Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Bālakāṇḍa

Sarga 15: Viṣṇoḥ Avatāra-Prārthanā Die Götter bitten Viṣṇu, als Rāma geboren zu werden

medhāvī tu tato dhyātvā sa kiṃcid idam uttaram | labdhasaṃjñas tataḥ taṃ tu vedajño nṛpam abravīt ||

Der Kluge aber, nachdem er ein wenig nachgedacht hatte, sprach dann diese Antwort; wieder gesammelt, sprach der Vedakundige zum König:

Wort für Wort
medhāvī dhyātvā
der Kluge, nachdem er nachgedacht hatte
labdhasaṃjñaḥ
wieder zu sich gekommen, gesammelt
vedajñaḥ nṛpam abravīt
der Vedakundige sprach zum König

iṣṭiṃ te.ahaṃ kariṣyāmi putrīyāṃ putrakāraṇāt | atharvaśirasi proktair mantraiḥ siddhāṃ vidhānataḥ ||

„Ich werde für dich das Sohnesopfer vollziehen, um eines Sohnes willen, vollendet durch die im Atharva-Śiras genannten Mantras, vorschriftsmäßig.“

Wort für Wort
iṣṭim putrīyām
das Sohnesopfer
putrakāraṇāt
um eines Sohnes willen
atharvaśirasi proktaiḥ mantraiḥ
durch die im Atharva-Śiras genannten Mantras
siddhām vidhānataḥ
vollendet, vorschriftsmäßig

tataḥ prākramata idam iṣṭiṃ tāṃ putrīyāṃ putrakāraṇāt | juhāva agnau ca tejasvī mantradṛṣṭena karmaṇā ||

Dann begann er, der Glanzvolle, jenes Sohnesopfer um eines Sohnes willen, und brachte im Feuer die Opferspende dar, mit der durch die Mantras geoffenbarten Handlung.

Wort für Wort
prākramata iṣṭim
er begann das Opfer
tejasvī
der Glanzvolle
juhāva agnau
er opferte im Feuer
mantradṛṣṭena karmaṇā
mit der durch Mantras geoffenbarten Handlung

tato devāḥ sagandharvāḥ siddhāś ca paramarṣayaḥ | bhāgapratigrahārthaṃ vai samavetā yathāvidhi ||

Da versammelten sich die Götter, mit den Gandharvas, den Siddhas und den höchsten Sehern, vorschriftsmäßig, um ihren Opferanteil zu empfangen.

Wort für Wort
devāḥ sagandharvāḥ siddhāḥ
die Götter, mit den Gandharvas, den Siddhas
paramarṣayaḥ
die höchsten Seher
bhāgapratigrahārtham
um den Opferanteil zu empfangen
samavetāḥ yathāvidhi
vorschriftsmäßig versammelt

tāḥ sametya yathānyāyaṃ tasmin sadasi devatāḥ | abruvan lokakartāraṃ brahmāṇaṃ vacanaṃ tataḥ ||

Nachdem sich diese Gottheiten in jener Versammlung vorschriftsmäßig eingefunden hatten, sprachen sie dann zu Brahmā, dem Schöpfer der Welt, dieses Wort:

Wort für Wort
sametya yathānyāyam
sich vorschriftsmäßig versammelnd
tasmin sadasi
in jener Versammlung
lokakartāram brahmāṇam
zu Brahmā, dem Schöpfer der Welt

bhagavaṃs tvatprasādena rāvaṇo nāma rākṣasaḥ | sarvān no bādhate vīryāc chāsituṃ taṃ na śaknumaḥ ||

„Ehrwürdiger, durch deine Gunst bedrängt uns alle ein Rākṣasa namens Rāvaṇa durch seine Kraft; wir vermögen ihn nicht zu bezwingen.

Wort für Wort
bhagavan
o Ehrwürdiger (Anrede)
tvatprasādena
durch deine Gunst
rāvaṇaḥ nāma rākṣasaḥ
ein Rākṣasa namens Rāvaṇa
sarvān bādhate vīryāt
bedrängt uns alle durch seine Kraft
śāsitum na śaknumaḥ
wir vermögen nicht zu bezwingen

tvayā tasmai varo dattaḥ prītena bhagavaṃs tadā | mānayantaś ca taṃ nityaṃ sarvaṃ tasya kṣamāmahe ||

Von dir wurde ihm einst, o Ehrwürdiger, wohlgesonnen, eine Gabe gewährt; und ihn stets ehrend, dulden wir alles von ihm.

Wort für Wort
tvayā varaḥ dattaḥ
von dir wurde eine Gabe gewährt
prītena
wohlgesonnen
mānayantaḥ nityam
ihn stets ehrend
sarvam kṣamāmahe
wir dulden alles

udvejayati lokāṃs trīn ucchritān dveṣṭi durmatiḥ | śakraṃ tridaśarājānaṃ pradharṣayitum icchati ||

Er ängstigt die drei erhabenen Welten, der Bösgesinnte hasst sie; Indra, den König der Dreißig Götter, will er zu bezwingen suchen.

Wort für Wort
udvejayati lokān trīn
er ängstigt die drei Welten
ucchritān dveṣṭi
er hasst die Erhabenen
durmatiḥ
der Bösgesinnte
śakram pradharṣayitum icchati
er will Indra bezwingen

ṛṣīn yakṣān sagandharvān asurān brāhmaṇāṃs tathā | atikrāmati durdharṣo varadānena mohitaḥ ||

Die Seher, die Yakṣas, die Gandharvas, die Asuras und ebenso die Brahmanen überschreitet er in Übermut, der Unbezwingbare, verblendet durch die Gabe des Segens.

Wort für Wort
ṛṣīn yakṣān gandharvān asurān brāhmaṇān
Seher, Yakṣas, Gandharvas, Asuras, Brahmanen
atikrāmati durdharṣaḥ
der Unbezwingbare überschreitet [sie in Übermut]
varadānena mohitaḥ
verblendet durch die Gabe des Segens

nainaṃ sūryaḥ pratapati pārśve vāti na mārutaḥ | calormimālī taṃ dṛṣṭvā samudro.api na kampate ||

Ihn versengt nicht einmal die Sonne, an seiner Seite weht nicht der Wind; selbst das Meer mit seiner Kette wogender Wellen erzittert nicht, wenn es ihn sieht.

Wort für Wort
na enam sūryaḥ pratapati
die Sonne versengt ihn nicht
pārśve na vāti mārutaḥ
an seiner Seite weht kein Wind
calormimālī samudraḥ
das Meer mit der Kette wogender Wellen
na kampate
es erzittert nicht

tan mahan no bhayaṃ tasmād rākṣasād ghoradarśanāt | vadhārthaṃ tasya bhagavann upāyaṃ kartum arhasi ||

Darum ist unsere große Furcht vor jenem schrecklich anzuschauenden Rākṣasa; du, Ehrwürdiger, sollst ein Mittel zu seiner Tötung ersinnen.“

Wort für Wort
mahat naḥ bhayam
unsere große Furcht
ghoradarśanāt rākṣasāt
vor dem schrecklich anzuschauenden Rākṣasa
vadhārtham upāyam kartum arhasi
du sollst ein Mittel zur Tötung ersinnen

evam uktaḥ suraiḥ sarvaiś cintayitvā tato.abravīt | hantāyaṃ viditas tasya vadhopāyo durātmanaḥ ||

So von allen Göttern angesprochen, sprach er, nachdem er nachgedacht hatte: „Der Vernichter dieses Bösgesinnten und das Mittel zu seiner Tötung ist mir bekannt.

Wort für Wort
evam uktaḥ suraiḥ sarvaiḥ
so von allen Göttern angesprochen
cintayitvā abravīt
nachdem er nachgedacht hatte, sprach er
hantā viditaḥ
der Vernichter ist bekannt
vadhopāyaḥ durātmanaḥ
das Mittel zur Tötung des Bösgesinnten

tena gandharvayakṣāṇāṃ devatānāṃ ca rakṣasām | avadhyo.asmīti vāguktā tatheti uktaṃ ca tan mayā ||

Von ihm war einst gesagt worden: ‚Von Gandharvas, Yakṣas, Göttern und Rākṣasas soll ich unverwundbar sein‘ – und ‚so sei es‘ wurde von mir dazu gesagt.

Wort für Wort
tena vāk uktā
von ihm wurde das Wort gesprochen
avadhyaḥ asmi iti
‚ich bin unverwundbar‘
gandharvayakṣāṇām devatānām rakṣasām
von Gandharvas, Yakṣas, Göttern, Rākṣasas
tathā iti uktam mayā
‚so sei es‘ wurde von mir gesagt

na akīrtayad avajñānāt tad rakṣo mānuṣāṃs tadā | tasmāt sa mānuṣād vadhyo mṛtyur nānyo.asya vidyate ||

Aus Geringschätzung nannte jener Rākṣasa da die Menschen nicht als Bedrohung; darum ist er nur von einem Menschen zu töten, kein anderer Tod ist für ihn vorgesehen.“

Wort für Wort
na akīrtayat avajñānāt
aus Geringschätzung nannte er nicht
tat rakṣaḥ mānuṣān
jener Rākṣasa die Menschen
sa mānuṣāt vadhyaḥ
er ist von einem Menschen zu töten
mṛtyuḥ na anyaḥ vidyate
kein anderer Tod ist vorhanden

etac chrutvā priyaṃ vākyaṃ brahmaṇā samudāhṛtam | devā maharṣayaḥ sarve prahṛṣṭās te abhavaṃs tadā ||

Als sie dieses angenehme, von Brahmā ausgesprochene Wort gehört hatten, wurden die Götter und alle großen Seher da hocherfreut.

Wort für Wort
etat śrutvā priyam vākyam
als sie dieses angenehme Wort gehört hatten
brahmaṇā samudāhṛtam
von Brahmā ausgesprochen
prahṛṣṭāḥ abhavan
sie wurden hocherfreut

etasminn antare viṣṇur upayāto mahādyutiḥ | śaṅkhacakragadāpāṇiḥ pītavāsā jagatpatiḥ ||

In diesem Augenblick kam Viṣṇu herbei, der hochglänzende Herr der Welt, mit Muschelhorn, Diskus und Keule in der Hand, in gelbem Gewand,

Wort für Wort
etasmin antare
in diesem Augenblick
viṣṇuḥ upayātaḥ mahādyutiḥ
Viṣṇu, der hochglänzende, kam herbei
śaṅkhacakragadāpāṇiḥ
mit Muschelhorn, Diskus, Keule in der Hand
pītavāsā jagatpatiḥ
in gelbem Gewand, der Herr der Welt

vainateyaṃ samārūhya bhāskaraṃ toyadaṃ yathā | taptahāṭakakeyūro vandyamānaḥ surottamaiḥ ||

Vinatās Sohn besteigend, wie die Sonne eine Wolke, mit Armreifen aus geglühtem Gold, von den besten Göttern verehrt.

Wort für Wort
vainateyam samārūhya
Vinatās Sohn (Garuḍa) besteigend
bhāskaram toyadam yathā
wie die Sonne eine Wolke
taptahāṭakakeyūraḥ
mit Armreifen aus geglühtem Gold
vandyamānaḥ surottamaiḥ
von den besten Göttern verehrt

brahmaṇā ca samāgamya tatra tasthau samāhitaḥ | tam abruvan surāḥ sarve samabhiṣṭūya saṃnatāḥ ||

Nachdem er zu Brahmā getreten war, stand er dort gesammelt; alle Götter, ihn preisend und sich verneigend, sprachen zu ihm:

Wort für Wort
brahmaṇā samāgamya
nachdem er zu Brahmā getreten war
tasthau samāhitaḥ
er stand gesammelt
samabhiṣṭūya saṃnatāḥ
preisend und sich verneigend

tvāṃ niyokṣyāmahe viṣṇo lokānāṃ hitakāmyayā | rājño daśarathasya tvam ayodhyādhipateḥ vibhoḥ ||

„Dich, Viṣṇu, wollen wir beauftragen, im Wunsch nach dem Wohl der Welten; du sollst des Königs Daśaratha, des mächtigen Herrschers von Ayodhyā,

Wort für Wort
tvām niyokṣyāmahe
wir wollen dich beauftragen
lokānām hitakāmyayā
im Wunsch nach dem Wohl der Welten
ayodhyādhipateḥ vibhoḥ
des mächtigen Herrschers von Ayodhyā

dharmajñasya vadānyasya maharṣisamatejasaḥ | asya bhāryāsu tisṛṣu hrīśrīkīrtyupamāsu ca ||

des Rechtskundigen, Großzügigen, an Glanz den großen Sehern gleich – bei dessen drei Gattinnen, die Scham, Glück und Ruhm gleichen,

Wort für Wort
dharmajñasya vadānyasya
des Rechtskundigen, Großzügigen
maharṣisamatejasaḥ
an Glanz den großen Sehern gleich
bhāryāsu tisṛṣu
bei den drei Gattinnen
hrīśrīkīrtyupamāsu
die Scham, Glück, Ruhm gleichen

viṣṇo putratvam āgaccha kṛtvā ātmānaṃ caturvidham | tatra tvaṃ mānuṣo bhūtvā pravṛddhaṃ lokakaṇṭakam ||

o Viṣṇu, tritt in die Sohnschaft ein, indem du dich selbst vierfach machst; dort sollst du, Mensch geworden, den mächtig angewachsenen Dorn der Welt,

