Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 19: Viśvāmitrasya Rāma-Yācanā Viśvāmitra bittet um Rāma zum Schutz seines Opfers

tat śrutvā rājasiṃhasya vākyam adbhutavistaram | hṛṣṭaromā mahātejā viśvāmitro.abhyabhāṣata ||

Nachdem er dieses Wort des Löwen unter den Königen gehört hatte, von wunderbarer Ausführlichkeit, sprach der hochglänzende Viśvāmitra, dessen Haare sich vor Freude sträubten:

Wort für Wort
tat śrutvā vākyam
nachdem er dieses Wort gehört hatte
rājasiṃhasya adbhutavistaram
des Löwen unter den Königen, von wunderbarer Ausführlichkeit
hṛṣṭaromā mahātejāḥ
dessen Haare sich vor Freude sträubten, hochglänzend

sadṛśaṃ rājaśārdūla tavaiva bhuvi nānyataḥ | mahāvaṃśaprasūtasya vasiṣṭhavyapadeśinaḥ ||

„Würdig ist dies allein von dir, Tiger unter den Königen, und von keinem anderen auf Erden, der aus großem Geschlecht entsprossen und von Vasiṣṭha unterwiesen ist.

Wort für Wort
sadṛśam tava eva
würdig ist dies allein von dir
rājaśārdūla
o Tiger unter den Königen (Anrede)
mahāvaṃśaprasūtasya
der aus großem Geschlecht entsprossen ist
vasiṣṭhavyapadeśinaḥ
der von Vasiṣṭha unterwiesen ist

yat tu me hṛdgataṃ vākyaṃ tasya kāryasya niścayam | kuruṣva rājaśārdūla bhava satyapratiśravaḥ ||

Was aber das Wort ist, das in meinem Herzen wohnt, für jene Aufgabe fasse den Entschluss, Tiger unter den Königen, sei deinem Versprechen treu.

Wort für Wort
me hṛdgatam vākyam
das Wort, das in meinem Herzen wohnt
tasya kāryasya niścayam kuruṣva
fasse den Entschluss für jene Aufgabe
satyapratiśravaḥ bhava
sei deinem Versprechen treu

ahaṃ niyamam ātiṣṭhe siddhyartham puruṣarṣabha | tasya vighnakarau dvau tu rākṣasau kāmarūpiṇau ||

Ich befolge ein Gelübde zum Zweck der Vollendung, Stier unter den Männern; diesem bereiten zwei Rākṣasas, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln, Hindernisse,

Wort für Wort
niyamam ātiṣṭhe
ich befolge ein Gelübde
siddhyartham
zum Zweck der Vollendung
vighnakarau dvau rākṣasau
zwei Rākṣasas, die Hindernisse bereiten
kāmarūpiṇau
die nach Belieben die Gestalt wechseln

vrate me bahuśaś cīrṇe samāptyāṃ rākṣasāv imau | mārīcaś ca subāhuś ca vīryavantau suśikṣitau ||

während mein oft vollzogenes Gelübde sich der Vollendung nähert, diese beiden Rākṣasas, Mārīca und Subāhu, kraftvoll und wohlgeschult.

Wort für Wort
vrate bahuśaḥ cīrṇe
während das oft vollzogene Gelübde
samāptyām
bei der Vollendung
mārīcaḥ subāhuḥ
Mārīca und Subāhu (Namen)
vīryavantau suśikṣitau
kraftvoll, wohlgeschult

avadhūte tathā bhūte tasmin niyamaniścaye | kṛtaśramo nirutsāho tasmāt deśād apākrame ||

Als dieses Gelübde, mit solchem Entschluss unternommen, befleckt wurde, zog ich mich, meine Anstrengung verloren, mutlos, von jenem Ort zurück.

Wort für Wort
avadhūte niyamaniścaye
als das Gelübde befleckt wurde
kṛtaśramaḥ nirutsāhaḥ
meine Anstrengung verloren, mutlos
tasmāt deśāt apākrame
ich zog mich von jenem Ort zurück

na ca me krodham utsraṣṭuṃ buddhir bhavati pārthiva | tathābhūtā hi sā caryā na śāpas tatra mucyate ||

Doch kommt mir nicht der Gedanke, Zorn zu entfesseln, o Herrscher; denn so beschaffen ist jenes Gelübde, dass dort kein Fluch ausgesprochen werden darf.

