Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 4: Kuśīlava-Upākhyānam Vālmīki lehrt Kuśa und Lava den Gesang; ihr Vortrag vor Rāma

prāptarājyasya rāmasya vālmīkir bhagavān ṛṣiḥ|cakāra caritaṃ kṛtsnaṃ vicitrapadam arthavat||

Vom Rāma, der die Königsherrschaft erlangt hatte, verfasste der erhabene Seher Vālmīki die ganze Lebensgeschichte, in kunstvollen Worten, sinnreich.

Wort für Wort
prāptarājyasya rāmasya
von Rāma, der die Herrschaft erlangt hatte (Gen.Sg.)
vālmīkir bhagavān ṛṣiḥ
der erhabene Seher Vālmīki (Nom.Sg.)
cakāra caritaṃ kṛtsnam
er verfasste die ganze Lebensgeschichte (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
vicitrapadam arthavat
in kunstvollen Worten, sinnreich (Akk.Sg.)

caturviṃśatsahasrāṇi ślokānām uktavān ṛṣiḥ|tathā sargaśatān pañca ṣaṭ kāṇḍāni tathā uttaram||

Vierundzwanzigtausend Ślokas verfasste der Seher, sowie fünfhundert Sargas, sechs Kāṇḍas und dazu das Uttara(kāṇḍa).

Wort für Wort
caturviṃśatsahasrāṇi ślokānām
vierundzwanzigtausend an Ślokas (Akk.Pl./Gen.Pl.)
uktavān ṛṣiḥ
der Seher sprach/verfasste (Part.Perf./Nom.Sg.)
sargaśatān pañca
fünf Hundertschaften von Sargas (Akk.Pl.)
ṣaṭ kāṇḍāni tathā uttaram
sechs Kāṇḍas und dazu das Uttara(-kāṇḍa) (Akk.Pl./Akk.Sg.)

kṛtvā tu tanmahāprājñaḥ sabhaviṣyaṃ sahottaram|cintayāmāsa ko nu etat prayuñjīyāt iti prabhuḥ||

Nachdem der Hochweise, der Herr, dies samt der Zukunft und dem Uttarakāṇḍa verfasst hatte, überlegte er: „Wer nur könnte dies vortragen?“

Wort für Wort
kṛtvā tu tat mahāprājñaḥ
nachdem der Hochweise dies verfasst hatte (Abs./Nom.Sg.)
sabhaviṣyaṃ sahottaram
samt der Zukunft, samt dem Uttara(-kāṇḍa) (Akk.Sg.)
cintayāmāsa ko nu etat prayuñjīyāt
er überlegte: wer könnte dies wohl vortragen (3.Sg.Perf./3.Sg.Opt.)
iti prabhuḥ
so (dachte) der Herr

tasya cintayamānasya maharṣer bhāvitātmanaḥ|agṛhṇītāṃ tataḥ pādau munivesau kuśīlavau||

Während der große, im Geist geläuterte Seher so nachdachte, ergriffen da in Asketentracht Kuśa und Lava seine Füße.

Wort für Wort
tasya cintayamānasya maharṣeḥ
während jener große Seher nachdachte (Gen.Abs.)
bhāvitātmanaḥ
dessen Geist geläutert war (Gen.Sg.)
agṛhṇītāṃ tataḥ pādau
da ergriffen sie (beide) die Füße (3.Du.Impf./Akk.Du.)
munivesau kuśīlavau
Kuśa und Lava, in Asketentracht (Nom.Du.)

kuśīlavau tu dharmajñau rājaputrau yaśasvinau|bhrātarau svarasaṃpannau dadarśa āśramavāsinau||

Kuśa und Lava aber, kundig des Dharma, Königssöhne von großem Ruhm, Brüder, mit schöner Stimme begabt, in der Einsiedelei wohnend, sah er,

