Kapitel 71: Pāṇḍavavanapraveśaḥ
Die symbolischen Gebärden der Pāṇḍavas beim Auszug, die Vorzeichen und Droṇas Warnung
Vidura deutet Dhṛtarāṣṭra die rätselhaften Gebärden, mit denen jeder Pāṇḍava beim Auszug seinen stillen Racheentschluss verkündet - Yudhiṣṭhiras verhülltes Gesicht, Bhīmas ausgestreckte Arme, Arjunas Sandstreuen als Bild künftiger Pfeilregen, Sahadevas und Nakulas verhüllte Gesichter. Draupadī kündigt prophetisch die künftige Trauer der Kuru-Frauen an. Zahlreiche Unheilszeichen (Erdbeben, eine unzeitige Sonnenfinsternis, klagende Aasvögel) begleiten den Auszug, und Nārada erscheint mit einer düsteren Prophezeiung vom Untergang der Kauravas im vierzehnten Jahr. Droṇa warnt Duryodhana eindringlich und schildert die Geburt Dhṛṣṭadyumnas und Draupadīs aus dem Opferfeuer als Vorzeichen seines eigenen, von Drupada geplanten Untergangs, worauf Dhṛtarāṣṭra Vidura anweist, die Pāṇḍavas zurückzuholen.
Vidura sprach: Sein Gesicht mit einem Tuch verhüllend geht Yudhiṣṭhira, der Sohn der Kuntī; seine breiten Arme ausgestreckt haltend geht Bhīma, der Pāṇḍava.
Vidura sprach: Sein Gesicht mit einem Tuch verhüllend geht Yudhiṣṭhira, der Sohn der Kuntī; seine breiten Arme ausgestreckt haltend geht Bhīma, der Pāṇḍava.
vidura uvāca nikṛtasyāpi te putrair hṛte rājye dhaneṣu ca na dharmāc calate buddhir dharmarājasya dhīmataḥ
Vidura sprach: Obwohl er von deinen Söhnen betrogen wurde und ihm Reich und Reichtum genommen wurden, weicht der Sinn des weisen Dharmarāja nicht vom Recht ab.
Wort für Wort
vidura uvāca nikṛtasyāpi te putrair hṛte rājye dhaneṣu ca na dharmāc calate buddhir dharmarājasya dhīmataḥ
Vidura sprach: Obwohl er von deinen Söhnen betrogen wurde und ihm Reich und Reichtum genommen wurden, weicht der Sinn des weisen Dharmarāja nicht vom Recht ab.
Dieser König, der stets voll Mitleid gegenüber den Söhnen Dhṛtarāṣṭras ist, o Bhārata, hält, von Zorn über den Betrug erhitzt, seine Augen geschlossen,
Dieser König, der stets voll Mitleid gegenüber den Söhnen Dhṛtarāṣṭras ist, o Bhārata, hält, von Zorn über den Betrug erhitzt, seine Augen geschlossen,
denkend: 'Ich möchte nicht Menschen verbrennen, indem ich sie mit schrecklichem Blick anschaue.' Deshalb geht der König, der Pāṇḍava, mit verhülltem Gesicht.
denkend: 'Ich möchte nicht Menschen verbrennen, indem ich sie mit schrecklichem Blick anschaue.' Deshalb geht der König, der Pāṇḍava, mit verhülltem Gesicht.
bāhū viśālau kṛtvā tu tena bhīmo 'pi gacchati bāhū darśayamāno hi bāhudraviṇadarpitaḥ cikīrṣan karma śatrubhyo bāhudravyānurūpataḥ
in diesem Gedanken geht auch Bhīma, seine breiten Arme ausgestreckt haltend; seine Arme zeigend, stolz auf den Reichtum seiner Arme, gewillt, den Feinden eine Tat zu vollbringen, die dem Reichtum seiner Arme entspricht.
Wort für Wort
bāhū viśālau kṛtvā tu tena bhīmo 'pi gacchati bāhū darśayamāno hi bāhudraviṇadarpitaḥ cikīrṣan karma śatrubhyo bāhudravyānurūpataḥ
in diesem Gedanken geht auch Bhīma, seine breiten Arme ausgestreckt haltend; seine Arme zeigend, stolz auf den Reichtum seiner Arme, gewillt, den Feinden eine Tat zu vollbringen, die dem Reichtum seiner Arme entspricht.
ekavastrā tu rudatī muktakeśī rajasvalā śoṇitāktārdravasanā draupadī vākyam abravīt
Draupadī aber, in einem einzigen Gewand, weinend, mit gelöstem Haar, in ihren monatlichen Reinigungstagen, ihr feuchtes Gewand blutbefleckt, sprach folgendes Wort:
Wort für Wort
ekavastrā tu rudatī muktakeśī rajasvalā śoṇitāktārdravasanā draupadī vākyam abravīt
Draupadī aber, in einem einzigen Gewand, weinend, mit gelöstem Haar, in ihren monatlichen Reinigungstagen, ihr feuchtes Gewand blutbefleckt, sprach folgendes Wort:
'Um derentwillen ich in diesen Zustand geraten bin - im vierzehnten Jahr von jetzt an werden deren Gattinnen, ihrer Gatten beraubt, ihrer Söhne beraubt, ihrer geliebten Verwandten beraubt,'
'Um derentwillen ich in diesen Zustand geraten bin - im vierzehnten Jahr von jetzt an werden deren Gattinnen, ihrer Gatten beraubt, ihrer Söhne beraubt, ihrer geliebten Verwandten beraubt,'
'ihre Glieder mit dem Blut ihrer Verwandten befleckt, mit gelöstem Haar, in ihren Reinigungstagen, nachdem sie so das Wasseropfer für die Toten dargebracht haben, in die Elefantenstadt einziehen.'
'ihre Glieder mit dem Blut ihrer Verwandten befleckt, mit gelöstem Haar, in ihren Reinigungstagen, nachdem sie so das Wasseropfer für die Toten dargebracht haben, in die Elefantenstadt einziehen.'
Nachdem er Darbha-Gras südwärts gerichtet hergerichtet hatte, geht der besonnene Hauspriester Dhaumya, die dem Yama geweihten Sāma-Gesänge singend, voran, o Bhārata,
Nachdem er Darbha-Gras südwärts gerichtet hergerichtet hatte, geht der besonnene Hauspriester Dhaumya, die dem Yama geweihten Sāma-Gesänge singend, voran, o Bhārata,
denkend: 'Wenn die Bharatas in der Schlacht gefallen sind, werden die Priester der Kurus dann solche Sāma-Gesänge singen' - so sprechend geht auch Dhaumya.
denkend: 'Wenn die Bharatas in der Schlacht gefallen sind, werden die Priester der Kurus dann solche Sāma-Gesänge singen' - so sprechend geht auch Dhaumya.
Rāhu verschlang die Sonne außerhalb der vorgesehenen Zeit, o Herrscher der Untertanen, und eine Sternschnuppe zerbarst, nachdem sie die Stadt von links nach rechts umkreist hatte.
Rāhu verschlang die Sonne außerhalb der vorgesehenen Zeit, o Herrscher der Untertanen, und eine Sternschnuppe zerbarst, nachdem sie die Stadt von links nach rechts umkreist hatte.
Da betrachteten Duryodhana, Karṇa und auch Śakuni, der Sohn Subalas, Droṇa als ihre 'Insel' der Zuflucht und übertrugen ihm die Angelegenheiten des Reiches.
Da betrachteten Duryodhana, Karṇa und auch Śakuni, der Sohn Subalas, Droṇa als ihre 'Insel' der Zuflucht und übertrugen ihm die Angelegenheiten des Reiches.
Die Zweifachgeborenen nennen die Pāṇḍavas, die Söhne der Götter, unbesiegbar; doch ich, solange ich nach meinem Vermögen handle, an die, die zu mir Zuflucht genommen haben,
Die Zweifachgeborenen nennen die Pāṇḍavas, die Söhne der Götter, unbesiegbar; doch ich, solange ich nach meinem Vermögen handle, an die, die zu mir Zuflucht genommen haben,
die mit ganzer Seele und Ergebenheit zu mir gekommen sind, die Söhne Dhṛtarāṣṭras samt ihrem König, vermag ich nicht gänzlich zu verlassen; im Übrigen liegt es in der Wurzel des Schicksals.
die mit ganzer Seele und Ergebenheit zu mir gekommen sind, die Söhne Dhṛtarāṣṭras samt ihrem König, vermag ich nicht gänzlich zu verlassen; im Übrigen liegt es in der Wurzel des Schicksals.
caritabrahmacaryāś ca krodhāmarṣavaśānugāḥ vairaṃ pratyānayiṣyanti mama duḥkhāya pāṇḍavāḥ
Nachdem sie das Gelübde der Enthaltsamkeit erfüllt haben, von Zorn und Ungeduld überwältigt, werden die Pāṇḍavas die Feindschaft zurückbringen, mir zum Leid.
Wort für Wort
caritabrahmacaryāś ca krodhāmarṣavaśānugāḥ vairaṃ pratyānayiṣyanti mama duḥkhāya pāṇḍavāḥ
Nachdem sie das Gelübde der Enthaltsamkeit erfüllt haben, von Zorn und Ungeduld überwältigt, werden die Pāṇḍavas die Feindschaft zurückbringen, mir zum Leid.
mayā tu bhraṃśito rājyād drupadaḥ sakhivigrahe putrārtham ayajat krodhād vadhāya mama bhārata
Von mir aber wurde Drupada, in unserem Freundschaftsstreit, seines Reiches beraubt; aus Zorn brachte er, um einen Sohn zu erlangen, ein Opfer dar, zu meinem Verderben, o Bhārata.
Wort für Wort
mayā tu bhraṃśito rājyād drupadaḥ sakhivigrahe putrārtham ayajat krodhād vadhāya mama bhārata
Von mir aber wurde Drupada, in unserem Freundschaftsstreit, seines Reiches beraubt; aus Zorn brachte er, um einen Sohn zu erlangen, ein Opfer dar, zu meinem Verderben, o Bhārata.
yājopayājatapasā putraṃ lebhe sa pāvakāt dhṛṣṭadyumnaṃ draupadīṃ ca vedīmadhyāt sumadhyamām
Durch die Askese der Priester Yāja und Upayāja erlangte er aus dem Feuer einen Sohn, Dhṛṣṭadyumna, und Draupadī, die Schönhüftige, aus der Mitte des Opferaltars.
Wort für Wort
yājopayājatapasā putraṃ lebhe sa pāvakāt dhṛṣṭadyumnaṃ draupadīṃ ca vedīmadhyāt sumadhyamām
Durch die Askese der Priester Yāja und Upayāja erlangte er aus dem Feuer einen Sohn, Dhṛṣṭadyumna, und Draupadī, die Schönhüftige, aus der Mitte des Opferaltars.
Flammenfarben, gottgegeben, mit Bogen, Rüstung und Pfeilen kam er zur Welt - doch der sterblichen Natur unterworfen; daher hat mich seinetwegen Furcht ergriffen.
Flammenfarben, gottgegeben, mit Bogen, Rüstung und Pfeilen kam er zur Welt - doch der sterblichen Natur unterworfen; daher hat mich seinetwegen Furcht ergriffen.
Denn der Sohn des Pṛṣata, der Stier unter den Männern, ist auf ihre Seite übergegangen, sein Leben dem Zweck hingegeben - deshalb werde ich umso heftiger gegen deine Feinde kämpfen.
Denn der Sohn des Pṛṣata, der Stier unter den Männern, ist auf ihre Seite übergegangen, sein Leben dem Zweck hingegeben - deshalb werde ich umso heftiger gegen deine Feinde kämpfen.
madvadhāya śruto hy eṣa loke cāpy ativiśrutaḥ nūnaṃ so 'yam anuprāptas tvatkṛte kālaparyayaḥ
Denn er ist bekannt, zu meinem Verderben bestimmt zu sein, und ist in der Welt weithin berühmt; gewiss ist nun jener Umschwung der Zeit deinetwegen eingetreten.
Wort für Wort
madvadhāya śruto hy eṣa loke cāpy ativiśrutaḥ nūnaṃ so 'yam anuprāptas tvatkṛte kālaparyayaḥ
Denn er ist bekannt, zu meinem Verderben bestimmt zu sein, und ist in der Welt weithin berühmt; gewiss ist nun jener Umschwung der Zeit deinetwegen eingetreten.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er die Worte Droṇas gehört hatte, sprach Dhṛtarāṣṭra folgendes: 'Recht spricht der Lehrer. Kṣattṛ, bringe die Pāṇḍavas zurück!'
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er die Worte Droṇas gehört hatte, sprach Dhṛtarāṣṭra folgendes: 'Recht spricht der Lehrer. Kṣattṛ, bringe die Pāṇḍavas zurück!'