Kapitel 70: Kuntīvilāpaḥ
Kuntīs Klage beim Abschied von Draupadī und ihren Söhnen
Draupadī nimmt unter großem Wehklagen Abschied von Kuntī und dem Frauengemach. Kuntī, die Draupadī tröstet und ihr Sahadeva besonders ans Herz legt, erblickt darauf ihre eigenen Söhne in Tierfellen und bricht in eine ausführliche, ergreifende Klage aus, in der sie ihr eigenes Schicksal, das ihres verstorbenen Gatten Pāṇḍu und das der mit ihm gestorbenen Mādrī gegen das gegenwärtige Unglück abwägt. Die Pāṇḍavas ziehen schließlich in den Wald, während Vidura die untröstliche Kuntī in sein eigenes Haus aufnimmt und der aufgewühlte Dhṛtarāṣṭra ihn zu sich rufen lässt.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als jener aufgebrochen war, ging Kṛṣṇā zu der ruhmreichen Pṛthā und den anderen dort anwesenden Frauen, von heftigem Schmerz gequält, um Abschied zu nehmen.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als jener aufgebrochen war, ging Kṛṣṇā zu der ruhmreichen Pṛthā und den anderen dort anwesenden Frauen, von heftigem Schmerz gequält, um Abschied zu nehmen.
Nachdem sie, wie es sich gebührte, Verbeugungen und Umarmungen vollzogen hatte, wollte sie aufbrechen; da erhob sich ein gewaltiges Wehklagen im Frauengemach der Pāṇḍavas.
Nachdem sie, wie es sich gebührte, Verbeugungen und Umarmungen vollzogen hatte, wollte sie aufbrechen; da erhob sich ein gewaltiges Wehklagen im Frauengemach der Pāṇḍavas.
vatse śoko na te kāryaḥ prāpyedaṃ vyasanaṃ mahat strīdharmāṇām abhijñāsi śīlācāravatī tathā
Mein Kind, du sollst nicht trauern, obwohl dich dieses große Unglück getroffen hat; du kennst die Pflichten der Frauen und bist zudem von gutem Charakter und Verhalten.
Wort für Wort
vatse śoko na te kāryaḥ prāpyedaṃ vyasanaṃ mahat strīdharmāṇām abhijñāsi śīlācāravatī tathā
Mein Kind, du sollst nicht trauern, obwohl dich dieses große Unglück getroffen hat; du kennst die Pflichten der Frauen und bist zudem von gutem Charakter und Verhalten.
na tvāṃ saṃdeṣṭum arhāmi bhartṝn prati śucismite sādhvīguṇasamādhānair bhūṣitaṃ te kuladvayam
Ich brauche dich, du mit dem reinen Lächeln, nicht in Bezug auf deine Gatten zu belehren; durch die Tugenden einer edlen Frau ist deine Familie beiderseits geschmückt.
Wort für Wort
na tvāṃ saṃdeṣṭum arhāmi bhartṝn prati śucismite sādhvīguṇasamādhānair bhūṣitaṃ te kuladvayam
Ich brauche dich, du mit dem reinen Lächeln, nicht in Bezug auf deine Gatten zu belehren; durch die Tugenden einer edlen Frau ist deine Familie beiderseits geschmückt.
sabhāgyāḥ kuravaś ceme ye na dagdhās tvayānaghe ariṣṭaṃ vraja panthānaṃ madanudhyānabṛṃhitā
Vom Glück begünstigt sind auch diese Kurus, die von dir nicht verbrannt wurden, du Makellose; ziehe unversehrt deines Weges, gestärkt durch das Gedenken an mich.
Wort für Wort
sabhāgyāḥ kuravaś ceme ye na dagdhās tvayānaghe ariṣṭaṃ vraja panthānaṃ madanudhyānabṛṃhitā
Vom Glück begünstigt sind auch diese Kurus, die von dir nicht verbrannt wurden, du Makellose; ziehe unversehrt deines Weges, gestärkt durch das Gedenken an mich.
bhāviny arthe hi satstrīṇāṃ vaiklavyaṃ nopajāyate gurudharmābhiguptā ca śreyaḥ kṣipram avāpsyasi
Denn im bevorstehenden Geschehen entsteht bei rechtschaffenen Frauen keine Verzagtheit; und, geschützt durch die schwerwiegenden Pflichten deiner Gatten, wirst du rasch das Heil erlangen.
Wort für Wort
bhāviny arthe hi satstrīṇāṃ vaiklavyaṃ nopajāyate gurudharmābhiguptā ca śreyaḥ kṣipram avāpsyasi
Denn im bevorstehenden Geschehen entsteht bei rechtschaffenen Frauen keine Verzagtheit; und, geschützt durch die schwerwiegenden Pflichten deiner Gatten, wirst du rasch das Heil erlangen.
sahadevaś ca me putraḥ sadāvekṣyo vane vasan yathedaṃ vyasanaṃ prāpya nāsya sīden mahan manaḥ
Und mein Sohn Sahadeva soll stets von dir beachtet werden, während er im Wald wohnt, damit sein hoher Sinn, nachdem er dieses Unglück erfahren hat, nicht verzagt.
Wort für Wort
sahadevaś ca me putraḥ sadāvekṣyo vane vasan yathedaṃ vyasanaṃ prāpya nāsya sīden mahan manaḥ
Und mein Sohn Sahadeva soll stets von dir beachtet werden, während er im Wald wohnt, damit sein hoher Sinn, nachdem er dieses Unglück erfahren hat, nicht verzagt.
ihre Leiber in Ruru-Hirschfelle gehüllt, aus Scham ein wenig die Gesichter gesenkt, von den frohlockenden Feinden umringt, von den Freunden aber bemitleidet.
ihre Leiber in Ruru-Hirschfelle gehüllt, aus Scham ein wenig die Gesichter gesenkt, von den frohlockenden Feinden umringt, von den Freunden aber bemitleidet.
kathaṃ saddharmacāritravṛttasthitivibhūṣitān akṣudrān dṛḍhabhaktāṃś ca daivatejyāparān sadā
Wie konnte euch, die ihr durch rechtes Verhalten in Wandel und Lebensführung geschmückt seid, die ihr nicht kleinlich, von fester Ergebenheit und stets der Verehrung der Götter zugewandt seid,
Wort für Wort
kathaṃ saddharmacāritravṛttasthitivibhūṣitān akṣudrān dṛḍhabhaktāṃś ca daivatejyāparān sadā
Wie konnte euch, die ihr durch rechtes Verhalten in Wandel und Lebensführung geschmückt seid, die ihr nicht kleinlich, von fester Ergebenheit und stets der Verehrung der Götter zugewandt seid,
vyasanaṃ vaḥ samabhyāgāt ko 'yaṃ vidhiviparyayaḥ kasyāpadhyānajaṃ cedam āgaḥ paśyāmi vo dhiyā
dieses Unglück treffen? Welch ein Umschwung des Schicksals ist dies? Wessen böser Gedanke hat dieses Unrecht hervorgebracht - ich sehe es an eurem Los.
Wort für Wort
vyasanaṃ vaḥ samabhyāgāt ko 'yaṃ vidhiviparyayaḥ kasyāpadhyānajaṃ cedam āgaḥ paśyāmi vo dhiyā
dieses Unglück treffen? Welch ein Umschwung des Schicksals ist dies? Wessen böser Gedanke hat dieses Unrecht hervorgebracht - ich sehe es an eurem Los.
Wohl mag dies der Makel meines eigenen Schicksals sein, dass ich euch geboren habe, die ihr nun Kummer und Mühsal in solchem Übermaß erleidet, obwohl ihr mit den höchsten Vorzügen ausgestattet seid.
Wohl mag dies der Makel meines eigenen Schicksals sein, dass ich euch geboren habe, die ihr nun Kummer und Mühsal in solchem Übermaß erleidet, obwohl ihr mit den höchsten Vorzügen ausgestattet seid.
Wie werdet ihr in unwegsamen Wäldern wohnen, all eures Wohlstands beraubt - ihr, die an Tapferkeit, Wesenskraft, Stärke, Tatkraft und Glanz Unerschöpften, nun äußerlich abgezehrt?
Wie werdet ihr in unwegsamen Wäldern wohnen, all eures Wohlstands beraubt - ihr, die an Tapferkeit, Wesenskraft, Stärke, Tatkraft und Glanz Unerschöpften, nun äußerlich abgezehrt?
yady etad aham ajñāsyaṃ vanavāso hi vo dhruvam śataśṛṅgān mṛte pāṇḍau nāgamiṣyaṃ gajāhvayam
Hätte ich gewusst, dass euch die Waldverbannung gewiss bevorstünde, wäre ich nach dem Tod des Pāṇḍu vom Śataśṛṅga-Berg nicht in die Elefantenstadt gekommen.
Wort für Wort
yady etad aham ajñāsyaṃ vanavāso hi vo dhruvam śataśṛṅgān mṛte pāṇḍau nāgamiṣyaṃ gajāhvayam
Hätte ich gewusst, dass euch die Waldverbannung gewiss bevorstünde, wäre ich nach dem Tod des Pāṇḍu vom Śataśṛṅga-Berg nicht in die Elefantenstadt gekommen.
Glücklich preise ich euren Vater, den mit Askese und Weisheit Begabten, der, ohne den Kummer um seine Söhne zu erfahren, seinen liebsten Wunsch nach dem Himmel erfüllt hat.
Glücklich preise ich euren Vater, den mit Askese und Weisheit Begabten, der, ohne den Kummer um seine Söhne zu erfahren, seinen liebsten Wunsch nach dem Himmel erfüllt hat.
Und glücklich preise ich heute die des überirdischen Wissens kundige Mādrī, die dem Recht ergebene, vortreffliche, die diesen höchsten Zustand erlangt hat, in jeder Hinsicht wahrlich.
Und glücklich preise ich heute die des überirdischen Wissens kundige Mādrī, die dem Recht ergebene, vortreffliche, die diesen höchsten Zustand erlangt hat, in jeder Hinsicht wahrlich.
ratyā matyā ca gatyā ca yayāham abhisaṃdhitā jīvitapriyatāṃ mahyaṃ dhig imāṃ kleśabhāginīm
...die mich mit Zuneigung, Bedacht und ihrem eigenen Schicksal überlistet hat; Schande über diese meine Vorliebe fürs Leben, die mich zur Teilhaberin an diesem Elend macht.
Wort für Wort
ratyā matyā ca gatyā ca yayāham abhisaṃdhitā jīvitapriyatāṃ mahyaṃ dhig imāṃ kleśabhāginīm
...die mich mit Zuneigung, Bedacht und ihrem eigenen Schicksal überlistet hat; Schande über diese meine Vorliebe fürs Leben, die mich zur Teilhaberin an diesem Elend macht.
[Anm.: Kuntī bezieht sich darauf, dass Mādrī einst mit Pāṇḍu in den Tod ging, während Kuntī am Leben blieb, um die Söhne aufzuziehen, und nun dieses Unglück miterleben muss.]
vidurādayaś ca tām ārtāṃ kuntīm āśvāsya hetubhiḥ prāveśayan gṛhaṃ kṣattuḥ svayam ārtatarāḥ śanaiḥ
Und Vidura und die anderen trösteten die gequälte Kuntī mit guten Gründen und führten sie langsam in das Haus des Kṣattṛ, sie selbst noch mehr gequält.
Wort für Wort
vidurādayaś ca tām ārtāṃ kuntīm āśvāsya hetubhiḥ prāveśayan gṛhaṃ kṣattuḥ svayam ārtatarāḥ śanaiḥ
Und Vidura und die anderen trösteten die gequälte Kuntī mit guten Gründen und führten sie langsam in das Haus des Kṣattṛ, sie selbst noch mehr gequält.