Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sabhāparva

Kapitel 16: Jarāsaṃdhajanma Die Geburt des Jarāsandha

Kṛṣṇa legt dar, warum ein offener Kampf gegen Jarāsandha unklug wäre und stattdessen ein unerkanntes Eindringen ins feindliche Haus nötig sei, um dessen 'Schwachstelle' zu treffen. Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wer Jarāsandha überhaupt sei, erzählt Kṛṣṇa dessen wunderbare Geburtsgeschichte: König Bṛhadratha von Magadha, kinderlos trotz zweier Gattinnen, erhält vom Weisen Caṇḍakauśika eine Mango, die - geteilt und von beiden Königinnen gegessen - je eine unvollständige Körperhälfte zur Welt bringt. Die ausgesetzten Hälften werden von der menschenfressenden Rākṣasī Jarā zufällig zusammengefügt, wodurch ein vollständiger, diamantharter Knabe entsteht - daher der Name Jarāsandha ('von Jarā zusammengefügt'). Jarā selbst bringt das Kind, das sie nicht zu entführen vermag, zum König zurück.

vāsudeva uvāca jātasya bhārate vaṃśe tathā kuntyāḥ sutasya ca yā vai yuktā matiḥ seyam arjunena pradarśitā

Vāsudeva sprach: Die Gesinnung, die einem im Bhārata-Geschlecht Geborenen und einem Sohn der Kuntī geziemt, eben diese hat Arjuna gezeigt.

Wort für Wort
vāsudeva uvāca jātasya bhārate vaṃśe tathā kuntyāḥ sutasya ca yā vai yuktā matiḥ seyam arjunena pradarśitā
Vāsudeva sprach: Die Gesinnung, die einem im Bhārata-Geschlecht Geborenen und einem Sohn der Kuntī geziemt, eben diese hat Arjuna gezeigt.

na mṛtyoḥ samayaṃ vidma rātrau vā yadi vā divā na cāpi kaṃ cid amaram ayuddhenāpi śuśrumaḥ

Wir kennen nicht den Zeitpunkt des Todes, sei es nachts oder tags; und wir haben auch von niemandem gehört, der ohne zu kämpfen unsterblich geblieben wäre.

Wort für Wort
na mṛtyoḥ samayaṃ vidma rātrau vā yadi vā divā na cāpi kaṃ cid amaram ayuddhenāpi śuśrumaḥ
Wir kennen nicht den Zeitpunkt des Todes, sei es nachts oder tags; und wir haben auch von niemandem gehört, der ohne zu kämpfen unsterblich geblieben wäre.

etāvad eva puruṣaiḥ kāryaṃ hṛdayatoṣaṇam nayena vidhidṛṣṭena yad upakramate parān

So viel nur ist den Menschen zu tun, was das Herz befriedigt: dass man, mit der von der Ordnung vorgesehenen Klugheit, gegen die Feinde vorgeht.

Wort für Wort
etāvad eva puruṣaiḥ kāryaṃ hṛdayatoṣaṇam nayena vidhidṛṣṭena yad upakramate parān
So viel nur ist den Menschen zu tun, was das Herz befriedigt: dass man, mit der von der Ordnung vorgesehenen Klugheit, gegen die Feinde vorgeht.

sunayasyānapāyasya saṃyuge paramaḥ kramaḥ saṃśayo jāyate sāmye sāmyaṃ ca na bhaved dvayoḥ

Der höchste Weg guter, untrüglicher Politik zeigt sich im Kampf; bei Gleichheit der Kräfte entsteht Ungewissheit, doch völlige Gleichheit zwischen zweien gibt es eigentlich nicht.

Wort für Wort
sunayasyānapāyasya saṃyuge paramaḥ kramaḥ saṃśayo jāyate sāmye sāmyaṃ ca na bhaved dvayoḥ
Der höchste Weg guter, untrüglicher Politik zeigt sich im Kampf; bei Gleichheit der Kräfte entsteht Ungewissheit, doch völlige Gleichheit zwischen zweien gibt es eigentlich nicht.

te vayaṃ nayam āsthāya śatrudehasamīpagāḥ katham antaṃ na gacchema vṛkṣasyeva nadīrayāḥ pararandhre parākrāntāḥ svarandhrāvaraṇe sthitāḥ

Wenn wir, kluger Politik folgend, uns dem Leib des Feindes nähern, wie sollten wir da nicht sein Ende herbeiführen, gleich wie die Strömung des Flusses das Ende eines Baumes bewirkt - kühn vorgehend gegen seine Schwachstelle, während wir unsere eigene Schwachstelle wohl beschirmt halten?

