Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 56: dhṛtarāṣṭrapraśnaḥ karṇasya pāñcālasenāvidhvaṃsanaṃ ca Dhṛtarāṣṭras Frage und Karṇas Vernichtung des Pāñcāla-Heeres

tato bhagneṣu sainyeṣu bhīmasenena saṃyuge / duryodhano 'bravīt kiṃ nu saubalo vāpi saṃjaya / karṇo vā jayatāṃ śreṣṭho yodhā vā māmakā yudhi

Dhṛtarāṣṭra sprach: Als hierauf im Kampf die Truppen von Bhīmasena in die Flucht geschlagen worden waren, sprach Duryodhana: Was tat nun wohl der Sohn Subalas, Saṃjaya, oder Karṇa, der Beste der Sieger, oder meine Krieger im Kampf?

Wort für Wort
bhagneṣu sainyeṣu
als die Truppen in die Flucht geschlagen waren (Lok. Abs.)
saubalaḥ
der Sohn Subalas (Nom., Śakuni)
jayatām śreṣṭhaḥ
der Beste der Sieger (Nom.)

Der Vers nennt ungewöhnlicherweise 'Duryodhana' als Sprecher ('duryodhano 'bravīt'), obwohl die Kapitelüberschrift 'dhṛtarāṣṭra uvāca' Dhṛtarāṣṭra als Sprecher ausweist; möglicherweise ein Übertragungsfehler oder eine eingeschobene Erinnerung an eine frühere Frage Duryodhanas. Der Vers wird hier wörtlich, ohne Glättung, wiedergegeben.

kṛpo vā kṛtavarmā ca drauṇir duḥśāsano 'pi vā / atyadbhutam idaṃ manye pāṇḍaveyasya vikramam / yad ekaḥ samare sarvān yodhamāyāsa māmakān / yathāpratijñaṃ yodhānāṃ rādheyaḥ kṛtavān api

Oder Kṛpa, oder Kṛtavarman, oder der Sohn Droṇas, oder auch Duḥśāsana? Für höchst wunderbar halte ich diese Kampfeskraft des Pāṇḍava-Sohnes, dass er im Kampf allein alle meine Krieger ermattet hat. Hat der Sohn der Rādhā [Karṇa] seinem Gelöbnis gegenüber den Kriegern gemäß gehandelt?

Wort für Wort
atyadbhutam
höchst wunderbar (Akk.)
vikramam
die Kampfeskraft, Tapferkeit (Akk.)
yathāpratijñam
seinem Gelöbnis gemäß (Adv.)

kurūṇām api sarveṣāṃ karṇaḥ śatruniṣūdanaḥ / sarveṣāṃ kuruyaudhānāṃ karṇo vai śatrusūdanaḥ / śarma varma pratiṣṭhā ca jīvitāśā ca saṃjaya

Ist Karṇa, der Feindevernichter, für alle Kurus - ist Karṇa ja für alle Kuru-Krieger der Feindebezwinger - Schutz, Rüstung, Stütze und Lebenshoffnung, o Saṃjaya?

Wort für Wort
śatruniṣūdanaḥ
der Feindevernichter (Nom.)
śarma varma pratiṣṭhā
Schutz, Rüstung, Stütze (Nom.)
jīvitāśā
die Lebenshoffnung (Nom.)

Die Apparatszeile *0851 wiederholt den Gedanken des Hauptverses in nahezu identischer Formulierung; beide Fassungen werden hier zusammengeführt wiedergegeben.

tat prabhagnaṃ balaṃ dṛṣṭvā kaunteyenāmitaujasā / rādheyānām adhirathaḥ karṇaḥ kim akarod yudhi / putrā vā mama durdharṣā rājāno vā mahārathāḥ / etan me sarvam ācakṣva kuśalo hy asi saṃjaya

Als er jenes Heer, gebrochen vom Sohn der Kuntī, dem von unermesslicher Kraft, sah, was tat da Karṇa, der Sohn des Adhiratha, unter den Rādheyas, im Kampf? Was taten meine unbezwinglichen Söhne, oder die Könige, die großen Wagenkämpfer? Erzähle mir dies alles, denn du bist kundig, Saṃjaya.

