiten. Jenes Wesen war nämlich, Arjuna, zum Verderben aller Geschöpfe bestimmt; durch Askese hatte es einst einen Gnadenlohn erlangt und war vom Selbstentstandenen blind gemacht worden. Da er es tötete, das den Untergang aller Geschöpfe beschlossen hatte, gelangte Balāka geradewegs zum Himmel — so schwer zu durchschauen ist der Dharma.

Wort für Wort
adṛṣṭapūrvam api tat sattvam
jenes nie zuvor gesehene Wesen (Akk. / Partikel / Akk. / Akk.)
tena hatam tadā
wurde von ihm sogleich getötet (Instr. / Nom. / Adv.)
anu eva ca tataḥ vyomnaḥ
und unmittelbar danach vom Himmel (Adv. / Partikel / Konj. / Adv. / Abl.)
puṣpavarṣam avāpatat
fiel ein Blütenregen (Nom. / 3.Sg.Impf.)
apsarogītavāditraiḥ nāditam
von Apsaras-Gesang und Musikinstrumenten ertönt (Instr. / Nom.)
ca manoramam
und entzückend (Konj. / Nom.)
vimānam āgamat svargāt
ein Himmelsgefährt kam vom Himmel herab (Nom. / 3.Sg.Impf. / Abl.)
mṛgavyādhaninīṣayā
um den Jäger zu geleiten (Instr.)
tat bhūtam sarvabhūtānām
jenes Wesen war für alle Geschöpfe (Nom. / Nom. / Gen.Pl.)
abhāvāya kila arjuna
zum Verderben nämlich, Arjuna (Dat. / Partikel / Vok.)
tapaḥ taptvā varam prāptam
durch Askese hatte es einen Gnadenlohn erlangt (Akk. / Ger. / Akk. / Nom.)
kṛtam andham svayaṃbhuvā
und war blind gemacht worden vom Selbstentstandenen (Nom. / Nom. / Instr.)
tat hatvā sarvabhūtānām
da er es tötete, aller Geschöpfe (Akk. / Ger. / Gen.Pl.)
abhāvakṛtaniścayam
das den Untergang beschlossen hatte (Akk.)
tataḥ balākaḥ svaragāt
da gelangte Balāka geradewegs zum Himmel (Adv. / Nom. / 3.Sg.Impf.)
evam dharmaḥ sudurvidaḥ
so schwer zu durchschauen ist der Dharma (Adv. / Nom. / Nom.)

kauśiko 'py abhavad vipras tapasvī na bahuśrutaḥ / nadīnāṃ saṃgame grāmād adūre sa kilāvasat / satyaṃ mayā sadā vācyam iti tasyābhavad vratam / satyavādīti vikhyātaḥ sa tadāsīd dhanaṃjaya / atha dasyubhayāt ke cit tadā tad vanam āviśan / dasyavo 'pi gatāḥ krūrā vyamārganta prayatnataḥ / atha kauśikam abhyetya prāhus taṃ satyavādinam / katamena pathā yātā bhagavan bahavo janāḥ / satyena pṛṣṭaḥ prabrūhi yadi tān vettha śaṃsa naḥ

Auch Kauśika war ein Brahmane, ein Asket, doch nicht sehr gelehrt; er wohnte, wie es heißt, am Zusammenfluss von Flüssen, unweit eines Dorfes. ‚Stets soll von mir Wahrheit gesprochen werden‘ — dies war sein Gelübde; als ‚Wahrheitssprecher‘ war er damals bekannt, Dhanañjaya. Da flohen einst aus Furcht vor Räubern einige Leute in jenen Wald; und die grausamen Räuber, die ihnen ebenfalls gefolgt waren, suchten eifrig nach ihnen. Da traten sie an Kauśika heran und sprachen zu jenem Wahrheitssprecher: ‚Auf welchem Weg sind, Verehrter, die vielen Leute gegangen? Bei der Wahrheit gefragt, sage es uns — wenn du sie kennst, verkünde es uns.‘

Wort für Wort
kauśikaḥ api abhavat vipraḥ
auch Kauśika war ein Brahmane (Nom. / Partikel / 3.Sg.Impf. / Nom.)
tapasvī na bahuśrutaḥ
ein Asket, doch nicht sehr gelehrt (Nom. / Neg. / Nom.)
nadīnām saṃgame grāmāt adūre
am Zusammenfluss von Flüssen, unweit eines Dorfes (Gen.Pl. / Lok. / Abl. / Adv.)
sa kila avasat
er wohnte, wie es heißt (Nom. / Partikel / 3.Sg.Impf.)
satyam mayā sadā vācyam
stets soll von mir Wahrheit gesprochen werden (Nom. / Instr. / Adv. / Nom.)
iti tasya abhavat vratam
dies war sein Gelübde (Zitatpartikel / Gen. / 3.Sg.Impf. / Nom.)
satyavādī iti vikhyātaḥ
als 'Wahrheitssprecher' bekannt (Nom. / Zitatpartikel / Nom.)
sa tadā āsīt dhanaṃjaya
war er damals, Dhanañjaya (Nom. / Adv. / 3.Sg.Impf. / Vok.)
atha dasyubhayāt ke cit
da aus Furcht vor Räubern einige (Adv. / Abl. / Nom.Pl.)
tadā tat vanam āviśan
flohen damals in jenen Wald (Adv. / Akk. / Akk. / 3.Pl.Impf.)
dasyavaḥ api gatāḥ krūrāḥ
und die grausamen Räuber, die gefolgt waren (Nom.Pl. / Partikel / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
vyamārganta prayatnataḥ
suchten eifrig (3.Pl.Impf.Med. / Adv.)
atha kauśikam abhyetya
da traten sie an Kauśika heran (Adv. / Akk. / Ger.)
prāhuḥ tam satyavādinam
und sprachen zu jenem Wahrheitssprecher (3.Pl.Perf. / Akk. / Akk.)
katamena pathā yātāḥ
auf welchem Weg sind gegangen (Instr. / Instr. / Nom.Pl.)
bhagavan bahavaḥ janāḥ
Verehrter, die vielen Leute (Vok. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
satyena pṛṣṭaḥ prabrūhi
bei der Wahrheit gefragt, sage es (Instr. / Nom. / Imp.)
yadi tān vettha śaṃsa naḥ
wenn du sie kennst, verkünde es uns (Konj. / Akk.Pl. / 2.Sg.Perf. / Imp. / Dat.)

sa pṛṣṭaḥ kauśikaḥ satyaṃ vacanaṃ tān uvāca ha / satyasya tv avibhāgajñaḥ satyaṃ tebhyaḥ śaśaṃsa saḥ / bahuvṛkṣalatāgulmam etad vanam upāśritāḥ / iti tān khyāpayām āsa sa tebhyaḥ pārtha kauśikaḥ / tatas te tān samāsādya krūrā jaghnur iti śrutiḥ / tenādharmeṇa mahatā vāgduruktena kauśikaḥ / gataḥ sukaṣṭaṃ narakaṃ sūkṣmadharmeṣv akovidaḥ / aprabhūtaśruto mūḍho dharmāṇām avibhāgavit

So gefragt, sprach Kauśika zu ihnen ein wahres Wort; denn er, unkundig der Unterscheidung, verkündete ihnen die Wahrheit: ‚In diesem an Bäumen, Schlingpflanzen und Gebüsch reichen Wald haben sie Zuflucht gesucht‘ — so gab, Pārtha, Kauśika es ihnen kund. Darauf, so heißt es, fanden jene Grausamen sie auf und erschlugen sie. Durch jenes große Unrecht, durch die schlimme Missrede, ging Kauśika, unkundig der feinen Dharma-Regeln, in eine überaus schmerzliche Hölle ein — ein Verblendeter, nicht sehr gelehrt, unkundig der Unterscheidung des Dharma.

Wort für Wort
sa pṛṣṭaḥ kauśikaḥ satyam
so gefragt, sprach Kauśika ein wahres (Nom. / Nom. / Nom. / Akk.)
vacanam tān uvāca ha
Wort zu ihnen (Akk. / Akk.Pl. / 3.Sg.Perf. / Partikel)
satyasya tu avibhāgajñaḥ
denn er, unkundig der Unterscheidung der Wahrheit (Gen. / Partikel / Nom.)
satyam tebhyaḥ śaśaṃsa saḥ
verkündete ihnen die Wahrheit, er (Akk. / Dat.Pl. / 3.Sg.Perf. / Nom.)
bahuvṛkṣalatāgulmam etat vanam
in diesem an Bäumen, Schlingpflanzen, Gebüsch reichen Wald (Akk. / Akk.)
upāśritāḥ iti tān
haben sie Zuflucht gesucht — so, sie (Nom.Pl. / Zitatpartikel / Akk.Pl.)
khyāpayām āsa sa tebhyaḥ
gab er es ihnen kund (3.Sg.Perf. / Nom. / Dat.Pl.)
pārtha kauśikaḥ
Pārtha, Kauśika (Vok. / Nom.)
tataḥ te tān samāsādya
darauf, jene sie aufgefunden habend (Adv. / Nom.Pl. / Akk.Pl. / Ger.)
krūrāḥ jaghnuḥ iti śrutiḥ
erschlugen die Grausamen, so heißt es (Nom.Pl. / 3.Pl.Perf. / Zitatpartikel / Nom.)
tena adharmeṇa mahatā
durch jenes große Unrecht (Instr. / Instr. / Instr.)
vāgduruktena kauśikaḥ
durch die schlimme Missrede, Kauśika (Instr. / Nom.)
gataḥ sukaṣṭam narakam
ging in eine überaus schmerzliche Hölle ein (Nom. / Akk. / Akk.)
sūkṣmadharmeṣu akovidaḥ
unkundig der feinen Dharma-Regeln (Lok. / Nom.)
aprabhūtaśrutaḥ mūḍhaḥ
nicht sehr gelehrt, verblendet (Nom. / Nom.)
dharmāṇām avibhāgavit
unkundig der Unterscheidung des Dharma (Gen.Pl. / Nom.)

vṛddhān apṛṣṭvā saṃdehaṃ mahac chvabhram ito 'rhati / tatra te lakṣaṇoddeśaḥ kaś cid eva bhaviṣyati / duṣkaraṃ paramajñānaṃ tarkeṇātra vyavasyati / śrutir dharma iti hy eke vadanti bahavo janāḥ

Wer bei Zweifel die Alten nicht befragt, verdient dafür eine tiefe Hölle. Darin liegt für dich eine gewisse Kennzeichnung der Lehre. Höchste Erkenntnis ist schwer zu erlangen; man entscheidet hier durch bloße Vernunftschlüsse. Manche, viele Leute, sagen: ‚Die Śruti allein ist der Dharma.‘

Wort für Wort
vṛddhān apṛṣṭvā saṃdeham
wer bei Zweifel die Alten nicht befragt (Akk.Pl. / Ger. / Akk.)
mahat śvabhram itaḥ arhati
verdient dafür eine tiefe Hölle (Akk. / Akk. / Adv. / 3.Sg.Präs.)
tatra te lakṣaṇoddeśaḥ
darin liegt für dich eine Kennzeichnung (Adv. / Gen. / Nom.)
kaścit eva bhaviṣyati
eine gewisse wird es sein (Nom. / Partikel / 3.Sg.Fut.)
duṣkaram paramajñānam
höchste Erkenntnis ist schwer zu erlangen (Nom. / Nom.)
tarkeṇa atra vyavasyati
man entscheidet hier durch bloße Vernunftschlüsse (Instr. / Adv. / 3.Sg.Präs.)
śrutiḥ dharmaḥ iti hi eke
die Śruti allein ist der Dharma, sagen manche (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Partikel / Nom.Pl.)
vadanti bahavaḥ janāḥ
sagen viele Leute (3.Pl.Präs. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)

na tv etat pratisūyāmi na hi sarvaṃ vidhīyate / śrutir dhāryeyam ity eke vadanti bahavo janāḥ / na tān pārthābhyasūyāmi na ca sarvatra śiṣyati / smṛtir dhāryā iti tv eke vadanti bahavo janāḥ / na tu tān pratyasūyāmi nātra sarvaṃ vidhīyate

Doch dem widerspreche ich nicht; freilich wird nicht alles darin vorgeschrieben. ‚Diese Śruti soll bewahrt werden‘ — so sagen manche, viele Leute; denen grolle ich nicht, Pārtha, doch auch nicht überall reicht sie hin. ‚Die Smṛti soll bewahrt werden‘ — so sagen wiederum manche, viele Leute; auch ihnen grolle ich nicht, doch wird auch hierin nicht alles vorgeschrieben.

Wort für Wort
na tu etat pratisūyāmi
doch dem widerspreche ich nicht (Neg. / Partikel / Akk. / 1.Sg.Präs.)
na hi sarvam vidhīyate
freilich wird nicht alles vorgeschrieben (Neg. / Partikel / Nom. / 3.Sg.Präs.Pass.)
śrutiḥ dhāryā iyam iti eke
diese Śruti soll bewahrt werden — so manche (Nom. / Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Nom.Pl.)
vadanti bahavaḥ janāḥ
sagen viele Leute (3.Pl.Präs. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
na tān pārtha abhyasūyāmi
denen grolle ich nicht, Pārtha (Neg. / Akk.Pl. / Vok. / 1.Sg.Präs.)
na ca sarvatra śiṣyati
doch auch nicht überall reicht sie hin (Neg. / Konj. / Adv. / 3.Sg.Präs.)
smṛtiḥ dhāryā iti tu eke
die Smṛti soll bewahrt werden — so wiederum manche (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Partikel / Nom.Pl.)
vadanti bahavaḥ janāḥ
sagen viele Leute (3.Pl.Präs. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
na tu tān pratyasūyāmi
auch ihnen grolle ich nicht (Neg. / Partikel / Akk.Pl. / 1.Sg.Präs.)
na atra sarvam vidhīyate
doch wird auch hierin nicht alles vorgeschrieben (Neg. / Adv. / Nom. / 3.Sg.Präs.Pass.)

prabhavārthāya bhūtānāṃ dharmapravacanaṃ kṛtam / evaṃvidhā gatir vīra dharmasyātīva durdṛśā / vidyāśīlavayovṛddhān anupāsyānadhītya vā / manvādīnāṃ tu kṛtsnaṃ vai ko dharmaṃ vaktum arhati / adharmād eva bhavati dharme 'pi ca mahān yathā / vyādhakauśikayor yadvad dharmādharmaviruddhayoḥ

Zum Gedeihen der Wesen wurde die Verkündigung des Dharma geschaffen; so beschaffen, Held, ist der Gang des Dharma, überaus schwer zu erkennen. Ohne die an Wissen, Charakter und Alter Erfahrenen aufgesucht oder ohne ihre Lehre studiert zu haben, wer wäre imstande, den ganzen Dharma des Manu und der anderen Gesetzgeber zu verkünden? Wie sogar aus Unrecht, so kann auch aus Dharma etwas Großes entstehen — wie es bei dem Jäger und bei Kauśika der Fall war, bei jenen beiden, deren Handeln Dharma und Adharma widersprach.

Wort für Wort
prabhavārthāya bhūtānām
zum Gedeihen der Wesen (Dat. / Gen.Pl.)
dharmapravacanam kṛtam
wurde die Verkündigung des Dharma geschaffen (Nom. / Nom.)
evaṃvidhā gatiḥ vīra
so beschaffen ist der Gang, Held (Nom. / Nom. / Vok.)
dharmasya atīva durdṛśā
des Dharma, überaus schwer zu erkennen (Gen. / Adv. / Nom.)
vidyāśīlavayovṛddhān anupāsya
ohne die an Wissen, Charakter, Alter Erfahrenen aufgesucht zu haben (Akk.Pl. / Ger.)
anadhītya vā
oder ohne studiert zu haben (Ger. / Konj.)
manvādīnām tu kṛtsnam vai
den ganzen Dharma des Manu und der anderen (Gen.Pl. / Partikel / Akk. / Partikel)
kaḥ dharmam vaktum arhati
wer wäre imstande, den Dharma zu verkünden (Nom. / Akk. / Inf. / 3.Sg.Präs.)
adharmāt eva bhavati
wie sogar aus Unrecht entsteht (Abl. / Partikel / 3.Sg.Präs.)
dharme api ca mahān yathā
so kann auch aus Dharma etwas Großes, wie (Lok. / Partikel / Konj. / Nom. / Adv.)
vyādhakauśikayoḥ yadvat
wie bei dem Jäger und bei Kauśika (Gen.Dual / Adv.)
dharmādharmaviruddhayoḥ
bei jenen beiden, deren Handeln Dharma und Adharma widersprach (Gen.Dual)

vedo mūlaṃ hi dharmāṇām iti santo yad abruvan / jijñāsate hi vidyānāṃ sādhanāny eva tattvavit / vedaṃ brāhmaṇam āsādya puṇyapāpe paraṃtapa / sa tu vetti paraṃ dharmam ahiṃsāṃ vetti bhārata / yat syād ahiṃsāsaṃyuktaṃ sa dharma iti niścayaḥ / ahiṃsārthāya bhūtānāṃ dharmapravacanaṃ kṛtam

„Der Veda ist die Wurzel der Dharma-Regeln“ — dies haben die Guten gesagt. Denn wer die Wahrheit kennt, erforscht die Mittel des Wissens, indem er sich an den Veda und den Brahmanen hält, in Bezug auf Verdienst und Sünde, o Bezwinger der Feinde. Er allein kennt den höchsten Dharma, er kennt die Gewaltlosigkeit, Bhārata. Was mit Gewaltlosigkeit verbunden ist, das ist Dharma — so lautet die Entscheidung. Um der Gewaltlosigkeit der Wesen willen wurde die Verkündigung des Dharma geschaffen.

Wort für Wort
vedaḥ mūlam hi dharmāṇām
der Veda ist die Wurzel der Dharma-Regeln (Nom. / Nom. / Partikel / Gen.Pl.)
iti santaḥ yat abruvan
so haben die Guten gesagt (Zitatpartikel / Nom.Pl. / Akk. / 3.Pl.Impf.)
jijñāsate hi vidyānām
denn er erforscht die Mittel des Wissens (3.Sg.Präs.Med. / Partikel / Gen.Pl.)
sādhanāni eva tattvavit
die Mittel eben, wer die Wahrheit kennt (Akk.Pl. / Partikel / Nom.)
vedam brāhmaṇam āsādya
indem er sich an den Veda und den Brahmanen hält (Akk. / Akk. / Ger.)
puṇyapāpe paraṃtapa
in Bezug auf Verdienst und Sünde, Bezwinger der Feinde (Lok. / Vok.)
sa tu vetti param dharmam
er allein kennt den höchsten Dharma (Nom. / Partikel / 3.Sg.Präs. / Akk. / Akk.)
ahiṃsām vetti bhārata
er kennt die Gewaltlosigkeit, Bhārata (Akk. / 3.Sg.Präs. / Vok.)
yat syāt ahiṃsāsaṃyuktam
was mit Gewaltlosigkeit verbunden ist (Nom. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
sa dharmaḥ iti niścayaḥ
das ist Dharma — so lautet die Entscheidung (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Nom.)
ahiṃsārthāya bhūtānām
um der Gewaltlosigkeit der Wesen willen (Dat. / Gen.Pl.)
dharmapravacanam kṛtam
wurde die Verkündigung des Dharma geschaffen (Nom. / Nom.)

dhāraṇād dharmam ity āhur dharmo dhārayati prajāḥ / yaḥ syād dhāraṇasaṃyuktaḥ sa dharma iti niścayaḥ

Von 'dhāraṇa' [Halten, Tragen] her nennt man es Dharma; der Dharma trägt die Geschöpfe. Was mit dem Tragen/Erhalten verbunden ist, das ist Dharma — so lautet die Entscheidung.