Wort für Wort
te vayaṃ nayam āsthāya śatrudehasamīpagāḥ katham antaṃ na gacchema vṛkṣasyeva nadīrayāḥ pararandhre parākrāntāḥ svarandhrāvaraṇe sthitāḥ
Wenn wir, kluger Politik folgend, uns dem Leib des Feindes nähern, wie sollten wir da nicht sein Ende herbeiführen, gleich wie die Strömung des Flusses das Ende eines Baumes bewirkt - kühn vorgehend gegen seine Schwachstelle, während wir unsere eigene Schwachstelle wohl beschirmt halten?

vyūḍhānīkair anubalair nopeyād balavattaram iti buddhimatāṃ nītis tan mamāpīha rocate

Mit aufgestellten Heeresreihen und Hilfstruppen solle man sich nicht einem Stärkeren nähern - das ist die Politik der Klugen, und auch mir gefällt sie hier.

Wort für Wort
vyūḍhānīkair anubalair nopeyād balavattaram iti buddhimatāṃ nītis tan mamāpīha rocate
Mit aufgestellten Heeresreihen und Hilfstruppen solle man sich nicht einem Stärkeren nähern - das ist die Politik der Klugen, und auch mir gefällt sie hier.

anavadyā hy asaṃbuddhāḥ praviṣṭāḥ śatrusadma tat śatrudeham upākramya taṃ kāmaṃ prāpnuyāmahe

Untadelig, unerkannt, in jenes Haus des Feindes eingetreten, könnten wir, uns dem Leib des Feindes nähernd, jenen Wunsch erlangen.

Wort für Wort
anavadyā hy asaṃbuddhāḥ praviṣṭāḥ śatrusadma tat śatrudeham upākramya taṃ kāmaṃ prāpnuyāmahe
Untadelig, unerkannt, in jenes Haus des Feindes eingetreten, könnten wir, uns dem Leib des Feindes nähernd, jenen Wunsch erlangen.

eko hy eva śriyaṃ nityaṃ bibharti puruṣarṣabha antarātmeva bhūtānāṃ tatkṣaye vai balakṣayaḥ

Denn einer allein trägt beständig den Glanz, Stier unter den Männern, wie der innere Selbst-Geist die Wesen beseelt; mit dessen Untergang geht auch der Untergang der gesamten Macht einher.

Wort für Wort
eko hy eva śriyaṃ nityaṃ bibharti puruṣarṣabha antarātmeva bhūtānāṃ tatkṣaye vai balakṣayaḥ
Denn einer allein trägt beständig den Glanz, Stier unter den Männern, wie der innere Selbst-Geist die Wesen beseelt; mit dessen Untergang geht auch der Untergang der gesamten Macht einher.

atha cet taṃ nihatyājau śeṣeṇābhisamāgatāḥ prāpnuyāma tataḥ svargaṃ jñātitrāṇaparāyaṇāḥ

Wenn wir ihn aber im Kampf erschlagen und, mit dem Übrigen zusammentreffend, siegen, dann werden wir, dem Schutz der Verwandten hingegeben, den Himmel erlangen.

Wort für Wort
atha cet taṃ nihatyājau śeṣeṇābhisamāgatāḥ prāpnuyāma tataḥ svargaṃ jñātitrāṇaparāyaṇāḥ
Wenn wir ihn aber im Kampf erschlagen und, mit dem Übrigen zusammentreffend, siegen, dann werden wir, dem Schutz der Verwandten hingegeben, den Himmel erlangen.

yudhiṣṭhira uvāca kṛṣṇa ko 'yaṃ jarāsaṃdhaḥ kiṃvīryaḥ kiṃparākramaḥ yas tvāṃ spṛṣṭvāgnisadṛśaṃ na dagdhaḥ śalabho yathā

Yudhiṣṭhira sprach: Kṛṣṇa, wer ist dieser Jarāsandha, von welcher Tapferkeit, von welcher Kühnheit, der, obwohl er dich, den Feuergleichen, berührt hat, nicht verbrannt wurde wie eine Motte?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kṛṣṇa ko 'yaṃ jarāsaṃdhaḥ kiṃvīryaḥ kiṃparākramaḥ yas tvāṃ spṛṣṭvāgnisadṛśaṃ na dagdhaḥ śalabho yathā
Yudhiṣṭhira sprach: Kṛṣṇa, wer ist dieser Jarāsandha, von welcher Tapferkeit, von welcher Kühnheit, der, obwohl er dich, den Feuergleichen, berührt hat, nicht verbrannt wurde wie eine Motte?

kṛṣṇa uvāca śṛṇu rājañ jarāsaṃdho yadvīryo yatparākramaḥ yathā copekṣito 'smābhir bahuśaḥ kṛtavipriyaḥ

Kṛṣṇa sprach: Höre, o König, von welcher Tapferkeit und Kühnheit Jarāsandha ist, und wie wir ihn, obwohl er uns oft Leid zugefügt hat, verschont haben.