Wort für Wort
kuśīlavau dharmajñau
Kuśa und Lava, dharmakundig (Nom.Du.)
rājaputrau yaśasvinau
Königssöhne von großem Ruhm (Nom.Du.)
bhrātarau svarasaṃpannau
Brüder, mit schöner Stimme begabt (Nom.Du.)
dadarśa āśramavāsinau
er sah die in der Einsiedelei Wohnenden (3.Sg.Perf./Nom.Du.)

sa tu medhāvinau dṛṣṭvā vedeṣu pariniṣṭhitau|vedopabṛṃhaṇārthāya tau agrāhayata prabhuḥ||

und als er die beiden Klugen sah, in den Veden vollendet, ließ der Herr sie, um die Veden zu vermehren, das Werk erlernen.

Wort für Wort
sa medhāvinau dṛṣṭvā
er, die beiden Klugen sehend (Nom.Sg./Abs.)
vedeṣu pariniṣṭhitau
in den Veden vollendet (Lok.Pl./Akk.Du.)
vedopabṛṃhaṇārthāya
zum Zweck der Vedenvermehrung (Dat.Sg.)
tau agrāhayata prabhuḥ
der Herr ließ die beiden lernen (Akk.Du./3.Sg.Impf.Kaus.)

kāvyaṃ rāmāyaṇaṃ kṛtsnaṃ sītāyāḥ caritaṃ mahat|paulastyavadham iti evaṃ cakāra caritavrataḥ||

Das ganze Kunstgedicht Rāmāyaṇa, die große Geschichte Sītās, „die Tötung des Paulastya-Sprosses (Rāvaṇa)“ — so verfasste er es, der Gelübdetreue.

Wort für Wort
kāvyaṃ rāmāyaṇaṃ kṛtsnam
das ganze Rāmāyaṇa-Kunstgedicht (Akk.Sg.)
sītāyāḥ caritaṃ mahat
die große Geschichte Sītās (Gen.Sg./Akk.Sg.)
paulastyavadham iti evam
„Tötung des Nachkommens des Pulastya (Rāvaṇa)“, so (Akk.Sg.)
cakāra caritavrataḥ
er verfasste, der Gelübdetreue (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)

pāṭhye geye ca madhuraṃ pramāṇaiḥ tribhir anvitam|jātibhiḥ saptabhiḥ yuktaṃ tantrīlayasamanvitam||

lieblich im Rezitieren wie im Singen, versehen mit den drei Zeitmaßen, verbunden mit den sieben Melodie-Arten, mit Saitenspiel und Rhythmus vereint,

Wort für Wort
pāṭhye geye ca madhuram
lieblich im Rezitieren und im Singen (Lok.Sg./Nom.Sg.)
pramāṇaiḥ tribhir anvitam
mit den drei Zeitmaßen versehen (Instr.Pl./Nom.Sg.)
jātibhiḥ saptabhiḥ yuktam
mit den sieben (Melodie-)Arten verbunden (Instr.Pl./Nom.Sg.)
tantrīlayasamanvitam
mit Saitenspiel und Rhythmus verbunden (Nom.Sg.)

rasaiḥ śṛṅgārakaruṇahāsyaraudrabhayānakaiḥ|vīrādibhiḥ rasaiḥ yuktaṃ kāvyam etad agāyatām||

mit den Stimmungen von Liebe, Mitleid, Heiterkeit, Zorn, Schrecken und Heldentum und den übrigen Stimmungen versehen — dieses Kunstwerk sangen die beiden.

Wort für Wort
rasaiḥ śṛṅgārakaruṇahāsyaraudrabhayānakaiḥ
mit den Rasas: Liebe, Mitleid, Heiterkeit, Zorn, Schrecken (Instr.Pl.)
vīrādibhiḥ rasaiḥ yuktam
mit dem Heldenmut und den übrigen Rasas versehen (Instr.Pl./Nom.Sg.)
kāvyam etad agāyatām
dieses Kunstwerk sangen die beiden (Akk.Sg./3.Du.Impf.)

tau tu gāndharvatattvajñau sthānamūrcchanākovidau|bhrātarau svarasaṃpannau gandharvāḥ iva rūpiṇau||