Wort für Wort
na krodham utsraṣṭum buddhiḥ bhavati
es kommt mir nicht der Gedanke, Zorn zu entfesseln
tathābhūtā sā caryā
so beschaffen ist jene [Gelübde-]Übung
na śāpaḥ mucyate
kein Fluch wird ausgesprochen

svaputraṃ rājaśārdūla rāmaṃ satyaparākramam | kākapakṣadharaṃ śūraṃ jyeṣṭhaṃ me dātum arhasi ||

Deinen eigenen Sohn, Tiger unter den Königen, Rāma, von wahrhafter Tapferkeit, den mit der Jungenlocke, den tapferen, den Ältesten, sollst du mir geben.

Wort für Wort
svaputram rāmam
deinen eigenen Sohn Rāma
satyaparākramam
von wahrhafter Tapferkeit
kākapakṣadharam
der die Jungenlocke trägt
dātum arhasi
du sollst geben

śakto hi eṣa mayā guptaḥ divyena svena tejasā | rākṣasā ye vikartāraḥ teṣām api vināśane ||

Denn dieser, von mir mit meinem eigenen göttlichen Glanz beschützt, ist fähig, auch jene Rākṣasas zu vernichten, die Übeltäter sind.

Wort für Wort
śaktaḥ hi eṣaḥ
denn dieser ist fähig
mayā guptaḥ divyena tejasā
von mir mit göttlichem Glanz beschützt
rākṣasān vikartāraḥ vināśane
zur Vernichtung der übeltäterischen Rākṣasas

śreyaś ca asmai pradāsyāmi bahurūpaṃ na saṃśayaḥ | trayāṇām api lokānāṃ yena khyātiṃ gamiṣyati ||

Und ich werde ihm ein vielfältiges Wohl gewähren, ohne Zweifel, wodurch er selbst in allen drei Welten zu Ruhm gelangen wird.

Wort für Wort
śreyaḥ pradāsyāmi bahurūpam
ich werde vielfältiges Wohl gewähren
na saṃśayaḥ
ohne Zweifel
trayāṇām lokānām khyātim gamiṣyati
er wird zu Ruhm in den drei Welten gelangen

na ca tau rāmam āsādya śaktau sthātuṃ kathaṃ cana | na ca tau rāghavād anyo hantum utsahate pumān ||

Und jene beiden werden, sobald sie auf Rāma treffen, keineswegs imstande sein zu bestehen; und außer dem Nachkommen Raghus wagt kein anderer Mann, jene beiden zu töten.

Wort für Wort
tau rāmam āsādya
jene beiden, sobald sie auf Rāma treffen
na śaktau sthātum kathaṃcana
keineswegs imstande zu bestehen
rāghavāt anyaḥ na hantum utsahate
außer dem Nachkommen Raghus wagt keiner zu töten

vīryotsiktau hi tau pāpau kālapāśavaśaṃ gatau | rāmasya rājaśārdūla na paryāptau mahātmanaḥ ||

Denn jene beiden Bösen, aufgeblasen von ihrer Kraft, sind der Schlinge des Todes verfallen; dem hochgesinnten Rāma, Tiger unter den Königen, sind sie nicht gewachsen.

Wort für Wort
vīryotsiktau pāpau
die beiden Bösen, aufgeblasen von Kraft
kālapāśavaśam gatau
der Schlinge des Todes verfallen
rāmasya na paryāptau
dem Rāma nicht gewachsen

na ca putragataṃ sneham kartum arhasi pārthiva | ahaṃ te pratijānāmi hatau tau viddhi rākṣasau ||

Und nicht sollst du, o Herrscher, der Zuneigung zu deinem Sohn nachgeben; ich verspreche dir: wisse, jene beiden Rākṣasas sind schon getötet.

Wort für Wort
putragatam sneham kartum arhasi
du sollst der Zuneigung zum Sohn nachgeben
ahaṃ te pratijānāmi
ich verspreche dir
hatau tau viddhi rākṣasau
wisse, jene beiden Rākṣasas sind getötet

ahaṃ vedmi mahātmānaṃ rāmaṃ satyaparākramam | vasiṣṭho.api mahātejā ye ca ime tapasi sthitāḥ ||

Ich kenne den hochgesinnten Rāma von wahrhafter Tapferkeit, ebenso wie der hochglänzende Vasiṣṭha und diese hier, die in Askese verharren.

Wort für Wort
ahaṃ vedmi mahātmānam rāmam
ich kenne den hochgesinnten Rāma
vasiṣṭhaḥ api mahātejāḥ
auch der hochglänzende Vasiṣṭha
ye tapasi sthitāḥ
die in Askese verharren

yadi te dharmalābhaṃ tu yaśaś ca paramaṃ bhuvi | sthiram icchasi rājendra rāmaṃ me dātum arhasi ||

Wenn du, Herrscherfürst, festen Gewinn an Recht und höchsten Ruhm auf Erden begehrst, sollst du mir Rāma geben.

Wort für Wort
dharmalābham yaśaḥ paramam
Gewinn an Recht, höchster Ruhm
sthiram icchasi
du begehrst festen [Gewinn]
rāmam me dātum arhasi
du sollst mir Rāma geben

yadi abhyanujñāṃ kākutstha dadate tava mantriṇaḥ | vasiṣṭhapramukhāḥ sarve tato rāmaṃ visarjaya ||

Wenn deine Minister, mit Vasiṣṭha an der Spitze, o Nachkomme des Kakutstha, alle die Erlaubnis erteilen, dann entlasse Rāma.

Wort für Wort
kākutstha
o Nachkomme des Kakutstha (Anrede)
tava mantriṇaḥ abhyanujñām dadate
deine Minister erteilen die Erlaubnis
vasiṣṭhapramukhāḥ sarve
alle, mit Vasiṣṭha an der Spitze
rāmam visarjaya
entlasse Rāma! (Imp.)

abhipretam asaṃsaktam ātmajaṃ dātum arhasi | daśarātraṃ hi yajñasya rāmaṃ rājīvalocanam ||

Deinen eigenen, gewünschten, ungebundenen Sohn sollst du geben; denn für zehn Nächte dauert das Opfer – gib den lotusäugigen Rāma.

Wort für Wort
abhipretam asaṃsaktam ātmajam
den gewünschten, ungebundenen eigenen Sohn
daśarātram yajñasya
zehn Nächte des Opfers
rājīvalocanam
den lotusäugigen [Rāma]

na atyeti kālo yajñasya yathāyaṃ mama rāghava | tathā kuruṣva bhadraṃ te mā ca śoke manaḥ kṛthāḥ ||

Die Zeit meines Opfers, wie sie festgesetzt ist, o Nachkomme Raghus, verstreicht nicht ungenutzt; handle demgemäß, Heil dir, und richte deinen Sinn nicht auf Kummer.“

Wort für Wort
kālaḥ yajñasya na atyeti
die Zeit des Opfers verstreicht nicht [ungenutzt]
tathā kuruṣva bhadram te
handle demgemäß, Heil dir
mā śoke manaḥ kṛthāḥ
richte den Sinn nicht auf Kummer

iti evam uktvā dharmātmā dharmārthasahitaṃ vacaḥ | virarāma mahātejā viśvāmitro mahāmatiḥ ||

Nachdem er so dieses Wort gesprochen hatte, das Recht und Nutzen vereinte, verstummte der rechtschaffene, hochglänzende, hochgesinnte Viśvāmitra.

Wort für Wort
evam uktvā dharmārthasahitam vacaḥ
nachdem er dieses Recht und Nutzen vereinende Wort gesprochen hatte
virarāma
er verstummte
mahātejāḥ mahāmatiḥ
hochglänzend, hochgesinnt

sa tan niśamya rājendro viśvāmitravacaḥ śubham | śokena mahatā āviṣṭaś cacāla ca mumoha ca ||

Als der Herrscherfürst jenes heilvolle Wort Viśvāmitras vernommen hatte, ergriffen von großem Kummer, erzitterte er und wurde ohnmächtig;

Wort für Wort
tat niśamya rājendraḥ
als der Herrscherfürst dies vernommen hatte
viśvāmitravacaḥ śubham
das heilvolle Wort Viśvāmitras
śokena mahatā āviṣṭaḥ
von großem Kummer ergriffen
cacāla mumoha
er erzitterte, wurde ohnmächtig

labdhasaṃjñas tato.utthāya vyaṣīdata bhayānvitaḥ ||

wieder zu sich gekommen, erhob er sich dann und sank nieder, von Furcht erfüllt.

Wort für Wort
labdhasaṃjñaḥ
wieder zu sich gekommen
utthāya vyaṣīdata
sich erhebend, sank er nieder
bhayānvitaḥ
von Furcht erfüllt

iti hṛdayamanovidāraṇaṃ munivacanaṃ tad atīva śuśruvān | narapatir abhavan mahān mahātmā vyathitamanāḥ pracacāla ca āsanāt ||

Als er dieses das Herz und den Sinn zerreißende Wort des Weisen so über die Maßen vernommen hatte, wurde der große, hochgesinnte Herrscher der Menschen bekümmerten Sinnes und geriet ins Wanken auf seinem Sitz.

Wort für Wort
hṛdayamanovidāraṇam munivacanam
das Herz und Sinn zerreißende Wort des Weisen
atīva śuśruvān
über die Maßen vernehmend
vyathitamanāḥ
bekümmerten Sinnes
pracacāla āsanāt
er geriet ins Wanken auf seinem Sitz

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