Wort für Wort
kṛṣṇa uvāca śṛṇu rājañ jarāsaṃdho yadvīryo yatparākramaḥ yathā copekṣito 'smābhir bahuśaḥ kṛtavipriyaḥ
Kṛṣṇa sprach: Höre, o König, von welcher Tapferkeit und Kühnheit Jarāsandha ist, und wie wir ihn, obwohl er uns oft Leid zugefügt hat, verschont haben.

akṣauhiṇīnāṃ tisṛṇām āsīt samaradarpitaḥ rājā bṛhadratho nāma magadhādhipatiḥ patiḥ

Es gab einen Herrscher dreier Akṣauhiṇīs, kampfesstolz, einen König namens Bṛhadratha, den Herrn der Magadhas.

Wort für Wort
akṣauhiṇīnāṃ tisṛṇām āsīt samaradarpitaḥ rājā bṛhadratho nāma magadhādhipatiḥ patiḥ
Es gab einen Herrscher dreier Akṣauhiṇīs, kampfesstolz, einen König namens Bṛhadratha, den Herrn der Magadhas.

rūpavān vīryasaṃpannaḥ śrīmān atulavikramaḥ nityaṃ dīkṣākṛśatanuḥ śatakratur ivāparaḥ

Schön von Gestalt, mit Tapferkeit begabt, glanzvoll, von unvergleichlicher Kühnheit, stets durch Weihe-Askese von schlankem Leib, wie ein zweiter Śatakratu,

Wort für Wort
rūpavān vīryasaṃpannaḥ śrīmān atulavikramaḥ nityaṃ dīkṣākṛśatanuḥ śatakratur ivāparaḥ
Schön von Gestalt, mit Tapferkeit begabt, glanzvoll, von unvergleichlicher Kühnheit, stets durch Weihe-Askese von schlankem Leib, wie ein zweiter Śatakratu,

tejasā sūryasadṛśaḥ kṣamayā pṛthivīsamaḥ yamāntakasamaḥ kope śriyā vaiśravaṇopamaḥ

an Glanz der Sonne gleich, an Geduld der Erde gleich, im Zorn dem Yama-Antaka gleich, an Herrlichkeit dem Vaiśravaṇa gleich.

Wort für Wort
tejasā sūryasadṛśaḥ kṣamayā pṛthivīsamaḥ yamāntakasamaḥ kope śriyā vaiśravaṇopamaḥ
an Glanz der Sonne gleich, an Geduld der Erde gleich, im Zorn dem Yama-Antaka gleich, an Herrlichkeit dem Vaiśravaṇa gleich.

tasyābhijanasaṃyuktair guṇair bharatasattama vyāpteyaṃ pṛthivī sarvā sūryasyeva gabhastibhiḥ

Von seinen mit edler Abkunft verbundenen Vorzügen, Bester der Bharatas, war diese ganze Erde durchdrungen, wie von den Strahlen der Sonne.

Wort für Wort
tasyābhijanasaṃyuktair guṇair bharatasattama vyāpteyaṃ pṛthivī sarvā sūryasyeva gabhastibhiḥ
Von seinen mit edler Abkunft verbundenen Vorzügen, Bester der Bharatas, war diese ganze Erde durchdrungen, wie von den Strahlen der Sonne.

sa kāśirājasya sute yamaje bharatarṣabha upayeme mahāvīryo rūpadraviṇasaṃmate

Er, der Hochtapfere, heiratete die beiden Zwillingstöchter des Kāśi-Königs, angesehen wegen ihrer Schönheit und ihres Reichtums, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
sa kāśirājasya sute yamaje bharatarṣabha upayeme mahāvīryo rūpadraviṇasaṃmate
Er, der Hochtapfere, heiratete die beiden Zwillingstöchter des Kāśi-Königs, angesehen wegen ihrer Schönheit und ihres Reichtums, Stier der Bharatas.

tayoś cakāra samayaṃ mithaḥ sa puruṣarṣabhaḥ nātivartiṣya ity evaṃ patnībhyāṃ saṃnidhau tadā

Er, der Stier unter den Männern, schloss mit ihnen beiden einen gegenseitigen Pakt: 'Ich werde keine übervorteilen' - so in Gegenwart beider Gattinnen damals.

Wort für Wort
tayoś cakāra samayaṃ mithaḥ sa puruṣarṣabhaḥ nātivartiṣya ity evaṃ patnībhyāṃ saṃnidhau tadā
Er, der Stier unter den Männern, schloss mit ihnen beiden einen gegenseitigen Pakt: 'Ich werde keine übervorteilen' - so in Gegenwart beider Gattinnen damals.

sa tābhyāṃ śuśubhe rājā patnībhyāṃ manujādhipa priyābhyām anurūpābhyāṃ kareṇubhyām iva dvipaḥ

Mit jenen beiden lieben, ihm ebenbürtigen Gattinnen erstrahlte der König, Herrscher der Menschen, wie ein Elefant mit seinen beiden Elefantenkühen.

Wort für Wort
sa tābhyāṃ śuśubhe rājā patnībhyāṃ manujādhipa priyābhyām anurūpābhyāṃ kareṇubhyām iva dvipaḥ
Mit jenen beiden lieben, ihm ebenbürtigen Gattinnen erstrahlte der König, Herrscher der Menschen, wie ein Elefant mit seinen beiden Elefantenkühen.

tayor madhyagataś cāpi rarāja vasudhādhipaḥ gaṅgāyamunayor madhye mūrtimān iva sāgaraḥ

Und zwischen ihnen beiden thronend erstrahlte der Herr der Erde, wie das verkörperte Meer zwischen Gaṅgā und Yamunā.

Wort für Wort
tayor madhyagataś cāpi rarāja vasudhādhipaḥ gaṅgāyamunayor madhye mūrtimān iva sāgaraḥ
Und zwischen ihnen beiden thronend erstrahlte der Herr der Erde, wie das verkörperte Meer zwischen Gaṅgā und Yamunā.

viṣayeṣu nimagnasya tasya yauvanam atyagāt na ca vaṃśakaraḥ putras tasyājāyata kaś cana

Während er in Sinnesgenüssen versunken war, verging seine Jugend, doch kein Sohn, der das Geschlecht fortsetzen könnte, wurde ihm geboren.

Wort für Wort
viṣayeṣu nimagnasya tasya yauvanam atyagāt na ca vaṃśakaraḥ putras tasyājāyata kaś cana
Während er in Sinnesgenüssen versunken war, verging seine Jugend, doch kein Sohn, der das Geschlecht fortsetzen könnte, wurde ihm geboren.

maṅgalair bahubhir homaiḥ putrakāmābhir iṣṭibhiḥ nāsasāda nṛpaśreṣṭhaḥ putraṃ kulavivardhanam

Trotz vieler Segensriten, Feueropfer und auf Sohnwunsch gerichteter Opfer erlangte der beste der Könige keinen Sohn, der das Geschlecht mehren würde.

Wort für Wort
maṅgalair bahubhir homaiḥ putrakāmābhir iṣṭibhiḥ nāsasāda nṛpaśreṣṭhaḥ putraṃ kulavivardhanam
Trotz vieler Segensriten, Feueropfer und auf Sohnwunsch gerichteter Opfer erlangte der beste der Könige keinen Sohn, der das Geschlecht mehren würde.

atha kākṣīvataḥ putraṃ gautamasya mahātmanaḥ śuśrāva tapasi śrāntam udāraṃ caṇḍakauśikam

Da hörte er von dem in Askese ermüdeten, edlen Caṇḍakauśika, dem Sohn des Kakṣīvat aus dem Geschlecht des großherzigen Gautama.

Wort für Wort
atha kākṣīvataḥ putraṃ gautamasya mahātmanaḥ śuśrāva tapasi śrāntam udāraṃ caṇḍakauśikam
Da hörte er von dem in Askese ermüdeten, edlen Caṇḍakauśika, dem Sohn des Kakṣīvat aus dem Geschlecht des großherzigen Gautama.

[?: Die genaue genealogische Zuordnung Caṇḍakauśikas zu Kakṣīvat und Gautama ist im Text knapp und nicht ganz eindeutig.]

yadṛcchayāgataṃ taṃ tu vṛkṣamūlam upāśritam patnībhyāṃ sahito rājā sarvaratnair atoṣayat

Als jener zufällig ankam und sich am Fuß eines Baumes niederließ, erfreute ihn der König, zusammen mit seinen beiden Gattinnen, mit allerlei Juwelen.

Wort für Wort
yadṛcchayāgataṃ taṃ tu vṛkṣamūlam upāśritam patnībhyāṃ sahito rājā sarvaratnair atoṣayat
Als jener zufällig ankam und sich am Fuß eines Baumes niederließ, erfreute ihn der König, zusammen mit seinen beiden Gattinnen, mit allerlei Juwelen.

tam abravīt satyadhṛtiḥ satyavāg ṛṣisattamaḥ parituṣṭo 'smi te rājan varaṃ varaya suvrata

Zu ihm sprach der wahrhaft Standhafte, Wahrhaftige, der Beste der Seher: 'Ich bin wohl zufrieden mit dir, o König; erbitte dir eine Gabe, Gelübdetreuer.'

