Kapitel 12: Rājasūyārambhaḥ
Der Beginn des Rājasūya-Vorhabens
Nach Nāradas Bericht kann Yudhiṣṭhira nicht zur Ruhe kommen und richtet, ermutigt durch seine Ratgeber und Brüder, seinen Sinn auf das Rājasūya-Opfer. Doch der besonnene König berät sich wiederholt, bevor er handelt, und sendet schließlich einen Boten nach Dvārakā, um Kṛṣṇa um Rat zu bitten. Kṛṣṇa kommt nach Indraprastha; Yudhiṣṭhira legt ihm sein Anliegen dar und bittet um sein unparteiisches Urteil, da Freunde aus Zuneigung oder Eigennutz oft nicht die reine Wahrheit sagen.
vaiśaṃpāyana uvāca ṛṣes tad vacanaṃ śrutvā niśaśvāsa yudhiṣṭhiraḥ cintayan rājasūyāptiṃ na lebhe śarma bhārata
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er die Worte des Sehers gehört hatte, seufzte Yudhiṣṭhira; über die Erlangung des Rājasūya nachdenkend, fand er keine Ruhe, Bhārata.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ṛṣes tad vacanaṃ śrutvā niśaśvāsa yudhiṣṭhiraḥ cintayan rājasūyāptiṃ na lebhe śarma bhārata
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er die Worte des Sehers gehört hatte, seufzte Yudhiṣṭhira; über die Erlangung des Rājasūya nachdenkend, fand er keine Ruhe, Bhārata.
rājarṣīṇāṃ hi taṃ śrutvā mahimānaṃ mahātmanām yajvanāṃ karmabhiḥ puṇyair lokaprāptiṃ samīkṣya ca
Denn nachdem er von der Größe jener großherzigen Königsseher gehört und erwogen hatte, wie sie durch die heiligen Werke ihrer Opfer die himmlische Welt erlangten,
Wort für Wort
rājarṣīṇāṃ hi taṃ śrutvā mahimānaṃ mahātmanām yajvanāṃ karmabhiḥ puṇyair lokaprāptiṃ samīkṣya ca
Denn nachdem er von der Größe jener großherzigen Königsseher gehört und erwogen hatte, wie sie durch die heiligen Werke ihrer Opfer die himmlische Welt erlangten,
sa rājasūyaṃ rājendra kurūṇām ṛṣabhaḥ kratum āhartuṃ pravaṇaṃ cakre manaḥ saṃcintya so 'sakṛt
Er, der Stier der Kurus, König der Könige, richtete, nachdem er wiederholt darüber nachgedacht hatte, seinen Sinn geneigt darauf, das Rājasūya-Opfer zu vollziehen.
Wort für Wort
sa rājasūyaṃ rājendra kurūṇām ṛṣabhaḥ kratum āhartuṃ pravaṇaṃ cakre manaḥ saṃcintya so 'sakṛt
Er, der Stier der Kurus, König der Könige, richtete, nachdem er wiederholt darüber nachgedacht hatte, seinen Sinn geneigt darauf, das Rājasūya-Opfer zu vollziehen.
Die rechte Zeit für jenes Opfer hängt von der eigenen kriegerischen Machtfülle ab, bei dem die sechs Feuer durch gelübdetreue Priester mit Sāman-Gesang errichtet werden,
Die rechte Zeit für jenes Opfer hängt von der eigenen kriegerischen Machtfülle ab, bei dem die sechs Feuer durch gelübdetreue Priester mit Sāman-Gesang errichtet werden,
darvīhomān upādāya sarvān yaḥ prāpnute kratūn abhiṣekaṃ ca yajñānte sarvajit tena cocyate
und wer, nachdem er alle Löffel-Opfer dargebracht hat, alle Vorbereitungsriten erlangt, sowie am Ende des Opfers die Salbung, der wird dadurch 'Allbezwinger' genannt.
Wort für Wort
darvīhomān upādāya sarvān yaḥ prāpnute kratūn abhiṣekaṃ ca yajñānte sarvajit tena cocyate
und wer, nachdem er alle Löffel-Opfer dargebracht hat, alle Vorbereitungsriten erlangt, sowie am Ende des Opfers die Salbung, der wird dadurch 'Allbezwinger' genannt.
ity evaṃ suhṛdaḥ sarve pṛthak ca saha cābruvan sa dharmyaṃ pāṇḍavas teṣāṃ vacaḥ śrutvā viśāṃ pate dhṛṣṭam iṣṭaṃ variṣṭhaṃ ca jagrāha manasārihā
So sprachen alle Freunde, einzeln und gemeinsam; und der Pāṇḍava, nachdem er ihr rechtschaffenes Wort gehört hatte, o Herr der Untertanen, nahm es sich, der Feindebezwinger, kühn, willkommen und vortrefflich zu Herzen.
