Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 1: Saṃkṣepa-Rāmāyaṇam Nāradas Kurzfassung des Rāmāyaṇa

Zweiter Korrekturdurchgang (begonnen 2026-09-12): Dieses Kapitel wurde erneut gelesen und, soweit online frei zugänglich, mit traditionellen Kommentaren abgeglichen (u.a. Govindarājas Bhūṣaṇa). Ziel ist nicht eine grundlegende Neuübersetzung, sondern das Kenntlichmachen strittiger oder mehrdeutiger Stellen als [Kommentar]-Vermerke. Der Abgleich erfolgt sarga-weise über viele Sitzungen hinweg; die meisten Kapitel des Gesamtwerks sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht durchgesehen.

tapaḥsvādhyāyanirataṃ tapasvī vāgvidāṃ varam|nāradaṃ paripapraccha vālmīkir munipuṃgavam||

Vālmīki, der Asket, befragte Nārada – den in Askese und im Studium der heiligen Texte Versunkenen, den Besten der Wortkundigen – der Stier unter den Weisen [befragte den Stier unter den Weisen].

Wort für Wort
tapaḥ-svādhyāya-niratam
in Askese und Studium (der Veden) versunken (Akk.Sg., Nārada)
tapasvī
der Asket (Nom.Sg., Vālmīki)
vāgvidāṃ varam
den Besten der Wortkundigen (Akk.Sg.)
nāradam
Nārada (Akk.Sg.)
paripapraccha
er befragte (3.Sg.Perf.)
vālmīkiḥ
Vālmīki (Nom.Sg.)
munipuṃgavam
den Stier unter den Weisen (Akk.Sg., Beiname Nāradas)

kaḥ nu asmin sāṃpratam loke guṇavān kaḥ ca vīryavān|dharmajñaḥ ca kṛtajñaḥ ca satyavākyo dhṛḍhavrataḥ||

„Wer nur ist gegenwärtig in dieser Welt tugendhaft, und wer voller Tatkraft? Wer kennt die Pflicht, wer ist dankbar, wahrhaftig im Wort und fest im Gelübde?

Wort für Wort
kaḥ nu
wer nur / wer denn
asmin sāṃpratam loke
in dieser gegenwärtigen Welt (Lok.Sg.)
guṇavān
tugendhaft (Nom.Sg.)
vīryavān
voller Heldenkraft (Nom.Sg.)
dharmajñaḥ
kundig der Pflicht (Nom.Sg.)
kṛtajñaḥ
dankbar (Nom.Sg.)
satyavākyaḥ
wahrhaftig im Wort (Nom.Sg.)
dhṛḍhavrataḥ
fest im Gelübde (Nom.Sg.)

cāritreṇa ca ko yuktaḥ sarvabhūteṣu ko hitaḥ|vidvān kaḥ kaḥ samarthaḥ ca kaḥ ca ekapriyadarśanaḥ||

Wer ist von gutem Wandel, wer allen Wesen zugetan? Wer ist gelehrt, wer fähig, und wer allein von so lieblichem Anblick?

Wort für Wort
cāritreṇa yuktaḥ
begabt mit (gutem) Wandel (Instr.Sg.)
sarvabhūteṣu hitaḥ
allen Wesen zuträglich (Lok.Pl.)
vidvān
gelehrt, wissend (Nom.Sg.)
samarthaḥ
fähig (Nom.Sg.)
eka-priya-darśanaḥ
von einzigartig lieblichem Anblick (Nom.Sg.)

ātmavān ko jitakrodho dyutimān kaḥ anasūyakaḥ|kasya bibhyati devāḥ ca jātaroṣasya saṃyuge||

Wer ist selbstbeherrscht, wer hat den Zorn bezwungen? Wer ist glanzvoll und frei von Missgunst? Vor wem, wenn sein Zorn im Kampf entbrannt ist, fürchten sich sogar die Götter?

Wort für Wort
ātmavān
selbstbeherrscht (Nom.Sg.)
jitakrodhaḥ
der den Zorn besiegt hat (Nom.Sg.)
dyutimān
glanzvoll (Nom.Sg.)
anasūyakaḥ
frei von Missgunst/Neid (Nom.Sg.)
kasya bibhyati devāḥ
vor wem fürchten sich die Götter (3.Pl.Präs.)
jātaroṣasya
dessen Zorn entstanden ist (Gen.Sg.)
saṃyuge
im Kampf (Lok.Sg.)

etat icchāmi ahaṃ śrotuṃ paraṃ kautūhalaṃ hi me|maharṣe tvaṃ samartho.asi jñātum evaṃvidhaṃ naram||

Dies möchte ich hören, denn große Neugier treibt mich; o großer Weiser, du bist fähig, einen solchen Mann zu kennen.“

Wort für Wort
etat icchāmi śrotum
dies möchte ich hören (Inf.)
paraṃ kautūhalaṃ me
große Neugier ist mir (eigen)
maharṣe
o großer Weiser (Vok.Sg.)
samarthaḥ asi
du bist fähig (2.Sg.)
jñātum
zu erkennen (Inf.)
evaṃvidhaṃ naram
einen solchen Mann (Akk.Sg.)

śrutvā ca etat trilokajño vālmīkeḥ nārado vacaḥ|śrūyatām iti ca āmaṃtrya prahṛṣṭo vākyam abravīt||

Als Nārada, der Kenner der drei Welten, dieses Wort Vālmīkis gehört hatte, sprach er hocherfreut, nachdem er ihn mit „so höre denn“ angeredet hatte, folgende Worte:

Wort für Wort
śrutvā
nachdem er gehört hatte (Abs.)
trilokajñaḥ
Kenner der drei Welten (Nom.Sg., Nārada)
vālmīkeḥ vacaḥ
Vālmīkis Wort (Akk.Sg.)
śrūyatām iti
„es werde gehört“ = „höre“ (Pass.Impv.)
āmaṃtrya
nachdem er angeredet hatte (Abs.)
prahṛṣṭaḥ
hocherfreut (Nom.Sg.)
vākyam abravīt
er sprach das Wort (3.Sg.Impf.)

bahavo durlabhāḥ ca eva ye tvayā kīrtitā guṇāḥ|mune vakṣyāmi ahaṃ buddhvā taiḥ uktaḥ śrūyatām naraḥ||

„Zahlreich und zugleich schwer zu finden sind die Tugenden, die du genanntest, o Weiser; wohl wissend will ich sprechen – höre von dem Mann, der mit ihnen begabt ist.