Wort für Wort
kaunteyena
vom Sohn der Kuntī (Instr., Bhīma)
amitaujasā
von unermesslicher Kraft (Instr.)
durdharṣāḥ
unbezwinglich (Nom. Pl.)

aparāhṇe mahārāja sūtaputraḥ pratāpavān / jaghāna somakān sarvān bhīmasenasya paśyataḥ / bhīmo 'py atibalaḥ sainyaṃ dhārtarāṣṭraṃ vyapothayat / atha karṇo 'bravīc chalyaṃ pāñcālān prāpayasva mām

Saṃjaya sprach: Am Nachmittag, großer König, tötete der glanzvolle Sohn der Sūta alle Somakas vor den Augen Bhīmasenas; Bhīma aber, überaus stark, zermalmte seinerseits das Heer der Dhṛtarāṣṭras. Da sprach Karṇa zu Śalya: „Bringe mich zu den Pāñcālas.“

Wort für Wort
aparāhṇe
am Nachmittag (Lok.)
somakān
die Somakas (Akk. Pl.)
vyapothayat
er zermalmte (Impf.)

Diese Apparatszeile (*0852) nimmt Karṇas Aufforderung an Śalya vorweg, die im Hauptvers 008 in ausführlicherer Form wiederkehrt.

drāvyamāṇaṃ balaṃ dṛṣṭvā bhīmasenena dhīmatā / yantāram abravīt karṇaḥ pāñcālān eva mā vaha

Als er das von dem weisen Bhīmasena in die Flucht getriebene Heer sah, sprach Karṇa zu seinem Wagenlenker: „Fahre mich nur zu den Pāñcālas.“

Wort für Wort
drāvyamāṇam
in die Flucht getrieben werdend (Part. Präs. Pass.)
yantāram
zum Wagenlenker (Akk.)
vaha
fahre! (Imp.)

madrarājas tataḥ śalyaḥ śvetān aśvān mahājavān / prāhiṇoc cedipāñcālān karūṣāṃś ca mahābalaḥ / praviśya ca sa tāṃ senāṃ śalyaḥ parabalārdanaḥ / nyayacchat turagān hṛṣṭo yatra yatraicchad agraṇīḥ

Da lenkte Śalya, der König der Madras, überaus stark, die weißen, überaus schnellen Rosse gegen die Cedis, Pāñcālas und Karūṣas. Und nachdem er in jenes Heer eingedrungen war, hielt Śalya, der Bedränger der feindlichen Streitmacht, erfreut, die Rosse dorthin, wohin auch immer der Anführer [Karṇa] es wünschte.

Wort für Wort
mahājavān
überaus schnell (Akk. Pl.)
parabalārdanaḥ
der Bedränger der feindlichen Streitmacht (Nom.)
agraṇīḥ
der Anführer (Nom.)

taṃ rathaṃ meghasaṃkāśaṃ vaiyāghraparivāraṇam / saṃdṛśya pāṇḍupāñcālās trastā āsan viśāṃ pate / tato rathasya ninadaḥ prādurāsīn mahāraṇe / parjanyasamanirghoṣaḥ parvatasyeva dīryataḥ

Als sie jenen wolkengleichen Wagen mit seiner Tigerfell-Umhüllung erblickten, wurden die Pāṇḍus und Pāñcālas erschrocken, o Herr der Untertanen. Da erhob sich in der großen Schlacht das Dröhnen des Wagens, gleich dem Donnern einer Regenwolke oder einem sich spaltenden Berg.

Wort für Wort
meghasaṃkāśam
wolkengleich (Akk.)
vaiyāghraparivāraṇam
mit Tigerfell-Umhüllung (Akk.)
ninadaḥ
das Dröhnen (Nom.)

tataḥ śaraśatais tīkṣṇaiḥ karṇo 'py ākarṇaniḥsṛtaiḥ / jaghāna pāṇḍavabalaṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ / taṃ tathā samare karma kurvāṇam atimānuṣam / parivavrur maheṣvāsāḥ pāṇḍavānāṃ mahārathāḥ

Da tötete auch Karṇa mit Hunderten scharfer, bis ans Ohr gezogener Pfeile das Pāṇḍava-Heer zu Hunderten und Tausenden. Als er so im Kampf übermenschliche Taten vollbrachte, umringten ihn die großen Bogenschützen, die großen Wagenkämpfer der Pāṇḍavas.

