Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa
Sarga 61: Śunaḥśepa Vikraya Kathanam
Der Verkauf des Śunaḥśepa als Opfertier
viśvāmitro mahātejāḥ prasthitān vīkṣya tān ṛṣīn | abravīt naraśārdūla sarvān tān vana vāsinaḥ || 1-61-1
Der hochenergetische Viśvāmitra, als er die Weisen aufbrechen sah, sprach, o Tiger unter den Männern, zu all jenen Waldbewohnern:
Wort für Wort viśvāmitro mahātejāḥ der hochenergetische Viśvāmitra prasthitān vīkṣya tān ṛṣīn als er die aufbrechenden Weisen sah abravīt naraśārdūla sprach, Tiger unter den Männern sarvān tān vana vāsinaḥ zu all jenen Waldbewohnern mahāvighnaḥ pravṛtto ayam dakṣiṇām āsthito diśam | diśam anyām prapatsyāmaḥ tatra tapsyāmahe tapaḥ || 1-61-2
'Ein großes Hindernis ist hier entstanden, während ich mich an der südlichen Richtung aufhielt; wir wollen eine andere Richtung aufsuchen und dort Askese üben.'
Wort für Wort mahāvighnaḥ pravṛtto ayam ein großes Hindernis ist entstanden dakṣiṇām āsthito diśam während ich an der südlichen Richtung weilte diśam anyām prapatsyāmaḥ wir wollen eine andere Richtung aufsuchen tatra tapsyāmahe tapaḥ dort wollen wir Askese üben paścimāyām viśālāyām puṣkareṣu mahātmanaḥ | sukham tapaḥ cariṣyāmaḥ param tat hi tapo vanam || 1-61-3
'In der weiten westlichen Richtung, in den Puṣkaras, werden wir in Ruhe Askese üben; jenes ist nämlich der vorzüglichste Askesewald.'
Wort für Wort paścimāyām viśālāyām in der weiten westlichen (Richtung) puṣkareṣu mahātmanaḥ in den Puṣkaras, des Großmütigen sukham tapaḥ cariṣyāmaḥ werden wir in Ruhe Askese üben param tat hi tapo vanam denn jenes ist der vorzüglichste Askesewald evam uktvā mahātejāḥ puṣkareṣu mahāmuniḥ | tapa ugram durādharṣam tepe mūla phala aśanaḥ || 1-61-4
So sprach der hochenergetische große Weise und übte in den Puṣkaras furchtbare, unbezwingbare Askese, von Wurzeln und Früchten lebend.
Wort für Wort evam uktvā mahātejāḥ so sprechend, der Hochenergetische puṣkareṣu mahāmuniḥ in den Puṣkaras, der große Weise tapa ugram durādharṣam tepe übte furchtbare, unbezwingbare Askese mūla phala aśanaḥ von Wurzeln und Früchten lebend etasmin eva kāle tu ayodhyā adhipatiḥ mahān | aṃbarīṣa iti khyāto yaṣṭum samupacakrame || 1-61-5
Gerade zu dieser Zeit aber machte sich der große Herrscher von Ayodhyā, bekannt unter dem Namen Ambarīṣa, daran, ein Opfer darzubringen.
Wort für Wort etasmin eva kāle tu gerade zu dieser Zeit aber ayodhyā adhipatiḥ mahān der große Herrscher von Ayodhyā aṃbarīṣa iti khyātaḥ bekannt unter dem Namen Ambarīṣa yaṣṭum samupacakrame machte er sich daran zu opfern tasya vai yajamānasya paśum indro jahāra ha | praṇaṣṭe tu paśau vipro rājānam idam abravīt || 1-61-6
Dem Opfernden aber raubte Indra das Opfertier. Als das Tier verschwunden war, sprach der Brahmane zu dem König folgendes:
Wort für Wort tasya vai yajamānasya ihm, dem Opfernden paśum indro jahāra ha raubte Indra das Opfertier praṇaṣṭe tu paśau als das Tier verschwunden war vipro rājānam idam abravīt sprach der Brahmane dies zum König paśuḥ abhyāhṛtaḥ rājan praṇaṣṭaḥ tava durnayāt | arakṣitāram rājānam ghnanti doṣā nareśvara || 1-61-7
'Das herbeigebrachte Opfertier ist, o König, durch dein Missgeschick verschwunden. Fehler vernichten den König, der nicht auf der Hut ist, Herrscher der Menschen.'
