Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa
Sarga 12: Aśvamedha-Saṃkalpaḥ
Daśaratha fasst den Entschluss zum Rossopfer
tataḥ kāle bahutithe kasmiṃścit sumanohare | vasante samanuprāpte rājño yaṣṭuṃ mano.abhavat ||
Dann, als nach langer Zeit ein gar lieblicher Frühling herangekommen war, entstand im König der Wunsch, ein Opfer darzubringen.
Wort für Wort tataḥ kāle bahutithe dann, nach langer Zeit sumanohare vasante in einem gar lieblichen Frühling samanuprāpte als herangekommen war (Loc. abs.) rājñaḥ yaṣṭum manaḥ abhavat im König entstand der Wunsch zu opfern tataḥ praṇamya śirasā taṃ vipraṃ devavarṇinam | yajñāya varayāmāsa saṃtānārthaṃ kulasya ca ||
Da verneigte er sich mit dem Haupt vor jenem Brahmanen von göttlichem Glanz und erwählte ihn für das Opfer, um der Nachkommenschaft des Geschlechts willen.
Wort für Wort praṇamya śirasā sich mit dem Haupt verneigend devavarṇinam von göttlichem Glanz/Farbe yajñāya varayāmāsa er erwählte ihn für das Opfer saṃtānārtham kulasya um der Nachkommenschaft des Geschlechts willen saṃbhārāḥ saṃbhriyantāṃ te turagaś ca vimucyatām | saravyāś ca uttare tīre yajñabhūmir vidhīyatām ||
„Die Opfergerätschaften sollen für dich zusammengetragen, das Opferpferd soll freigelassen werden; am Nordufer der Sarayū soll der Opferplatz eingerichtet werden.“
Wort für Wort saṃbhārāḥ saṃbhriyantām die Gerätschaften sollen zusammengetragen werden (Pass. Imp.) turagaḥ vimucyatām das Pferd soll freigelassen werden saravyāḥ uttare tīre am Nordufer der Sarayū yajñabhūmiḥ vidhīyatām der Opferplatz soll eingerichtet werden tato.abravīn nṛpo vākyaṃ brāhmaṇān vedapāragān | sumantra āvāhaya kṣipram ṛtvijo brahmavādinaḥ ||
Dann sprach der König dieses Wort zu den im Veda bewanderten Brahmanen: „Sumantra, rufe rasch die Opferpriester herbei, die Kenner des heiligen Wortes,
Wort für Wort nṛpaḥ abravīt vākyam der König sprach das Wort vedapāragān die den Veda durchdrungen haben āvāhaya kṣipram rufe rasch herbei! (Imp.) ṛtvijaḥ brahmavādinaḥ die Opferpriester, Verkünder des heiligen Wortes suyajñaṃ vāmadevaṃ ca jābāliṃ atha kāśyapam | purohitaṃ vasiṣṭhaṃ ca ye ca anye dvijasattamāḥ ||
Suyajña und Vāmadeva, und Jābāli, dann Kāśyapa, den Hauspriester Vasiṣṭha, und welche anderen besten der Zweifachgeborenen es sonst gibt.“
Wort für Wort suyajñam vāmadevam Suyajña, Vāmadeva (Namen) jābālim kāśyapam Jābāli, Kāśyapa (Namen) purohitam vasiṣṭham den Hauspriester Vasiṣṭha dvijasattamāḥ die besten der Zweifachgeborenen tataḥ sumantras tvaritaṃ gatvā tvaritavikramaḥ | samānayat sa tān sarvān samastān vedapāragān ||
Da ging Sumantra eilends, mit raschem Schritt, und brachte all jene, insgesamt im Veda Bewanderten, zusammen herbei.
Wort für Wort tvaritam gatvā eilends gegangen tvaritavikramaḥ raschen Schrittes samānayat er brachte zusammen (Kaus.) samastān vedapāragān alle im Veda Bewanderten tān pūjayitvā dharmātmā rājā daśarathas tadā | dharmārthasahitaṃ yuktaṃ ślakṣṇaṃ vacanam abravīt ||
Nachdem der rechtschaffene König Daśaratha sie geehrt hatte, sprach er da ein angemessenes, sanftes Wort, das Recht und Nutzen vereinte:
Wort für Wort pūjayitvā nachdem er geehrt hatte dharmātmā rājā der rechtschaffene König dharmārthasahitam yuktam Recht und Nutzen vereinend, angemessen ślakṣṇam vacanam ein sanftes Wort mama tāpyamānasya manaso putrārthaṃ nāsti vai sukham | putrārthaṃ hayamedhena yakṣye iti matir mama ||
„Meinem sich sorgenden Geist gibt es um eines Sohnes willen kein Glück; um eines Sohnes willen will ich mit dem Rossopfer opfern – das ist mein Entschluss.
