Kapitel 60: Draupadīvastrākarṣaṇam
Die Schändung Draupadīs in der Versammlungshalle
Eines der erschütterndsten Kapitel des gesamten Epos: Duryodhana lässt Draupadī in die Halle holen; sie stellt dem Boten die scharfsinnige Frage, ob Yudhiṣṭhira sich zuerst selbst oder zuerst sie verspielt habe - eine Frage, die niemand beantworten will. Auf Duryodhanas Befehl zerrt Duḥśāsana die menstruierende, nur einfach bekleidete Draupadī gewaltsam an den Haaren in die Halle, verhöhnt sie als Dienerin und lässt ihr Gewand teilweise herabgleiten, während Karṇa und Śakuni höhnisch lachen. Draupadī klagt eindringlich das Versagen des Kuru-Dharma an und wiederholt ihre Frage vor der ganzen Versammlung; Bhīṣma gesteht seine Unfähigkeit, wegen der 'Feinheit des Dharma' eine eindeutige Antwort zu geben. Das Kapitel endet damit, dass Bhīma, außer sich vor Schmerz und Zorn, beim Anblick seiner gedemütigten Gattin und seines schweigenden Bruders in offenen Zorn gerät.
Vaiśaṃpāyana sprach: 'Schande über den Kṣattṛ!' so sprechend, vom Hochmut berauscht, blickte der Sohn des Dhṛtarāṣṭra in der Halle auf den Prātikāmin (den Kammerdiener) und sprach zu ihm inmitten der höchst Edlen:
Vaiśaṃpāyana sprach: 'Schande über den Kṣattṛ!' so sprechend, vom Hochmut berauscht, blickte der Sohn des Dhṛtarāṣṭra in der Halle auf den Prātikāmin (den Kammerdiener) und sprach zu ihm inmitten der höchst Edlen:
tvaṃ prātikāmin draupadīm ānayasva na te bhayaṃ vidyate pāṇḍavebhyaḥ kṣattā hy ayaṃ vivadaty eva bhīrur na cāsmākaṃ vṛddhikāmaḥ sadaiva
'Du, Prātikāmin, bring Draupadī herbei; du hast nichts von den Pāṇḍavas zu fürchten. Dieser Kṣattṛ hier streitet nur, ein Feigling, und ist niemals auf unser Gedeihen bedacht.'
Wort für Wort
tvaṃ prātikāmin draupadīm ānayasva na te bhayaṃ vidyate pāṇḍavebhyaḥ kṣattā hy ayaṃ vivadaty eva bhīrur na cāsmākaṃ vṛddhikāmaḥ sadaiva
'Du, Prātikāmin, bring Draupadī herbei; du hast nichts von den Pāṇḍavas zu fürchten. Dieser Kṣattṛ hier streitet nur, ein Feigling, und ist niemals auf unser Gedeihen bedacht.'
evam uktaḥ prātikāmī sa sūtaḥ prāyāc chīghraṃ rājavaco niśamya praviśya ca śveva sa siṃhagoṣṭhaṃ samāsadan mahiṣīṃ pāṇḍavānām
So angesprochen, ging jener Wagenlenkersohn, der Prātikāmin, eilig, dem königlichen Wort gehorchend, und trat, wie ein Hund, der in eine Löwenherde eindringt, an die Hauptgemahlin der Pāṇḍavas heran.
Wort für Wort
evam uktaḥ prātikāmī sa sūtaḥ prāyāc chīghraṃ rājavaco niśamya praviśya ca śveva sa siṃhagoṣṭhaṃ samāsadan mahiṣīṃ pāṇḍavānām
So angesprochen, ging jener Wagenlenkersohn, der Prātikāmin, eilig, dem königlichen Wort gehorchend, und trat, wie ein Hund, der in eine Löwenherde eindringt, an die Hauptgemahlin der Pāṇḍavas heran.
Der Prātikāmin sprach: 'Während Yudhiṣṭhira vom Rausch des Würfelspiels berauscht war, hat Duryodhana dich, Draupadī, gewonnen. Ergib dich dem Haus des Dhṛtarāṣṭra - ich bringe dich zur Arbeit, Tochter des Yajñasena.'
Der Prātikāmin sprach: 'Während Yudhiṣṭhira vom Rausch des Würfelspiels berauscht war, hat Duryodhana dich, Draupadī, gewonnen. Ergib dich dem Haus des Dhṛtarāṣṭra - ich bringe dich zur Arbeit, Tochter des Yajñasena.'
draupady uvāca kathaṃ tv evaṃ vadasi prātikāmin ko vai dīvyed bhāryayā rājaputraḥ mūḍho rājā dyūtamadena matta āho nānyat kaitavam asya kiṃ cit
Draupadī sprach: 'Wie kannst du so etwas sagen, Prātikāmin? Welcher Königssohn spielt denn um seine Gattin? War der König etwa vom Rausch des Würfelspiels verblendet, oder hatte er noch etwas anderes zum Einsatz?'
Wort für Wort
draupady uvāca kathaṃ tv evaṃ vadasi prātikāmin ko vai dīvyed bhāryayā rājaputraḥ mūḍho rājā dyūtamadena matta āho nānyat kaitavam asya kiṃ cit
Draupadī sprach: 'Wie kannst du so etwas sagen, Prātikāmin? Welcher Königssohn spielt denn um seine Gattin? War der König etwa vom Rausch des Würfelspiels verblendet, oder hatte er noch etwas anderes zum Einsatz?'
prātikāmy uvāca yadā nābhūt kaitavam anyad asya tadādevīt pāṇḍavo 'jātaśatruḥ nyastāḥ pūrvaṃ bhrātaras tena rājñā svayaṃ cātmā tvam atho rājaputri
Der Prātikāmin sprach: 'Als es für ihn nichts anderes mehr zum Einsatz gab, da erst spielte der Pāṇḍava Ajātaśatru; zuvor hatte jener König seine Brüder eingesetzt, dann sich selbst, und schließlich, Königstochter, dich.'
Wort für Wort
prātikāmy uvāca yadā nābhūt kaitavam anyad asya tadādevīt pāṇḍavo 'jātaśatruḥ nyastāḥ pūrvaṃ bhrātaras tena rājñā svayaṃ cātmā tvam atho rājaputri
Der Prātikāmin sprach: 'Als es für ihn nichts anderes mehr zum Einsatz gab, da erst spielte der Pāṇḍava Ajātaśatru; zuvor hatte jener König seine Brüder eingesetzt, dann sich selbst, und schließlich, Königstochter, dich.'
draupady uvāca gaccha tvaṃ kitavaṃ gatvā sabhāyāṃ pṛccha sūtaja kiṃ nu pūrvaṃ parājaiṣīr ātmānaṃ māṃ nu bhārata etaj jñātvā tvam āgaccha tato māṃ naya sūtaja
Draupadī sprach: 'Geh du zurück zur Halle, zu dem Spieler, und frage ihn, Sohn eines Wagenlenkers: Hast du zuerst dich selbst verspielt, oder mich, o Bhārata? Wisse dies, dann komm zurück, und dann führe mich fort, Sohn eines Wagenlenkers.'
Wort für Wort
draupady uvāca gaccha tvaṃ kitavaṃ gatvā sabhāyāṃ pṛccha sūtaja kiṃ nu pūrvaṃ parājaiṣīr ātmānaṃ māṃ nu bhārata etaj jñātvā tvam āgaccha tato māṃ naya sūtaja
Draupadī sprach: 'Geh du zurück zur Halle, zu dem Spieler, und frage ihn, Sohn eines Wagenlenkers: Hast du zuerst dich selbst verspielt, oder mich, o Bhārata? Wisse dies, dann komm zurück, und dann führe mich fort, Sohn eines Wagenlenkers.'
vaiśaṃpāyana uvāca sabhāṃ gatvā sa covāca draupadyās tad vacas tadā kasyeśo naḥ parājaiṣīr iti tvām āha draupadī kiṃ nu pūrvaṃ parājaiṣīr ātmānam atha vāpi mām
Vaiśaṃpāyana sprach: Zur Halle zurückgekehrt, sprach er da Draupadīs Worte: 'Wessen Herr warst du noch, als du uns verspieltest?' - so lässt dich Draupadī fragen: 'Hast du zuerst dich selbst verspielt, oder mich?'
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sabhāṃ gatvā sa covāca draupadyās tad vacas tadā kasyeśo naḥ parājaiṣīr iti tvām āha draupadī kiṃ nu pūrvaṃ parājaiṣīr ātmānam atha vāpi mām
Vaiśaṃpāyana sprach: Zur Halle zurückgekehrt, sprach er da Draupadīs Worte: 'Wessen Herr warst du noch, als du uns verspieltest?' - so lässt dich Draupadī fragen: 'Hast du zuerst dich selbst verspielt, oder mich?'
duryodhana uvāca ihaitya kṛṣṇā pāñcālī praśnam etaṃ prabhāṣatām ihaiva sarve śṛṇvantu tasyā asya ca yad vacaḥ
Duryodhana sprach: 'Sie komme selbst hierher, Kṛṣṇā, die Tochter des Pāñcāla-Königs, und stelle diese Frage selbst; hier sollen alle hören, was sie und was er zu sagen haben.'
Wort für Wort
duryodhana uvāca ihaitya kṛṣṇā pāñcālī praśnam etaṃ prabhāṣatām ihaiva sarve śṛṇvantu tasyā asya ca yad vacaḥ
Duryodhana sprach: 'Sie komme selbst hierher, Kṛṣṇā, die Tochter des Pāñcāla-Königs, und stelle diese Frage selbst; hier sollen alle hören, was sie und was er zu sagen haben.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Da ging jener Wagenlenkersohn, der Prātikāmin, Duryodhanas Befehl gehorchend, zum königlichen Gemach und sprach, wie von Schmerz erfüllt, zu Draupadī:
Vaiśaṃpāyana sprach: Da ging jener Wagenlenkersohn, der Prātikāmin, Duryodhanas Befehl gehorchend, zum königlichen Gemach und sprach, wie von Schmerz erfüllt, zu Draupadī:
sabhyās tv amī rājaputry āhvayanti manye prāptaḥ saṃkṣayaḥ kauravāṇām na vai samṛddhiṃ pālayate laghīyān yat tvaṃ sabhām eṣyasi rājaputri
'Diese Versammelten, Königstochter, rufen dich; ich glaube, der Untergang der Kauravas ist gekommen. Ein Geringerer wahrt sein Glück nicht dauerhaft - wenn du, Königstochter, in die Halle kommen musst.'
Wort für Wort
sabhyās tv amī rājaputry āhvayanti manye prāptaḥ saṃkṣayaḥ kauravāṇām na vai samṛddhiṃ pālayate laghīyān yat tvaṃ sabhām eṣyasi rājaputri
'Diese Versammelten, Königstochter, rufen dich; ich glaube, der Untergang der Kauravas ist gekommen. Ein Geringerer wahrt sein Glück nicht dauerhaft - wenn du, Königstochter, in die Halle kommen musst.'
Draupadī sprach: 'Gewiss hat der Ordner der Welt es so bestimmt; Weise und Toren berühren beide dasselbe Schicksal. Doch man sagt, das Dharma sei das eine, höchste Gut in der Welt; wird es bewahrt, so wird es uns Frieden bringen.'
Draupadī sprach: 'Gewiss hat der Ordner der Welt es so bestimmt; Weise und Toren berühren beide dasselbe Schicksal. Doch man sagt, das Dharma sei das eine, höchste Gut in der Welt; wird es bewahrt, so wird es uns Frieden bringen.'
In einem einzigen Gewand, mit gelöstem Hüftband, weinend, in ihren Tagen, kam die Tochter des Pāñcāla-Königs in die Halle und trat vor ihren Schwiegervater.
In einem einzigen Gewand, mit gelöstem Hüftband, weinend, in ihren Tagen, kam die Tochter des Pāñcāla-Königs in die Halle und trat vor ihren Schwiegervater.
Da, den Gesichtsausdruck der Versammelten betrachtend, sprach König Duryodhana erfreut zu dem Wagenlenkersohn: 'Bring sie eben hierher, Prātikāmin; vor ihren Augen sollen die Kurus ihr Urteil verkünden.'
Da, den Gesichtsausdruck der Versammelten betrachtend, sprach König Duryodhana erfreut zu dem Wagenlenkersohn: 'Bring sie eben hierher, Prātikāmin; vor ihren Augen sollen die Kurus ihr Urteil verkünden.'
tataḥ sūtas tasya vaśānugāmī bhītaś ca kopād drupadātmajāyāḥ vihāya mānaṃ punar eva sabhyān uvāca kṛṣṇāṃ kim ahaṃ bravīmi
Da sprach der Wagenlenkersohn, seinem Befehl gehorchend, doch aus Furcht vor dem Zorn der Tochter des Drupada, seinen Stolz erneut ablegend, zu den Versammelten: 'Was soll ich Kṛṣṇā denn noch sagen?'
Wort für Wort
tataḥ sūtas tasya vaśānugāmī bhītaś ca kopād drupadātmajāyāḥ vihāya mānaṃ punar eva sabhyān uvāca kṛṣṇāṃ kim ahaṃ bravīmi
Da sprach der Wagenlenkersohn, seinem Befehl gehorchend, doch aus Furcht vor dem Zorn der Tochter des Drupada, seinen Stolz erneut ablegend, zu den Versammelten: 'Was soll ich Kṛṣṇā denn noch sagen?'
duryodhana uvāca duḥśāsanaiṣa mama sūtaputro vṛkodarād udvijate 'lpacetāḥ svayaṃ pragṛhyānaya yājñasenīṃ kiṃ te kariṣyanty avaśāḥ sapatnāḥ
Duryodhana sprach: 'Duḥśāsana, dieser mein Wagenlenkersohn, von schwachem Verstand, fürchtet sich vor Vṛkodara; geh du selbst hin und bring die Tochter des Yajñasena mit Gewalt herbei - was können dir schon die machtlosen Widersacher antun?'
Wort für Wort
duryodhana uvāca duḥśāsanaiṣa mama sūtaputro vṛkodarād udvijate 'lpacetāḥ svayaṃ pragṛhyānaya yājñasenīṃ kiṃ te kariṣyanty avaśāḥ sapatnāḥ
Duryodhana sprach: 'Duḥśāsana, dieser mein Wagenlenkersohn, von schwachem Verstand, fürchtet sich vor Vṛkodara; geh du selbst hin und bring die Tochter des Yajñasena mit Gewalt herbei - was können dir schon die machtlosen Widersacher antun?'
tataḥ samutthāya sa rājaputraḥ śrutvā bhrātuḥ kopaviraktadṛṣṭiḥ praviśya tad veśma mahārathānām ity abravīd draupadīṃ rājaputrīm
Da erhob sich jener Königssohn, nachdem er den Befehl seines Bruders gehört hatte, mit vor Zorn glühendem Blick, und betrat das Gemach jener großen Wagenkämpfer, und sprach zu der Königstochter Draupadī:
Wort für Wort
tataḥ samutthāya sa rājaputraḥ śrutvā bhrātuḥ kopaviraktadṛṣṭiḥ praviśya tad veśma mahārathānām ity abravīd draupadīṃ rājaputrīm
Da erhob sich jener Königssohn, nachdem er den Befehl seines Bruders gehört hatte, mit vor Zorn glühendem Blick, und betrat das Gemach jener großen Wagenkämpfer, und sprach zu der Königstochter Draupadī:
'Komm, komm, Pāñcālī, du bist gewonnen, Kṛṣṇā; wirf deine Scham ab und blicke auf Duryodhana. Wende dich den Kurus zu, du mit den langgestreckten Lotusaugen; rechtmäßig bist du erlangt worden - komm in die Halle.'
'Komm, komm, Pāñcālī, du bist gewonnen, Kṛṣṇā; wirf deine Scham ab und blicke auf Duryodhana. Wende dich den Kurus zu, du mit den langgestreckten Lotusaugen; rechtmäßig bist du erlangt worden - komm in die Halle.'
Da erhob sie sich, tief betrübt, wischte sich mit der Hand das erbleichte Gesicht ab, und lief, von Schmerz erfüllt, dorthin, wo sich die Frauen des alten Königs, des Stiers der Kurus, befanden.
Da erhob sie sich, tief betrübt, wischte sich mit der Hand das erbleichte Gesicht ab, und lief, von Schmerz erfüllt, dorthin, wo sich die Frauen des alten Königs, des Stiers der Kurus, befanden.
ye rājasūyāvabhṛthe jalena mahākratau mantrapūtena siktāḥ te pāṇḍavānāṃ paribhūya vīryaṃ balāt pramṛṣṭā dhṛtarāṣṭrajena
Jenes Haar, das beim abschließenden Bad des großen Rājasūya-Opfers mit durch Mantras geweihtem Wasser besprengt worden war - dieses wurde nun, unter Missachtung der Tapferkeit der Pāṇḍavas, von dem Sohn des Dhṛtarāṣṭra gewaltsam zerzaust.
Wort für Wort
ye rājasūyāvabhṛthe jalena mahākratau mantrapūtena siktāḥ te pāṇḍavānāṃ paribhūya vīryaṃ balāt pramṛṣṭā dhṛtarāṣṭrajena
Jenes Haar, das beim abschließenden Bad des großen Rājasūya-Opfers mit durch Mantras geweihtem Wasser besprengt worden war - dieses wurde nun, unter Missachtung der Tapferkeit der Pāṇḍavas, von dem Sohn des Dhṛtarāṣṭra gewaltsam zerzaust.
Nachdem er sie ergriffen hatte, zog Duḥśāsana Kṛṣṇā mit ihrem tiefschwarzen Haar in die Nähe der Halle, sie, die einen Beschützer hatte, wie eine Beschützerlose, wie der Wind eine gequälte Bananenstaude zerrt.
Nachdem er sie ergriffen hatte, zog Duḥśāsana Kṛṣṇā mit ihrem tiefschwarzen Haar in die Nähe der Halle, sie, die einen Beschützer hatte, wie eine Beschützerlose, wie der Wind eine gequälte Bananenstaude zerrt.
sā kṛṣyamāṇā namitāṅgayaṣṭiḥ śanair uvācādya rajasvalāsmi ekaṃ ca vāso mama mandabuddhe sabhāṃ netuṃ nārhasi mām anārya
Sie, so gezogen, ihren Körper gebeugt, sprach leise: 'Ich bin heute in meinen Tagen, und ich habe nur ein einziges Gewand, du von schwachem Verstand; du solltest mich nicht in die Halle führen, Unedler.'
Wort für Wort
sā kṛṣyamāṇā namitāṅgayaṣṭiḥ śanair uvācādya rajasvalāsmi ekaṃ ca vāso mama mandabuddhe sabhāṃ netuṃ nārhasi mām anārya
Sie, so gezogen, ihren Körper gebeugt, sprach leise: 'Ich bin heute in meinen Tagen, und ich habe nur ein einziges Gewand, du von schwachem Verstand; du solltest mich nicht in die Halle führen, Unedler.'
tato 'bravīt tāṃ prasabhaṃ nigṛhya keśeṣu kṛṣṇeṣu tadā sa kṛṣṇām kṛṣṇaṃ ca jiṣṇuṃ ca hariṃ naraṃ ca trāṇāya vikrośa nayāmi hi tvām
Da sprach er, sie gewaltsam an ihrem schwarzen Haar festhaltend, zu Kṛṣṇā: 'Rufe nur Kṛṣṇa, Jiṣṇu (Arjuna), Hari und Nara zu deiner Rettung - ich führe dich dennoch fort.'
Wort für Wort
tato 'bravīt tāṃ prasabhaṃ nigṛhya keśeṣu kṛṣṇeṣu tadā sa kṛṣṇām kṛṣṇaṃ ca jiṣṇuṃ ca hariṃ naraṃ ca trāṇāya vikrośa nayāmi hi tvām
Da sprach er, sie gewaltsam an ihrem schwarzen Haar festhaltend, zu Kṛṣṇā: 'Rufe nur Kṛṣṇa, Jiṣṇu (Arjuna), Hari und Nara zu deiner Rettung - ich führe dich dennoch fort.'
'Magst du in deinen Tagen sein, Tochter des Yajñasena, oder in einem einzigen Gewand, oder auch unbekleidet - du bist im Würfelspiel gewonnen worden, du bist zur Dienerin gemacht; und mit Dienerinnen verfährt man nach Belieben.'
'Magst du in deinen Tagen sein, Tochter des Yajñasena, oder in einem einzigen Gewand, oder auch unbekleidet - du bist im Würfelspiel gewonnen worden, du bist zur Dienerin gemacht; und mit Dienerinnen verfährt man nach Belieben.'
Mit aufgelöstem Haar, das halbe Gewand herabgeglitten, von Duḥśāsana hin und her gezerrt, von Scham und Empörung zugleich verzehrt, sprach Kṛṣṇā leise diese Worte:
Mit aufgelöstem Haar, das halbe Gewand herabgeglitten, von Duḥśāsana hin und her gezerrt, von Scham und Empörung zugleich verzehrt, sprach Kṛṣṇā leise diese Worte:
'Diese hier in der Halle sind in den Lehrschriften unterwiesen, alle in den Riten geübt und Indra gleich; sie stehen alle an der Stelle von Lehrern und sind selbst Lehrer - vor ihnen mag ich nicht in diesem Zustand stehen.'
'Diese hier in der Halle sind in den Lehrschriften unterwiesen, alle in den Riten geübt und Indra gleich; sie stehen alle an der Stelle von Lehrern und sind selbst Lehrer - vor ihnen mag ich nicht in diesem Zustand stehen.'
nṛśaṃsakarmaṃs tvam anāryavṛtta mā māṃ vivastrāṃ kṛdhi mā vikārṣīḥ na marṣayeyus tava rājaputrāḥ sendrāpi devā yadi te sahāyāḥ
'Du Grausamer im Tun, von unedlem Betragen - mache mich nicht unbekleidet, zerre mich nicht so! Die Königssöhne würden es dir nicht verzeihen, selbst wenn die Götter samt Indra deine Helfer wären.'
Wort für Wort
nṛśaṃsakarmaṃs tvam anāryavṛtta mā māṃ vivastrāṃ kṛdhi mā vikārṣīḥ na marṣayeyus tava rājaputrāḥ sendrāpi devā yadi te sahāyāḥ
'Du Grausamer im Tun, von unedlem Betragen - mache mich nicht unbekleidet, zerre mich nicht so! Die Königssöhne würden es dir nicht verzeihen, selbst wenn die Götter samt Indra deine Helfer wären.'
dharme sthito dharmasutaś ca rājā dharmaś ca sūkṣmo nipuṇopalabhyaḥ vācāpi bhartuḥ paramāṇumātraṃ necchāmi doṣaṃ svaguṇān visṛjya
'Der König steht im Dharma, er ist der Sohn des Dharma; und das Dharma ist fein und nur mit Scharfsinn zu erfassen. Auch nicht um ein Stäubchen möchte ich meinem Gatten mit einem Wort einen Fehler zuschreiben, unter Aufgabe meiner eigenen Tugend.'
Wort für Wort
dharme sthito dharmasutaś ca rājā dharmaś ca sūkṣmo nipuṇopalabhyaḥ vācāpi bhartuḥ paramāṇumātraṃ necchāmi doṣaṃ svaguṇān visṛjya
'Der König steht im Dharma, er ist der Sohn des Dharma; und das Dharma ist fein und nur mit Scharfsinn zu erfassen. Auch nicht um ein Stäubchen möchte ich meinem Gatten mit einem Wort einen Fehler zuschreiben, unter Aufgabe meiner eigenen Tugend.'
idaṃ tv anāryaṃ kuruvīramadhye rajasvalāṃ yat parikarṣase mām na cāpi kaś cit kurute 'tra pūjāṃ dhruvaṃ tavedaṃ matam anvapadyan
'Doch dies ist unedel, dass du mich, in meinen Tagen, inmitten der Kuru-Helden so herumzerrst; und niemand hier erweist mir Ehrerbietung - gewiss haben sich alle deiner Absicht angeschlossen.'
Wort für Wort
idaṃ tv anāryaṃ kuruvīramadhye rajasvalāṃ yat parikarṣase mām na cāpi kaś cit kurute 'tra pūjāṃ dhruvaṃ tavedaṃ matam anvapadyan
'Doch dies ist unedel, dass du mich, in meinen Tagen, inmitten der Kuru-Helden so herumzerrst; und niemand hier erweist mir Ehrerbietung - gewiss haben sich alle deiner Absicht angeschlossen.'
'Schande! Verloren ist wahrlich das Dharma der Bharatas und das Verhalten der Kṣatriya-Kundigen, da alle Kurus in der Halle zusehen, wie die Grenze des Kuru-Dharma überschritten wird.'
'Schande! Verloren ist wahrlich das Dharma der Bharatas und das Verhalten der Kṣatriya-Kundigen, da alle Kurus in der Halle zusehen, wie die Grenze des Kuru-Dharma überschritten wird.'
droṇasya bhīṣmasya ca nāsti sattvaṃ dhruvaṃ tathaivāsya mahātmano 'pi rājñas tathā hīmam adharmam ugraṃ na lakṣayante kuruvṛddhamukhyāḥ
'Weder Droṇa noch Bhīṣma haben noch inneren Halt, und ebenso wenig gewiss dieser hochherzige König; denn die vornehmsten Alten der Kurus bemerken dieses furchtbare Unrecht nicht.'
Wort für Wort
droṇasya bhīṣmasya ca nāsti sattvaṃ dhruvaṃ tathaivāsya mahātmano 'pi rājñas tathā hīmam adharmam ugraṃ na lakṣayante kuruvṛddhamukhyāḥ
'Weder Droṇa noch Bhīṣma haben noch inneren Halt, und ebenso wenig gewiss dieser hochherzige König; denn die vornehmsten Alten der Kurus bemerken dieses furchtbare Unrecht nicht.'
So kläglich sprechend, blickte die Schönhüftige mit einem Seitenblick auf ihre zornigen Gatten; sie entflammte die Pāṇḍavas, deren Körper schon von Zorn erfüllt waren, mit ihren zornigen Seitenblicken noch mehr.
So kläglich sprechend, blickte die Schönhüftige mit einem Seitenblick auf ihre zornigen Gatten; sie entflammte die Pāṇḍavas, deren Körper schon von Zorn erfüllt waren, mit ihren zornigen Seitenblicken noch mehr.
hṛtena rājyena tathā dhanena ratnaiś ca mukhyair na tathā babhūva yathārtayā kopasamīritena kṛṣṇākaṭākṣeṇa babhūva duḥkham
Nicht durch den Verlust des Königreichs, des Reichtums und der kostbarsten Juwelen entstand ein solches Leid, wie es durch den von Schmerz und Zorn erregten Seitenblick Kṛṣṇās entstand.
Wort für Wort
hṛtena rājyena tathā dhanena ratnaiś ca mukhyair na tathā babhūva yathārtayā kopasamīritena kṛṣṇākaṭākṣeṇa babhūva duḥkham
Nicht durch den Verlust des Königreichs, des Reichtums und der kostbarsten Juwelen entstand ein solches Leid, wie es durch den von Schmerz und Zorn erregten Seitenblick Kṛṣṇās entstand.
Und Duḥśāsana, als er Kṛṣṇā sah, wie sie auf ihre elend dreinblickenden Gatten schaute, schüttelte sie heftig, sodass sie fast die Besinnung verlor, und sprach, wie lachend, der Furchtbare: 'Dienerin!'
Und Duḥśāsana, als er Kṛṣṇā sah, wie sie auf ihre elend dreinblickenden Gatten schaute, schüttelte sie heftig, sodass sie fast die Besinnung verlor, und sprach, wie lachend, der Furchtbare: 'Dienerin!'
karṇas tu tad vākyam atīva hṛṣṭaḥ saṃpūjayām āsa hasan saśabdam gāndhārarājaḥ subalasya putras tathaiva duḥśāsanam abhyanandat
Karṇa aber, über dieses Wort überaus erfreut, lobte ihn mit lautem Lachen; ebenso beglückwünschte der König von Gāndhāra, der Sohn des Subala, den Duḥśāsana.
Wort für Wort
karṇas tu tad vākyam atīva hṛṣṭaḥ saṃpūjayām āsa hasan saśabdam gāndhārarājaḥ subalasya putras tathaiva duḥśāsanam abhyanandat
Karṇa aber, über dieses Wort überaus erfreut, lobte ihn mit lautem Lachen; ebenso beglückwünschte der König von Gāndhāra, der Sohn des Subala, den Duḥśāsana.
sabhyās tu ye tatra babhūvur anye tābhyām ṛte dhārtarāṣṭreṇa caiva teṣām abhūd duḥkham atīva kṛṣṇāṃ dṛṣṭvā sabhāyāṃ parikṛṣyamāṇām
Die übrigen Versammelten dort aber, außer diesen beiden und dem Sohn des Dhṛtarāṣṭra, empfanden überaus großes Leid, als sie Kṛṣṇā so in der Halle herumgezerrt sahen.
Wort für Wort
sabhyās tu ye tatra babhūvur anye tābhyām ṛte dhārtarāṣṭreṇa caiva teṣām abhūd duḥkham atīva kṛṣṇāṃ dṛṣṭvā sabhāyāṃ parikṛṣyamāṇām
Die übrigen Versammelten dort aber, außer diesen beiden und dem Sohn des Dhṛtarāṣṭra, empfanden überaus großes Leid, als sie Kṛṣṇā so in der Halle herumgezerrt sahen.
bhīṣma uvāca na dharmasaukṣmyāt subhage vivaktuṃ śaknomi te praśnam imaṃ yathāvat asvo hy aśaktaḥ paṇituṃ parasvaṃ striyaś ca bhartur vaśatāṃ samīkṣya
Bhīṣma sprach: 'Wegen der Feinheit des Dharma, Glückliche, vermag ich deine Frage nicht ordnungsgemäß zu entscheiden; denn wer selbst nicht mehr Herr über sich ist, kann nicht über fremden Besitz verfügen - und in Anbetracht dessen, dass Frauen der Gewalt ihres Gatten unterstehen -'
Wort für Wort
bhīṣma uvāca na dharmasaukṣmyāt subhage vivaktuṃ śaknomi te praśnam imaṃ yathāvat asvo hy aśaktaḥ paṇituṃ parasvaṃ striyaś ca bhartur vaśatāṃ samīkṣya
Bhīṣma sprach: 'Wegen der Feinheit des Dharma, Glückliche, vermag ich deine Frage nicht ordnungsgemäß zu entscheiden; denn wer selbst nicht mehr Herr über sich ist, kann nicht über fremden Besitz verfügen - und in Anbetracht dessen, dass Frauen der Gewalt ihres Gatten unterstehen -'
tyajeta sarvāṃ pṛthivīṃ samṛddhāṃ yudhiṣṭhiraḥ satyam atho na jahyāt uktaṃ jito 'smīti ca pāṇḍavena tasmān na śaknomi vivektum etat
'- Yudhiṣṭhira würde eher die ganze blühende Erde aufgeben, als von der Wahrheit abzuweichen; und der Pāṇḍava hat gesagt: Ich bin besiegt. Deshalb vermag ich dies nicht zu entscheiden.'
Wort für Wort
tyajeta sarvāṃ pṛthivīṃ samṛddhāṃ yudhiṣṭhiraḥ satyam atho na jahyāt uktaṃ jito 'smīti ca pāṇḍavena tasmān na śaknomi vivektum etat
'- Yudhiṣṭhira würde eher die ganze blühende Erde aufgeben, als von der Wahrheit abzuweichen; und der Pāṇḍava hat gesagt: Ich bin besiegt. Deshalb vermag ich dies nicht zu entscheiden.'
dyūte 'dvitīyaḥ śakunir nareṣu kuntīsutas tena nisṛṣṭakāmaḥ na manyate tāṃ nikṛtiṃ mahātmā tasmān na te praśnam imaṃ bravīmi
'Śakuni ist im Würfelspiel unter den Menschen ohnegleichen; von ihm wurde der Sohn der Kuntī zum Spiel verleitet, doch der Hochherzige selbst hält es nicht für Betrug - deshalb kann ich dir zu dieser Frage keine Antwort geben.'
Wort für Wort
dyūte 'dvitīyaḥ śakunir nareṣu kuntīsutas tena nisṛṣṭakāmaḥ na manyate tāṃ nikṛtiṃ mahātmā tasmān na te praśnam imaṃ bravīmi
'Śakuni ist im Würfelspiel unter den Menschen ohnegleichen; von ihm wurde der Sohn der Kuntī zum Spiel verleitet, doch der Hochherzige selbst hält es nicht für Betrug - deshalb kann ich dir zu dieser Frage keine Antwort geben.'
Draupadī sprach: 'Der König wurde in der Halle von Kundigen herausgefordert, von Bösgesinnten, Betrügern, Unedlen, die das Würfelspiel lieben, während er selbst nicht sonderlich darin geübt war - wie kann man da sagen, er sei freiwillig in das Spiel gegangen?'
Draupadī sprach: 'Der König wurde in der Halle von Kundigen herausgefordert, von Bösgesinnten, Betrügern, Unedlen, die das Würfelspiel lieben, während er selbst nicht sonderlich darin geübt war - wie kann man da sagen, er sei freiwillig in das Spiel gegangen?'
sa śuddhabhāvo nikṛtipravṛttim abudhyamānaḥ kurupāṇḍavāgryaḥ saṃbhūya sarvaiś ca jito 'pi yasmāt paścāc ca yat kaitavam abhyupetaḥ
'Er, von reinem Herzen, der Vorzüglichste der Kurus und Pāṇḍavas, erkannte das betrügerische Vorgehen nicht; weshalb er, obwohl von allen zusammen überlistet und besiegt, sich hinterher noch weiter auf das Spiel einließ.'
Wort für Wort
sa śuddhabhāvo nikṛtipravṛttim abudhyamānaḥ kurupāṇḍavāgryaḥ saṃbhūya sarvaiś ca jito 'pi yasmāt paścāc ca yat kaitavam abhyupetaḥ
'Er, von reinem Herzen, der Vorzüglichste der Kurus und Pāṇḍavas, erkannte das betrügerische Vorgehen nicht; weshalb er, obwohl von allen zusammen überlistet und besiegt, sich hinterher noch weiter auf das Spiel einließ.'
tiṣṭhanti ceme kuravaḥ sabhāyām īśāḥ sutānāṃ ca tathā snuṣāṇām samīkṣya sarve mama cāpi vākyaṃ vibrūta me praśnam imaṃ yathāvat
'Und diese Kurus hier stehen in der Halle, Herren ihrer Söhne und ebenso ihrer Schwiegertöchter; ihr alle mögt die Sache prüfen, und auch mein Wort - beantwortet mir diese Frage ordnungsgemäß.'
Wort für Wort
tiṣṭhanti ceme kuravaḥ sabhāyām īśāḥ sutānāṃ ca tathā snuṣāṇām samīkṣya sarve mama cāpi vākyaṃ vibrūta me praśnam imaṃ yathāvat
'Und diese Kurus hier stehen in der Halle, Herren ihrer Söhne und ebenso ihrer Schwiegertöchter; ihr alle mögt die Sache prüfen, und auch mein Wort - beantwortet mir diese Frage ordnungsgemäß.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Während sie so kläglich weinend sprach und wiederholt ihre Gatten anblickte, sprach Duḥśāsana harte, unliebsame und bittere Worte.
Vaiśaṃpāyana sprach: Während sie so kläglich weinend sprach und wiederholt ihre Gatten anblickte, sprach Duḥśāsana harte, unliebsame und bittere Worte.
tāṃ kṛṣyamāṇāṃ ca rajasvalāṃ ca srastottarīyām atadarhamāṇām vṛkodaraḥ prekṣya yudhiṣṭhiraṃ ca cakāra kopaṃ paramārtarūpaḥ
Als Vṛkodara sie sah, wie sie so gezerrt wurde, in ihren Tagen, ihr Obergewand herabgeglitten, sie, die dies nicht verdiente, und als er auf Yudhiṣṭhira blickte, geriet er, von höchstem Schmerz erfüllt, in Zorn.
Wort für Wort
tāṃ kṛṣyamāṇāṃ ca rajasvalāṃ ca srastottarīyām atadarhamāṇām vṛkodaraḥ prekṣya yudhiṣṭhiraṃ ca cakāra kopaṃ paramārtarūpaḥ
Als Vṛkodara sie sah, wie sie so gezerrt wurde, in ihren Tagen, ihr Obergewand herabgeglitten, sie, die dies nicht verdiente, und als er auf Yudhiṣṭhira blickte, geriet er, von höchstem Schmerz erfüllt, in Zorn.