Kapitel 42: ṛgvede 5.42 · pra śaṃtamā varuṇaṃ dīdhitī gīr mitram bhagam aditiṃ nūnam aśyāḥ
Anrufung vieler Götter um Schutz, Reichtum und Wohlwollen
Sammellied an Varuṇa, Mitra, Aditi, Savitar, Indra, Bṛhaspati, Rudra und die Marut, mit Bitte um Reichtum und Raum. Mehrere Verse (2, 9, 10, 13, 14) sind lexikalisch oder textlich schwierig; Vers 16-18 kehren refrainartig auch in 5.43 wieder.
Vorwärts! Mit heilsamster Andacht sollst du, Lied, Varuṇa, Mitra, Bhaga (und) Aditi jetzt erreichen. Der [Angerufene] mit gesprenkeltem Schoß [?], der fünffache Rufer, dessen Pfad ungehemmt ist, der Asura, der Wohlbefinden Schaffende, soll [es] hören. [Anm.: pṛṣadyoni und pañcahotā sind nicht sicher auf eine Gottheit festzulegen; 'Asura' hier als Herr/Machthaber, Prädikat hoher Götter.]
prati me stomam aditir jagṛbhyāt sūnuṃ na mātā hṛdyaṃ suśevam / brahma priyaṃ devahitaṃ yad asty aham mitre varuṇe yan mayobhu
Aditi möge mein Preislied annehmen, wie eine Mutter den Sohn, das herzgefällige, sehr freundliche. Das liebe, den Göttern zugedachte brahma, das [da] ist, und was ich an Wohltuendem bei Mitra (und) Varuṇa [habe/vorbringe] [?]. [Anm.: Der zweite Halbvers ist elliptisch; Ergänzung unsicher.]
Wort für Wort
prati
entgegen (Präverb)
me
mein (Gen. Sg. Enkl.)
stomam
Preislied (Akk. Sg.)
aditiḥ
Aditi (Nom. Sg.)
jagṛbhyāt
sie möge ergreifen/annehmen (3. Sg. Opt. Perf.)
sūnum
Sohn (Akk. Sg.)
na
wie
mātā
Mutter (Nom. Sg.)
hṛdyam
herzgefällig (Akk. Sg. n.)
su-śevam
sehr freundlich/wohltuend (Akk. Sg. n.)
brahma
brahma/Gebetsformung (Nom.-Akk. Sg.)
priyam
lieb (Nom.-Akk. Sg. n.)
deva-hitam
den Göttern zugedacht/von den Göttern gesetzt (Nom.-Akk. Sg. n.)
ud īraya kavitamaṃ kavīnām unattainam abhi madhvā ghṛtena / sa no vasūni prayatā hitāni candrāṇi devaḥ savitā suvāti
Rege den Dichtesten unter den Dichtern an; benetzt ihn mit Honigtrank und Schmalz. Er, der Gott Savitar, soll uns die bereitgelegten, glänzend-erfreulichen Güter herbeitreiben.
sam indra ṇo manasā neṣi gobhiḥ saṃ sūribhir harivaḥ saṃ svasti / sam brahmaṇā devahitaṃ yad asti saṃ devānāṃ sumatyā yajñiyānām
Führe uns, Indra, zusammen mit dem Sinn, mit Rindern, mit den Gönnern, Falbenherr, zusammen mit Wohlfahrt; zusammen mit brahma, das den Göttern zugedacht ist, was es gibt, zusammen mit dem Wohlwollen der verehrungswürdigen Götter.
Der Gott Bhaga, Savitar, Aṃśa des Reichtums, Indra, der Vṛtra bezwingende Gewinner der Güter [?], Ṛbhukṣan, Vāja und Puraṃdhi: sie sollen uns helfen, die Unsterblichen, die Raschen.
marutvato apratītasya jiṣṇor ajūryataḥ pra bravāmā kṛtāni / na te pūrve maghavan nāparāso na vīryaṃ nūtanaḥ kaś canāpa
Von dem, der die Marut bei sich hat, dem Unvergleichlichen, Siegreichen, Nichtalternden, wollen wir die Taten verkünden. Weder deine Vorgänger, Freigebiger, noch die Späteren, noch irgendein Heutiger hat deine Heldenkraft erreicht.
Wort für Wort
marutvataḥ
des Marut-Begleiteten (Gen. Sg.)
aprati-itasya
des Unvergleichlichen/dem keiner entgegentritt (Gen. Sg.)
Preise den ersten [in der] Schatzverleihung, Bṛhaspati, den Gewinner der Güter, der dem Lobsprechenden (und) dem Preisenden als Heilbringendster, Vielgüter-Besitzer zu dem Rufenden gekommen ist.
tavotibhiḥ sacamānā ariṣṭā bṛhaspate maghavānaḥ suvīrāḥ / ye aśvadā uta vā santi godā ye vastradāḥ subhagās teṣu rāyaḥ
Verbunden mit deiner Hilfe, Bṛhaspati, sind sie unversehrt, freigebig, reich an guten Männern, die Rossgeber und ebenso Rindergeber sind, die Kleidergeber, die Glücklichen: bei ihnen [ist] Reichtum.
visarmāṇaṃ kṛṇuhi vittam eṣāṃ ye bhuñjate apṛṇanto na ukthaiḥ / apavratān prasave vāvṛdhānān brahmadviṣaḥ sūryād yāvayasva
Mach den Besitz derer schutzlos [?], die genießen, ohne uns mit Lobsprüchen zu befriedigen. Die Gesetzlosen, die im Antrieb erstarkt sind, die brahma-Hasser, treibe von der Sonne weg.
ya ohate rakṣaso devavītāv acakrebhis tam maruto ni yāta / yo vaḥ śamīṃ śaśamānasya nindāt tuchyān kāmān karate siṣvidānaḥ
Wer beim Götter-Einladungsmahl den Rakṣas [Unhold] Vorschub leistet [?] mit Radlosen/Untätigen [?], den stoßt nieder, Marut. Wer euer Werk [?] des sich Mühenden schmäht, der macht sich, schwitzend, leere Wünsche. [Anm.: ohate, acakrebhiḥ und śamī sind unsicher; die Deutung folgt dem Kontext (Feind des Ritualgeschehens).]
tam u ṣṭuhi yaḥ sviṣuḥ sudhanvā yo viśvasya kṣayati bheṣajasya / yakṣvā mahe saumanasāya rudraṃ namobhir devam asuraṃ duvasya
Ihn aber preise, der gute Pfeile hat, einen guten Bogen, der über alles Heilmittel gebietet. Verehre, um großes Wohlwollen zu erlangen, Rudra mit Verbeugungen, den Gott, den Asura; diene ihm.
Die Sanftmütigen [?], Werkfleißigen, Geschickthändigen, die Gattinnen des Stiers, die Flüsse, von Vibhvan geformt, Sarasvatī mit Bṛhaddivā und Rākā: gebend sollen die Glänzenden uns Weite schaffen.
pra sū mahe suśaraṇāya medhāṃ giram bhare navyasīṃ jāyamānām / ya āhanā duhitur vakṣaṇāsu rūpā mināno akṛṇod idaṃ naḥ
Ich bringe dem großen Schutzbietenden die Einsicht hervor, das neuere Lied, das entsteht — [ihm], der als Schwellender/Brünstiger [?] in den Strömungen der Tochter, die Gestalten vertauschend [?], dies für uns gemacht hat. [Anm.: Zweiter Halbvers rätselhaft; Bezug auf Himmelstochter/Morgenröte bzw. Wolken und Wasser möglich, aber spekulativ.]
pra suṣṭuti stanayantaṃ ruvantam iḷas patiṃ jaritar nūnam aśyāḥ / yo abdimāṃ udanimāṃ iyarti pra vidyutā rodasī ukṣamāṇaḥ
Ein Wohllob sollst du, Sänger, jetzt dem Donnernden, Brüllenden, dem Herrn der Labung erreichen lassen, der die Wolkenreiche, Wasserreiche in Bewegung setzt und mit dem Blitz Himmel und Erde benetzt. [Anm.: PP an dieser Stelle verderbt (drei Tokens statt Wortfolge); Deutung nach Saṃhitā.]
Wohllob (Nom.), dem Donnernden, dem Brüllenden, dem Herrn der Labung (Akk.), Sänger (Vok.), jetzt, du sollst erreichen (2. Sg. Opt.) [Sammeltoken der Quelle: pra suṣṭutiḥ stanayantaṃ ruvantam iḷas patiñ jaritar nūnam aśyāḥ]
yo abdimāṃm iyartipra vidyutā rodasī ukṣamāṇaḥ
[Sammeltoken der Quelle für den zweiten Halbvers:] der Wolken- und Wasserreiche in Bewegung setzt, mit Blitz Himmel und Erde benetzend
Dieses Preislied [geht] zur Marut-Schar hin, zu den Söhnen Rudras, den jugendlichen; du sollst es [sie] erreichen lassen. Verlangen ruft mich zu Reichtum, zu Wohlfahrt. Preise die Fleckenrosse-Besitzer, die Rastlosen [?].
Dieses Preislied soll Erde, Luftraum, Bäume (und) Kräuter zum Reichtum erreichen. Jeder Gott soll für mich leicht zu rufen sein; die Mutter Erde soll uns nicht in Missgunst setzen.
sam aśvinor avasā nūtanena mayobhuvā supraṇītī gamema / ā no rayiṃ vahatam ota vīrān ā viśvāny amṛtā saubhagāni
Mit der neuen Hilfe der beiden Aśvin wollen wir zusammentreffen [ihr] Wohltuenden, gut Leitenden. Führt uns Reichtum und Männer herbei, alle unvergänglichen Glücksgüter.