Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 10: Ṛṣyaśṛṅga-Upākhyānam (Samāptiḥ) Wie die Kurtisanen Ṛṣyaśṛṅga in die Stadt lockten und er Śāntā heiratete

sumantraḥ codito rājñā provāca idam vacaḥ tadā | yathā ṛṣyaśṛṅgaḥ tu ānīto yena upāyena mantribhiḥ || tan me nigaditaṃ sarvaṃ śṛṇu me mantribhiḥ saha |

Von dem König aufgefordert, sprach Sumantra da dieses Wort: „Höre, mit welcher List die Minister Ṛṣyaśṛṅga hergebracht haben – dies alles ist mir berichtet worden; höre es zusammen mit den Ministern.“

Wort für Wort
sumantraḥ
Sumantra (Nom.)
codito rājñā
vom König aufgefordert
provāca ... vacaḥ
sprach ... Wort
yena upāyena
durch welche List
mantribhiḥ
von den Ministern
tan me nigaditam sarvam
dies alles ist mir berichtet
śṛṇu
höre! (Imp.)

romapādam uvāca idam saha amātyaḥ purohitaḥ | upāyo nirapāyo ayam asmābhiḥ abhicintitaḥ ||

Der Hauspriester sprach zusammen mit den Amtsträgern zu Romapāda dieses: „Dies ist ein todsicherer Plan, den wir ausgedacht haben.“

Wort für Wort
romapādam uvāca
sprach zu Romapāda
amātyaḥ purohitaḥ
die Amtsträger [und] der Hauspriester
upāyaḥ nirapāyaḥ
ein untrüglicher/sicherer Plan
asmābhiḥ abhicintitaḥ
von uns ausgedacht

ṛṣyaśṛṅgo vanacaraḥ tapaḥ svādhyāya saṃyutaḥ | anabhijñaḥ tu nārīṇāṃ viṣayāṇāṃ sukhasya ca ||

„Ṛṣyaśṛṅga, ein Waldwanderer, ist ganz der Askese und dem Studium hingegeben; er kennt weder Frauen noch Sinnesgenüsse noch [weltliches] Glück.“

Wort für Wort
vanacaraḥ
Waldwanderer
tapaḥ svādhyāya saṃyutaḥ
der Askese und dem Studium ergeben
anabhijñaḥ
unkundig
nārīṇām
der Frauen (Gen. Pl.)
viṣayāṇām sukhasya ca
der Sinnesobjekte und des Glücks

indriyārthaiḥ abhimataiḥ naracitta pramāthibhiḥ | puram ānāyayiṣyāmaḥ kṣipraṃ ca adhyavasīyatām ||

„Durch verlockende Sinnesreize, die das Herz eines Mannes verwirren, wollen wir ihn in die Stadt bringen – das soll rasch beschlossen werden.“

Wort für Wort
indriyārthaiḥ abhimataiḥ
durch begehrte Sinnesreize
naracitta pramāthibhiḥ
die das Herz eines Mannes erschüttern
puram ānāyayiṣyāmaḥ
wir werden [ihn] in die Stadt bringen (Kaus. Fut.)
adhyavasīyatām
es werde beschlossen! (Pass. Imp.)

gaṇikāḥ tatra gacchantu rūpavatyaḥ svalaṃkṛtāḥ | pralobhya vividha upāyaiḥ āneṣyanti iha satkṛtāḥ ||

„Schöne, reich geschmückte Kurtisanen sollen dorthin gehen; durch mancherlei Künste werden sie ihn verlocken und wohlbehandelt hierherbringen.“

Wort für Wort
gaṇikāḥ
Kurtisanen
gacchantu
sie sollen gehen! (Imp.)
rūpavatyaḥ svalaṃkṛtāḥ
schön, reich geschmückt
pralobhya
nachdem sie verlockt haben
vividha upāyaiḥ
durch mancherlei Mittel
āneṣyanti
sie werden herbringen (Fut.)
satkṛtāḥ
wohlbehandelt

śrutvā tathā iti rājā ca pratyuvāca purohitam | purohito mantriṇaḥ ca tathā cakruḥ ca te tathā ||

Dies hörend, sprach der König zum Hauspriester: „So sei es!“ Und der Priester und die Minister handelten so, wie es beschlossen war.