Wort für Wort mama tāpyamānasya manasaḥ meinem sich sorgenden/quälenden Geist putrārtham um eines Sohnes willen nāsti sukham es gibt kein Glück hayamedhena yakṣye ich will mit dem Rossopfer opfern matiḥ mama das ist mein Entschluss tad ahaṃ yaṣṭum icchāmi hayamedhena karmaṇā | ṛṣiputraprabhāveṇa kāmān prāpsyāmi ca api aham ||
Ich möchte also mit dem Ritus des Rossopfers opfern; durch die Macht des Sehersohnes werde ich meine Wünsche erlangen.“
Wort für Wort yaṣṭum icchāmi ich möchte opfern hayamedhena karmaṇā durch den Ritus des Rossopfers ṛṣiputraprabhāveṇa durch die Macht des Sehersohnes kāmān prāpsyāmi ich werde die Wünsche erlangen (Fut.) tataḥ sādhv iti tad vākyaṃ brāhmaṇāḥ pratyapūjayan | vasiṣṭhapramukhāḥ sarve pārthivasya mukhāc cyutam ||
Da priesen die Brahmanen, mit Vasiṣṭha an der Spitze, alle jenes Wort, das aus dem Munde des Königs gekommen war, mit „Wohl gesprochen!“
Wort für Wort sādhu iti pratyapūjayan sie priesen mit ‚wohl gesprochen‘ vasiṣṭhapramukhāḥ sarve alle, mit Vasiṣṭha an der Spitze pārthivasya mukhāt cyutam aus dem Mund des Königs entfallen/gekommen ṛṣyaśṛṅgapurogāś ca pratyūcur nṛpatiṃ tadā |
Und die mit Ṛṣyaśṛṅga an der Spitze erwiderten da dem Herrscher:
Wort für Wort ṛṣyaśṛṅgapurogāḥ die mit Ṛṣyaśṛṅga an der Spitze pratyūcuḥ nṛpatim sie erwiderten dem Herrscher saṃbhārāḥ saṃbhriyantāṃ te turagaś ca vimucyatām | saravyāś ca uttare tīre yajñabhūmir vidhīyatām ||
„Die Opfergerätschaften sollen für dich zusammengetragen, das Pferd soll freigelassen werden; am Nordufer der Sarayū soll der Opferplatz eingerichtet werden.“
Wort für Wort saṃbhārāḥ saṃbhriyantām die Gerätschaften sollen zusammengetragen werden turagaḥ vimucyatām das Pferd soll freigelassen werden yajñabhūmiḥ vidhīyatām der Opferplatz soll eingerichtet werden sarvathā prāpsyase putrāṃś caturo amitavikramān | yasya te dhārmikī buddhir iyaṃ putrārtham āgatā ||
„Auf jeden Fall wirst du vier Söhne von unermesslicher Kraft erlangen, du, dessen rechtschaffener Sinn zu diesem Wunsch nach Söhnen gekommen ist.“
Wort für Wort sarvathā prāpsyase auf jeden Fall wirst du erlangen (Fut. Med.) putrān caturaḥ amitavikramān vier Söhne von unermesslicher Kraft dhārmikī buddhiḥ der rechtschaffene Sinn putrārtham āgatā zum Zweck der Söhne gekommen tataḥ prīto.abhavad rājā śrutvā tu dvijabhāṣitam | amātyān abravīd rājā harṣeṇa idaṃ śubhākṣaram ||
Da wurde der König froh, als er das Wort der Zweifachgeborenen gehört hatte; voller Freude sprach der König zu den Amtsträgern dieses heilvolle Wort:
Wort für Wort prītaḥ abhavat wurde froh śrutvā dvijabhāṣitam nachdem er das Wort der Zweifachgeborenen gehört hatte amātyān abravīt er sprach zu den Amtsträgern śubhākṣaram heilvolles Wort gurūṇāṃ vacanāc chīghraṃ saṃbhārāḥ saṃbhriyantāṃ me | samarthādhiṣṭhitaś ca aśvaḥ sa upādhyāyo vimucyatām ||
„Auf das Wort der Lehrer hin sollen für mich rasch die Gerätschaften zusammengetragen werden; das Ross soll, von einem fähigen [Wächter] begleitet, mit dem Opferlehrer freigelassen werden.“
Wort für Wort gurūṇām vacanāt auf das Wort der Lehrer hin śīghram saṃbhriyantām sie sollen rasch zusammengetragen werden samarthādhiṣṭhitaḥ aśvaḥ das von einem Fähigen begleitete Pferd sa upādhyāyaḥ vimucyatām es soll mit dem Opferlehrer freigelassen werden sarayvāś ca uttare tīre yajñabhūmir vidhīyatām | śāntayaś ca abhivartantāṃ yathā kalpaṃ yathā vidhi ||
„Am Nordufer der Sarayū soll der Opferplatz eingerichtet werden, und die Friedensriten sollen stattfinden, gemäß der Ordnung, gemäß der Vorschrift.“
Wort für Wort sarayvāḥ uttare tīre am Nordufer der Sarayū yajñabhūmiḥ vidhīyatām der Opferplatz soll eingerichtet werden śāntayaḥ abhivartantām die Friedensriten sollen stattfinden yathā kalpam yathā vidhi gemäß der Ordnung, gemäß der Vorschrift śakyaḥ kartum ayaṃ yajñaḥ sarveṇa api mahīkṣitā | na aparādho bhavet kaṣṭo yady asmin kratusattame ||
„Dieses Opfer kann von jedem beliebigen Herrscher der Erde vollzogen werden; kein schlimmer Fehler soll bei diesem besten der Opfer geschehen,
Wort für Wort śakyaḥ kartum ayaṃ yajñaḥ dieses Opfer kann vollzogen werden sarveṇa mahīkṣitā von jedem beliebigen Herrscher der Erde na aparādhaḥ bhavet kaṣṭaḥ es soll kein schlimmer Fehler geschehen kratusattame bei diesem besten der Opfer chidraṃ hi mṛgayante ete vidvāṃso brahmarākṣasāḥ | vidhihīnasya yajñasya sadyaḥ kartā vinaśyati ||
denn die kundigen Brahma-Rākṣasas suchen nach einer Lücke; der Vollzieher eines vorschriftswidrigen Opfers geht sogleich zugrunde.“
Wort für Wort chidram mṛgayante sie suchen nach einer Lücke/Schwachstelle vidvāṃsaḥ brahmarākṣasāḥ die kundigen Brahma-Rākṣasas vidhihīnasya yajñasya kartā der Vollzieher eines vorschriftswidrigen Opfers sadyaḥ vinaśyati geht sogleich zugrunde tad yathā vidhipūrvaṃ kratur eṣa samāpyate | tathā vidhānaṃ kriyatāṃ samarthāḥ karaṇeṣv iha ||
„Damit dieses Opfer vorschriftsmäßig vollendet werde, soll die Ausführung so gestaltet werden – ihr seid ja fähig in diesen Verrichtungen.“
Wort für Wort yathā vidhipūrvam samāpyate damit es vorschriftsmäßig vollendet werde vidhānam kriyatām die Ausführung soll gestaltet werden samarthāḥ karaṇeṣu fähig in den Verrichtungen tathā iti ca tataḥ sarve mantriṇaḥ pratyapūjayan | pārthivendrasya tad vākyaṃ yathājñaptam akurvata ||
„So sei es“, sprachen da alle Minister zustimmend, und sie führten das Wort des Königsfürsten so aus, wie es angeordnet war.
Wort für Wort tathā iti pratyapūjayan sie stimmten zu mit ‚so sei es‘ pārthivendrasya tad vākyam das Wort des Königsfürsten yathājñaptam akurvata sie führten es aus, wie angeordnet tato dvijās te dharmajñam astuvan pārthivarṣabham | anujñātās tataḥ sarve punar jagmur yathāgatam ||
Da priesen jene Zweifachgeborenen den rechtskundigen Stier unter den Königen; von ihm verabschiedet, gingen sie alle wieder zurück, so wie sie gekommen waren.
Wort für Wort dvijāḥ astuvan die Zweifachgeborenen priesen dharmajñam pārthivarṣabham den rechtskundigen Stier unter den Königen anujñātāḥ verabschiedet/entlassen punar jagmuḥ yathāgatam sie gingen wieder, so wie sie gekommen waren gateṣu teṣu vipreṣu mantriṇas tān narādhipaḥ | visarjayitvā svaṃ veśma praviveśa mahāmatiḥ ||
Als jene Brahmanen gegangen waren, entließ der Fürst der Menschen, der Hochgesinnte, auch seine Minister und trat in sein eigenes Haus ein.
Wort für Wort gateṣu teṣu vipreṣu als jene Brahmanen gegangen waren (Loc. abs.) mantriṇaḥ visarjayitvā nachdem er die Minister entlassen hatte svam veśma praviveśa er trat in sein eigenes Haus ein mahāmatiḥ der Hochgesinnte
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