Kapitel 55: Vidurapraśamanam
Viduras eindringliche Mahnung an Dhṛtarāṣṭra
Während das Würfelspiel weitergeht, wendet sich Vidura mit einer Reihe von Gleichnissen an Dhṛtarāṣṭra, um ihn zum Einlenken zu bewegen: Er erinnert an das unheilverkündende Geheul des neugeborenen Duryodhana, vergleicht dessen Würfelrausch mit einem Honigsucher, der den Abgrund übersieht, und warnt mit dem Gleichnis vom gierigen Mann, der die goldspeienden Vögel tötete und damit Gegenwart und Zukunft zugleich vernichtete. Er beschwört Dhṛtarāṣṭra, die Pāṇḍavas wie Blüten zu pflegen statt wie Bäume mit der Wurzel zu verbrennen, und schließt mit der Warnung, dass selbst Indra mit allen Maruts den vereinten Pārthas im Kampf nicht gewachsen wäre.
vidura uvāca mahārāja vijānīhi yat tvāṃ vakṣyāmi tac chṛṇu mumūrṣor auṣadham iva na rocetāpi te śrutam
Vidura sprach: Großkönig, erkenne, was ich dir sagen werde - höre es an; auch wenn es dir, gleich der Arznei für einen Sterbenden, beim Anhören nicht gefallen mag.
Wort für Wort
vidura uvāca mahārāja vijānīhi yat tvāṃ vakṣyāmi tac chṛṇu mumūrṣor auṣadham iva na rocetāpi te śrutam
Vidura sprach: Großkönig, erkenne, was ich dir sagen werde - höre es an; auch wenn es dir, gleich der Arznei für einen Sterbenden, beim Anhören nicht gefallen mag.
yad vai purā jātamātro rurāva gomāyuvad visvaraṃ pāpacetāḥ duryodhano bhāratānāṃ kulaghnaḥ so 'yaṃ yukto bhavitā kālahetuḥ
Als Duryodhana, kaum geboren, gleich einem Schakal misstönend heulte, der Bösgesinnte, der Vernichter des Geschlechts der Bharatas - er wird sich nun als die geeignete Ursache des Verderbens erweisen.
Wort für Wort
yad vai purā jātamātro rurāva gomāyuvad visvaraṃ pāpacetāḥ duryodhano bhāratānāṃ kulaghnaḥ so 'yaṃ yukto bhavitā kālahetuḥ
Als Duryodhana, kaum geboren, gleich einem Schakal misstönend heulte, der Bösgesinnte, der Vernichter des Geschlechts der Bharatas - er wird sich nun als die geeignete Ursache des Verderbens erweisen.
Wer Honig sucht, bemerkt, den Honig gefunden habend, den Abgrund nicht; ist er erst hinaufgestiegen, so stürzt er entweder hinein, oder er erleidet den Fall.
Wer Honig sucht, bemerkt, den Honig gefunden habend, den Abgrund nicht; ist er erst hinaufgestiegen, so stürzt er entweder hinein, oder er erleidet den Fall.
so 'yaṃ matto 'kṣadevena madhuvan na parīkṣate prapātaṃ budhyate naiva vairaṃ kṛtvā mahārathaiḥ
Dieser hier, berauscht vom Würfelspiel wie durch Honig, prüft nicht die Folgen; er bemerkt den Abgrund nicht, obwohl er Feindschaft mit großen Wagenkämpfern geschlossen hat.
Wort für Wort
so 'yaṃ matto 'kṣadevena madhuvan na parīkṣate prapātaṃ budhyate naiva vairaṃ kṛtvā mahārathaiḥ
Dieser hier, berauscht vom Würfelspiel wie durch Honig, prüft nicht die Folgen; er bemerkt den Abgrund nicht, obwohl er Feindschaft mit großen Wagenkämpfern geschlossen hat.
niyogāc ca hate tasmin kṛṣṇenāmitraghātinā evaṃ te jñātayaḥ sarve modamānāḥ śataṃ samāḥ
Und nachdem jener auf ihren Auftrag hin von Kṛṣṇa, dem Feindevernichter, getötet worden war, lebten all diese Verwandten seither hundert Jahre in Freude.
Wort für Wort
niyogāc ca hate tasmin kṛṣṇenāmitraghātinā evaṃ te jñātayaḥ sarve modamānāḥ śataṃ samāḥ
Und nachdem jener auf ihren Auftrag hin von Kṛṣṇa, dem Feindevernichter, getötet worden war, lebten all diese Verwandten seither hundert Jahre in Freude.
tvanniyuktaḥ savyasācī nigṛhṇātu suyodhanam nigrahād asya pāpasya modantāṃ kuravaḥ sukham
Möge auf deinen Befehl der Linkshändige (Arjuna) den Suyodhana (Duryodhana) bezwingen; durch die Bezwingung dieses Bösen mögen die Kurus sich glücklich freuen.
Wort für Wort
tvanniyuktaḥ savyasācī nigṛhṇātu suyodhanam nigrahād asya pāpasya modantāṃ kuravaḥ sukham
Möge auf deinen Befehl der Linkshändige (Arjuna) den Suyodhana (Duryodhana) bezwingen; durch die Bezwingung dieses Bösen mögen die Kurus sich glücklich freuen.
Tausche nicht diese bunt gefiederten (Pfauen) gegen eine Krähe ein, noch die Tiger gegen einen Schakal, o König; erwirb dir die Pāṇḍavas als Freunde, versinke nicht im Ozean des Kummers.
Tausche nicht diese bunt gefiederten (Pfauen) gegen eine Krähe ein, noch die Tiger gegen einen Schakal, o König; erwirb dir die Pāṇḍavas als Freunde, versinke nicht im Ozean des Kummers.
[Anm.: Ein bildhafter, stark verdichteter Vergleich - die 'bunten Vögel' und 'Tiger' stehen sinnbildlich für die Pāṇḍavas, 'Krähe' und 'Schakal' für Duryodhanas Partei.]
Man opfere einen einzelnen Mann um des Geschlechts willen; man opfere das Geschlecht um des Dorfes willen; man opfere das Dorf um des Landes willen; um der eigenen Seele willen opfere man sogar die ganze Erde.
Man opfere einen einzelnen Mann um des Geschlechts willen; man opfere das Geschlecht um des Dorfes willen; man opfere das Dorf um des Landes willen; um der eigenen Seele willen opfere man sogar die ganze Erde.
sadopabhojyāṃl lobhāndho hiraṇyārthe paraṃtapa āyatiṃ ca tadātvaṃ ca ubhe sadyo vyanāśayat
Von Gier nach Gold verblendet, o Feindebezwinger, vernichtete er, obwohl sie ihm stets Nutzen brachten, sogleich beides: die Zukunft und die Gegenwart.
Wort für Wort
sadopabhojyāṃl lobhāndho hiraṇyārthe paraṃtapa āyatiṃ ca tadātvaṃ ca ubhe sadyo vyanāśayat
Von Gier nach Gold verblendet, o Feindebezwinger, vernichtete er, obwohl sie ihm stets Nutzen brachten, sogleich beides: die Zukunft und die Gegenwart.
Aus Verlangen nach dem gegenwärtigen Vorteil hintergehe nicht die Söhne des Pāṇḍu, Stier der Bharatas; sonst wirst du später, von Verblendung befangen, Reue empfinden, wie jener Mann, der die Vögel tötete.
Aus Verlangen nach dem gegenwärtigen Vorteil hintergehe nicht die Söhne des Pāṇḍu, Stier der Bharatas; sonst wirst du später, von Verblendung befangen, Reue empfinden, wie jener Mann, der die Vögel tötete.
Nimm von den Pāṇḍavas nur die jeweils aufgeblühte Blüte, o Bhārata, wie ein Blumenwinder in seinem Garten, indem du deine Zuneigung immer wieder erneuerst,
Nimm von den Pāṇḍavas nur die jeweils aufgeblühte Blüte, o Bhārata, wie ein Blumenwinder in seinem Garten, indem du deine Zuneigung immer wieder erneuerst,
und verbrenne sie nicht mitsamt der Wurzel, wie ein Kohlenbrenner die Bäume; falle nicht, samt deinen Söhnen, Ministern und deiner Streitmacht, dem Untergang anheim.
und verbrenne sie nicht mitsamt der Wurzel, wie ein Kohlenbrenner die Bäume; falle nicht, samt deinen Söhnen, Ministern und deiner Streitmacht, dem Untergang anheim.
samavetān hi kaḥ pārthān pratiyudhyeta bhārata marudbhiḥ sahito rājann api sākṣān marutpatiḥ
Denn wer könnte den vereinten Pārthas im Kampf entgegentreten, o Bhārata - selbst nicht der Herr der Maruts (Indra) höchstpersönlich, wäre er auch von den Maruts begleitet, o König?
Wort für Wort
samavetān hi kaḥ pārthān pratiyudhyeta bhārata marudbhiḥ sahito rājann api sākṣān marutpatiḥ
Denn wer könnte den vereinten Pārthas im Kampf entgegentreten, o Bhārata - selbst nicht der Herr der Maruts (Indra) höchstpersönlich, wäre er auch von den Maruts begleitet, o König?