Wort für Wort
śrutvā
nachdem er gehört hatte
tathā iti
„so sei es“
pratyuvāca purohitam
erwiderte dem Hauspriester
cakruḥ
sie taten/handelten (Perf.)

vāramukhyāḥ tu tat śrutvā vanaṃ praviviśuḥ mahat | āśramasya avidūre asmin yatnaṃ kurvanti darśane ||

Als die vornehmsten Kurtisanen dies vernommen hatten, betraten sie den großen Wald; unweit des Einsiedlerhofes bemühten sie sich, ihn zu Gesicht zu bekommen.

Wort für Wort
vāramukhyāḥ
die vornehmsten Kurtisanen
vanam praviviśuḥ mahat
sie betraten den großen Wald
āśramasya avidūre
unweit des Einsiedlerhofes
yatnam kurvanti darśane
sie bemühen sich um [seinen] Anblick

pituḥ sa nityaṃ saṃtuṣṭo na aticakrāma ca āśramāt |

Er, stets mit seinem Vater zufrieden, entfernte sich nie über den Einsiedlerhof hinaus.

Wort für Wort
pituḥ nityam santuṣṭaḥ
stets mit dem Vater zufrieden
na aticakrāma
er ging nicht hinaus/überschritt nicht
āśramāt
vom Einsiedlerhof (Abl.)

na tena janma prabhṛti dṛṣṭapūrvaṃ tapasvinā | strī vā pumān vā yac ca anyat sattvaṃ nagara-rāṣṭra-jam ||

Von Geburt an hatte der Asket weder eine Frau noch einen Mann noch sonst ein Wesen gesehen, das aus Stadt oder Land stammte.

Wort für Wort
janma prabhṛti
seit der Geburt
dṛṣṭapūrvam
zuvor gesehen
tapasvinā
vom Asketen (Instr.)
strī vā pumān vā
sei es Frau oder Mann
nagara-rāṣṭra-jam
aus Stadt oder Land entstanden

tataḥ kadācit taṃ deśam ājagāma yadṛcchayā | vibhāṇḍaka sutaḥ tatra tāḥ ca apaśyat varāṃganāḥ ||

Da kam eines Tages der Sohn des Vibhāṇḍaka zufällig an jenen Ort und erblickte dort die schönen Frauen.

Wort für Wort
kadācit
einst, eines Tages
ājagāma yadṛcchayā
kam zufällig
vibhāṇḍaka sutaḥ
der Sohn des Vibhāṇḍaka
apaśyat varāṃganāḥ
er sah die schönen Frauen

tāḥ citraveṣāḥ pramadā gāyantyo madhurasvaram | ṛṣiputram upāgamya sarvā vacanam abruvan ||

Jene bunt gekleideten Frauen, die mit süßer Stimme sangen, traten alle an den Sohn des Sehers heran und sprachen dieses Wort.

Wort für Wort
citraveṣāḥ
bunt/prächtig gekleidet
gāyantyo madhurasvaram
mit süßer Stimme singend
ṛṣiputram upāgamya
nachdem sie sich dem Sehersohn genähert hatten
sarvā vacanam abruvan
alle sprachen das Wort

kaḥ tvaṃ kiṃ vartase brahman jñātum icchāmahe vayam | ekas tvaṃ vijane dūre vane carasi śaṃsa naḥ ||

„Wer bist du, wovon lebst du, Brahmane? Das möchten wir wissen. Du wandelst allein, fern, in menschenleerem Wald – sag es uns!“

Wort für Wort
kaḥ tvam
wer bist du
kim vartase
wovon lebst du
jñātum icchāmahe
wir wollen wissen
ekaḥ ... vijane dūre vane carasi
du wandelst allein im fernen, menschenleeren Wald
śaṃsa naḥ
sag [es] uns! (Imp.)

adṛṣṭarūpāḥ tāḥ tena kāṃyarūpā vane striyaḥ | hārdāt tasya matiḥ jātā ākhyātuṃ pitaraṃ svakam ||

Von ihm waren solch begehrenswert gestaltete Frauen im Wald noch nie gesehen worden; aus Herzlichkeit entstand in ihm der Wunsch, von seinem eigenen Vater zu erzählen.

Wort für Wort
adṛṣṭarūpāḥ
von unerblickter Gestalt (nie zuvor gesehen)
kāṃyarūpāḥ
begehrenswert gestaltet
hārdāt
aus Herzlichkeit/Zuneigung
matiḥ jātā
der Gedanke entstand
ākhyātum pitaram svakam
den eigenen Vater zu nennen/von ihm zu erzählen

pitā vibhāṇḍako asmākaṃ tasya ahaṃ suta aurasaḥ | ṛṣyaśṛṅga iti khyātaṃ nāma karma ca me bhuvi ||

„Vibhāṇḍaka ist unser – mein – Vater, ich bin sein leiblicher Sohn; Ṛṣyaśṛṅga ist mein auf Erden bekannter Name, das ist meine Aufgabe.“

Wort für Wort
pitā vibhāṇḍakaḥ asmākam
unser Vater ist Vibhāṇḍaka
suta aurasaḥ
leiblicher Sohn
ṛṣyaśṛṅgaḥ iti khyātam nāma
‚Ṛṣyaśṛṅga‘ ist [mein] bekannter Name
karma ca me bhuvi
und mein Werk/Tun auf Erden

iha āśramapado.asmākaṃ samīpe śubhadarśanāḥ | kariṣye vo.atra pūjāṃ vai sarveṣāṃ vidhipūrvakam ||

„Hier in der Nähe ist unser Einsiedlerhof, ihr Schönanzuschauenden; ich will euch allen hier eine vorschriftsmäßige Verehrung erweisen.“

Wort für Wort
āśramapadaḥ asmākam samīpe
unser Einsiedlerhof ist in der Nähe
śubhadarśanāḥ
von schönem Anblick
kariṣye ... pūjām
ich werde ... Verehrung erweisen
vidhipūrvakam
vorschriftsmäßig

ṛṣiputravacaḥ śrutvā sarvāsāṃ matir āsa vai | tad āśramapadaṃ draṣṭuṃ jagmuḥ sarvās tato.aṅganāḥ ||

Als sie die Worte des Sehersohnes gehört hatten, kam allen der Wunsch, jenen Einsiedlerhof zu sehen; da gingen alle Frauen dorthin.

Wort für Wort
ṛṣiputravacaḥ śrutvā
nachdem sie die Worte des Sehersohnes gehört hatten
sarvāsām matiḥ āsa
allen kam der Gedanke/Wunsch
āśramapadam draṣṭum
den Einsiedlerhof zu sehen
jagmuḥ sarvāḥ aṅganāḥ
alle Frauen gingen

gatānāṃ tu tataḥ pūjāṃ ṛṣiputraḥ cakāra ha | idam arghyam idaṃ pādyam idaṃ mūlaṃ phalaṃ ca naḥ |

Den Angekommenen erwies nun der Sehersohn Verehrung: „Dies ist die Ehrengabe, dies das Fußwasser, dies sind unsere Wurzeln und Früchte.“

Wort für Wort
gatānām
den Gekommenen (Gen. Pl.)
pūjām cakāra
er erwies Verehrung
arghyam
Ehrengabe (Wasser/Gabe für Gäste)
pādyam
Fußwaschwasser
mūlam phalam ca naḥ
unsere Wurzeln und Früchte

pratigṛhya tu tāṃ pūjāṃ sarvā eva samutsukāḥ | ṛṣer bhītāḥ ca śīghraṃ tu gamanāya matiṃ dadhuḥ ||

Nachdem sie diese Verehrung angenommen hatten, waren sie alle voll Verlangen und zugleich in Angst vor dem [heimkehrenden] Vater des Sehers; rasch fassten sie den Entschluss zu gehen.

Wort für Wort
pratigṛhya tām pūjām
nachdem sie diese Verehrung angenommen hatten
samutsukāḥ
voller Verlangen/Sehnsucht
ṛṣeḥ bhītāḥ
in Furcht vor dem Seher (Vater)
gamanāya matim dadhuḥ
sie fassten den Entschluss zu gehen

asmākam api mukhyāni phalāni imāni he dvija | gṛhāṇa vipra bhadraṃ te bhakṣayasva ca mā aciram ||

„Auch dies sind unsere feinsten Früchte, o Zweifachgeborener; nimm sie, Brahmane, Heil dir, und iss sie ohne Zögern!“

Wort für Wort
mukhyāni phalāni
die feinsten/vornehmsten Früchte
he dvija
o Zweifachgeborener (Anrede)
gṛhāṇa
nimm! (Imp.)
bhadram te
Heil dir
bhakṣayasva mā aciram
iss ohne Zögern!

tataḥ tāḥ taṃ samāliṅgya sarvā harṣasamanvitāḥ | modakān pradaduḥ tasmai bhakṣyāṃś ca vividhān śubhān ||

Dann umarmten sie ihn alle voller Freude und gaben ihm süße Kuchen und mancherlei köstliche Speisen.