Wort für Wort
ākarṇaniḥsṛtaiḥ
bis ans Ohr gezogen entlassen (Instr. Pl., von Pfeilen)
atimānuṣam
übermenschlich (Akk.)
parivavruḥ
sie umringten (Perf.)

taṃ śikhaṇḍī ca bhīmaś ca dhṛṣṭadyumnaś ca pārṣataḥ / nakulaḥ sahadevaś ca draupadeyāḥ sasātyakāḥ / parivavrur jighāṃsanto rādheyaṃ śaravṛṣṭibhiḥ

Śikhaṇḍin, Bhīma, Dhṛṣṭadyumna, der Sohn des Pṛṣata, Nakula und Sahadeva, die Söhne Draupadīs samt Sātyaki umringten den Sohn der Rādhā, ihn zu töten begierig, mit Pfeilschauern.

Wort für Wort
pārṣataḥ
der Sohn des Pṛṣata (Nom., Dhṛṣṭadyumna)
jighāṃsantaḥ
zu töten begierig (Part. Präs. Nom. Pl.)
śaravṛṣṭibhiḥ
mit Pfeilschauern (Instr. Pl.)

sātyakis tu tataḥ karṇaṃ viṃśatyā niśitaiḥ śaraiḥ / atāḍayad raṇe śūro jatrudeśe narottamaḥ / śikhaṇḍī pañcaviṃśatyā dhṛṣṭadyumnaś ca pañcabhiḥ / draupadeyāś catuḥṣaṣṭyā sahadevaś ca saptabhiḥ / nakulaś ca śatenājau karṇaṃ vivyādha sāyakaiḥ

Sātyaki nun traf Karṇa im Kampf mit zwanzig scharfen Pfeilen am Schlüsselbein, der Held, der beste der Männer; Śikhaṇḍin mit fünfundzwanzig, Dhṛṣṭadyumna mit fünf, die Söhne Draupadīs mit vierundsechzig, Sahadeva mit sieben, und Nakula durchbohrte Karṇa im Kampf mit hundert Pfeilen.

Wort für Wort
jatrudeśe
am Schlüsselbein, an der Halsgegend (Lok.)
catuḥṣaṣṭyā
mit vierundsechzig (Instr.)
vivyādha
er durchbohrte (Perf.)

bhīmasenas tu rādheyaṃ navatyā nataparvaṇām / vivyādha samare kruddho jatrudeśe mahābalaḥ / tataḥ prahasyādhirathir vikṣipan dhanur uttamam / mumoca niśitān bāṇān pīḍayan sumahābalaḥ / tān pratyavidhyad rādheyaḥ pañcabhiḥ pañcabhiḥ śaraiḥ

Bhīmasena aber durchbohrte den Sohn der Rādhā mit neunzig gebogenen Pfeilen am Schlüsselbein, zornentbrannt, der überaus Starke, im Kampf. Da lachte der Sohn des Adhiratha, schwang seinen vorzüglichen Bogen und entließ scharfe Pfeile, sie bedrängend, der überaus Gewaltige; der Sohn der Rādhā durchbohrte sie einen jeden mit je fünf Pfeilen.

Wort für Wort
nataparvaṇām
gebogener Gelenke (Gen. Pl., von Pfeilen)
adhirathiḥ
der Sohn des Adhiratha (Nom., Karṇa)
pañcabhiḥ pañcabhiḥ
mit je fünf (Instr., distributiv)

sātyakes tu dhanuś chittvā dhvajaṃ ca puruṣarṣabhaḥ / athainaṃ navabhir bāṇair ājaghāna stanāntare / bhīmasenas tu taṃ kruddho vivyādha triṃśatā śaraiḥ / sahadevasya bhallena dhvajaṃ ciccheda māriṣa / sārathiṃ ca tribhir bāṇair ājaghāna paraṃtapaḥ

Der Stier unter den Männern [Karṇa] zerschnitt Sātyakis Bogen und Banner und traf ihn dann mit neun Pfeilen zwischen den Brüsten. Bhīmasena aber, erzürnt, durchbohrte ihn mit dreißig Pfeilen; mit einem Bhalla-Pfeil zerschnitt er [Karṇa] Sahadevas Banner, o Verehrter, und der Feindebedränger traf dessen Wagenlenker mit drei Pfeilen.