Wort für Wort
dhāraṇāt dharmam iti āhuḥ
von 'dhāraṇa' her nennt man es Dharma (Abl. / Akk. / Zitatpartikel / 3.Pl.Perf.)
dharmaḥ dhārayati prajāḥ
der Dharma trägt die Geschöpfe (Nom. / 3.Sg.Präs. / Akk.Pl.)
yaḥ syāt dhāraṇasaṃyuktaḥ
was mit dem Tragen verbunden ist (Nom. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
sa dharmaḥ iti niścayaḥ
das ist Dharma — so lautet die Entscheidung (Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Nom.)

ye 'nyāyena jihīrṣanto janā icchanti karhi cit / akūjanena cen mokṣo nātra kūjet kathaṃ cana / avaśyaṃ kūjitavyaṃ vā śaṅkeran vāpy akūjataḥ / śreyas tatrānṛtaṃ vaktuṃ satyād iti vicāritam

Wenn Leute, die auf ungerechte Weise etwas rauben wollen, jemals eine Auskunft verlangen, und wenn durch Schweigen Befreiung von dieser Pflicht möglich wäre, sollte man dort auf keine Weise sprechen. Sollte man notwendig sprechen müssen, oder sollten sie bei Schweigen Verdacht schöpfen — so ist es besser, dort Falschheit zu sprechen als Wahrheit; so ist es wohlerwogen.

Wort für Wort
ye anyāyena jihīrṣantaḥ
die auf ungerechte Weise rauben wollen (Nom.Pl. / Instr. / Nom.Pl.)
janāḥ icchanti karhicit
Leute, die jemals verlangen (Nom.Pl. / 3.Pl.Präs. / Adv.)
akūjanena cet mokṣaḥ
wenn durch Schweigen Befreiung (Instr. / Konj. / Nom.)
na atra kūjet kathaṃcana
sollte man dort auf keine Weise sprechen (Neg. / Adv. / 3.Sg.Opt. / Adv.)
avaśyam kūjitavyam vā
sollte man notwendig sprechen müssen, oder (Adv. / Nom. / Konj.)
śaṅkeran vā api akūjataḥ
oder sollten sie bei Schweigen Verdacht schöpfen (3.Pl.Opt. / Konj. / Partikel / Gen.)
śreyaḥ tatra anṛtam vaktum
besser ist es, dort Falschheit zu sprechen (Nom. / Adv. / Akk. / Inf.)
satyāt iti vicāritam
als Wahrheit — so ist es wohlerwogen (Abl. / Zitatpartikel / Nom.)

yaḥ kāryebhyo vrataṃ kṛtvā karmaṇā nopapādayet / na tat phalam avāpnoti evam āhur manīṣiṇaḥ / satye sati na pāpebhyo dhanaṃ deyaṃ kadā cana

Wer, nachdem er im Hinblick auf zu erfüllende Pflichten ein Gelübde abgelegt hat, es nicht durch Tat einlöst, erlangt dessen Frucht nicht — so sagen die Weisen. Auch wenn es der Wahrheit entspräche, sollte man den Bösen niemals Reichtum geben.

Wort für Wort
yaḥ kāryebhyaḥ vratam kṛtvā
wer im Hinblick auf zu erfüllende Pflichten ein Gelübde abgelegt hat (Nom. / Dat.Pl. / Akk. / Ger.)
karmaṇā na upapādayet
es nicht durch Tat einlöst (Instr. / Neg. / 3.Sg.Opt.)
na tat phalam avāpnoti
erlangt dessen Frucht nicht (Neg. / Akk. / Akk. / 3.Sg.Präs.)
evam āhuḥ manīṣiṇaḥ
so sagen die Weisen (Adv. / 3.Pl.Perf. / Nom.Pl.)
satye sati na pāpebhyaḥ
auch wenn es der Wahrheit entspräche, den Bösen nicht (Lok. / Lok. / Neg. / Dat.Pl.)
dhanam deyam kadācana
sollte Reichtum gegeben werden, niemals (Nom. / Nom. / Adv.)

prāṇātyaye vivāhe vā sarvajñātidhanakṣaye / narmaṇy abhipravṛtte vā pravaktavyaṃ mṛṣā bhavet / adharmaṃ nātra paśyanti dharmatattvārthadarśinaḥ / sarvadā hi vadet tat tu nānṛtaḥ syād vicakṣaṇaḥ

Bei Todesgefahr oder bei einer Heirat, oder beim Verlust allen Besitzes aller Verwandten, oder wenn ein Scherz im Gange ist — dort dürfe Falschheit gesprochen werden. Kein Unrecht sehen darin die, die den Sinn der Dharma-Wahrheit erschauen. Freilich sollte man stets so sprechen, dass ein Kluger nicht als Lügner gelten würde.

Wort für Wort
prāṇātyaye vivāhe vā
bei Todesgefahr oder bei einer Heirat (Lok. / Lok. / Konj.)
sarvajñātidhanakṣaye
beim Verlust allen Besitzes aller Verwandten (Lok.)
narmaṇi abhipravṛtte vā
oder wenn ein Scherz im Gange ist (Lok. / Lok. / Konj.)
pravaktavyam mṛṣā bhavet
dort dürfe Falschheit gesprochen werden (Nom. / Adv. / 3.Sg.Opt.)
adharmam na atra paśyanti
kein Unrecht sehen sie darin (Akk. / Neg. / Adv. / 3.Pl.Präs.)
dharmatattvārthadarśinaḥ
die den Sinn der Dharma-Wahrheit erschauen (Nom.Pl.)
sarvadā hi vadet tat tu
freilich sollte man stets so sprechen (Adv. / Partikel / 3.Sg.Opt. / Akk. / Partikel)
na anṛtaḥ syāt vicakṣaṇaḥ
dass ein Kluger nicht als Lügner gelten würde (Neg. / Nom. / 3.Sg.Opt. / Nom.)

yaḥ stenaiḥ saha saṃbandhān mucyate śapathair api / śreyas tatrānṛtaṃ vaktuṃ tat satyam avicāritam / na ca tebhyo dhanaṃ deyaṃ śakye sati kathaṃ cana / pāpebhyo hi dhanaṃ dattaṃ dātāram api pīḍayet / tasmād dharmārtham anṛtam uktvā nānṛtavāg bhavet / eṣa te lakṣaṇoddeśaḥ samuddiṣṭo yathāvidhi / yathādharmaṃ yathābuddhi mayā pārthārthitas tava / etac chrutvā brūhi pārtha yadi vadhyo yudhiṣṭhiraḥ

Wer sich durch einen Eid von einer Verbindung mit Dieben löst — dort ist es besser, Falschheit zu sprechen; jenes gilt als Wahrheit, unbedenklich. Und man sollte den Bösen niemals Reichtum geben, wenn es irgend möglich ist; denn Reichtum, der den Bösen gegeben wird, quält auch den Geber. Darum wird, wer um des Dharma willen Falschheit gesprochen hat, nicht zum Lügner. Dies ist die dir vorgetragene Kennzeichnung der Lehre, vorschriftsgemäß dargelegt, so, wie es dem Dharma entspricht, nach meinem Verständnis, auf deine Bitte hin, Pārtha. Nachdem du dies gehört hast, sage mir, Pārtha, ob Yudhiṣṭhira zu töten ist.

Wort für Wort
yaḥ stenaiḥ saha saṃbandhān
wer sich von einer Verbindung mit Dieben (Nom. / Instr.Pl. / Adv. / Akk.Pl.)
mucyate śapathaiḥ api
löst durch einen Eid (3.Sg.Präs.Pass. / Instr.Pl. / Partikel)
śreyaḥ tatra anṛtam vaktum
dort ist es besser, Falschheit zu sprechen (Nom. / Adv. / Akk. / Inf.)
tat satyam avicāritam
jenes gilt als Wahrheit, unbedenklich (Nom. / Nom. / Nom.)
na ca tebhyaḥ dhanam deyam
und man sollte ihnen niemals Reichtum geben (Neg. / Konj. / Dat.Pl. / Nom. / Nom.)
śakye sati kathaṃcana
wenn es irgend möglich ist (Lok. / Lok. / Adv.)
pāpebhyaḥ hi dhanam dattam
denn Reichtum, der den Bösen gegeben wird (Dat.Pl. / Partikel / Nom. / Nom.)
dātāram api pīḍayet
quält auch den Geber (Akk. / Partikel / 3.Sg.Opt.)
tasmāt dharmārtham anṛtam uktvā
darum, wer um des Dharma willen Falschheit gesprochen hat (Abl. / Akk. / Akk. / Ger.)
na anṛtavāk bhavet
wird nicht zum Lügner (Neg. / Nom. / 3.Sg.Opt.)
eṣa te lakṣaṇoddeśaḥ
dies ist die dir vorgetragene Kennzeichnung (Nom. / Gen. / Nom.)
samuddiṣṭaḥ yathāvidhi
vorschriftsgemäß dargelegt (Nom. / Adv.)
yathādharmam yathābuddhi mayā
so wie es dem Dharma entspricht, nach meinem Verständnis (Adv. / Adv. / Instr.)
pārtha arthitaḥ tava
Pārtha, auf deine Bitte hin (Vok. / Nom. / Gen.)
etat śrutvā brūhi pārtha
nachdem du dies gehört hast, sage mir, Pārtha (Akk. / Ger. / Imp. / Vok.)
yadi vadhyaḥ yudhiṣṭhiraḥ
ob Yudhiṣṭhira zu töten ist (Konj. / Nom. / Nom.)

arjuna uvāca / yathā brūyān mahāprājño yathā brūyān mahāmatiḥ / hitaṃ caiva yathāsmākaṃ tathaitad vacanaṃ tava / bhavān mātṛsamo 'smākaṃ tathā pitṛsamo 'pi ca / gatiś ca paramā kṛṣṇa tena te vākyam adbhutam / na hi te triṣu lokeṣu vidyate 'viditaṃ kva cit / tasmād bhavān paraṃ dharmaṃ veda sarvaṃ yathātatham / avadhyaṃ pāṇḍavaṃ manye dharmarājaṃ yudhiṣṭhiram / tasmin samayasaṃyoge brūhi kiṃ cid anugraham

„So wie ein überaus Weiser sprechen würde, so wie ein Großgesinnter sprechen würde, und ebenso zu unserem Heil — so ist dieses dein Wort. Du bist uns wie eine Mutter, und ebenso wie ein Vater; und du bist die höchste Zuflucht, Kṛṣṇa; darum ist dein Wort wunderbar. Denn dir ist in den drei Welten nirgends etwas Unbekanntes; darum kennst du den höchsten Dharma, alles, so wie es wirklich ist. Ich halte den Pāṇḍava, den Dharma-König Yudhiṣṭhira, für nicht zu töten. In dieser Zwangslage nenne mir eine Art von Gnade.“

Wort für Wort
arjunaḥ uvāca
Arjuna sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
yathā brūyāt mahāprājñaḥ
so wie ein überaus Weiser sprechen würde (Adv. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
yathā brūyāt mahāmatiḥ
so wie ein Großgesinnter sprechen würde (Adv. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
hitam ca eva yathā asmākam
und ebenso zu unserem Heil (Nom. / Konj. / Partikel / Adv. / Gen.Pl.)
tathā etat vacanam tava
so ist dieses dein Wort (Adv. / Nom. / Nom. / Gen.)
bhavān mātṛsamaḥ asmākam
du bist uns wie eine Mutter (Nom. / Nom. / Gen.Pl.)
tathā pitṛsamaḥ api ca
und ebenso wie ein Vater (Adv. / Nom. / Partikel / Konj.)
gatiḥ ca paramā kṛṣṇa
und die höchste Zuflucht, Kṛṣṇa (Nom. / Konj. / Nom. / Vok.)
tena te vākyam adbhutam
darum ist dein Wort wunderbar (Instr. / Gen. / Nom. / Nom.)
na hi te triṣu lokeṣu
denn dir ist in den drei Welten nicht (Neg. / Partikel / Gen. / Lok.Pl. / Lok.Pl.)
vidyate aviditam kvacit
irgendetwas Unbekanntes vorhanden (3.Sg.Präs.Pass. / Nom. / Adv.)
tasmāt bhavān param dharmam
darum kennst du den höchsten Dharma (Abl. / Nom. / Akk. / Akk.)
veda sarvam yathātatham
kennst alles, so wie es wirklich ist (2.Sg.Perf. / Akk. / Adv.)
avadhyam pāṇḍavam manye
ich halte den Pāṇḍava für nicht zu töten (Akk. / Akk. / 1.Sg.Präs.)
dharmarājam yudhiṣṭhiram
den Dharma-König Yudhiṣṭhira (Akk. / Akk.)
tasmin samayasaṃyoge
in dieser Zwangslage (Lok. / Lok.)
brūhi kiṃcit anugraham
nenne mir eine Art von Gnade (Imp. / Akk. / Akk.)

idaṃ cāparam atraiva śṛṇu hṛtsthaṃ vivakṣitam / jānāsi dāśārha mama vrataṃ tvaṃ; yo māṃ brūyāt kaś cana mānuṣeṣu / anyasmai tvaṃ gāṇḍivaṃ dehi pārtha; yas tvatto 'strair bhavitā vā viśiṣṭaḥ / hanyām ahaṃ keśava taṃ prasahya; bhīmo hanyāt tūbaraketi coktaḥ / tan me rājā proktavāṃs te samakṣaṃ; dhanur dehīty asakṛd vṛṣṇisiṃha

„Und höre hierbei noch etwas anderes, das mir am Herzen liegt und das ich aussprechen möchte. Du kennst, Dāśārha, mein Gelübde: wer immer unter den Menschen zu mir sagen sollte: ‚Gib den Gāṇḍīva einem anderen, Pārtha — einem, der an Waffenkunst dir überlegen sein wird‘ — den würde ich mit Gewalt töten, Keśava. Und Bhīma hat geschworen, den Verleumder zu erschlagen — so wurde gesagt. Eben dies hat mir der König in deiner Gegenwart gesagt: ‚Gib mir den Bogen!‘ — wiederholt, Löwe der Vṛṣṇis.“

Wort für Wort
idam ca aparam atra eva
und höre hierbei noch etwas anderes (Akk. / Konj. / Akk. / Adv. / Partikel)
śṛṇu hṛtstham vivakṣitam
das mir am Herzen liegt und das ich aussprechen möchte (Imp. / Akk. / Akk.)
jānāsi dāśārha mama vratam tvam
du kennst, Dāśārha, mein Gelübde (2.Sg.Präs. / Vok. / Gen. / Akk. / Nom.)
yaḥ mām brūyāt kaścana mānuṣeṣu
wer immer unter den Menschen zu mir sagen sollte (Nom. / Akk. / 3.Sg.Opt. / Nom. / Lok.Pl.)
anyasmai tvam gāṇḍivam dehi pārtha
gib den Gāṇḍīva einem anderen, Pārtha (Dat. / Nom. / Akk. / Imp. / Vok.)
yaḥ tvattaḥ astraiḥ bhavitā vā viśiṣṭaḥ
einem, der an Waffenkunst dir überlegen sein wird (Nom. / Abl. / Instr.Pl. / 3.Sg.Fut. / Konj. / Nom.)
hanyām aham keśava tam prasahya
den würde ich mit Gewalt töten, Keśava (1.Sg.Opt. / Nom. / Vok. / Akk. / Adv.)
bhīmaḥ hanyāt tūbarakam iti ca uktaḥ
und Bhīma: ich werde den Verleumder erschlagen — so wurde gesagt (Nom. / 3.Sg.Opt. / Akk. / Zitatpartikel / Konj. / Nom.)
tat me rājā proktavān te samakṣam
eben dies hat mir der König in deiner Gegenwart gesagt (Akk. / Dat. / Nom. / Nom. / Gen. / Adv.)
dhanuḥ dehi iti asakṛt vṛṣṇisiṃha
gib mir den Bogen — wiederholt, Löwe der Vṛṣṇis (Akk. / Imp. / Zitatpartikel / Adv. / Vok.)