Wort für Wort
samāliṅgya
nachdem sie umarmt hatten
harṣasamanvitāḥ
von Freude erfüllt
modakān pradaduḥ
sie gaben süße Kuchen
bhakṣyān vividhān śubhān
mancherlei köstliche Speisen

tāni ca āsvādya tejasvī phalāni iti sma manyate | anāsvādita pūrvāṇi vane nityanivāsinām ||

Der Glanzvolle kostete davon und hielt sie für Früchte – er, der ständig im Wald lebte, hatte solches Gebäck zuvor nie gekostet.

Wort für Wort
āsvādya
nachdem er gekostet hatte
tejasvī
der Glanzvolle (Ṛṣyaśṛṅga)
phalāni iti manyate
er hielt sie für Früchte
anāsvādita pūrvāṇi
zuvor nie gekostet
nityanivāsinām
der ständig [dort] Wohnenden

āpṛcchya ca tadā vipraṃ vratacaryāṃ nivedya ca | gacchanti sma apadeśāt tā bhītāḥ tasya pituḥ striyaḥ ||

Da verabschiedeten sich die Frauen, aus Furcht vor seinem Vater, unter einem Vorwand vom Brahmanen, indem sie vorgaben, ihrem Gelübde nachzugehen, und gingen fort.

Wort für Wort
āpṛcchya
nachdem sie sich verabschiedet hatten
vratacaryām nivedya
indem sie [die Pflicht der] Gelübdeübung vorgaben
apadeśāt
unter einem Vorwand
bhītāḥ tasya pituḥ
aus Furcht vor seinem Vater

gatāsu tāsu sarvāsu kāśyapasya ātmajo dvijaḥ | asvasthahṛdayaḥ ca āsīt duḥkhāt ca parivartate ||

Als sie alle gegangen waren, war der zweifachgeborene Sohn des Kāśyapa-Geschlechts unruhigen Herzens und wälzte sich vor Kummer hin und her.

Wort für Wort
gatāsu tāsu sarvāsu
als sie alle gegangen waren (Loc. abs.)
kāśyapasya ātmajaḥ dvijaḥ
der zweifachgeborene Sohn des Kāśyapa-Geschlechts
asvasthahṛdayaḥ
unruhigen/unwohlen Herzens
duḥkhāt parivartate
wälzt sich vor Kummer

tato.apare dyuḥ taṃ deśam ājagāma sa vīryavān | vibhāṇḍakasutaḥ śrīmān manasā vicintayan muhuḥ ||

Am folgenden Tag kam der kraftvolle, glanzvolle Sohn des Vibhāṇḍaka wieder an jenen Ort, immer wieder in Gedanken versunken.

Wort für Wort
apare dyuḥ
am nächsten Tag
vīryavān
kraftvoll
vibhāṇḍakasutaḥ śrīmān
der glanzvolle Sohn des Vibhāṇḍaka
manasā vicintayan muhuḥ
im Geiste immer wieder nachsinnend

manojñā yatra tā dṛṣṭā vāramukhyāḥ svalaṃkṛtāḥ | dṛṣṭvā eva ca tato vipram āyāntaṃ hṛṣṭamānasāḥ ||

Dort, wo er die bezaubernden, reich geschmückten vornehmen Kurtisanen gesehen hatte, [suchte er sie]; sobald sie den herannahenden Brahmanen erblickten, waren sie frohen Herzens.

Wort für Wort
manojñāḥ
bezaubernd, dem Geist gefällig
vāramukhyāḥ svalaṃkṛtāḥ
die vornehmsten, reich geschmückten Kurtisanen
dṛṣṭvā ... āyāntam
als sie den Herankommenden erblickten
hṛṣṭamānasāḥ
frohen Herzens

upasṛtya tataḥ sarvāḥ tāḥ taṃ ūcur idaṃ vacaḥ | ehi āśramapadaṃ saumya asmākam iti ca abruvan ||

Da traten sie alle heran und sprachen zu ihm dieses Wort: „Komm, Sanftmütiger, zu unserem Einsiedlerhof!“, so sprachen sie.