Wort für Wort
stanāntare
zwischen den Brüsten (Lok.)
triṃśatā
mit dreißig (Instr.)
paraṃtapaḥ
der Feindebedränger (Nom.)

virathān draupadeyāṃś ca cakāra puruṣarṣabhaḥ / akṣṇor nimeṣamātreṇa tad adbhutam ivābhavat

Wagenlos machte der Stier unter den Männern die Söhne Draupadīs, binnen eines Augenblinzelns; das erschien wie ein Wunder.

Wort für Wort
virathān
wagenlos (Akk. Pl.)
nimeṣamātreṇa
binnen eines Augenblinzelns (Instr.)
adbhutam
wunderbar (Nom. Neutr.)

vimukhīkṛtya tān sarvāñ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ / pāñcālān ahanac chūraś cedīnāṃ ca mahārathān

Nachdem er sie alle mit Pfeilen mit geglätteten Gelenken zur Umkehr gezwungen hatte, tötete der Held die Pāñcālas und die großen Wagenkämpfer der Cedis.

Wort für Wort
vimukhīkṛtya
zur Umkehr gezwungen habend (Ger.)
saṃnataparvabhiḥ
mit geglätteten Gelenken (Instr. Pl.)

te vadhyamānāḥ samare cedimatsyā viśāṃ pate / karṇam ekam abhidrutya śarasaṃghaiḥ samārdayan / tāñ jaghāna śitair bāṇaiḥ sūtaputro mahārathaḥ / prādravanta raṇe bhītāḥ siṃhatrastā mṛgā iva / tatas tān prahasan vīro vijigye pāṇḍavān raṇe

Sie, die Cedis und Matsyas, im Kampf niedergemacht, o Herr der Untertanen, stürmten auf Karṇa allein los und bedrängten ihn mit Massen von Pfeilen; doch der große Wagenkämpfer, der Sohn der Sūta, tötete sie mit scharfen Pfeilen. Sie flohen erschrocken aus der Schlacht, wie von einem Löwen aufgeschreckte Rehe; da besiegte der Held, lachend, die Pāṇḍavas in der Schlacht.

Wort für Wort
śarasaṃghaiḥ
mit Massen von Pfeilen (Instr. Pl.)
siṃhatrastā mṛgāḥ iva
wie von einem Löwen aufgeschreckte Rehe (Nom. Pl.)
vijigye
er besiegte (Perf.)

etad atyadbhutaṃ karṇe dṛṣṭavān asmi bhārata / yad ekaḥ samare śūrān sūtaputraḥ pratāpavān / **** **** yatamānān mahārathān / yodhayām āsa samare / yatamānān paraṃ śaktyāyodhayat tāṃś ca dhanvinaḥ / pāṇḍaveyān mahārāja śarair vāritavān raṇe

Dies Höchstwunderbare habe ich an Karṇa gesehen, o Bhārata: dass der glanzvolle Sohn der Sūta allein im Kampf die tapferen [...] anstrengenden großen Wagenkämpfer bekämpfte, im Kampf; die sich mit äußerster Kraft anstrengenden bogenführenden Krieger bekämpfte er und hielt die Söhne Pāṇḍus, großer König, im Kampf mit Pfeilen zurück.

Wort für Wort
atyadbhutam
höchst wunderbar (Akk.)
yatamānān
sich anstrengend (Part. Präs. Akk. Pl.)
vāritavān
er hat zurückgehalten (Perf.)

Die Apparatszeile *0856 weist im Quelltext eine Textlücke auf (mit '****' markiert); die fehlende Passage konnte nicht ergänzt werden und wird hier unübersetzt als Lücke belassen.

tatra bhārata karṇasya lāghavena mahātmanaḥ / tutuṣur devatāḥ sarvāḥ siddhāś ca paramarṣayaḥ / apūjayan maheṣvāsā dhārtarāṣṭrā narottamam / karṇaṃ rathavaraśreṣṭhaṃ śreṣṭhaṃ sarvadhanuṣmatām

Da, o Bhārata, waren über die Behändigkeit des hochgesinnten Karṇa alle Götter erfreut, ebenso die Siddhas und die höchsten Weisen. Die großen Bogenschützen, die Söhne Dhṛtarāṣṭras, ehrten den besten der Männer, Karṇa, den vorzüglichsten der Wagenkämpfer, den besten aller Bogenträger.

Wort für Wort
lāghavena
durch die Behändigkeit, Geschicklichkeit (Instr.)
siddhāḥ
die Siddhas, vollkommenen Wesen (Nom. Pl.)
sarvadhanuṣmatām
aller Bogenträger (Gen. Pl.)

tataḥ karṇo mahārāja dadāha ripuvāhinīm / ekavīro maheṣvāso vighnastāparivāhiṇam (sic) / samardayañ charais tīkṣṇaiḥ pāñcālānāṃ pravāhinīm / kakṣam iddho yathā vahnir nidāghe jvalito mahān

Da verbrannte Karṇa, großer König, das feindliche Heer, der einzelne Held, der große Bogenschütze - [ein im Quelltext mit dem Vermerk (sic) als unsicher gekennzeichnetes Wort beschreibt hier näher die Truppenbewegung] -, mit scharfen Pfeilen den strömenden Heereszug der Pāñcālas zermalmend, wie ein loderndes großes Feuer in der Hitze trockenes Buschwerk verzehrt.

Wort für Wort
ripuvāhinīm
das feindliche Heer (Akk.)
pravāhinīm
den strömenden Heereszug (Akk.)
kakṣam
trockenes Buschwerk, Gestrüpp (Akk.)

Das Kompositum 'vighnastāparivāhiṇam' ist im Quelltext selbst mit '(sic)' als fragwürdige Lesart gekennzeichnet; seine genaue Bedeutung bleibt unklar und wurde hier ausgespart [?].

te vadhyamānāḥ karṇena pāṇḍaveyās tatas tataḥ / prādravanta raṇe bhītāḥ karṇaṃ dṛṣṭvā mahābalam / tatrākrando mahān āsīt pāñcālānāṃ mahāraṇe / vadhyatāṃ sāyakais tīkṣṇaiḥ karṇacāpavaracyutaiḥ / tena śabdena vitrastā pāṇḍavānāṃ mahācamūḥ / karṇam ekaṃ raṇe yodhaṃ menire tatra śātravāḥ

Sie, die Söhne Pāṇḍus, von Karṇa niedergemacht, flohen hierhin und dorthin in der Schlacht, erschrocken, als sie den mächtigen Karṇa erblickten. Dort erhob sich in der großen Schlacht ein gewaltiges Wehklagen der Pāñcālas, die von den scharfen, aus Karṇas vorzüglichem Bogen entlassenen Pfeilen niedergemacht wurden. Von jenem Lärm erschreckt, hielt das große Heer der Pāṇḍavas - die Feinde dort - Karṇa für den einzigen Krieger in der Schlacht.

Wort für Wort
ākrandaḥ
das Wehklagen, der Klageschrei (Nom.)
vitrastā
erschreckt (PPP Nom. Fem.)
śātravāḥ
die Feinde (Nom. Pl.)

tatrādbhutaṃ paraṃ cakre rādheyaḥ śatrukarśanaḥ / yad ekaṃ pāṇḍavāḥ sarve na śekur abhivīkṣitum / yathaughaḥ parvataśreṣṭham āsādyābhipradīryate / tathā tat pāṇḍavaṃ sainyaṃ karṇam āsādya dīryate

Dort vollbrachte der Sohn der Rādhā, der Feindebezwinger, ein höchstes Wunder: dass alle Pāṇḍavas ihn, den Einzelnen, nicht einmal anzublicken vermochten. Wie eine Flut, den besten der Berge erreichend, sich bricht, so brach jenes Heer der Pāṇḍavas, Karṇa erreichend, auseinander.

