Kapitel 20: Jarāsaṃdhapratijñā
Jarāsandhas Rechtfertigung und Kampfansage
Jarāsandha weist Kṛṣṇas Vorwürfe zurück: Er habe niemanden Unrecht getan, sondern lediglich im Kampf besiegte Könige gefangen genommen, wie es dem Kṣatriya-Dharma entspreche. Kṛṣṇa entgegnet, dass es kein Unrecht sei, Könige wie Opfertiere für ein Menschenopfer an Rudra zu behandeln, und fordert ihn zum Zweikampf oder zur Freilassung der Gefangenen auf, indem er seine wahre Identität - Kṛṣṇa Hṛṣīkeśa und die beiden Pāṇḍavas - offenbart. Jarāsandha bleibt unbeugsam, verweist auf sein kriegerisches Gelübde und erklärt sich zu jeder Kampfform bereit, woraufhin er seinen Sohn Sahadeva zum Mitregenten krönen lässt. Kṛṣṇa aber, eingedenk der göttlichen Fügung, dass Jarāsandhas Tod einem anderen - Bhīma - bestimmt ist, verzichtet bewusst darauf, ihn selbst zu erschlagen.
jarāsaṃdha uvāca na smareyaṃ kadā vairaṃ kṛtaṃ yuṣmābhir ity uta cintayaṃś ca na paśyāmi bhavatāṃ prati vaikṛtam
Jarāsandha sprach: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals Feindschaft mit euch begangen hätte; und nachdenkend sehe ich auch kein Unrecht meinerseits gegen euch.
Wort für Wort
jarāsaṃdha uvāca na smareyaṃ kadā vairaṃ kṛtaṃ yuṣmābhir ity uta cintayaṃś ca na paśyāmi bhavatāṃ prati vaikṛtam
Jarāsandha sprach: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals Feindschaft mit euch begangen hätte; und nachdenkend sehe ich auch kein Unrecht meinerseits gegen euch.
vaikṛte cāsati kathaṃ manyadhvaṃ mām anāgasam ariṃ vibrūta tad viprāḥ satāṃ samaya eṣa hi
Und da kein Unrecht besteht, wie könnt ihr mich, den Schuldlosen, für einen Feind halten? Erklärt mir das, Brahmanen, denn dies ist der Brauch der Rechtschaffenen.
Wort für Wort
vaikṛte cāsati kathaṃ manyadhvaṃ mām anāgasam ariṃ vibrūta tad viprāḥ satāṃ samaya eṣa hi
Und da kein Unrecht besteht, wie könnt ihr mich, den Schuldlosen, für einen Feind halten? Erklärt mir das, Brahmanen, denn dies ist der Brauch der Rechtschaffenen.
atha dharmopaghātād dhi manaḥ samupatapyate yo 'nāgasi prasṛjati kṣatriyo 'pi na saṃśayaḥ
Denn wenn durch Verletzung des Dharma der Geist gequält wird - wer Gewalt gegen einen Schuldlosen ausübt, dessen Geist wird gequält, selbst wenn er ein Kṣatriya ist, kein Zweifel.
Wort für Wort
atha dharmopaghātād dhi manaḥ samupatapyate yo 'nāgasi prasṛjati kṣatriyo 'pi na saṃśayaḥ
Denn wenn durch Verletzung des Dharma der Geist gequält wird - wer Gewalt gegen einen Schuldlosen ausübt, dessen Geist wird gequält, selbst wenn er ein Kṣatriya ist, kein Zweifel.
ato 'nyathācaraṃl loke dharmajñaḥ san mahāvrataḥ vṛjināṃ gatim āpnoti śreyaso 'py upahanti ca
Wer daher anders handelt, obwohl er den Dharma kennt und großen Gelübden folgt, gelangt zum Schicksal der Übeltäter und zerstört auch sein eigenes Heil.
Wort für Wort
ato 'nyathācaraṃl loke dharmajñaḥ san mahāvrataḥ vṛjināṃ gatim āpnoti śreyaso 'py upahanti ca
Wer daher anders handelt, obwohl er den Dharma kennt und großen Gelübden folgt, gelangt zum Schicksal der Übeltäter und zerstört auch sein eigenes Heil.
Obwohl ihr wisst, dass in den drei Welten nichts höher ist als der Kṣatriya-Dharma bei den Rechtschaffenen, und dass ich schuldlos bin, sprecht ihr wie aus Unachtsamkeit.
Obwohl ihr wisst, dass in den drei Welten nichts höher ist als der Kṣatriya-Dharma bei den Rechtschaffenen, und dass ich schuldlos bin, sprecht ihr wie aus Unachtsamkeit.
Vāsudeva sprach: Eine Angelegenheit des Geschlechts, Großkönig, trägt manchmal ein Einzelner, der Träger des Geschlechts; auf dessen Geheiß sind wir drei aufgestanden.
Vāsudeva sprach: Eine Angelegenheit des Geschlechts, Großkönig, trägt manchmal ein Einzelner, der Träger des Geschlechts; auf dessen Geheiß sind wir drei aufgestanden.
tvayā copahṛtā rājan kṣatriyā lokavāsinaḥ tad āgaḥ krūram utpādya manyase kiṃ tv anāgasam
Von dir wurden, o König, Kṣatriyas, Bewohner der Welt, weggeführt; nachdem du diese grausame Sünde begangen hast, wie kannst du dich dennoch für schuldlos halten?
Wort für Wort
tvayā copahṛtā rājan kṣatriyā lokavāsinaḥ tad āgaḥ krūram utpādya manyase kiṃ tv anāgasam
Von dir wurden, o König, Kṣatriyas, Bewohner der Welt, weggeführt; nachdem du diese grausame Sünde begangen hast, wie kannst du dich dennoch für schuldlos halten?
te tvāṃ jñātikṣayakaraṃ vayam ārtānusāriṇaḥ jñātivṛddhinimittārthaṃ viniyantum ihāgatāḥ
Wir, die wir den Bedrängten beistehen, sind hierher gekommen, um dich, den Zerstörer der Verwandten, um des Gedeihens der Verwandten willen zurechtzuweisen.
Wort für Wort
te tvāṃ jñātikṣayakaraṃ vayam ārtānusāriṇaḥ jñātivṛddhinimittārthaṃ viniyantum ihāgatāḥ
Wir, die wir den Bedrängten beistehen, sind hierher gekommen, um dich, den Zerstörer der Verwandten, um des Gedeihens der Verwandten willen zurechtzuweisen.
ko hi jānann abhijanam ātmanaḥ kṣatriyo nṛpa nāviśet svargam atulaṃ raṇānantaram avyayam
Denn welcher Kṣatriya, der seine eigene edle Abkunft kennt, o König, würde nicht in den unvergleichlichen, unvergänglichen Himmel eingehen wollen, sogleich nach der Schlacht?
Wort für Wort
ko hi jānann abhijanam ātmanaḥ kṣatriyo nṛpa nāviśet svargam atulaṃ raṇānantaram avyayam
Denn welcher Kṣatriya, der seine eigene edle Abkunft kennt, o König, würde nicht in den unvergleichlichen, unvergänglichen Himmel eingehen wollen, sogleich nach der Schlacht?
svargaṃ hy eva samāsthāya raṇayajñeṣu dīkṣitāḥ yajante kṣatriyā lokāṃs tad viddhi magadhādhipa
Denn im Vertrauen eben auf den Himmel, geweiht in den Opfern der Schlacht, opfern die Kṣatriyas ihr Leben, um die Welten zu erlangen - das wisse, Herrscher der Magadhas.
Wort für Wort
svargaṃ hy eva samāsthāya raṇayajñeṣu dīkṣitāḥ yajante kṣatriyā lokāṃs tad viddhi magadhādhipa
Denn im Vertrauen eben auf den Himmel, geweiht in den Opfern der Schlacht, opfern die Kṣatriyas ihr Leben, um die Welten zu erlangen - das wisse, Herrscher der Magadhas.
svargayonir jayo rājan svargayonir mahad yaśaḥ svargayonis tapo yuddhe mārgaḥ so 'vyabhicāravān
Der Sieg ist der Mutterschoß des Himmels, o König; großer Ruhm ist der Mutterschoß des Himmels; Askese im Kampf ist der Mutterschoß des Himmels - dies ist der untrügliche Weg.
Wort für Wort
svargayonir jayo rājan svargayonir mahad yaśaḥ svargayonis tapo yuddhe mārgaḥ so 'vyabhicāravān
Der Sieg ist der Mutterschoß des Himmels, o König; großer Ruhm ist der Mutterschoß des Himmels; Askese im Kampf ist der Mutterschoß des Himmels - dies ist der untrügliche Weg.
Verachte nicht die anderen, o König; nicht bei jedem Mann ist gleiche Tapferkeit vorhanden - nur mit dir allein, Herrscher der Menschen, ist unser Glanz vergleichbar.
Verachte nicht die anderen, o König; nicht bei jedem Mann ist gleiche Tapferkeit vorhanden - nur mit dir allein, Herrscher der Menschen, ist unser Glanz vergleichbar.
yāvad eva na saṃbuddhaṃ tāvad eva bhavet tava viṣahyam etad asmākam ato rājan bravīmi te
Nur solange es dir nicht bewusst ist, mag dies für dich unüberwindlich erscheinen; für uns aber ist dies zu bewältigen - deshalb sage ich dir dies, o König.
Wort für Wort
yāvad eva na saṃbuddhaṃ tāvad eva bhavet tava viṣahyam etad asmākam ato rājan bravīmi te
Nur solange es dir nicht bewusst ist, mag dies für dich unüberwindlich erscheinen; für uns aber ist dies zu bewältigen - deshalb sage ich dir dies, o König.
jahi tvaṃ sadṛśeṣv eva mānaṃ darpaṃ ca māgadha mā gamaḥ sasutāmātyaḥ sabalaś ca yamakṣayam
Gib du, Māgadha, deinen Stolz und Hochmut gegenüber deinesgleichen auf; geh nicht, zusammen mit deinen Söhnen, Ministern und deiner Streitmacht, in Yamas Reich der Vernichtung ein.
Wort für Wort
jahi tvaṃ sadṛśeṣv eva mānaṃ darpaṃ ca māgadha mā gamaḥ sasutāmātyaḥ sabalaś ca yamakṣayam
Gib du, Māgadha, deinen Stolz und Hochmut gegenüber deinesgleichen auf; geh nicht, zusammen mit deinen Söhnen, Ministern und deiner Streitmacht, in Yamas Reich der Vernichtung ein.
mumukṣamāṇās tvattaś ca na vayaṃ brāhmaṇabruvāḥ śaurir asmi hṛṣīkeśo nṛvīrau pāṇḍavāv imau
Wir sind nicht darauf aus, von dir befreit zu werden, noch sind wir bloße Brahmanen, die sich so nennen: Ich bin der Śauri Hṛṣīkeśa, und diese beiden sind Helden unter den Menschen, die Pāṇḍavas.
Wort für Wort
mumukṣamāṇās tvattaś ca na vayaṃ brāhmaṇabruvāḥ śaurir asmi hṛṣīkeśo nṛvīrau pāṇḍavāv imau
Wir sind nicht darauf aus, von dir befreit zu werden, noch sind wir bloße Brahmanen, die sich so nennen: Ich bin der Śauri Hṛṣīkeśa, und diese beiden sind Helden unter den Menschen, die Pāṇḍavas.
jarāsaṃdha uvāca nājitān vai narapatīn aham ādadmi kāṃś cana jitaḥ kaḥ paryavasthātā ko 'tra yo na mayā jitaḥ
Jarāsandha sprach: Ich nehme keine Herrscher der Menschen gefangen, die ich nicht im Kampf besiegt habe; welcher Besiegte könnte sich hier widersetzen? Wer ist hier, der nicht von mir besiegt worden wäre?
Wort für Wort
jarāsaṃdha uvāca nājitān vai narapatīn aham ādadmi kāṃś cana jitaḥ kaḥ paryavasthātā ko 'tra yo na mayā jitaḥ
Jarāsandha sprach: Ich nehme keine Herrscher der Menschen gefangen, die ich nicht im Kampf besiegt habe; welcher Besiegte könnte sich hier widersetzen? Wer ist hier, der nicht von mir besiegt worden wäre?
Man sagt, dies eben sei die dem Kṣatriya gemäße, rechtschaffene Lebensweise: durch Tapferkeit andere in seine Gewalt zu bringen und dann mit ihnen nach Belieben zu verfahren.
Man sagt, dies eben sei die dem Kṣatriya gemäße, rechtschaffene Lebensweise: durch Tapferkeit andere in seine Gewalt zu bringen und dann mit ihnen nach Belieben zu verfahren.
Nachdem ich die Könige für die Gottheit vorbereitet habe, wie sollte ich sie nun, Kṛṣṇa, aus Furcht freilassen, eingedenk meines kriegerischen Gelübdes?
Nachdem ich die Könige für die Gottheit vorbereitet habe, wie sollte ich sie nun, Kṛṣṇa, aus Furcht freilassen, eingedenk meines kriegerischen Gelübdes?
Ich werde kämpfen, Heer gegen aufgestelltes Heer, oder Einzelner gegen Einzelnen, oder auch gegen zwei oder drei, gleichzeitig oder auch einzeln nacheinander.
Ich werde kämpfen, Heer gegen aufgestelltes Heer, oder Einzelner gegen Einzelnen, oder auch gegen zwei oder drei, gleichzeitig oder auch einzeln nacheinander.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er so gesprochen hatte, ordnete Jarāsandha, kampfbereit gegen die von furchtbaren Taten Gekennzeichneten, die Krönungsweihe seines Sohnes Sahadeva an.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er so gesprochen hatte, ordnete Jarāsandha, kampfbereit gegen die von furchtbaren Taten Gekennzeichneten, die Krönungsweihe seines Sohnes Sahadeva an.
nämlich Jarāsandha, den wahrhaft Verbündeten, von furchtbarer Kühnheit auf Erden, als denjenigen, dessen Tod einem anderen zugewiesen war - der unfehlbare Erdenträger,
nämlich Jarāsandha, den wahrhaft Verbündeten, von furchtbarer Kühnheit auf Erden, als denjenigen, dessen Tod einem anderen zugewiesen war - der unfehlbare Erdenträger,
wünschte nicht, ihn selbst zu töten - der Erste der Selbstbeherrschten, der Madhusūdana, der jüngere Bruder des Pflugträgers -, sondern stellte, Brahmās Anweisung voranstellend, die Tötung einem anderen anheim.
wünschte nicht, ihn selbst zu töten - der Erste der Selbstbeherrschten, der Madhusūdana, der jüngere Bruder des Pflugträgers -, sondern stellte, Brahmās Anweisung voranstellend, die Tötung einem anderen anheim.
[Anm.: Gemeint ist, dass Kṛṣṇa Jarāsandhas Tötung bewusst nicht selbst vollzieht, da das Schicksal (Brahmās Fügung) sie Bhīma zugedacht hat.]