Kapitel 45: ṛgvede 5.45 · vidā divo viṣyann adrim ukthair āyatyā uṣaso arcino guḥ
Morgenröte, Sonne und die Kühe des Vala-Mythos
Das Lied verbindet den Aufgang von Sonne und Uṣas mit der Erzählung vom Öffnen des Steins durch die Aṅgiras und Saramā; der Bildbereich (Kühe, Stein, Wasser) lässt kosmische und rituelle Ebene offen. Einzelne Verse (2, 3, 6) bleiben unsicher.
vidā divo viṣyann adrim ukthair āyatyā uṣaso arcino guḥ / apāvṛta vrajinīr ut svar gād vi duro mānuṣīr deva āvaḥ
Er hat [die Herden] gefunden [?], den Stein des Himmels durch Preisreden lösend; der kommenden Uṣas sind die Sänger entgegengegangen. Er hat die Herdenställe aufgedeckt, die Sonne ist emporgestiegen; der Gott hat die Türen der Menschen geöffnet. [Anm.: Anspielung auf den Vala-Mythos (Stein/Höhle mit Rindern); ob rituell, kosmisch oder beides, bleibt offen.]
Wort für Wort
vidāḥ
kundig/hat gefunden [?] (Nom. Pl. oder 2./3. Sg. Inj.)
vi sūryo amatiṃ na śriyaṃ sād orvād gavām mātā jānatī gāt / dhanvarṇaso nadyaḥ khādoarṇā sthūṇeva sumitā dṛṃhata dyauḥ
Sūrya hat die Herrlichkeit entfaltet, wie eine Gestalt [?]; aus der Umhegung ist die Mutter der Kühe wissend herausgegangen. Die wasserlosen [?] Strömen, die Uferwasser führenden Flüsse: wie Pfosten gut gefügt wurde der Himmel befestigt. [Anm.: dhanvarṇasaḥ/khādoarṇāḥ unsicher.]
Für diesen Preis [öffnete sich] die Leibesfrucht des Berges, der Großen, zur uralten Geburt; der Berg öffnete sich, der Himmel brachte es zustande; ehrend haben sie die Fülle/Erde [?] gestaltet [?]. [Anm.: parvata = 'Berg/Wolke/Felsstall'; bhūma und dasayanta unsicher.]
sūktebhir vo vacobhir devajuṣṭair indrā nv agnī avase huvadhyai / ukthebhir hi ṣmā kavayaḥ suyajñā āvivāsanto maruto yajanti
Mit Gutgesagtem, mit von den Göttern gern gehörten Worten will ich euch, Indra und Agni, zur Hilfe rufen. Denn mit Preisreden verehren die Dichter, gute Weihehandlung tuend, huldigend die Marut.
eto nv adya sudhyo bhavāma pra duchunā minavāmā varīyaḥ / āre dveṣāṃsi sanutar dadhāmāyāma prāñco yajamānam acha
Auf, jetzt heute wollen wir Gutgesinnte werden; wir wollen die Missgeschicke vermindern [und] Weite [schaffen]. Fern wollen wir die Anfeindungen von uns setzen; wir wollen nach vorn gewandt zum Opferherrn hin fahren.
Auf, Freunde, wir wollen die Andacht machen, durch die [die] Mutter den Stall der Kuh aufgeschlossen hat, durch die Manu den Schönhelmigen [?] besiegte, durch die der Händler Vaṅku die Fülle [?] erlangte. [Anm.: Anspielungen auf Sagenzüge (Manu, Vaṅku) nicht sicher zu deuten.]
Der von der Hand Gelenkte, der Stein, hat hier gedonnert, womit die Navagvas zehn Monate lang priesen. Saramā, zum Ṛta gehend, fand die Kühe; alles hat der wahrhaftige Aṅgiras vollbracht.
Alle [Aṅgiras] waren bei der Morgenröte dieser Mächtigen, als die Aṅgiras mit Rindern jubelten; die Quelle dieser [Kühe] im höchsten gemeinsamen Sitz: auf dem Pfad des Ṛta fand Saramā die Kühe.
Es soll Sūrya, der Siebenrossige, kommen zu dem Feld, das ihm weit ist in langer Fahrt [?]. Der flinke Falke ließ [das Rauschtrank-]Gewächs zufliegen [?]; der junge Seher leuchtet, zu den Kühen gehend. [Anm.: andhas = 'Pflanze/Soma-Trank', śyena hier wohl Bild für Sonne oder Soma-Bringer; unsicher.]
ā sūryo aruhac chukram arṇo 'yukta yad dharito vītapṛṣṭhāḥ / udnā na nāvam anayanta dhīrā āśṛṇvatīr āpo arvāg atiṣṭhan
Sūrya stieg auf das helle Meer, als er die Falben mit glattem Rücken anspannte. Wie ein Schiff auf dem Wasser führten es die Weisen; die hörenden Wasser traten hierher.
Die Andacht für euch habe ich in die Wasser gesetzt, die Sonne gewinnend, mit der wir zehn Monate hindurchkamen, die Navagvas. Mit dieser Andacht wollen wir von den Göttern behütet sein; mit dieser Andacht wollen wir über die Bedrängnis hinüberkommen.