Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 64: aśvatthāmnaḥ duryodhanaṃ prati śamavākyam, tasya ca pratyākhyānam Aśvatthāmans Friedensrede an Duryodhana und dessen Zurückweisung

tad devanāgāsurasiddhasaṃghair gandharvayakṣāpsarasāṃ ca saṃghaiḥ | brahmarṣirājarṣisuparṇajuṣṭaṃ babhau viyad vismayanīyarūpam

Saṃjaya sprach: Da erstrahlte der Himmel, erfüllt von Scharen der Götter, Nāgas, Asuras und Siddhas, von Scharen der Gandharvas, Yakṣas und Apsaras, von Brahmarṣis, Rājarṣis und Suparṇas besucht, in staunenswerter Gestalt.

Wort für Wort
devanāgāsurasiddhasaṃghaiḥ
von Scharen (saṃghaiḥ) der Götter, Nāgas, Asuras und Siddhas (devanāgāsurasiddha)
gandharvayakṣāpsarasām
der Gandharvas, Yakṣas und Apsaras (Halbgötterwesen)
brahmarṣirājarṣisuparṇajuṣṭam
von Brahmarṣis, Rājarṣis und Suparṇas (Vogelwesen) besucht
babhau
erstrahlte (er/es leuchtete)
vismayanīyarūpam
in staunenswerter Gestalt (Erstaunen erregend)

nānadyamānaṃ ninadair manojñair vāditragītastutibhiś ca nṛttaiḥ | sarve 'ntarikṣe dadṛśur manuṣyāḥ khasthāṃś ca tān vismayanīyarūpān

Er widerhallte von lieblichen Klängen, von Musik, Gesang, Lobpreisungen und Tänzen. Alle Menschen sahen sie im Luftraum, die dort im Himmel weilenden, in staunenswerter Gestalt.

Wort für Wort
nānadyamānam
widerhallend (ertönend)
ninadaiḥ manojñaiḥ
von lieblichen (manojña) Klängen (ninada)
vāditragītastutibhiḥ
von Musik, Gesang und Lobpreisungen (vāditra-gīta-stuti)
nṛttaiḥ
von Tänzen (nṛtta)
antarikṣe
im Luftraum (antarikṣe)
khasthān
die im Himmel Weilenden (khasthān)

tataḥ prahṛṣṭāḥ kurupāṇḍuyodhā vāditrapatrāyudhasiṃhanādaiḥ | ninādayanto vasudhāṃ diśaś ca svanena sarve dviṣato nijaghnuḥ

Da ließen die hocherfreuten Krieger der Kurus und Pāṇḍus mit Musik, dem Klirren der Waffen und Löwengebrüll die Erde und die Himmelsrichtungen von ihrem Lärm widerhallen; alle bekämpften ihre Feinde.

Wort für Wort
prahṛṣṭāḥ
hocherfreute, jubelnde (prahṛṣṭāḥ)
vāditrapatrāyudhasiṃhanādaiḥ
mit Musik, Waffenklirren (āyudha) und Löwengebrüll (siṃhanāda)
ninādayantaḥ
erschallen lassend (widerhallen lassend)
vasudhām diśaḥ ca
die Erde und die Himmelsrichtungen (vasudhām diśaḥ ca)
dviṣataḥ nijaghnuḥ
sie bekämpften/schlugen die Feinde (dviṣant)

nānāśvamātaṅgarathāyutākulaṃ varāsiśaktyṛṣṭinipātaduḥsaham | abhīrujuṣṭaṃ hatadehasaṃkulaṃ raṇājiraṃ lohitaraktam ābabhau || babhūva yuddhaṃ kurupāṇḍavānāṃ yathā surāṇām asuraiḥ sahābhavat

Das Schlachtfeld, gedrängt voll von unzähligen Pferden, Elefanten und Wagen, kaum erträglich vom Niedersausen erlesener Schwerter, Speere und Lanzen, nur von den Furchtlosen aufgesucht, überfüllt mit den Leibern der Erschlagenen, erstrahlte blutrot. So war der Kampf zwischen Kurus und Pāṇḍavas wie einst jener zwischen den Göttern und den Asuras.

Wort für Wort
nānāśvamātaṅgarathāyutākulam
gedrängt voll (ākula) von unzähligen (ayuta) Pferden, Elefanten, Wagen
varāsiśaktyṛṣṭinipātaduḥsaham
kaum erträglich (duḥsaha) vom Niedersausen (nipāta) erlesener Schwerter, Speere, Lanzen
hatadehasaṃkulam
überfüllt (saṃkula) mit den Leibern der Erschlagenen (hatadeha)
lohitaraktam ābabhau
erstrahlte blutrot (lohita-rakta)
surāṇām asuraiḥ saha
zwischen den Göttern und den Asuras (surāṇām asuraiḥ saha)

Der Vergleich mit dem Götter-Asura-Kampf erscheint im Apparat als eigener kurzer Zusatzvers; hier mit der Hauptbeschreibung des Schlachtfelds zu einer Sinneinheit zusammengefasst.

tathā pravṛtte 'strabhṛtāṃ parābhave dhanaṃjayaś cādhirathiś ca sāyakaiḥ | diśaś ca sainyaṃ ca śitair ajihmagaiḥ parasparaṃ prorṇuvatuḥ sma daṃśitau

Während so die Vernichtung der Waffenträger im Gange war, bedeckten Dhanaṃjaya [Arjuna] und der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa], beide gepanzert, einander sowie die Himmelsrichtungen und die Heere mit scharfen, geraden Pfeilen.

Wort für Wort
astrabhṛtām parābhave
die Vernichtung (parābhava) der Waffenträger (astrabhṛt)
dhanaṃjayaḥ
Dhanaṃjaya (Beiname Arjunas)
ādhirathiḥ
der Sohn des Wagenlenkers (Beiname Karṇas)
śitaiḥ ajihmagaiḥ
mit scharfen, geraden (ajihmaga) Pfeilen
prorṇuvatuḥ sma daṃśitau
die beiden Gepanzerten (daṃśita) bedeckten

tatas tvadīyāś ca pare ca sāyakaiḥ kṛte 'ndhakāre vividur na kiṃ cana | bhayāt tu tāv eva rathau samāśrayaṃs tamonudau khe prasṛtā ivāṃśavaḥ

Da erkannten die Deinen und die anderen, als durch die Pfeile Finsternis entstanden war, gar nichts mehr; aus Furcht suchten sie nur bei diesen beiden Wagen Zuflucht, wie Sonnenstrahlen, die am Himmel ausströmen, die Dunkelheit vertreibend.

Wort für Wort
tvadīyāḥ pare ca
die Deinen und die anderen (tvadīyāḥ pare ca)
kṛte andhakāre
als Finsternis entstanden war (kṛte andhakāre)
vividuḥ na kiṃ cana
erkannten gar nichts (vividuḥ na kiṃ cana)
bhayāt
aus Furcht (bhayāt)
tamonudau
die beiden Finsternis-Vertreibenden (Beiname für die Wagen/Krieger)
prasṛtāḥ aṃśavaḥ
ausströmende Strahlen (prasṛtāḥ aṃśavaḥ)

tato 'stram astreṇa parasparasya tau vidhūya vātāv iva pūrvapaścimau | ghanāndhakāre vitate tamonudau yathoditau tadvad atīva rejatuḥ

Da wehrten die beiden Waffe mit Waffe voneinander ab, wie Ost- und Westwind; inmitten der ausgebreiteten, dichten Finsternis erstrahlten sie beide, die Dunkelheit vertreibend, wie eben aufgegangene Sonnen, überaus glänzend.

Wort für Wort
astram astreṇa vidhūya
Waffe mit Waffe abwehrend (astram astreṇa vidhūya)
vātau pūrvapaścimau
wie Ost- und Westwind (vātau pūrvapaścimau)
ghanāndhakāre vitate
in der ausgebreiteten dichten Finsternis (ghanāndhakāre vitate)
tamonudau
die beiden Dunkelheit-Vertreibenden (tamonudau)
yathoditau
wie eben aufgegangene (Sonnen)
atīva rejatuḥ
erstrahlten überaus (atīva rejatuḥ)

na cābhimantavyam iti pracoditāḥ pare tvadīyāś ca tadāvatasthire | mahārathau tau parivārya sarvataḥ surāsurā vāsavaśambarāv iva

„Man darf sich ihnen nicht nähern!“ So ermahnt, hielten sich die anderen und die Deinen zurück und umringten die beiden großen Wagenkämpfer von allen Seiten, wie einst Götter und Asuras Vāsava [Indra] und Śambara umringten.

Wort für Wort
na abhimantavyam
man darf sich nicht nähern (nicht anzugehen)
pracoditāḥ
ermahnt, angetrieben (pracoditāḥ)
avatasthire
hielten sich zurück, verharrten (avatasthire)
parivārya sarvataḥ
von allen Seiten umringend (parivārya sarvataḥ)
vāsavaśambarau iva
wie Vāsava [Indra] und Śambara (vāsavaśambarau iva)

Kurzes, in die Erzählung eingebettetes Kommando, als direkte Rede der Warnenden markiert.

mṛdaṅgabherīpaṇavānakasvanair ninādite bhārata śaṅkhanisvanaiḥ | sasiṃhanādau babhatur narottamau śaśāṅkasūryāv iva meghasaṃplave || virejatus tau puruṣarṣabhau tadā

Während, o Bhārata, das Schlachtfeld von den Klängen der Trommeln, Pauken, kleinen Trommeln und Kesselpauken sowie vom Schall der Muschelhörner widerhallte, erstrahlten die beiden besten der Männer mit Löwengebrüll, wie Mond und Sonne im Zusammenprall der Wolken. So glänzten damals die beiden Stiere unter den Männern.

Wort für Wort
mṛdaṅgabherīpaṇavānakasvanaiḥ
von den Klängen der Trommeln, Pauken, kleinen Trommeln, Kesselpauken (mṛdaṅgabherīpaṇavānakasvanaiḥ)
śaṅkhanisvanaiḥ
vom Schall der Muschelhörner (śaṅkhanisvanaiḥ)
sasiṃhanādau
mit Löwengebrüll (beide)
narottamau
die beiden besten der Männer (narottamau)
śaśāṅkasūryau meghasaṃplave iva
wie Mond und Sonne im Wolkenzusammenprall (śaśāṅkasūryau meghasaṃplave iva)
puruṣarṣabhau
die beiden Stiere unter den Männern (puruṣarṣabhau)

mahādhanurmaṇḍalamadhyagāv ubhau suvarcasau bāṇasahasraraśminau | didhakṣamāṇau sacarācaraṃ jagad yugāstasūryāv iva duḥsahau raṇe

Beide, inmitten des großen Kreises ihrer Bogen, glanzvoll, mit tausend Pfeilen wie mit Strahlen, brennend darauf, die bewegte und unbewegte Welt zu verzehren, waren im Kampf unerträglich wie zwei am Ende eines Weltzeitalters untergehende Sonnen.

Wort für Wort
mahādhanurmaṇḍalamadhyagau
inmitten des großen Kreises (maṇḍala) ihrer Bogen
suvarcasau
glanzvoll, strahlend (suvarcasau)
bāṇasahasraraśminau
mit tausend Pfeilen wie mit Strahlen (bāṇasahasraraśminau)
didhakṣamāṇau
brennend darauf zu verzehren (verbrennen wollend)
sacarācaram jagat
die bewegte und unbewegte Welt (sacarācaram jagat)
yugāstasūryau
zwei am Weltzeitalterende untergehende Sonnen (yugāstasūryau)

ubhāv ajeyāv ahitāntakāv ubhau jighāṃsatus tau kṛtinau parasparam | mahāhave vīravarau samīyatur yathendrajambhāv iva karṇapāṇḍavau

Beide unbesiegbar, beide Vernichter ihrer Feinde, beide geschickt, trachteten sie danach, einander zu töten; im großen Kampf trafen die beiden besten Helden, Karṇa und der Pāṇḍava [Arjuna], aufeinander wie einst Indra und Jambha.

Wort für Wort
ajeyau
unbesiegbar (beide)
ahitāntakau
Vernichter ihrer Feinde (beide)
jighāṃsatuḥ
trachteten danach zu töten (jighāṃsatuḥ)
kṛtinau
geschickt, kundig (beide)
mahāhave
im großen Kampf (mahāhave)
vīravarau samīyatuḥ
die beiden besten Helden trafen aufeinander (vīravarau samīyatuḥ)
indrajambhau iva
wie Indra und Jambha (indrajambhau iva)
karṇapāṇḍavau
Karṇa und der Pāṇḍava [Arjuna] (karṇapāṇḍavau)

tato mahāstrāṇi mahādhanurdharau vimuñcamānāv iṣubhir bhayānakaiḥ | narāśvanāgān amitau nijaghnatuḥ parasparaṃ jaghnatur uttameṣubhiḥ

Da entließen die beiden Träger der großen Bogen gewaltige Waffen mit furchterregenden Pfeilen; die beiden Unermesslichen erschlugen Männer, Pferde und Elefanten und trafen einander mit ihren besten Pfeilen.

Wort für Wort
mahāstrāṇi
gewaltige Waffen (mahāstrāṇi)
mahādhanurdharau
die beiden Träger der großen Bogen (mahādhanurdharau)
vimuñcamānau iṣubhiḥ bhayānakaiḥ
entlassend mit furchterregenden Pfeilen (vimuñcamānau iṣubhiḥ bhayānakaiḥ)
narāśvanāgān
Männer, Pferde, Elefanten (narāśvanāgān)
amitau nijaghnatuḥ
die beiden Unermesslichen erschlugen (amitau nijaghnatuḥ)
uttameṣubhiḥ
mit den besten Pfeilen (uttameṣubhiḥ)

tato visasruḥ punar arditāḥ śarair narottamābhyāṃ kurupāṇḍavāśrayāḥ | sanāgapattyaśvarathā diśo gatās tathā yathā siṃhabhayād vanaukasaḥ

Da flohen erneut, von den Pfeilen der beiden besten Männer gequält, die Anhänger der Kurus und Pāṇḍavas mit ihren Elefanten, Fußsoldaten, Pferden und Wagen in alle Himmelsrichtungen, so wie Waldbewohner aus Furcht vor einem Löwen fliehen.

Wort für Wort
visasruḥ
flohen, strömten auseinander (visasruḥ)
arditāḥ śaraiḥ
gequält von Pfeilen (arditāḥ śaraiḥ)
kurupāṇḍavāśrayāḥ
die Anhänger der Kurus und Pāṇḍavas (kurupāṇḍavāśrayāḥ)
sanāgapattyaśvarathāḥ
mit Elefanten, Fußsoldaten, Pferden, Wagen (sanāgapattyaśvarathāḥ)
diśaḥ gatāḥ
gingen in alle Himmelsrichtungen (diśaḥ gatāḥ)
siṃhabhayāt vanaukasaḥ
Waldbewohner aus Furcht vor einem Löwen (siṃhabhayāt vanaukasaḥ)

tatas tu duryodhanabhojasaubalāḥ kṛpaś ca śāradvatasūnunā saha | mahārathāḥ pañca dhanaṃjayācyutau śaraiḥ śarīrāntakarair atāḍayan

Da trafen Duryodhana, Bhoja [Kṛtavarman] und der Saubala-Sohn [Śakuni] sowie Kṛpa, dieser mit dem Sohn des Śaradvata – fünf große Wagenkämpfer – Dhanaṃjaya und den Unfehlbaren [Kṛṣṇa] mit todbringenden Pfeilen.

Wort für Wort
duryodhanabhojasaubalāḥ
Duryodhana, Bhoja [Kṛtavarman] und der Saubala-Sohn [Śakuni] (duryodhanabhojasaubalāḥ)
kṛpaḥ śāradvatasūnunā saha
Kṛpa zusammen mit dem Sohn des Śaradvata (kṛpaḥ śāradvatasūnunā saha)
mahārathāḥ pañca
fünf große Wagenkämpfer (mahārathāḥ pañca)
dhanaṃjayācyutau
Dhanaṃjaya [Arjuna] und der Unfehlbare [Kṛṣṇa] (dhanaṃjayācyutau)
śarīrāntakaraiḥ
mit todbringenden (leibvernichtenden) Pfeilen

Die Formulierung 'kṛpaś ca śāradvatasūnunā saha' (Kṛpa zusammen mit dem Sohn des Śaradvata) wirkt merkwürdig, da Kṛpa selbst gewöhnlich als Śāradvata (Sohn des Śaradvat) bezeichnet wird; die genannten vier Namen ergeben zudem nur vier, nicht fünf Krieger. Möglicherweise liegt hier eine doppelte Benennung derselben Person oder eine im Apparat unklare/verkürzte Aufzählung vor; wörtlich wiedergegeben, ohne einen fünften Namen zu erfinden.

dhanūṃṣi teṣām iṣudhīn hayān dhvajān rathāṃś ca sūtāṃś ca dhanaṃjayaḥ śaraiḥ | samaṃ ca ciccheda parābhinac ca tāñ śarottamair dvādaśabhiś ca sūtajam

Ihre Bögen, Köcher, Pferde, Banner, Wagen und Wagenlenker zerschnitt Dhanaṃjaya zugleich mit Pfeilen und warf sie nieder; und mit zwölf trefflichsten Pfeilen traf er auch den Sohn eines Wagenlenkers.

Wort für Wort
dhanūṃṣi iṣudhīn hayān dhvajān
Bögen, Köcher, Pferde, Banner (dhanūṃṣi iṣudhīn hayān dhvajān)
rathān sūtān ca
Wagen und Wagenlenker (rathān sūtān ca)
ciccheda parābhinat
zerschnitt und warf nieder (ciccheda parābhinat)
śarottamaiḥ dvādaśabhiḥ
mit zwölf trefflichsten Pfeilen (śarottamaiḥ dvādaśabhiḥ)
sūtajam
den Sohn eines Wagenlenkers (sūtajam)

Der 'Sohn eines Wagenlenkers' (sūtaja) am Versende bleibt unklar identifiziert; vermutlich ein Wagenlenker im Gefolge der fünf zuvor genannten Krieger, wörtlich wiedergegeben.

te pañca vīrāḥ satataṃ hatā[yā]rathāḥ nikṛttadehārjunabāṇavegaiḥ | pradudruvus tatra padātayo bhṛśaṃ ruruha[hū] rathānyeṣu punar yayuś ca tam

Jene fünf Helden, deren Wagen fortwährend zerstört wurden, deren Leiber von der Wucht Arjunas Pfeile zerfetzt waren – dort flohen ihre Fußsoldaten heftig zu Fuß, bestiegen andere Wagen und kehrten dann wieder zu ihm zurück.

Wort für Wort
pañca vīrāḥ
fünf Helden (pañca vīrāḥ)
satatam hatārathāḥ
deren Wagen fortwährend zerstört wurden (satatam hatārathāḥ)
nikṛttadeha
mit zerfetzten (zerschnittenen) Leibern
arjunabāṇavegaiḥ
durch die Wucht von Arjunas Pfeilen (arjunabāṇavegaiḥ)
pradudruvuḥ padātayaḥ
die Fußsoldaten flohen (pradudruvuḥ padātayaḥ)
ruruhuḥ rathān anyān
bestiegen andere Wagen (ruruhuḥ rathān anyān)

Apparatstext mit leichten Lesartschwankungen (hatā/hatāyā, ruruha/ruruhū); der Sinn ist eindeutig: die fünf Wagenkämpfer verloren wiederholt ihre Wagen.

athābhyadhāvaṃs tvaritāḥ śataṃ rathāḥ śataṃ ca nāgārjunam ātatāyinaḥ | śakās tukhārā yavanāś ca sādinaḥ sahaiva kāmbojavarair jighāṃsavaḥ

Da stürmten eilig hundert Wagen und hundert Elefanten, bewaffnet, auf Arjuna zu, ihn zu töten trachtend, zusammen mit Śaka-, Tukhāra- und Yavana-Reitern samt den besten der Kambojas.

Wort für Wort
tvaritāḥ śatam rathāḥ
eilig hundert Wagen (tvaritāḥ śatam rathāḥ)
śatam nāgān
hundert Elefanten (śatam nāgān)
ātatāyinaḥ
bewaffnet, angriffsbereit (ātatāyinaḥ)
śakāḥ tukhārāḥ yavanāḥ sādinaḥ
Śaka-, Tukhāra-, Yavana-Reiter (śakāḥ tukhārāḥ yavanāḥ sādinaḥ)
kāmbojavaraiḥ
mit den besten der Kambojas (kāmbojavaraiḥ)
jighāṃsavaḥ
auf Tötung bedacht (jighāṃsavaḥ)

varāyudhān pāṇigatān karaiḥ saha kṣurair nyakṛntaṃs tvaritāḥ śirāṃsi ca | hayāṃś ca nāgāṃś ca rathāṃś ca yudhyatāṃ dhanaṃjayaḥ śatrugaṇaṃ tam akṣiṇot

Ihnen, die vortreffliche Waffen in den Händen hielten, schnitt er samt den Händen mit Rasiermessern eilig auch die Köpfe ab; die Pferde, Elefanten und Wagen der Kämpfenden vernichtete Dhanaṃjaya, jene ganze Feindesschar.

Wort für Wort
varāyudhān pāṇigatān
die vortreffliche Waffen in den Händen hielten (varāyudhān pāṇigatān)
kṣuraiḥ nyakṛntan
schnitt mit Rasiermessern ab (kṣuraiḥ nyakṛntan)
tvaritāḥ śirāṃsi
eilig die Köpfe (tvaritāḥ śirāṃsi)
hayān nāgān rathān
Pferde, Elefanten, Wagen (hayān nāgān rathān)
yudhyatām
der Kämpfenden (yudhyatām)
śatrugaṇam akṣiṇot
vernichtete jene Feindesschar (śatrugaṇam akṣiṇot)

tadā sa teṣāṃ yudhi savyasācī kṣuraiḥ praciccheda dhanaṃjayaś ca | nāgān hayān rathasūtāṃś ca tatra śirāṃsi teṣām iṣubhiḥ kirīṭī || dhanaṃjaye yudhyamāne ca tatra kṣaṇena sarvaṃ kṣayam āviveśa

Da zerschnitt er, der Beidhändige [Arjuna], im Kampf mit Rasiermessern ihre Elefanten, Pferde und Wagenlenker, und der Diademgeschmückte ihre Köpfe mit Pfeilen. Während Dhanaṃjaya dort kämpfte, geriet in einem Augenblick alles in Untergang.

Wort für Wort
savyasācī
der Beidhändige (Beiname Arjunas)
kṣuraiḥ praciccheda
zerschnitt mit Rasiermessern (kṣuraiḥ praciccheda)
nāgān hayān rathasūtān
Elefanten, Pferde, Wagenlenker (nāgān hayān rathasūtān)
kirīṭī
der Diademgeschmückte (Beiname Arjunas)
kṣaṇena sarvam kṣayam āviveśa
in einem Augenblick geriet alles in Untergang (kṣaṇena sarvam kṣayam āviveśa)

tato 'ntarikṣe suratūryanisvanāḥ sasādhuvādā hṛṣitaiḥ samīritāḥ | nipetur apy uttamapuṣpavṛṣṭayaḥ surūpagandhāḥ pavaneritāḥ śivāḥ

Da erklangen im Luftraum die Klänge himmlischer Musikinstrumente, begleitet von Lobrufen der Erfreuten; auch fielen herrliche Blumenregen herab, von schönem Duft, vom Wind getragen, glückverheißend.

Wort für Wort
antarikṣe suratūryanisvanāḥ
im Luftraum die Klänge himmlischer Instrumente (antarikṣe suratūryanisvanāḥ)
sasādhuvādāḥ hṛṣitaiḥ samīritāḥ
begleitet von Lobrufen der Erfreuten, erhoben (sasādhuvādāḥ hṛṣitaiḥ samīritāḥ)
uttamapuṣpavṛṣṭayaḥ
herrliche Blumenregen (uttamapuṣpavṛṣṭayaḥ)
surūpagandhāḥ
von schönem Duft (surūpagandhāḥ)
pavaneritāḥ śivāḥ
vom Wind getragen, glückverheißend (pavaneritāḥ śivāḥ)

tad adbhutaṃ devamanuṣyasākṣikaṃ samīkṣya bhūtāni visiṣmiyur nṛpa || aho 'rjunenaiva kṛtaṃ mahattaraṃ yad ekavīro yuyudhe mahārathān | samīkṣya devāś ca nṛrājamukhyā[ḥ] śaśaṃsu[ḥ] kṛṣṇārjunayor mahad yaśaḥ || tavātmajaḥ sūtasutaś ca na vyathāṃ na vismayaṃ jagmatur ekaniścayau

Als sie jenes Wunder, von Göttern und Menschen bezeugt, erblickten, o König, gerieten alle Wesen in Staunen. „Ah, eine noch größere Tat hat Arjuna allein vollbracht, dass er als einziger Held gegen so viele große Wagenkämpfer stritt!“ So sprachen, es erblickend, die Götter und die vornehmsten der Könige und priesen den großen Ruhm Kṛṣṇas und Arjunas. Doch dein Sohn und der Sohn des Wagenlenkers, beide auf einen Entschluss gerichtet, gerieten weder in Bestürzung noch in Staunen.

Wort für Wort
adbhutam devamanuṣyasākṣikam
das Wunder, von Göttern und Menschen bezeugt (adbhutam devamanuṣyasākṣikam)
visiṣmiyuḥ bhūtāni
alle Wesen gerieten in Staunen (visiṣmiyuḥ bhūtāni)
ekavīraḥ yuyudhe mahārathān
als einziger Held focht er gegen große Wagenkämpfer (ekavīraḥ yuyudhe mahārathān)
nṛrājamukhyāḥ
die vornehmsten der Könige (nṛrājamukhyāḥ)
śaśaṃsuḥ mahat yaśaḥ
priesen den großen Ruhm (śaśaṃsuḥ mahat yaśaḥ)
tavātmajaḥ sūtasutaḥ ca
dein Sohn und der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] (tavātmajaḥ sūtasutaḥ ca)
ekaniścayau
beide auf einen Entschluss gerichtet (ekaniścayau)

athābravīd droṇasutas tavātmajaṃ karaṃ kareṇa pratipīḍya sāntvayan | prasīda duryodhana śāmya pāṇḍavair alaṃ virodhena dhig astu vigraham

Da sprach der Sohn Droṇas [Aśvatthāman] zu deinem Sohn, dessen Hand mit seiner Hand ergreifend, ihn besänftigend: „Sei gnädig, Duryodhana, schließe Frieden mit den Pāṇḍavas! Genug der Feindschaft – Schande über diesen Streit!“

Wort für Wort
droṇasutaḥ
der Sohn Droṇas [Aśvatthāman] (droṇasutaḥ)
karam kareṇa pratipīḍya
dessen Hand mit seiner Hand ergreifend (karam kareṇa pratipīḍya)
sāntvayan
besänftigend (sāntvayan)
prasīda
sei gnädig (prasīda)
śāmya pāṇḍavaiḥ
schließe Frieden mit den Pāṇḍavas (śāmya pāṇḍavaiḥ)
dhig astu vigraham
Schande über den Streit (dhig astu vigraham)

hato gurur brahmasamo mahāstravit tathaiva bhīṣmapramukhā nararṣabhāḥ | ahaṃ tv avadhyo mama cāpi mātulaḥ praśādhi rājyaṃ saha pāṇḍavaiś ciram

„Erschlagen ist der Lehrer, dem Brahmā gleich, der große Waffenkundige, ebenso Bhīṣma und die vornehmsten Stiere unter den Männern. Ich aber bin unbesiegbar, und auch mein Onkel [Kṛpa]; so herrsche denn lange gemeinsam mit den Pāṇḍavas über das Reich!“

Wort für Wort
hataḥ guruḥ brahmasamaḥ
erschlagen ist der Lehrer, Brahmā gleich (hataḥ guruḥ brahmasamaḥ)
mahāstravit
der große Waffenkundige (mahāstravit)
bhīṣmapramukhāḥ nararṣabhāḥ
Bhīṣma und die vornehmsten Stiere unter den Männern (bhīṣmapramukhāḥ nararṣabhāḥ)
ahaṃ tu avadhyaḥ
ich aber bin unbesiegbar (ahaṃ tu avadhyaḥ)
mama mātulaḥ
mein Onkel [Kṛpa] (mama mātulaḥ)
praśādhi rājyam ciram
herrsche lange über das Reich (praśādhi rājyam ciram)

dhanaṃjayaḥ sthāsyati vārito mayā janārdano naiva virodham icchati | yudhiṣṭhiro bhūtahite sadā rato vṛkodaras tadvaśagas tathā yamau

„Dhanaṃjaya wird stillstehen, von mir zurückgehalten; Janārdana [Kṛṣṇa] wünscht keineswegs Feindschaft; Yudhiṣṭhira ist stets dem Wohl der Wesen zugetan; Vṛkodara [Bhīma] folgt seinem Willen, ebenso die Zwillinge.“

Wort für Wort
sthāsyati vāritaḥ mayā
wird stillstehen, von mir zurückgehalten (sthāsyati vāritaḥ mayā)
janārdanaḥ
Janārdana (Beiname Kṛṣṇas)
bhūtahite sadā rataḥ
stets dem Wohl der Wesen zugetan (bhūtahite sadā rataḥ)
vṛkodaraḥ tadvaśagaḥ
Vṛkodara [Bhīma], seinem Willen folgend (vṛkodaraḥ tadvaśagaḥ)
yamau
die Zwillinge [Nakula und Sahadeva] (yamau)

tvayā ca pārthaiś ca paraspareṇa prajāḥ śivaṃ prāpnuyur icchati tvayi | vrajantu śeṣāḥ svapurāṇi pārthivā nivṛttavairāś ca bhavantu sainikāḥ

„Durch dich und die Pārthas, wenn ihr miteinander Frieden schließt, mögen die Untertanen Glück erlangen – sie wünschen dir Gutes. Die übrigen Fürsten sollen in ihre eigenen Städte ziehen, und die Krieger sollen von ihrer Feindschaft ablassen.“

Wort für Wort
tvayā pārthaiḥ paraspareṇa
durch dich und die Pārthas miteinander (tvayā pārthaiḥ paraspareṇa)
prajāḥ śivam prāpnuyuḥ
mögen die Untertanen Glück erlangen (prajāḥ śivam prāpnuyuḥ)
śeṣāḥ pārthivāḥ vrajantu svapurāṇi
die übrigen Fürsten sollen in ihre eigenen Städte ziehen (śeṣāḥ pārthivāḥ vrajantu svapurāṇi)
nivṛttavairāḥ sainikāḥ
die Krieger, von der Feindschaft abgelassen (nivṛttavairāḥ sainikāḥ)

na ced dhataṃ śroṣyasi caiva karṇaṃ mahābalaṃ pārthiva sūtaputram | vihāya rājyaṃ tv akhilaṃ samastaṃ gantāsi karṇasya pathaṃ vicitram

„Wenn du aber nicht hören willst, dass der mächtige Karṇa, der Sohn des Wagenlenkers, erschlagen ist, o Fürst, dann wirst du, nachdem du das ganze Reich vollständig verloren hast, den wundersamen Pfad Karṇas gehen.“

Wort für Wort
na ced śroṣyasi
wenn du nicht hören willst (na ced śroṣyasi)
hatam karṇam mahābalam sūtaputram
dass der mächtige Karṇa, der Sohn des Wagenlenkers, erschlagen ist (hatam karṇam mahābalam sūtaputram)
vihāya rājyam akhilam samastam
nachdem du das ganze Reich vollständig verloren hast (vihāya rājyam akhilam samastam)
gantāsi karṇasya patham vicitram
wirst du den wundersamen Pfad Karṇas gehen (gantāsi karṇasya patham vicitram)

Bildliche Ankündigung von Duryodhanas künftigem Schicksal, sollte er Karṇas Tod ignorieren und den Frieden nicht suchen.

na ced vacaḥ śroṣyasi me narādhipa dhruvaṃ prataptāsi hato 'ribhir yudhi | idaṃ ca dṛṣṭaṃ jagatā saha tvayā kṛtaṃ yad ekena kirīṭamālinā | yathā na kuryād balabhinna cāntako na ca pracetā bhagavān na yakṣarāṭ

„Wenn du meine Worte nicht hörst, Herr der Männer, wirst du gewiss verbrennen, von Feinden im Kampf erschlagen. Auch dies hat die ganze Welt zusammen mit dir gesehen: was der eine, der Diademgeschmückte [Arjuna], vollbracht hat – so, dass es weder der Bala-Bezwinger [Indra] noch der Tod, noch der erhabene Pracetā [Varuṇa], noch der König der Yakṣas [Kubera] hätten vollbringen können.“

Wort für Wort
na ced śroṣyasi vacaḥ me
wenn du meine Worte nicht hörst (na ced śroṣyasi vacaḥ me)
dhruvam prataptāsi
wirst du gewiss verbrennen (dhruvam prataptāsi)
kirīṭamālinā ekena kṛtam
was der eine Diademgeschmückte vollbracht hat (kirīṭamālinā ekena kṛtam)
balabhit
der Bala-Bezwinger (Beiname Indras)
antakaḥ
der Tod (Beiname Yamas)
pracetā bhagavān
der erhabene Pracetā [Varuṇa] (pracetā bhagavān)
yakṣarāṭ
der König der Yakṣas [Kubera] (yakṣarāṭ)

vṛddhaṃ pitaram ālokya gāndhārīṃ ca yaśasvinīm | kṛpālur dharmarājo hi yācitaḥ śamam eṣyati || yathocitaṃ ca vai rājyam anujñāsyati te prabhuḥ | vipaścit sumatir vīraḥ sarvaśāstrārthatattvavit

„Wenn er den greisen Vater erblickt und die ruhmreiche Gāndhārī, wird der mitleidsvolle Dharmarāja [Yudhiṣṭhira], gebeten, gewiss zum Frieden gelangen; und der Herrscher wird dir einen angemessenen Anteil am Reich zugestehen – er, der Kundige, Klugsinnige, der Held, der die Wahrheit aller Lehren kennt.“

Wort für Wort
vṛddham pitaram ālokya
den greisen Vater erblickend (vṛddham pitaram ālokya)
gāndhārīm yaśasvinīm
die ruhmreiche Gāndhārī (gāndhārīm yaśasvinīm)
kṛpāluḥ dharmarājaḥ
der mitleidsvolle Dharmarāja (kṛpāluḥ dharmarājaḥ)
yācitaḥ śamam eṣyati
gebeten wird er zum Frieden gelangen (yācitaḥ śamam eṣyati)
yathocitam rājyam anujñāsyati
wird einen angemessenen Anteil am Reich zugestehen (yathocitam rājyam anujñāsyati)
sarvaśāstrārthatattvavit
der die Wahrheit aller Lehren kennt (sarvaśāstrārthatattvavit)

vairaṃ neṣyati dharmātmā svajane nāsty atikramaḥ | na vigrahamatiḥ kṛṣṇaḥ svajane pratinandati

„Der Rechtschaffene wird die Feindschaft nicht fortführen; gegen die eigenen Verwandten gibt es kein Vergehen. Kṛṣṇa, dessen Sinn nicht auf Streit gerichtet ist, freut sich nicht am Konflikt mit den Seinen.“

Wort für Wort
vairam neṣyati dharmātmā
der Rechtschaffene wird die Feindschaft nicht fortführen (vairam neṣyati dharmātmā)
svajane na asti atikramaḥ
gegen die eigenen Verwandten gibt es kein Vergehen (svajane na asti atikramaḥ)
na vigrahamatiḥ kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa, dessen Sinn nicht auf Streit gerichtet ist (na vigrahamatiḥ kṛṣṇaḥ)
svajane pratinandati
freut sich am Konflikt mit den Seinen (verneint)

bhīmasenārjunau cobhau mādrīputrau ca pāṇḍavau | vāsudevamate caiva pāṇḍavasya ca dhīmataḥ || sthāsyanti puruṣavyāghrās tayor vacanagauravāt

„Sowohl Bhīmasena als auch Arjuna, und die beiden Söhne der Mādrī, die Pāṇḍavas – diese Tiger unter den Männern werden sich an das Urteil des Vāsudeva [Kṛṣṇa] und des weisen Pāṇḍava [Yudhiṣṭhira] halten, aus Achtung vor deren Wort.“

Wort für Wort
bhīmasenārjunau
Bhīmasena und Arjuna (bhīmasenārjunau)
mādrīputrau pāṇḍavau
die beiden Söhne der Mādrī, die Pāṇḍavas [Nakula, Sahadeva] (mādrīputrau pāṇḍavau)
vāsudevamate
am Urteil des Vāsudeva [Kṛṣṇa] (vāsudevamate)
pāṇḍavasya dhīmataḥ
des weisen Pāṇḍava [Yudhiṣṭhira] (pāṇḍavasya dhīmataḥ)
puruṣavyāghrāḥ sthāsyanti
die Tiger unter den Männern werden sich halten (puruṣavyāghrāḥ sthāsyanti)
vacanagauravāt
aus Achtung vor dem Wort (vacanagauravāt)

rakṣa duryodhanātmānam ātmā sarvasya bhājanam | jīvite yatnam ātiṣṭha jīvan bhadrāṇi paśyati || rājyaṃ śrīś caiva bhadraṃ te jīvamāne tu kalpyate | mṛtasya khalu kauravya naiva rājyaṃ kutaḥ sukham

„Schütze, Duryodhana, dich selbst – das Selbst ist das Gefäß von allem. Bemühe dich um das Leben; der Lebende schaut Glückliches. Reich und Glanz und alles Gute sind nur für den Lebenden möglich; für den Toten, o Kaurava, gibt es wahrlich kein Reich – wie sollte es Glück geben?“

Wort für Wort
rakṣa ātmānam
schütze dich selbst (rakṣa ātmānam)
ātmā sarvasya bhājanam
das Selbst ist das Gefäß von allem (ātmā sarvasya bhājanam)
jīvite yatnam ātiṣṭha
bemühe dich um das Leben (jīvite yatnam ātiṣṭha)
jīvan bhadrāṇi paśyati
der Lebende schaut Glückliches (jīvan bhadrāṇi paśyati)
rājyam śrīḥ bhadram
Reich, Glanz und Gutes (rājyam śrīḥ bhadram)
jīvamāne kalpyate
ist für den Lebenden möglich (jīvamāne kalpyate)
mṛtasya naiva rājyam kutaḥ sukham
für den Toten gibt es kein Reich, wie sollte es Glück geben (mṛtasya naiva rājyam kutaḥ sukham)

lokavṛttam idaṃ vṛttaṃ pravṛttaṃ paśya bhārata | śāmya tvaṃ pāṇḍavaiḥ sārdhaṃ rakṣa śeṣaṃ kulasya ca || mā bhūt sa kālaḥ kauravya yadāham ahitaṃ vacaḥ

„Sieh dieses Weltgeschehen, das sich zugetragen hat und im Gange ist, o Bhārata! Schließe Frieden mit den Pāṇḍavas, bewahre, was von der Familie übrig ist! Nie möge jene Zeit kommen, o Kaurava, da ich dir unliebsame Worte sagen müsste –“

Wort für Wort
lokavṛttam idam vṛttam pravṛttam
dieses Weltgeschehen, geschehen und im Gange (lokavṛttam idam vṛttam pravṛttam)
śāmya pāṇḍavaiḥ sārdham
schließe Frieden mit den Pāṇḍavas (śāmya pāṇḍavaiḥ sārdham)
rakṣa śeṣam kulasya
bewahre, was von der Familie übrig ist (rakṣa śeṣam kulasya)
mā bhūt sa kālaḥ
nie möge jene Zeit kommen (mā bhūt sa kālaḥ)
ahitam vacaḥ
unliebsame Worte (ahitam vacaḥ)

brūyāṃ kāmaṃ mahābāho māvamaṃsthā vaco mama | dharmiṣṭhaṃ hitam atyantaṃ rājñaś caiva kulasya ca || etad dhi paramaṃ śreyaḥ kuruvaṃśasya vṛddhaye

„… die ich dir wohl sagen könnte, Starkarmiger! Missachte mein Wort nicht – es ist höchst gerecht und äußerst zuträglich für den König wie für die Familie. Dies ist wahrlich das höchste Heil zum Gedeihen der Kuru-Sippe.“

Wort für Wort
brūyām kāmam
ich könnte wohl sagen (brūyām kāmam)
mā avamaṃsthāḥ vacaḥ mama
missachte mein Wort nicht (mā avamaṃsthāḥ vacaḥ mama)
dharmiṣṭham hitam atyantam
höchst gerecht, äußerst zuträglich (dharmiṣṭham hitam atyantam)
paramam śreyaḥ
das höchste Heil (paramam śreyaḥ)
kuruvaṃśasya vṛddhaye
zum Gedeihen der Kuru-Sippe (kuruvaṃśasya vṛddhaye)

prajāhitaṃ ca gāndhāre kulasya ca sukhāvaham | pathyam āyatisaṃyuktaṃ karṇo hy arjunam āhave || na jeṣyati naravyāghram iti me dhīyate matiḥ | rocatāṃ te naraśreṣṭha mamaitad vacanaṃ śubham || ato 'nyathā hi rājendra vināśaḥ sumahān bhavet

„… zum Wohl der Untertanen und der Familie Glück bringend, o Sohn Gāndhārīs, heilsam und mit künftigem Wohl verbunden: Karṇa, so ist meine feste Überzeugung, wird den Tiger unter den Männern, Arjuna, im Kampf nicht besiegen. Möge dir dieses meine heilsame Wort gefallen, bester der Männer; sonst, o Herr der Könige, wird gewaltiges Verderben eintreten.“

Wort für Wort
prajāhitam kulasya sukhāvaham
zum Wohl der Untertanen, der Familie Glück bringend (prajāhitam kulasya sukhāvaham)
pathyam āyatisaṃyuktam
heilsam und mit künftigem Wohl verbunden (pathyam āyatisaṃyuktam)
karṇaḥ naravyāghram na jeṣyati
Karṇa wird den Tiger unter den Männern nicht besiegen (karṇaḥ naravyāghram na jeṣyati)
me dhīyate matiḥ
so ist meine feste Überzeugung (me dhīyate matiḥ)
rocatām te vacanam śubham
möge dir dieses heilsame Wort gefallen (rocatām te vacanam śubham)
vināśaḥ sumahān bhavet
gewaltiges Verderben würde eintreten (vināśaḥ sumahān bhavet)

Die Anrede 'gāndhāre' wird hier als Vokativ 'Sohn Gāndhārīs' (Duryodhana) verstanden, da der gesamte Redeabschnitt an Duryodhana gerichtet ist.

ato 'pi bhūyāṃś ca guṇair dhanaṃjayaḥ sa cābhipatsyaty akhilaṃ vaco mama | tavānuyātrāṃ ca tathā kariṣyati prasīda rājañ jagataḥ śamāya vai

„Zudem ist Dhanaṃjaya reicher an Tugenden – er wird mein ganzes Wort annehmen und dir dann ebenso seine Gefolgschaft leisten. Sei gnädig, o König, für den Frieden der Welt!“

Wort für Wort
bhūyān guṇaiḥ dhanaṃjayaḥ
Dhanaṃjaya, reicher an Tugenden (bhūyān guṇaiḥ dhanaṃjayaḥ)
abhipatsyati akhilam vacaḥ mama
er wird mein ganzes Wort annehmen (abhipatsyati akhilam vacaḥ mama)
tavānuyātrām kariṣyati
er wird dir seine Gefolgschaft leisten (tavānuyātrām kariṣyati)
prasīda jagataḥ śamāya
sei gnädig für den Frieden der Welt (prasīda jagataḥ śamāya)

na cātitīvraṃ pitṛvairam udyataṃ nihantum ugre ripum ulbaṇaṃ yudhi | tathāpi tat pathyahitaṃ na cecchataḥ prakāśitaṃ sādhur ihādya pāṇḍavaiḥ

„Und obwohl die überaus heftige Feindschaft um den Vater erhoben ist, um im grimmigen Kampf den gewaltigen Feind zu vernichten – dennoch wird dieser heilsame und zuträgliche Weg von dir nicht gewünscht, der doch heute von den Pāṇḍavas redlich dargelegt wurde.“

Wort für Wort
atitīvram pitṛvairam udyatam
die überaus heftige, erhobene Feindschaft um den Vater (atitīvram pitṛvairam udyatam)
nihantum ugre ripum ulbaṇaṃ yudhi
um im grimmigen Kampf den gewaltigen Feind zu vernichten (nihantum ugre ripum ulbaṇaṃ yudhi)
tat pathyahitam na cecchataḥ
dieser heilsame Weg wird von dir nicht gewünscht (tat pathyahitam na cecchataḥ)
prakāśitam sādhu pāṇḍavaiḥ
redlich von den Pāṇḍavas dargelegt (prakāśitam sādhu pāṇḍavaiḥ)

Stark verdichteter, syntaktisch schwer aufzulösender Apparatsvers; sinngemäß wiedergegeben.

mamāpi mānaḥ paramaḥ sadā tvayi bravīmy atas tvāṃ paramāc ca sauhṛdāt | nivārayiṣyāmi hi karṇam apy ahaṃ yadā bhavān sapraṇayo bhaviṣyati

„Auch meine Achtung vor dir ist stets die höchste; darum spreche ich zu dir aus höchster Zuneigung. Auch Karṇa werde ich gewiss zurückhalten, sobald du wohlgesonnen sein wirst.“

Wort für Wort
mama mānaḥ paramaḥ sadā tvayi
meine Achtung vor dir ist stets die höchste (mama mānaḥ paramaḥ sadā tvayi)
paramāt sauhṛdāt
aus höchster Zuneigung (paramāt sauhṛdāt)
nivārayiṣyāmi karṇam
ich werde Karṇa zurückhalten (nivārayiṣyāmi karṇam)
bhavān sapraṇayaḥ bhaviṣyati
du wirst wohlgesonnen sein (bhavān sapraṇayaḥ bhaviṣyati)

vadanti mitraṃ sahajaṃ vicakṣaṇās tathaiva sāmnā ca dhanena cārjitam

„Die Weisen sagen: ein Freund kann angeboren sein, ebenso einer, der durch Versöhnung oder durch Reichtum gewonnen wird.“

Wort für Wort
vadanti vicakṣaṇāḥ
die Weisen sagen (vadanti vicakṣaṇāḥ)
mitram sahajam
ein angeborener Freund (mitram sahajam)
sāmnā dhanena ārjitam
durch Versöhnung, durch Reichtum gewonnen (sāmnā dhanena ārjitam)

mayā hi pūrvaṃ kathitaṃ kṛpādibhis tathā hi rājā tava dehadehajaḥ | anyaiś ca sarvair guṇabhāvavistaraiḥ dhanaṃjayān nāsti samo dhanurdharaḥ babhūva loke paramāstrasaṃgrahī

„Schon früher habe ich es dir gesagt, zusammen mit Kṛpa und anderen; ebenso, o König, hat es dein eigener leiblicher Angehöriger gesagt und auch alle anderen, in ausführlicher Darlegung seiner Vorzüge: Es gibt keinen Bogenschützen, der Dhanaṃjaya gleichkäme; er ist in der Welt zum größten Meister der Waffen geworden.“

Wort für Wort
mayā pūrvam kathitam
schon früher habe ich es gesagt (mayā pūrvam kathitam)
kṛpādibhiḥ
zusammen mit Kṛpa und anderen (kṛpādibhiḥ)
tava dehadehajaḥ
dein eigener leiblicher Angehöriger (tava dehadehajaḥ)
guṇabhāvavistaraiḥ
in ausführlicher Darlegung der Vorzüge (guṇabhāvavistaraiḥ)
dhanaṃjayāt na asti samaḥ dhanurdharaḥ
kein Bogenschütze ist Dhanaṃjaya gleich (dhanaṃjayāt na asti samaḥ dhanurdharaḥ)
paramāstrasaṃgrahī
der größte Meister der Waffen (paramāstrasaṃgrahī)

Die Zeile 'tathā hi rājā tava dehadehajaḥ' bleibt in ihrer Bezugnahme unklar (möglicherweise auf einen weiteren Sprecher innerhalb der berichteten Rede verweisend); wörtlich, mit Vorbehalt, wiedergegeben.

viṣṇuḥ sakhā yasya sakhā na vigrahaḥ karmāṇi yasyākhilāny adbhutāni | sarvāṇi vaḥ saṃsmara tāni pūrvam yuddhāntam ācchādya suyodhanādya karṇasya putrāvadhi mā vyanīnaśaḥ

„Viṣṇu ist sein Freund – ein Freund, nicht ein Widersacher; alle seine Taten sind wundersam. Erinnere dich an all das von früher! Setze heute, o Suyodhana, dem Krieg ein Ende – führe das Verderben nicht bis zum Tod von Karṇas Sohn fort!“

Wort für Wort
viṣṇuḥ sakhā
Viṣṇu ist sein Freund (viṣṇuḥ sakhā)
sakhā na vigrahaḥ
ein Freund, nicht ein Widersacher (sakhā na vigrahaḥ)
karmāṇi akhilāni adbhutāni
alle Taten wundersam (karmāṇi akhilāni adbhutāni)
saṃsmara tāni pūrvam
erinnere dich an jenes von früher (saṃsmara tāni pūrvam)
yuddhāntam ācchādya
dem Krieg ein Ende setzend (yuddhāntam ācchādya)
karṇasya putrāvadhi mā vyanīnaśaḥ
führe das Verderben nicht bis zum Tod von Karṇas Sohn fort (karṇasya putrāvadhi mā vyanīnaśaḥ)

Rückblickend verstanden: die Zerstörung solle nicht noch weiter gehen, wie sie bereits bis zum Tod von Karṇas Sohn Vṛṣasena (Kap. 62) gegangen ist.

na śroṣyasi tvaṃ yadi me mahāratha tathā hataṃ drakṣyasi pāṇḍavair balam | athārjunaṃ kālasamaprabhāvaṃ kathaṃ na draṣṭāsi raṇe carantam

„Wenn du mich nicht hörst, großer Wagenkämpfer, dann wirst du dein Heer so von den Pāṇḍavas vernichtet sehen. Und wirst du dann Arjuna, dessen Macht der des Todes gleicht, nicht im Kampf umherziehen sehen?“

Wort für Wort
na śroṣyasi mahāratha
wenn du nicht hörst, großer Wagenkämpfer (na śroṣyasi mahāratha)
hatam drakṣyasi balam
du wirst das vernichtete Heer sehen (hatam drakṣyasi balam)
arjunam kālasamaprabhāvam
Arjuna, dessen Macht der des Todes gleicht (arjunam kālasamaprabhāvam)
raṇe carantam
im Kampf umherziehend (raṇe carantam)

tejasvinām adya raviṃ mahāprabhaṃ kathaṃ varāstraṃ samare na paśyasi | tvayi pranaṣṭe naravīrasatkṛto bhoktā hi rājyaṃ bhuvi dharmasūnuḥ

„Wirst du heute nicht die vortreffliche Waffe im Kampf sehen, ihn, die große leuchtende Sonne unter den Glanzvollen? Wenn du zugrunde gegangen bist, wird der Sohn des Dharma [Yudhiṣṭhira], von den Heldenhaften geehrt, über das Reich auf Erden herrschen.“

Wort für Wort
tejasvinām raviḥ mahāprabham
die große leuchtende Sonne unter den Glanzvollen (tejasvinām raviḥ mahāprabham)
varāstram samare
die vortreffliche Waffe im Kampf (varāstram samare)
tvayi pranaṣṭe
wenn du zugrunde gegangen bist (tvayi pranaṣṭe)
naravīrasatkṛtaḥ
von den Heldenhaften geehrt (naravīrasatkṛtaḥ)
bhoktā rājyam bhuvi dharmasūnuḥ
der Sohn des Dharma wird über das Reich auf Erden herrschen (bhoktā rājyam bhuvi dharmasūnuḥ)

ity evam ukto gurusūnunā kathaṃ sa me sthitaś caiva tathaiva durmanāḥ

So vom Sohn des Lehrers [Aśvatthāman] angesprochen – wie stand er, mir gegenüber, ebenso da, gleichermaßen schwermütig?

Wort für Wort
gurusūnunā ukto
vom Sohn des Lehrers angesprochen (gurusūnunā ukto)
sa me sthitaḥ
er, mir dastehend (sa me sthitaḥ)
tathaiva durmanāḥ
gleichermaßen schwermütig (tathaiva durmanāḥ)

Diese Apparatzeile ist in Syntax und Erzählperspektive ungewöhnlich: die Wendung 'sa me sthitaḥ' (er, mir dastehend) passt nicht recht zur sonstigen Erzählhaltung Saṃjayas gegenüber Dhṛtarāṣṭra. Möglicherweise ein fragmentarischer, nicht vollständig integrierter Apparatszusatz. Wörtlich, mit Vorbehalt, wiedergegeben; der Inhalt der folgenden Einheit liest sich wie eine vorwegnehmende Dublette der späteren Erwiderung Duryodhanas (Verse 029-031 desselben Kapitels).

sakhe tvam evādya kathaṃ pravaktā pārthasya pakṣād yudhi jātaharṣāt | vimuktabāhuḥ prahasan sudurbalo duryodhano durgatikālacoditaḥ | vṛkodaraṃ hanmi sabāndhavaṃ raṇe kathaṃ bibhemi prayato mahāmṛdhe

„Freund, wie kannst du heute so sprechen, aus einer Freude, die aus der Partei des Pārtha im Kampf entstanden ist? Ich werde Vṛkodara [Bhīma] samt seinen Verwandten im Kampf erschlagen – wie sollte ich mich fürchten, entschlossen wie ich bin, in der großen Schlacht?“ So sprach, mit gelösten Armen, lachend, doch sehr geschwächt, Duryodhana, vom Zeitpunkt des Unheils getrieben.

Wort für Wort
sakhe tvam kathaṃ pravaktā
Freund, wie kannst du sprechen (sakhe tvam kathaṃ pravaktā)
pārthasya pakṣāt jātaharṣāt
aus der Freude, die aus der Partei des Pārtha entstanden ist (pārthasya pakṣāt jātaharṣāt)
vṛkodaram sabāndhavam hanmi
ich werde Vṛkodara samt Verwandten erschlagen (vṛkodaram sabāndhavam hanmi)
vimuktabāhuḥ prahasan sudurbalaḥ
mit gelösten Armen, lachend, sehr geschwächt (vimuktabāhuḥ prahasan sudurbalaḥ)
durgatikālacoditaḥ
vom Zeitpunkt des Unheils getrieben (durgatikālacoditaḥ)

Diese Verse gleichen inhaltlich stark der späteren, ausführlicheren Erwiderung Duryodhanas in den Versen 029-031 desselben Kapitels; vermutlich eine im Apparat erhaltene alternative oder vorwegnehmende Fassung derselben Rede, hier wörtlich wiedergegeben.

pratāpataś copanataṃ caturvidhaṃ tad asti sarvaṃ tvayi pāṇḍaveṣu ca

„Und was auch immer durch Tatkraft und Ansehen an vierfachem Gut zukommt – all das ist sowohl in dir als auch in den Pāṇḍavas vorhanden.“

Wort für Wort
pratāpataḥ upanatam caturvidham
durch Tatkraft zukommendes Vierfaches (pratāpataḥ upanatam caturvidham)
tat asti sarvam
all das ist vorhanden (tat asti sarvam)
tvayi pāṇḍaveṣu ca
sowohl in dir als auch in den Pāṇḍavas (tvayi pāṇḍaveṣu ca)

nisargatas te tava vīra bāndhavāḥ punaś ca sāmnā ca samāpnuhi sthiram | tvayi prasanne yadi mitratām iyur dhruvaṃ narendrendra tathā tvam ācara

„Von Natur aus sind sie deine Verwandten, o Held; erlange nun auch durch Versöhnung feste Bindung mit ihnen. Wenn sie, sobald du gnädig gestimmt bist, Freundschaft erlangen sollten – dann handle, o Indra unter den Königen, gewiss dementsprechend!“

Wort für Wort
nisargataḥ bāndhavāḥ
von Natur aus Verwandte (nisargataḥ bāndhavāḥ)
sāmnā samāpnuhi sthiram
erlange durch Versöhnung feste Bindung (sāmnā samāpnuhi sthiram)
tvayi prasanne
sobald du gnädig gestimmt bist (tvayi prasanne)
mitratām iyuḥ
sie erlangten Freundschaft (mitratām iyuḥ)
narendrendra
o Indra unter den Königen (Anrede)

sa evam uktaḥ suhṛdā vaco hitaṃ vicintya niḥśvasya ca durmanābravīt | yathā bhavān āha sakhe tathaiva tan mamāpi ca jñāpayato vacaḥ śṛṇu

So von seinem Freund mit wohlmeinenden Worten angesprochen, überlegte er, seufzte und sprach, betrübten Sinnes: „Wie du sagst, Freund, so ist es wohl; doch höre auch meine Worte, die ich dir kundtue.“

Wort für Wort
suhṛdā uktaḥ vacaḥ hitam
vom Freund mit wohlmeinenden Worten angesprochen (suhṛdā uktaḥ vacaḥ hitam)
vicintya niḥśvasya
überlegend, seufzend (vicintya niḥśvasya)
durmanā abravīt
betrübten Sinnes sprach er (durmanā abravīt)
yathā bhavān āha tathaiva tat
wie du sagst, so ist es (yathā bhavān āha tathaiva tat)
jñāpayataḥ vacaḥ śṛṇu
höre meine kundtuenden Worte (jñāpayataḥ vacaḥ śṛṇu)

ko 'nyo 'sti me duḥkhasakhaḥ sadaiva muktvā bhavantaṃ mama caikavīram

„Wer sonst ist mir stets ein Gefährte im Leid, außer dir, meinem einzigen Helden-Freund?“

Wort für Wort
kaḥ anyaḥ asti
wer sonst gibt es (kaḥ anyaḥ asti)
duḥkhasakhaḥ sadaiva
stets ein Gefährte im Leid (duḥkhasakhaḥ sadaiva)
muktvā bhavantam
außer dir (muktvā bhavantam)
mama ekavīram
mein einziger Held (mama ekavīram)

nihatya duḥśāsanam uktavān bahu prasahya śārdūlavad eṣa durmatiḥ | vṛkodaras tad dhṛdaye mama sthitaṃ na tatparokṣaṃ bhavataḥ kutaḥ śamaḥ

„Nachdem er Duḥśāsana erschlagen hatte, sprach dieser böswillige Vṛkodara viel, gewaltsam, wie ein Tiger; das sitzt fest in meinem Herzen – es ist dir nicht verborgen. Woher sollte da Friede kommen?“

Wort für Wort
nihatya duḥśāsanam
nachdem er Duḥśāsana erschlagen hatte (nihatya duḥśāsanam)
uktavān bahu prasahya śārdūlavat
sprach viel, gewaltsam, wie ein Tiger (uktavān bahu prasahya śārdūlavat)
durmatiḥ
der Böswillige [Bhīma] (durmatiḥ)
tad hṛdaye mama sthitam
das sitzt fest in meinem Herzen (tad hṛdaye mama sthitam)
na tat parokṣam bhavataḥ
es ist dir nicht verborgen (na tat parokṣam bhavataḥ)
kutaḥ śamaḥ
woher sollte Friede kommen (kutaḥ śamaḥ)

na cāpi karṇaṃ prasahed raṇe 'rjuno mahāgiriṃ merum ivogramārutaḥ | na cāśvasiṣyanti pṛthātmajā mayi prasahya vairaṃ bahuśo vicintya

„Und Arjuna könnte Karṇa im Kampf ebensowenig überwältigen, wie ein wilder Sturmwind den großen Berg Meru; und die Söhne der Pṛthā werden mir gegenüber nicht beruhigt sein, da sie die Feindschaft gewaltsam, vielfach bedacht haben.“

Wort für Wort
na prasahet raṇe
könnte im Kampf nicht überwältigen (na prasahet raṇe)
mahāgirim merum ugramārutaḥ iva
wie ein wilder Sturmwind den großen Berg Meru (mahāgirim merum ugramārutaḥ iva)
na āśvasiṣyanti pṛthātmajāḥ mayi
die Söhne der Pṛthā werden mir gegenüber nicht beruhigt sein (na āśvasiṣyanti pṛthātmajāḥ mayi)
prasahya vairam bahuśaḥ vicintya
die Feindschaft gewaltsam, vielfach bedacht (prasahya vairam bahuśaḥ vicintya)

na cāpi karṇaṃ guruputra saṃstavād upāramety arhasi vaktum acyuta | śrameṇa yukto mahatādya phalgunas tam eṣa karṇaḥ prasabhaṃ haniṣyati

„Auch solltest du, Sohn des Lehrers, Unbeirrbarer, mir nicht durch lobendes Zureden sagen, ich solle davon ablassen, Karṇa zu bekämpfen; heute, von großer Anstrengung erschöpft, wird dieser Karṇa jenen Phalguna [Arjuna] mit Gewalt erschlagen.“

Wort für Wort
guruputra
Sohn des Lehrers [Aśvatthāman, Anrede] (guruputra)
saṃstavāt upārama iti arhasi vaktum
du solltest mir sagen, durch lobendes Zureden abzulassen (saṃstavāt upārama iti arhasi vaktum)
acyuta
Unbeirrbarer (ungewöhnliche Anrede)
śrameṇa yuktaḥ mahatā
von großer Anstrengung erschöpft (śrameṇa yuktaḥ mahatā)
prasabham haniṣyati
wird mit Gewalt erschlagen (prasabham haniṣyati)

Die Anrede 'acyuta' (Unbeirrbarer/Unfehlbarer) ist ungewöhnlich, da dieser Beiname im Mahābhārata fast ausschließlich Kṛṣṇa/Viṣṇu vorbehalten ist; hier auf Aśvatthāman (den Sohn des Lehrers) angewandt, wörtlich in seiner allgemeineren Wortbedeutung wiedergegeben.

vasuṃdharāyāḥ parivartanaṃ bhaved vrajec ca śoṣaṃ makarālayo 'rṇavaḥ | plaveyur apy adrivarā mahāmbudhau na cārjuno jeṣyati karṇam āhave

„Eher könnte sich die Erde umwenden, eher könnte der Ozean, die Wohnstatt der Meeresungeheuer, austrocknen, eher könnten sogar die besten der Berge auf dem großen Weltmeer schwimmen – aber Arjuna wird Karṇa im Kampf nicht besiegen!“

Wort für Wort
vasuṃdharāyāḥ parivartanam bhavet
die Erde könnte sich umwenden (vasuṃdharāyāḥ parivartanam bhavet)
makarālayaḥ arṇavaḥ śoṣam vrajet
der Ozean, Wohnstatt der Meeresungeheuer, könnte austrocknen (makarālayaḥ arṇavaḥ śoṣam vrajet)
adrivarāḥ plaveyuḥ mahāmbudhau
die besten Berge könnten auf dem großen Weltmeer schwimmen (adrivarāḥ plaveyuḥ mahāmbudhau)
na arjunaḥ jeṣyati karṇam āhave
Arjuna wird Karṇa im Kampf nicht besiegen (na arjunaḥ jeṣyati karṇam āhave)

Beginn einer bewussten rhetorischen Unmöglichkeits-Reihung (Adynaton) mit dem Refrain 'na cārjuno jeṣyati karṇam āhave', der in der nächsten Einheit wiederholt wird.

apāṃ pṛthivyā nabhaso nabhasvataḥ sutigmadīpteś ca hiraṇyaretasaḥ | abhāva eṣām api sarvato bhaven na cārjuno jeṣyati karṇam āhave

„Eher könnte das gänzliche Nichtsein des Wassers, der Erde, des Himmels, des Windes und des scharf leuchtenden Goldsamigen eintreten – aber Arjuna wird Karṇa im Kampf nicht besiegen!“

Wort für Wort
apām pṛthivyāḥ nabhasaḥ nabhasvataḥ
des Wassers, der Erde, des Himmels, des Windes (apām pṛthivyāḥ nabhasaḥ nabhasvataḥ)
sutigmadīpteḥ hiraṇyaretasaḥ
des scharf leuchtenden Goldsamigen [Agni, Feuer] (sutigmadīpteḥ hiraṇyaretasaḥ)
abhāvaḥ sarvataḥ bhavet
das gänzliche Nichtsein könnte eintreten (abhāvaḥ sarvataḥ bhavet)
na arjunaḥ jeṣyati karṇam āhave
Arjuna wird Karṇa im Kampf nicht besiegen (na arjunaḥ jeṣyati karṇam āhave)

Abschluss der Unmöglichkeits-Reihung mit erneutem Refrain, der die Elemente Wasser, Erde, Äther, Wind und Feuer (Agni, der 'Goldsamige') aufzählt.

tam evam uktvābhyanunīya cāsakṛt tavātmajaḥ svān anuśāsti sainikān | samāghnatābhidravatāhitān imān sabāṇaśabdān kim u joṣam āsyate

Nachdem er so gesprochen und ihn wiederholt besänftigt hatte, unterwies dein Sohn seine eigenen Krieger, die diese Feinde angreifend, anstürmend, niederschlugen, inmitten des Pfeilgesauses – wie sollte man da untätig verharren?

Wort für Wort
tam evam uktvā abhyanunīya
nachdem er so gesprochen und ihn besänftigt hatte (tam evam uktvā abhyanunīya)
tavātmajaḥ svān anuśāsti sainikān
dein Sohn unterwies seine eigenen Krieger (tavātmajaḥ svān anuśāsti sainikān)
samāghnatā abhidravatā ahitān
die Feinde angreifend, anstürmend niederschlagend (samāghnatā abhidravatā ahitān)
sabāṇaśabdān
inmitten des Pfeilgesauses (sabāṇaśabdān)
kim u joṣam āsyate
wie sollte man untätig verharren (kim u joṣam āsyate)

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