Der Begriff 'tūbaraka' (Vers 062, 'Verleumder') ist in seiner genauen Bedeutung unklar bzw. textlich unsicher; hier sinngemäß als 'Verleumder, Schmäher' wiedergegeben.

taṃ hatvā cet keśava jīvaloke; sthātā kālaṃ nāham apy alpamātram / evaṃ tvaṃ māṃ kṛṣṇa jānāsi sarvaṃ / kālaṃ loke hīnadharmo hi jīvan / satyāc cyuto lokam imaṃ tyajeyaṃ / tasmāt krodhāt pratikṣapeyaṃ dharmaputram / dhyātvā nūnaṃ hy enasā cāpi mukto / vadhaṃ rājño bhraṣṭavīryo vicetāḥ / sā ca pratijñā mama lokaprabuddhā; bhavet satyā dharmabhṛtāṃ variṣṭha / yathā jīvet pāṇḍavo 'haṃ ca kṛṣṇa; tathā buddhiṃ dātum adyārhasi tvam / evaṃ jñātvā yad dhitaṃ me sadaiva / tathārhasi tvaṃ tu nibodhituṃ ca

„Wenn ich ihn töte, Keśava, werde ich in der Welt der Lebenden auch nicht die kürzeste Zeit mehr verweilen können. So kennst du mich ganz, Kṛṣṇa: würde ich, vom Dharma abgefallen, lebend in der Welt weiterleben mit gemindertem Dharma, so würde ich diese Welt verlassen. Darum würde ich wohl, aus Zorn, nach Erwägung, und dennoch von der Schuld befreit, entkräftet an Kraft und der Besinnung beraubt, die Tötung des Königs beschließen. Doch mein vor aller Welt bekanntes Gelübde soll wahr bleiben, Bester der Dharma-Hüter. Auf dass sowohl der Pāṇḍava als auch ich, Kṛṣṇa, am Leben bleiben — dazu musst du mir heute Weisheit geben. So, wissend, was mir stets zum Heil gereicht, sollst du es mir kundtun.“

Wort für Wort
tam hatvā cet keśava
wenn ich ihn töte, Keśava (Akk. / Ger. / Konj. / Vok.)
jīvaloke sthātā kālam
werde ich in der Welt der Lebenden Zeit verweilen (Lok. / Nom. / Akk.)
na aham api alpamātram
auch nicht die kürzeste Zeit (Neg. / Nom. / Partikel / Akk.)
evam tvam mām kṛṣṇa jānāsi sarvam
so kennst du mich ganz, Kṛṣṇa (Adv. / Nom. / Akk. / Vok. / 2.Sg.Präs. / Akk.)
kālam loke hīnadharmaḥ hi jīvan
würde ich lebend in der Welt weiterleben mit gemindertem Dharma (Akk. / Lok. / Nom. / Partikel / Part.Präs.)
satyāt cyutaḥ lokam imam tyajeyam
vom Dharma abgefallen, würde ich diese Welt verlassen (Abl. / Nom. / Akk. / Akk. / 1.Sg.Opt.)
tasmāt krodhāt pratikṣapeyam dharmaputram
darum würde ich aus Zorn die Tötung des Dharma-Sohnes beschließen (Abl. / Abl. / 1.Sg.Opt. / Akk.)
dhyātvā nūnam hi enasā ca api muktaḥ
nach Erwägung, wohl, und doch von der Schuld befreit (Ger. / Adv. / Partikel / Instr. / Konj. / Partikel / Nom.)
vadham rājñaḥ bhraṣṭavīryaḥ vicetāḥ
die Tötung des Königs, entkräftet, der Besinnung beraubt (Akk. / Gen. / Nom. / Nom.)
sā ca pratijñā mama lokaprabuddhā
doch mein vor aller Welt bekanntes Gelübde (Nom. / Konj. / Nom. / Gen. / Nom.)
bhavet satyā dharmabhṛtām variṣṭha
soll wahr bleiben, Bester der Dharma-Hüter (3.Sg.Opt. / Nom. / Gen.Pl. / Vok.)
yathā jīvet pāṇḍavaḥ aham ca kṛṣṇa
auf dass sowohl der Pāṇḍava als auch ich, Kṛṣṇa, am Leben bleiben (Adv. / 3.Sg.Opt. / Nom. / Nom. / Konj. / Vok.)
tathā buddhim dātum adya arhasi tvam
dazu musst du mir heute Weisheit geben (Adv. / Akk. / Inf. / Adv. / 2.Sg.Präs. / Nom.)
evam jñātvā yat hitam me sadaiva
so, wissend, was mir stets zum Heil gereicht (Adv. / Ger. / Nom. / Nom. / Gen. / Adv.)
tathā arhasi tvam tu nibodhitum ca
so sollst du es mir kundtun (Adv. / 2.Sg.Präs. / Nom. / Partikel / Inf. / Konj.)

Die apparatus-Zeilen zu v063 (0705-0707) sind stellenweise redundant und syntaktisch stark verkürzt überliefert; sie wurden zu einer zusammenhängenden Aussage über Arjunas Zwiespalt zusammengefasst.

vāsudeva uvāca / rājā śrānto jagato vikṣataś ca; karṇena saṃkhye niśitair bāṇasaṃghaiḥ / śarārditaḥ sūtaputreṇa caiva / yaś cāniśaṃ sūtaputreṇa vīra / śarair bhṛśaṃ tāḍito yudhyamānaḥ / atas tvam etena saroṣamukto / duḥkhānvite nedam ayuktarūpam

„Der König ist erschöpft von der Schlacht und verwundet, von Karṇa im Kampf mit scharfen Pfeilschwärmen getroffen, von den Pfeilen des Sūta-Sohnes gequält, Held, der er unablässig, kämpfend, von den Pfeilen des Sūta-Sohnes heftig getroffen wurde. Darum ist dies, von dir im Zorn gegen ihn, den vom Leid Erfüllten, gesprochen, nicht angemessen.“

Wort für Wort
vāsudevaḥ uvāca
Vāsudeva sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
rājā śrāntaḥ jagataḥ vikṣataḥ ca
der König ist erschöpft von der Schlacht und verwundet (Nom. / Nom. / Gen. / Nom. / Konj.)
karṇena saṃkhye niśitaiḥ bāṇasaṃghaiḥ
von Karṇa im Kampf mit scharfen Pfeilschwärmen (Instr. / Lok. / Instr.Pl. / Instr.Pl.)
śarārditaḥ sūtaputreṇa ca eva
von den Pfeilen des Sūta-Sohnes gequält (Nom. / Instr. / Konj. / Partikel)
yaḥ ca aniśam sūtaputreṇa vīra
der er unablässig, vom Sūta-Sohn, Held (Nom. / Konj. / Adv. / Instr. / Vok.)
śaraiḥ bhṛśam tāḍitaḥ yudhyamānaḥ
von den Pfeilen heftig getroffen, kämpfend (Instr.Pl. / Adv. / Nom. / Nom.)
ataḥ tvam etena saroṣamuktaḥ
darum ist dies von dir im Zorn gesprochen (Adv. / Nom. / Instr. / Nom.)
duḥkhānvite na idam ayuktarūpam
gegen ihn, den vom Leid Erfüllten, ist dies nicht angemessen (Lok. / Neg. / Nom. / Nom.)

akopito hy eṣa yadi sma saṃkhye; karṇaṃ na hanyād iti cābravīc ca / jānāti taṃ pāṇḍava eṣa cāpi; pāpaṃ loke karṇam asahyam anyaiḥ / tatas tvam ukto bhṛśaroṣitena; rājñā samakṣaṃ paruṣāṇi pārtha / bhṛśārditaś cāpi mahāmanasvī / tasmāt pārtha tvāṃ paruṣāṇy avocat; karṇe dyūtaṃ hy adya raṇe nibaddham / tasmin hate kuravo nirjitāḥ syur; evaṃbuddhiḥ pārthivo dharmaputraḥ

„'Wenn dieser, ungereizt, im Kampf nicht getötet werden könnte' — so sprach er, und dies weiß der Pāṇḍava auch: dass Karṇa in der Welt ein für andere unerträglicher Bösewicht ist. Darum wurdest du, Pārtha, vom heftig Erzürnten, dem König, in deiner Gegenwart mit harten Worten angesprochen — auch er, der Hochgesinnte, heftig gequält. Darum sprach er zu dir, Pārtha, harte Worte: 'Auf Karṇa ist heute im Kampf das Würfelspiel der Schlacht gesetzt; wird er erschlagen, sind die Kurus besiegt' — so denkt der königliche Dharma-Sohn.“

Wort für Wort
akopitaḥ hi eṣaḥ yadi sma saṃkhye
wenn dieser, ungereizt, im Kampf (Nom. / Partikel / Nom. / Konj. / Partikel / Lok.)
karṇam na hanyāt iti ca abravīt ca
Karṇa nicht getötet werden könnte — so sprach er, und (Akk. / Neg. / 3.Sg.Opt. / Zitatpartikel / Konj. / 3.Sg.Impf. / Konj.)
jānāti tam pāṇḍavaḥ eṣaḥ ca api
und dies weiß der Pāṇḍava auch (3.Sg.Präs. / Akk. / Nom. / Nom. / Konj. / Partikel)
pāpam loke karṇam asahyam anyaiḥ
dass Karṇa in der Welt ein für andere unerträglicher Bösewicht ist (Akk. / Lok. / Akk. / Akk. / Instr.Pl.)
tataḥ tvam uktaḥ bhṛśaroṣitena
darum wurdest du vom heftig Erzürnten angesprochen (Adv. / Nom. / Nom. / Instr.)
rājñā samakṣam paruṣāṇi pārtha
vom König, in deiner Gegenwart, mit harten Worten, Pārtha (Instr. / Adv. / Akk.Pl. / Vok.)
bhṛśārditaḥ ca api mahāmanasvī
auch er, der Hochgesinnte, heftig gequält (Nom. / Konj. / Partikel / Nom.)
tasmāt pārtha tvām paruṣāṇi avocat
darum sprach er zu dir, Pārtha, harte Worte (Abl. / Vok. / Akk. / Akk.Pl. / 3.Sg.Impf.)
karṇe dyūtam hi adya raṇe nibaddham
auf Karṇa ist heute im Kampf das Würfelspiel gesetzt (Lok. / Nom. / Partikel / Adv. / Lok. / Nom.)
tasmin hate kuravaḥ nirjitāḥ syuḥ
wird er erschlagen, sind die Kurus besiegt (Lok. / Lok. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / 3.Pl.Opt.)
evaṃbuddhiḥ pārthivaḥ dharmaputraḥ
so denkt der königliche Dharma-Sohn (Nom. / Nom. / Nom.)

tato vadhaṃ nārhati dharmaputras; tvayā pratijñārjuna pālanīyā / jīvann ayaṃ yena mṛto bhaved dhi; tan me nibodheha tavānurūpam / yadā mānaṃ labhate mānanārhas; tadā sa vai jīvati jīvaloke

„Darum verdient der Dharma-Sohn nicht den Tod; doch dein Gelübde, Arjuna, muss gewahrt werden. Es gibt eine Weise, wie er, lebend, doch gleichsam tot sein könnte — das vernimm nun von mir, was deiner würdig ist: Wenn ein Ehrwürdiger Ehre empfängt, dann lebt er wahrhaftig in der Welt der Lebenden.“

Wort für Wort
tataḥ vadham na arhati dharmaputraḥ
darum verdient der Dharma-Sohn nicht den Tod (Adv. / Akk. / Neg. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
tvayā pratijñā arjuna pālanīyā
doch dein Gelübde, Arjuna, muss gewahrt werden (Instr. / Nom. / Vok. / Nom.)
jīvan ayam yena mṛtaḥ bhavet hi
es gibt eine Weise, wie er, lebend, tot sein könnte (Part.Präs. / Nom. / Instr. / Nom. / 3.Sg.Opt. / Partikel)
tat me nibodha iha tavānurūpam
das vernimm nun von mir, was deiner würdig ist (Akk. / Gen. / Imp. / Adv. / Akk.)
yadā mānam labhate mānanārhaḥ
wenn ein Ehrwürdiger Ehre empfängt (Adv. / Akk. / 3.Sg.Präs.Med. / Nom.)
tadā sa vai jīvati jīvaloke
dann lebt er wahrhaftig in der Welt der Lebenden (Adv. / Nom. / Partikel / 3.Sg.Präs. / Lok.)

yadāvamānaṃ labhate mahāntaṃ; tadā jīvan mṛta ity ucyate saḥ / tan mānitaḥ pārthivo 'yaṃ sadaiva; tvayā sabhīmena tathā yamābhyām / vṛddhaiś ca loke puruṣapravīrais; tasyāvamānaṃ kalayā tvaṃ prayuṅkṣva

„Wenn er aber große Missachtung erfährt, dann wird er, obwohl lebend, 'tot' genannt. Dieser König wurde stets geehrt, von dir, zusammen mit Bhīma, und ebenso von den Zwillingen, und von den Alten und den heldenhaften Männern in der Welt; wende du daher an ihm einen kleinen Teil von Missachtung an.“

Wort für Wort
yadā avamānam labhate mahāntam
wenn er große Missachtung erfährt (Adv. / Akk. / 3.Sg.Präs.Med. / Akk.)
tadā jīvan mṛtaḥ iti ucyate saḥ
dann wird er, obwohl lebend, 'tot' genannt (Adv. / Part.Präs. / Nom. / Zitatpartikel / 3.Sg.Präs.Pass. / Nom.)
tat mānitaḥ pārthivaḥ ayam sadaiva
dieser König wurde stets geehrt (Nom. / Nom. / Nom. / Nom. / Adv.)
tvayā sabhīmena tathā yamābhyām
von dir, zusammen mit Bhīma, und ebenso von den Zwillingen (Instr. / Instr. / Adv. / Instr.Dual)
vṛddhaiḥ ca loke puruṣapravīraiḥ
und von den Alten und den heldenhaften Männern in der Welt (Instr.Pl. / Konj. / Lok. / Instr.Pl.)
tasya avamānam kalayā tvam prayuṅkṣva
wende du daher an ihm einen kleinen Teil von Missachtung an (Gen. / Akk. / Instr. / Nom. / Imp.)

yad idaṃ dharmaśāstrārthaṃ vedeṣu ca nidarśanam / śṛṇu pārtha yathā nityo hataḥ syād bhavatā guruḥ / hato bhavety evam ukto guruḥ śastrabhṛtāṃ varaḥ

„Was nun dieses Beispiel betrifft, das im Sinne der Dharma-Lehre auch in den Veden zu finden ist — höre, Pārtha, wie ein Guru, wenn er von dir stets mit dem bloßen Pronomen angesprochen wird, gleichsam getötet wäre: ‚Getötet sei er‘ — so, mit diesem bloßen 'du' angesprochen, gilt der Guru, der Beste der Waffenträger, als erschlagen.“

Wort für Wort
yat idam dharmaśāstrārtham
was nun dieses im Sinne der Dharma-Lehre (Akk. / Akk. / Akk.)
vedeṣu ca nidarśanam
auch in den Veden zu findende Beispiel (Lok.Pl. / Konj. / Nom.)
śṛṇu pārtha yathā nityaḥ
höre, Pārtha, wie stets (Imp. / Vok. / Adv. / Nom.)
hataḥ syāt bhavatā guruḥ
ein Guru, wenn er von dir, gleichsam getötet wäre (Nom. / 3.Sg.Opt. / Instr. / Nom.)
hataḥ bhava iti evam uktaḥ
getötet sei er — so, mit diesem angesprochen (Nom. / Imp. / Zitatpartikel / Adv. / Nom.)
guruḥ śastrabhṛtām varaḥ
gilt der Guru, der Beste der Waffenträger (Nom. / Gen.Pl. / Nom.)

tvam ity atrabhavantaṃ tvaṃ brūhi pārtha yudhiṣṭhiram / tvam ity ukto hi nihato gurur bhavati bhārata / evam ācara kaunteya dharmarāje yudhiṣṭhire / adharmayuktaṃ saṃyogaṃ kuruṣvaivaṃ kurūdvaha / atharvāṅgirasī hy eṣā śrutīnām uttamā śrutiḥ / avicāryaiva kāryaiṣā śreyaḥkāmair naraiḥ sadā

„Sprich du den ehrwürdigen Yudhiṣṭhira mit dem bloßen 'du' an, Pārtha; denn wenn er mit 'du' angesprochen wird, gilt der Guru als erschlagen, Bhārata. So verfahre, Sohn der Kuntī, mit dem Dharma-König Yudhiṣṭhira; vollziehe auf diese Weise die mit einem Makel verbundene Verbindung von Tat und Schuld, Erhöhung der Kurus. Denn dies ist die Atharvāṅgiras-Lehre, die höchste unter den Śrutis; sie ist stets, ohne weiteres Bedenken, von Männern, die ihr Heil suchen, zu befolgen.“

Wort für Wort
tvam iti atrabhavantam tvam
mit dem bloßen 'du' den Ehrwürdigen, du (Nom. / Zitatpartikel / Akk. / Nom.)
brūhi pārtha yudhiṣṭhiram
sprich an, Pārtha, Yudhiṣṭhira (Imp. / Vok. / Akk.)
tvam iti uktaḥ hi nihataḥ
denn wenn er mit 'du' angesprochen wird, erschlagen (Nom. / Zitatpartikel / Nom. / Partikel / Nom.)
guruḥ bhavati bhārata
gilt der Guru, Bhārata (Nom. / 3.Sg.Präs. / Vok.)
evam ācara kaunteya
so verfahre, Sohn der Kuntī (Adv. / Imp. / Vok.)
dharmarāje yudhiṣṭhire
mit dem Dharma-König Yudhiṣṭhira (Lok. / Lok.)
adharmayuktam saṃyogam kuruṣva
vollziehe die mit einem Makel verbundene Verbindung (Akk. / Akk. / Imp.)
evam kurūdvaha
auf diese Weise, Erhöhung der Kurus (Adv. / Vok.)
atharvāṅgirasī hi eṣā
denn dies ist die Atharvāṅgiras-Lehre (Nom. / Partikel / Nom.)
śrutīnām uttamā śrutiḥ
die höchste unter den Śrutis (Gen.Pl. / Nom. / Nom.)
avicārya eva kāryā eṣā
sie ist, ohne weiteres Bedenken, zu befolgen (Ger. / Partikel / Nom. / Nom.)
śreyaḥkāmaiḥ naraiḥ sadā
stets von Männern, die ihr Heil suchen (Instr.Pl. / Instr.Pl. / Adv.)

avadhena vadhaḥ prokto yad gurus tvam iti prabhuḥ / tad brūhi tvaṃ yan mayoktaṃ dharmarājasya dharmavit / vadho hy ayaṃ pāṇḍava dharmarājñas; tvatto yukto vetsyate caivam eṣaḥ / tato 'sya pādāv abhivādya paścāc; chamaṃ brūyāḥ sāntvapūrvaṃ ca pārtham / bhrātā prājñas tava kopaṃ na jātu; kuryād rājā kaṃ cana pāṇḍaveyaḥ / mukto 'nṛtād bhrātṛvadhāc ca pārtha; hṛṣṭaḥ karṇaṃ tvaṃ jahi sūtaputram

„'Ein Töten ohne Töten' — so wird es genannt, dass, wenn ein Herr, ein Guru, mit dem bloßen 'du' angesprochen wird — dies sprich du, du Dharmakundiger, was ich dir über den Dharma-König gesagt habe. Denn dies, Pāṇḍava, gilt als die Tötung des Dharma-Königs, so wie sie von dir vollzogen und erkannt werden wird. Danach, nachdem du seine Füße verehrt hast, sprich Beschwichtigung und Trostworte zu Pārtha. Dein weiser Bruder, der König der Pāṇḍavas, würde niemals irgendeinen Zorn hegen. Befreit von der Falschheit und vom Brudermord, Pārtha, erschlage nun freudig Karṇa, den Sūta-Sohn.“

Wort für Wort
avadhena vadhaḥ proktaḥ
ein Töten ohne Töten — so wird es genannt (Instr. / Nom. / Nom.)
yat guruḥ tvam iti prabhuḥ
dass, wenn ein Herr, ein Guru, mit 'du' (Nom. / Nom. / Nom. / Zitatpartikel / Nom.)
tat brūhi tvam yat mayā uktam
dies sprich du, was ich gesagt habe (Akk. / Imp. / Nom. / Akk. / Instr. / Nom.)
dharmarājasya dharmavit
über den Dharma-König, du Dharmakundiger (Gen. / Nom.)
vadhaḥ hi ayam pāṇḍava dharmarājñaḥ
denn dies gilt als die Tötung des Dharma-Königs, Pāṇḍava (Nom. / Partikel / Nom. / Vok. / Gen.)
tvattaḥ yuktaḥ vetsyate ca evam eṣaḥ
so wie sie von dir vollzogen und erkannt werden wird (Abl. / Nom. / 3.Sg.Fut.Pass. / Konj. / Adv. / Nom.)
tataḥ asya pādau abhivādya paścāt
danach, nachdem du seine Füße verehrt hast (Adv. / Gen. / Akk.Dual / Ger. / Adv.)
śamam brūyāḥ sāntvapūrvam ca pārtham
sprich Beschwichtigung und Trostworte zu Pārtha (Akk. / 2.Sg.Opt. / Akk. / Konj. / Akk.)
bhrātā prājñaḥ tava kopam na jātu
dein weiser Bruder würde niemals Zorn (Nom. / Nom. / Gen. / Akk. / Neg. / Adv.)
kuryāt rājā kaṃcana pāṇḍaveyaḥ
hegen, der König der Pāṇḍavas, irgendeinen (3.Sg.Opt. / Nom. / Akk. / Nom.)
muktaḥ anṛtāt bhrātṛvadhāt ca pārtha
befreit von der Falschheit und vom Brudermord, Pārtha (Nom. / Abl. / Abl. / Konj. / Vok.)
hṛṣṭaḥ karṇam tvam jahi sūtaputram
erschlage nun freudig Karṇa, den Sūta-Sohn (Nom. / Akk. / Nom. / Imp. / Akk.)

saṃjaya uvāca / ity evam uktas tu janārdanena; pārthaḥ praśasyātha suhṛdvadhaṃ tam / tato 'bravīd arjuno dharmarājam; anuktapūrvaṃ paruṣaṃ prasahya

Saṃjaya sprach: So von Janārdana angesprochen, lobte Pārtha darauf dieses 'Freundes-Töten'; dann sprach Arjuna zum Dharma-König ein zuvor nie gesprochenes hartes Wort, mit Gewalt.

