Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 65: Viśvāmitrasya Brahmarṣitva Prāptiḥ Viśvāmitra erlangt den Rang eines Brahmarṣi

atha haimavatīm rāma diśam tyaktvā mahāmuniḥ | pūrvām diśam anuprāpya tapaḥ tepe sudāruṇam || 1-65-1

Da verließ der große Weise, o Rāma, die Himalaya-Richtung und übte, zur östlichen Richtung gelangt, überaus furchtbare Askese.

Wort für Wort
atha haimavatīm rāma diśam tyaktvā
da die Himalaya-Richtung verlassend, o Rāma
mahāmuniḥ
der große Weise
pūrvām diśam anuprāpya
zur östlichen Richtung gelangend
tapaḥ tepe sudāruṇam
übte er überaus furchtbare Askese

maunam varṣa sahasrasya kṛtvā vratam anuttamam | cakāra apratimam rāma tapaḥ parama duṣkaram || 1-65-2

Er legte für tausend Jahre ein Schweigegelübde ab, ein unübertreffliches Gelübde, und vollzog, o Rāma, eine unvergleichliche, überaus schwer zu vollbringende Askese.

Wort für Wort
maunam varṣa sahasrasya
ein Schweigen für tausend Jahre
kṛtvā vratam anuttamam
als unübertreffliches Gelübde vollziehend
cakāra apratimam rāma
er vollzog Unvergleichliches, o Rāma
tapaḥ parama duṣkaram
überaus schwer zu vollbringende Askese

pūrṇe varṣa sahasre tu kāṣṭha bhūtam mahāmunim | vighnaiḥ bahubhiḥ ādhūtam krodho na aṃtaram āviśat || 1-65-3

Als tausend Jahre vollendet waren, drang, obwohl der große Weise durch viele Hindernisse erschüttert wie ein Holzscheit geworden war, kein Zorn in sein Inneres ein.

Wort für Wort
pūrṇe varṣa sahasre tu
als tausend Jahre vollendet waren
kāṣṭha bhūtam mahāmunim
der große Weise, wie ein Holzscheit geworden
vighnaiḥ bahubhiḥ ādhūtam
durch viele Hindernisse erschüttert
krodho na aṃtaram āviśat
Zorn drang nicht in sein Inneres

saḥ kṛtvā niścayam rāma tapa ātiṣṭat avyayam | tasya varṣa sahasrasya vrate pūrṇe mahāvrataḥ || 1-65-4

Er, nachdem er einen festen Entschluss gefasst hatte, o Rāma, verharrte in unveränderlicher Askese; als sein tausendjähriges Gelübde, das große Gelübde, vollendet war,

Wort für Wort
saḥ kṛtvā niścayam rāma
er, nachdem er einen Entschluss gefasst hatte, o Rāma
tapa ātiṣṭat avyayam
verharrte in unveränderlicher Askese
tasya varṣa sahasrasya
seines tausendjährigen
vrate pūrṇe mahāvrataḥ
großen Gelübdes, als es vollendet war

bhoktum ārabdhavān annam tasmin kāle raghūttama | indro dvijātiḥ bhūtvā tam siddha annam ayācata || 1-65-5

machte er sich zu jener Zeit, bester der Raghus, daran, Speise zu sich zu nehmen. Da kam Indra, zu einem Brahmanen geworden, und bat ihn um die zubereitete Speise.

Wort für Wort
bhoktum ārabdhavān annam
er machte sich ans Essen der Speise
tasmin kāle raghūttama
zu jener Zeit, bester der Raghus
indro dvijātiḥ bhūtvā
Indra, zu einem Zweifachgeborenen geworden
tam siddha annam ayācata
bat ihn um die zubereitete Speise

tasmaiḥ dattvā tadā siddham sarvam viprāya niścitaḥ | niḥśeṣite anne bhagavān abhuktvā iva mahātapāḥ || 1-65-6

Nachdem er diesem Brahmanen entschlossen die gesamte zubereitete Speise gegeben hatte, blieb der erhabene große Asket, obwohl die Speise nun ganz aufgebraucht war, gleichsam ungespeist.

Wort für Wort
tasmaiḥ dattvā tadā siddham sarvam
nachdem er ihm die ganze zubereitete Speise gegeben hatte
viprāya niścitaḥ
dem Brahmanen, entschlossen
niḥśeṣite anne
als die Speise aufgebraucht war
bhagavān abhuktvā iva mahātapāḥ
blieb der Erhabene, der große Asket, gleichsam ungespeist

na kiṃcit avadat vipram mauna vratam upāsthitaḥ | tathā eva āsīt punaḥ maunam anuchchhvāsam cakāra ha || 1-65-7

Er sagte dem Brahmanen kein einziges Wort, da er sein Schweigegelübde einhielt; ebenso blieb er weiterhin schweigend und begann, sein Atmen einzustellen.

Wort für Wort
na kiṃcit avadat vipram
er sagte dem Brahmanen nichts
mauna vratam upāsthitaḥ
dem Schweigegelübde folgend
tathā eva āsīt punaḥ maunam
ebenso blieb er weiterhin schweigend
anuchchhvāsam cakāra ha
begann sein Atmen einzustellen

atha varṣa sahasram ca na uchchhvasan munipuṃgavaḥ | tasya anuchchhvasamānasya mūrdhni dhūmo vyajāyata || 1-65-8

Und für ein weiteres Jahrtausend atmete der Stier unter den Weisen nicht mehr; und als er so ohne Atem verharrte, erhob sich Rauch aus seinem Haupt.

Wort für Wort
atha varṣa sahasram ca
und für ein Jahrtausend
na uchchhvasan munipuṃgavaḥ
atmete der Stier unter den Weisen nicht
tasya anuchchhvasamānasya
während er so ohne Atem war
mūrdhni dhūmo vyajāyata
erhob sich Rauch aus seinem Haupt

trai lokyam yena saṃbhrāntam ātāpitam iva abhavat | tato devarṣi gandharvāḥ pannaga uraga rākṣasāḥ || 1-65-9

Durch diesen Rauch gerieten die drei Welten in Aufruhr, gleichsam versengt; da wurden die Devarṣis, Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas

Wort für Wort
trai lokyam yena saṃbhrāntam
wodurch die drei Welten in Aufruhr gerieten
ātāpitam iva abhavat
wie versengt wurden
tato devarṣi gandharvāḥ
da die Devarṣis, Gandharvas
pannaga uraga rākṣasāḥ
Schlangenwesen und Rākṣasas

mohitā tapasā tasya tejasā maṃdaraśmayaḥ | kaśmala upahatāḥ sarve pitāmaham atha abruvan || 1-65-10

betäubt von seiner Askese, ihr Glanz wie durch seinen Glanz verdunkelt; alle, von Bestürzung ergriffen, sprachen dann zum Großvater:

Wort für Wort
mohitā tapasā tasya
betäubt von seiner Askese
tejasā maṃdaraśmayaḥ
durch seinen Glanz mit verdunkeltem Schein
kaśmala upahatāḥ sarve
alle von Bestürzung ergriffen
pitāmaham atha abruvan
sprachen dann zum Großvater

bahubhiḥ kāraṇaiḥ deva viśvāmitro mahāmuniḥ | lobhitaḥ krodhitaḥ caiva tapasā ca abhivardhate || 1-65-11

'Aus vielerlei Gründen, o Gott, ist der große Weise Viśvāmitra verlockt und erzürnt worden, und dennoch wächst er in seiner Askese immer weiter.'

Wort für Wort
bahubhiḥ kāraṇaiḥ deva
aus vielerlei Gründen, o Gott
viśvāmitro mahāmuniḥ
der große Weise Viśvāmitra
lobhitaḥ krodhitaḥ caiva
verlockt und auch erzürnt
tapasā ca abhivardhate
wächst er dennoch in seiner Askese

na hi asya vṛjinam kiṃcit dṛśyate sūkṣhmam api atha | na dīyate yadi tu asya manasā yat abhīpsitam || 1-65-12

'Kein Makel ist an ihm zu erkennen, auch nicht der geringste; doch wenn ihm nicht gegeben wird, was sein Herz begehrt,'

Wort für Wort
na hi asya vṛjinam kiṃcit
kein Makel ist an ihm
dṛśyate sūkṣhmam api atha
zu erkennen, auch nicht der geringste
na dīyate yadi tu asya
doch wenn ihm nicht gegeben wird
manasā yat abhīpsitam
was sein Herz begehrt

vināśhayati trailokyam tapasā sa cara acharam | vyākulāḥ ca diśaḥ sarvā na ca kiṃcit prakāśhate || 1-65-13

'wird er mit seiner Askese die drei Welten vernichten, das Bewegliche und das Unbewegliche. Verwirrt sind alle Himmelsrichtungen, und nichts erstrahlt mehr klar.'

Wort für Wort
vināśhayati trailokyam
er wird die drei Welten vernichten
tapasā sa cara acharam
mit Askese, das Bewegliche und Unbewegliche
vyākulāḥ ca diśaḥ sarvā
verwirrt sind alle Himmelsrichtungen
na ca kiṃcit prakāśhate
und nichts erstrahlt mehr

sāgarāḥ kṣubhitāḥ sarve viśīryante ca parvatāḥ | prakaṃpate ca vasudhā vāyuḥ vāti iha saṃkulaḥ || 1-65-14

'Alle Ozeane sind aufgewühlt, die Berge zerbröckeln, die Erde erbebt, und stürmische Winde wehen hier.'

Wort für Wort
sāgarāḥ kṣubhitāḥ sarve
alle Ozeane sind aufgewühlt
viśīryante ca parvatāḥ
und die Berge zerbröckeln
prakaṃpate ca vasudhā
und die Erde erbebt
vāyuḥ vāti iha saṃkulaḥ
stürmischer Wind weht hier

brahman napratijānīmo nāstiko jāyate janaḥ | sammūḍham iva trailokyam saṃprakṣhubhita mānasam || 1-65-15

'Brahmane, wir wissen nicht, was zu tun ist; die Menschen werden zu Ungläubigen; die drei Welten scheinen wie betäubt, ihr Geist ganz aufgewühlt.'

Wort für Wort
brahman na pratijānīmo
Brahmane, wir wissen nicht, was zu tun ist
nāstiko jāyate janaḥ
die Menschen werden zu Ungläubigen
sammūḍham iva trailokyam
die drei Welten wie betäubt
saṃprakṣhubhita mānasam
ihr Geist ganz aufgewühlt

bhāskaro niṣprabhaḥ caiva maharṣheḥ tasya tejasā | buddhim na kurute yāvat nāśhe deva mahāmuniḥ || 1-65-16

'Selbst die Sonne ist durch den Glanz dieses großen Weisen glanzlos geworden. Solange, o Gott, der große Weise nicht seinen Entschluss zur Vernichtung fasst,'

Wort für Wort
bhāskaro niṣprabhaḥ caiva
selbst die Sonne ist glanzlos geworden
maharṣheḥ tasya tejasā
durch den Glanz dieses großen Weisen
buddhim na kurute yāvat
solange er nicht den Entschluss fasst
nāśhe deva mahāmuniḥ
zur Vernichtung, o Gott, der große Weise

tāvat prasādo bhagavān agni rūpo mahādyutiḥ | kāla agninā yathā pūrvam trailokyam dahyate akhilam || 1-65-17

'solange möge deine Gnade wirken, Erhabener; sonst wird, wie einst durch das Feuer der Zeit, die gesamte Dreiweltenordnung von seiner feuerartigen, gewaltigen Glut verbrannt.'

Wort für Wort
tāvat prasādo bhagavān
solange möge deine Gnade wirken, Erhabener
agni rūpo mahādyutiḥ
der von feuerartiger, gewaltiger Glut ist
kāla agninā yathā pūrvam
wie einst durch das Feuer der Zeit
trailokyam dahyate akhilam
wird die gesamte Dreiweltenordnung verbrannt

deva rājyam cikīrṣheta dīyatām asya yat matam | tataḥ sura gaṇāḥ sarve pitāmaha purogamāḥ || 1-65-18

'Was auch immer der Gott begehrt, sei ihm gegeben, was er im Sinn hat.' Darauf gingen alle Scharen der Götter, mit dem Großvater an der Spitze,

Wort für Wort
deva rājyam cikīrṣheta
was der Gott zu vollbringen wünscht
dīyatām asya yat matam
sei ihm gegeben, was er im Sinn hat
tataḥ sura gaṇāḥ sarve
darauf alle Scharen der Götter
pitāmaha purogamāḥ
mit dem Großvater an der Spitze

viśvāmitram mahātmānam vākyam madhuram abruvan | brahmarṣe svāgatam te astu tapasā sma su toṣhitāḥ || 1-65-19

zu dem großmütigen Viśvāmitra und sprachen süße Worte: 'Brahmarṣi, willkommen sei dir! Durch deine Askese sind wir wahrlich überaus zufriedengestellt.'

Wort für Wort
viśvāmitram mahātmānam
zu dem großmütigen Viśvāmitra
vākyam madhuram abruvan
sprachen sie ein süßes Wort
brahmarṣe svāgatam te astu
Brahmarṣi, willkommen sei dir
tapasā sma su toṣhitāḥ
durch deine Askese sind wir überaus zufriedengestellt

brāhmaṇyam tapasā ugreṇa prāptavān asi kauśhika | dīrgham āyuḥ ca te brahman dadāmi sa marud gaṇaḥ || 1-65-20

'Das Brahmanentum hast du durch furchtbare Askese erlangt, Sohn Kuśikas. Langes Leben verleihe ich dir, Brahmane, ich mitsamt den Scharen der Maruts.'

Wort für Wort
brāhmaṇyam tapasā ugreṇa
das Brahmanentum durch furchtbare Askese
prāptavān asi kauśhika
hast du erlangt, Sohn Kuśikas
dīrgham āyuḥ ca te brahman
langes Leben, Brahmane, dir
dadāmi sa marud gaṇaḥ
verleihe ich, mitsamt den Scharen der Maruts

svasti prāpnuhi bhadram te gaccha sauṃya yathā sukham | pitāmaha vachaḥ śrutvā sarveṣām tridiva okasām || 1-65-21

'Empfange Heil – Heil dir! – geh, Sanfter, wie es dir beliebt.' Als er die Worte des Großvaters gehört hatte, aller Himmelsbewohner,

Wort für Wort
svasti prāpnuhi bhadram te
empfange Heil, Heil dir
gaccha sauṃya yathā sukham
geh, Sanfter, wie es dir beliebt
pitāmaha vachaḥ śrutvā
als er die Worte des Großvaters gehört hatte
sarveṣām tridiva okasām
aller Himmelsbewohner

kṛtvā praṇāmam mudito vyājahāra mahāmuniḥ | brāhmaṇyam yadi me prāptam dīrgham āyuḥ tathaiva ca || 1-65-22

verneigte sich der große Weise erfreut und sprach: 'Wenn mir das Brahmanentum zuteilgeworden ist, und ebenso langes Leben,'

Wort für Wort
kṛtvā praṇāmam mudito
sich verneigend, erfreut
vyājahāra mahāmuniḥ
sprach der große Weise
brāhmaṇyam yadi me prāptam
wenn mir das Brahmanentum zuteilgeworden ist
dīrgham āyuḥ tathaiva ca
und ebenso langes Leben

OM kāro atha vaṣaṭ kāro vedāḥ ca varayantu mām | kṣatra vedavidām śreṣṭho brahma vedavidām api || 1-65-23

'so mögen mich die Silbe OṂ, der Vaṣaṭ-Ruf und die Veden auswählen; möge ich der Beste sein unter den Vedakundigen der Kṣatriyas wie auch unter den Vedakundigen der Brahmanen.'

Wort für Wort
OM kāro atha vaṣaṭ kāro
die Silbe OṂ und der Vaṣaṭ-Ruf
vedāḥ ca varayantu mām
und die Veden mögen mich auswählen
kṣatra vedavidām śreṣṭho
der Beste unter den vedakundigen Kṣatriyas
brahma vedavidām api
auch unter den vedakundigen Brahmanen

brahma putro vasiṣṭho mām evam vadatu devatāḥ | yadi ayam paramaḥ kāmaḥ kṛto yāntu surarṣabhāḥ || 1-65-24

'Möge Vasiṣṭha, der Sohn Brahmas, mich so anerkennen, ihr Götter – wenn dieser höchste Wunsch erfüllt ist, so mögen die Stiere unter den Göttern von dannen ziehen.'

Wort für Wort
brahma putro vasiṣṭho
Vasiṣṭha, der Sohn Brahmas
mām evam vadatu devatāḥ
möge mich so anerkennen, ihr Götter
yadi ayam paramaḥ kāmaḥ kṛto
wenn dieser höchste Wunsch erfüllt ist
yāntu surarṣabhāḥ
mögen die Stiere unter den Göttern gehen

tataḥ prasādito devaiḥ vasiṣṭho japatām varaḥ | sakhyam cakāra brahmarṣiḥ evam astu iti ca abravīt || 1-65-25

Da, von den Göttern günstig gestimmt, schloss Vasiṣṭha, der Beste der Rezitierenden, Freundschaft, der Brahmarṣi, und sprach: 'So sei es.'

Wort für Wort
tataḥ prasādito devaiḥ
da, von den Göttern günstig gestimmt
vasiṣṭho japatām varaḥ
Vasiṣṭha, der Beste der Rezitierenden
sakhyam cakāra brahmarṣiḥ
schloss der Brahmarṣi Freundschaft
evam astu iti ca abravīt
und sprach: so sei es

brahmarṛṣiḥ tvam na saṃdehaḥ sarvam saṃpadyate tava | iti uktvā devatāḥ ca api sarvā jagmuḥ yathā āgatam || 1-65-26

'Ein Brahmarṣi bist du, kein Zweifel – alles gelingt dir.' So sprach er, und auch alle Götter zogen von dannen, so wie sie gekommen waren.

Wort für Wort
brahmarṛṣiḥ tvam na saṃdehaḥ
ein Brahmarṣi bist du, kein Zweifel
sarvam saṃpadyate tava
alles gelingt dir
iti uktvā devatāḥ ca api
so sprechend, auch die Götter
sarvā jagmuḥ yathā āgatam
zogen alle von dannen, wie sie gekommen waren

viśvāmitro api dharmātmā labdhvā brāhmaṇyam uttamam | pūjayāmāsa brahmarṣim vasiṣṭham japatām varam || 1-65-27

Und der rechtschaffene Viśvāmitra, nachdem er das höchste Brahmanentum erlangt hatte, erwies dem Brahmarṣi Vasiṣṭha, dem Besten der Rezitierenden, Verehrung.

Wort für Wort
viśvāmitro api dharmātmā
und der rechtschaffene Viśvāmitra
labdhvā brāhmaṇyam uttamam
nachdem er das höchste Brahmanentum erlangt hatte
pūjayāmāsa brahmarṣim
erwies Verehrung dem Brahmarṣi
vasiṣṭham japatām varam
Vasiṣṭha, dem Besten der Rezitierenden

kṛta kāmo mahīm sarvām cacāra tapasi sthitaḥ | evam tu anena brāhmaṇyam prāptam rāma mahātmanā || 1-65-28

Mit erfülltem Wunsch durchwanderte er die ganze Erde, in Askese verharrend. So also wurde von diesem Großmütigen, o Rāma, das Brahmanentum erlangt.

Wort für Wort
kṛta kāmo mahīm sarvām
mit erfülltem Wunsch die ganze Erde
cacāra tapasi sthitaḥ
durchwanderte er, in Askese verharrend
evam tu anena brāhmaṇyam
so wurde von diesem das Brahmanentum
prāptam rāma mahātmanā
erlangt, o Rāma, von dem Großmütigen

eṣha rāma muni śreṣṭha eṣha vigrahavān tapaḥ | eṣha dharmaḥ paro nityam vīryasya eṣha parāyaṇam || 1-65-29

Dieser hier, o Rāma, ist der beste der Weisen; er ist die Askese in verkörperter Gestalt; er ist der ewige höchste Dharma; er ist der Hort der Tapferkeit.

Wort für Wort
eṣha rāma muni śreṣṭha
dieser, o Rāma, ist der beste der Weisen
eṣha vigrahavān tapaḥ
er ist die verkörperte Askese
eṣha dharmaḥ paro nityam
er ist der ewige höchste Dharma
vīryasya eṣha parāyaṇam
er ist der Hort der Tapferkeit

evam uktvā mahātejā virarāma dvijottamaḥ | śatānaṃda vachaḥ śrutvā rāma lakṣhmaṇa saṃnidhau || 1-65-30

So sprach der hochenergetische, beste der Zweifachgeborenen und hielt inne. Nachdem Rāma und Lakṣmaṇa in Śatānandas Gegenwart diese Worte gehört hatten,

Wort für Wort
evam uktvā mahātejā
so sprechend, der Hochenergetische
virarāma dvijottamaḥ
hielt inne, der Beste der Zweifachgeborenen
śatānaṃda vachaḥ śrutvā
nachdem Śatānandas Worte gehört waren
rāma lakṣhmaṇa saṃnidhau
in Gegenwart von Rāma und Lakṣmaṇa

janakaḥ prāṃjaliḥ vākyam uvāca kuśikāatmajam | dhanyo asmi anugṛhīto asmi yasya me munipuṃgava || 1-65-31

sprach Janaka mit gefalteten Händen zu dem Sohn Kuśikas folgendes Wort: 'Gesegnet bin ich, begnadet bin ich, Stier unter den Weisen, dass ich –'

Wort für Wort
janakaḥ prāṃjaliḥ vākyam
Janaka mit gefalteten Händen das Wort
uvāca kuśikāatmajam
sprach zu dem Sohn Kuśikas
dhanyo asmi anugṛhīto asmi
gesegnet bin ich, begnadet bin ich
yasya me munipuṃgava
dass ich, Stier unter den Weisen

yajñam kākutstha sahitaḥ prāptavān asi kauśhika | pāvito aham tvayā brahman darśhanena mahāmune || 1-65-32

'dass du, o Sohn Kuśikas, zusammen mit Kākutstha zu meinem Opfer gekommen bist. Geläutert bin ich von dir, Brahmane, durch deinen Anblick, großer Weiser.'

Wort für Wort
yajñam kākutstha sahitaḥ
zum Opfer, zusammen mit Kākutstha
prāptavān asi kauśhika
bist du gekommen, Sohn Kuśikas
pāvito aham tvayā brahman
geläutert bin ich von dir, Brahmane
darśhanena mahāmune
durch deinen Anblick, großer Weiser

guṇā bahu vidhāḥ prāptāḥ tava saṃdarśhanāt mayā | vistareṇa ca vai brahman kīrtyamānam mahattapaḥ || 1-65-33

'Mancherlei Verdienste habe ich durch deinen Anblick erlangt. Und ausführlich, Brahmane, wurde deine große Askese von mir gehört, wie sie gerühmt wird,'

Wort für Wort
guṇā bahu vidhāḥ prāptāḥ
mancherlei Verdienste habe ich erlangt
tava saṃdarśhanāt mayā
durch deinen Anblick, von mir
vistareṇa ca vai brahman
und ausführlich, Brahmane
kīrtyamānam mahattapaḥ
deine große Askese, wie sie gerühmt wird

śrutam mayā mahātejo rāmeṇa ca mahātmanā | sadasyaiḥ prāpya ca sadaḥ śrutāḥ te bahavo guṇāḥ || 1-65-34

'von mir gehört, o Hochenergetischer, und auch von dem großmütigen Rāma; in der Versammlung, mit den Versammlungsmitgliedern, haben wir deine zahlreichen Vorzüge gehört.'

Wort für Wort
śrutam mayā mahātejo
von mir gehört, o Hochenergetischer
rāmeṇa ca mahātmanā
und von dem großmütigen Rāma
sadasyaiḥ prāpya ca sadaḥ
mit den Versammlungsmitgliedern, in der Versammlung
śrutāḥ te bahavo guṇāḥ
gehört wurden deine zahlreichen Vorzüge

aprameyam tapaḥ tubhyam aprameyam ca te balam | aprameyā guṇāḥ caiva nityam te kuśikātmaja || 1-65-35

'Unermesslich ist deine Askese, unermesslich ist deine Macht, unermesslich sind auch deine Tugenden, immerdar, Sohn Kuśikas.'