Die beiden aber, kundig der Musikkunst, bewandert in Tonlage und Melodiewendung, die Brüder, mit schöner Stimme begabt, gestaltet wie Gandharvas,

Wort für Wort
tau gāndharvatattvajñau
die beiden, kundig der Musikwahrheit (Nom.Du.)
sthānamūrcchanākovidau
bewandert in Tonlage und Melodiewendung (Nom.Du.)
bhrātarau svarasaṃpannau
Brüder, mit Stimme begabt (Nom.Du.)
gandharvāḥ iva rūpiṇau
gestaltet wie Gandharvas (Nom.Du.)

rūpalakṣaṇasaṃpannau madhurasvarabhāṣiṇau|bimbāt iva utthitau bimbau rāmadehāt tathā aparau||

mit schöner Gestalt und günstigen Merkmalen begabt, mit süßer Stimme sprechend — wie zwei Ebenbilder, gleichsam aus Rāmas eigenem Leib entstanden, ihm gleich.

Wort für Wort
rūpalakṣaṇasaṃpannau
mit Gestalt und (günstigen) Merkmalen begabt (Nom.Du.)
madhurasvarabhāṣiṇau
mit süßer Stimme sprechend (Nom.Du.)
bimbāt iva utthitau bimbau
wie zwei aus einem Urbild entstandene Abbilder (Nom.Du.)
rāmadehāt tathā aparau
ebenso wie ein zweiter, aus Rāmas Leib (Abl.Sg./Nom.Du.)

tau rājaputrau kārtsnyena dharmyam ākhyānam uttamam|vācovadheyaṃ tat sarvaṃ kṛtvā kāvyam aninditau||

Die beiden Königssöhne, untadelig, machten sich diese ganze vortreffliche, Dharma-gemäße Erzählung, das Kunstwerk, vollständig zu eigen,

Wort für Wort
tau rājaputrau kārtsnyena
die beiden Königssöhne, vollständig (Nom.Du./Instr.Sg.)
dharmyam ākhyānam uttamam
die vortreffliche, dharmagemäße Erzählung (Akk.Sg.)
vācovadheyaṃ tat sarvaṃ kṛtvā
nachdem sie all dies der (rechten) Rede unterworfen hatten (Abs.)
kāvyam aninditau
das Kunstwerk, die beiden Untadeligen (Akk.Sg./Nom.Du.)

ṛṣīṇāṃ ca dvijātīnāṃ sādhūnāṃ ca samāgame|yathopadeśaṃ tattvajñau jagatuḥ tau samāhitau||

und in der Versammlung der Seher, der Zweimalgeborenen und der Rechtschaffenen sangen die beiden, der Lehre gemäß, kundig der Wahrheit, mit gesammeltem Sinn.

Wort für Wort
ṛṣīṇāṃ dvijātīnāṃ sādhūnāṃ samāgame
in der Versammlung der Seher, Zweimalgeborenen, Rechtschaffenen (Gen.Pl./Lok.Sg.)
yathopadeśaṃ tattvajñau
der Lehre gemäß, die Wahrheitskundigen (Nom.Du.)
jagatuḥ tau samāhitau
die beiden sangen, gesammelten Sinnes (3.Du.Perf./Nom.Du.)

mahātmānau mahābhāgau sarvalakṣaṇalakṣitau|tau kadācit sametānām ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām||

Die hochherzigen, hochbeglückten, mit allen günstigen Merkmalen gezeichneten Brüder — sie sangen einst vor den versammelten Sehern von geläutertem Geist,

Wort für Wort
mahātmānau mahābhāgau
die beiden Hochherzigen, Hochbeglückten (Nom.Du.)
sarvalakṣaṇalakṣitau
mit allen (günstigen) Merkmalen gezeichnet (Nom.Du.)
tau kadācit sametānām ṛṣīṇām
sie, einst, vor den versammelten Sehern (Nom.Du./Gen.Pl.)
bhāvitātmanām
deren Geist geläutert war (Gen.Pl.)