Wort für Wort
abhivīkṣitum
anzublicken (Inf.)
oghaḥ
die Flut (Nom.)
dīryate
es bricht auseinander (Präs. Pass.)

karṇo 'pi samare rājan vidhūmo 'gnir iva jvalan / dahaṃs tasthau mahābāhuḥ pāṇḍavānāṃ mahācamūm

Karṇa aber stand in der Schlacht, o König, wie ein rauchloses loderndes Feuer, das große Heer der Pāṇḍavas verbrennend, der Starkarmige.

Wort für Wort
vidhūmaḥ
rauchlos (Nom.)
dahan
verbrennend (Part. Präs.)
mahācamūm
das große Heer (Akk.)

śirāṃsi ca mahārāja karṇāṃś cañcalakuṇḍalān / bāhūṃś ca vīro vīrāṇāṃ ciccheda laghu ceṣubhiḥ / hastidantān tsarūn khaḍgān dhvajāñ śaktīr hayān gajān / rathāṃś ca vividhān rājan patākā vyajanāni ca / akṣeṣāyugayoktrāṇi cakrāṇi vividhāni ca / ciccheda śatadhā karṇo yodhavratam anuṣṭhitaḥ

Häupter, großer König, mit schwingenden Ohrringen, und die Arme der Helden zerschnitt der Held leichthin mit seinen Pfeilen; Elefantenstoßzähne, Schwertgriffe, Schwerter, Banner, Speere, Rosse, Elefanten, und mancherlei Wagen, o König, Standarten und Fächer, Achsen, Deichseln und Joche, und mancherlei Räder zerschnitt Karṇa, dem Kriegergelübde folgend, in hundert Stücke.

Wort für Wort
cañcalakuṇḍalān
mit schwingenden Ohrringen (Akk. Pl.)
hastidantān
Elefantenstoßzähne (Akk. Pl.)
yodhavratam anuṣṭhitaḥ
dem Kriegergelübde folgend (Nom.)

tatra bhārata karṇena nihatair gajavājibhiḥ / agamyarūpā pṛthivī māṃsaśoṇitakardamā / viṣamaṃ ca samaṃ caiva hatair aśvapadātibhiḥ / rathaiś ca kuñjaraiś caiva na prājñāyata kiṃ cana / nāpi sve na pare yodhāḥ prājñāyanta parasparam / ghore śarāndhakāre tu karṇāstre ca vijṛmbhite

Dort, o Bhārata, wurde durch die von Karṇa erschlagenen Elefanten und Rosse die Erde unbegehbar, ein Sumpf aus Fleisch und Blut. Ob uneben oder eben, durch die erschlagenen Rosse, Fußsoldaten, Wagen und Elefanten konnte nichts mehr unterschieden werden; weder die eigenen noch die feindlichen Krieger konnten einander erkennen, in der furchtbaren Finsternis der Pfeile und da Karṇas Waffenkraft sich entfaltete.

Wort für Wort
agamyarūpā
unbegehbar (Nom. Fem.)
māṃsaśoṇitakardamā
ein Sumpf aus Fleisch und Blut (Nom. Fem.)
śarāndhakāre
in der Finsternis der Pfeile (Lok.)

rādheyacāpanirmuktaiḥ śaraiḥ kāñcanabhūṣitaiḥ / saṃchāditā mahārāja yatamānā mahārathāḥ / te pāṇḍaveyāḥ samare karṇena sma punaḥ punaḥ / abhajyanta mahārāja yatamānā mahārathāḥ

Von den aus Rādheyas Bogen entlassenen, goldgeschmückten Pfeilen wurden die sich anstrengenden großen Wagenkämpfer bedeckt, großer König. Jene Söhne Pāṇḍus wurden in der Schlacht von Karṇa immer wieder aufs Neue zurückgeschlagen, großer König, so sehr sie sich auch anstrengten, die großen Wagenkämpfer.