Wort für Wort
tam abravīt satyadhṛtiḥ satyavāg ṛṣisattamaḥ parituṣṭo 'smi te rājan varaṃ varaya suvrata
Zu ihm sprach der wahrhaft Standhafte, Wahrhaftige, der Beste der Seher: 'Ich bin wohl zufrieden mit dir, o König; erbitte dir eine Gabe, Gelübdetreuer.'

tataḥ sabhāryaḥ praṇatas tam uvāca bṛhadrathaḥ putradarśananairāśyād bāṣpagadgadayā girā

Da sprach Bṛhadratha, mit seinen Gattinnen sich verneigend, aus Verzweiflung darüber, keinen Sohn zu sehen, mit von Tränen erstickter Stimme zu ihm:

Wort für Wort
tataḥ sabhāryaḥ praṇatas tam uvāca bṛhadrathaḥ putradarśananairāśyād bāṣpagadgadayā girā
Da sprach Bṛhadratha, mit seinen Gattinnen sich verneigend, aus Verzweiflung darüber, keinen Sohn zu sehen, mit von Tränen erstickter Stimme zu ihm:

bṛhadratha uvāca bhagavan rājyam utsṛjya prasthitasya tapovanam kiṃ vareṇālpabhāgyasya kiṃ rājyenāprajasya me

Bṛhadratha sprach: Erhabener, was nützt mir Schwachbeglücktem eine Gabe, der ich ohnehin entschlossen bin, mein Reich zu verlassen und in den Büßerwald zu gehen? Was nützt mir, dem Kinderlosen, das Reich?

Wort für Wort
bṛhadratha uvāca bhagavan rājyam utsṛjya prasthitasya tapovanam kiṃ vareṇālpabhāgyasya kiṃ rājyenāprajasya me
Bṛhadratha sprach: Erhabener, was nützt mir Schwachbeglücktem eine Gabe, der ich ohnehin entschlossen bin, mein Reich zu verlassen und in den Büßerwald zu gehen? Was nützt mir, dem Kinderlosen, das Reich?

kṛṣṇa uvāca etac chrutvā munir dhyānam agamat kṣubhitendriyaḥ tasyaiva cāmravṛkṣasya chāyāyāṃ samupāviśat

Kṛṣṇa sprach: Als der Weise dies gehört hatte, versank er, innerlich bewegt, in Meditation, und er setzte sich in den Schatten eben jenes Mangobaums.

Wort für Wort
kṛṣṇa uvāca etac chrutvā munir dhyānam agamat kṣubhitendriyaḥ tasyaiva cāmravṛkṣasya chāyāyāṃ samupāviśat
Kṛṣṇa sprach: Als der Weise dies gehört hatte, versank er, innerlich bewegt, in Meditation, und er setzte sich in den Schatten eben jenes Mangobaums.

tasyopaviṣṭasya muner utsaṅge nipapāta ha avātam aśukādaṣṭam ekam āmraphalaṃ kila

Während der Weise dort saß, fiel ihm, so heißt es, eine einzelne, vom Wind unberührte, von keinem Papagei angepickte Mangofrucht in den Schoß.

Wort für Wort
tasyopaviṣṭasya muner utsaṅge nipapāta ha avātam aśukādaṣṭam ekam āmraphalaṃ kila
Während der Weise dort saß, fiel ihm, so heißt es, eine einzelne, vom Wind unberührte, von keinem Papagei angepickte Mangofrucht in den Schoß.

tat pragṛhya muniśreṣṭho hṛdayenābhimantrya ca rājñe dadāv apratimaṃ putrasaṃprāptikārakam

Diese ergriff der beste der Weisen, besprach sie im Herzen mit Mantras und gab sie dem König, die unvergleichliche, Sohnesgeburt bewirkende Frucht.

Wort für Wort
tat pragṛhya muniśreṣṭho hṛdayenābhimantrya ca rājñe dadāv apratimaṃ putrasaṃprāptikārakam
Diese ergriff der beste der Weisen, besprach sie im Herzen mit Mantras und gab sie dem König, die unvergleichliche, Sohnesgeburt bewirkende Frucht.

uvāca ca mahāprājñas taṃ rājānaṃ mahāmuniḥ gaccha rājan kṛtārtho 'si nivarta manujādhipa

Und der hochweise große Weise sprach zu jenem König: 'Geh, o König, du hast dein Ziel erreicht; kehre um, Herrscher der Menschen.'

Wort für Wort
uvāca ca mahāprājñas taṃ rājānaṃ mahāmuniḥ gaccha rājan kṛtārtho 'si nivarta manujādhipa
Und der hochweise große Weise sprach zu jenem König: 'Geh, o König, du hast dein Ziel erreicht; kehre um, Herrscher der Menschen.'

yathāsamayam ājñāya tadā sa nṛpasattamaḥ dvābhyām ekaṃ phalaṃ prādāt patnībhyāṃ bharatarṣabha

Der zeitgemäßen Anweisung folgend, gab der beste der Könige damals die eine Frucht seinen beiden Gattinnen, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
yathāsamayam ājñāya tadā sa nṛpasattamaḥ dvābhyām ekaṃ phalaṃ prādāt patnībhyāṃ bharatarṣabha
Der zeitgemäßen Anweisung folgend, gab der beste der Könige damals die eine Frucht seinen beiden Gattinnen, Stier der Bharatas.

te tad āmraṃ dvidhā kṛtvā bhakṣayām āsatuḥ śubhe bhāvitvād api cārthasya satyavākyāt tathā muneḥ

Sie, die beiden Schönen, teilten jene Mango in zwei Hälften und verzehrten sie, sowohl weil es so vorherbestimmt war als auch wegen des wahrhaftigen Wortes des Weisen.

Wort für Wort
te tad āmraṃ dvidhā kṛtvā bhakṣayām āsatuḥ śubhe bhāvitvād api cārthasya satyavākyāt tathā muneḥ
Sie, die beiden Schönen, teilten jene Mango in zwei Hälften und verzehrten sie, sowohl weil es so vorherbestimmt war als auch wegen des wahrhaftigen Wortes des Weisen.

tayoḥ samabhavad garbhaḥ phalaprāśanasaṃbhavaḥ te ca dṛṣṭvā narapatiḥ parāṃ mudam avāpa ha

In beiden entstand eine Schwangerschaft, entstanden durch den Genuss der Frucht; und als der Herrscher der Menschen dies sah, empfand er höchste Freude.

Wort für Wort
tayoḥ samabhavad garbhaḥ phalaprāśanasaṃbhavaḥ te ca dṛṣṭvā narapatiḥ parāṃ mudam avāpa ha
In beiden entstand eine Schwangerschaft, entstanden durch den Genuss der Frucht; und als der Herrscher der Menschen dies sah, empfand er höchste Freude.

atha kāle mahāprājña yathāsamayam āgate prajāyetām ubhe rājañ śarīraśakale tadā

Als dann zur rechten Zeit die Stunde gekommen war, gebaren beide, o König, je eine Körperhälfte.

Wort für Wort
atha kāle mahāprājña yathāsamayam āgate prajāyetām ubhe rājañ śarīraśakale tadā
Als dann zur rechten Zeit die Stunde gekommen war, gebaren beide, o König, je eine Körperhälfte.

ekākṣibāhucaraṇe ardhodaramukhasphije dṛṣṭvā śarīraśakale pravepāte ubhe bhṛśam

Als sie die beiden Körperhälften sahen, jede mit einem Auge, einem Arm, einem Bein, halbem Bauch, halbem Gesicht, halber Hüfte, erzitterten beide Frauen heftig,

Wort für Wort
ekākṣibāhucaraṇe ardhodaramukhasphije dṛṣṭvā śarīraśakale pravepāte ubhe bhṛśam
Als sie die beiden Körperhälften sahen, jede mit einem Auge, einem Arm, einem Bein, halbem Bauch, halbem Gesicht, halber Hüfte, erzitterten beide Frauen heftig,

udvigne saha saṃmantrya te bhaginyau tadābale sajīve prāṇiśakale tatyajāte suduḥkhite

und, beunruhigt, berieten sich die beiden Schwestern und ließen, obwohl schwach und überaus betrübt, die beiden lebenden, atmenden Körperhälften zurück.

Wort für Wort
udvigne saha saṃmantrya te bhaginyau tadābale sajīve prāṇiśakale tatyajāte suduḥkhite
und, beunruhigt, berieten sich die beiden Schwestern und ließen, obwohl schwach und überaus betrübt, die beiden lebenden, atmenden Körperhälften zurück.

tayor dhātryau susaṃvīte kṛtvā te garbhasaṃplave nirgamyāntaḥpuradvārāt samutsṛjyāśu jagmatuḥ

Die beiden Ammen, nachdem sie die aus der Fehlgeburt entstandenen Hälften sorgfältig eingewickelt hatten, gingen durch das Tor des Frauengemachs hinaus, warfen sie fort und eilten davon.

Wort für Wort
tayor dhātryau susaṃvīte kṛtvā te garbhasaṃplave nirgamyāntaḥpuradvārāt samutsṛjyāśu jagmatuḥ
Die beiden Ammen, nachdem sie die aus der Fehlgeburt entstandenen Hälften sorgfältig eingewickelt hatten, gingen durch das Tor des Frauengemachs hinaus, warfen sie fort und eilten davon.

te catuṣpathanikṣipte jarā nāmātha rākṣasī jagrāha manujavyāghra māṃsaśoṇitabhojanā

Jene, an einer Straßenkreuzung ausgesetzt, ergriff eine Rākṣasī namens Jarā, Tiger unter den Menschen, die sich von Fleisch und Blut nährte.

Wort für Wort
te catuṣpathanikṣipte jarā nāmātha rākṣasī jagrāha manujavyāghra māṃsaśoṇitabhojanā
Jene, an einer Straßenkreuzung ausgesetzt, ergriff eine Rākṣasī namens Jarā, Tiger unter den Menschen, die sich von Fleisch und Blut nährte.

kartukāmā sukhavahe śakale sā tu rākṣasī saṃghaṭṭayām āsa tadā vidhānabalacoditā

Jene Rākṣasī, im Wunsch, sich einen leicht zu tragenden Bissen zu machen, fügte die beiden Hälften zusammen, getrieben von der Macht der Bestimmung.

Wort für Wort
kartukāmā sukhavahe śakale sā tu rākṣasī saṃghaṭṭayām āsa tadā vidhānabalacoditā
Jene Rākṣasī, im Wunsch, sich einen leicht zu tragenden Bissen zu machen, fügte die beiden Hälften zusammen, getrieben von der Macht der Bestimmung.

te samānītamātre tu śakale puruṣarṣabha ekamūrtikṛte vīraḥ kumāraḥ samapadyata

Sobald die beiden Hälften zusammengebracht waren, Stier unter den Männern, und zu einem Körper vereint wurden, entstand ein heldenhafter Knabe.

Wort für Wort
te samānītamātre tu śakale puruṣarṣabha ekamūrtikṛte vīraḥ kumāraḥ samapadyata
Sobald die beiden Hälften zusammengebracht waren, Stier unter den Männern, und zu einem Körper vereint wurden, entstand ein heldenhafter Knabe.

tataḥ sā rākṣasī rājan vismayotphullalocanā na śaśāka samudvoḍhuṃ vajrasāramayaṃ śiśum

Da vermochte jene Rākṣasī, o König, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, das an Härte diamantgleiche Kind nicht wegzuschleppen.

Wort für Wort
tataḥ sā rākṣasī rājan vismayotphullalocanā na śaśāka samudvoḍhuṃ vajrasāramayaṃ śiśum
Da vermochte jene Rākṣasī, o König, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, das an Härte diamantgleiche Kind nicht wegzuschleppen.

bālas tāmratalaṃ muṣṭiṃ kṛtvā cāsye nidhāya saḥ prākrośad atisaṃrambhāt satoya iva toyadaḥ

Das Kind, seine kupferfarbene Faust ballend und in den Mund steckend, schrie voller Heftigkeit wie eine wassergeschwängerte Wolke.

Wort für Wort
bālas tāmratalaṃ muṣṭiṃ kṛtvā cāsye nidhāya saḥ prākrośad atisaṃrambhāt satoya iva toyadaḥ
Das Kind, seine kupferfarbene Faust ballend und in den Mund steckend, schrie voller Heftigkeit wie eine wassergeschwängerte Wolke.

tena śabdena saṃbhrāntaḥ sahasāntaḥpure janaḥ nirjagāma naravyāghra rājñā saha paraṃtapa

Von diesem Schrei erschreckt, eilten die Menschen im Frauengemach plötzlich hervor, Tiger unter den Männern, zusammen mit dem König, Feindebezwinger.

Wort für Wort
tena śabdena saṃbhrāntaḥ sahasāntaḥpure janaḥ nirjagāma naravyāghra rājñā saha paraṃtapa
Von diesem Schrei erschreckt, eilten die Menschen im Frauengemach plötzlich hervor, Tiger unter den Männern, zusammen mit dem König, Feindebezwinger.

te cābale pariglāne payaḥpūrṇapayodhare nirāśe putralābhāya sahasaivābhyagacchatām

Und die beiden Schwachen, erschöpft, mit milchgefüllten Brüsten, ohne Hoffnung, einen Sohn zu erlangen, kamen sogleich ebenfalls herbei.

