Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa
Sarga 25: Tāṭakā-Utpatti-Vṛttāntaḥ
Die Herkunft Tāṭakās und Viśvāmitras Aufforderung, sie zu töten
atha tasya aprameyasya muner vacanam uttamam |
śrutvā puruṣa śārdūlaḥ pratyuvāca śubhām giram ||
Als er die erhabenen Worte jenes unermesslichen Weisen gehört hatte, erwiderte der Tiger unter den Männern folgende schöne Rede:
Wort für Wort atha tasya aprameyasya muner vacanam uttamam als er die erhabenen Worte jenes unermesslichen Weisen śrutvā puruṣa-śārdūlaḥ hörend, der Tiger unter den Männern pratyuvāca śubhām giram erwiderte er die schöne Rede alpa vīryā yadā yakṣī śrūyate munipuṅgava |
katham nāga sahasrasya dhārayati abalā balam ||
„Wenn die Yakṣī, o Stier unter den Weisen, doch als von geringer Kraft gilt, wie trägt dann diese schwache Frau die Kraft von tausend Elefanten?“
Wort für Wort alpa-vīryā yadā yakṣī wenn die Yakṣī von geringer Kraft śrūyate munipuṅgava gilt/gehört wird, o Stier unter den Weisen katham nāga-sahasrasya wie (trägt sie dann) die Kraft von tausend Elefanten dhārayati abalā balam trägt die schwache Frau (diese) Kraft iti ukta,m vacanam śrutvā rāghavasya amita ojasā |
harṣayan ślakṣṇayā vacā sa lakṣmaṇam arindamam ||
Als er diese Worte des an unermesslicher Kraft reichen Rāghava gehört hatte, erfreute er zugleich mit sanfter Rede den Feindbezwinger Lakṣmaṇa,
Wort für Wort iti uktam vacanam śrutvā diese gesprochenen Worte gehört habend rāghavasya amita-ojasā des an unermesslicher Kraft reichen Rāghava harṣayan ślakṣṇayā vacā erfreuend mit sanfter Rede sa lakṣmaṇam arindamam den Feindbezwinger Lakṣmaṇa viśvāmitro.abravīt vākyam śṛṇu yena balotkaṭā |
vara dāna kṛtam vīryam dhārayati abalā balam ||
und Viśvāmitra sprach das Wort: „Höre, wodurch sie so gewaltig an Kraft ist; durch eine als Gabe verliehene Heldenkraft trägt die schwache Frau diese Kraft.
Wort für Wort viśvāmitro abravīt vākyam Viśvāmitra sprach das Wort śṛṇu yena balotkaṭā höre, wodurch sie so gewaltig an Kraft ist vara-dāna-kṛtam vīryam durch als Gabe verliehene Heldenkraft dhārayati abalā balam trägt die schwache Frau (diese) Kraft pūrvam āsīt mahā yakṣaḥ suketur nāma vīryavān |
anapatyaḥ śubhācāraḥ sa ca tepe mahat tapaḥ ||
Einst gab es einen großen, heldenhaften Yakṣa namens Suketu, von guter Lebensführung, aber ohne Nachkommen; und er übte gewaltige Askese.
Wort für Wort pūrvam āsīt mahā-yakṣaḥ einst gab es einen großen Yakṣa suketur nāma vīryavān namens Suketu, heldenhaft anapatyaḥ śubhācāraḥ ohne Nachkommen, von guter Lebensführung sa ca tepe mahat tapaḥ und er übte gewaltige Askese pitāmahaḥ tu suprītaḥ tasya yakṣapateḥ tadā |
kanyā ratnam dadau rāma tāṭakām nāma nāmataḥ ||
Der Großvater (Brahmā), hocherfreut über ihn, den Herrn der Yakṣas, gab ihm damals ein Juwel von Tochter, Rāma, mit Namen Tāṭakā.
Wort für Wort pitāmahaḥ tu suprītaḥ der Großvater aber, hocherfreut tasya yakṣapateḥ tadā über jenen Herrn der Yakṣas, damals kanyā-ratnam dadau rāma gab ein Juwel von Tochter, Rāma tāṭakām nāma nāmataḥ mit Namen Tāṭakā genannt dadau nāga sahasrasya balam ca asyāḥ pitāmahaḥ |
na tu eva putram yakṣāya dadau ca asau mahāyaśāḥ ||
Und der Großvater verlieh ihr die Kraft von tausend Elefanten; doch einen Sohn gab er dem Yakṣa, dem hochberühmten, nicht.
Wort für Wort dadau nāga-sahasrasya balam er verlieh die Kraft von tausend Elefanten ca asyāḥ pitāmahaḥ und ihr, der Großvater na tu eva putram yakṣāya doch einen Sohn dem Yakṣa nicht dadau ca asau mahāyaśāḥ gab er, der Hochberühmte tām tu bālām vivardhantīm rūpa yauvana śālinīm |
jaṃbha putrāya sundāya dadau bhāryām yaśasvinīm ||
Als das Mädchen heranwuchs, geschmückt mit Schönheit und Jugend, gab er sie, die Ruhmreiche, dem Sohn Jambhas, Sunda, zur Gattin.
Wort für Wort tām tu bālām vivardhantīm das Mädchen aber, heranwachsend rūpa-yauvana-śālinīm geschmückt mit Schönheit und Jugend jaṃbha-putrāya sundāya dem Sohn Jambhas, Sunda dadau bhāryām yaśasvinīm gab er sie, die Ruhmreiche, zur Gattin kasyacit tu atha kālasya yakṣī putram vyajāyata |
mārīcam nāma durdharṣam yaḥ śāpāt rākṣaso.abhavat ||
Nach einiger Zeit gebar die Yakṣī einen Sohn, namens Mārīca, unbezwingbar, der durch einen Fluch zum Rākṣasa wurde.
Wort für Wort kasyacit tu atha kālasya nach einiger Zeit aber yakṣī putram vyajāyata gebar die Yakṣī einen Sohn mārīcam nāma durdharṣam namens Mārīca, unbezwingbar yaḥ śāpāt rākṣaso abhavat der durch einen Fluch zum Rākṣasa wurde sunde tu nihate rāma sā agastyam ṛṣi sattamam |
tāṭakā saha putreṇa pradharṣayitum icchati ||
Als Sunda erschlagen war, Rāma, wollte Tāṭakā zusammen mit ihrem Sohn den Agastya, den besten der Weisen, angreifen.
Wort für Wort sunde tu nihate rāma als Sunda erschlagen war, Rāma sā agastyam ṛṣi-sattamam sie, den Agastya, den besten der Weisen tāṭakā saha putreṇa Tāṭakā, mit dem Sohn zusammen pradharṣayitum icchati wollte angreifen bhakṣārtham jāta saṃrambhā garjantī sā abhyadhāvata |
āpatantīm tu tām dṛṣṭvā agastyo bhagavān ṛṣiḥ ||
Von Wut ergriffen, um ihn zu verschlingen, stürmte sie brüllend heran; als der ehrwürdige Weise Agastya sie heranstürzen sah,
Wort für Wort bhakṣārtham jāta-saṃrambhā von Wut ergriffen, um (ihn) zu verschlingen garjantī sā abhyadhāvata brüllend stürmte sie heran āpatantīm tu tām dṛṣṭvā als er sie heranstürzen sah agastyo bhagavān ṛṣiḥ der ehrwürdige Weise Agastya rākṣasatvam bhajasva iti mārīcam vyājahāra saḥ |
agastyaḥ parama amarṣaḥ tāṭakām api śaptavān ||
sprach er zu Mārīca: „Nimm die Natur eines Rākṣasa an!“; und Agastya, von höchstem Unmut ergriffen, verfluchte auch Tāṭakā:
Wort für Wort rākṣasatvam bhajasva iti 'nimm die Natur eines Rākṣasa an', so mārīcam vyājahāra saḥ sprach er zu Mārīca agastyaḥ parama-amarṣaḥ Agastya, von höchstem Unmut ergriffen tāṭakām api śaptavān verfluchte auch Tāṭakā puruṣādī mahāyakṣī virūpā vikṛta ānanā |
idam rūpam vihāyāśu dāruṇam rūpam astu te ||
„Werde eine menschenfressende, große Yakṣī, entstellt und mit verzerrtem Antlitz; verlasse sogleich diese Gestalt — eine furchtbare Gestalt sei dein Los!“
Wort für Wort puruṣādī mahāyakṣī eine menschenfressende große Yakṣī virūpā vikṛta-ānanā entstellt, mit verzerrtem Antlitz idam rūpam vihāya āśu verlasse sogleich diese Gestalt dāruṇam rūpam astu te eine furchtbare Gestalt sei dein (Los) saiṣā śāpa kṛtām arṣā tāṭakā krodha mūrchitā |
deśam utsādayati enam agastyā caritam śubham ||
Sie, diese von dem Fluch des Weisen Getroffene, Tāṭakā, von Zorn übermannt, verwüstet nun dieses Land, in dem Agastyas segensreiches Wirken geschah.
Wort für Wort sa eṣā śāpa-kṛtā ṛṣā sie, diese vom Fluch des Weisen (getroffene) tāṭakā krodha-mūrchitā Tāṭakā, von Zorn übermannt deśam utsādayati enam verwüstet dieses Land agastyā caritam śubham in dem Agastyas segensreiches Wirken geschah enām rāghava durvṛttām yakṣīm parama dāruṇām |
go brāhmaṇa hitārthāya jahi duṣṭa parākramām ||
Diese übel handelnde, höchst furchtbare Yakṣī, o Rāghava — töte sie, die von böser Kraft ist, zum Wohl der Kühe und Brahmanen.
Wort für Wort enām rāghava durvṛttām diese, o Rāghava, übel handelnde yakṣīm parama-dāruṇām höchst furchtbare Yakṣī go-brāhmaṇa-hitārthāya zum Wohl der Kühe und Brahmanen jahi duṣṭa-parākramām töte die von böser Kraft na hi enām śāpa saṃsṛṣṭām kaścit utsahate pumān |
nihantum triṣu lokeṣu tvām ṛte raghu nandana ||
Denn kein Mensch in den drei Welten außer dir, o Freude der Raghus, wagt es, sie, die vom Fluch Gezeichnete, zu töten.
Wort für Wort na hi enām śāpa-saṃsṛṣṭām denn sie, die vom Fluch Gezeichnete, nicht kaścit utsahate pumān wagt irgendein Mensch nihantum triṣu lokeṣu zu töten in den drei Welten tvām ṛte raghu-nandana außer dir, o Freude der Raghus na hi te strī vadha kṛte ghṛṇā kāryā narottama |
cātur varṇya hitārthām hi kartavyam rāja sūnunā ||
Du sollst wegen der Tötung einer Frau kein Mitleid empfinden, o Bester der Männer; denn zum Wohl der vier Stände muss ein Königssohn handeln.
Wort für Wort na hi te strī-vadha-kṛte nicht sollst du wegen der Tötung einer Frau ghṛṇā kāryā narottama Mitleid empfinden, o Bester der Männer cātur-varṇya-hitārthām hi denn zum Wohl der vier Stände kartavyam rāja-sūnunā muss der Königssohn handeln nṛśaṃsam anṛśaṃsam vā prajā rakṣaṇa kāraṇāt |
pātakam vā sadoṣam vā kartavyam rakṣatā sadā ||
Sei es grausam oder nicht grausam, sei es Sünde oder Verfehlung — um des Schutzes der Untertanen willen muss der Beschützer stets handeln.
Wort für Wort nṛśaṃsam anṛśaṃsam vā sei es grausam oder nicht grausam prajā-rakṣaṇa-kāraṇāt um des Schutzes der Untertanen willen pātakam vā sadoṣam vā sei es Sünde oder Verfehlung kartavyam rakṣatā sadā muss der Beschützer es stets tun rājya bhāra niyuktānām eṣa dharmaḥ sanātanaḥ |
adharṃyām jahi kākutstha dharmo hi asyām na vidyate ||
Dies ist die ewige Pflicht derer, die mit der Last der Herrschaft betraut sind. Töte sie, obgleich es dem Recht widerstreitet, Kākutstha, denn bei ihr findet sich kein Dharma.
Wort für Wort rājya-bhāra-niyuktānām derer, die mit der Last der Herrschaft betraut sind eṣa dharmaḥ sanātanaḥ dies ist die ewige Pflicht adharṃyām jahi kākutstha töte sie, wenn auch unrechtmäßig, Kākutstha dharmo hi asyām na vidyate denn bei ihr findet sich kein Dharma śrūyate hi purā śakro virocana sutām nṛpa |
pṛthivīm hantum icchantīm mantharām abhyasūdayat ||
Denn man erzählt, dass einst Śakra, o Fürst, die Tochter Virocanas, Mantharā, tötete, als sie die Erde zu vernichten trachtete.
Wort für Wort śrūyate hi purā śakro denn man hört, dass einst Śakra virocana-sutām nṛpa die Tochter Virocanas, o Fürst pṛthivīm hantum icchantīm die die Erde zu vernichten wünschte mantharām abhyasūdayat Mantharā, tötete viṣṇunā ca purā rāma bhṛgu patnī pativratā |
anindram lokam icchantī kāvyamātā niṣūditā ||
Und von Viṣṇu wurde einst, Rāma, die ihrem Gatten treu ergebene Frau des Bhṛgu, die Mutter des Kāvya (Śukra), getötet, als sie eine Welt ohne Indra wünschte.
Wort für Wort viṣṇunā ca purā rāma und von Viṣṇu einst, Rāma bhṛgu-patnī pativratā die dem Gatten treu ergebene Frau Bhṛgus anindram lokam icchantī eine Welt ohne Indra wünschend kāvyamātā niṣūditā die Mutter des Kāvya, wurde getötet etaiḥ ca anyaiḥ ca bahubhī rājaputraiḥ mahātmabhiḥ |
adharma sahitā nāryo hatāḥ puruṣasattamaiḥ |
tasmād enām ghṛṇām tyaktvā jahi mat śāsanān nṛpa ||
Von diesen und vielen anderen hochgesinnten Königssöhnen, den besten der Männer, wurden unrechtschaffene Frauen getötet; darum, o Fürst, lege dieses Mitleid ab und töte sie auf mein Geheiß.“
Wort für Wort etaiḥ ca anyaiḥ ca bahubhī von diesen und vielen anderen rājaputraiḥ mahātmabhiḥ hochgesinnten Königssöhnen adharma-sahitā nāryo hatāḥ wurden unrechtschaffene Frauen getötet puruṣasattamaiḥ von den besten der Männer tasmād enām ghṛṇām tyaktvā darum, dieses Mitleid ablegend jahi mat śāsanān nṛpa töte sie auf mein Geheiß, Fürst
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