madhye sabhāṃ samīpasthau idaṃ kāvyam agāyatām|tat śrutvā munayaḥ sarve bāṣpaparyākulekṣaṇāḥ||

inmitten der Versammlung, nahe beieinander stehend, sangen sie dieses Kunstwerk. Als sie es hörten, wurden alle Weisen, die Augen von Tränen umflort,

Wort für Wort
madhye sabhāṃ samīpasthau
in der Mitte der Versammlung stehend (Lok.Sg./Nom.Du.)
idaṃ kāvyam agāyatām
sie sangen dieses Kunstwerk (Akk.Sg./3.Du.Impf.)
tat śrutvā munayaḥ sarve
als alle Weisen dies gehört hatten (Abs./Nom.Pl.)
bāṣpaparyākulekṣaṇāḥ
deren Augen von Tränen umflort waren (Nom.Pl.)

sādhu sādhu iti tāḥ ūcuḥ paraṃ vismayam āgatāḥ|te prītamanasaḥ sarve munayo dharmavatsalāḥ||

„Wohl gesungen, wohl gesungen!“ sprachen sie, in höchstes Staunen versetzt; sie alle, von Herzen erfreut, die dem Dharma zugetanen Weisen,

Wort für Wort
sādhu sādhu iti tāḥ ūcuḥ
„wohl, wohl!“ sprachen sie (3.Pl.Perf.)
paraṃ vismayam āgatāḥ
in höchstes Staunen geraten (Akk.Sg./Nom.Pl.)
te prītamanasaḥ sarve
sie alle, erfreuten Sinnes (Nom.Pl.)
munayo dharmavatsalāḥ
die dem Dharma zugetanen Weisen (Nom.Pl.)

praśaśaṃsuḥ praśastavyau gāyamānau kuśīlavau|aho gītasya mādhuryaṃ ślokānāṃ ca viśeṣataḥ||

priesen die lobenswerten singenden Kuśa und Lava: „Ach, welche Süße des Gesangs, und der Ślokas insbesondere!

Wort für Wort
praśaśaṃsuḥ praśastavyau
sie priesen die Lobenswerten (3.Pl.Perf./Akk.Du.)
gāyamānau kuśīlavau
die singenden Kuśa und Lava (Akk.Du.)
aho gītasya mādhuryam
ach, die Süße des Gesangs (Gen.Sg./Akk.Sg.)
ślokānāṃ ca viśeṣataḥ
und der Ślokas insbesondere (Gen.Pl.)

ciranirvṛttam api etat pratyakṣam iva darśitam|praviśya tā ubhau suṣṭhu tathā bhāvam agāyatām||

Wenn auch längst geschehen, so wird dies wie unmittelbar gegenwärtig gezeigt“ — so gut waren die beiden in die jeweilige Stimmung eingedrungen und sangen sie,

Wort für Wort
ciranirvṛttam api etat
dies, wenn auch längst geschehen (Nom.Sg.)
pratyakṣam iva darśitam
wie unmittelbar gegenwärtig gezeigt (Nom.Sg.)
praviśya tā ubhau suṣṭhu
nachdem die beiden gut eingedrungen waren (Abs./Nom.Du.)
tathā bhāvam agāyatām
so sangen sie die (jeweilige) Stimmung (Akk.Sg./3.Du.Impf.)

sahitau madhuraṃ raktaṃ saṃpannaṃ svarasaṃpadā|evaṃ praśasyamānau tau tapaḥślāghyaiḥ maharṣibhiḥ||

vereint, süß, wohlklingend, vollendet durch den Reichtum ihrer Stimme. So gepriesen von den durch Askese ruhmreichen großen Sehern,

Wort für Wort
sahitau madhuraṃ raktam
vereint, süß, wohlklingend (Nom.Du./Akk.Sg.)
saṃpannaṃ svarasaṃpadā
vollendet durch den Reichtum der Stimme (Akk.Sg./Instr.Sg.)
evaṃ praśasyamānau tau
so gepriesen, die beiden (Nom.Du.)
tapaḥślāghyaiḥ maharṣibhiḥ
von den durch Askese ruhmreichen großen Sehern (Instr.Pl.)

saṃraktataram atyarthaṃ madhuraṃ tau agāyatām|prītaḥ kaścid muniḥ tābhyāṃ saṃsthitaḥ kalaśaṃ dadau||

sangen die beiden noch inniger, noch süßer. Ein erfreuter Weise, der dort stand, gab ihnen einen Wasserkrug;

Wort für Wort
saṃraktataram atyarthaṃ madhuram
noch inniger, noch süßer (Akk.Sg.)
tau agāyatām
die beiden sangen (Nom.Du./3.Du.Impf.)
prītaḥ kaścid muniḥ saṃsthitaḥ
ein erfreuter, dort stehender Weiser (Nom.Sg.)
tābhyāṃ kalaśaṃ dadau
er gab ihnen beiden einen Krug (Dat.Du./3.Sg.Perf.)

prasannaḥ valkalaṃ kaścid dadau tābhyāṃ mahāyaśāḥ|anyaḥ kṛṣṇājinam adāt yajñasūtraṃ tathā aparaḥ||

ein anderer, hocherfreut, von großem Ruhm, gab ihnen ein Rindengewand; ein anderer gab ein Schwarzantilopenfell, und wieder ein anderer die Opferschnur;

Wort für Wort
prasannaḥ valkalaṃ kaścid dadau
ein erfreuter (Weiser) gab ein Rindengewand (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Perf.)
tābhyāṃ mahāyaśāḥ
ihnen beiden, der Ruhmreiche (Dat.Du./Nom.Sg.)
anyaḥ kṛṣṇājinam adāt
ein anderer gab ein Schwarzantilopenfell (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Aor.)
yajñasūtraṃ tathā aparaḥ
und wieder ein anderer die Opferschnur (Akk.Sg./Nom.Sg.)

kaścit kamaṇḍalum prādāt mauñjīm anyo mahāmuniḥ|brusīm anyaḥ tadā prādāt kaupīnam aparo muniḥ||

einer gab einen Wassertopf, ein anderer großer Weiser einen Muñja-Grasgürtel, wieder ein anderer schenkte damals ein Sitzkissen, ein anderer Weiser ein Lendentuch;

Wort für Wort
kaścit kamaṇḍalum prādāt
einer gab einen Wassertopf (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Aor.)
mauñjīm anyo mahāmuniḥ
den Muñja-Gürtel, ein anderer großer Weiser (Akk.Sg./Nom.Sg.)
brusīm anyaḥ tadā prādāt
ein anderer gab damals ein Sitzkissen (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Aor.)
kaupīnam aparo muniḥ
ein Lendentuch, ein anderer Weiser (Akk.Sg./Nom.Sg.)

tābhyāṃ dadau tadā hṛṣṭaḥ kuṭhāram aparo muniḥ|kāṣāyam aparo vastraṃ cīram anyo dadau muniḥ||

ihnen gab da, hocherfreut, ein anderer Weiser eine Axt; ein anderer ein safranfarbenes Gewand, wieder ein anderer Weiser gab ein Baumrindenkleid;

Wort für Wort
tābhyāṃ dadau tadā hṛṣṭaḥ
er gab ihnen beiden da, hocherfreut (Dat.Du./3.Sg.Perf./Nom.Sg.)
kuṭhāram aparo muniḥ
eine Axt, ein anderer Weiser (Akk.Sg./Nom.Sg.)
kāṣāyam aparo vastram
ein safranfarbenes Gewand, ein anderer (Akk.Sg./Nom.Sg.)
cīram anyo dadau muniḥ
ein Baumrindenkleid gab ein anderer Weiser (Akk.Sg./3.Sg.Perf./Nom.Sg.)

jaṭābandhanam anyaḥ tu kāṣṭharajjuṃ mudānvitaḥ|yajñabhāṇḍaṃ ṛṣiḥ kaścit kāṣṭhabhāraṃ tathā paraḥ||

ein anderer, voller Freude, ein Band für die Asketenlocken und einen Holzstrick; ein Seher ein Opfergerät, und wieder ein anderer eine Holzlast;

Wort für Wort
jaṭābandhanam anyaḥ tu
ein anderer aber ein Band für die Locken (Akk.Sg./Nom.Sg.)
kāṣṭharajjuṃ mudānvitaḥ
einen Holzstrick, voller Freude (Akk.Sg./Nom.Sg.)
yajñabhāṇḍaṃ ṛṣiḥ kaścit
ein Opfergerät, ein gewisser Seher (Akk.Sg./Nom.Sg.)
kāṣṭhabhāraṃ tathā paraḥ
und ein anderer eine Holzlast (Akk.Sg./Nom.Sg.)

audumbarīm brusīm anyaḥ svasti kecit tadā avadan|āyuṣyam apare prāhur mudā tatra maharṣayaḥ||

ein anderer ein Sitzkissen aus Udumbara-Holz; manche sprachen da Segenswünsche, andere große Seher riefen dort voller Freude Wünsche für langes Leben aus,

Wort für Wort
audumbarīm brusīm anyaḥ
ein Sitzkissen aus Udumbara-Holz, ein anderer (Akk.Sg./Nom.Sg.)
svasti kecit tadā avadan
manche sprachen da Segenswünsche (3.Pl.Impf.)
āyuṣyam apare prāhur mudā
andere riefen voller Freude Wünsche für langes Leben (Akk.Sg./3.Pl.Perf./Instr.Sg.)
tatra maharṣayaḥ
dort die großen Seher (Nom.Pl.)

daduḥ ca evaṃ varān sarve munayaḥ satyavādinaḥ|āścaryam idam ākhyānaṃ muninā saṃprakīrtitam||

und so gaben alle die wahrredenden Weisen Gaben. Diese wunderbare Erzählung, vom Weisen (Vālmīki) verkündet,

Wort für Wort
daduḥ ca evaṃ varān sarve
und so gaben alle Gaben (3.Pl.Perf./Akk.Pl.)
munayaḥ satyavādinaḥ
die wahrredenden Weisen (Nom.Pl.)
āścaryam idam ākhyānam
diese wunderbare Erzählung (Nom.Sg.)
muninā saṃprakīrtitam
vom Weisen verkündet (Instr.Sg./Nom.Sg.)

paraṃ kavīnāṃ ādhāraṃ samāptaṃ ca yathākramam|abhigītam idaṃ gītaṃ sarvagīteṣu kovidau||

die höchste Grundlage der Dichter, vollständig, der Reihe nach — dieses Gesungene sangen die beiden, in allem Gesang bewandert,

Wort für Wort
paraṃ kavīnāṃ ādhāram
die höchste Grundlage der Dichter (Akk.Sg./Gen.Pl.)
samāptaṃ ca yathākramam
vollständig, der Reihe nach (Akk.Sg.)
abhigītam idaṃ gītam
dieses Gesungene wurde gesungen (Nom.Sg.)
sarvagīteṣu kovidau
die beiden, in allem Gesang bewandert (Lok.Pl./Nom.Du.)

āyuṣyaṃ puṣṭijananaṃ sarvaśrutimanoharam|praśasyamānau sarvatra kadācit tatra gāyakau||

das langes Leben und Gedeihen schenkt, jedem Ohr das Herz erfreuend. Überall gepriesen als Sänger, sahen die beiden einst dort,

Wort für Wort
āyuṣyaṃ puṣṭijananam
langes Leben und Gedeihen schenkend (Nom.Sg.)
sarvaśrutimanoharam
jedem Ohr das Herz erfreuend (Nom.Sg.)
praśasyamānau sarvatra kadācit
überall gepriesen, einst (Nom.Du.)
tatra gāyakau
dort die beiden Sänger (Nom.Du.)

rathyāsu rājamārgeṣu dadarśa bharatāgrajaḥ|svaveśma ca ānīya tato bhrātarau sa kuśīlavau||

auf den Straßen, auf den Königswegen, wie der ältere Bruder Bharatas (Rāma) die beiden Brüder Kuśa und Lava erblickte und sie darauf in sein eigenes Haus führen ließ.

Wort für Wort
rathyāsu rājamārgeṣu
auf den Straßen, auf den Königswegen (Lok.Pl.)
dadarśa bharatāgrajaḥ
der ältere Bruder Bharatas (Rāma) erblickte (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)
svaveśma ānīya
in sein eigenes Haus führend/geführt (Akk.Sg./Abs.)
tato bhrātarau sa kuśīlavau
die beiden Brüder Kuśa und Lava darauf (Akk.Du.)

pūjayāmāsa pūjārhau rāmaḥ śatrunibarhaṇaḥ|āsīnaḥ kāñcane divye sa ca siṃhāsane prabhuḥ||

Rāma, der Feindevernichter, erwies den der Ehrung Würdigen Verehrung, wobei er, der Herr, auf einem himmlischen goldenen Löwenthron saß,

Wort für Wort
pūjayāmāsa pūjārhau
er erwies den Ehrenwürdigen Verehrung (3.Sg.Perf./Akk.Du.)
rāmaḥ śatrunibarhaṇaḥ
Rāma, der Feindevernichter (Nom.Sg.)
āsīnaḥ kāñcane divye
sitzend auf dem himmlischen, goldenen (Nom.Sg./Lok.Sg.)
sa ca siṃhāsane prabhuḥ
er, der Herr, auf dem Löwenthron (Nom.Sg./Lok.Sg.)

upopaviṣṭaiḥ sacivaiḥ bhrātṛbhiḥ ca samanvitaḥ|dṛṣṭvā tu rūpasaṃpannau vinītau bhrātarau ubhau||

umgeben von seinen Ministern, die sich niedergesetzt hatten, und den Brüdern. Als er die beiden schönen, wohlerzogenen Brüder gesehen hatte,

Wort für Wort
upopaviṣṭaiḥ sacivaiḥ
von den (dabei) sitzenden Ministern (Instr.Pl.)
bhrātṛbhiḥ ca samanvitaḥ
und von den Brüdern begleitet (Instr.Pl./Nom.Sg.)
dṛṣṭvā rūpasaṃpannau
nachdem er die Schönen gesehen hatte (Abs./Akk.Du.)
vinītau bhrātarau ubhau
die beiden wohlerzogenen Brüder (Akk.Du.)

uvāca lakṣmaṇaṃ rāmaḥ śatrughnaṃ bharataṃ tathā|śrūyatām etat ākhyānam anayoḥ devavarcasoḥ||

sprach Rāma zu Lakṣmaṇa, zu Śatrughna und zu Bharata: „Höret diese Erzählung dieser beiden von göttlichem Glanz!“

Wort für Wort
uvāca lakṣmaṇaṃ rāmaḥ
Rāma sprach zu Lakṣmaṇa (3.Sg.Perf./Akk.Sg./Nom.Sg.)
śatrughnaṃ bharataṃ tathā
und zu Śatrughna, zu Bharata (Akk.Sg.)
śrūyatām etat ākhyānam
möge diese Erzählung gehört werden (Pass.Impv./Nom.Sg.)
anayoḥ devavarcasoḥ
dieser beiden von göttlichem Glanz (Gen.Du.)

vicitrārthapadaṃ samyak gāyakau samacodayat|tau ca api madhuraṃ raktaṃ svacittāyatanisvanam||

Und er ermunterte die beiden Sänger zum Vortrag der kunstvollen, sinnreichen Dichtung. Und die beiden sangen süß, wohlklingend, mit einem Ton, der sich dem eigenen Herzen einfügte,

Wort für Wort
vicitrārthapadaṃ samyak
das kunstvolle, sinnreiche (Werk) genau (Akk.Sg.)
gāyakau samacodayat
er ermunterte die beiden Sänger (Akk.Du./3.Sg.Impf.)
tau ca api madhuraṃ raktam
und die beiden, süß, wohlklingend (Nom.Du./Akk.Sg.)
svacittāyatanisvanam
mit einem Ton, dem eigenen Herzen gemäß (Akk.Sg.)

tantrīlayavat atyarthaṃ viśrutārtham agāyatām|hlādayat sarvagātrāṇi manāṃsi hṛdayāni ca||

ganz wie Saitenspiel und Rhythmus, den weithin bekannten Inhalt sangen sie — ein Gesang, der alle Glieder, alle Sinne und Herzen erquickte,

Wort für Wort
tantrīlayavat atyartham
ganz wie Saitenspiel und Rhythmus
viśrutārtham agāyatām
sie sangen den weithin bekannten Inhalt (Akk.Sg./3.Du.Impf.)
hlādayat sarvagātrāṇi
er/es erquickte alle Glieder (Part.Präs./Akk.Pl.)
manāṃsi hṛdayāni ca
und die Sinne, die Herzen (Akk.Pl.)

śrotrāśrayasukhaṃ geyaṃ tad babhau janasaṃsadi|imau munī pārthivalakṣaṇānvitau||

dem Ohr wohltuend anzuhören, dieses Lied erstrahlte in der Versammlung der Menschen. [Man sagte:] „Diese beiden Weisen, mit den Merkmalen von Königen begabt,

Wort für Wort
śrotrāśrayasukhaṃ geyam
dem Ohr wohltuend zu hören, das Lied (Nom.Sg.)
tad babhau janasaṃsadi
es erstrahlte in der Versammlung der Menschen (3.Sg.Perf./Lok.Sg.)
imau munī pārthivalakṣaṇānvitau
diese beiden Asketen, mit Königsmerkmalen begabt (Nom.Du.)

kuśīlavau ca eva mahātapasvinau|mama api tad bhūtikaraṃ pracakṣate|mahānubhāvaṃ caritaṃ nibodhata|tataḥ tu tau rāmavacaḥ pracoditau|agāyatāṃ mārgavidhānasaṃpadā|sa ca api rāmaḥ pariṣadgataḥ śanaiḥ|bubhūṣayāsaktamanāḥ babhūva||

Kuśa und Lava, große Asketen, sagt man, sind auch mir zuträglich — vernehmt die hochherzige Geschichte!“ Da nun, von Rāmas Wort ermuntert, sangen die beiden mit der Vollkommenheit der Gesangsregeln; und auch Rāma selbst, in der Versammlung sitzend, wurde allmählich, seinen Sinn ganz darauf gerichtet, von dem Verlangen [mehr zu erfahren] ergriffen.

Wort für Wort
kuśīlavau ca eva mahātapasvinau
Kuśa und Lava, große Asketen (Nom.Du.)
mama api tad bhūtikaraṃ pracakṣate
man sagt, dies sei auch mir zuträglich (3.Pl.Präs.Pass.)
mahānubhāvaṃ caritaṃ nibodhata
vernehmt die hochherzige Geschichte (Akk.Sg./2.Pl.Impv.)
tataḥ tau rāmavacaḥ pracoditau
da, die beiden, durch Rāmas Wort angetrieben (Nom.Du.)
agāyatāṃ mārgavidhānasaṃpadā
sie sangen mit der Vollkommenheit der Gesangsregeln (3.Du.Impf./Instr.Sg.)
sa ca api rāmaḥ pariṣadgataḥ śanaiḥ
und auch Rāma, in der Versammlung, allmählich (Nom.Sg.)
bubhūṣayāsaktamanāḥ babhūva
wurde, seinen Sinn dem Verlangen (danach zu sein/wissen) hingegeben (3.Sg.Perf.)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks