Er legte für tausend Jahre ein Schweigegelübde ab, ein unübertreffliches Gelübde, und vollzog, o Rāma, eine unvergleichliche, überaus schwer zu vollbringende Askese.
pūrṇe varṣa sahasre tu kāṣṭha bhūtam mahāmunim | vighnaiḥ bahubhiḥ ādhūtam krodho na aṃtaram āviśat || 1-65-3
Als tausend Jahre vollendet waren, drang, obwohl der große Weise durch viele Hindernisse erschüttert wie ein Holzscheit geworden war, kein Zorn in sein Inneres ein.
Er, nachdem er einen festen Entschluss gefasst hatte, o Rāma, verharrte in unveränderlicher Askese; als sein tausendjähriges Gelübde, das große Gelübde, vollendet war,
Wort für Wort
saḥ kṛtvā niścayam rāma
er, nachdem er einen Entschluss gefasst hatte, o Rāma
machte er sich zu jener Zeit, bester der Raghus, daran, Speise zu sich zu nehmen. Da kam Indra, zu einem Brahmanen geworden, und bat ihn um die zubereitete Speise.
Nachdem er diesem Brahmanen entschlossen die gesamte zubereitete Speise gegeben hatte, blieb der erhabene große Asket, obwohl die Speise nun ganz aufgebraucht war, gleichsam ungespeist.
Wort für Wort
tasmaiḥ dattvā tadā siddham sarvam
nachdem er ihm die ganze zubereitete Speise gegeben hatte
viprāya niścitaḥ
dem Brahmanen, entschlossen
niḥśeṣite anne
als die Speise aufgebraucht war
bhagavān abhuktvā iva mahātapāḥ
blieb der Erhabene, der große Asket, gleichsam ungespeist
na kiṃcit avadat vipram mauna vratam upāsthitaḥ | tathā eva āsīt punaḥ maunam anuchchhvāsam cakāra ha || 1-65-7
Er sagte dem Brahmanen kein einziges Wort, da er sein Schweigegelübde einhielt; ebenso blieb er weiterhin schweigend und begann, sein Atmen einzustellen.
vināśhayati trailokyam tapasā sa cara acharam | vyākulāḥ ca diśaḥ sarvā na ca kiṃcit prakāśhate || 1-65-13
'wird er mit seiner Askese die drei Welten vernichten, das Bewegliche und das Unbewegliche. Verwirrt sind alle Himmelsrichtungen, und nichts erstrahlt mehr klar.'
bhāskaro niṣprabhaḥ caiva maharṣheḥ tasya tejasā | buddhim na kurute yāvat nāśhe deva mahāmuniḥ || 1-65-16
'Selbst die Sonne ist durch den Glanz dieses großen Weisen glanzlos geworden. Solange, o Gott, der große Weise nicht seinen Entschluss zur Vernichtung fasst,'
'solange möge deine Gnade wirken, Erhabener; sonst wird, wie einst durch das Feuer der Zeit, die gesamte Dreiweltenordnung von seiner feuerartigen, gewaltigen Glut verbrannt.'
viśvāmitram mahātmānam vākyam madhuram abruvan | brahmarṣe svāgatam te astu tapasā sma su toṣhitāḥ || 1-65-19
zu dem großmütigen Viśvāmitra und sprachen süße Worte: 'Brahmarṣi, willkommen sei dir! Durch deine Askese sind wir wahrlich überaus zufriedengestellt.'
Wort für Wort
viśvāmitram mahātmānam
zu dem großmütigen Viśvāmitra
vākyam madhuram abruvan
sprachen sie ein süßes Wort
brahmarṣe svāgatam te astu
Brahmarṣi, willkommen sei dir
tapasā sma su toṣhitāḥ
durch deine Askese sind wir überaus zufriedengestellt
OM kāro atha vaṣaṭ kāro vedāḥ ca varayantu mām | kṣatra vedavidām śreṣṭho brahma vedavidām api || 1-65-23
'so mögen mich die Silbe OṂ, der Vaṣaṭ-Ruf und die Veden auswählen; möge ich der Beste sein unter den Vedakundigen der Kṣatriyas wie auch unter den Vedakundigen der Brahmanen.'
'Möge Vasiṣṭha, der Sohn Brahmas, mich so anerkennen, ihr Götter – wenn dieser höchste Wunsch erfüllt ist, so mögen die Stiere unter den Göttern von dannen ziehen.'
Und der rechtschaffene Viśvāmitra, nachdem er das höchste Brahmanentum erlangt hatte, erwies dem Brahmarṣi Vasiṣṭha, dem Besten der Rezitierenden, Verehrung.
Dieser hier, o Rāma, ist der beste der Weisen; er ist die Askese in verkörperter Gestalt; er ist der ewige höchste Dharma; er ist der Hort der Tapferkeit.
So sprach der hochenergetische, beste der Zweifachgeborenen und hielt inne. Nachdem Rāma und Lakṣmaṇa in Śatānandas Gegenwart diese Worte gehört hatten,
'dass du, o Sohn Kuśikas, zusammen mit Kākutstha zu meinem Opfer gekommen bist. Geläutert bin ich von dir, Brahmane, durch deinen Anblick, großer Weiser.'
guṇā bahu vidhāḥ prāptāḥ tava saṃdarśhanāt mayā | vistareṇa ca vai brahman kīrtyamānam mahattapaḥ || 1-65-33
'Mancherlei Verdienste habe ich durch deinen Anblick erlangt. Und ausführlich, Brahmane, wurde deine große Askese von mir gehört, wie sie gerühmt wird,'
śrutam mayā mahātejo rāmeṇa ca mahātmanā | sadasyaiḥ prāpya ca sadaḥ śrutāḥ te bahavo guṇāḥ || 1-65-34
'von mir gehört, o Hochenergetischer, und auch von dem großmütigen Rāma; in der Versammlung, mit den Versammlungsmitgliedern, haben wir deine zahlreichen Vorzüge gehört.'
Wort für Wort
śrutam mayā mahātejo
von mir gehört, o Hochenergetischer
rāmeṇa ca mahātmanā
und von dem großmütigen Rāma
sadasyaiḥ prāpya ca sadaḥ
mit den Versammlungsmitgliedern, in der Versammlung
tṛptiḥ āścarya bhūtānām kathānām na asti me vibho | karma kālo muni śreṣṭha lambate ravi maṇḍalam || 1-65-36
'Keine Sättigung finde ich an diesen wundersamen Erzählungen, Herr; doch die Zeit für die Riten drängt, bester der Weisen – die Sonnenscheibe neigt sich schon.'
evam uktvā muni śreṣṭham vaideho mithilā adhipaḥ | pradakṣhiṇam cakāra āśhu sa upādhyāyaḥ sa bāṃdhavaḥ || 1-65-39
Nachdem er so zu dem besten der Weisen gesprochen hatte, umschritt der Herrscher von Mithilā, der Sohn Videhas, ihn eilends zu seiner Rechten, mitsamt seinem Hauspriester und seinen Verwandten.