Wort für Wort
te cābale pariglāne payaḥpūrṇapayodhare nirāśe putralābhāya sahasaivābhyagacchatām
Und die beiden Schwachen, erschöpft, mit milchgefüllten Brüsten, ohne Hoffnung, einen Sohn zu erlangen, kamen sogleich ebenfalls herbei.

atha dṛṣṭvā tathābhūte rājānaṃ ceṣṭasaṃtatim taṃ ca bālaṃ subalinaṃ cintayām āsa rākṣasī

Als sie nun den König in solchem Zustand sah, um Nachkommenschaft bemüht, und das kraftvolle Kind, dachte die Rākṣasī bei sich:

Wort für Wort
atha dṛṣṭvā tathābhūte rājānaṃ ceṣṭasaṃtatim taṃ ca bālaṃ subalinaṃ cintayām āsa rākṣasī
Als sie nun den König in solchem Zustand sah, um Nachkommenschaft bemüht, und das kraftvolle Kind, dachte die Rākṣasī bei sich:

nārhāmi viṣaye rājño vasantī putragṛddhinaḥ bālaṃ putram upādātuṃ meghalekheva bhāskaram

'Ich, die ich im Reich eines nach einem Sohn verlangenden Königs wohne, sollte diesen Sohn nicht wegnehmen, wie ein Wolkenstreifen nicht die Sonne verdecken sollte.'

Wort für Wort
nārhāmi viṣaye rājño vasantī putragṛddhinaḥ bālaṃ putram upādātuṃ meghalekheva bhāskaram
'Ich, die ich im Reich eines nach einem Sohn verlangenden Königs wohne, sollte diesen Sohn nicht wegnehmen, wie ein Wolkenstreifen nicht die Sonne verdecken sollte.'

sā kṛtvā mānuṣaṃ rūpam uvāca manujādhipam bṛhadratha sutas te 'yaṃ maddattaḥ pratigṛhyatām

Sie nahm menschliche Gestalt an und sprach zum Herrscher der Menschen: 'Bṛhadratha, dies ist dein Sohn, von mir gegeben; nimm ihn an.'

Wort für Wort
sā kṛtvā mānuṣaṃ rūpam uvāca manujādhipam bṛhadratha sutas te 'yaṃ maddattaḥ pratigṛhyatām
Sie nahm menschliche Gestalt an und sprach zum Herrscher der Menschen: 'Bṛhadratha, dies ist dein Sohn, von mir gegeben; nimm ihn an.'

tava patnīdvaye jāto dvijātivaraśāsanāt dhātrījanaparityakto mayāyaṃ parirakṣitaḥ

'Er wurde deinen beiden Gattinnen geboren, gemäß dem Gebot des besten der Zweifachgeborenen; von den Ammen verlassen, wurde er von mir bewahrt.'

Wort für Wort
tava patnīdvaye jāto dvijātivaraśāsanāt dhātrījanaparityakto mayāyaṃ parirakṣitaḥ
'Er wurde deinen beiden Gattinnen geboren, gemäß dem Gebot des besten der Zweifachgeborenen; von den Ammen verlassen, wurde er von mir bewahrt.'

tatas te bharataśreṣṭha kāśirājasute śubhe taṃ bālam abhipatyāśu prasnavair abhiṣiñcatām

Da eilten, Bester der Bharatas, die beiden schönen Töchter des Kāśi-Königs zu dem Kind und besprengten es alsbald mit ihrer herabfließenden Milch.

Wort für Wort
tatas te bharataśreṣṭha kāśirājasute śubhe taṃ bālam abhipatyāśu prasnavair abhiṣiñcatām
Da eilten, Bester der Bharatas, die beiden schönen Töchter des Kāśi-Königs zu dem Kind und besprengten es alsbald mit ihrer herabfließenden Milch.

tataḥ sa rājā saṃhṛṣṭaḥ sarvaṃ tad upalabhya ca apṛcchan navahemābhāṃ rākṣasīṃ tām arākṣasīm

Da fragte der König, hocherfreut, nachdem er all dies vernommen hatte, jene Rākṣasī, die wie frisches Gold glänzte und keiner Rākṣasī mehr glich:

Wort für Wort
tataḥ sa rājā saṃhṛṣṭaḥ sarvaṃ tad upalabhya ca apṛcchan navahemābhāṃ rākṣasīṃ tām arākṣasīm
Da fragte der König, hocherfreut, nachdem er all dies vernommen hatte, jene Rākṣasī, die wie frisches Gold glänzte und keiner Rākṣasī mehr glich:

kā tvaṃ kamalagarbhābhe mama putrapradāyinī kāmayā brūhi kalyāṇi devatā pratibhāsi me

'Wer bist du, du dem Lotoskelch Gleichende, die mir meinen Sohn gegeben hat? Sage es mir aus freiem Willen, Holde; du erscheinst mir wie eine Gottheit.'

Wort für Wort
kā tvaṃ kamalagarbhābhe mama putrapradāyinī kāmayā brūhi kalyāṇi devatā pratibhāsi me
'Wer bist du, du dem Lotoskelch Gleichende, die mir meinen Sohn gegeben hat? Sage es mir aus freiem Willen, Holde; du erscheinst mir wie eine Gottheit.'

Dieses Kapitel in der Leseansicht