Wort für Wort
saṃjayaḥ uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
iti evam uktaḥ tu janārdanena
so von Janārdana angesprochen (Zitatpartikel / Adv. / Nom. / Partikel / Instr.)
pārthaḥ praśasya atha suhṛdvadham tam
lobte Pārtha darauf dieses 'Freundes-Töten' (Nom. / Ger. / Adv. / Akk. / Akk.)
tataḥ abravīt arjunaḥ dharmarājam
dann sprach Arjuna zum Dharma-König (Adv. / 3.Sg.Impf. / Nom. / Akk.)
anuktapūrvam paruṣam prasahya
ein zuvor nie gesprochenes hartes Wort, mit Gewalt (Akk. / Akk. / Adv.)

mā tvaṃ rājan vyāhara vyāharatsu; na tiṣṭhase krośamātre raṇārdhe / mā vocas tvaṃ kiṃ cid ihādya rājaṃs; tyaktvā yuddhaṃ ya iha vyavasthitas tvam

„Rede du nicht, König, unter denen, die im Kampf reden — du, der du nicht einmal in Rufweite der Schlachtmitte stehst! Sage heute hier nichts, König, du, der du den Kampf aufgegeben hast und hier verweilst!“

Wort für Wort
mā tvam rājan vyāhara
rede du nicht, König (Neg. / Nom. / Vok. / Imp.)
vyāharatsu na tiṣṭhase
unter denen, die reden, stehst du nicht (Lok.Pl. / Neg. / 2.Sg.Präs.Med.)
krośamātre raṇārdhe
in Rufweite der Schlachtmitte (Lok. / Lok.)
mā vocaḥ tvam kiṃcit iha adya rājan
sage heute hier nichts, König (Neg. / 2.Sg.Aor.Inj. / Nom. / Akk. / Adv. / Adv. / Vok.)
tyaktvā yuddham yaḥ iha vyavasthitaḥ tvam
der du den Kampf aufgegeben hast und hier verweilst (Ger. / Akk. / Nom. / Adv. / Nom. / Nom.)

bhīmas tu mām arhati garhaṇāya; yo yudhyate sarvayodhapravīraḥ / kāle hi śatrūn pratipīḍya saṃkhye; hatvā ca śūrān pṛthivīpatīṃs tān / rathapradhānottamanāgamukhyān / sādipravekān amitāṃś ca śūrān

„Bhīma allein ist berechtigt, mich zu schelten — er, der Beste unter allen Kämpfern, der kämpft: der zur rechten Zeit die Feinde in der Schlacht bedrängt und jene tapferen Erdherrscher erschlagen hat, die Besten der Wagenkämpfer und der vorzüglichsten Elefanten, die auserlesensten Reiter und zahllose Helden.“

Wort für Wort
bhīmaḥ tu mām arhati garhaṇāya
Bhīma allein ist berechtigt, mich zu schelten (Nom. / Partikel / Akk. / 3.Sg.Präs. / Dat.)
yaḥ yudhyate sarvayodhapravīraḥ
er, der Beste unter allen Kämpfern, der kämpft (Nom. / 3.Sg.Präs.Med. / Nom.)
kāle hi śatrūn pratipīḍya saṃkhye
der zur rechten Zeit die Feinde in der Schlacht bedrängt (Lok. / Partikel / Akk.Pl. / Ger. / Lok.)
hatvā ca śūrān pṛthivīpatīn tān
und jene tapferen Erdherrscher erschlagen hat (Ger. / Konj. / Akk.Pl. / Akk.Pl. / Akk.Pl.)
rathapradhānottamanāgamukhyān
die Besten der Wagenkämpfer und der vorzüglichsten Elefanten (Akk.Pl.)
sādipravekān amitān ca śūrān
die auserlesensten Reiter und zahllose Helden (Akk.Pl. / Akk.Pl. / Konj. / Akk.Pl.)

yaḥ kuñjarāṇām adhikaṃ sahasraṃ; hatvānadat tumulaṃ siṃhanādam / kāmbojānām ayuta pārvatīyān; mṛgān siṃho vinihatyeva cājau / suduṣkaraṃ karma karoti vīraḥ; kartuṃ yathā nārhasi tvaṃ kadā cit / rathād avaplutya gadāṃ parāmṛśaṃs; tayā nihanty aśvanaradvipān raṇe

„Er, der mehr als tausend Elefanten erschlagen und ein tosendes Löwengebrüll ausgestoßen hat; der zehntausend Bergbewohner der Kāmbojas in der Schlacht niedergestreckt hat, wie ein Löwe Wildtiere — dieser Held vollbringt eine überaus schwer zu vollbringende Tat, wie sie du niemals zu vollbringen imstande wärst: vom Wagen herabspringend, die Keule ergreifend, mit ihr Pferde, Männer und Elefanten in der Schlacht erschlagend.“

Wort für Wort
yaḥ kuñjarāṇām adhikam sahasram
er, der mehr als tausend Elefanten (Nom. / Gen.Pl. / Akk. / Akk.)
hatvā anadat tumulam siṃhanādam
erschlagen und ein tosendes Löwengebrüll ausgestoßen hat (Ger. / 3.Sg.Impf. / Akk. / Akk.)
kāmbojānām ayuta pārvatīyān
zehntausend Bergbewohner der Kāmbojas (Gen.Pl. / Akk. / Akk.Pl.)
mṛgān siṃhaḥ vinihatya iva ca ajau
wie ein Löwe Wildtiere niedergestreckt hat, in der Schlacht (Akk.Pl. / Nom. / Ger. / Partikel / Konj. / Lok.)
suduṣkaram karma karoti vīraḥ
eine überaus schwer zu vollbringende Tat vollbringt dieser Held (Akk. / Akk. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
kartum yathā na arhasi tvam kadācit
wie sie du niemals zu vollbringen imstande wärst (Inf. / Adv. / Neg. / 2.Sg.Präs. / Nom. / Adv.)
rathāt avaplutya gadām parāmṛśan
vom Wagen herabspringend, die Keule ergreifend (Abl. / Ger. / Akk. / Part.Präs.)
tayā nihanti aśvanaradvipān raṇe
mit ihr Pferde, Männer und Elefanten in der Schlacht erschlägt (Instr. / 3.Sg.Präs. / Akk.Pl. / Lok.)

varāsinā vājirathāśvakuñjarāṃs; tathā rathāṅgair dhanuṣā ca hanty arīn / pramṛdya padbhyām ahitān nihanti yaḥ; punaś ca dorbhyāṃ śatamanyuvikramaḥ / mahābalo vaiśravaṇāntakopamaḥ; prasahya hantā dviṣatāṃ yathārham / sa bhīmaseno 'rhati garhaṇāṃ me; na tvaṃ nityaṃ rakṣyase yaḥ suhṛdbhiḥ

„Mit dem vortrefflichen Schwert erschlägt er Pferde, Wagen, Rosse und Elefanten, ebenso mit den Radfelgen des Wagens und mit dem Bogen die Feinde; nachdem er die Widersacher mit den Füßen zermalmt hat, erschlägt er sie auch wiederum mit den Armen, an Kraft dem Hundertfachen Zorn gleich; von großer Kraft, dem Vaiśravaṇa oder Antaka gleich, tötet er die Feinde mit Gewalt, wie es sich gebührt. Er, Bhīmasena, ist berechtigt, mich zu schelten — nicht du, der du stets von Freunden beschützt werden musst.“

Wort für Wort
varāsinā vājirathāśvakuñjarān
mit dem vortrefflichen Schwert Pferde, Wagen, Rosse und Elefanten (Instr. / Akk.Pl.)
tathā rathāṅgaiḥ dhanuṣā ca hanti arīn
ebenso mit den Radfelgen und mit dem Bogen erschlägt er die Feinde (Adv. / Instr.Pl. / Instr. / Konj. / 3.Sg.Präs. / Akk.Pl.)
pramṛdya padbhyām ahitān nihanti yaḥ
nachdem er die Widersacher mit den Füßen zermalmt hat, erschlägt er sie, der (Ger. / Instr.Dual / Akk.Pl. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
punaḥ ca dorbhyām śatamanyuvikramaḥ
auch wiederum mit den Armen, an Kraft dem Hundertfachen Zorn gleich (Adv. / Konj. / Instr.Dual / Nom.)
mahābalaḥ vaiśravaṇāntakopamaḥ
von großer Kraft, dem Vaiśravaṇa oder Antaka gleich (Nom. / Nom.)
prasahya hantā dviṣatām yathārham
tötet er die Feinde mit Gewalt, wie es sich gebührt (Adv. / Nom. / Gen.Pl. / Adv.)
sa bhīmasenaḥ arhati garhaṇām me
er, Bhīmasena, ist berechtigt, mich zu schelten (Nom. / Nom. / 3.Sg.Präs. / Akk. / Akk.)
na tvam nityam rakṣyase yaḥ suhṛdbhiḥ
nicht du, der du stets von Freunden beschützt werden musst (Neg. / Nom. / Adv. / 2.Sg.Präs.Pass. / Nom. / Instr.Pl.)

mahārathān nāgavarān hayāṃś ca; padātimukhyān api ca pramathya / eko bhīmo dhārtarāṣṭreṣu magnaḥ; sa mām upālabdhum ariṃdamo 'rhati / kaliṅgavaṅgāṅganiṣādamāgadhān; sadāmadān nīlabalāhakopamān / nihanti yaḥ śatrugaṇān anekaśaḥ; sa mābhivaktuṃ prabhavaty anāgasam

„Nachdem er große Wagenkämpfer, vortreffliche Elefanten, Pferde und die besten Fußsoldaten zermalmt hat, ist Bhīma allein unter den Dhārtarāṣṭras versunken; er, der Bezwinger der Feinde, ist berechtigt, mich zu tadeln. Wer die Scharen der Kaliṅgas, Vaṅgas, Aṅgas, Niṣādas und Māgadhas, die stets berauschten, dunklen Wolkenmassen gleichenden Feindscharen vielfach erschlägt — er ist imstande, mich, den Schuldlosen, zu tadeln.“

Wort für Wort
mahārathān nāgavarān hayān ca
große Wagenkämpfer, vortreffliche Elefanten und Pferde (Akk.Pl. / Akk.Pl. / Akk.Pl. / Konj.)
padātimukhyān api ca pramathya
und auch die besten Fußsoldaten zermalmt habend (Akk.Pl. / Partikel / Konj. / Ger.)
ekaḥ bhīmaḥ dhārtarāṣṭreṣu magnaḥ
ist Bhīma allein unter den Dhārtarāṣṭras versunken (Nom. / Nom. / Lok.Pl. / Nom.)
sa mām upālabdhum ariṃdamaḥ arhati
er, der Bezwinger der Feinde, ist berechtigt, mich zu tadeln (Nom. / Akk. / Inf. / Nom. / 3.Sg.Präs.)
kaliṅgavaṅgāṅganiṣādamāgadhān
die Kaliṅgas, Vaṅgas, Aṅgas, Niṣādas und Māgadhas (Akk.Pl.)
sadāmadān nīlabalāhakopamān
die stets berauschten, dunklen Wolkenmassen gleichenden (Akk.Pl. / Akk.Pl.)
nihanti yaḥ śatrugaṇān anekaśaḥ
wer die Feindscharen vielfach erschlägt (3.Sg.Präs. / Nom. / Akk.Pl. / Adv.)
sa mā abhivaktum prabhavati anāgasam
er ist imstande, mich, den Schuldlosen, zu tadeln (Nom. / Akk. / Inf. / 3.Sg.Präs. / Akk.)

suyuktam āsthāya rathaṃ hi kāle; dhanur vikarṣañ śarapūrṇamuṣṭiḥ / sṛjaty asau śaravarṣāṇi vīro; mahāhave megha ivāmbudhārāḥ / śatāny aṣṭau vāraṇānām apaśyaṃ; viśātitaiḥ kumbhakarāgrahastaiḥ / bhīmenājau nihatāny adya bāṇaiḥ; sa māṃ krūraṃ vaktum arhaty arighnaḥ / mahārathānām ayutaṃ supūrṇam; athāśvānām ayutāni ṣaṭ ca / padātisaṃghān bahuśo vimṛdya; vīrān hatvā śataśo 'thāpramādī / prāṇāṃs tyaktvā dustyajān ājimadhye; saṃyuddhe yo vairibhir bhīmasenaḥ / yo bhīmaseno nihatārisaṃghaḥ; sa mām upālabdhum ariṃdamo 'rhati

„Zur rechten Zeit auf dem wohlgelenkten Wagen stehend, den Bogen spannend, die Faust voller Pfeile — jener Held entfesselt Pfeilschauer in der großen Schlacht, wie eine Wolke Regengüsse. Achthundert Elefanten habe ich heute im Kampf von Bhīmas Pfeilen erschlagen gesehen, mit zerschmetterten Stirnbeulen und Rüsselspitzen — er, der Feindetöter, ist berechtigt, mich hart anzureden. Ein volles Zehntausend großer Wagenkämpfer und sechzigtausend Pferde, nachdem er die Scharen der Fußsoldaten vielfach zermalmt, Helden zu Hunderten erschlagen hat, unermüdlich, nachdem er sein schwer aufzugebendes Leben inmitten der Schlacht aufs Spiel gesetzt hat, im Kampf mit den Feinden — er, Bhīmasena, der die Feindscharen erschlagen hat, er, der Bezwinger der Feinde, ist berechtigt, mich zu tadeln.“

Wort für Wort
suyuktam āsthāya ratham hi kāle
zur rechten Zeit auf dem wohlgelenkten Wagen stehend (Akk. / Ger. / Akk. / Partikel / Lok.)
dhanuḥ vikarṣan śarapūrṇamuṣṭiḥ
den Bogen spannend, die Faust voller Pfeile (Akk. / Part.Präs. / Nom.)
sṛjati asau śaravarṣāṇi vīraḥ
jener Held entfesselt Pfeilschauer (3.Sg.Präs. / Nom. / Akk.Pl. / Nom.)
mahāhave meghaḥ iva ambudhārāḥ
in der großen Schlacht wie eine Wolke Regengüsse (Lok. / Nom. / Partikel / Akk.Pl.)
śatāni aṣṭau vāraṇānām apaśyam
achthundert Elefanten habe ich gesehen (Akk.Pl. / Akk. / Gen.Pl. / 1.Sg.Impf.)
viśātitaiḥ kumbhakarāgrahastaiḥ
mit zerschmetterten Stirnbeulen und Rüsselspitzen (Instr.Pl.)
bhīmena ājau nihatāni adya bāṇaiḥ
von Bhīma im Kampf heute mit Pfeilen erschlagen (Instr. / Lok. / Nom.Pl. / Adv. / Instr.Pl.)
sa mām krūram vaktum arhati arighnaḥ
er ist berechtigt, mich hart anzureden, der Feindetöter (Nom. / Akk. / Akk. / Inf. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
mahārathānām ayutam supūrṇam
ein volles Zehntausend großer Wagenkämpfer (Gen.Pl. / Akk. / Akk.)
atha aśvānām ayutāni ṣaṭ ca
und sechzigtausend Pferde (Adv. / Gen.Pl. / Akk.Pl. / Akk. / Konj.)
padātisaṃghān bahuśaḥ vimṛdya
nachdem er die Scharen der Fußsoldaten vielfach zermalmt hat (Akk.Pl. / Adv. / Ger.)
vīrān hatvā śataśaḥ atha apramādī
Helden zu Hunderten erschlagen habend, unermüdlich (Akk.Pl. / Ger. / Adv. / Adv. / Nom.)
prāṇān tyaktvā dustyajān ājimadhye
nachdem er sein schwer aufzugebendes Leben inmitten der Schlacht aufs Spiel gesetzt hat (Akk.Pl. / Ger. / Akk.Pl. / Lok.)
saṃyuddhe yaḥ vairibhiḥ bhīmasenaḥ
im Kampf mit den Feinden, Bhīmasena (Lok. / Nom. / Instr.Pl. / Nom.)
yaḥ bhīmasenaḥ nihatārisaṃghaḥ
Bhīmasena, der die Feindscharen erschlagen hat (Nom. / Nom. / Nom.)
sa mām upālabdhum ariṃdamaḥ arhati
er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde (Nom. / Akk. / Inf. / Nom. / 3.Sg.Präs.)

rathāś ca nāgāś ca hayāś ca rājan; bhīmenājau nihatāḥ saṃghaśo 'dya / rājānaś ca bahavo mahābalāḥ; sa mām upālabdhum ariṃdamo 'rhati / dhṛtarāṣṭraputrā balinaś ca yena; mahābalā nihatāḥ prāyaśo vai / śūro yuddheṣv aprativāryavīryaḥ; sa mām upālabdhum ariṃdamo 'rhati