Wort für Wort
kāñcanabhūṣitaiḥ
goldgeschmückt (Instr. Pl.)
saṃchāditā
bedeckt (PPP Nom. Pl.)
abhajyanta
sie wurden zurückgeschlagen (Impf. Pass.)

mṛgasaṃghān yathā kruddhaḥ siṃho drāvayate vane / pāñcālānāṃ rathaśreṣṭhān drāvayañ chātravāṃs tathā / karṇas tu samare yodhāṃs tatra tatra mahāyaśāḥ / kālayām āsa tat sainyaṃ yathā paśugaṇān vṛkaḥ

Wie ein zorniger Löwe Herden von Wild im Wald zerstreut, so zerstreute er, die feindlichen besten Wagenkämpfer der Pāñcālas zerstreuend; Karṇa aber, der hochberühmte, trieb in der Schlacht die Krieger hierhin und dorthin, wie ein Wolf Herden von Vieh treibt.

Wort für Wort
mṛgasaṃghān
Herden von Wild (Akk. Pl.)
mahāyaśāḥ
der hochberühmte (Nom.)
kālayām āsa
er trieb (Perf.)

dṛṣṭvā tu pāṇḍavīṃ senāṃ dhārtarāṣṭrāḥ parāṅmukhīm / abhijagmur maheṣvāsā ruvanto bhairavān ravān / duryodhano hi rājendra mudā paramayā yutaḥ / vādayām āsa saṃhṛṣṭo nānāvādyāni sarvaśaḥ

Als sie das Pāṇḍava-Heer in die Flucht gewandt sahen, rückten die großen Bogenschützen, die Söhne Dhṛtarāṣṭras, heran, furchtbare Rufe ausstoßend. Duryodhana nämlich, o Fürst der Könige, von höchster Freude erfüllt, ließ hocherfreut mancherlei Instrumente überall ertönen.

Wort für Wort
parāṅmukhīm
in die Flucht gewandt (Akk. Fem.)
bhairavān ravān
furchtbare Rufe (Akk. Pl.)
nānāvādyāni
mancherlei Instrumente (Akk. Pl.)

pāñcālāpi maheṣvāsā bhagnā bhagnā narottamāḥ / nyavartanta yathā śūrā mṛtyuṃ kṛtvā nivartanam / tān nivṛttān raṇe śūrān rādheyaḥ śatrutāpanaḥ / anekaśo mahārāja babhañja puruṣarṣabhaḥ

Auch die Pāñcālas, große Bogenschützen, beste der Männer, immer wieder geschlagen, kehrten zurück wie Helden, den Tod zu ihrer Umkehr gemacht habend. Jene im Kampf zurückgekehrten Helden zerschlug der Sohn der Rādhā, der Feindebedränger, der Stier unter den Männern, mehrfach, großer König.

Wort für Wort
bhagnā bhagnā
immer wieder geschlagen (Nom. Pl.)
nivṛttān
zurückgekehrt (Akk. Pl.)
anekaśaḥ
mehrfach (Adv.)

tatra bhārata karṇena pāñcālā viṃśatī rathāḥ / nihatāḥ sādayaḥ krodhāc cedayaś ca paraḥśatāḥ

Dort, o Bhārata, wurden von Karṇa zwanzig Wagen der Pāñcālas samt ihren Lenkern aus Zorn getötet, und mehr als hundert der Cedis.

Wort für Wort
viṃśatī rathāḥ
zwanzig Wagen (Nom. Pl.)
sādayaḥ
samt Lenkern, samt Reitern (Nom. Pl.)
paraḥśatāḥ
mehr als hundert (Nom. Pl.)

kṛtvā śūnyān rathopasthān vājipṛṣṭhāṃś ca bhārata / nirmanuṣyān gajaskandhān pādātāṃś caiva vidrutān / āditya iva madhyāhne durnirīkṣyaḥ paraṃtapaḥ / kālāntakavapuḥ krūraḥ sūtaputraś cacāra ha

Nachdem er die Wagenböden und Pferderücken geleert, die Elefantenschultern menschenleer gemacht und das Fußvolk in die Flucht getrieben hatte, o Bhārata, schritt der Sohn der Sūta einher, dem Kāla am Weltenende gleich an Gestalt, grausam, unerträglich anzuschauen wie die Mittagssonne, der Feindebedränger.

