Kapitel 53: Dyūtārambhaḥ
Der Beginn des Würfelspiels
Das eigentliche Würfelspiel beginnt. Yudhiṣṭhira äußert zunächst deutliche Bedenken gegen das Spiel als Sünde und Betrug und zitiert die Lehre des Weisen Asita Devala über den Unterschied zwischen redlichem Kampf und trügerischem Spiel; Śakuni entgegnet mit sophistischen Argumenten. Gebunden an sein Gelübde, eine Herausforderung niemals zurückzuweisen, und dem Schicksal ergeben, willigt Yudhiṣṭhira ein. Auf seinen Einwand, dass nicht Duryodhana selbst, sondern Śakuni für ihn spielen solle, geht er dennoch ein. Die Könige und Weisen - darunter Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und der sichtlich unglückliche Vidura - nehmen ihre Plätze ein, und das Spiel beginnt: Beim allerersten Wurf, mit einem kostbaren Juwel als Einsatz, verkündet Śakuni bereits den ersten Sieg.
Śakuni sprach: Die Halle ist bereitet, o König, zum Spielen, und diese hier haben sich Zeit genommen; nachdem die Würfel geworfen sind, möge die Verabredung des Spiels beginnen, Yudhiṣṭhira.
Śakuni sprach: Die Halle ist bereitet, o König, zum Spielen, und diese hier haben sich Zeit genommen; nachdem die Würfel geworfen sind, möge die Verabredung des Spiels beginnen, Yudhiṣṭhira.
yudhiṣṭhira uvāca nikṛtir devanaṃ pāpaṃ na kṣātro 'tra parākramaḥ na ca nītir dhruvā rājan kiṃ tvaṃ dyūtaṃ praśaṃsasi
Yudhiṣṭhira sprach: Betrug ist das Würfelspiel, eine Sünde; darin liegt keine kṣatriyahafte Tapferkeit und auch keine feste Klugheit, o König. Warum lobst du das Würfelspiel?
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca nikṛtir devanaṃ pāpaṃ na kṣātro 'tra parākramaḥ na ca nītir dhruvā rājan kiṃ tvaṃ dyūtaṃ praśaṃsasi
Yudhiṣṭhira sprach: Betrug ist das Würfelspiel, eine Sünde; darin liegt keine kṣatriyahafte Tapferkeit und auch keine feste Klugheit, o König. Warum lobst du das Würfelspiel?
śakunir uvāca yo 'nveti saṃkhyāṃ nikṛtau vidhijñaś ceṣṭāsv akhinnaḥ kitavo 'kṣajāsu mahāmatir yaś ca jānāti dyūtaṃ sa vai sarvaṃ sahate prakriyāsu
Śakuni sprach: Wer der Berechnung im Trug folgt, die Regeln kennt, unermüdlich in den Bewegungen der Würfel ein Spieler ist, und wer von großem Verstand das Würfelspiel versteht - der erträgt alles in den Verfahrensweisen.
Wort für Wort
śakunir uvāca yo 'nveti saṃkhyāṃ nikṛtau vidhijñaś ceṣṭāsv akhinnaḥ kitavo 'kṣajāsu mahāmatir yaś ca jānāti dyūtaṃ sa vai sarvaṃ sahate prakriyāsu
Śakuni sprach: Wer der Berechnung im Trug folgt, die Regeln kennt, unermüdlich in den Bewegungen der Würfel ein Spieler ist, und wer von großem Verstand das Würfelspiel versteht - der erträgt alles in den Verfahrensweisen.
akṣaglahaḥ so 'bhibhavet paraṃ nas tenaiva kālo bhavatīdam āttha dīvyāmahe pārthiva mā viśaṅkāṃ kuruṣva pāṇaṃ ca ciraṃ ca mā kṛthāḥ
Der Wurf der Würfel möge den anderen von uns besiegen - eben deshalb, sagst du, sei jetzt die Zeit gekommen. Lass uns spielen, o Fürst; hege keinen Argwohn, setze deinen Einsatz und zögere nicht lange.
Wort für Wort
akṣaglahaḥ so 'bhibhavet paraṃ nas tenaiva kālo bhavatīdam āttha dīvyāmahe pārthiva mā viśaṅkāṃ kuruṣva pāṇaṃ ca ciraṃ ca mā kṛthāḥ
Der Wurf der Würfel möge den anderen von uns besiegen - eben deshalb, sagst du, sei jetzt die Zeit gekommen. Lass uns spielen, o Fürst; hege keinen Argwohn, setze deinen Einsatz und zögere nicht lange.
idaṃ vai devanaṃ pāpaṃ māyayā kitavaiḥ saha dharmeṇa tu jayo yuddhe tat paraṃ sādhu devanam
'Dieses Würfelspiel mit Betrügern ist wahrlich eine Sünde durch Trug; der Sieg im Kampf aber, der durch Rechtschaffenheit errungen wird, das ist das höchste, wahre Spiel.'
Wort für Wort
idaṃ vai devanaṃ pāpaṃ māyayā kitavaiḥ saha dharmeṇa tu jayo yuddhe tat paraṃ sādhu devanam
'Dieses Würfelspiel mit Betrügern ist wahrlich eine Sünde durch Trug; der Sieg im Kampf aber, der durch Rechtschaffenheit errungen wird, das ist das höchste, wahre Spiel.'
'Die Edlen verunreinigen nicht ihre Sprache und wandeln nicht mit Trug; ein aufrichtiger, arglistfreier Kampf - das ist das Gelübde der guten Menschen.'
'Die Edlen verunreinigen nicht ihre Sprache und wandeln nicht mit Trug; ein aufrichtiger, arglistfreier Kampf - das ist das Gelübde der guten Menschen.'
śaktito brāhmaṇān vandyāñ śikṣituṃ prayatāmahe tad vai vittaṃ mātidevīr mā jaiṣīḥ śakune param
'Nach Kräften bemühen wir uns, den verehrungswürdigen Brahmanen zu geben, was ihnen zusteht - das ist wahrer Reichtum. Überschreite das rechte Maß nicht, Śakuni; besiege den anderen nicht auf solche Weise.'
Wort für Wort
śaktito brāhmaṇān vandyāñ śikṣituṃ prayatāmahe tad vai vittaṃ mātidevīr mā jaiṣīḥ śakune param
'Nach Kräften bemühen wir uns, den verehrungswürdigen Brahmanen zu geben, was ihnen zusteht - das ist wahrer Reichtum. Überschreite das rechte Maß nicht, Śakuni; besiege den anderen nicht auf solche Weise.'
[Anm.: Der Vers ist im Sanskrit unklar überliefert; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung.]
Śakuni sprach: Ein Vedakundiger nähert sich einem Nicht-Vedakundigen ja gerade durch seine Überlegenheit, Yudhiṣṭhira, ein Kundiger dem Unkundigen - das nennen die Leute nicht Betrug.
Śakuni sprach: Ein Vedakundiger nähert sich einem Nicht-Vedakundigen ja gerade durch seine Überlegenheit, Yudhiṣṭhira, ein Kundiger dem Unkundigen - das nennen die Leute nicht Betrug.
yudhiṣṭhira uvāca āhūto na nivarteyam iti me vratam āhitam vidhiś ca balavān rājan diṣṭasyāsmi vaśe sthitaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: 'Ist man herausgefordert, so ziehe man sich nicht zurück' - das ist mein festgelegtes Gelübde; und das Schicksal ist mächtig, o König - ich stehe unter der Macht dessen, was bestimmt ist.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca āhūto na nivarteyam iti me vratam āhitam vidhiś ca balavān rājan diṣṭasyāsmi vaśe sthitaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: 'Ist man herausgefordert, so ziehe man sich nicht zurück' - das ist mein festgelegtes Gelübde; und das Schicksal ist mächtig, o König - ich stehe unter der Macht dessen, was bestimmt ist.
Yudhiṣṭhira sprach: Ein Spiel, bei dem ein anderer für einen anderen spielt, erscheint mir ungehörig; doch wenn du dies weißt und dennoch so willst, so nimm es nach Belieben auf - möge es so geschehen.
Yudhiṣṭhira sprach: Ein Spiel, bei dem ein anderer für einen anderen spielt, erscheint mir ungehörig; doch wenn du dies weißt und dennoch so willst, so nimm es nach Belieben auf - möge es so geschehen.
Yudhiṣṭhira sprach: Dieser wertvolle Juwel, o König, aus einem Meeresstrudel entstanden, mit einer Kette verziert, prächtig, mit feinstem Gold geschmückt -
Yudhiṣṭhira sprach: Dieser wertvolle Juwel, o König, aus einem Meeresstrudel entstanden, mit einer Kette verziert, prächtig, mit feinstem Gold geschmückt -
vaiśaṃpāyana uvāca tato jagrāha śakunis tān akṣān akṣatattvavit jitam ity eva śakunir yudhiṣṭhiram abhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Da ergriff Śakuni, der Kenner der wahren Natur der Würfel, jene Würfel, und Śakuni sprach zu Yudhiṣṭhira nur ein Wort: 'Gewonnen!'
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato jagrāha śakunis tān akṣān akṣatattvavit jitam ity eva śakunir yudhiṣṭhiram abhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Da ergriff Śakuni, der Kenner der wahren Natur der Würfel, jene Würfel, und Śakuni sprach zu Yudhiṣṭhira nur ein Wort: 'Gewonnen!'