Wort für Wort
ity evaṃ suhṛdaḥ sarve pṛthak ca saha cābruvan sa dharmyaṃ pāṇḍavas teṣāṃ vacaḥ śrutvā viśāṃ pate dhṛṣṭam iṣṭaṃ variṣṭhaṃ ca jagrāha manasārihā
So sprachen alle Freunde, einzeln und gemeinsam; und der Pāṇḍava, nachdem er ihr rechtschaffenes Wort gehört hatte, o Herr der Untertanen, nahm es sich, der Feindebezwinger, kühn, willkommen und vortrefflich zu Herzen.
śrutvā suhṛdvacas tac ca jānaṃś cāpy ātmanaḥ kṣamam punaḥ punar mano dadhre rājasūyāya bhārata
Nachdem er das Wort seiner Freunde gehört hatte und auch wusste, was ihm selbst gemäß war, richtete er wieder und wieder seinen Sinn auf das Rājasūya, Bhārata.
Wort für Wort
śrutvā suhṛdvacas tac ca jānaṃś cāpy ātmanaḥ kṣamam punaḥ punar mano dadhre rājasūyāya bhārata
Nachdem er das Wort seiner Freunde gehört hatte und auch wusste, was ihm selbst gemäß war, richtete er wieder und wieder seinen Sinn auf das Rājasūya, Bhārata.
sa bhrātṛbhiḥ punar dhīmān ṛtvigbhiś ca mahātmabhiḥ dhaumyadvaipāyanādyaiś ca mantrayām āsa mantribhiḥ
Der Kluge beriet sich wiederum mit seinen Brüdern, mit den großherzigen Opferpriestern - Dhaumya, Dvaipāyana und den übrigen - und mit seinen Ratgebern.
Wort für Wort
sa bhrātṛbhiḥ punar dhīmān ṛtvigbhiś ca mahātmabhiḥ dhaumyadvaipāyanādyaiś ca mantrayām āsa mantribhiḥ
Der Kluge beriet sich wiederum mit seinen Brüdern, mit den großherzigen Opferpriestern - Dhaumya, Dvaipāyana und den übrigen - und mit seinen Ratgebern.
Yudhiṣṭhira sprach: Dieser mein Wunsch nach dem Rājasūya, dem eines Großkönigs würdigen guten Opfer, den ich hege und ausspreche - wie könnte er sich erfüllen?
Yudhiṣṭhira sprach: Dieser mein Wunsch nach dem Rājasūya, dem eines Großkönigs würdigen guten Opfer, den ich hege und ausspreche - wie könnte er sich erfüllen?
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktās tu te tena rājñā rājīvalocana idam ūcur vacaḥ kāle dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram arhas tvam asi dharmajña rājasūyaṃ mahākratum
Vaiśampāyana sprach: So von jenem König mit den Lotosaugen angesprochen, sagten sie zur rechten Zeit dieses Wort zum rechtschaffenen Yudhiṣṭhira: 'Du bist würdig, Kenner des Dharma, das große Rājasūya-Opfer zu vollziehen.'
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktās tu te tena rājñā rājīvalocana idam ūcur vacaḥ kāle dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram arhas tvam asi dharmajña rājasūyaṃ mahākratum
Vaiśampāyana sprach: So von jenem König mit den Lotosaugen angesprochen, sagten sie zur rechten Zeit dieses Wort zum rechtschaffenen Yudhiṣṭhira: 'Du bist würdig, Kenner des Dharma, das große Rājasūya-Opfer zu vollziehen.'
sāmarthyayogaṃ saṃprekṣya deśakālau vyayāgamau vimṛśya samyak ca dhiyā kurvan prājño na sīdati
Wer, nachdem er das Vorhandensein der Fähigkeit erwogen hat, Ort und Zeit sowie Ausgaben und Einnahmen wohlbedacht mit Verstand erwägt und danach handelt, der Weise, der geht nicht zugrunde.
Wort für Wort
sāmarthyayogaṃ saṃprekṣya deśakālau vyayāgamau vimṛśya samyak ca dhiyā kurvan prājño na sīdati
Wer, nachdem er das Vorhandensein der Fähigkeit erwogen hat, Ort und Zeit sowie Ausgaben und Einnahmen wohlbedacht mit Verstand erwägt und danach handelt, der Weise, der geht nicht zugrunde.
Der Pāṇḍava urteilte über den Unermesslichen, Starkarmigen - aus eigenem Willen geboren, doch der unter den Menschen Ungeborene - aufgrund seiner gottgleichen Taten.
Der Pāṇḍava urteilte über den Unermesslichen, Starkarmigen - aus eigenem Willen geboren, doch der unter den Menschen Ungeborene - aufgrund seiner gottgleichen Taten.
[Anm.: Gemeint ist Kṛṣṇas paradoxe Natur als Avatāra - aus freiem Willen (nicht aus Karma) geboren, in Wahrheit aber der ewig Ungeborene.]
sa tu tāṃ naiṣṭhikīṃ buddhiṃ kṛtvā pārtho yudhiṣṭhiraḥ guruvad bhūtagurave prāhiṇod dūtam añjasā
Nachdem der Pārtha Yudhiṣṭhira diesen festen Entschluss gefasst hatte, sandte er alsbald einen Boten zu ihm, dem Lehrer aller Wesen, wie zu einem eigenen Lehrer.
Wort für Wort
sa tu tāṃ naiṣṭhikīṃ buddhiṃ kṛtvā pārtho yudhiṣṭhiraḥ guruvad bhūtagurave prāhiṇod dūtam añjasā
Nachdem der Pārtha Yudhiṣṭhira diesen festen Entschluss gefasst hatte, sandte er alsbald einen Boten zu ihm, dem Lehrer aller Wesen, wie zu einem eigenen Lehrer.
Da der Pārtha ihn zu sehen wünschte, begab sich der Unfehlbare, ebenfalls von dem Wunsch beseelt, ihn zu sehen, zusammen mit Indrasena nach Indraprastha.
Da der Pārtha ihn zu sehen wünschte, begab sich der Unfehlbare, ebenfalls von dem Wunsch beseelt, ihn zu sehen, zusammen mit Indrasena nach Indraprastha.
Nachdem er sich an schönem Ort ausgeruht hatte, frei von Sorgen und wohlauf, den Unfehlbaren, trat der Rechtskönig zu ihm und teilte ihm sein Anliegen mit:
Nachdem er sich an schönem Ort ausgeruht hatte, frei von Sorgen und wohlauf, den Unfehlbaren, trat der Rechtskönig zu ihm und teilte ihm sein Anliegen mit:
yudhiṣṭhira uvāca prārthito rājasūyo me na cāsau kevalepsayā prāpyate yena tat te ha viditaṃ kṛṣṇa sarvaśaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: Ich begehre das Rājasūya; doch es ist nicht durch bloßes Wünschen zu erlangen - wodurch es zu erlangen ist, das ist dir, Kṛṣṇa, in allem bekannt.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca prārthito rājasūyo me na cāsau kevalepsayā prāpyate yena tat te ha viditaṃ kṛṣṇa sarvaśaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: Ich begehre das Rājasūya; doch es ist nicht durch bloßes Wünschen zu erlangen - wodurch es zu erlangen ist, das ist dir, Kṛṣṇa, in allem bekannt.
taṃ rājasūyaṃ suhṛdaḥ kāryam āhuḥ sametya me tatra me niścitatamaṃ tava kṛṣṇa girā bhavet
Jenes Rājasūya erklären meine Freunde, gemeinsam, für mich als angemessen; doch für mich wird die endgültige Gewissheit erst durch dein Wort, Kṛṣṇa, entstehen.
Wort für Wort
taṃ rājasūyaṃ suhṛdaḥ kāryam āhuḥ sametya me tatra me niścitatamaṃ tava kṛṣṇa girā bhavet
Jenes Rājasūya erklären meine Freunde, gemeinsam, für mich als angemessen; doch für mich wird die endgültige Gewissheit erst durch dein Wort, Kṛṣṇa, entstehen.
priyam eva parīpsante ke cid ātmani yad dhitam evaṃprāyāś ca dṛśyante janavādāḥ prayojane
manche trachten nur nach dem, was ihnen selbst zuträglich ist und angenehm - so pflegen sich meist die Meinungen der Menschen zu zeigen, wenn es um ihr eigenes Interesse geht.
Wort für Wort
priyam eva parīpsante ke cid ātmani yad dhitam evaṃprāyāś ca dṛśyante janavādāḥ prayojane
manche trachten nur nach dem, was ihnen selbst zuträglich ist und angenehm - so pflegen sich meist die Meinungen der Menschen zu zeigen, wenn es um ihr eigenes Interesse geht.
tvaṃ tu hetūn atītyaitān kāmakrodhau vyatītya ca paramaṃ naḥ kṣamaṃ loke yathāvad vaktum arhasi
Du aber, der du über diese Beweggründe erhaben bist und Begierde und Zorn überwunden hast, du allein bist würdig, uns zu sagen, was in der Welt wahrhaft das Beste und Angemessene für uns ist.
Wort für Wort
tvaṃ tu hetūn atītyaitān kāmakrodhau vyatītya ca paramaṃ naḥ kṣamaṃ loke yathāvad vaktum arhasi
Du aber, der du über diese Beweggründe erhaben bist und Begierde und Zorn überwunden hast, du allein bist würdig, uns zu sagen, was in der Welt wahrhaft das Beste und Angemessene für uns ist.