Wort für Wort
bahavaḥ durlabhāḥ ca eva
zahlreich und zugleich schwer zu finden (Nom.Pl.)
tvayā kīrtitāḥ guṇāḥ
die von dir genannten Tugenden (Nom.Pl.)
mune
o Weiser (Vok.Sg.)
vakṣyāmi
ich werde sprechen (1.Sg.Fut.)
buddhvā
wohl wissend (Abs.)
taiḥ uktaḥ naraḥ
der mit ihnen begabte Mann (wörtl. „mit ihnen gesagte“, Nom.Sg.)
śrūyatām
es werde gehört = höre (Pass.Impv.)

ikṣvākuvaṃśaprabhavo rāmo nāma janaiḥ śrutaḥ|niyatātmā mahāvīryo dyutimān dhṛtimān vaśī||

Aus dem Geschlecht des Ikṣvāku hervorgegangen, ist er unter den Menschen als Rāma bekannt – von gezügeltem Geist, von großer Heldenkraft, glanzvoll, standhaft und selbstbeherrscht.

Wort für Wort
ikṣvāku-vaṃśa-prabhavaḥ
aus dem Geschlecht des Ikṣvāku entsprungen (Nom.Sg.)
rāmo nāma
Rāma mit Namen
janaiḥ śrutaḥ
von den Menschen vernommen/bekannt (Nom.Sg.)
niyatātmā
von gezügeltem Geist (Nom.Sg.)
mahāvīryaḥ
von großer Heldenkraft (Nom.Sg.)
dyutimān
glanzvoll (Nom.Sg.)
dhṛtimān
standhaft (Nom.Sg.)
vaśī
selbstbeherrscht (Nom.Sg.)

buddhimān nītimān vāgmī śrīmān śatrunibarhaṇaḥ|vipulāṃso mahābāhuḥ kambugrīvo mahāhanuḥ||

Klug, der Staatskunst kundig, redegewandt, glückhaft, ein Vernichter der Feinde – breitschultrig, langarmig, mit muschelförmigem Hals und kräftigem Kinn.

Wort für Wort
buddhimān
klug (Nom.Sg.)
nītimān
der Staatskunst kundig (Nom.Sg.)
vāgmī
redegewandt (Nom.Sg.)
śrīmān
glückhaft, glanzvoll (Nom.Sg.)
śatrunibarhaṇaḥ
Vernichter der Feinde (Nom.Sg.)
vipulāṃsaḥ
breitschultrig (Nom.Sg.)
mahābāhuḥ
langarmig (Nom.Sg.)
kambugrīvaḥ
mit muschelförmigem Hals (Nom.Sg.)
mahāhanuḥ
mit kräftigem Kinn (Nom.Sg.)

mahorasko maheṣvāso gūḍhajatruḥ arindamaḥ|ājānubāhuḥ suśirāḥ sulalāṭaḥ suvikramaḥ||

Breitbrüstig, ein großer Bogenschütze, mit verborgenen Schlüsselbeinen, ein Bezwinger der Feinde – mit bis zu den Knien reichenden Armen, wohlgeformtem Haupt, schöner Stirn und edlem Gang.

Wort für Wort
mahoraskaḥ
breitbrüstig (Nom.Sg.)
maheṣvāsaḥ
ein großer Bogenschütze (Nom.Sg.)
gūḍhajatruḥ
mit verborgenen Schlüsselbeinen (Nom.Sg.)
arindamaḥ
Bezwinger der Feinde (Nom.Sg.)
ājānubāhuḥ
dessen Arme bis zu den Knien reichen (Nom.Sg.)
suśirāḥ
wohlgeformten Haupts (Nom.Sg.)
sulalāṭaḥ
mit schöner Stirn (Nom.Sg.)
suvikramaḥ
von edlem Schritt/Tapferkeit (Nom.Sg.)

samaḥ samavibhaktāṅgo snigdhavarṇaḥ pratāpavān|pīnavakṣā viśālākṣo lakṣmīvān śubhalakṣaṇaḥ||

Ebenmäßig, mit gleichmäßig geformten Gliedern, von glänzender Hautfarbe, machtvoll – breitbrüstig, großäugig, glückverheißend, von günstigen Zeichen.

Wort für Wort
samaḥ
ebenmäßig (Nom.Sg.)
samavibhaktāṅgaḥ
mit gleichmäßig geformten Gliedern (Nom.Sg.)
snigdhavarṇaḥ
von glänzender Hautfarbe (Nom.Sg.)
pratāpavān
machtvoll (Nom.Sg.)
pīnavakṣāḥ
breitbrüstig (Nom.Sg.)
viśālākṣaḥ
großäugig (Nom.Sg.)
lakṣmīvān
glückverheißend, glanzvoll (Nom.Sg.)
śubhalakṣaṇaḥ
von günstigen (Körper-)Zeichen (Nom.Sg.)

dharmajñaḥ satyasandhaḥ ca prajānāṃ ca hite rataḥ|yaśasvī jñānasaṃpannaḥ śuciḥ vaśyaḥ samādhimān||

Kundig der Pflicht, treu seinem Wort, dem Wohl der Untertanen zugewandt – ruhmreich, voll Wissen, rein, lenkbar (durch die Vernunft) und sammlungsfähig.

Wort für Wort
dharmajñaḥ
kundig der Pflicht (Nom.Sg.)
satyasandhaḥ
treu seinem (wahren) Wort (Nom.Sg.)
prajānāṃ hite rataḥ
dem Wohl der Untertanen zugetan (Lok.Sg.)
yaśasvī
ruhmreich (Nom.Sg.)
jñānasaṃpannaḥ
voll Wissen (Nom.Sg.)
śuciḥ
rein (Nom.Sg.)
vaśyaḥ
lenkbar, beherrscht (Nom.Sg.)
samādhimān
sammlungsfähig, meditationskundig (Nom.Sg.)

prajāpatisamaḥ śrīmān dhātā ripuniṣūdanaḥ|rakṣitā jīvalokasya dharmasya parirakṣitā||

Dem Weltenschöpfer Prajāpati gleich, glückhaft, ein Erhalter, ein Vernichter der Feinde – ein Beschützer der Welt der Lebewesen, ein Hüter des Dharma.

Wort für Wort
prajāpatisamaḥ
dem Prajāpati (Schöpfergott) gleich (Nom.Sg.)
śrīmān
glückhaft (Nom.Sg.)
dhātā
Erhalter, Ordner (Nom.Sg.)
ripuniṣūdanaḥ
Vernichter der Feinde (Nom.Sg.)
rakṣitā jīvalokasya
Beschützer der Welt der Lebewesen (Nom.Sg.)
dharmasya parirakṣitā
Hüter des Dharma (Nom.Sg.)

rakṣitā svasya dharmasya svajanasya ca rakṣitā|vedavedāṅgatattvajño dhanurvede ca niṣṭhitaḥ||

Ein Wahrer seines eigenen Dharma und ein Beschützer der Seinen – kundig der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas und bewandert in der Bogenschützenkunst.

Wort für Wort
rakṣitā svasya dharmasya
Wahrer seines eigenen Dharma (Nom.Sg.)
svajanasya rakṣitā
Beschützer der Seinen (Nom.Sg.)
veda-vedāṅga-tattvajñaḥ
kundig der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas (Nom.Sg.)
dhanurvede niṣṭhitaḥ
bewandert in der Bogenschützenkunst (Lok.Sg.)

sarvaśāstrārthatattvajñaḥ smṛtimān pratibhānavān|sarvalokapriyaḥ sādhuḥ adīnātmā vicakṣaṇaḥ||

Kundig der wahren Bedeutung aller Lehrwerke, von gutem Gedächtnis und Geistesgegenwart – allen Welten lieb, rechtschaffen, unverzagten Sinnes, scharfsinnig.

Wort für Wort
sarva-śāstra-artha-tattvajñaḥ
kundig der wahren Bedeutung aller Lehrwerke (Nom.Sg.)
smṛtimān
von gutem Gedächtnis (Nom.Sg.)
pratibhānavān
von Geistesgegenwart (Nom.Sg.)
sarvalokapriyaḥ
allen Welten lieb (Nom.Sg.)
sādhuḥ
rechtschaffen, gütig (Nom.Sg.)
adīnātmā
unverzagten Sinnes (Nom.Sg.)
vicakṣaṇaḥ
scharfsinnig (Nom.Sg.)

sarvadā abhigataḥ sadbhiḥ samudra iva sindhubhiḥ|āryaḥ sarvasamaḥ ca eva sadaiva priyadarśanaḥ||

Stets von den Guten aufgesucht wie das Meer von den Strömen – edel, allen gleich zugetan, und stets von lieblichem Anblick.

Wort für Wort
sarvadā abhigataḥ sadbhiḥ
stets aufgesucht von den Guten (Nom.Sg. / Instr.Pl.)
samudra iva sindhubhiḥ
wie das Meer von den Flüssen
āryaḥ
edel (Nom.Sg.)
sarvasamaḥ
allen gleich (Nom.Sg.)
sadaiva priyadarśanaḥ
stets von lieblichem Anblick (Nom.Sg.)

sa ca sarvaguṇopetaḥ kausalyānandavardhanaḥ|samudra iva gāmbhīrye dhairyeṇa himavān iva||

Und er, mit allen Tugenden begabt, die Freude Kausalyās mehrend – an Tiefe dem Meer gleich, an Standhaftigkeit dem Himālaya gleich,

Wort für Wort
sarvaguṇopetaḥ
mit allen Tugenden begabt (Nom.Sg.)
kausalyānandavardhanaḥ
die Freude Kausalyās mehrend (Nom.Sg.)
samudra iva gāmbhīrye
an Tiefe wie das Meer (Lok.Sg.)
dhairyeṇa himavān iva
an Standhaftigkeit wie der Himālaya

viṣṇunā sadṛśo vīrye somavat priyadarśanaḥ|kālāgnisadṛśaḥ krodhe kṣamayā pṛthvī samaḥ||

an Heldenkraft dem Viṣṇu gleich, an lieblichem Anblick dem Mond gleich – im Zorn dem Weltenbrand-Feuer gleich, in Geduld der Erde gleich,

Wort für Wort
viṣṇunā sadṛśaḥ vīrye
an Heldenkraft dem Viṣṇu gleich (Instr.Sg./Lok.Sg.)
somavat priyadarśanaḥ
dem Mond gleich von lieblichem Anblick
kālāgnisadṛśaḥ krodhe
im Zorn dem Weltuntergangsfeuer gleich
kṣamayā pṛthvī samaḥ
in Geduld der Erde gleich (Instr.Sg.)

dhanadena samaḥ tyāge satye dharma iva aparaḥ|tam evaṃguṇasaṃpannaṃ rāmaṃ satyaparākramam||

an Freigebigkeit dem Reichtumsgott Kubera gleich, in Wahrhaftigkeit gleichsam ein zweiter Dharma – diesen mit solchen Tugenden begabten Rāma, von wahrhaftiger Tatkraft,

Wort für Wort
dhanadena samaḥ tyāge
an Freigebigkeit dem Kubera (dem Reichtumsgeber) gleich (Instr.Sg./Lok.Sg.)
satye dharmaḥ iva aparaḥ
in Wahrhaftigkeit wie ein zweiter Dharma (Lok.Sg.)
tam evaṃguṇasaṃpannam
diesen mit solchen Tugenden Begabten (Akk.Sg.)
rāmaṃ satyaparākramam
Rāma, von wahrhaftiger Tatkraft (Akk.Sg.)

jyeṣṭhaṃ śreṣṭhaguṇaiḥ yuktaṃ priyaṃ daśarathaḥ sutam|prakṛtīnāṃ hitaiḥ yuktaṃ prakṛtipriyakāmyayā||

[ihn,] den ältesten Sohn, mit den vortrefflichsten Eigenschaften begabt, den geliebten Sohn des Daśaratha, dem Wohl der Untertanen zugetan – aus dem Wunsch, den Untertanen wohlzugefallen,

Wort für Wort
jyeṣṭhaṃ sutam
den ältesten Sohn (Akk.Sg.)
śreṣṭhaguṇaiḥ yuktam
mit den vortrefflichsten Eigenschaften begabt (Instr.Pl./Akk.Sg.)
priyaṃ daśarathaḥ sutam
den geliebten Sohn des Daśaratha (Akk.Sg./Gen.Sg.)
prakṛtīnāṃ hitaiḥ yuktam
dem Wohl der Untertanen zugetan (Gen.Pl./Instr.Pl.)
prakṛtipriyakāmyayā
aus dem Wunsch, den Untertanen zu gefallen (Instr.Sg.)

yauvarājyena saṃyoktum aicchat prītyā mahīpatiḥ|tasya abhiṣekasaṃbhārān dṛṣṭvā bhāryā atha kaikayī||

wollte der Herrscher der Erde [Daśaratha] aus Liebe mit der Thronfolgerwürde ausstatten. Als aber [seine] Gattin Kaikeyī die Vorbereitungen für dessen Weihe sah,

Wort für Wort
yauvarājyena saṃyoktum
mit der Thronfolgerwürde auszustatten (Inf.)
aicchat prītyā mahīpatiḥ
der Herrscher der Erde wollte aus Liebe (3.Sg.Impf.)
tasya abhiṣekasaṃbhārān dṛṣṭvā
als sie die Vorbereitungen zu dessen Weihe gesehen hatte (Abs.)
bhāryā atha kaikayī
aber (seine) Gattin Kaikeyī (Nom.Sg.)

pūrvaṃ dattavarā devī varam enam ayācata|vivāsanaṃ ca rāmasya bharatasya abhiṣecanam||

forderte die Herrin, der einst eine Gunst gewährt worden war, nun diese Gunst ein: die Verbannung Rāmas und die Weihe Bharatas.

Wort für Wort
pūrvaṃ dattavarā devī
die Herrin, der einst eine Gunst gewährt war (Nom.Sg.)
varam enam ayācata
sie forderte diese Gunst ein (3.Sg.Impf.)
vivāsanaṃ ca rāmasya
und die Verbannung Rāmas (Akk.Sg.)
bharatasya abhiṣecanam
die Weihe Bharatas (Akk.Sg.)

sa satyavacanāt rājā dharmapāśena saṃyataḥ|vivāsayāmāsa sutaṃ rāmaṃ daśarathaḥ priyam||

Der König Daśaratha, gebunden durch das Band der Pflicht wegen seines wahrhaften Wortes, verbannte seinen geliebten Sohn Rāma.

