Kapitel 45: Duryodhanaśokaḥ
Duryodhanas Klage und der Entschluss zum Würfelspiel
Śakuni macht Dhṛtarāṣṭra auf Duryodhanas Kummer aufmerksam. Duryodhana schildert ausführlich und mit glühendem Neid den überwältigenden Reichtum und Glanz, den er beim Rājasūya-Opfer gesehen hat, und erklärt, dass er dies nicht ertragen könne. Śakuni schlägt erneut das Würfelspiel als Mittel vor, Yudhiṣṭhiras Pracht zu gewinnen. Duryodhana bedrängt seinen Vater mit einer emotionalen Erpressung (Selbstmorddrohung), und Dhṛtarāṣṭra gibt, entgegen besserem Wissen, aus Liebe zu seinem Sohn dem Drängen nach, lässt eine neue Würfelhalle errichten und sendet Vidura, um Yudhiṣṭhira herbeizuholen - trotz Viduras deutlichem Widerspruch.
nachdem er zuvor Duryodhanas Absicht erkannt hatte, um ihm zu Willen zu sein - zu dem mit dem Auge der Weisheit sitzenden (blinden König); da sprach Śakuni, der Sohn des Subala,
nachdem er zuvor Duryodhanas Absicht erkannt hatte, um ihm zu Willen zu sein - zu dem mit dem Auge der Weisheit sitzenden (blinden König); da sprach Śakuni, der Sohn des Subala,
dhṛtarāṣṭra uvāca duryodhana kutomūlaṃ bhṛśam ārto 'si putraka śrotavyaś cen mayā so 'rtho brūhi me kurunandana
Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Duryodhana, woher rührt es, dass du so heftig bedrängt bist, mein Sohn? Wenn ich diesen Grund hören soll, so sage ihn mir, Spross der Kurus.'
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca duryodhana kutomūlaṃ bhṛśam ārto 'si putraka śrotavyaś cen mayā so 'rtho brūhi me kurunandana
Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Duryodhana, woher rührt es, dass du so heftig bedrängt bist, mein Sohn? Wenn ich diesen Grund hören soll, so sage ihn mir, Spross der Kurus.'
devānām iva te sarvaṃ vāci baddhaṃ na saṃśayaḥ sa dīna iva durdharṣaḥ kasmāc chocasi putraka
all dies steht dir, den Göttern gleich, ganz nach deinem Wort zur Verfügung, ohne Zweifel. Warum trauerst du dann, mein Sohn, wie ein Elender, obwohl du unbezwingbar bist?'
Wort für Wort
devānām iva te sarvaṃ vāci baddhaṃ na saṃśayaḥ sa dīna iva durdharṣaḥ kasmāc chocasi putraka
all dies steht dir, den Göttern gleich, ganz nach deinem Wort zur Verfügung, ohne Zweifel. Warum trauerst du dann, mein Sohn, wie ein Elender, obwohl du unbezwingbar bist?'
Duryodhana sprach: 'Ich esse und kleide mich, wie es sich für einen niedrigen Menschen ziemt, und trage in mir schrecklichen Groll, den Wandel der Zeit ertragend.
Duryodhana sprach: 'Ich esse und kleide mich, wie es sich für einen niedrigen Menschen ziemt, und trage in mir schrecklichen Groll, den Wandel der Zeit ertragend.
amarṣaṇaḥ svāḥ prakṛtīr abhibhūya pare sthitāḥ kleśān mumukṣuḥ parajān sa vai puruṣa ucyate
'Mann' wird der genannt, der voller Groll, seine eigenen Neigungen überwindend, während die Widersacher überlegen sind, danach strebt, das von den Feinden verursachte Leid abzuschütteln.
Wort für Wort
amarṣaṇaḥ svāḥ prakṛtīr abhibhūya pare sthitāḥ kleśān mumukṣuḥ parajān sa vai puruṣa ucyate
'Mann' wird der genannt, der voller Groll, seine eigenen Neigungen überwindend, während die Widersacher überlegen sind, danach strebt, das von den Feinden verursachte Leid abzuschütteln.
sapatnān ṛdhyato ''tmānaṃ hīyamānaṃ niśāmya ca adṛśyām api kaunteye sthitāṃ paśyann ivodyatām tasmād ahaṃ vivarṇaś ca dīnaś ca hariṇaḥ kṛśaḥ
Wenn ich das Gedeihen meiner Widersacher und meinen eigenen Niedergang gewahre, und die für andere unsichtbare, im Sohn der Kuntī gegenwärtige und aufsteigende Pracht gleichsam schaue - deshalb bin ich bleich, elend, gelblich und abgemagert.
Wort für Wort
sapatnān ṛdhyato ''tmānaṃ hīyamānaṃ niśāmya ca adṛśyām api kaunteye sthitāṃ paśyann ivodyatām tasmād ahaṃ vivarṇaś ca dīnaś ca hariṇaḥ kṛśaḥ
Wenn ich das Gedeihen meiner Widersacher und meinen eigenen Niedergang gewahre, und die für andere unsichtbare, im Sohn der Kuntī gegenwärtige und aufsteigende Pracht gleichsam schaue - deshalb bin ich bleich, elend, gelblich und abgemagert.
śaikyaṃ rukmasahasrasya bahuratnavibhūṣitam dṛṣṭvā ca mama tat sarvaṃ jvararūpam ivābhavat
Als ich einen mit tausend Goldstücken gefertigten, mit reichlich Kleinodien geschmückten (Trinkbecher) sah, wurde mir das alles gleichsam wie fieberhafte Qual.
Wort für Wort
śaikyaṃ rukmasahasrasya bahuratnavibhūṣitam dṛṣṭvā ca mama tat sarvaṃ jvararūpam ivābhavat
Als ich einen mit tausend Goldstücken gefertigten, mit reichlich Kleinodien geschmückten (Trinkbecher) sah, wurde mir das alles gleichsam wie fieberhafte Qual.
Weder der Glanz des Götterkönigs noch der Yamas oder Varuṇas, noch der des Herrn der Guhyakas (Kubera) gleicht dem Glanz, der bei Yudhiṣṭhira ist, o König.
Weder der Glanz des Götterkönigs noch der Yamas oder Varuṇas, noch der des Herrn der Guhyakas (Kubera) gleicht dem Glanz, der bei Yudhiṣṭhira ist, o König.
Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Der Kṣattā (Vidura), der hochkluge Ratgeber, unter dessen Weisung ich stehe - mit ihm werde ich zusammenkommen und die Entscheidung in dieser Sache erfahren.
Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Der Kṣattā (Vidura), der hochkluge Ratgeber, unter dessen Weisung ich stehe - mit ihm werde ich zusammenkommen und die Entscheidung in dieser Sache erfahren.
sa hi dharmaṃ puraskṛtya dīrghadarśī paraṃ hitam ubhayoḥ pakṣayor yuktaṃ vakṣyaty arthaviniścayam
Denn er, weitblickend, wird, den Dharma voranstellend, das höchste Wohl beider Seiten berücksichtigend, die angemessene Entscheidung in dieser Angelegenheit aussprechen.'
Wort für Wort
sa hi dharmaṃ puraskṛtya dīrghadarśī paraṃ hitam ubhayoḥ pakṣayor yuktaṃ vakṣyaty arthaviniścayam
Denn er, weitblickend, wird, den Dharma voranstellend, das höchste Wohl beider Seiten berücksichtigend, die angemessene Entscheidung in dieser Angelegenheit aussprechen.'
Duryodhana sprach: 'Wenn der Kṣattā, wenn er hinzukommt, dich davon abbringen wird, o König der Könige, dann werde ich, sobald du davon abgebracht bist, ohne Zweifel sterben.
Duryodhana sprach: 'Wenn der Kṣattā, wenn er hinzukommt, dich davon abbringen wird, o König der Könige, dann werde ich, sobald du davon abgebracht bist, ohne Zweifel sterben.
vaiśaṃpāyana uvāca ārtavākyaṃ tu tat tasya praṇayoktaṃ niśamya saḥ dhṛtarāṣṭro 'bravīt preṣyān duryodhanamate sthitaḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dieses schmerzliche, aus Zuneigung gesprochene Wort vernommen hatte, sprach jener Dhṛtarāṣṭra, sich Duryodhanas Meinung anschließend, zu den Dienern:
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ārtavākyaṃ tu tat tasya praṇayoktaṃ niśamya saḥ dhṛtarāṣṭro 'bravīt preṣyān duryodhanamate sthitaḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dieses schmerzliche, aus Zuneigung gesprochene Wort vernommen hatte, sprach jener Dhṛtarāṣṭra, sich Duryodhanas Meinung anschließend, zu den Dienern:
tataḥ saṃstīrya ratnais tām akṣān āvāpya sarvaśaḥ sukṛtāṃ supraveśāṃ ca nivedayata me śanaiḥ
Dann, nachdem sie sie mit Kleinodien ausgestattet und die Würfel überall bereitgelegt haben, sollt ihr mir vorsichtig melden, dass sie fertig gebaut und wohl zugänglich ist.'
Wort für Wort
tataḥ saṃstīrya ratnais tām akṣān āvāpya sarvaśaḥ sukṛtāṃ supraveśāṃ ca nivedayata me śanaiḥ
Dann, nachdem sie sie mit Kleinodien ausgestattet und die Würfel überall bereitgelegt haben, sollt ihr mir vorsichtig melden, dass sie fertig gebaut und wohl zugänglich ist.'
apṛṣṭvā viduraṃ hy asya nāsīt kaś cid viniścayaḥ dyūtadoṣāṃś ca jānan sa putrasnehād akṛṣyata
Denn ohne Vidura zu befragen, traf er keine Entscheidung; und obwohl er die Übel des Würfelspiels kannte, wurde er von Liebe zu seinem Sohn dazu hingezogen.
Wort für Wort
apṛṣṭvā viduraṃ hy asya nāsīt kaś cid viniścayaḥ dyūtadoṣāṃś ca jānan sa putrasnehād akṛṣyata
Denn ohne Vidura zu befragen, traf er keine Entscheidung; und obwohl er die Übel des Würfelspiels kannte, wurde er von Liebe zu seinem Sohn dazu hingezogen.
Als der kluge Vidura dies hörte, eilte er zu Dhṛtarāṣṭra, dem sich das Tor des Unheils genähert hatte und dem der Beginn des Verderbens entstanden war.
Als der kluge Vidura dies hörte, eilte er zu Dhṛtarāṣṭra, dem sich das Tor des Unheils genähert hatte und dem der Beginn des Verderbens entstanden war.
Sei es unheilvoll oder heilvoll, sei es zuträglich oder unzuträglich - dieses freundschaftliche Würfelspiel möge stattfinden; es ist so vom Schicksal bestimmt, ohne Zweifel.
Sei es unheilvoll oder heilvoll, sei es zuträglich oder unzuträglich - dieses freundschaftliche Würfelspiel möge stattfinden; es ist so vom Schicksal bestimmt, ohne Zweifel.