Wort für Wort
nirmanuṣyān
menschenleer (Akk. Pl.)
durnirīkṣyaḥ
unerträglich anzuschauen (Nom.)
kālāntakavapuḥ
von Gestalt wie Kāla am Weltenende (Nom.)

evam etān mahārāja naravājirathadvipān / hatvā tasthau maheṣvāsaḥ karṇo 'rigaṇasūdanaḥ / yathā bhūtagaṇān hatvā kālas tiṣṭhen mahābalaḥ / tathā sa somakān hatvā tasthāv eko mahārathaḥ

Nachdem er so, großer König, diese Männer, Rosse, Wagen und Elefanten erschlagen hatte, stand der große Bogenschütze Karṇa, der Vernichter der feindlichen Scharen, still; wie der mächtige Kāla, nachdem er die Scharen der Wesen erschlagen hat, stillstehen würde, so stand er, nachdem er die Somakas erschlagen hatte, allein da, der große Wagenkämpfer.

Wort für Wort
arigaṇasūdanaḥ
der Vernichter der feindlichen Scharen (Nom.)
bhūtagaṇān
die Scharen der Wesen (Akk. Pl.)
tasthau
er stand (Perf.)

tatrādbhutam apaśyāma pāñcālānāṃ parākramam / vadhyamānāpi karṇena nājahū raṇamūrdhani

Dort sahen wir eine wunderbare Tapferkeit der Pāñcālas: obwohl sie von Karṇa niedergemacht wurden, verließen sie doch nicht die Front der Schlacht.

Wort für Wort
apaśyāma
wir sahen (Perf. 1. Pl.)
raṇamūrdhani
an der Front der Schlacht (Lok.)

rājā duḥśāsanaś caiva kṛpaḥ śāradvatas tathā / aśvatthāmā kṛtavarmā śakuniś cāpi saubalaḥ / nyahanan pāṇḍavīṃ senāṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ

Der König und Duḥśāsana, ebenso Kṛpa, der Sohn des Śaradvat, Aśvatthāman, Kṛtavarman und auch Śakuni, der Sohn Subalas, schlugen das Pāṇḍava-Heer zu Hunderten und Tausenden nieder.

Wort für Wort
śāradvataḥ
der Sohn des Śaradvat (Nom., Kṛpa)
nyahanan
sie schlugen nieder (Impf. Pl.)

karṇaputrau ca rājendra bhrātarau satyavikramau / anāśayetāṃ balinaḥ pāñcālān vai tatas tataḥ / tatra yuddhaṃ tadā hy āsīt krūraṃ viśasanaṃ mahat

Und Karṇas zwei Söhne, o Fürst der Könige, die Brüder von wahrhafter Tapferkeit, mächtig, vernichteten die Pāñcālas hierhin und dorthin. Dort war damals ein grausamer, gewaltiger Vernichtungskampf.

Wort für Wort
satyavikramau
von wahrhafter Tapferkeit (Nom. Dual)
anāśayetām
sie vernichteten (Impf. Dual)
viśasanam
der Vernichtungskampf, das Gemetzel (Nom.)

tathaiva pāṇḍavāḥ śūrā dhṛṣṭadyumnaśikhaṇḍinau / draupadeyāś ca saṃkruddhā abhyaghnaṃs tāvakaṃ balam / evam eṣa kṣayo vṛttaḥ pāṇḍavānāṃ tatas tataḥ / tāvakānām api raṇe bhīmaṃ prāpya mahābalam

Ebenso schlugen die tapferen Pāṇḍavas, Dhṛṣṭadyumna und Śikhaṇḍin, sowie die Söhne Draupadīs, zornentbrannt, dein Heer. So vollzog sich dieses Verderben der Pāṇḍavas hierhin und dorthin, wie auch das der Deinen im Kampf, als sie auf den mächtigen Bhīma trafen.

Wort für Wort
saṃkruddhāḥ
zornentbrannt (Nom. Pl.)
kṣayaḥ
das Verderben, der Untergang (Nom.)
prāpya
getroffen habend, erreicht habend (Ger.)

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