Wort für Wort
sa satyavacanāt rājā
jener König, wegen des wahren Wortes
dharmapāśena saṃyataḥ
gebunden durch das Band der Pflicht (Instr.Sg.)
vivāsayāmāsa
er verbannte (3.Sg.Perf.Kaus.)
sutaṃ rāmaṃ priyam
den geliebten Sohn Rāma (Akk.Sg.)
daśarathaḥ
Daśaratha (Nom.Sg.)

sa jagāma vanaṃ vīraḥ pratijñām anupālayan|pitur vacananirdeśāt kaikeyyāḥ priyakāraṇāt||

Er, der Held, ging in den Wald, indem er das Versprechen einhielt – auf Geheiß der Worte des Vaters, um Kaikeyī einen Gefallen zu tun.

Wort für Wort
sa jagāma vanaṃ vīraḥ
er, der Held, ging in den Wald (3.Sg.Perf.)
pratijñām anupālayan
das Versprechen einhaltend (Part.Präs.)
pitur vacananirdeśāt
auf Geheiß der Worte des Vaters (Abl.Sg.)
kaikeyyāḥ priyakāraṇāt
um Kaikeyī einen Gefallen zu tun (Abl.Sg.)

taṃ vrajantaṃ priyo bhrātā lakṣmaṇaḥ anujagāma ha|snehāt vinayasaṃpannaḥ sumitrānandavardhanaḥ||

Ihm, der da zog, folgte der geliebte Bruder Lakṣmaṇa aus Zuneigung – von Wohlerzogenheit erfüllt, die Freude Sumitrās mehrend,

Wort für Wort
taṃ vrajantam
ihm, der zog (Akk.Sg.Part.)
priyo bhrātā lakṣmaṇaḥ
der geliebte Bruder Lakṣmaṇa (Nom.Sg.)
anujagāma ha snehāt
folgte aus Zuneigung (3.Sg.Perf.)
vinayasaṃpannaḥ
von Wohlerzogenheit erfüllt (Nom.Sg.)
sumitrānandavardhanaḥ
die Freude Sumitrās mehrend (Nom.Sg.)

bhrātaraṃ dayito bhrātuḥ saubhrātram anudarśayan|rāmasya dayitā bhāryā nityaṃ prāṇasamā hitā||

dem Bruder ergeben, treue Brüderlichkeit erweisend. Rāmas geliebte Gattin, ihm stets teuer wie das eigene Leben,

Wort für Wort
bhrātaraṃ dayitaḥ bhrātuḥ
dem Bruder ergeben (Nom.Sg./Akk.Sg./Gen.Sg.)
saubhrātram anudarśayan
treue Brüderlichkeit erweisend (Part.Präs.)
rāmasya dayitā bhāryā
Rāmas geliebte Gattin (Nom.Sg./Gen.Sg.)
nityaṃ prāṇasamā hitā
ihm stets teuer wie das Leben (Nom.Sg.)

janakasya kule jātā devamāyeva nirmitā|sarvalakṣaṇasaṃpannā nārīṇām uttamā vadhūḥ||

im Geschlecht des Janaka geboren, wie von göttlicher Zaubermacht geschaffen, mit allen günstigen Merkmalen begabt, die vortrefflichste Braut unter den Frauen –

Wort für Wort
janakasya kule jātā
im Geschlecht des Janaka geboren (Nom.Sg.)
devamāyā iva nirmitā
wie von göttlicher Zaubermacht geschaffen (Nom.Sg.)
sarvalakṣaṇasaṃpannā
mit allen günstigen Merkmalen begabt (Nom.Sg.)
nārīṇām uttamā vadhūḥ
die vortrefflichste Braut der Frauen (Gen.Pl./Nom.Sg.)

sītāpi anugatā rāmaṃ śaśinaṃ rohiṇī yathā|pauraiḥ anugato dūraṃ pitrā daśarathena ca||

auch Sītā folgte Rāma, wie Rohiṇī dem Mond folgt. Von den Bürgern und vom Vater Daśaratha weit begleitet

Wort für Wort
sītā api anugatā rāmam
auch Sītā folgte Rāma (Nom.Sg./Akk.Sg.)
śaśinaṃ rohiṇī yathā
wie Rohiṇī dem Mond (folgt)
pauraiḥ anugataḥ dūram
von den Bürgern weit begleitet (Instr.Pl.)
pitrā daśarathena ca
und vom Vater Daśaratha (Instr.Sg.)

śṛṅgiberapure sūtaṃ gaṅgākūle vyasarjayat|guham āsādya dharmātmā niṣādādhipatiṃ priyam||

entließ er in der Stadt Śṛṅgiberapura, am Ufer der Gaṅgā, den Wagenlenker, nachdem der Dharma-gesinnte den geliebten Herrscher der Niṣādas, Guha, aufgesucht hatte.

Wort für Wort
śṛṅgiberapure gaṅgākūle
in Śṛṅgiberapura am Ufer der Gaṅgā (Lok.Sg.)
sūtaṃ vyasarjayat
er entließ den Wagenlenker (3.Sg.Impf.)
guham āsādya
nachdem er Guha aufgesucht hatte (Abs.)
dharmātmā
der Dharma-gesinnte (Nom.Sg.)
niṣādādhipatiṃ priyam
den geliebten Herrscher der Niṣādas (Akk.Sg.)

guhena sahito rāmo lakṣmaṇena ca sītayā|te vanena vanaṃ gatvā nadīḥ tīrtvā bahūdakāḥ||

Zusammen mit Guha, mit Lakṣmaṇa und mit Sītā zog Rāma; sie durchzogen Wald um Wald und durchquerten wasserreiche Flüsse,

Wort für Wort
guhena sahitaḥ rāmaḥ
Rāma, zusammen mit Guha (Nom.Sg./Instr.Sg.)
lakṣmaṇena ca sītayā
und mit Lakṣmaṇa und Sītā (Instr.Sg.)
te vanena vanaṃ gatvā
sie, von Wald zu Wald ziehend (Abs.)
nadīḥ tīrtvā bahūdakāḥ
wasserreiche Flüsse durchquerend (Abs./Akk.Pl.)

citrakūṭam anuprāpya bharadvājasya śāsanāt|ramyam āvasathaṃ kṛtvā ramamāṇā vane trayaḥ||

gelangten auf Anweisung des Bharadvāja zum Berg Citrakūṭa und errichteten dort eine liebliche Wohnstätte, zu dritt sich im Wald erfreuend,

Wort für Wort
citrakūṭam anuprāpya
nachdem sie Citrakūṭa erreicht hatten (Abs.)
bharadvājasya śāsanāt
auf Anweisung des Bharadvāja (Abl.Sg.)
ramyam āvasathaṃ kṛtvā
eine liebliche Wohnstätte errichtend (Abs.)
ramamāṇā vane trayaḥ
zu dritt sich im Wald erfreuend (Nom.Pl.)

devagandharvasaṃkāśāḥ tatra te nyavasan sukham|citrakūṭe gate rāme putraśokāturaḥ tathā||

Göttern und Gandharvas gleich, wohnten sie dort glücklich. Als Rāma zum Citrakūṭa gegangen war, [starb] König Daśaratha, von Sohnesschmerz gequält,

Wort für Wort
devagandharvasaṃkāśāḥ
Göttern und Gandharvas gleich (Nom.Pl.)
tatra nyavasan sukham
sie wohnten dort glücklich (3.Pl.Impf.)
citrakūṭe gate rāme
als Rāma zum Citrakūṭa gegangen war (Lok.Abs.)
putraśokāturaḥ tathā
ebenso von Sohnesschmerz gequält (Nom.Sg.)

rājā daśarathaḥ svargaṃ jagāma vilapan sutam|gate tu tasmin bharato vasiṣṭhapramukhaiḥ dvijaiḥ||

und ging klagend um den Sohn in den Himmel ein. Als jener dahingegangen war, wurde Bharata von den Brahmanen, angeführt von Vasiṣṭha,

Wort für Wort
rājā daśarathaḥ svargaṃ jagāma
König Daśaratha ging in den Himmel ein (3.Sg.Perf.)
vilapan sutam
um den Sohn klagend (Part.Präs.)
gate tu tasmin
als aber jener gegangen war (Lok.Abs.)
bharataḥ vasiṣṭhapramukhaiḥ dvijaiḥ
Bharata (wurde) von den Brahmanen, angeführt von Vasiṣṭha (Instr.Pl.)

niyujyamāno rājyāya na icchat rājyaṃ mahābalaḥ|sa jagāma vanaṃ vīro rāmapādaprasādakaḥ||

zur Königsherrschaft bestimmt, doch der Starkarmige begehrte die Herrschaft nicht; er, der Held, ging in den Wald, um Rāmas Füße zu besänftigen.

Wort für Wort
niyujyamānaḥ rājyāya
zur Königsherrschaft bestimmt (Part.Präs.Pass./Dat.Sg.)
na icchat rājyaṃ mahābalaḥ
der Starkarmige begehrte die Herrschaft nicht (3.Sg.Impf.)
sa jagāma vanaṃ vīraḥ
er, der Held, ging in den Wald (3.Sg.Perf.)
rāmapādaprasādakaḥ
um Rāmas Füße geneigt zu machen (Nom.Sg.)

gatvā tu sa mahātmānaṃ rāmaṃ satyaparākramam|ayācat bhrātaraṃ rāmam āryabhāvapuraskṛtaḥ||

Dorthin gegangen, bat er den hochherzigen Rāma von wahrhaftiger Tatkraft, seinen Bruder, geleitet von edler Gesinnung,

Wort für Wort
gatvā tu sa
nachdem er gegangen war (Abs.)
mahātmānaṃ rāmaṃ satyaparākramam
den hochherzigen Rāma von wahrhaftiger Tatkraft (Akk.Sg.)
ayācat bhrātaraṃ rāmam
er bat den Bruder Rāma (3.Sg.Impf.)
āryabhāvapuraskṛtaḥ
geleitet von edler Gesinnung (Nom.Sg.)

tvam eva rājā dharmajña iti rāmaṃ vacaḥ abravīt|rāmo.api paramodāraḥ sumukhaḥ sumahāyaśāḥ||

[mit den Worten:] „Du allein bist der König, o Kenner der Pflicht“ – so sprach er zu Rāma. Doch Rāma, der höchst Edelmütige, Freundliche, von großem Ruhm,

Wort für Wort
tvam eva rājā dharmajña iti
„du allein bist der König, o Kenner der Pflicht“
rāmaṃ vacaḥ abravīt
er sprach das Wort zu Rāma (3.Sg.Impf.)
rāmaḥ api paramodāraḥ
doch Rāma, der höchst Edelmütige (Nom.Sg.)
sumukhaḥ sumahāyaśāḥ
freundlichen Antlitzes, von großem Ruhm (Nom.Sg.)

na ca icchat pitur ādeśāt rājyaṃ rāmo mahābalaḥ|pāduke ca asya rājyāya nyāsaṃ dattvā punaḥ punaḥ||

begehrte, dem Gebot des Vaters folgend, die Herrschaft nicht. Er gab ihm seine Sandalen als Pfand für die Herrschaft und schickte, immer wieder [drängend],

Wort für Wort
na icchat pitur ādeśāt rājyam
er begehrte, dem Gebot des Vaters folgend, die Herrschaft nicht (3.Sg.Impf./Abl.Sg.)
rāmo mahābalaḥ
Rāma, der Starkarmige (Nom.Sg.)
pāduke ca asya rājyāya
und seine beiden Sandalen für dessen Herrschaft (Akk.Du./Dat.Sg.)
nyāsaṃ dattvā punaḥ punaḥ
als Pfand gebend, immer wieder (Abs.)

nivartayāmāsa tato bharataṃ bharatāgrajaḥ|sa kāmam anavāpya eva rāmapādāupaspṛśan||

Bharata, der ältere Bruder Bharatas, sandte ihn schließlich zurück. Ohne sein Anliegen erfüllt zu bekommen, doch nachdem er Rāmas Füße berührt hatte,

Wort für Wort
nivartayāmāsa tato bharatam
er sandte darauf Bharata zurück (3.Sg.Perf.Kaus.)
bharatāgrajaḥ
der ältere Bruder Bharatas (Nom.Sg., Rāma)
sa kāmam anavāpya eva
er, ohne sein Anliegen erlangt zu haben (Abs.)
rāmapādā upaspṛśan
Rāmas Füße berührend (Part.Präs.)

nandigrāme akarot rājyaṃ rāmāgamanakāṅkṣayā|gate tu bharate śrīmān satyasandho jitendriyaḥ||

übte er in Nandigrāma die Herrschaft aus, in der Sehnsucht nach Rāmas Rückkehr. Als aber Bharata gegangen war, [zog] der Glückhafte, seinem Wort treu, von bezähmten Sinnen,

Wort für Wort
nandigrāme akarot rājyam
in Nandigrāma übte er die Herrschaft aus (3.Sg.Impf.)
rāmāgamanakāṅkṣayā
aus Sehnsucht nach Rāmas Rückkehr (Instr.Sg.)
gate tu bharate
als aber Bharata gegangen war (Lok.Abs.)
śrīmān satyasandho jitendriyaḥ
der Glückhafte, seinem Wort treu, von bezähmten Sinnen (Nom.Sg.)

rāmaḥ tu punaḥ ālakṣya nāgarasya janasya ca|tatrāgamanam ekāgro daṇḍakān praviveśa ha||

Rāma, der bemerkt hatte, dass die Bürger und die übrigen Menschen dorthin zu ihm kämen, zog mit gesammeltem Sinn in den Daṇḍaka-Wald.

