Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 21: Vasiṣṭhasya Anunayaḥ Daśarathasya Anumatiḥ ca Vasiṣṭhas Ermahnung und Daśarathas Zustimmung

tat śrutvā vacanam tasya sneha paryākulākṣaram | samanyuḥ kauśiko vākyam prati uvāca mahīpatim ||

Als er dessen von Zuneigung überwältigte, stockende Worte gehört hatte, erwiderte der zornige Kauśika dem Herrscher der Erde diese Rede:

Wort für Wort
tat śrutvā vacanam tasya
nachdem er dessen Worte gehört hatte
sneha-paryākula-akṣaram
von Zuneigung verwirrte, stockende Silben
samanyuḥ kauśikaḥ
der zornige Kauśika (Viśvāmitra)
vākyam prati uvāca mahīpatim
erwiderte dem Herrscher der Erde die Rede

pūrvam artham prati śrutya pratijñām hātum icchasi | rāghavāṇām ayukto.ayam kulasya asya viparyayaḥ ||

„Nachdem du zuerst der Sache zugestimmt hast, willst du nun dein Versprechen brechen; dies ist dem Geschlecht der Rāghavas nicht angemessen — es wäre der Untergang dieses Hauses.

Wort für Wort
pūrvam artham prati śrutya
nachdem du zuvor der Sache zugestimmt hast
pratijñām hātum icchasi
willst du dein Versprechen aufgeben
rāghavāṇām ayuktaḥ ayam
dies ist den Rāghavas nicht angemessen
kulasya asya viparyayaḥ
es wäre der Untergang dieses Geschlechts

yad idam te kṣamam rājan gamiṣyāmi yathā āgatam | mithyā pratijñaḥ kākutstha sukhī bhava suhṛd vṛtaḥ ||

Wenn dir dies genehm ist, o König, so werde ich gehen, wie ich gekommen bin; sei glücklich, o Kākutstha, treulos in deinem Versprechen, umgeben von deinen Freunden.

Wort für Wort
yad idam te kṣamam rājan
wenn dir dies genehm ist, o König
gamiṣyāmi yathā āgatam
werde ich gehen, wie ich gekommen bin
mithyā-pratijñaḥ kākutstha
o treuloser (im Versprechen) Kākutstha
sukhī bhava suhṛd-vṛtaḥ
sei glücklich, von Freunden umgeben

tasya roṣa parītasya viśvāmitrasya dhīmataḥ | cacāla vasudhā kṛtsnā devānām ca bhayam ||

Durch den Zorn des weisen Viśvāmitra erbebte die ganze Erde, und Furcht ergriff die Götter.

Wort für Wort
tasya roṣa-parītasya
durch dessen von Zorn ergriffenen
viśvāmitrasya dhīmataḥ
des weisen Viśvāmitra
cacāla vasudhā kṛtsnā
erbebte die ganze Erde
devānām ca bhayam
und Furcht (ergriff) die Götter

trasta rūpam tu vijñāya jagatsarvam mahān ṛṣiḥ | nṛpatim suvrato dhīro vasiṣṭho vākyam abravīt ||

Als der große Weise Vasiṣṭha, fest in seinem Gelübde und besonnen, erkannte, dass die ganze Welt in Schrecken geraten war, sprach er zum König folgende Worte:

Wort für Wort
trasta-rūpam tu vijñāya
erkennend, dass (sie) in einen erschreckten Zustand geraten war
jagat sarvam mahān ṛṣiḥ
die ganze Welt, der große Weise
nṛpatim vākyam abravīt
sprach zum König die Worte
suvrataḥ dhīraḥ vasiṣṭhaḥ
der fest im Gelübde stehende, besonnene Vasiṣṭha

ikṣvākūṇām kule jātaḥ sākṣāt dharma iva aparaḥ | dhṛtimān suvrataḥ śrīmān na dharmam hātum arhasi ||

„Im Geschlecht der Ikṣvākus geboren, gleichsam ein zweiter, leibhaftiger Dharma, standhaft, fest im Gelübde und glanzvoll — du solltest nicht den Dharma preisgeben.

