Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sabhāparva

Kapitel 51: Sabhākaraṇam Der Bau der Würfelhalle und die Entsendung Viduras

Śakuni bietet an, den Pāṇḍavas durch sein meisterhaftes Würfelspiel ihre Pracht abzugewinnen, und Duryodhana bittet Dhṛtarāṣṭra um Zustimmung. Dhṛtarāṣṭra beruft sich zunächst auf Vidura, doch Duryodhana warnt, Vidura werde nur die Interessen der Pāṇḍavas vertreten, und entfaltet eine eigennützige Argumentation zugunsten des Würfelspiels. Trotz eigener Bedenken und einer letzten Warnung gibt Dhṛtarāṣṭra, dem Schicksal ergeben, schließlich nach und lässt eine prächtige neue Würfelhalle errichten. Vidura wird beauftragt, Yudhiṣṭhira herbeizuholen; er missbilligt den Auftrag offen und warnt vor dem drohenden Untergang des Geschlechts, doch Dhṛtarāṣṭra beruft sich auf die Allmacht des Schicksals und beharrt auf seinem Befehl.

śakunir uvāca yāṃ tvam etāṃ śriyaṃ dṛṣṭvā pāṇḍuputre yudhiṣṭhire tapyase tāṃ hariṣyāmi dyūtenāhūyatāṃ paraḥ

Śakuni sprach: Diese Pracht, die du bei Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Pāṇḍu, gesehen hast und über die du dich grämst - ich werde sie ihm durch das Würfelspiel entreißen. Man fordere den Anderen heraus.

Wort für Wort
śakunir uvāca yāṃ tvam etāṃ śriyaṃ dṛṣṭvā pāṇḍuputre yudhiṣṭhire tapyase tāṃ hariṣyāmi dyūtenāhūyatāṃ paraḥ
Śakuni sprach: Diese Pracht, die du bei Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Pāṇḍu, gesehen hast und über die du dich grämst - ich werde sie ihm durch das Würfelspiel entreißen. Man fordere den Anderen heraus.

agatvā saṃśayam aham ayuddhvā ca camūmukhe akṣān kṣipann akṣataḥ san vidvān aviduṣo jaye

Ohne in Gefahr zu geraten und ohne an der Spitze eines Heeres zu kämpfen, werde ich, unverletzt und kundig, durch das Werfen der Würfel über den Unkundigen siegen.

Wort für Wort
agatvā saṃśayam aham ayuddhvā ca camūmukhe akṣān kṣipann akṣataḥ san vidvān aviduṣo jaye
Ohne in Gefahr zu geraten und ohne an der Spitze eines Heeres zu kämpfen, werde ich, unverletzt und kundig, durch das Werfen der Würfel über den Unkundigen siegen.

glahān dhanūṃṣi me viddhi śarān akṣāṃś ca bhārata akṣāṇāṃ hṛdayaṃ me jyāṃ rathaṃ viddhi mamāstaram

Wisse, dass mir die Einsätze Bögen sind und die Würfel die Pfeile, o Bhārata; wisse, dass mein Wesen der Würfel die Bogensehne ist und das Spielbrett mein Wagen.

Wort für Wort
glahān dhanūṃṣi me viddhi śarān akṣāṃś ca bhārata akṣāṇāṃ hṛdayaṃ me jyāṃ rathaṃ viddhi mamāstaram
Wisse, dass mir die Einsätze Bögen sind und die Würfel die Pfeile, o Bhārata; wisse, dass mein Wesen der Würfel die Bogensehne ist und das Spielbrett mein Wagen.

duryodhana uvāca ayam utsahate rājañ śriyam āhartum akṣavit dyūtena pāṇḍuputrebhyas tat tubhyaṃ tāta rocatām

Duryodhana sprach: Dieser hier, im Würfeln kundig, ist bereit, den Söhnen des Pāṇḍu die Pracht durch das Würfelspiel zu entreißen, o König - möge dir das gefallen, mein Vater.

Wort für Wort
duryodhana uvāca ayam utsahate rājañ śriyam āhartum akṣavit dyūtena pāṇḍuputrebhyas tat tubhyaṃ tāta rocatām
Duryodhana sprach: Dieser hier, im Würfeln kundig, ist bereit, den Söhnen des Pāṇḍu die Pracht durch das Würfelspiel zu entreißen, o König - möge dir das gefallen, mein Vater.

dhṛtarāṣṭra uvāca sthito 'smi śāsane bhrātur vidurasya mahātmanaḥ tena saṃgamya vetsyāmi kāryasyāsya viniścayam

Dhṛtarāṣṭra sprach: Ich stehe unter der Weisung meines hochherzigen Bruders Vidura; erst wenn ich mich mit ihm beraten habe, werde ich über diese Angelegenheit entscheiden.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca sthito 'smi śāsane bhrātur vidurasya mahātmanaḥ tena saṃgamya vetsyāmi kāryasyāsya viniścayam
Dhṛtarāṣṭra sprach: Ich stehe unter der Weisung meines hochherzigen Bruders Vidura; erst wenn ich mich mit ihm beraten habe, werde ich über diese Angelegenheit entscheiden.

duryodhana uvāca vihaniṣyati te buddhiṃ viduro muktasaṃśayaḥ pāṇḍavānāṃ hite yukto na tathā mama kaurava

Duryodhana sprach: Vidura wird, ohne jeden Zweifel, deinen Entschluss zunichtemachen; denn er ist auf das Wohl der Pāṇḍavas bedacht, nicht ebenso auf meines, o Kaurava.

Wort für Wort
duryodhana uvāca vihaniṣyati te buddhiṃ viduro muktasaṃśayaḥ pāṇḍavānāṃ hite yukto na tathā mama kaurava
Duryodhana sprach: Vidura wird, ohne jeden Zweifel, deinen Entschluss zunichtemachen; denn er ist auf das Wohl der Pāṇḍavas bedacht, nicht ebenso auf meines, o Kaurava.

nārabhet parasāmarthyāt puruṣaḥ kāryam ātmanaḥ matisāmyaṃ dvayor nāsti kāryeṣu kurunandana

Ein Mann sollte seine eigene Angelegenheit nicht von der Zustimmung eines anderen abhängig machen; denn zwischen zweien gibt es in ihren Angelegenheiten keine Übereinstimmung der Meinung, Freude der Kurus.

Wort für Wort
nārabhet parasāmarthyāt puruṣaḥ kāryam ātmanaḥ matisāmyaṃ dvayor nāsti kāryeṣu kurunandana
Ein Mann sollte seine eigene Angelegenheit nicht von der Zustimmung eines anderen abhängig machen; denn zwischen zweien gibt es in ihren Angelegenheiten keine Übereinstimmung der Meinung, Freude der Kurus.

bhayaṃ pariharan manda ātmānaṃ paripālayan varṣāsu klinnakaṭavat tiṣṭhann evāvasīdati

Wer, ein Schwächling, die Furcht meidet und nur sich selbst schützt, der geht zugrunde, indem er nur dasteht wie eine in der Regenzeit durchnässte Matte.

Wort für Wort
bhayaṃ pariharan manda ātmānaṃ paripālayan varṣāsu klinnakaṭavat tiṣṭhann evāvasīdati
Wer, ein Schwächling, die Furcht meidet und nur sich selbst schützt, der geht zugrunde, indem er nur dasteht wie eine in der Regenzeit durchnässte Matte.

na vyādhayo nāpi yamaḥ śreyaḥprāptiṃ pratīkṣate yāvad eva bhavet kalpas tāvac chreyaḥ samācaret

Weder Krankheiten noch der Todesgott Yama warten auf das Erlangen des Guten; solange man noch dazu fähig ist, sollte man das Gute vollbringen.

Wort für Wort
na vyādhayo nāpi yamaḥ śreyaḥprāptiṃ pratīkṣate yāvad eva bhavet kalpas tāvac chreyaḥ samācaret
Weder Krankheiten noch der Todesgott Yama warten auf das Erlangen des Guten; solange man noch dazu fähig ist, sollte man das Gute vollbringen.

dhṛtarāṣṭra uvāca sarvathā putra balibhir vigrahaṃ te na rocaye vairaṃ vikāraṃ sṛjati tad vai śastram anāyasam

Dhṛtarāṣṭra sprach: Auf jeden Fall, mein Sohn, missbillige ich deinen Streit mit den Mächtigen; Feindschaft erzeugt Unheil - sie ist wahrlich eine Waffe ohne Eisen.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca sarvathā putra balibhir vigrahaṃ te na rocaye vairaṃ vikāraṃ sṛjati tad vai śastram anāyasam
Dhṛtarāṣṭra sprach: Auf jeden Fall, mein Sohn, missbillige ich deinen Streit mit den Mächtigen; Feindschaft erzeugt Unheil - sie ist wahrlich eine Waffe ohne Eisen.

anartham arthaṃ manyase rājaputra saṃgranthanaṃ kalahasyātighoram tad vai pravṛttaṃ tu yathā kathaṃ cid vimokṣayec cāpy asisāyakāṃś ca

Du hältst, Königssohn, Unheil für Gewinn - die Verkettung eines höchst schrecklichen Streits; ist er aber einmal auf irgendeine Weise entfacht, so setzt er auch Schwerter und Pfeile frei.

Wort für Wort
anartham arthaṃ manyase rājaputra saṃgranthanaṃ kalahasyātighoram tad vai pravṛttaṃ tu yathā kathaṃ cid vimokṣayec cāpy asisāyakāṃś ca
Du hältst, Königssohn, Unheil für Gewinn - die Verkettung eines höchst schrecklichen Streits; ist er aber einmal auf irgendeine Weise entfacht, so setzt er auch Schwerter und Pfeile frei.

duryodhana uvāca dyūte purāṇair vyavahāraḥ praṇītas tatrātyayo nāsti na saṃprahāraḥ tad rocatāṃ śakuner vākyam adya sabhāṃ kṣipraṃ tvam ihājñāpayasva

Duryodhana sprach: Das Würfelspiel als Verfahren wurde schon von den Alten eingeführt; dabei gibt es weder Verbrechen noch Blutvergießen. Möge dir daher heute Śakunis Vorschlag gefallen; befiehl du rasch den Bau einer Halle hier.

Wort für Wort
duryodhana uvāca dyūte purāṇair vyavahāraḥ praṇītas tatrātyayo nāsti na saṃprahāraḥ tad rocatāṃ śakuner vākyam adya sabhāṃ kṣipraṃ tvam ihājñāpayasva
Duryodhana sprach: Das Würfelspiel als Verfahren wurde schon von den Alten eingeführt; dabei gibt es weder Verbrechen noch Blutvergießen. Möge dir daher heute Śakunis Vorschlag gefallen; befiehl du rasch den Bau einer Halle hier.

svargadvāraṃ dīvyatāṃ no viśiṣṭaṃ tadvartināṃ cāpi tathaiva yuktam bhaved evaṃ hy ātmanā tulyam eva durodaraṃ pāṇḍavais tvaṃ kuruṣva

Das Tor zum Himmel ist für uns, die Spielenden, das Vortrefflichste, und ebenso ist es für die dabei Beteiligten geziemend; so möge, uns selbst gleichgestellt, das Würfelspiel mit den Pāṇḍavas von dir veranstaltet werden.

Wort für Wort
svargadvāraṃ dīvyatāṃ no viśiṣṭaṃ tadvartināṃ cāpi tathaiva yuktam bhaved evaṃ hy ātmanā tulyam eva durodaraṃ pāṇḍavais tvaṃ kuruṣva
Das Tor zum Himmel ist für uns, die Spielenden, das Vortrefflichste, und ebenso ist es für die dabei Beteiligten geziemend; so möge, uns selbst gleichgestellt, das Würfelspiel mit den Pāṇḍavas von dir veranstaltet werden.

dhṛtarāṣṭra uvāca vākyaṃ na me rocate yat tvayoktaṃ yat te priyaṃ tat kriyatāṃ narendra paścāt tapsyase tad upākramya vākyaṃ na hīdṛśaṃ bhāvi vaco hi dharmyam

Dhṛtarāṣṭra sprach: Das Wort, das du gesprochen hast, gefällt mir nicht; doch möge geschehen, was dir lieb ist, o Herrscher der Menschen. Später wirst du, nachdem du diesen Plan begonnen hast, Reue empfinden; denn ein solches Wort kann nicht rechtschaffen sein.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca vākyaṃ na me rocate yat tvayoktaṃ yat te priyaṃ tat kriyatāṃ narendra paścāt tapsyase tad upākramya vākyaṃ na hīdṛśaṃ bhāvi vaco hi dharmyam
Dhṛtarāṣṭra sprach: Das Wort, das du gesprochen hast, gefällt mir nicht; doch möge geschehen, was dir lieb ist, o Herrscher der Menschen. Später wirst du, nachdem du diesen Plan begonnen hast, Reue empfinden; denn ein solches Wort kann nicht rechtschaffen sein.

dṛṣṭaṃ hy etad vidureṇaivam eva sarvaṃ pūrvaṃ buddhividyānugena tad evaitad avaśasyābhyupaiti mahad bhayaṃ kṣatriyabījaghāti

Denn genau dies alles hat Vidura, dem Verstand und Wissen folgend, schon vorher vorausgesehen; und eben dies überkommt nun den Machtlosen - eine große Gefahr, die die Wurzel des Kṣatriya-Geschlechts vernichtet.

Wort für Wort
dṛṣṭaṃ hy etad vidureṇaivam eva sarvaṃ pūrvaṃ buddhividyānugena tad evaitad avaśasyābhyupaiti mahad bhayaṃ kṣatriyabījaghāti
Denn genau dies alles hat Vidura, dem Verstand und Wissen folgend, schon vorher vorausgesehen; und eben dies überkommt nun den Machtlosen - eine große Gefahr, die die Wurzel des Kṣatriya-Geschlechts vernichtet.

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā dhṛtarāṣṭro manīṣī daivaṃ matvā paramaṃ dustaraṃ ca śaśāsoccaiḥ puruṣān putravākye sthito rājā daivasaṃmūḍhacetāḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem der weise Dhṛtarāṣṭra so gesprochen und das Schicksal für höchst unüberwindlich erachtet hatte, befahl der König, im Wort seines Sohnes verharrend, den Männern laut - der König, dessen Sinn vom Schicksal verwirrt war -

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā dhṛtarāṣṭro manīṣī daivaṃ matvā paramaṃ dustaraṃ ca śaśāsoccaiḥ puruṣān putravākye sthito rājā daivasaṃmūḍhacetāḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem der weise Dhṛtarāṣṭra so gesprochen und das Schicksal für höchst unüberwindlich erachtet hatte, befahl der König, im Wort seines Sohnes verharrend, den Männern laut - der König, dessen Sinn vom Schicksal verwirrt war -

sahasrastambhāṃ hemavaiḍūryacitrāṃ śatadvārāṃ toraṇasphāṭiśṛṅgām sabhām agryāṃ krośamātrāyatāṃ me tad vistārām āśu kurvantu yuktāḥ

'Eine vortreffliche Halle mit tausend Säulen, geschmückt mit Gold und Beryll, mit hundert Toren, mit Bogenspitzen aus Bergkristall, eine Krośa lang - lasst sie mir die Beauftragten sogleich in dieser Weite errichten.'

Wort für Wort
sahasrastambhāṃ hemavaiḍūryacitrāṃ śatadvārāṃ toraṇasphāṭiśṛṅgām sabhām agryāṃ krośamātrāyatāṃ me tad vistārām āśu kurvantu yuktāḥ
'Eine vortreffliche Halle mit tausend Säulen, geschmückt mit Gold und Beryll, mit hundert Toren, mit Bogenspitzen aus Bergkristall, eine Krośa lang - lasst sie mir die Beauftragten sogleich in dieser Weite errichten.'

śrutvā tasya tvaritā nirviśaṅkāḥ prājñā dakṣās tāṃ tathā cakrur āśu sarvadravyāṇy upajahruḥ sabhāyāṃ sahasraśaḥ śilpinaś cāpi yuktāḥ

Als sie dies gehört hatten, machten sich die klugen und geschickten Beauftragten eilig und ohne Zögern daran und errichteten sie ebenso rasch; sie brachten alle Materialien in die Halle, und tausendfach waren die beauftragten Handwerker.

Wort für Wort
śrutvā tasya tvaritā nirviśaṅkāḥ prājñā dakṣās tāṃ tathā cakrur āśu sarvadravyāṇy upajahruḥ sabhāyāṃ sahasraśaḥ śilpinaś cāpi yuktāḥ
Als sie dies gehört hatten, machten sich die klugen und geschickten Beauftragten eilig und ohne Zögern daran und errichteten sie ebenso rasch; sie brachten alle Materialien in die Halle, und tausendfach waren die beauftragten Handwerker.

kālenālpenātha niṣṭhāṃ gatāṃ tāṃ sabhāṃ ramyāṃ bahuratnāṃ vicitrām citrair haimair āsanair abhyupetām ācakhyus te tasya rājñaḥ pratītāḥ

Nach kurzer Zeit war jene liebliche, mit vielen Juwelen geschmückte und wunderbare Halle, ausgestattet mit prächtigen goldenen Sitzen, vollendet; die zufriedenen Handwerker meldeten dies jenem König.

Wort für Wort
kālenālpenātha niṣṭhāṃ gatāṃ tāṃ sabhāṃ ramyāṃ bahuratnāṃ vicitrām citrair haimair āsanair abhyupetām ācakhyus te tasya rājñaḥ pratītāḥ
Nach kurzer Zeit war jene liebliche, mit vielen Juwelen geschmückte und wunderbare Halle, ausgestattet mit prächtigen goldenen Sitzen, vollendet; die zufriedenen Handwerker meldeten dies jenem König.

tato vidvān viduraṃ mantrimukhyam uvācedaṃ dhṛtarāṣṭro narendraḥ yudhiṣṭhiraṃ rājaputraṃ hi gatvā madvākyena kṣipram ihānayasva

Da sprach der kluge König Dhṛtarāṣṭra zu Vidura, dem vornehmsten seiner Ratgeber: 'Gehe zu dem Königssohn Yudhiṣṭhira und bringe ihn auf mein Wort hin rasch hierher.'

Wort für Wort
tato vidvān viduraṃ mantrimukhyam uvācedaṃ dhṛtarāṣṭro narendraḥ yudhiṣṭhiraṃ rājaputraṃ hi gatvā madvākyena kṣipram ihānayasva
Da sprach der kluge König Dhṛtarāṣṭra zu Vidura, dem vornehmsten seiner Ratgeber: 'Gehe zu dem Königssohn Yudhiṣṭhira und bringe ihn auf mein Wort hin rasch hierher.'

sabheyaṃ me bahuratnā vicitrā śayyāsanair upapannā mahārhaiḥ sā dṛśyatāṃ bhrātṛbhiḥ sārdham etya suhṛddyūtaṃ vartatām atra ceti

'Diese meine Halle, reich an Juwelen und wunderbar, ausgestattet mit kostbaren Lagern und Sitzen - sie soll er zusammen mit seinen Brüdern kommen und besichtigen, und hier soll ein freundschaftliches Würfelspiel stattfinden.'

Wort für Wort
sabheyaṃ me bahuratnā vicitrā śayyāsanair upapannā mahārhaiḥ sā dṛśyatāṃ bhrātṛbhiḥ sārdham etya suhṛddyūtaṃ vartatām atra ceti
'Diese meine Halle, reich an Juwelen und wunderbar, ausgestattet mit kostbaren Lagern und Sitzen - sie soll er zusammen mit seinen Brüdern kommen und besichtigen, und hier soll ein freundschaftliches Würfelspiel stattfinden.'

matam ājñāya putrasya dhṛtarāṣṭro narādhipaḥ matvā ca dustaraṃ daivam etad rājā cakāra ha

Nachdem König Dhṛtarāṣṭra die Meinung seines Sohnes erkannt und dies als unüberwindliches Schicksal erachtet hatte, tat der König so.

Wort für Wort
matam ājñāya putrasya dhṛtarāṣṭro narādhipaḥ matvā ca dustaraṃ daivam etad rājā cakāra ha
Nachdem König Dhṛtarāṣṭra die Meinung seines Sohnes erkannt und dies als unüberwindliches Schicksal erachtet hatte, tat der König so.

anyāyena tathoktas tu viduro viduṣāṃ varaḥ nābhyanandad vaco bhrātur vacanaṃ cedam abravīt

Auf diese unrechte Weise angesprochen, begrüßte Vidura, der Beste der Wissenden, nicht die Worte seines Bruders und sprach folgende Worte:

Wort für Wort
anyāyena tathoktas tu viduro viduṣāṃ varaḥ nābhyanandad vaco bhrātur vacanaṃ cedam abravīt
Auf diese unrechte Weise angesprochen, begrüßte Vidura, der Beste der Wissenden, nicht die Worte seines Bruders und sprach folgende Worte:

nābhinandāmi nṛpate praiṣam etaṃ maivaṃ kṛthāḥ kulanāśād bibhemi putrair bhinnaiḥ kalahas te dhruvaṃ syād etac chaṅke dyūtakṛte narendra

'Ich begrüße diesen Auftrag nicht, o König; tue dies nicht - ich fürchte den Untergang des Geschlechts. Durch die Zwietracht deiner Söhne wird gewiss Streit entstehen; dies vermute ich als Folge des Würfelspiels, o Herrscher der Menschen.'

Wort für Wort
nābhinandāmi nṛpate praiṣam etaṃ maivaṃ kṛthāḥ kulanāśād bibhemi putrair bhinnaiḥ kalahas te dhruvaṃ syād etac chaṅke dyūtakṛte narendra
'Ich begrüße diesen Auftrag nicht, o König; tue dies nicht - ich fürchte den Untergang des Geschlechts. Durch die Zwietracht deiner Söhne wird gewiss Streit entstehen; dies vermute ich als Folge des Würfelspiels, o Herrscher der Menschen.'

dhṛtarāṣṭra uvāca neha kṣattaḥ kalahas tapsyate māṃ na ced daivaṃ pratilomaṃ bhaviṣyat dhātrā tu diṣṭasya vaśe kiledaṃ sarvaṃ jagac ceṣṭati na svatantram

Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Kein Streit wird mich hier quälen, Kṣattṛ, wenn nicht das Schicksal sich widrig zeigt. Doch alles auf der Welt bewegt sich unter der Herrschaft dessen, was vom Schöpfer bestimmt ist, nicht aus eigener Macht.'

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca neha kṣattaḥ kalahas tapsyate māṃ na ced daivaṃ pratilomaṃ bhaviṣyat dhātrā tu diṣṭasya vaśe kiledaṃ sarvaṃ jagac ceṣṭati na svatantram
Dhṛtarāṣṭra sprach: 'Kein Streit wird mich hier quälen, Kṣattṛ, wenn nicht das Schicksal sich widrig zeigt. Doch alles auf der Welt bewegt sich unter der Herrschaft dessen, was vom Schöpfer bestimmt ist, nicht aus eigener Macht.'

tad adya vidura prāpya rājānaṃ mama śāsanāt kṣipram ānaya durdharṣaṃ kuntīputraṃ yudhiṣṭhiram

'So gehe denn heute, Vidura, zu dem König und bringe auf meinen Befehl rasch den unbezwingbaren Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, hierher.'

Wort für Wort
tad adya vidura prāpya rājānaṃ mama śāsanāt kṣipram ānaya durdharṣaṃ kuntīputraṃ yudhiṣṭhiram
'So gehe denn heute, Vidura, zu dem König und bringe auf meinen Befehl rasch den unbezwingbaren Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, hierher.'

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