Wort für Wort
rāmaḥ tu punaḥ ālakṣya
Rāma aber, nachdem er bemerkt hatte (Abs.)
nāgarasya janasya ca tatrāgamanam
dass die Bürger und (übrigen) Menschen dorthin kämen (Akk.Sg.)
ekāgraḥ daṇḍakān praviveśa ha
mit gesammeltem Sinn zog er in den Daṇḍaka-Wald (3.Sg.Perf.)

praviśya tu mahāaraṇyaṃ rāmo rājīvalocanaḥ|virādhaṃ rākṣasaṃ hatvā śarabhaṅgaṃ dadarśa ha||

Nachdem er in den großen Wald eingetreten war, tötete Rāma, der Lotusäugige, den Rākṣasa Virādha und suchte den Weisen Śarabhaṅga auf.

Wort für Wort
praviśya tu mahāaraṇyam
nachdem er in den großen Wald eingetreten war (Abs.)
rāmo rājīvalocanaḥ
Rāma, der Lotusäugige (Nom.Sg.)
virādhaṃ rākṣasaṃ hatvā
nachdem er den Rākṣasa Virādha getötet hatte (Abs.)
śarabhaṅgaṃ dadarśa ha
er erblickte (suchte auf) Śarabhaṅga (3.Sg.Perf.)

sutīkṣṇaṃ ca api agastyaṃ ca agastyabhrātaraṃ tathā|agastyavacanāt ca eva jagrāha aindraṃ śarāsanam||

Er suchte auch Sutīkṣṇa auf, sowie Agastya und Agastyas Bruder, und empfing auf Agastyas Wort hin den Bogen des Indra,

Wort für Wort
sutīkṣṇaṃ ca agastyaṃ ca
und Sutīkṣṇa und Agastya (Akk.Sg.)
agastyabhrātaraṃ tathā
und ebenso Agastyas Bruder (Akk.Sg.)
agastyavacanāt jagrāha
auf Agastyas Wort hin nahm er an (Abl.Sg./3.Sg.Perf.)
aindraṃ śarāsanam
den Bogen Indras (Akk.Sg.)

khaḍgaṃ ca paramaprītaḥ tūṇī ca akṣayasāyakau|vasataḥ tasya rāmasya vane vanacaraiḥ saha||

und, höchst erfreut, ein Schwert sowie zwei Köcher mit nie zur Neige gehenden Pfeilen. Während jener Rāma zusammen mit den Waldbewohnern im Wald weilte,

Wort für Wort
khaḍgaṃ ca paramaprītaḥ
und, höchst erfreut, ein Schwert (Akk.Sg./Nom.Sg.)
tūṇī ca akṣayasāyakau
und zwei Köcher mit unerschöpflichen Pfeilen (Akk.Du.)
vasataḥ tasya rāmasya
während jener Rāma weilte (Gen.Abs.)
vane vanacaraiḥ saha
im Wald zusammen mit den Waldbewohnern (Lok.Sg./Instr.Pl.)

ṛṣayaḥ abhyāgaman sarve vadhāya asurarakṣasām|sa teṣāṃ prati śuśrāva rākṣasānāṃ tathā vane||

kamen alle Seher zu ihm, damit er die Dämonen und Rākṣasas töte; und er hörte von ihnen im Wald von den Rākṣasas.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ abhyāgaman sarve
alle Seher kamen herbei (3.Pl.Impf.)
vadhāya asurarakṣasām
zur Tötung der Dämonen und Rākṣasas (Dat.Sg./Gen.Pl.)
sa teṣāṃ prati śuśrāva
er hörte von/über sie (3.Sg.Perf.)
rākṣasānāṃ tathā vane
ebenso von den Rākṣasas im Wald (Gen.Pl./Lok.Sg.)

pratijñātaḥ ca rāmeṇa vadhaḥ saṃyati rakṣasām|ṛṣīṇāṃ agnikalpānāṃ daṇḍakāraṇyavāsinām||

Und von Rāma wurde gelobt, die Rākṣasas im Kampf zu töten, zum Schutz der feuergleichen Seher, die im Daṇḍaka-Wald wohnten.

Wort für Wort
pratijñātaḥ ca rāmeṇa
und von Rāma wurde gelobt (Nom.Sg./Instr.Sg.)
vadhaḥ saṃyati rakṣasām
die Tötung der Rākṣasas im Kampf (Nom.Sg./Lok.Sg./Gen.Pl.)
ṛṣīṇāṃ agnikalpānām
der feuergleichen Seher (Gen.Pl.)
daṇḍakāraṇyavāsinām
die im Daṇḍaka-Wald wohnten (Gen.Pl.)

vane tasmin nivasatā janasthānanivāsinām|rakṣasāṃ nihatāny āsan sahasrāṇi caturdaśa||

Während er in jenem Wald weilte, wurden von den in Janasthāna wohnenden Rākṣasas vierzehntausend erschlagen.

Wort für Wort
vane tasmin nivasatā
während er in jenem Wald weilte (Instr.Sg.Part.)
janasthānanivāsinām rakṣasām
der in Janasthāna wohnenden Rākṣasas (Gen.Pl.)
nihatāni āsan
wurden erschlagen (3.Pl.Impf.)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehntausend (Nom.Pl.)

tato jñātivadhaṃ śrutvā rāvaṇaḥ krodhamūrchitaḥ|sahāyaṃ varayāmāsa mārīcaṃ nāma rākṣasam||

Als Rāvaṇa daraufhin vom Tod seiner Sippschaft hörte, wählte er, von Zorn überwältigt, den Rākṣasa namens Mārīca zum Verbündeten.

Wort für Wort
tato jñātivadhaṃ śrutvā
als er darauf den Tod der Sippschaft gehört hatte (Abs.)
rāvaṇaḥ krodhamūrchitaḥ
Rāvaṇa, von Zorn überwältigt (Nom.Sg.)
sahāyaṃ varayāmāsa
er wählte einen Verbündeten (3.Sg.Perf.)
mārīcaṃ nāma rākṣasam
den Rākṣasa namens Mārīca (Akk.Sg.)

vāryamāṇaḥ subahuśo mārīcena sa rāvaṇaḥ|na virodho balavatā kṣamaḥ rāvaṇa tena te||

Vielfach von Mārīca gewarnt – „Feindschaft mit dem Mächtigen taugt dir nicht, o Rāvaṇa“ –

Wort für Wort
vāryamāṇaḥ subahuśaḥ
vielfach gewarnt/zurückgehalten (Nom.Sg.)
mārīcena sa rāvaṇaḥ
jener Rāvaṇa, von Mārīca (Instr.Sg./Nom.Sg.)
na virodhaḥ balavatā kṣamaḥ
Feindschaft mit dem Mächtigen taugt nicht (Nom.Sg.)
rāvaṇa tena te
o Rāvaṇa, dir deswegen (Vok.Sg.)

anādṛtya tu tat vākyaṃ rāvaṇaḥ kālacoditaḥ|jagāma saha mārīcaḥ tasya āśramapadaṃ tadā||

missachtete Rāvaṇa dennoch, vom Schicksal getrieben, diese Worte und zog mit Mārīca zusammen zu jener Einsiedelei Rāmas.