Wort für Wort
ikṣvākūṇām kule jātaḥ
im Geschlecht der Ikṣvākus geboren
sākṣāt dharmaḥ iva aparaḥ
wie ein zweiter, leibhaftiger Dharma
dhṛtimān suvrataḥ śrīmān
standhaft, fest im Gelübde, glanzvoll
na dharmam hātum arhasi
du solltest den Dharma nicht aufgeben

triṣu lokeṣu vikhyāto dharmātmā iti rāghava | sva dharmam pratipadyasva na adharmam voḍhum arhasi ||

In den drei Welten bist du, o Rāghava, als von rechtschaffener Seele berühmt; folge deinem eigenen Dharma und begehe nicht Unrecht.

Wort für Wort
triṣu lokeṣu vikhyātaḥ
in den drei Welten berühmt
dharmātmā iti rāghava
als 'von rechtschaffener Seele', o Rāghava
sva-dharmam pratipadyasva
folge deinem eigenen Dharma
na adharmam voḍhum arhasi
du solltest nicht Unrecht auf dich laden

prati śrutya kariṣye iti uktam vākyam akurvataḥ | iṣṭāpūrta vadho bhūyāt tasmāt rāmam visarjaya ||

Wenn du, nachdem du zugesagt hast „Ich werde es tun,“ das gegebene Wort nicht erfüllst, so wird die Frucht deiner Opfer und frommen Werke zunichte; darum entlasse Rāma.

Wort für Wort
prati śrutya kariṣye iti uktam vākyam
nachdem du zugestimmt und 'ich werde es tun' gesagt hast
akurvataḥ
wenn du es nicht ausführst
iṣṭāpūrta-vadhaḥ bhūyāt
würde die Vernichtung der Opfer- und Wohltatsverdienste eintreten
tasmāt rāmam visarjaya
darum entlasse Rāma

kṛtāstram akṛtāstram vā na evam śakṣyanti rākṣasāḥ | guptam kuiśika putreṇa jvalanena amṛtam yathā ||

Ob mit Waffen versehen oder ohne Waffen — die Rākṣasas werden ihm, der vom Sohn Kuśikas beschützt wird, nichts anhaben können, so wie das Feuer den Amṛta beschützt.

Wort für Wort
kṛtāstram akṛtāstram vā
ob mit Waffen versehen oder ohne Waffen
na evam śakṣyanti rākṣasāḥ
so werden die Rākṣasas nicht vermögen (zu schaden)
guptam kuśika-putreṇa
beschützt vom Sohn Kuśikas
jvalanena amṛtam yathā
wie das Feuer das Amṛta (beschützt)

eṣa vigrahavān dharma eṣa vīryavatām varaḥ | eṣa vidya adhiko loke tapasaḥ ca parāyaṇam ||

Er ist der verkörperte Dharma, er ist der Beste der Kraftvollen, er ist der an Wissen Überlegene in der Welt und der höchste Hort der Askese.

Wort für Wort
eṣa vigrahavān dharmaḥ
er ist der Dharma in Körpergestalt
eṣa vīryavatām varaḥ
er ist der Beste der Kraftvollen
eṣa vidyā-adhikaḥ loke
er ist der an Wissen Überlegene in der Welt
tapasaḥ ca parāyaṇam
und der höchste Hort der Askese

eṣo astrān vividhān vetti trailokye sa carācare | na enam anyaḥ pumān vetti na ca vetsyanti kecana ||

Er kennt die mannigfaltigen Waffen in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen; kein anderer Mensch kennt ihn in seiner Fülle, und niemand wird ihn je ganz kennen.

Wort für Wort
eṣaḥ astrān vividhān vetti
er kennt die mannigfaltigen Waffen
trailokye sa carācare
in den drei Welten mit dem Beweglichen und Unbeweglichen
na enam anyaḥ pumān vetti
kein anderer Mann kennt ihn
na ca vetsyanti kecana
und niemand wird ihn kennen

na devā na ṛṣayaḥ ke cit na amarā na ca rākṣasāḥ | gandharva yakṣa pravarāḥ sa kinnara mahoragāḥ ||

Weder Götter noch irgendwelche Weisen, weder Unsterbliche noch Rākṣasas, noch die Besten der Gandharvas und Yakṣas, samt den Kinnaras und großen Schlangenwesen —

Wort für Wort
na devāḥ na ṛṣayaḥ kecit
weder Götter noch irgendwelche Weisen
na amarāḥ na ca rākṣasāḥ
weder Unsterbliche noch Rākṣasas
gandharva-yakṣa-pravarāḥ
die Besten der Gandharvas und Yakṣas
sa kinnara-mahoragāḥ
samt den Kinnaras und großen Schlangenwesen

sarva astrāṇi kṛśāśvasya putrāḥ parama dhārmikāḥ | kauśikāya purā dattā yadā rājyam praśāsati ||

— denn alle Waffen wurden einst, als er noch das Königreich regierte, dem Kauśika von den höchst rechtschaffenen Söhnen Kṛśāśvas verliehen.

Wort für Wort
sarva-astrāṇi
alle Waffen
kṛśāśvasya putrāḥ parama-dhārmikāḥ
die höchst rechtschaffenen Söhne Kṛśāśvas
kauśikāya purā dattāḥ
wurden einst dem Kauśika gegeben
yadā rājyam praśāsati
als er das Reich regierte

te api putrā kṛśāśvasya prajāpati sutā sutāḥ | na eka rūpā mahāvīryā dīptimaṃto jayāvahāḥ ||

Auch diese Söhne Kṛśāśvas, Söhne der Töchter des Prajāpati, waren nicht von einer einzigen Gestalt, sondern von großer Heldenkraft, strahlend und siegbringend.

Wort für Wort
te api putrāḥ kṛśāśvasya
auch diese Söhne Kṛśāśvas
prajāpati-sutā sutāḥ
Söhne der Töchter Prajāpatis
na eka-rūpāḥ mahāvīryāḥ
nicht von einer Gestalt, von großer Heldenkraft
dīptimantaḥ jayāvahāḥ
strahlend, siegbringend

jayā ca suprabhā ca eva dakṣa kanye sumadhyame | te sūte astra śastrāṇi śatam parama bhāsvaram ||

Jayā und Suprabhā, die beiden schönhüftigen Töchter Dakṣas, gebaren hundert höchst strahlende Waffen und Geschosse.

Wort für Wort
jayā ca suprabhā ca eva
Jayā und Suprabhā
dakṣa-kanye sumadhyame
die beiden schönhüftigen Töchter Dakṣas
te sūte astra-śastrāṇi śatam
sie beide gebaren hundert Waffen und Geschosse
parama-bhāsvaram
höchst strahlend

paṃcāśatam sutān lebhe jayā labdha varā varān | vadhāyāsurasainyānām aprameyān arūpiṇaḥ ||

Jayā, die eine gute Gabe erlangt hatte, brachte fünfzig herausragende, formlose Söhne hervor, unermesslich, zur Vernichtung der Dämonenheere bestimmt.

Wort für Wort
paṃcāśatam sutān lebhe jayā
Jayā erlangte fünfzig Söhne
labdha-varā varān
die eine Gabe erlangt hatte, herausragende (Söhne)
vadhāya asura-sainyānām
zur Vernichtung der Dämonenheere
aprameyān arūpiṇaḥ
unermesslich, formlos

suprabhā ajanayat ca api putrān paṃcāśatam punaḥ | saṃhārān nāma durdharṣān durākrāmān balīyasaḥ ||

Suprabhā aber gebar wiederum fünfzig Söhne, genannt Saṃhāra, unangreifbar, unbezwingbar und überaus mächtig.

Wort für Wort
suprabhā ajanayat ca api
und Suprabhā gebar auch
putrān paṃcāśatam punaḥ
wiederum fünfzig Söhne
saṃhārān nāma
genannt Saṃhāra
durdharṣān durākrāmān balīyasaḥ
unangreifbar, unbezwingbar, überaus mächtig

tāni ca astrāṇi vetti eṣa yathāvat kuśika ātmajaḥ | apūrvāṇām ca janane śakto bhūyaḥ ca dharmavit ||

Diese Waffen kennt dieser Sohn Kuśikas genau, wie sie wirklich sind; und er ist fähig, sogar neue, noch nie dagewesene zu erschaffen, und ist zudem ein Kenner des Dharma.

Wort für Wort
tāni ca astrāṇi vetti eṣa yathāvat
und diese Waffen kennt er, wie sie wirklich sind
kuśika-ātmajaḥ
der Sohn Kuśikas
apūrvāṇām ca janane śaktaḥ
und fähig zur Erschaffung noch nie dagewesener (Waffen)
bhūyaḥ ca dharmavit
und ist zudem ein Kenner des Dharma

tena asya muni mukhyasya dharmajñasya mahātmanaḥ | na kiṃcid asti aviditam bhūtam bhavyam ca rāghava ||

Darum gibt es für diesen erhabenen Weisen, den Kenner des Dharma, den Großmütigen, nichts, was ihm unbekannt wäre, weder Vergangenes noch Zukünftiges, o Rāghava.

Wort für Wort
tena asya muni-mukhyasya
darum diesem erhabenen (ersten) Weisen
dharmajñasya mahātmanaḥ
dem Kenner des Dharma, dem Großmütigen
na kiṃcid asti aviditam
gibt es nichts Unbekanntes
bhūtam bhavyam ca rāghava
weder Vergangenes noch Zukünftiges, o Rāghava

evam vīryo mahātejā viśvāmitro mahā yaśāḥ | na rāma gamane rājan saṃśayam gantum arhasi ||

So voller Heldenkraft, von großem Glanz und großem Ruhm ist Viśvāmitra — du solltest, o König, keinen Zweifel hinsichtlich Rāmas Aufbruch hegen.

Wort für Wort
evam vīryaḥ mahātejāḥ
so voller Heldenkraft, von großem Glanz
viśvāmitraḥ mahāyaśāḥ
Viśvāmitra, von großem Ruhm
na rāma-gamane rājan
nicht hinsichtlich Rāmas Aufbruch, o König
saṃśayam gantum arhasi
solltest du in Zweifel geraten

teṣām nigrahaṇe śaktaḥ svayam ca kuśikātmajaḥ | tava putra hitārthāya tvām upetya abhi yācate ||

Der Sohn Kuśikas ist selbst fähig, jene Rākṣasas zu bezwingen; doch zum Wohl deines Sohnes ist er zu dir gekommen, um dich zu bitten.

Wort für Wort
teṣām nigrahaṇe śaktaḥ
fähig zu deren Bezwingung
svayam ca kuśika-ātmajaḥ
auch selbst der Sohn Kuśikas
tava putra-hitārthāya
zum Wohle deines Sohnes
tvām upetya abhi yācate
zu dir gekommen bittet er

iti muni vacanāt prasanna citto raghu vṛṣabhaḥ ca mumoda pārthiva agryaḥ | gamanam abhiruroca rāghavasya prathita yaśāḥ kuśika ātmajāya budhyā ||

Durch die Worte des Weisen mit heiterem Sinn erfreut, freute sich der Stier der Raghus, der erste unter den Königen; und mit Bedacht stimmte er, dessen Ruhm weithin bekannt ist, dem Aufbruch des Rāghava mit dem Sohn Kuśikas zu.

Wort für Wort
iti muni-vacanāt prasanna-cittaḥ
durch diese Worte des Weisen heiteren Sinnes
raghu-vṛṣabhaḥ ca mumoda
und der Stier der Raghus freute sich
pārthiva-agryaḥ
der erste unter den Königen
gamanam abhiruroca rāghavasya
stimmte dem Aufbruch des Rāghava zu
prathita-yaśāḥ
dessen Ruhm bekannt ist
kuśika-ātmajāya budhyā
mit dem Sohn Kuśikas, mit Bedacht

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks