Kapitel 68: Pratijñāparva
Duḥśāsanas Hohntanz und die feierlichen Racheeide der Pāṇḍava-Brüder
Beim Aufbruch der Pāṇḍavas in Tierfellen zur Waldverbannung verhöhnt Duḥśāsana sie grausam und rät Draupadī spöttisch, sich einen neuen Gatten unter den Kurus zu wählen; er tanzt sogar höhnisch um den zornigen Bhīma herum. Duryodhana äfft Bhīmas löwenhaften Gang nach. Daraufhin legen Bhīma, Arjuna, Sahadeva und Nakula nacheinander ihre berühmten, feierlichen Racheeide ab: Bhīma schwört, Duryodhana mit der Keule zu erschlagen und Duḥśāsanas Blut zu trinken; Arjuna gelobt, Karṇa zu töten; Sahadeva schwört Śakunis, Nakula aller Söhne Dhṛtarāṣṭras Tod. Mit diesen Gelöbnissen treten sie vor Dhṛtarāṣṭra.
Heute sind uns die Götter auf ebenen, hindernisfreien Wegen entgegengekommen, da wir, an Vorzügen wie an Rang die Ersten, den anderen an Zahl überlegen sind.
Heute sind uns die Götter auf ebenen, hindernisfreien Wegen entgegengekommen, da wir, an Vorzügen wie an Rang die Ersten, den anderen an Zahl überlegen sind.
[?] [Anm.: Dieser Vers ist im Sanskrit-Original sprachlich schwer verständlich und möglicherweise textlich gestört; die Übersetzung gibt den wahrscheinlichsten Sinn eines prahlerischen Ausrufs Duḥśāsanas wieder.]
narakaṃ pātitāḥ pārthā dīrghakālam anantakam sukhāc ca hīnā rājyāc ca vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
In die Hölle gestürzt sind die Söhne der Pṛthā, für lange, endlose Zeit; des Glücks beraubt und des Reichs, sind sie für immerwährende Jahre zugrunde gegangen.
Wort für Wort
narakaṃ pātitāḥ pārthā dīrghakālam anantakam sukhāc ca hīnā rājyāc ca vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
In die Hölle gestürzt sind die Söhne der Pṛthā, für lange, endlose Zeit; des Glücks beraubt und des Reichs, sind sie für immerwährende Jahre zugrunde gegangen.
balena mattā ye te sma dhārtarāṣṭrān prahāsiṣuḥ te nirjitā hṛtadhanā vanam eṣyanti pāṇḍavāḥ
Die, berauscht von ihrer Macht, einst über die Söhne Dhṛtarāṣṭras gelacht hatten, jene Pāṇḍavas werden nun, besiegt und ihres Reichtums beraubt, in den Wald ziehen.
Wort für Wort
balena mattā ye te sma dhārtarāṣṭrān prahāsiṣuḥ te nirjitā hṛtadhanā vanam eṣyanti pāṇḍavāḥ
Die, berauscht von ihrer Macht, einst über die Söhne Dhṛtarāṣṭras gelacht hatten, jene Pāṇḍavas werden nun, besiegt und ihres Reichtums beraubt, in den Wald ziehen.
Sie sollen ihre bunten Rüstungen ablegen und ihre himmlisch glänzenden Gewänder; alle sollen sie Ruru-Hirschfelle anlegen, wie es der Einsatz des Sohnes Subalas verlangt.
Sie sollen ihre bunten Rüstungen ablegen und ihre himmlisch glänzenden Gewänder; alle sollen sie Ruru-Hirschfelle anlegen, wie es der Einsatz des Sohnes Subalas verlangt.
na santi lokeṣu pumāṃsa īdṛśā; ity eva ye bhāvitabuddhayaḥ sadā jñāsyanti te ''tmānam ime 'dya pāṇḍavā; viparyaye ṣaṇḍhatilā ivāphalāḥ
Die, welche stets meinten, es gäbe keine solchen Männer wie sie in den Welten - diese Pāṇḍavas werden sich heute selbst erkennen, im Umschwung ihres Glücks, wie unfruchtbare Sesamkörner ohne Ertrag.
Wort für Wort
na santi lokeṣu pumāṃsa īdṛśā; ity eva ye bhāvitabuddhayaḥ sadā jñāsyanti te ''tmānam ime 'dya pāṇḍavā; viparyaye ṣaṇḍhatilā ivāphalāḥ
Die, welche stets meinten, es gäbe keine solchen Männer wie sie in den Welten - diese Pāṇḍavas werden sich heute selbst erkennen, im Umschwung ihres Glücks, wie unfruchtbare Sesamkörner ohne Ertrag.
Möge euch, ihr Kaurava-Männer, niemals ein solches Anlegen der Gewänder widerfahren, wie es diesen stolzen Männern widerfährt; seht die Tierfelle der so mächtigen, doch hierzu ungeweihten Pāṇḍavas!
Möge euch, ihr Kaurava-Männer, niemals ein solches Anlegen der Gewänder widerfahren, wie es diesen stolzen Männern widerfährt; seht die Tierfelle der so mächtigen, doch hierzu ungeweihten Pāṇḍavas!
Der hochweise Somaka Yajñasena hat gewiss übel gehandelt, als er seine Tochter, die Pāñcālī, den Pāṇḍavas zur Frau gab - gibt es doch hier keine wahren, sondern nur entmannte Gatten für die Tochter des Yajñasena!
Der hochweise Somaka Yajñasena hat gewiss übel gehandelt, als er seine Tochter, die Pāñcālī, den Pāṇḍavas zur Frau gab - gibt es doch hier keine wahren, sondern nur entmannte Gatten für die Tochter des Yajñasena!
[?] [Anm.: Die Konstruktion mit der doppelten Verneinung 'neha santi klībāḥ' ist mehrdeutig; hier als höhnische Herabsetzung der Pāṇḍava-Gatten gedeutet.]
Wenn du siehst, wie sie feine Umhänge gegen Tierfelle eintauschen, mittellos und ohne festen Stand im Wald - welche Freude wirst du dabei noch finden, Tochter des Yajñasena? Wähle dir einen anderen Gatten, wen du hier sonst wünschst.
Wenn du siehst, wie sie feine Umhänge gegen Tierfelle eintauschen, mittellos und ohne festen Stand im Wald - welche Freude wirst du dabei noch finden, Tochter des Yajñasena? Wähle dir einen anderen Gatten, wen du hier sonst wünschst.
ete hi sarve kuravaḥ sametāḥ; kṣāntā dāntāḥ sudraviṇopapannāḥ eṣāṃ vṛṇīṣvaikatamaṃ patitve; na tvāṃ tapet kālaviparyayo 'yam
Alle diese hier versammelten Kurus sind geduldig, beherrscht, mit reichem Besitz ausgestattet; wähle dir einen von ihnen zum Gatten, damit dich dieser Umschwung der Zeit nicht quäle.
Wort für Wort
ete hi sarve kuravaḥ sametāḥ; kṣāntā dāntāḥ sudraviṇopapannāḥ eṣāṃ vṛṇīṣvaikatamaṃ patitve; na tvāṃ tapet kālaviparyayo 'yam
Alle diese hier versammelten Kurus sind geduldig, beherrscht, mit reichem Besitz ausgestattet; wähle dir einen von ihnen zum Gatten, damit dich dieser Umschwung der Zeit nicht quäle.
Was hältst du dich an die gefallenen Pāṇḍavas? Vergeblich ist die Mühe, an unfruchtbaren Sesamkörnern festzuhalten. - So ließ, in seiner Grausamkeit, der Sohn Dhṛtarāṣṭras die Söhne der Pṛthā harte Worte hören.
Was hältst du dich an die gefallenen Pāṇḍavas? Vergeblich ist die Mühe, an unfruchtbaren Sesamkörnern festzuhalten. - So ließ, in seiner Grausamkeit, der Sohn Dhṛtarāṣṭras die Söhne der Pṛthā harte Worte hören.
tad vai śrutvā bhīmaseno 'tyamarṣī; nirbhartsyoccais taṃ nigṛhyaiva roṣāt uvācedaṃ sahasaivopagamya; siṃho yathā haimavataḥ śṛgālam
Als Bhīmasena, von großem Zorn erfüllt, dies hörte, schalt er ihn laut, seinen Zorn kaum bezähmend, trat plötzlich vor und sprach folgendes, wie ein Löwe vom Himavat zu einem Schakal spricht:
Wort für Wort
tad vai śrutvā bhīmaseno 'tyamarṣī; nirbhartsyoccais taṃ nigṛhyaiva roṣāt uvācedaṃ sahasaivopagamya; siṃho yathā haimavataḥ śṛgālam
Als Bhīmasena, von großem Zorn erfüllt, dies hörte, schalt er ihn laut, seinen Zorn kaum bezähmend, trat plötzlich vor und sprach folgendes, wie ein Löwe vom Himavat zu einem Schakal spricht:
Bhīmasena sprach: Du Grausamer, du sprichst Nichtiges, wie es von bösen Menschen gepflegt wird; durch die Kunst des Gāndhāra prahlst du inmitten der Könige.
Bhīmasena sprach: Du Grausamer, du sprichst Nichtiges, wie es von bösen Menschen gepflegt wird; durch die Kunst des Gāndhāra prahlst du inmitten der Könige.
yathā tudasi marmāṇi vākśarair iha no bhṛśam tathā smārayitā te 'haṃ kṛntan marmāṇi saṃyuge
Wie du hier heftig unsere empfindlichsten Stellen mit den Pfeilen deiner Worte triffst, so werde ich dich daran erinnern, indem ich dir im Kampf die empfindlichsten Stellen zerschneide.
Wort für Wort
yathā tudasi marmāṇi vākśarair iha no bhṛśam tathā smārayitā te 'haṃ kṛntan marmāṇi saṃyuge
Wie du hier heftig unsere empfindlichsten Stellen mit den Pfeilen deiner Worte triffst, so werde ich dich daran erinnern, indem ich dir im Kampf die empfindlichsten Stellen zerschneide.
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ bruvāṇam ajinair vivāsitaṃ; duḥkhābhibhūtaṃ parinṛtyati sma madhye kurūṇāṃ dharmanibaddhamārgaṃ; gaur gaur iti smāhvayan muktalajjaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Während dieser, in Tierfelle gekleidet, von Kummer überwältigt, so sprach, tanzte Duḥśāsana inmitten der Kurus um ihn herum, den dem Rechtspfad Verpflichteten, und rief, aller Scham entledigt, immer wieder: 'Kuh, Kuh!'
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ bruvāṇam ajinair vivāsitaṃ; duḥkhābhibhūtaṃ parinṛtyati sma madhye kurūṇāṃ dharmanibaddhamārgaṃ; gaur gaur iti smāhvayan muktalajjaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Während dieser, in Tierfelle gekleidet, von Kummer überwältigt, so sprach, tanzte Duḥśāsana inmitten der Kurus um ihn herum, den dem Rechtspfad Verpflichteten, und rief, aller Scham entledigt, immer wieder: 'Kuh, Kuh!'
bhīmasena uvāca nṛśaṃsaṃ paruṣaṃ krūraṃ śakyaṃ duḥśāsana tvayā nikṛtyā hi dhanaṃ labdhvā ko vikatthitum arhati
Bhīmasena sprach: Grausames, Hartes, Rohes - das allein vermagst du, Duḥśāsana. Wer, der durch Betrug Reichtum erlangt hat, hat wohl das Recht zu prahlen?
Wort für Wort
bhīmasena uvāca nṛśaṃsaṃ paruṣaṃ krūraṃ śakyaṃ duḥśāsana tvayā nikṛtyā hi dhanaṃ labdhvā ko vikatthitum arhati
Bhīmasena sprach: Grausames, Hartes, Rohes - das allein vermagst du, Duḥśāsana. Wer, der durch Betrug Reichtum erlangt hat, hat wohl das Recht zu prahlen?
mā ha sma sukṛtāṃl lokān gacchet pārtho vṛkodaraḥ yadi vakṣasi bhittvā te na pibec choṇitaṃ raṇe
Niemals möge der Sohn der Pṛthā, Vṛkodara, in die durch gute Taten erworbenen Welten gelangen, wenn ich nicht, deine Brust durchbohrend, dein Blut in der Schlacht trinke!
Wort für Wort
mā ha sma sukṛtāṃl lokān gacchet pārtho vṛkodaraḥ yadi vakṣasi bhittvā te na pibec choṇitaṃ raṇe
Niemals möge der Sohn der Pṛthā, Vṛkodara, in die durch gute Taten erworbenen Welten gelangen, wenn ich nicht, deine Brust durchbohrend, dein Blut in der Schlacht trinke!
Nachdem ich die Söhne Dhṛtarāṣṭras in der Schlacht erschlagen habe, vor den Augen aller Bogenschützen, werde ich bald zur Ruhe kommen - wahrhaftig sage ich euch dies.
Nachdem ich die Söhne Dhṛtarāṣṭras in der Schlacht erschlagen habe, vor den Augen aller Bogenschützen, werde ich bald zur Ruhe kommen - wahrhaftig sage ich euch dies.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als jener löwenhaft schreitende Bhīmasena so, wie im Scherz, sprach, ahmte der törichte König Duryodhana, voll Übermut, mit seinem eigenen Gang dessen Gang nach, während die Pāṇḍavas aus der Versammlungshalle hinausgingen.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als jener löwenhaft schreitende Bhīmasena so, wie im Scherz, sprach, ahmte der törichte König Duryodhana, voll Übermut, mit seinem eigenen Gang dessen Gang nach, während die Pāṇḍavas aus der Versammlungshalle hinausgingen.
'Damit allein ist es nicht getan', sprach Vṛkodara zu ihm, halb umgewandt: 'Bald werde ich dich, nachdem ich dich samt deinem Anhang erschlagen habe, daran erinnern und dir Antwort geben, du Tor.'
'Damit allein ist es nicht getan', sprach Vṛkodara zu ihm, halb umgewandt: 'Bald werde ich dich, nachdem ich dich samt deinem Anhang erschlagen habe, daran erinnern und dir Antwort geben, du Tor.'
Diese ihm angetane Verachtung erkennend, doch seinen Zorn bezähmend, sprach der starke, stolze Bhīma, dem König folgend, während er die Versammlung der Kauravas verließ, folgendes Wort:
Diese ihm angetane Verachtung erkennend, doch seinen Zorn bezähmend, sprach der starke, stolze Bhīma, dem König folgend, während er die Versammlung der Kauravas verließ, folgendes Wort:
idaṃ ca bhūyo vakṣyāmi sabhāmadhye bṛhad vacaḥ satyaṃ devāḥ kariṣyanti yan no yuddhaṃ bhaviṣyati
Und noch dies will ich weiter sagen, dieses gewichtige Wort inmitten der Versammlung: Wahr werden die Götter machen, was uns bevorstehen wird, wenn der Krieg kommt.
Wort für Wort
idaṃ ca bhūyo vakṣyāmi sabhāmadhye bṛhad vacaḥ satyaṃ devāḥ kariṣyanti yan no yuddhaṃ bhaviṣyati
Und noch dies will ich weiter sagen, dieses gewichtige Wort inmitten der Versammlung: Wahr werden die Götter machen, was uns bevorstehen wird, wenn der Krieg kommt.
Arjuna sprach: Nicht allein durch Worte, Bhīma, wird bei den Guten ein Entschluss kundgetan; im vierzehnten Jahr von jetzt an werden sie sehen, was geschehen wird.
Arjuna sprach: Nicht allein durch Worte, Bhīma, wird bei den Guten ein Entschluss kundgetan; im vierzehnten Jahr von jetzt an werden sie sehen, was geschehen wird.
ye cānye pratiyotsyanti buddhimohena māṃ nṛpāḥ tāṃś ca sarvāñ śitair bāṇair netāsmi yamasādanam
Und welche anderen Könige mir, verblendet in ihrem Verstand, entgegentreten werden, alle diese werde ich mit scharfen Pfeilen in die Wohnstatt Yamas schicken.
Wort für Wort
ye cānye pratiyotsyanti buddhimohena māṃ nṛpāḥ tāṃś ca sarvāñ śitair bāṇair netāsmi yamasādanam
Und welche anderen Könige mir, verblendet in ihrem Verstand, entgegentreten werden, alle diese werde ich mit scharfen Pfeilen in die Wohnstatt Yamas schicken.
Die Würfel, die du dir einbildest, du Tor, o Ruhmräuber der Gāndhāras - das sind keine Würfel, sondern scharfe Pfeile, die du dir da für den Kampf ausgesucht hast.
Die Würfel, die du dir einbildest, du Tor, o Ruhmräuber der Gāndhāras - das sind keine Würfel, sondern scharfe Pfeile, die du dir da für den Kampf ausgesucht hast.
Diese Tochter des Yajñasena, der bei diesem Würfelspiel von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, die auf der Seite standen, die Duryodhana lieb war, mit rauen Worten bedacht wurde -
Diese Tochter des Yajñasena, der bei diesem Würfelspiel von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, die auf der Seite standen, die Duryodhana lieb war, mit rauen Worten bedacht wurde -
jene bösgesinnten, dem Untergang geweihten, vom Schicksal getriebenen Söhne Dhṛtarāṣṭras werde ich zumeist die Wohnstatt des Sohnes des Vivasvat sehen lassen.
jene bösgesinnten, dem Untergang geweihten, vom Schicksal getriebenen Söhne Dhṛtarāṣṭras werde ich zumeist die Wohnstatt des Sohnes des Vivasvat sehen lassen.