Wort für Wort paśuḥ abhyāhṛtaḥ rājan das herbeigebrachte Opfertier, o König praṇaṣṭaḥ tava durnayāt ist durch dein Missgeschick verschwunden arakṣitāram rājānam den nicht auf der Hut befindlichen König ghnanti doṣā nareśvara vernichten Fehler, Herrscher der Menschen prāyaḥ chittam mahat hi etat naram vā puruṣarṣabha | ānayasva paśum śīghram yāvat karma pravartate || 1-61-8
'Dies ist wahrlich eine große Buße – entweder das Tier oder einen Menschen. Bring rasch ein Opfertier herbei, solange das Ritual noch im Gange ist, Stier unter den Männern.'
Wort für Wort prāyaḥ chittam mahat hi etat dies ist wahrlich eine große Buße naram vā puruṣarṣabha oder einen Menschen, Stier unter den Männern ānayasva paśum śīghram bring rasch ein Opfertier herbei yāvat karma pravartate solange das Ritual im Gange ist upādhyāya vacaḥ śrutvā sa rājā puruṣarṣabha | anviyeṣa mahābuddhiḥ paśum gobhiḥ sahasraśaḥ || 1-61-9
Als er die Worte seines Hauspriesters gehört hatte, suchte der hochweise König, Stier unter den Männern, nach einem Opfertier, indem er Tausende von Kühen bot,
Wort für Wort upādhyāya vacaḥ śrutvā als er die Worte des Hauspriesters gehört hatte sa rājā puruṣarṣabha dieser König, Stier unter den Männern anviyeṣa mahābuddhiḥ suchte, der Hochweise paśum gobhiḥ sahasraśaḥ nach einem Opfertier, mit Tausenden von Kühen deśān janapadān tān tān nagarāṇi vanāni ca | āśramāṇi ca puṇyāni mārgamāṇo mahīpatiḥ || 1-61-10
und durchsuchte jene Länder, Provinzen, Städte und Wälder sowie die heiligen Einsiedeleien, der Herrscher der Erde.
Wort für Wort deśān janapadān tān tān jene Länder und Provinzen nagarāṇi vanāni ca Städte und Wälder āśramāṇi ca puṇyāni und die heiligen Einsiedeleien mārgamāṇo mahīpatiḥ durchsuchend, der Herrscher der Erde sa putra sahitam tāta sa bhāryam raghunaṃdana | bhṛgutuṃge samāsīnam ṛcīkam saṃdadarśa ha || 1-61-11
Er, o Sohn, o Freude der Raghus, erblickte den auf dem Bhṛgu-Gipfel sitzenden Ṛcīka, mitsamt seinen Söhnen und seiner Gattin.
Wort für Wort sa putra sahitam tāta er, mitsamt Söhnen, mein Sohn sa bhāryam raghunaṃdana mitsamt Gattin, Freude der Raghus bhṛgutuṃge samāsīnam auf dem Bhṛgu-Gipfel sitzend ṛcīkam saṃdadarśa ha erblickte er Ṛcīka tam uvāca mahātejāḥ praṇaṃya abhiprasādya ca | maharṣim tapasā dīptam rājarṣiḥ amita prabhaḥ || 1-61-12
Zu ihm sprach, nachdem er sich verneigt und ihn günstig gestimmt hatte, der hochenergetische, unermesslich glanzvolle königliche Weise, zu dem großen Weisen, der durch Askese erstrahlte:
Wort für Wort tam uvāca mahātejāḥ zu ihm sprach der Hochenergetische praṇaṃya abhiprasādya ca nachdem er sich verneigt und ihn gestimmt hatte maharṣim tapasā dīptam zu dem großen, durch Askese erstrahlenden Weisen rājarṣiḥ amita prabhaḥ der königliche Weise von unermesslichem Glanz pṛṣṭvā sarvatra kuśalam ṛcīkam tam idam vacaḥ | gavām śata sahasreṇa vikrīṇīṣe sutam yadi || 1-61-13
nachdem er sich nach allseitigem Wohlergehen erkundigt hatte, sprach er zu Ṛcīka folgendes Wort: 'Wenn du gegen hunderttausend Kühe einen deiner Söhne verkaufen würdest –'
Wort für Wort pṛṣṭvā sarvatra kuśalam nachdem er sich nach allseitigem Wohlergehen erkundigt hatte ṛcīkam tam idam vacaḥ zu Ṛcīka dieses Wort gavām śata sahasreṇa gegen hunderttausend Kühe vikrīṇīṣe sutam yadi wenn du einen Sohn verkaufen würdest paśoḥ arthe mahābhāga kṛta kṛtyo asmi bhārgava | sarve parigatā deśāḥ yajñiyam na labhe paśum || 1-61-14
'für ein Opfertier, du Hochgesegneter, wäre mein Anliegen erfüllt, Sohn Bhṛgus. Alle Länder habe ich durchzogen, doch finde ich kein opfertaugliches Tier.'