„Wagen und Elefanten und Pferde, König, sind heute im Kampf von Bhīma scharenweise erschlagen worden; und viele überaus mächtige Könige — er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde. Die kraftvollen Söhne Dhṛtarāṣṭras, die überaus Mächtigen, sind von ihm größtenteils erschlagen worden; der Held, dessen Kraft in den Kämpfen unaufhaltsam ist — er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
rathāḥ ca nāgāḥ ca hayāḥ ca rājan
Wagen und Elefanten und Pferde, König (Nom.Pl. / Konj. / Nom.Pl. / Konj. / Nom.Pl. / Konj. / Vok.)
bhīmena ājau nihatāḥ saṃghaśaḥ adya
sind heute von Bhīma im Kampf scharenweise erschlagen worden (Instr. / Lok. / Nom.Pl. / Adv. / Adv.)
rājānaḥ ca bahavaḥ mahābalāḥ
und viele überaus mächtige Könige (Nom.Pl. / Konj. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
sa mām upālabdhum ariṃdamaḥ arhati
er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde (Nom. / Akk. / Inf. / Nom. / 3.Sg.Präs.)
dhṛtarāṣṭraputrāḥ balinaḥ ca yena
die kraftvollen Söhne Dhṛtarāṣṭras, von dem (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Konj. / Instr.)
mahābalāḥ nihatāḥ prāyaśaḥ vai
die überaus Mächtigen sind größtenteils erschlagen worden (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Adv. / Partikel)
śūraḥ yuddheṣu aprativāryavīryaḥ
der Held, dessen Kraft in den Kämpfen unaufhaltsam ist (Nom. / Lok.Pl. / Nom.)
sa mām upālabdhum ariṃdamaḥ arhati
er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde (Nom. / Akk. / Inf. / Nom. / 3.Sg.Präs.)

pratāpayaṃs tad balam ugrarūpaṃ; yo 'sau raṇe dhārtarāṣṭrasya vīraḥ / ekaḥ sahetāpratisahyapauruṣas; tenāsmi vācyo na tvayā vai kadā cit / mahārathā yatra yatraiva yuddhe; bhindanti sainyaṃ tava kāmato 'dya / tatraiva tatraiva raṇe mahātmā; dṛḍhaṃ bhīmaḥ parasaṃghān amṛdnāt / tenāsmi vācyo na tvayāhaṃ kadā cit

„Er, der jenes furchtgestaltige Heer Dhṛtarāṣṭras in der Schlacht versengte, dieser Held; allein, mit unwiderstehlicher Mannhaftigkeit, samt seinem Wagenlenker — von ihm sollte ich getadelt werden, nicht von dir, niemals. Wo immer die großen Wagenkämpfer heute nach Belieben dein Heer in der Schlacht durchbrachen, dort, gerade dort, hochgesinnt, zermalmte Bhīma fest die feindlichen Scharen; von ihm sollte ich getadelt werden, nicht von dir, niemals.“

Wort für Wort
pratāpayan tat balam ugrarūpam
der jenes furchtgestaltige Heer versengte (Part.Präs. / Akk. / Akk. / Akk.)
yaḥ asau raṇe dhārtarāṣṭrasya vīraḥ
er, dieser Held, in der Schlacht, des Dhṛtarāṣṭra-Sohnes (Nom. / Nom. / Lok. / Gen. / Nom.)
ekaḥ saheta apratisahyapauruṣaḥ
allein, samt seinem Wagenlenker, mit unwiderstehlicher Mannhaftigkeit (Nom. / Instr. / Nom.)
tena asmi vācyaḥ na tvayā vai kadācit
von ihm sollte ich getadelt werden, nicht von dir, niemals (Instr. / 1.Sg.Präs. / Nom. / Neg. / Instr. / Partikel / Adv.)
mahārathāḥ yatra yatra eva yuddhe
wo immer die großen Wagenkämpfer in der Schlacht (Nom.Pl. / Adv. / Adv. / Partikel / Lok.)
bhindanti sainyam tava kāmataḥ adya
heute nach Belieben dein Heer durchbrachen (3.Pl.Präs. / Akk. / Gen. / Adv. / Adv.)
tatra eva tatra eva raṇe mahātmā
dort, gerade dort, in der Schlacht, hochgesinnt (Adv. / Partikel / Adv. / Partikel / Lok. / Nom.)
dṛḍham bhīmaḥ parasaṃghān amṛdnāt
zermalmte Bhīma fest die feindlichen Scharen (Adv. / Nom. / Akk.Pl. / 3.Sg.Impf.)
tena asmi vācyaḥ na tvayā aham kadācit
von ihm sollte ich getadelt werden, nicht von dir, niemals (Instr. / 1.Sg.Präs. / Nom. / Neg. / Instr. / Nom. / Adv.)

mā mā vocaḥ krūram ihādya pārtha; nāsmadvidho vai bhavatā tu vācyo / yathā bhavān sarvalokasya vācyaḥ; evaṃ hi mā te bruvato narendra / kathaṃ na dīryec chatadhādya jihvā; aho batedaṃ sunṛśaṃsarūpaṃ / bhavān api hy atra karṇād bibheti

„Sprich mich nicht grausam an heute hier, Pārtha! Einer wie ich sollte gewiss nicht von dir getadelt werden, so wie du selbst von der ganzen Welt getadelt wirst. Wie spaltet sich deine Zunge, die so zu mir spricht, Herrscher der Männer, nicht heute in hundert Stücke? Ach, wie grausam ist diese deine Art! Du selbst fürchtest hier sogar Karṇa.“

Wort für Wort
mā mā vocaḥ krūram iha adya pārtha
sprich mich nicht grausam an heute hier, Pārtha (Neg. / Akk. / 2.Sg.Aor.Inj. / Akk. / Adv. / Adv. / Vok.)
na asmadvidhaḥ vai bhavatā tu vācyaḥ
einer wie ich sollte gewiss nicht von dir getadelt werden (Neg. / Nom. / Partikel / Instr. / Partikel / Nom.)
yathā bhavān sarvalokasya vācyaḥ
so wie du selbst von der ganzen Welt getadelt wirst (Adv. / Nom. / Gen. / Nom.)
evam hi mā te bruvataḥ narendra
die so zu mir spricht, Herrscher der Männer (Adv. / Partikel / Akk. / Gen. / Part.Präs. / Vok.)
katham na dīryet śatadhā adya jihvā
wie spaltet sich deine Zunge nicht heute in hundert Stücke (Adv. / Neg. / 3.Sg.Opt. / Adv. / Adv. / Nom.)
aho bata idam sunṛśaṃsarūpam
ach, wie grausam ist diese deine Art (Interjektion / Interjektion / Nom. / Nom.)
bhavān api hi atra karṇāt bibheti
du selbst fürchtest hier sogar Karṇa (Nom. / Partikel / Partikel / Adv. / Abl. / 3.Sg.Präs.)

balaṃ tu vāci dvijasattamānāṃ; kṣātraṃ budhā bāhubalaṃ vadanti / tvaṃ vāgbalo bhārata niṣṭhuraś ca; tvam eva māṃ vetsi yathāvidho 'ham

„Die Kraft der Besten der Zweifachgeborenen liegt in der Rede; die Kraft der Kshatriyas, so sagen die Weisen, liegt in der Kraft des Armes. Du bist wortmächtig, Bhārata, und hart; du weißt am besten selbst, von welcher Art ich bin.“

Wort für Wort
balam tu vāci dvijasattamānām
die Kraft der Besten der Zweifachgeborenen liegt in der Rede (Nom. / Partikel / Lok. / Gen.Pl.)
kṣātram budhāḥ bāhubalam vadanti
die Kraft der Kshatriyas, so sagen die Weisen, liegt in der Kraft des Armes (Nom. / Nom.Pl. / Akk. / 3.Pl.Präs.)
tvam vāgbalaḥ bhārata niṣṭhuraḥ ca
du bist wortmächtig, Bhārata, und hart (Nom. / Nom. / Vok. / Nom. / Konj.)
tvam eva mām vetsi yathāvidhaḥ aham
du weißt am besten selbst, von welcher Art ich bin (Nom. / Partikel / Akk. / 2.Sg.Präs. / Nom. / Nom.)

nakulena rājan gajavājiyodhā; hatāś ca śūrāḥ sahasā sametya / tyaktvā prāṇān samare yuddhakāṅkṣī; sa mām upālabdhum ariṃdamo 'rhati / kṛtaṃ karma sahadevena duṣkaraṃ; yo yudhyate parasainyāvamardī / na cābravīt kiṃ cid ihāgato balī; paśyāntaraṃ tasya caivātmanaś ca / dhṛṣṭadyumnaḥ sātyakir draupadeyā; yudhāmanyuś cottamaujāḥ śikhaṇḍī / ete 'dya sarve yudhi saṃprapīḍitās; te mām upālabdhum arhanti na tvam

„Von Nakula, König, wurden im Getümmel die Elefanten-, Pferde- und Fußkämpfer erschlagen, tapfere, die plötzlich zusammentrafen; er, der nach dem Kampf verlangt, der sein Leben in der Schlacht aufs Spiel setzte — er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde. Eine schwer zu vollbringende Tat hat Sahadeva vollbracht, er, der kämpft, der die Heere der Feinde zermalmt; und der Starke sprach kein Wort, als er hierher kam — sieh den Unterschied zwischen ihm und dir selbst! Dhṛṣṭadyumna, Sātyaki, die Söhne Draupadīs, Yudhāmanyu und Uttamaujas, Śikhaṇḍin — diese alle sind heute in der Schlacht schwer bedrängt worden; sie sind berechtigt, mich zu tadeln — nicht du.“

Wort für Wort
nakulena rājan gajavājiyodhāḥ
von Nakula, König, die Elefanten-, Pferde- und Fußkämpfer (Instr. / Vok. / Nom.Pl.)
hatāḥ ca śūrāḥ sahasā sametya
erschlagen, tapfere, die plötzlich zusammentrafen (Nom.Pl. / Konj. / Nom.Pl. / Adv. / Ger.)
tyaktvā prāṇān samare yuddhakāṅkṣī
der sein Leben in der Schlacht aufs Spiel setzte, der nach dem Kampf verlangt (Ger. / Akk.Pl. / Lok. / Nom.)
sa mām upālabdhum ariṃdamaḥ arhati
er ist berechtigt, mich zu tadeln, der Bezwinger der Feinde (Nom. / Akk. / Inf. / Nom. / 3.Sg.Präs.)
kṛtam karma sahadevena duṣkaram
eine schwer zu vollbringende Tat hat Sahadeva vollbracht (Nom. / Nom. / Instr. / Nom.)
yaḥ yudhyate parasainyāvamardī
er, der kämpft, der die Heere der Feinde zermalmt (Nom. / 3.Sg.Präs.Med. / Nom.)
na ca abravīt kiṃcit iha āgataḥ balī
und der Starke sprach kein Wort, als er hierher kam (Neg. / Konj. / 3.Sg.Impf. / Akk. / Adv. / Nom. / Nom.)
paśya antaram tasya ca ātmanaḥ ca
sieh den Unterschied zwischen ihm und dir selbst (Imp. / Akk. / Gen. / Konj. / Gen. / Konj.)
dhṛṣṭadyumnaḥ sātyakiḥ draupadeyāḥ
Dhṛṣṭadyumna, Sātyaki, die Söhne Draupadīs (Nom. / Nom. / Nom.Pl.)
yudhāmanyuḥ ca uttamaujāḥ śikhaṇḍī
Yudhāmanyu und Uttamaujas, Śikhaṇḍin (Nom. / Konj. / Nom. / Nom.)
ete adya sarve yudhi saṃprapīḍitāḥ
diese alle sind heute in der Schlacht schwer bedrängt worden (Nom.Pl. / Adv. / Nom.Pl. / Lok. / Nom.Pl.)
te mām upālabdhum arhanti na tvam
sie sind berechtigt, mich zu tadeln — nicht du (Nom.Pl. / Akk. / Inf. / 3.Pl.Präs. / Neg. / Nom.)

tvanmūlam asmābhir idaṃ hi vairaṃ; prāptaṃ tathā vyasanaṃ cātighoram / dyūte pramattena kṛtaṃ tvayāsakṛt; kasmād upālabdhum ihārhasi tvam / tvam eva rājan satataṃ pramattas; tvam eva mūḍho bhāratānām asādhuḥ / tvāṃ prāpya rājyaṃ ca vinaṣṭam etat; prāptā mahat pāṇḍavāś caiva dāsyam

„Von dir ist diese Feindschaft, die wir tragen, ausgegangen, und ebenso das überaus furchtbare Unheil; durch das im Würfelspiel gezeigte unbekümmerte Verhalten, das du wiederholt begangen hast — wie könntest du hier berechtigt sein, mich zu tadeln? Du selbst, König, bist stets unbekümmert; du selbst bist der Verblendete, der Unwürdige unter den Bhāratas. Durch dich ist dieses Königreich zugrunde gegangen, und die Pāṇḍavas haben schwere Knechtschaft erlitten.“

Wort für Wort
tvanmūlam asmābhiḥ idam hi vairam
von dir ist diese Feindschaft, die wir tragen, ausgegangen (Nom. / Instr.Pl. / Nom. / Partikel / Nom.)
prāptam tathā vyasanam ca atighoram
und ebenso das überaus furchtbare Unheil erlangt (Nom. / Adv. / Nom. / Konj. / Nom.)
dyūte pramattena kṛtam tvayā asakṛt
durch das im Würfelspiel unbekümmerte Verhalten, das du wiederholt begangen hast (Lok. / Instr. / Nom. / Instr. / Adv.)
kasmāt upālabdhum iha arhasi tvam
wie könntest du hier berechtigt sein zu tadeln (Abl. / Inf. / Adv. / 2.Sg.Präs. / Nom.)
tvam eva rājan satatam pramattaḥ
du selbst, König, bist stets unbekümmert (Nom. / Partikel / Vok. / Adv. / Nom.)
tvam eva mūḍhaḥ bhāratānām asādhuḥ
du selbst bist der Verblendete, der Unwürdige unter den Bhāratas (Nom. / Partikel / Nom. / Gen.Pl. / Nom.)
tvām prāpya rājyam ca vinaṣṭam etat
durch dich ist dieses Königreich zugrunde gegangen (Akk. / Ger. / Nom. / Konj. / Nom. / Nom.)
prāptāḥ mahat pāṇḍavāḥ ca eva dāsyam
und die Pāṇḍavas haben schwere Knechtschaft erlitten (Nom.Pl. / Akk. / Nom.Pl. / Konj. / Partikel / Akk.)

tvattaḥ kṛte syād vanavāsaduḥkhaṃ; rājyasya nāśo hy abhimanyoś ca ghoraḥ / ātmānam evaṃ sunṛśaṃsarūpaṃ; jñātvā kimarthaṃ garhase mādya vīra / lajjasva rājan yadi te 'sti lajjā; tūṣṇīṃ bhūtaḥ paśya sarvaṃ kṛtaṃ naḥ / bhīmo nityaṃ samarasya kartā; darpasya bhettā punar eva nityam / svayaṃ hy aśaktena narendra yuddhe; nareṇa kāryā satataṃ kṣamaiva

„Deinetwegen ist das Leid des Waldaufenthalts geschehen; und das furchtbare Verderben des Königreichs, und ebenso der Tod Abhimanyus. Wie kannst du, wissend, dass du selbst von solch grausamer Art bist, mich heute tadeln, Held? Schäme dich, König, wenn du Scham besitzt; sei still und sieh alles, was wir getan haben. Bhīma ist stets der Vollbringer der Schlacht, immer wieder der Brecher des Hochmuts der Feinde. Denn ein Mann, der selbst im Kampf unfähig ist, Herrscher der Männer, sollte stets nur Geduld üben.“

Wort für Wort
tvattaḥ kṛte syāt vanavāsaduḥkham
deinetwegen ist das Leid des Waldaufenthalts geschehen (Abl. / Lok. / 3.Sg.Opt. / Nom.)
rājyasya nāśaḥ hi abhimanyoḥ ca ghoraḥ
und das furchtbare Verderben des Königreichs, und Abhimanyus (Gen. / Nom. / Partikel / Gen. / Konj. / Nom.)
ātmānam evam sunṛśaṃsarūpam
dass du selbst von solch grausamer Art bist (Akk. / Adv. / Akk.)
jñātvā kimartham garhase mā adya vīra
wissend, wie kannst du mich heute tadeln, Held (Ger. / Adv. / 2.Sg.Präs.Med. / Akk. / Adv. / Vok.)
lajjasva rājan yadi te asti lajjā
schäme dich, König, wenn du Scham besitzt (Imp. / Vok. / Konj. / Gen. / 3.Sg.Präs. / Nom.)
tūṣṇīm bhūtaḥ paśya sarvam kṛtam naḥ
sei still und sieh alles, was wir getan haben (Adv. / Nom. / Imp. / Akk. / Akk. / Gen.Pl.)
bhīmaḥ nityam samarasya kartā
Bhīma ist stets der Vollbringer der Schlacht (Nom. / Adv. / Gen. / Nom.)
darpasya bhettā punaḥ eva nityam
immer wieder der Brecher des Hochmuts (Gen. / Nom. / Adv. / Partikel / Adv.)
svayam hi aśaktena narendra yuddhe
denn ein selbst im Kampf unfähiger, Herrscher der Männer (Adv. / Partikel / Instr. / Vok. / Lok.)
nareṇa kāryā satatam kṣamā eva
ein Mann sollte stets nur Geduld üben (Instr. / Nom. / Adv. / Nom. / Partikel)

yatāmi nityaṃ tava kartum iṣṭaṃ; dāraiḥ sutair jīvitenātmanā ca / evaṃ ca māṃ vāgviśikhair nihaṃsi; tvattaḥ sukhaṃ na vayaṃ vidma kiṃ cit / avāmaṃsthā māṃ draupadītalpasaṃstho; mahārathān pratihanmi tvadarthe / tenātiśaṅkī bhārata niṣṭhuro 'si; tvattaḥ sukhaṃ nābhijānāmi kiṃ cit

„Ich bemühe mich stets, dir zu Willen zu sein, mit Gattin, Söhnen, Leben und mir selbst; und dennoch verwundest du mich so mit den Pfeilen deiner Worte — von dir kennen wir kein Glück, kein bisschen. Du hast mich missachtet, während ich auf Draupadīs Lager lag, ich, der ich um deinetwillen große Wagenkämpfer niederschlage; darum bist du überaus argwöhnisch, Bhārata, und hart; von dir kenne ich kein Glück, kein bisschen.“

Wort für Wort
yatāmi nityam tava kartum iṣṭam
ich bemühe mich stets, dir zu Willen zu sein (1.Sg.Präs. / Adv. / Gen. / Inf. / Akk.)
dāraiḥ sutaiḥ jīvitena ātmanā ca
mit Gattin, Söhnen, Leben und mir selbst (Instr.Pl. / Instr.Pl. / Instr. / Instr. / Konj.)
evam ca mām vāgviśikhaiḥ nihaṃsi
und dennoch verwundest du mich mit den Pfeilen deiner Worte (Adv. / Konj. / Akk. / Instr.Pl. / 2.Sg.Präs.)
tvattaḥ sukham na vayam vidma kiṃcit
von dir kennen wir kein Glück, kein bisschen (Abl. / Akk. / Neg. / Nom.Pl. / 1.Pl.Perf. / Akk.)
avāmaṃsthāḥ mām draupadītalpasaṃsthaḥ
du hast mich missachtet, während ich auf Draupadīs Lager lag (2.Sg.Aor. / Akk. / Nom.)
mahārathān pratihanmi tvadarthe
ich, der ich um deinetwillen große Wagenkämpfer niederschlage (Akk.Pl. / 1.Sg.Präs. / Lok.)
tena atiśaṅkī bhārata niṣṭhuraḥ asi
darum bist du überaus argwöhnisch, Bhārata, und hart (Instr. / Nom. / Vok. / Nom. / 2.Sg.Präs.)
tvattaḥ sukham na abhijānāmi kiṃcit
von dir kenne ich kein Glück, kein bisschen (Abl. / Akk. / Neg. / 1.Sg.Präs. / Akk.)