Wort für Wort
anādṛtya tu tat vākyam
dennoch, nachdem er dieses Wort missachtet hatte (Abs.)
rāvaṇaḥ kālacoditaḥ
Rāvaṇa, vom Schicksal getrieben (Nom.Sg.)
jagāma saha mārīcaḥ
er zog zusammen mit Mārīca (3.Sg.Perf.)
tasya āśramapadaṃ tadā
damals zu dessen Einsiedelei (Akk.Sg.)

tena māyāvinā dūram apavāhya nṛpātmajau|jahāra bhāryāṃ rāmasya gṛdhraṃ hatvā jaṭāyuṣam||

Nachdem er durch jenen zauberkundigen Mārīca die beiden Königssöhne weit weggelockt hatte, raubte er Rāmas Gattin, nachdem er den Geier Jaṭāyu getötet hatte.

Wort für Wort
tena māyāvinā
durch jenen zauberkundigen (Mārīca) (Instr.Sg.)
dūram apavāhya nṛpātmajau
nachdem er die beiden Königssöhne weit weggelockt hatte (Abs./Akk.Du.)
jahāra bhāryāṃ rāmasya
er raubte Rāmas Gattin (3.Sg.Perf.)
gṛdhraṃ hatvā jaṭāyuṣam
nachdem er den Geier Jaṭāyu getötet hatte (Abs.)

gṛdhraṃ ca nihataṃ dṛṣṭvā hṛtāṃ śrutvā ca maithilīm|rāghavaḥ śokasaṃtapto vilalāpa ākulendriyaḥ||

Als Rāghava den erschlagenen Geier sah und vom Raub der Maithilī [Sītā] hörte, klagte er, von Kummer versengt, verwirrten Sinnes.

Wort für Wort
gṛdhraṃ ca nihataṃ dṛṣṭvā
nachdem er den erschlagenen Geier gesehen hatte (Abs.)
hṛtāṃ śrutvā ca maithilīm
und gehört hatte, dass die Maithilī geraubt war (Abs./Akk.Sg.)
rāghavaḥ śokasaṃtaptaḥ
Rāghava, von Kummer versengt (Nom.Sg.)
vilalāpa ākulendriyaḥ
er klagte, verwirrten Sinnes (3.Sg.Perf.)

tataḥ tena eva śokena gṛdhraṃ dagdhvā jaṭāyuṣam|mārgamāṇo vane sītāṃ rākṣasaṃ saṃdadarśa ha||

Dann verbrannte er, noch von jenem Kummer erfüllt, den Geier Jaṭāyu und erblickte, während er im Wald nach Sītā suchte, einen Rākṣasa —

Wort für Wort
tataḥ tena eva śokena
dann, noch von eben jenem Kummer (Instr.Sg.)
gṛdhraṃ dagdhvā jaṭāyuṣam
nachdem er den Geier Jaṭāyu verbrannt hatte (Abs.)
mārgamāṇo vane sītām
während er im Wald nach Sītā suchte (Part.Präs./Akk.Sg.)
rākṣasaṃ saṃdadarśa ha
er erblickte einen Rākṣasa (3.Sg.Perf.)

kabandhaṃ nāma rūpeṇa vikṛtaṃ ghoradarśanam|taṃ nihatya mahābāhuḥ dadāha svargataḥ ca saḥ||

namens Kabandha, von entstellter Gestalt und schrecklichem Anblick; der Starkarmige tötete ihn und verbrannte ihn, und jener ging zum Himmel ein.

Wort für Wort
kabandhaṃ nāma
namens Kabandha (Akk.Sg.)
rūpeṇa vikṛtaṃ ghoradarśanam
von entstellter Gestalt, schrecklichen Anblicks (Instr.Sg./Akk.Sg.)
taṃ nihatya mahābāhuḥ dadāha
der Starkarmige tötete und verbrannte ihn (Abs./3.Sg.Perf.)
svargataḥ ca saḥ
und jener (ging) zum Himmel (ein)

sa ca asya kathayāmāsa śabarīṃ dharmacāriṇīm|śramaṇāṃ dharmaniṣpuṇāṃ abhigaccha iti rāghava||

Und dieser [Kabandha] sagte ihm: „Suche die pflichttreue Śabarī auf, die Asketin, kundig im Dharma, o Rāghava.“

Wort für Wort
sa ca asya kathayāmāsa
und dieser sagte ihm (3.Sg.Perf.)
śabarīṃ dharmacāriṇīm
die pflichttreue Śabarī (Akk.Sg.)
śramaṇāṃ dharmaniṣpuṇām
die Asketin, kundig im Dharma (Akk.Sg.)
abhigaccha iti rāghava
„suche auf“, o Rāghava (2.Sg.Impv.)

sa abhyagacchan mahātejāḥ śabarīṃ śatrusūdanaḥ|śabaryā pūjitaḥ samyak rāmo daśarathātmajaḥ||

Der Glanzvolle, der Feindevernichter, suchte Śabarī auf, und Rāma, der Sohn des Daśaratha, wurde von Śabarī gebührend geehrt.

Wort für Wort
sa abhyagacchan mahātejāḥ
er, der Glanzvolle, suchte auf (3.Sg.Impf.)
śabarīṃ śatrusūdanaḥ
Śabarī, der Feindevernichter (Akk.Sg./Nom.Sg.)
śabaryā pūjitaḥ samyak
von Śabarī gebührend geehrt (Instr.Sg./Nom.Sg.)
rāmo daśarathātmajaḥ
Rāma, der Sohn des Daśaratha (Nom.Sg.)

pampātīre hanumatā saṃgato vānareṇa ha|hanumadvacanāt ca eva sugrīveṇa samāgataḥ||

Am Ufer des Sees Pampā traf er mit dem Affen Hanumān zusammen, und auf Hanumāns Wort hin kam er mit Sugrīva zusammen.

Wort für Wort
pampātīre saṃgato
am Ufer des Pampā traf er zusammen (Lok.Sg./Nom.Sg.)
hanumatā vānareṇa ha
mit dem Affen Hanumān (Instr.Sg.)
hanumadvacanāt
auf Hanumāns Wort hin (Abl.Sg.)
sugrīveṇa samāgataḥ
mit Sugrīva zusammengekommen (Instr.Sg./Nom.Sg.)

sugrīvāya ca tat sarvaṃ śaṃsat rāmo mahābalaḥ|āditaḥ tat yathāvṛttaṃ sītāyāḥ ca viśeṣataḥ||

Und der starkarmige Rāma erzählte Sugrīva alles von Anfang an, wie es sich zugetragen hatte, insbesondere über Sītā.