Wort für Wort
aprameyam tapaḥ tubhyam
unermesslich ist deine Askese
aprameyam ca te balam
und unermesslich deine Macht
aprameyā guṇāḥ caiva
und unermesslich auch die Tugenden
nityam te kuśikātmaja
immerdar deine, Sohn Kuśikas

tṛptiḥ āścarya bhūtānām kathānām na asti me vibho | karma kālo muni śreṣṭha lambate ravi maṇḍalam || 1-65-36

'Keine Sättigung finde ich an diesen wundersamen Erzählungen, Herr; doch die Zeit für die Riten drängt, bester der Weisen – die Sonnenscheibe neigt sich schon.'

Wort für Wort
tṛptiḥ āścarya bhūtānām kathānām
Sättigung an diesen wundersamen Erzählungen
na asti me vibho
gibt es für mich nicht, Herr
karma kālo muni śreṣṭha
doch die Zeit für die Riten, bester der Weisen
lambate ravi maṇḍalam
neigt sich die Sonnenscheibe

śvaḥ prabhāte mahātejo draṣhṭum arhasi mām punaḥ | svāgatam japatām śreṣṭha mām anujñātum arhasi || 1-65-37

'Morgen früh, o Hochenergetischer, sollst du mich wiedersehen. Willkommen, Bester der Rezitierenden – du solltest mir nun deine Erlaubnis geben.'

Wort für Wort
śvaḥ prabhāte mahātejo
morgen früh, o Hochenergetischer
draṣhṭum arhasi mām punaḥ
sollst du mich wiedersehen
svāgatam japatām śreṣṭha
willkommen, Bester der Rezitierenden
mām anujñātum arhasi
du solltest mir Erlaubnis geben

evam ukto munivaraḥ praśasya puruṣharṣabham | visasarja āśhu janakam prītam prītimān tadā || 1-65-38

So angesprochen, lobte der beste der Weisen den Stier unter den Männern und entließ, selbst erfreut, den erfreuten Janaka alsbald.

Wort für Wort
evam ukto munivaraḥ
so angesprochen, der beste der Weisen
praśasya puruṣharṣabham
den Stier unter den Männern lobend
visasarja āśhu janakam prītam
entließ er alsbald den erfreuten Janaka
prītimān tadā
selbst erfreut da

evam uktvā muni śreṣṭham vaideho mithilā adhipaḥ | pradakṣhiṇam cakāra āśhu sa upādhyāyaḥ sa bāṃdhavaḥ || 1-65-39

Nachdem er so zu dem besten der Weisen gesprochen hatte, umschritt der Herrscher von Mithilā, der Sohn Videhas, ihn eilends zu seiner Rechten, mitsamt seinem Hauspriester und seinen Verwandten.

Wort für Wort
evam uktvā muni śreṣṭham
so zu dem besten der Weisen sprechend
vaideho mithilā adhipaḥ
der Sohn Videhas, der Herrscher von Mithilā
pradakṣhiṇam cakāra āśhu
umschritt ihn eilends zu seiner Rechten
sa upādhyāyaḥ sa bāṃdhavaḥ
mitsamt Hauspriester und Verwandten

viśvāmitro api dharmātmā saha rāmaḥ sa lakṣhmaṇaḥ | svam vāsam abhicakrāma pūjyamāno maharṣibhiḥ || 1-65-40

Und der rechtschaffene Viśvāmitra, zusammen mit Rāma und Lakṣmaṇa, begab sich zu seiner eigenen Unterkunft, verehrt von den großen Weisen.

Wort für Wort
viśvāmitro api dharmātmā
und der rechtschaffene Viśvāmitra
saha rāmaḥ sa lakṣhmaṇaḥ
zusammen mit Rāma und Lakṣmaṇa
svam vāsam abhicakrāma
begab sich zu seiner eigenen Unterkunft
pūjyamāno maharṣibhiḥ
verehrt von den großen Weisen

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