Wort für Wort
upasṛtya
nachdem sie herangetreten waren
ūcuḥ idam vacaḥ
sie sprachen dieses Wort
ehi
komm! (Imp.)
āśramapadam asmākam
zu unserem Einsiedlerhof
saumya
Sanftmütiger (Anrede)

citrāṇi atra bahūni syuḥ mūlāni ca phalāni ca | tatra api eṣa viśeṣeṇa vidhiḥ hi bhavitā dhruvam ||

„Dort gibt es viele wunderbare Wurzeln und Früchte; auch dort wird gewiss ein besonderer Brauch stattfinden.“

Wort für Wort
citrāṇi bahūni
viele wunderbare/mannigfaltige
mūlāni phalāni ca
Wurzeln und Früchte
viśeṣeṇa vidhiḥ
ein besonderer Brauch/Ritus
bhavitā dhruvam
wird gewiss stattfinden

śrutvā tu vacanaṃ tāsāṃ sarvāsāṃ hṛdayaṃgamam | gamanāya matiṃ cakre taṃ ca ninyuḥ tathā striyaḥ ||

Als er diese Worte hörte, die allen zu Herzen gingen, fasste er den Entschluss zu gehen, und so führten ihn die Frauen mit sich.

Wort für Wort
hṛdayaṃgamam vacanam
die zu Herzen gehenden Worte
gamanāya matim cakre
er fasste den Entschluss zu gehen
ninyuḥ
sie führten [ihn] fort

tatra ca ānīyamāne tu vipre tasmin mahātmani | vavarṣa sahasā devo jagat prahlādayan tadā ||

Und während jener hochgesinnte Brahmane so hergeführt wurde, regnete der Gott [Indra] plötzlich, die Welt erfrischend.

Wort für Wort
ānīyamāne vipre
während der Brahmane hergeführt wurde (Loc. abs.)
mahātmani
der Hochgesinnte
vavarṣa sahasā devaḥ
plötzlich regnete der Gott
jagat prahlādayan
die Welt erfrischend/erquickend

varṣeṇa eva āgataṃ vipraṃ tāpasaṃ sa narādhipaḥ | pratyudgamya muniṃ prahvaḥ śirasā ca mahīṃ gataḥ ||

Als der Brahmane, der Asket, mit dem Regen zugleich eintraf, ging ihm der Herrscher der Menschen entgegen, verneigte sich und berührte mit dem Haupt die Erde.

Wort für Wort
varṣeṇa āgatam
mit dem Regen gekommen
narādhipaḥ
der Herrscher der Menschen (Romapāda)
pratyudgamya
nachdem er entgegengegangen war
prahvaḥ
sich verneigend, demütig
śirasā mahīm gataḥ
mit dem Haupt zur Erde gegangen (niedergeworfen)

arghyaṃ ca pradadau tasmai nyāyataḥ susamāhitaḥ | vavre prasādaṃ viprendrāt mā vipraṃ manyuḥ āviśet ||

Er überreichte ihm vorschriftsmäßig, wohlgesammelt, die Ehrengabe und erbat sich vom besten der Brahmanen die Gunst, dass kein Zorn den Brahmanen ergreifen möge.

Wort für Wort
arghyam pradadau
er überreichte die Ehrengabe
nyāyataḥ susamāhitaḥ
vorschriftsmäßig, wohlgesammelt/andächtig
vavre prasādam
er erbat die Gunst
viprendrāt
vom besten der Brahmanen
mā vipram manyuḥ āviśet
dass kein Zorn den Brahmanen ergreife

antaḥpuraṃ praveśya asmai kanyāṃ dattvā yathāvidhi | śāntāṃ śāntena manasā rājā harṣam avāpa saḥ ||

Er führte ihn in das innere Frauengemach, gab ihm mit ruhigem Gemüt vorschriftsmäßig die Tochter Śāntā zur Frau, und der König empfing Freude.

Wort für Wort
antaḥpuram praveśya
nachdem er [ihn] ins innere Gemach geführt hatte
kanyām dattvā yathāvidhi
nachdem er die Tochter vorschriftsmäßig gegeben hatte
śāntām śāntena manasā
Śāntā, mit ruhigem Gemüt (Wortspiel śānta/Śāntā)
harṣam avāpa
er erlangte Freude

evaṃ sa nyavasat tatra sarvakāmaiḥ supūjitaḥ | ṛṣyaśṛṅgo mahātejāḥ śāntayā saha bhāryayā ||

So wohnte dort der hochglänzende Ṛṣyaśṛṅga, mit allen [seinen] Wünschen wohlgeehrt, zusammen mit seiner Gattin Śāntā.

Wort für Wort
nyavasat tatra
er wohnte dort
sarvakāmaiḥ supūjitaḥ
mit allen Wünschen wohlgeehrt/bedacht
mahātejāḥ
hochglänzend, von großer Macht
śāntayā saha bhāryayā
zusammen mit [seiner] Gattin Śāntā

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