Wort für Wort
sugrīvāya tat sarvaṃ śaṃsat
er erzählte Sugrīva dies alles (Dat.Sg./3.Sg.Impf.)
rāmo mahābalaḥ
Rāma, der Starkarmige (Nom.Sg.)
āditaḥ yathāvṛttam
von Anfang an, wie es sich zugetragen hatte (Abl./Akk.Sg.)
sītāyāḥ ca viśeṣataḥ
und insbesondere über Sītā (Gen.Sg.)

sugrīvaḥ ca api tat sarvaṃ śrutvā rāmasya vānaraḥ|cakāra sakhyaṃ rāmeṇa prītaḥ ca eva agnisākṣikam||

Und Sugrīva, der Affe, hörte all dies von Rāma und schloss, hocherfreut, mit Rāma vor dem Feuer als Zeugen einen Freundschaftsbund.

Wort für Wort
sugrīvaḥ ca api tat sarvaṃ śrutvā
und Sugrīva, nachdem er dies alles gehört hatte (Abs.)
rāmasya vānaraḥ
der Affe, von Rāma (Gen.Sg./Nom.Sg.)
cakāra sakhyaṃ rāmeṇa
er schloss Freundschaft mit Rāma (3.Sg.Perf./Instr.Sg.)
prītaḥ agnisākṣikam
erfreut, mit dem Feuer als Zeugen (Nom.Sg./Akk.Sg.)

tato vānararājena vairānukathanaṃ prati|rāmāya āveditaṃ sarvaṃ praṇayāt duḥkhitena ca||

Daraufhin berichtete ihm der Affenkönig, betrübt und aus Zuneigung, alles über seine Feindschaft [mit Vālin].

Wort für Wort
tato vānararājena
daraufhin durch den Affenkönig (Instr.Sg.)
vairānukathanaṃ prati
hinsichtlich der Erzählung von der Feindschaft
rāmāya āveditaṃ sarvam
Rāma wurde alles mitgeteilt (Dat.Sg./Nom.Sg.)
praṇayāt duḥkhitena ca
aus Zuneigung und betrübt (Abl.Sg./Instr.Sg.)

pratijñātaṃ ca rāmeṇa tadā vālivadhaṃ prati|vālinaḥ ca balaṃ tatra kathayāmāsa vānaraḥ||

Da gelobte Rāma, Vālin zu töten, und der Affe erzählte ihm dabei von Vālins Kraft.

Wort für Wort
pratijñātaṃ ca rāmeṇa tadā
und da wurde von Rāma gelobt (Instr.Sg.)
vālivadhaṃ prati
hinsichtlich der Tötung Vālins
vālinaḥ ca balaṃ tatra
und Vālins Kraft dabei (Gen.Sg./Akk.Sg.)
kathayāmāsa vānaraḥ
der Affe erzählte (3.Sg.Perf.)

sugrīvaḥ śaṅkitaḥ ca āsīt nityaṃ vīryeṇa rāghave|rāghavaḥ pratyayārthaṃ tu dundubheḥ kāyam uttamam||

Sugrīva jedoch war stets im Zweifel über Rāghavas Heldenkraft; Rāghava aber [durchbohrte], um Vertrauen zu schaffen, den gewaltigen Leichnam des Dundubhi —

Wort für Wort
sugrīvaḥ śaṅkitaḥ ca āsīt
Sugrīva war im Zweifel (3.Sg.Impf.)
nityaṃ vīryeṇa rāghave
stets über Rāghavas Heldenkraft (Instr.Sg./Lok.Sg.)
rāghavaḥ pratyayārthaṃ tu
Rāghava aber, um Vertrauen zu schaffen (Akk.Sg.)
dundubheḥ kāyam uttamam
den gewaltigen Leichnam des Dundubhi (Gen.Sg./Akk.Sg.)

darśayāmāsa sugrīvaḥ mahāparvatasaṃnibham|utsmayitvā mahābāhuḥ prekṣya ca asau mahābalaḥ||

den Sugrīva ihm zeigte, einem großen Berg gleich; und lächelnd schleuderte der Starkarmige, der Gewaltige, ihn, nachdem er ihn betrachtet hatte,

Wort für Wort
darśayāmāsa sugrīvaḥ
Sugrīva zeigte (3.Sg.Perf.Kaus.)
mahāparvatasaṃnibham
einem großen Berg gleich (Akk.Sg.)
utsmayitvā mahābāhuḥ
nachdem der Starkarmige gelächelt hatte (Abs.)
prekṣya ca asau mahābalaḥ
und nachdem jener Gewaltige betrachtet hatte (Abs.)

pādāṅguṣṭhena cikṣepa saṃpūrṇaṃ daśayojanam|bibheda ca punaḥ sālān sapta ekena mahāiṣuṇā||

mit der großen Zehe volle zehn Yojanas weit; und mit einem einzigen mächtigen Pfeil durchbohrte er sieben Sāla-Bäume,

Wort für Wort
pādāṅguṣṭhena cikṣepa
mit der großen Zehe schleuderte er (Instr.Sg./3.Sg.Perf.)
saṃpūrṇaṃ daśayojanam
volle zehn Yojanas weit (Akk.Sg.)
bibheda ca punaḥ sālān sapta
und durchbohrte wiederum sieben Sāla-Bäume (3.Sg.Perf./Akk.Pl.)
ekena mahāiṣuṇā
mit einem einzigen mächtigen Pfeil (Instr.Sg.)

giriṃ rasātalaṃ ca eva janayan pratyayaṃ tathā|tataḥ prītamanāḥ tena viśvastaḥ sa mahākapiḥ||

[durchbohrte er] den Berg und drang bis in die Unterwelt, um so Vertrauen zu schaffen; darüber im Herzen erfreut, gewann der große Affe Sugrīva Zuversicht.

Wort für Wort
giriṃ rasātalaṃ ca eva
auch den Berg und die Unterwelt (Akk.Sg.)
janayan pratyayaṃ tathā
so Vertrauen erzeugend (Part.Präs./Akk.Sg.)
tataḥ prītamanāḥ tena
darüber im Herzen erfreut, durch ihn (Nom.Sg./Instr.Sg.)
viśvastaḥ sa mahākapiḥ
jener große Affe gewann Vertrauen (Nom.Sg.)

kiṣkindhāṃ rāmasahitaḥ jagāma ca guhāṃ tadā||

Und gemeinsam mit Rāma zog er darauf nach Kiṣkindhā, zur Höhle.

Wort für Wort
kiṣkindhāṃ rāmasahitaḥ
nach Kiṣkindhā, zusammen mit Rāma (Akk.Sg./Nom.Sg.)
jagāma ca guhāṃ tadā
er zog darauf auch zur Höhle (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)

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