Wort für Wort
putratvam āgaccha
tritt in die Sohnschaft ein
ātmānam caturvidham kṛtvā
indem du dich selbst vierfach machst
mānuṣaḥ bhūtvā
Mensch geworden
pravṛddham lokakaṇṭakam
den mächtig angewachsenen Dorn der Welt

avadhyaṃ daivataiḥ viṣṇo samare jahi rāvaṇam | sa hi devān sagandharvān siddhāṃś ca ṛṣisattamān ||

den von den Göttern unverwundbaren Rāvaṇa, o Viṣṇu, in der Schlacht erschlagen; denn er unterdrückt die Götter, die Gandharvas, die Siddhas und die besten Seher,

Wort für Wort
avadhyam daivataiḥ
von den Göttern unverwundbar
samare jahi rāvaṇam
erschlage im Kampf Rāvaṇa (Imp.)
devān gandharvān siddhān ṛṣisattamān
Götter, Gandharvas, Siddhas, beste Seher

rākṣaso rāvaṇo mūrkho vīryodrekeṇa bādhate | ṛṣayaś ca tataḥ tena gandharvā apsarasas tathā ||

der törichte Rākṣasa Rāvaṇa, durch sein übermäßiges Kraftgefühl bedrängt er sie; die Seher, und durch ihn ebenso die Gandharvas und Apsaras,

Wort für Wort
rākṣasaḥ rāvaṇaḥ mūrkhaḥ
der törichte Rākṣasa Rāvaṇa
vīryodrekeṇa bādhate
er bedrängt durch übermäßige Kraft
ṛṣayaḥ gandharvāḥ apsarasaḥ
Seher, Gandharvas, Apsaras

krīḍayanto nandanavane raudreṇa vinipātitāḥ | vadhārthaṃ vayam āyātās tasya vai munibhiḥ saha ||

die im Nandana-Hain spielten, wurden von dem Schrecklichen niedergeworfen; um seiner Tötung willen sind wir, zusammen mit den Weisen, gekommen.

Wort für Wort
krīḍayantaḥ nandanavane
im Nandana-Hain spielend
raudreṇa vinipātitāḥ
vom Schrecklichen niedergeworfen
vadhārtham āyātāḥ munibhiḥ saha
zur Tötung gekommen, mit den Weisen

siddhagandharvayakṣāś ca tataḥ tvāṃ śaraṇaṃ gatāḥ | tvaṃ gatiḥ paramā deva sarveṣāṃ naḥ parantapaḥ ||

Die Siddhas, Gandharvas und Yakṣas sind daher zu dir als Zuflucht gekommen; du bist die höchste Zuflucht für uns alle, o Gott, Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
siddhagandharvayakṣāḥ
Siddhas, Gandharvas, Yakṣas
tvām śaraṇam gatāḥ
zu dir als Zuflucht gekommen
gatiḥ paramā parantapaḥ
die höchste Zuflucht, Bezwinger der Feinde

vadhāya deva śatrūṇāṃ nṛṇāṃ loke manaḥ kuru | evaṃ stutas tu deveśo viṣṇus tridaśapuṃgavaḥ ||

Richte deinen Sinn darauf, o Gott, unsere Feinde als Mensch in der Welt zu töten.“ So gepriesen, [sprach] der Herr der Götter, Viṣṇu, der Stier unter den Dreißig Göttern,

Wort für Wort
vadhāya śatrūṇām
zur Tötung der Feinde
nṛṇām loke manaḥ kuru
richte den Sinn [darauf] in der Menschenwelt
evam stutaḥ deveśaḥ
so gepriesen, der Herr der Götter

pitāmahapurogāṃs tān sarvalokanamaskṛtaḥ | abravīt tridaśān sarvān sametān dharmasaṃhitān ||

zu jenen mit dem Großvater an der Spitze, von der ganzen Welt Verehrten; er sprach zu allen versammelten, dem Recht ergebenen Göttern:

Wort für Wort
pitāmahapurogān
mit dem Großvater [Brahmā] an der Spitze
sarvalokanamaskṛtaḥ
von der ganzen Welt Verehrte
tridaśān sametān dharmasaṃhitān
zu den versammelten, dem Recht ergebenen Göttern

bhayaṃ tyajata bhadraṃ vo hitārthaṃ yudhi rāvaṇam | sa putrapautraṃ samātyaṃ samitrajñātibāndhavam ||

„Legt die Furcht ab, Heil euch! Zu eurem Wohl werde ich Rāvaṇa im Kampf, zusammen mit Söhnen, Enkeln, Amtsträgern, Freunden, Verwandten und Angehörigen,

Wort für Wort
bhayam tyajata
legt die Furcht ab! (Imp.)
bhadram vaḥ
Heil euch
hitārtham yudhi rāvaṇam
zu eurem Wohl Rāvaṇa im Kampf
putrapautram samātyam
mit Söhnen, Enkeln, Amtsträgern

hatvā krūraṃ durādharṣaṃ devarṣīṇāṃ bhayāvaham | daśavarṣasahasrāṇi daśavarṣaśatāni ca ||

den grausamen, schwer zu bezwingenden, den Göttern und Sehern Furcht einflößenden Rāvaṇa, erschlagen; zehntausend Jahre und zehnhundert Jahre

Wort für Wort
hatvā krūram durādharṣam
nachdem ich den grausamen, schwer zu bezwingenden erschlagen habe
devarṣīṇām bhayāvaham
den Göttern und Sehern Furcht einflößend
daśavarṣasahasrāṇi daśavarṣaśatāni
zehntausend und zehnhundert Jahre

vatsyāmi mānuṣe loke pālayan pṛthivīm imām | evaṃ dattvā varaṃ devo devānāṃ viṣṇur ātmavān ||

werde ich in der Menschenwelt weilen und diese Erde beschützen.“ Nachdem er so den Göttern diese Gabe gegeben hatte, dachte der selbstbeherrschte Gott Viṣṇu

Wort für Wort
vatsyāmi mānuṣe loke
ich werde in der Menschenwelt weilen
pālayan pṛthivīm imām
diese Erde beschützend
varam dattvā devānām
nachdem er den Göttern die Gabe gegeben hatte

mānuṣe cintayāmāsa janmabhūmim athātmanaḥ | tataḥ padmapalāśākṣaḥ kṛtvā ātmānaṃ caturvidham ||

über seinen Geburtsort in der Menschenwelt nach. Dann, der Lotusblättrig-Äugige, nachdem er sich selbst vierfach gemacht hatte,

Wort für Wort
mānuṣe janmabhūmim cintayāmāsa
er dachte über den Geburtsort in der Menschenwelt nach
padmapalāśākṣaḥ
der Lotusblättrig-Äugige (Viṣṇu)
ātmānam caturvidham kṛtvā
nachdem er sich selbst vierfach gemacht hatte

pitaraṃ rocayāmāsa tadā daśarathaṃ nṛpam | tadā devarṣigandharvāḥ sarudrāḥ sāpsarogaṇāḥ ||

erwählte er sich da König Daśaratha zum Vater. Da priesen die Götter, die Seher, die Gandharvas, mit den Rudras, mit den Scharen der Apsaras,

Wort für Wort
pitaram rocayāmāsa
er erwählte sich zum Vater
daśaratham nṛpam
König Daśaratha
devarṣigandharvāḥ sarudrāḥ sāpsarogaṇāḥ
Götter, Seher, Gandharvas, mit Rudras, mit Apsaras-Scharen

stutibhir divyarūpābhis tuṣṭuvur madhusūdanam | tam uddhataṃ rāvaṇam ugratejasam |

mit himmlisch gestalteten Lobpreisungen den Madhu-Töter; im Hinblick auf jenen überheblichen Rāvaṇa von furchtbarer Kraft,

Wort für Wort
stutibhiḥ divyarūpābhiḥ
mit himmlisch gestalteten Lobpreisungen
tuṣṭuvuḥ madhusūdanam
sie priesen den Madhu-Töter [Viṣṇu]
uddhatam rāvaṇam ugratejasam
den überheblichen Rāvaṇa von furchtbarer Kraft

pravṛddhadarpaṃ tridaśeśvaravaradviṣaṃ | virāvaṇaṃ sādhutapasvikaṇṭakam | tapasvinām uddhara taṃ bhayāvaham | tam eva hatvā sa balaṃ sa bāndhavam ||

den in seinem Stolz mächtig Angewachsenen, den Verächter der Gabe des Götterherrn, den weithin Brüllenden, den Dorn für die Guten und Asketen: „Befreie die Asketen von ihm, der ihnen Furcht einflößt – indem du eben ihn samt seinem Heer und seinen Verwandten erschlägst!“

Wort für Wort
pravṛddhadarpam
in seinem Stolz mächtig angewachsen
tridaśeśvaravaradviṣam
Verächter der Gabe des Götterherrn
sādhutapasvikaṇṭakam
Dorn für die Guten und Asketen
tapasvinām uddhara
befreie die Asketen! (Imp.)
tam eva hatvā sabalam sabāndhavam
indem du eben ihn samt Heer und Verwandten erschlägst

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