Wort für Wort paśoḥ arthe mahābhāga für ein Opfertier, Hochgesegneter kṛta kṛtyo asmi bhārgava wäre mein Anliegen erfüllt, Sohn Bhṛgus sarve parigatā deśāḥ alle Länder sind durchzogen yajñiyam na labhe paśum ich finde kein opfertaugliches Tier dātum arhasi mūlyena sutam ekam ito mama | evam ukto mahātejā ṛcīkaḥ tu abravīt vacaḥ || 1-61-15
'Du solltest mir einen deiner Söhne gegen Entgelt hergeben.' So angesprochen, sprach der hochenergetische Ṛcīka folgende Worte:
Wort für Wort dātum arhasi mūlyena du solltest gegen Entgelt geben sutam ekam ito mama einen Sohn davon mir evam ukto mahātejāḥ so angesprochen, der Hochenergetische ṛcīkaḥ tu abravīt vacaḥ Ṛcīka aber sprach das Wort na aham jyeṣṭham nara śreṣṭha vikrīṇīyām kathaṃcana | ṛcīkasya vacaḥ śrutvā teṣām mātā mahātmanām || 1-61-16
'Meinen ältesten Sohn, bester der Männer, würde ich unter keinen Umständen verkaufen.' Als sie Ṛcīkas Worte gehört hatte, sprach die Mutter dieser Großmütigen
Wort für Wort na aham jyeṣṭham nara śreṣṭha ich nicht den Ältesten, bester der Männer vikrīṇīyām kathaṃcana würde unter keinen Umständen verkaufen ṛcīkasya vacaḥ śrutvā als sie Ṛcīkas Wort gehört hatte teṣām mātā mahātmanām die Mutter dieser Großmütigen uvāca nara śārdūlam aṃbarīṣam idam vacaḥ | avikreyam sutam jyeṣṭham bhagavān āha bhārgavaḥ || 1-61-17
zu dem Tiger unter den Männern, Ambarīṣa, folgendes Wort: 'Der Erhabene, der Sohn Bhṛgus, hat gesagt, der älteste Sohn sei nicht zu verkaufen –'
Wort für Wort uvāca nara śārdūlam sprach zu dem Tiger unter den Männern aṃbarīṣam idam vacaḥ zu Ambarīṣa dieses Wort avikreyam sutam jyeṣṭham der älteste Sohn ist nicht zu verkaufen bhagavān āha bhārgavaḥ hat der Erhabene, der Sohn Bhṛgus, gesagt mama api dayitam viddhi kaniṣṭham śunakam prabho | tasmāt kanīyasam putram na dāsye tava pārthiva || 1-61-18
'wisse, dass mir auch der jüngste, Śunaka, lieb und teuer ist, Herr; darum werde ich dir den jüngsten Sohn nicht geben, o König.'
Wort für Wort mama api dayitam viddhi wisse, dass mir auch lieb ist kaniṣṭham śunakam prabho der jüngste, Śunaka, Herr tasmāt kanīyasam putram darum den jüngsten Sohn na dāsye tava pārthiva werde ich dir nicht geben, o König prāyeṇa hi naraśreṣṭha jyeṣṭhāḥ pitṛṣu vallabhāḥ | mātṝṇām ca kanīyāṃsaḥ tasmāt rakṣhe kanīyasam || 1-61-19
'Denn gewöhnlich, bester der Männer, sind den Vätern die ältesten Söhne die liebsten, den Müttern aber die jüngsten – darum behüte ich den jüngsten.'
Wort für Wort prāyeṇa hi naraśreṣṭha denn gewöhnlich, bester der Männer jyeṣṭhāḥ pitṛṣu vallabhāḥ sind den Vätern die Ältesten die liebsten mātṝṇām ca kanīyāṃsaḥ den Müttern aber die Jüngsten tasmāt rakṣhe kanīyasam darum behüte ich den Jüngsten ukta vākye munau tasmin muni patnyām tathaiva ca | śunaḥśepaḥ svayam rāma madhyamo vākyam abravīt || 1-61-20
Als der Weise und ebenso die Gattin des Weisen diese Worte gesprochen hatten, sprach Śunaḥśepa, der mittlere Sohn, o Rāma, selbst folgendes Wort:
Wort für Wort ukta vākye munau tasmin als der Weise dieses Wort gesprochen hatte muni patnyām tathaiva ca und ebenso die Gattin des Weisen śunaḥśepaḥ svayam rāma Śunaḥśepa selbst, o Rāma madhyamo vākyam abravīt der Mittlere sprach das Wort pitā jyeṣṭham avikreyam mātā ca āha kanīyasam | vikretam madhyamam manye rājaputra nayasva mām || 1-61-21
'Der Vater hat gesagt, der Älteste sei nicht zu verkaufen, und die Mutter der Jüngste – so betrachte ich mich, den Mittleren, als zu verkaufen. Führe mich fort, Königssohn.'
Wort für Wort pitā jyeṣṭham avikreyam der Vater hat den Ältesten für unverkäuflich erklärt mātā ca āha kanīyasam und die Mutter den Jüngsten vikretam madhyamam manye ich halte mich, den Mittleren, für verkäuflich rājaputra nayasva mām Königssohn, führe mich fort atha rājā mahābāho vākya ante brahma vādinaḥ | hiraṇyasya suvarṇasya koṭibhī ratna rāśhibhiḥ || 1-61-22
Da, am Ende der Worte des vedakundigen Weisen, o Starkarmiger, mit Millionen von Gold und Silber, mit Haufen von Kleinoden,
Wort für Wort atha rājā mahābāho da der König, Starkarmiger vākya ante brahma vādinaḥ am Ende der Worte des Vedakundigen hiraṇyasya suvarṇasya koṭibhī mit Millionen von Silber und Gold ratna rāśhibhiḥ mit Haufen von Kleinoden gavām śata sahasreṇa śunaḥśepam nareśvaraḥ | gṛhītvā parama prīto jagāma raghunaṃdana || 1-61-23
und mit hunderttausend Kühen, ergriff der Herrscher der Menschen, höchst erfreut, den Śunaḥśepa und zog von dannen, o Freude der Raghus.
Wort für Wort gavām śata sahasreṇa und mit hunderttausend Kühen śunaḥśepam nareśvaraḥ den Śunaḥśepa, der Herrscher der Menschen gṛhītvā parama prīto ergreifend, höchst erfreut jagāma raghunaṃdana zog er von dannen, Freude der Raghus aṃbarīṣaḥ tu rājarṣī ratham āropya satvaraḥ | śunaḥśepam mahātejā jagāma āśu mahāyaśāḥ || 1-61-24
Der königliche Weise Ambarīṣa aber, der hochenergetische, hochruhmreiche, ließ Śunaḥśepa eilends auf seinen Wagen steigen und zog rasch von dannen.
Wort für Wort aṃbarīṣaḥ tu rājarṣī der königliche Weise Ambarīṣa aber ratham āropya satvaraḥ ließ eilends auf den Wagen steigen śunaḥśepam mahātejā den Śunaḥśepa, der Hochenergetische jagāma āśu mahāyaśāḥ zog rasch von dannen, der Hochruhmreiche
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