proktaḥ svayaṃ satyasaṃdhena mṛtyus; tava priyārthaṃ naradeva yuddhe / vīraḥ śikhaṇḍī draupado 'sau mahātmā; mayābhiguptena hataś ca tena / droṇo hato yaḥ satatopakārī; dhṛṣṭadyumnena syandanād viprakṛṣya / drauṇiś ca kruddho sagaṇo mahātmā; tathāpi te vai vacanaṃ nṛśaṃsavat / duḥkhaṃ priyaṃ te naradeva kartuṃ; yasya priyaṃ te na karomy ahaṃ vai / na mucyate vai divi ceha vā pumān; yas te mad anyo 'priyam ārabheta

„Selbst vom Wahrheitstreuen wurde der Tod verkündet, dir zuliebe, Herrscher der Männer, in der Schlacht; der Held Śikhaṇḍin, jener hochgesinnte Sohn Drupadas, wurde, von mir beschützt, zum Werkzeug gemacht, und durch ihn wurde Bhīṣma erschlagen. Droṇa, der stets Hilfreiche, wurde erschlagen, von Dhṛṣṭadyumna vom Wagen herabgezerrt; und Drauṇi, erzürnt, hochgesinnt, samt seiner Schar, wurde bezwungen — und dennoch ist dein Wort grausam. Es ist schwer, dir zu Willen zu sein, Herrscher der Männer, du, dem ich nichts zuliebe tue, was mir nicht selbst zuliebe wäre. Denn kein Mann, der außer mir dir etwas Unliebsames antäte, würde weder im Himmel noch hier befreit.“

Wort für Wort
proktaḥ svayam satyasaṃdhena mṛtyuḥ
selbst vom Wahrheitstreuen wurde der Tod verkündet (Nom. / Adv. / Instr. / Nom.)
tava priyārtham naradeva yuddhe
dir zuliebe, Herrscher der Männer, in der Schlacht (Gen. / Akk. / Vok. / Lok.)
vīraḥ śikhaṇḍī draupadaḥ asau mahātmā
der Held Śikhaṇḍin, jener hochgesinnte Sohn Drupadas (Nom. / Nom. / Nom. / Nom. / Nom.)
mayā abhiguptena hataḥ ca tena
von mir beschützt, und durch ihn erschlagen (Instr. / Instr. / Nom. / Konj. / Instr.)
droṇaḥ hataḥ yaḥ satatopakārī
Droṇa, der stets Hilfreiche, wurde erschlagen (Nom. / Nom. / Nom. / Nom.)
dhṛṣṭadyumnena syandanāt viprakṛṣya
von Dhṛṣṭadyumna vom Wagen herabgezerrt (Instr. / Abl. / Ger.)
drauṇiḥ ca kruddhaḥ sagaṇaḥ mahātmā
und Drauṇi, erzürnt, hochgesinnt, samt seiner Schar (Nom. / Konj. / Nom. / Nom. / Nom.)
tathāpi te vai vacanam nṛśaṃsavat
und dennoch ist dein Wort grausam (Adv. / Gen. / Partikel / Nom. / Adv.)
duḥkham priyam te naradeva kartum
es ist schwer, dir zu Willen zu sein, Herrscher der Männer (Nom. / Akk. / Gen. / Vok. / Inf.)
yasya priyam te na karomi aham vai
du, dem ich nichts zuliebe tue, was mir nicht selbst zuliebe wäre (Gen. / Akk. / Gen. / Neg. / 1.Sg.Präs. / Nom. / Partikel)
na mucyate vai divi ca iha vā pumān
kein Mann würde weder im Himmel noch hier befreit (Neg. / 3.Sg.Präs.Pass. / Partikel / Lok. / Konj. / Adv. / Konj. / Nom.)
yaḥ te mat anyaḥ apriyam ārabheta
der außer mir dir etwas Unliebsames antäte (Nom. / Gen. / Abl. / Nom. / Akk. / 3.Sg.Opt.)

Die apparatus-Zeilen 0723-0724 (v084d) sind syntaktisch stark verdichtet und teils in Formelsprache gehalten; hier zu einer zusammenhängenden, sinngemäßen Übertragung von Arjunas Aufzählung seiner Verdienste zusammengefasst.

na cābhinandāmi tavādhirājyaṃ; yatas tvam akṣeṣv ahitāya saktaḥ / svayaṃ kṛtvā pāpam anāryajuṣṭam; ebhir yuddhe tartum icchasy arīṃs tu / akṣeṣu doṣā bahavo vidharmāḥ; śrutās tvayā sahadevo 'bravīd yān / tān naiṣi saṃtartum asādhujuṣṭān; yena sma sarve nirayaṃ prapannāḥ

„Und ich freue mich nicht über deine Oberherrschaft, da du dem Würfelspiel zu deinem eigenen Schaden verfallen bist; selbst hast du eine von den Edlen gemiedene Sünde begangen, und mit diesen Kriegern hier willst du nun im Kampf die Feinde überwinden. Die vielen dem Dharma zuwiderlaufenden Fehler im Würfelspiel, die du von Sahadeva gehört hast, als er sie aufzählte — du überwindest sie nicht, diese von den Unwürdigen geliebten Laster, durch die wir alle in die Hölle geraten sind.“

Wort für Wort
na ca abhinandāmi tava adhirājyam
und ich freue mich nicht über deine Oberherrschaft (Neg. / Konj. / 1.Sg.Präs. / Gen. / Akk.)
yataḥ tvam akṣeṣu ahitāya saktaḥ
da du dem Würfelspiel zu deinem eigenen Schaden verfallen bist (Adv. / Nom. / Lok.Pl. / Dat. / Nom.)
svayam kṛtvā pāpam anāryajuṣṭam
selbst hast du eine von den Edlen gemiedene Sünde begangen (Adv. / Ger. / Akk. / Akk.)
ebhiḥ yuddhe tartum icchasi arīn tu
und mit diesen willst du nun im Kampf die Feinde überwinden (Instr.Pl. / Lok. / Inf. / 2.Sg.Präs. / Akk.Pl. / Partikel)
akṣeṣu doṣāḥ bahavaḥ vidharmāḥ
die vielen dem Dharma zuwiderlaufenden Fehler im Würfelspiel (Lok.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
śrutāḥ tvayā sahadevaḥ abravīt yān
die du von Sahadeva gehört hast, als er sie aufzählte (Nom.Pl. / Instr. / Nom. / 3.Sg.Impf. / Akk.Pl.)
tān na eṣi saṃtartum asādhujuṣṭān
du überwindest sie nicht, diese von den Unwürdigen geliebten (Akk.Pl. / Neg. / 2.Sg.Präs. / Inf. / Akk.Pl.)
yena sma sarve nirayam prapannāḥ
durch die wir alle in die Hölle geraten sind (Instr. / Partikel / Nom.Pl. / Akk. / Nom.Pl.)

sukhaṃ tvatto nābhijānīma kiṃ cid / yatas tvam akṣair devituṃ saṃpravṛttaḥ / svayaṃ kṛtvā paruṣaṃ pāṇḍava tvaṃ / bhūyas tīkṣṇāḥ śrāvayasy adya vācaḥ

„Kein Glück kennen wir von dir, nicht das Geringste, seit du dich dem Würfelspiel hingegeben hast. Selbst hast du Hartes getan, Pāṇḍava, und lässt uns nun wieder scharfe Worte hören.“

Wort für Wort
sukham tvattaḥ na abhijānīma kiṃcit
kein Glück kennen wir von dir, nicht das Geringste (Akk. / Abl. / Neg. / 1.Pl.Präs. / Akk.)
yataḥ tvam akṣaiḥ devitum saṃpravṛttaḥ
seit du dich dem Würfelspiel hingegeben hast (Adv. / Nom. / Instr.Pl. / Inf. / Nom.)
svayam kṛtvā paruṣam pāṇḍava tvam
selbst hast du Hartes getan, Pāṇḍava (Adv. / Ger. / Akk. / Vok. / Nom.)
bhūyaḥ tīkṣṇāḥ śrāvayasi adya vācaḥ
und lässt uns nun wieder scharfe Worte hören (Adv. / Akk.Pl. / 2.Sg.Präs. / Adv. / Akk.Pl.)

śete 'smābhir nihatā śatrusenā; chinnair gātrair bhūmitale nadantī / tvayā hi tat karma kṛtaṃ nṛśaṃsaṃ; yasmād doṣaḥ kauravāṇāṃ vadhaś ca / hatā udīcyā nihatāḥ pratīcyā; naṣṭāḥ prācyā dākṣiṇātyā viśastāḥ / kṛtaṃ karmāpratirūpaṃ mahadbhis; teṣāṃ yodhair asmadīyaiś ca yuddhe

„Das von uns erschlagene Feindesheer liegt da, mit zerschmetterten Gliedern, auf dem Erdboden stöhnend. Von dir wurde jene grausame Tat vollbracht, aus der der Fehler und das Blutbad der Kauravas entstand: die im Norden erschlagen, die im Westen niedergestreckt, die im Osten vernichtet, die im Süden zerfleischt — eine unvergleichliche Tat wurde von den Großen vollbracht, von deren Kriegern und den unsrigen, in der Schlacht.“

Wort für Wort
śete asmābhiḥ nihatā śatrusenā
das von uns erschlagene Feindesheer liegt da (3.Sg.Präs.Med. / Instr.Pl. / Nom. / Nom.)
chinnaiḥ gātraiḥ bhūmitale nadantī
mit zerschmetterten Gliedern, auf dem Erdboden stöhnend (Instr.Pl. / Instr.Pl. / Lok. / Nom.)
tvayā hi tat karma kṛtam nṛśaṃsam
von dir wurde jene grausame Tat vollbracht (Instr. / Partikel / Nom. / Nom. / Nom. / Nom.)
yasmāt doṣaḥ kauravāṇām vadhaḥ ca
aus der der Fehler und das Blutbad der Kauravas entstand (Abl. / Nom. / Gen.Pl. / Nom. / Konj.)
hatāḥ udīcyāḥ nihatāḥ pratīcyāḥ
die im Norden erschlagen, die im Westen niedergestreckt (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
naṣṭāḥ prācyāḥ dākṣiṇātyāḥ viśastāḥ
die im Osten vernichtet, die im Süden zerfleischt (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
kṛtam karma apratirūpam mahadbhiḥ
eine unvergleichliche Tat wurde von den Großen vollbracht (Nom. / Nom. / Nom. / Instr.Pl.)
teṣām yodhaiḥ asmadīyaiḥ ca yuddhe
von deren Kriegern und den unsrigen, in der Schlacht (Gen.Pl. / Instr.Pl. / Instr.Pl. / Konj. / Lok.)

tvaṃ devitā tvatkṛte rājyanāśas; tvat saṃbhavaṃ vyasanaṃ no narendra / māsmān krūrair vākpratodais tuda tvaṃ; bhūyo rājan kopayann alpabhāgyān / etā vācaḥ paruṣāḥ savyasācī; sthiraprajñaṃ śrāvayitvā tatakṣa

„Du bist der Spieler; durch dich das Verderben des Königreichs; von dir stammt unser Unheil, Herrscher der Männer. Stachle uns nicht mit den grausamen Peitschenhieben deiner Worte, König, indem du die vom Unglück Verfolgten weiter erzürnst.“ Nachdem Savyasācin diese harten Worte den Festgesinnten hatte hören lassen, verletzte er ihn damit tief.

Wort für Wort
tvam devitā tvatkṛte rājyanāśaḥ
du bist der Spieler; durch dich das Verderben des Königreichs (Nom. / Nom. / Lok. / Nom.)
tvat saṃbhavam vyasanam naḥ narendra
von dir stammt unser Unheil, Herrscher der Männer (Abl. / Akk. / Nom. / Gen.Pl. / Vok.)
mā asmān krūraiḥ vākpratodaiḥ tuda tvam
stachle uns nicht mit den grausamen Peitschenhieben deiner Worte (Neg. / Akk.Pl. / Instr.Pl. / Instr.Pl. / Imp. / Nom.)
bhūyaḥ rājan kopayan alpabhāgyān
indem du, König, weiter die vom Unglück Verfolgten erzürnst (Adv. / Vok. / Part.Präs. / Akk.Pl.)
etāḥ vācaḥ paruṣāḥ savyasācī
diese harten Worte, Savyasācin (Akk.Pl. / Akk.Pl. / Akk.Pl. / Nom.)
sthiraprajñam śrāvayitvā tatakṣa
nachdem er sie den Festgesinnten hatte hören lassen, verletzte er ihn tief (Akk. / Ger. / 3.Sg.Impf.)

babhūvāsau vimanā dharmabhīruḥ; kṛtvā prājñaḥ pātakaṃ kiṃ cid evam / viniśvasañ jyeṣṭham aniṣṭam uktvā; tatas tu kośād asim udbabarha / samuddadhārāsim udārakarmā; nihantum ātmānam amitrasāham / tadānutepe surarājaputro; viniḥśvasaṃś cāpy asim udbabarha

Er, der Weise, der Dharma-Scheue, wurde bekümmert, gleichsam, als hätte er eine Sünde begangen. Aufseufzend, nachdem er zum älteren Bruder Unwillkommenes gesprochen hatte, zog er darauf das Schwert aus der Scheide; der von edlen Taten, er zog das Schwert, um sich selbst zu töten, ihn, den Bezwinger der Feinde. Da bereute es der Sohn des Götterkönigs sogleich; und dennoch, aufseufzend, zog er das Schwert.

Wort für Wort
babhūva asau vimanāḥ dharmabhīruḥ
er, der Dharma-Scheue, wurde bekümmert (3.Sg.Perf. / Nom. / Nom. / Nom.)
kṛtvā prājñaḥ pātakam kiṃcit evam
der Weise, gleichsam, als hätte er eine Sünde begangen (Ger. / Nom. / Akk. / Adv. / Adv.)
viniśvasan jyeṣṭham aniṣṭam uktvā
aufseufzend, nachdem er zum älteren Bruder Unwillkommenes gesprochen hatte (Part.Präs. / Akk. / Akk. / Ger.)
tataḥ tu kośāt asim udbabarha
zog er darauf das Schwert aus der Scheide (Adv. / Partikel / Abl. / Akk. / 3.Sg.Perf.)
samuddadhāra asim udārakarmā
der von edlen Taten, er zog das Schwert (3.Sg.Perf. / Akk. / Nom.)
nihantum ātmānam amitrasāham
um sich selbst zu töten, ihn, den Bezwinger der Feinde (Inf. / Akk. / Akk.)
tadā anutepe surarājaputraḥ
da bereute es sogleich der Sohn des Götterkönigs (Adv. / 3.Sg.Perf.Med. / Nom.)
viniḥśvasan ca api asim udbabarha
und dennoch, aufseufzend, zog er das Schwert (Part.Präs. / Konj. / Partikel / Akk. / 3.Sg.Perf.)

tam āha kṛṣṇaḥ kim idaṃ punar bhavān; vikośam ākāśanibhaṃ karoty asim / prabrūhi satyaṃ punar uttaraṃ vidher; vacaḥ pravakṣyāmy aham arthasiddhaye / ity eva pṛṣṭaḥ puruṣottamena; suduḥkhitaḥ keśavam āha vākyam / ahaṃ haniṣye svaśarīram eva; prasahya yenāhitam ācaraṃ vai

Da sprach Kṛṣṇa zu ihm: „Was ist dies nun wieder? Warum machst du das Schwert scheidenlos, dem Himmel gleich? Sage mir die Wahrheit; danach werde ich dir das weitere Wort der Vorschrift sagen, zum Gelingen der Sache.“ So von dem Besten der Männer gefragt, sprach der überaus Betrübte zu Keśava dieses Wort: „Ich werde meinen eigenen Körper töten, mit Gewalt, durch den ich Schädliches vollbracht habe.“

Wort für Wort
tam āha kṛṣṇaḥ kim idam punaḥ bhavān
da sprach Kṛṣṇa zu ihm: was ist dies nun wieder (Akk. / 3.Sg.Perf. / Nom. / Nom. / Nom. / Adv. / Nom.)
vikośam ākāśanibham karoti asim
warum machst du das Schwert scheidenlos, dem Himmel gleich (Akk. / Akk. / 2.Sg.Präs. / Akk.)
prabrūhi satyam punaḥ uttaram vidheḥ
sage mir die Wahrheit; danach das weitere Wort der Vorschrift (Imp. / Akk. / Adv. / Akk. / Gen.)
vacaḥ pravakṣyāmi aham arthasiddhaye
werde ich dir sagen, zum Gelingen der Sache (Akk. / 1.Sg.Fut. / Nom. / Dat.)
iti eva pṛṣṭaḥ puruṣottamena
so von dem Besten der Männer gefragt (Zitatpartikel / Partikel / Nom. / Instr.)
suduḥkhitaḥ keśavam āha vākyam
sprach der überaus Betrübte zu Keśava dieses Wort (Nom. / Akk. / 3.Sg.Perf. / Akk.)
aham haniṣye svaśarīram eva
ich werde meinen eigenen Körper töten (Nom. / 1.Sg.Fut.Med. / Akk. / Partikel)
prasahya yena ahitam ācaram vai
mit Gewalt, durch den ich Schädliches vollbracht habe (Adv. / Instr. / Akk. / 1.Sg.Impf. / Partikel)

niśamya tat pārthavaco 'bravīd idaṃ; dhanaṃjayaṃ dharmabhṛtāṃ variṣṭhaḥ / rājānam enaṃ tvam itīdam uktvā; kiṃ kaśmalaṃ prāviśaḥ pārtha ghoram / tvaṃ cātmānaṃ hantum icchasy arighna; nedaṃ sadbhiḥ sevitaṃ vai kirīṭin / dharmātmānaṃ bhrātaraṃ jyeṣṭham adya; khaḍgena cainaṃ yadi hanyā nṛvīra / dharmād bhītas tat kathaṃ nāma te syāt; kiṃ cottaraṃ vākariṣyas tvam eva / sūkṣmo dharmo durvidaś cāpi pārtha; viśeṣato 'jñaiḥ procyamānaṃ nibodha / hatvātmānam ātmanā prāpnuyās tvaṃ; vadhād bhrātur narakaṃ cātighoram / prabrūhi pārtha svaguṇān ihātmanas; tathā svahārdaṃ bhavatīha sadyaḥ

Nachdem er dieses Wort Pārthas vernommen hatte, sprach der Beste der Dharma-Hüter zu Dhanañjaya dies: „Nachdem du diesen König so mit dem bloßen 'du' angesprochen hast, welch furchtbare Verwirrung hat dich befallen, Pārtha, dass du nun auch dich selbst zu töten wünschst, Feindetöter? Dies wird von den Guten nicht geübt, Kirīṭin! Wenn du heute deinen dharmagesinnten älteren Bruder mit dem Schwert erschlagen hättest, Männerheld, wie könnte es dann heißen, dass du den Dharma fürchtest? Was für eine weitere Übeltat wirst du selbst noch begehen? Der Dharma ist fein und selbst für die Unwissenden schwer zu erkennen, Pārtha; vernimm dies umso genauer. Wenn du dich selbst durch dich selbst tötest, gelangst du wegen des Brudermords in eine überaus furchtbare Hölle. Sage stattdessen, Pārtha, deine eigenen Vorzüge her, hier, für dich selbst; so wird sogleich auch deine eigene Herzensgüte hier offenbar.“

Wort für Wort
niśamya tat pārthavacaḥ abravīt idam
nachdem er dieses Wort Pārthas vernommen hatte, sprach er dies (Ger. / Akk. / Akk. / 3.Sg.Impf. / Akk.)
dhanaṃjayam dharmabhṛtām variṣṭhaḥ
zu Dhanañjaya, der Beste der Dharma-Hüter (Akk. / Gen.Pl. / Nom.)
rājānam enam tvam iti idam uktvā
nachdem du diesen König so angesprochen hast (Akk. / Akk. / Nom. / Zitatpartikel / Akk. / Ger.)
kim kaśmalam prāviśaḥ pārtha ghoram
welch furchtbare Verwirrung hat dich befallen, Pārtha (Nom. / Akk. / 2.Sg.Impf. / Vok. / Akk.)
tvam ca ātmānam hantum icchasi arighna
dass du nun auch dich selbst zu töten wünschst, Feindetöter (Nom. / Konj. / Akk. / Inf. / 2.Sg.Präs. / Vok.)
na idam sadbhiḥ sevitam vai kirīṭin
dies wird von den Guten nicht geübt, Kirīṭin (Neg. / Nom. / Instr.Pl. / Nom. / Partikel / Vok.)
dharmātmānam bhrātaram jyeṣṭham adya
deinen dharmagesinnten älteren Bruder heute (Akk. / Akk. / Akk. / Adv.)
khaḍgena ca enam yadi hanyāḥ nṛvīra
wenn du ihn mit dem Schwert erschlagen hättest, Männerheld (Instr. / Konj. / Akk. / Konj. / 2.Sg.Opt. / Vok.)
dharmāt bhītaḥ tat katham nāma te syāt
wie könnte es dann heißen, dass du den Dharma fürchtest (Abl. / Nom. / Akk. / Adv. / Adv. / Gen. / 3.Sg.Opt.)
kim ca uttaram vā kariṣyasi tvam eva
was für eine weitere Übeltat wirst du selbst noch begehen (Nom. / Konj. / Akk. / Konj. / 2.Sg.Fut. / Nom. / Partikel)
sūkṣmaḥ dharmaḥ durvidaḥ ca api pārtha
der Dharma ist fein und selbst für die Unwissenden schwer zu erkennen, Pārtha (Nom. / Nom. / Nom. / Konj. / Partikel / Vok.)
viśeṣataḥ ajñaiḥ procyamānam nibodha
vernimm dies umso genauer, von den Unwissenden Gesagtes (Adv. / Instr.Pl. / Akk. / Imp.)
hatvā ātmānam ātmanā prāpnuyāḥ tvam
wenn du dich selbst durch dich selbst tötest (Ger. / Akk. / Instr. / 2.Sg.Opt. / Nom.)
vadhāt bhrātuḥ narakam ca atighoram
gelangst du wegen des Brudermords in eine überaus furchtbare Hölle (Abl. / Gen. / Akk. / Konj. / Akk.)
prabrūhi pārtha svaguṇān iha ātmanaḥ
sage stattdessen, Pārtha, deine eigenen Vorzüge her, hier, für dich selbst (Imp. / Vok. / Akk.Pl. / Adv. / Gen.)
tathā svahārdam bhavati iha sadyaḥ
so wird sogleich auch deine eigene Herzensgüte hier offenbar (Adv. / Nom. / 3.Sg.Präs. / Adv. / Adv.)

tathāstu kṛṣṇety abhinandya vākyaṃ; dhanaṃjayaḥ prāha dhanur vināmya / yudhiṣṭhiraṃ dharmabhṛtāṃ variṣṭhaṃ; śṛṇuṣva rājann iti śakrasūnuḥ

„So sei es, Kṛṣṇa“ — nachdem er das Wort begrüßt hatte, senkte Dhanañjaya seinen Bogen und sprach zu Yudhiṣṭhira, dem Besten der Dharma-Hüter: „Höre, König!“ — so der Sohn Śakras.

Wort für Wort
tathā astu kṛṣṇa iti abhinandya vākyam
so sei es, Kṛṣṇa — nachdem er das Wort begrüßt hatte (Adv. / 3.Sg.Imp. / Vok. / Zitatpartikel / Ger. / Akk.)
dhanaṃjayaḥ prāha dhanuḥ vināmya
sprach Dhanañjaya, seinen Bogen senkend (Nom. / 3.Sg.Perf. / Akk. / Ger.)
yudhiṣṭhiram dharmabhṛtām variṣṭham
zu Yudhiṣṭhira, dem Besten der Dharma-Hüter (Akk. / Gen.Pl. / Akk.)
śṛṇuṣva rājan iti śakrasūnuḥ
höre, König — so der Sohn Śakras (Imp. / Vok. / Zitatpartikel / Nom.)

na mādṛśo 'nyo naradeva vidyate; dhanurdharo devam ṛte pinākinam / ahaṃ hi tenānumato mahātmanā; kṣaṇena hanyāṃ sacarācaraṃ jagat / mayā hi rājan sadigīśvarā diśo; vijitya sarvā bhavataḥ kṛtā vaśe / sa rājasūyaś ca samāptadakṣiṇaḥ; sabhā ca divyā bhavato mamaujasā

„Es gibt keinen anderen Bogenschützen wie mich, Herrscher der Männer, außer dem Gott mit dem Pināka. Denn ich könnte, von jenem Hochgesinnten dazu ermächtigt, im Augenblick die bewegliche und unbewegliche Welt vernichten. Denn von mir, König, wurden alle Himmelsrichtungen samt ihren Herrschern besiegt und dir untertan gemacht; jenes Rājasūya-Opfer mit vollendeten Ehrengaben, und die himmlische Versammlungshalle, wurden dir durch meine Kraft zuteil.“

Wort für Wort
na mādṛśaḥ anyaḥ naradeva vidyate
es gibt keinen anderen wie mich, Herrscher der Männer (Neg. / Nom. / Nom. / Vok. / 3.Sg.Präs.Pass.)
dhanurdharaḥ devam ṛte pinākinam
Bogenschütze, außer dem Gott mit dem Pināka (Nom. / Akk. / Präp. / Akk.)
aham hi tena anumataḥ mahātmanā
denn ich, von jenem Hochgesinnten dazu ermächtigt (Nom. / Partikel / Instr. / Nom. / Instr.)
kṣaṇena hanyām sacarācaram jagat
könnte im Augenblick die bewegliche und unbewegliche Welt vernichten (Instr. / 1.Sg.Opt. / Akk. / Akk.)
mayā hi rājan sadigīśvarāḥ diśaḥ
denn von mir, König, alle Himmelsrichtungen samt ihren Herrschern (Instr. / Partikel / Vok. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
vijitya sarvāḥ bhavataḥ kṛtāḥ vaśe
besiegt und dir untertan gemacht, alle (Ger. / Nom.Pl. / Gen. / Nom.Pl. / Lok.)
sa rājasūyaḥ ca samāptadakṣiṇaḥ
jenes Rājasūya-Opfer mit vollendeten Ehrengaben (Nom. / Nom. / Konj. / Nom.)
sabhā ca divyā bhavataḥ mama ojasā
und die himmlische Versammlungshalle wurden dir durch meine Kraft zuteil (Nom. / Konj. / Nom. / Gen. / Gen. / Instr.)

pāṇau pṛṣatkā likhitā mameme; dhanuś ca saṃkhye vitataṃ sabāṇam / pādau ca me saśarau sahadhvajau; na mādṛśaṃ yuddhagataṃ jayanti / hatā udīcyā nihatāḥ pratīcyāḥ; prācyā nirastā dākṣiṇātyā viśastāḥ / saṃśaptakānāṃ kiṃ cid evāvaśiṣṭaṃ; sarvasya sainyasya hataṃ mayārdham

„In meiner Hand hier sind gleichsam die Pfeile eingezeichnet, und der Bogen ist in der Schlacht gespannt, samt Pfeil; meine Füße samt Pfeilen, mein Banner samt Standarte — keiner besiegt einen wie mich, der ins Feld gezogen ist. Die im Norden erschlagen, die im Westen niedergestreckt, die im Osten vertrieben, die im Süden zerfleischt — von den Saṃśaptakas ist nur ein geringer Rest übrig geblieben; die Hälfte des gesamten Heeres wurde von mir erschlagen.“

Wort für Wort
pāṇau pṛṣatkāḥ likhitāḥ mama ime
in meiner Hand hier sind gleichsam die Pfeile eingezeichnet (Lok. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Gen. / Nom.Pl.)
dhanuḥ ca saṃkhye vitatam sabāṇam
und der Bogen ist in der Schlacht gespannt, samt Pfeil (Nom. / Konj. / Lok. / Nom. / Nom.)
pādau ca me saśarau sahadhvajau
meine Füße samt Pfeilen, mein Banner samt Standarte (Nom.Dual / Konj. / Gen. / Nom.Dual / Nom.Dual)
na mādṛśam yuddhagatam jayanti
keiner besiegt einen wie mich, der ins Feld gezogen ist (Neg. / Akk. / Akk. / 3.Pl.Präs.)
hatāḥ udīcyāḥ nihatāḥ pratīcyāḥ
die im Norden erschlagen, die im Westen niedergestreckt (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
prācyāḥ nirastāḥ dākṣiṇātyāḥ viśastāḥ
die im Osten vertrieben, die im Süden zerfleischt (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
saṃśaptakānām kiṃcit eva avaśiṣṭam
von den Saṃśaptakas ist nur ein geringer Rest übrig geblieben (Gen.Pl. / Nom. / Partikel / Nom.)
sarvasya sainyasya hatam mayā ardham
die Hälfte des gesamten Heeres wurde von mir erschlagen (Gen. / Gen. / Nom. / Instr. / Nom.)

śete mayā nihatā bhāratī ca; camū rājan devacamūprakāśā / ye nāstrajñās tān ahaṃ hanmi śastrais; tasmāl lokaṃ neha karomi bhasmasāt / jaitraṃ rathaṃ bhīmam āsthāya kṛṣṇa; prayāva śīghraṃ sūtaputraṃ nihantum / rājā bhavatv adya sunirvṛto 'yaṃ; karṇaṃ raṇe nāśayitāsmi bāṇaiḥ

„Von mir erschlagen liegt da, König, das Bhārata-Heer, einer göttlichen Heeresschar gleich glänzend. Die, welche nicht in der Waffenkunst kundig sind, erschlage ich mit einfachen Waffen; darum mache ich die Welt hierbei nicht zu Asche. Lass uns, Kṛṣṇa, auf den siegreichen, furchtbaren Wagen steigend, schnell aufbrechen, um den Sūta-Sohn zu erschlagen. Möge der König heute vollkommen zufrieden sein; ich werde Karṇa in der Schlacht mit Pfeilen vernichten.“

Wort für Wort
śete mayā nihatā bhāratī ca
von mir erschlagen liegt da das Bhārata- (3.Sg.Präs.Med. / Instr. / Nom. / Nom. / Konj.)
camūḥ rājan devacamūprakāśā
Heer, König, einer göttlichen Heeresschar gleich glänzend (Nom. / Vok. / Nom.)
ye na astrajñāḥ tān aham hanmi śastraiḥ
die, welche nicht in der Waffenkunst kundig sind, erschlage ich mit einfachen Waffen (Nom.Pl. / Neg. / Nom.Pl. / Akk.Pl. / Nom. / 1.Sg.Präs. / Instr.Pl.)
tasmāt lokam na iha karomi bhasmasāt
darum mache ich die Welt hierbei nicht zu Asche (Abl. / Akk. / Neg. / Adv. / 1.Sg.Präs. / Adv.)
jaitram ratham bhīmam āsthāya kṛṣṇa
auf den siegreichen, furchtbaren Wagen steigend, Kṛṣṇa (Akk. / Akk. / Akk. / Ger. / Vok.)
prayāva śīghram sūtaputram nihantum
lass uns schnell aufbrechen, um den Sūta-Sohn zu erschlagen (1.Du.Imp. / Adv. / Akk. / Inf.)
rājā bhavatu adya sunirvṛtaḥ ayam
möge der König heute vollkommen zufrieden sein (Nom. / 3.Sg.Imp. / Adv. / Nom. / Nom.)
karṇam raṇe nāśayitā asmi bāṇaiḥ
ich werde Karṇa in der Schlacht mit Pfeilen vernichten (Akk. / Lok. / Nom. / 1.Sg.Präs. / Instr.Pl.)

ity evam uktvā punar āha pārtho; yudhiṣṭhiraṃ dharmabhṛtāṃ variṣṭham / vimuktaśastrāstradhanur visṛjya; kośe ca khaḍgaṃ vinidhāya tūrṇam / sa vrīḍayā namraśirāḥ kirīṭī; yudhiṣṭhiraṃ prāñjalir abhyuvāca

So gesprochen habend, sprach Pārtha wiederum zu Yudhiṣṭhira, dem Besten der Dharma-Hüter; nachdem er Waffen, Geschosse und Bogen fortgelegt hatte, und das Schwert eilends in die Scheide zurückgesteckt hatte, wandte sich er, Kirīṭin, das Haupt aus Scham gesenkt, mit gefalteten Händen an Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
iti evam uktvā punaḥ āha pārthaḥ
so gesprochen habend, sprach Pārtha wiederum (Zitatpartikel / Adv. / Ger. / Adv. / 3.Sg.Perf. / Nom.)
yudhiṣṭhiram dharmabhṛtām variṣṭham
zu Yudhiṣṭhira, dem Besten der Dharma-Hüter (Akk. / Gen.Pl. / Akk.)
vimuktaśastrāstradhanuḥ visṛjya
nachdem er Waffen, Geschosse und Bogen fortgelegt hatte (Nom. / Ger.)
kośe ca khaḍgam vinidhāya tūrṇam
und das Schwert eilends in die Scheide zurückgesteckt hatte (Lok. / Konj. / Akk. / Ger. / Adv.)
sa vrīḍayā namraśirāḥ kirīṭī
er, Kirīṭin, das Haupt aus Scham gesenkt (Nom. / Instr. / Nom. / Nom.)
yudhiṣṭhiram prāñjaliḥ abhyuvāca
wandte sich mit gefalteten Händen an Yudhiṣṭhira (Akk. / Nom. / 3.Sg.Impf.)

apy aputrā tena rādhā bhavitrī; kuntī mayā vā tad ṛtaṃ viddhi rājan / satyaṃ vadāmy adya na karṇam ājau; śarair ahatvā kavacaṃ vimokṣye

„Entweder wird Rādhā durch ihn sohnlos werden, oder Kuntī durch mich — wisse dies als wahr, König. Ich spreche heute die Wahrheit: ich werde heute im Kampf meine Rüstung nicht ablegen, ohne Karṇa mit Pfeilen getroffen zu haben.“

Wort für Wort
api aputrā tena rādhā bhavitrī
entweder wird Rādhā durch ihn sohnlos werden (Partikel / Nom. / Instr. / Nom. / Nom.)
kuntī mayā vā tat ṛtam viddhi rājan
oder Kuntī durch mich — wisse dies als wahr, König (Nom. / Instr. / Konj. / Akk. / Akk. / Imp. / Vok.)
satyam vadāmi adya na karṇam ājau
ich spreche heute die Wahrheit: ich werde heute im Kampf Karṇa nicht (Akk. / 1.Sg.Präs. / Adv. / Neg. / Akk. / Lok.)
śaraiḥ ahatvā kavacam vimokṣye
ohne mit Pfeilen getroffen zu haben, werde ich meine Rüstung nicht ablegen (Instr.Pl. / Ger. / Akk. / 1.Sg.Fut.Med.)

Vers 098c-d ist in Form eines komprimierten Entweder-Oder-Schwurs überliefert: entweder stirbt Karṇa (und seine Mutter Rādhā wird sohnlos) oder Arjuna selbst stirbt im Duell (und seine Mutter Kuntī wird sohnlos); die genaue syntaktische Verknüpfung mit dem Rüstungs-Schwur ist knapp gehalten und wurde hier sinngemäß zu einem zusammenhängenden Schwur ausgeführt.

prasīda rājan kṣama yan mayoktaṃ; kāle bhavān vetsyati tan namas te / prasādya rājānam amitrasāhaṃ; sthito 'bravīc cainam abhiprapannaḥ / yāmy eṣa bhīmaṃ samarāt pramoktuṃ; sarvātmanā sūtaputraṃ ca hantum / tava priyārthaṃ mama jīvitaṃ hi; bravīmi satyaṃ tad avehi rājan / iti prāyād upasaṃgṛhya pādau; samutthito dīptatejāḥ kirīṭī / nedaṃ cirāt kṣipram idaṃ bhaviṣyaty; āvartate 'sāv abhiyāmi cainam

„Sei mir gnädig, König; vergib, was ich gesagt habe; zu rechter Zeit wirst du es selbst verstehen — sei mir gegrüßt.“ Nachdem er den Bezwinger der Feinde besänftigt hatte, stand er auf und sprach weiter, sich ihm zuwendend: „Ich gehe nun, um Bhīma aus der Schlacht zu befreien und mit ganzer Seele den Sūta-Sohn zu töten. Dir zuliebe, mein Leben gilt dir; ich spreche wahr, wisse dies, König.“ So sprechend, brach er auf, nachdem er seine Füße umfasst hatte; erhob sich Kirīṭī, von leuchtendem Glanz. Nicht lange wird es dauern, bald wird dies geschehen: er wendet sich, er geht auf ihn zu.

Wort für Wort
prasīda rājan kṣama yat mayā uktam
sei mir gnädig, König; vergib, was ich gesagt habe (Imp. / Vok. / Imp. / Akk. / Instr. / Nom.)
kāle bhavān vetsyati tat namaḥ te
zu rechter Zeit wirst du es verstehen — Gruß dir (Lok. / Nom. / 3.Sg.Fut. / Akk. / Nom. / Gen.)
prasādya rājānam amitrasāham
nachdem er den Bezwinger der Feinde besänftigt hatte (Ger. / Akk. / Akk.)
sthitaḥ abravīt ca enam abhiprapannaḥ
stand er auf und sprach weiter, sich ihm zuwendend (Nom. / 3.Sg.Impf. / Konj. / Akk. / Nom.)
yāmi eṣaḥ bhīmam samarāt pramoktum
ich gehe nun, um Bhīma aus der Schlacht zu befreien (1.Sg.Präs. / Nom. / Akk. / Abl. / Inf.)
sarvātmanā sūtaputram ca hantum
und mit ganzer Seele den Sūta-Sohn zu töten (Instr. / Akk. / Konj. / Inf.)
tava priyārtham mama jīvitam hi
dir zuliebe, mein Leben gilt dir (Gen. / Akk. / Gen. / Nom. / Partikel)
bravīmi satyam tat avehi rājan
ich spreche wahr, wisse dies, König (1.Sg.Präs. / Akk. / Akk. / Imp. / Vok.)
iti prāyāt upasaṃgṛhya pādau
so sprechend brach er auf, nachdem er seine Füße umfasst hatte (Zitatpartikel / 3.Sg.Impf. / Ger. / Akk.Dual)
samutthitaḥ dīptatejāḥ kirīṭī
erhob sich Kirīṭī, von leuchtendem Glanz (Nom. / Nom. / Nom.)
na idam cirāt kṣipram idam bhaviṣyati
nicht lange wird es dauern, bald wird dies geschehen (Neg. / Nom. / Abl. / Adv. / Nom. / 3.Sg.Fut.)
āvartate asau abhiyāmi ca enam
er wendet sich, ich gehe auf ihn zu (3.Sg.Präs.Med. / Nom. / 1.Sg.Präs. / Konj. / Akk.)

Die Schlusszeile 100e ('nedaṃ cirāt...') ist sprachlich stark verdichtet und ihr genauer Bezug unklar; sie wurde als knappe erzählerische Vorausdeutung auf Arjunas unmittelbar bevorstehenden Aufbruch zum Kampf gegen Karṇa wiedergegeben.

etac chrutvā pāṇḍavo dharmarājo; bhrātur vākyaṃ paruṣaṃ phalgunasya / utthāya tasmāc chayanād uvāca; pārthaṃ tato duḥkhaparītacetāḥ / kṛtaṃ mayā pārtha yathā na sādhu; yena prāptaṃ vyasanaṃ vaḥ sughoram / tasmāc chiraś chinddhi mamedam adya; kulāntakasyādhamapūruṣasya

Nachdem er dieses harte Wort seines Bruders Phalguna vernommen hatte, erhob sich der Pāṇḍava, der Dharma-König, von jenem Lager und sprach, von Leid überwältigt, zu Pārtha: „Ich habe gehandelt, Pārtha, wie es nicht gut war, wodurch euch dieses überaus furchtbare Unheil zuteilwurde. Darum schlage mir heute dieses mein Haupt ab, mir, dem Vernichter des Geschlechts, dem niedrigsten der Männer.“

Wort für Wort
etat śrutvā pāṇḍavaḥ dharmarājaḥ
nachdem er dies vernommen hatte, der Pāṇḍava, der Dharma-König (Akk. / Ger. / Nom. / Nom.)
bhrātuḥ vākyam paruṣam phalgunasya
das harte Wort seines Bruders Phalguna (Gen. / Akk. / Akk. / Gen.)
utthāya tasmāt śayanāt uvāca
erhob sich von jenem Lager und sprach (Ger. / Abl. / Abl. / 3.Sg.Perf.)
pārtham tataḥ duḥkhaparītacetāḥ
zu Pārtha, von Leid überwältigt (Akk. / Adv. / Nom.)
kṛtam mayā pārtha yathā na sādhu
ich habe gehandelt, Pārtha, wie es nicht gut war (Nom. / Instr. / Vok. / Adv. / Neg. / Nom.)
yena prāptam vyasanam vaḥ sughoram
wodurch euch dieses überaus furchtbare Unheil zuteilwurde (Instr. / Nom. / Nom. / Gen.Pl. / Nom.)
tasmāt śiraḥ chinddhi mama idam adya
darum schlage mir heute dieses mein Haupt ab (Abl. / Akk. / Imp. / Gen. / Akk. / Adv.)
kulāntakasya adhamapūruṣasya
mir, dem Vernichter des Geschlechts, dem niedrigsten der Männer (Gen. / Gen.)

pāpasya pāpavyasanānvitasya; vimūḍhabuddher alasasya bhīroḥ / vṛddhāvamantuḥ paruṣasya caiva; kiṃ te ciraṃ mām anuvṛtya rūkṣam / gacchāmy ahaṃ vanam evādya pāpaḥ; sukhaṃ bhavān vartatāṃ madvihīnaḥ / yogyo rājā bhīmaseno mahātmā; klībasya vā mama kiṃ rājyakṛtyam

„Des Sündigen, des von sündigem Unheil Erfüllten, des Verblendeten, des Trägen, des Furchtsamen, des die Alten Missachtenden und zugleich Harten — was nützt es dir, lange dem Rohen zu folgen? Ich gehe heute selbst als Sünder in den Wald; mögest du glücklich leben, ohne mich. Geeignet als König ist der hochgesinnte Bhīmasena; was soll mir, dem Unmännlichen, das Regierungsgeschäft?“

Wort für Wort
pāpasya pāpavyasanānvitasya
des Sündigen, des von sündigem Unheil Erfüllten (Gen. / Gen.)
vimūḍhabuddheḥ alasasya bhīroḥ
des Verblendeten, des Trägen, des Furchtsamen (Gen. / Gen. / Gen.)
vṛddhāvamantuḥ paruṣasya ca eva
des die Alten Missachtenden und zugleich Harten (Gen. / Gen. / Konj. / Partikel)
kim te ciram mām anuvṛtya rūkṣam
was nützt es dir, lange dem Rohen zu folgen (Nom. / Gen. / Adv. / Akk. / Ger. / Akk.)
gacchāmi aham vanam eva adya pāpaḥ
ich gehe heute selbst als Sünder in den Wald (1.Sg.Präs. / Nom. / Akk. / Partikel / Adv. / Nom.)
sukham bhavān vartatām madvihīnaḥ
mögest du glücklich leben, ohne mich (Adv. / Nom. / 3.Sg.Imp. / Nom.)
yogyaḥ rājā bhīmasenaḥ mahātmā
geeignet als König ist der hochgesinnte Bhīmasena (Nom. / Nom. / Nom. / Nom.)
klībasya vā mama kim rājyakṛtyam
was soll mir, dem Unmännlichen, das Regierungsgeschäft (Gen. / Konj. / Gen. / Nom. / Nom.)

na cāsmi śaktaḥ paruṣāṇi soḍhuṃ; punas tavemāni ruṣānvitasya / bhīmo 'stu rājā mama jīvitena; kiṃ kāryam adyāvamatasya vīra / ity evam uktvā sahasotpapāta; rājā tatas tac chayanaṃ vihāya / iyeṣa nirgantum atho vanāya; taṃ vāsudevaḥ praṇato 'bhyuvāca

„Und ich bin nicht imstande, wiederum diese deine harten Worte zu ertragen, wenn du im Zorn entbrannt bist. Bhīma sei König; was soll mir das Leben, Held, mir, dem heute Verachteten?“ So gesprochen habend, sprang der König plötzlich auf, jenes Lager verlassend, und wünschte sogleich in den Wald aufzubrechen. Da wandte sich Vāsudeva, sich verneigend, an ihn.

Wort für Wort
na ca asmi śaktaḥ paruṣāṇi soḍhum
und ich bin nicht imstande, diese harten Worte zu ertragen (Neg. / Konj. / 1.Sg.Präs. / Nom. / Akk.Pl. / Inf.)
punaḥ tava imāni ruṣānvitasya
wiederum diese deine, wenn du im Zorn entbrannt bist (Adv. / Gen. / Akk.Pl. / Gen.)
bhīmaḥ astu rājā mama jīvitena
Bhīma sei König; was soll mir das Leben (Nom. / 3.Sg.Imp. / Nom. / Gen. / Instr.)
kim kāryam adya avamatasya vīra
was soll mir das Leben heute, dem Verachteten, Held (Nom. / Nom. / Adv. / Gen. / Vok.)
iti evam uktvā sahasā utpapāta
so gesprochen habend, sprang plötzlich auf (Zitatpartikel / Adv. / Ger. / Adv. / 3.Sg.Perf.)
rājā tataḥ tat śayanam vihāya
der König, jenes Lager verlassend (Nom. / Adv. / Akk. / Akk. / Ger.)
iyeṣa nirgantum atho vanāya
und wünschte sogleich in den Wald aufzubrechen (3.Sg.Perf. / Inf. / Adv. / Dat.)
tam vāsudevaḥ praṇataḥ abhyuvāca
da wandte sich Vāsudeva, sich verneigend, an ihn (Akk. / Nom. / Nom. / 3.Sg.Impf.)

rājan viditam etat te yathā gāṇḍīvadhanvanaḥ / pratijñā satyasaṃdhasya gāṇḍīvaṃ prati viśrutā / brūyād ya evaṃ gāṇḍīvaṃ dehy anyasmai tvam ity uta / sa vadhyo 'sya pumāṃl loke tvayā cokto 'yam īdṛśam

„König, dir ist bekannt, wie das Gelübde des Gāṇḍīva-Bogenträgers, des Wahrheitstreuen, in Bezug auf den Gāṇḍīva-Bogen weithin bekannt ist: wer immer zu ihm sagen sollte ‚Gib den Gāṇḍīva einem anderen, du!‘ — dieser Mann sei von ihm in der Welt zu töten. Und ebendies wurde von dir zu ihm gesagt, auf diese Weise.“

Wort für Wort
rājan viditam etat te yathā gāṇḍīvadhanvanaḥ
König, dir ist bekannt, wie des Gāṇḍīva-Bogenträgers (Vok. / Nom. / Nom. / Gen. / Adv. / Gen.)
pratijñā satyasaṃdhasya gāṇḍīvam prati viśrutā
das Gelübde des Wahrheitstreuen in Bezug auf den Gāṇḍīva weithin bekannt (Nom. / Gen. / Akk. / Präp. / Nom.)
brūyāt yaḥ evam gāṇḍīvam dehi anyasmai tvam iti uta
wer immer so sagen sollte: gib den Gāṇḍīva einem anderen, du (3.Sg.Opt. / Nom. / Adv. / Akk. / Imp. / Dat. / Nom. / Zitatpartikel / Partikel)
sa vadhyaḥ asya pumān loke
dieser Mann sei von ihm in der Welt zu töten (Nom. / Nom. / Gen. / Nom. / Lok.)
tvayā ca uktaḥ ayam īdṛśam
und ebendies wurde von dir gesagt, auf diese Weise (Instr. / Konj. / Nom. / Nom. / Akk.)

ataḥ satyāṃ pratijñāṃ tāṃ pārthena parirakṣatā / macchandād avamāno 'yaṃ kṛtas tava mahīpate / gurūṇām avamāno hi vadha ity abhidhīyate / tasmāt tvaṃ vai mahābāho mama pārthasya cobhayoḥ / vyatikramam imaṃ rājan saṃkṣamasvārjunaṃ prati

„Darum wurde, um jenes Gelübde wahr zu halten, von Pārtha auf meinen Vorschlag hin diese Missachtung dir zugefügt, Herrscher der Erde. Denn die Missachtung von Gurus wird als ‚Töten‘ bezeichnet. Darum, du Starkarmiger, vergib mir und Pārtha diese Übertretung gegenüber Arjuna.“

Wort für Wort
ataḥ satyām pratijñām tām pārthena parirakṣatā
darum wurde, um jenes Gelübde wahr zu halten, von Pārtha (Adv. / Akk. / Akk. / Akk. / Instr. / Instr.)
macchandāt avamānaḥ ayam kṛtaḥ tava mahīpate
auf meinen Vorschlag hin diese Missachtung dir zugefügt, Herrscher der Erde (Abl. / Nom. / Nom. / Nom. / Gen. / Vok.)
gurūṇām avamānaḥ hi vadhaḥ iti abhidhīyate
denn die Missachtung von Gurus wird als 'Töten' bezeichnet (Gen.Pl. / Nom. / Partikel / Nom. / Zitatpartikel / 3.Sg.Präs.Pass.)
tasmāt tvam vai mahābāho mama pārthasya ca ubhayoḥ
darum, du Starkarmiger, mir und Pārtha, uns beiden (Abl. / Nom. / Partikel / Vok. / Gen. / Gen. / Konj. / Gen.Dual)
vyatikramam imam rājan saṃkṣamasva arjunam prati
vergib diese Übertretung, König, gegenüber Arjuna (Akk. / Akk. / Vok. / Imp. / Akk. / Präp.)

śaraṇaṃ tvāṃ mahārāja prapannau sva ubhāv api / kṣantum arhasi me rājan praṇatasyābhiyācataḥ / rādheyasyādya pāpasya bhūmiḥ pāsyati śoṇitam / satyaṃ te pratijānāmi hataṃ viddhy adya sūtajam / yasyecchasi vadhaṃ tasya gatam evādya jīvitam

„Wir beide haben Zuflucht bei dir gesucht, Großkönig, beide von uns selbst aus. Du sollst mir vergeben, König, mir, der ich mich verneige und flehe. Heute wird die Erde das Blut des sündigen Sohnes der Rādhā trinken. Ich verspreche dir wahrhaftig: wisse den Sūta-Sohn heute als getötet an. Dessen Tod du dir wünschst — dessen Leben ist heute schon dahin.“

Wort für Wort
śaraṇam tvām mahārāja prapannau sva ubhau api
wir beide haben Zuflucht bei dir gesucht, Großkönig, von uns selbst aus (Akk. / Akk. / Vok. / Nom.Dual / Nom.Dual / Nom.Dual / Partikel)
kṣantum arhasi me rājan praṇatasya abhiyācataḥ
du sollst mir vergeben, König, mir, der ich mich verneige und flehe (Inf. / 2.Sg.Präs. / Gen. / Vok. / Gen. / Gen.)
rādheyasya adya pāpasya bhūmiḥ pāsyati śoṇitam
heute wird die Erde das Blut des sündigen Sohnes der Rādhā trinken (Gen. / Adv. / Gen. / Nom. / 3.Sg.Fut. / Akk.)
satyam te pratijānāmi hatam viddhi adya sūtajam
ich verspreche dir wahrhaftig: wisse den Sūta-Sohn heute als getötet an (Akk. / Gen. / 1.Sg.Präs. / Akk. / Imp. / Adv. / Akk.)
yasya icchasi vadham tasya gatam eva adya jīvitam
dessen Tod du dir wünschst — dessen Leben ist heute schon dahin (Gen. / 2.Sg.Präs. / Akk. / Gen. / Nom. / Partikel / Adv. / Nom.)

iti kṛṣṇavacaḥ śrutvā dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ / sasaṃbhramaṃ hṛṣīkeśam utthāpya praṇataṃ tadā / kṛtāñjalim idaṃ vākyam uvācānantaraṃ vacaḥ / evam etad yathāttha tvam asty eṣo 'tikramo mama / anunīto 'smi govinda tāritaś cādya mādhava / mokṣitā vyasanād ghorād vayam adya tvayācyuta / bhavantaṃ nātham āsādya āvāṃ vyasanasāgarāt / ghorād adya samuttīrṇāv ubhāv ajñānamohitau / tvadbuddhiplavam āsādya duḥkhaśokārṇavād vayam / samuttīrṇāḥ sahāmātyāḥ sanāthāḥ sma tvayācyuta

Nachdem der Dharma-König Yudhiṣṭhira dieses Wort Kṛṣṇas vernommen hatte, richtete er hastig den sich verneigenden Hṛṣīkeśa auf, und sprach dann, mit gefalteten Händen, dieses nachfolgende Wort: „So ist es, wie du sagst; dies ist meine eigene Verfehlung. Ich bin besänftigt, Govinda, und heute gerettet, Mādhava; von schrecklichem Unheil sind wir heute durch dich befreit, Acyuta. Da wir dich als unseren Schutzherrn gefunden haben, sind wir beide heute aus dem schrecklichen Ozean des Unheils herausgestiegen, beide von Unwissenheit verblendet gewesen; indem wir das Floß deiner Weisheit gefunden haben, sind wir aus dem Ozean von Leid und Kummer herausgestiegen — wir, samt unseren Ministern, stehen heute unter deinem Schutz, Acyuta.“

Wort für Wort
iti kṛṣṇavacaḥ śrutvā dharmarājaḥ yudhiṣṭhiraḥ
nachdem der Dharma-König Yudhiṣṭhira dieses Wort Kṛṣṇas vernommen hatte (Zitatpartikel / Akk. / Ger. / Nom. / Nom.)
sasaṃbhramam hṛṣīkeśam utthāpya praṇatam tadā
richtete er hastig den sich verneigenden Hṛṣīkeśa auf (Adv. / Akk. / Ger. / Akk. / Adv.)
kṛtāñjalim idam vākyam uvāca anantaram vacaḥ
und sprach, mit gefalteten Händen, dieses nachfolgende Wort (Nom. / Akk. / Akk. / 3.Sg.Perf. / Akk. / Akk.)
evam etat yathā āttha tvam asti eṣaḥ atikramaḥ mama
so ist es, wie du sagst; dies ist meine eigene Verfehlung (Adv. / Nom. / Adv. / 2.Sg.Perf. / Nom. / 3.Sg.Präs. / Nom. / Nom. / Gen.)
anunītaḥ asmi govinda tāritaḥ ca adya mādhava
ich bin besänftigt, Govinda, und heute gerettet, Mādhava (Nom. / 1.Sg.Präs. / Vok. / Nom. / Konj. / Adv. / Vok.)
mokṣitāḥ vyasanāt ghorāt vayam adya tvayā acyuta
von schrecklichem Unheil sind wir heute durch dich befreit, Acyuta (Nom.Pl. / Abl. / Abl. / Nom.Pl. / Adv. / Instr. / Vok.)
bhavantam nātham āsādya āvām vyasanasāgarāt
da wir dich als unseren Schutzherrn gefunden haben, wir beide, aus dem Ozean des Unheils (Akk. / Akk. / Ger. / Nom.Dual / Abl.)
ghorāt adya samuttīrṇau ubhau ajñānamohitau
sind wir beide heute aus dem schrecklichen herausgestiegen, beide von Unwissenheit verblendet (Abl. / Adv. / Nom.Dual / Nom.Dual / Nom.Dual)
tvadbuddhiplavam āsādya duḥkhaśokārṇavāt vayam
indem wir das Floß deiner Weisheit gefunden haben, aus dem Ozean von Leid und Kummer, wir (Akk. / Ger. / Abl. / Nom.Pl.)
samuttīrṇāḥ sahāmātyāḥ sanāthāḥ sma tvayā acyuta
sind wir, samt unseren Ministern, unter deinem Schutz herausgestiegen, Acyuta (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Nom.Pl. / Partikel / Instr. / Vok.)

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