Kapitel 47: ṛgvede 5.47 · prayuñjatī diva eti bruvāṇā mahī mātā duhitur bodhayantī
Rätsellied vom Himmelsstier und den Pfaden
Rätselhaftes Lied in Bildern von Mutter und Tochter, Stier/Meer/Stein, Vier, Zehn und Drei; wohl auf Sonne, Himmel und Wasser bezogen, aber nur vorsichtig zu deuten. Der Schluss (Vers 7) ist eine klare Bitte an Mitra-Varuṇa und Agni.
Anspannend kommt sie vom Himmel her, sprechend, die große Mutter, die die Tochter weckt; verehrend, jugendlich, mit Einsicht, ruft sie die Väter zum Sitz. [Anm.: Rätselrede; mögliche Ebenen: kosmisch-mythologisch (Himmel/Mutter und Morgenröte/Tochter, plausibel), rituell (Lied/Rede, spekulativ).]
Die Raschen, dasselbe Werk erstrebend, die zum Nabel des Unsterblichen hinaufgestiegen sind: unendliche, weite Pfade gehen von allen Seiten um Himmel und Erde herum.
Der Stier, das Meer, der rötliche, schönbeschwingte [Vogel] ist in den Schoß des früheren Vaters eingegangen. In die Mitte des Himmels gelegt ist der gesprenkelte Stein; er hat ausgeschritten, die beiden Enden des Raumes hütend. [Anm.: Wohl die Sonne; 'Stein' (aśman) und 'Meer' bildlich; plausibel, nicht fest.]
catvāra īm bibhrati kṣemayanto daśa garbhaṃ carase dhāpayante / tridhātavaḥ paramā asya gāvo divaś caranti pari sadyo antān
Vier tragen ihn, Ruhe bewirkend; zehn lassen die Leibesfrucht zum Weiden/Gehen trinken [?]. Dreischichtig, die höchsten seiner Kühe gehen rings vom Himmel her rasch bis zu den Enden. [Anm.: Rätselzahlen (4, 10, 3); Ebene kosmisch oder rituell nicht entscheidbar.]
idaṃ vapur nivacanaṃ janāsaś caranti yan nadyas tasthur āpaḥ / dve yad īm bibhṛto mātur anye iheha jāte yamyṛ sabandhū
Diese Gestalt ist eine Deutung [?], ihr Leute, wenn die Flüsse strömen, [wenn] die Wasser standen; wenn zwei, andere als die Mutter, ihn tragen, hier und dort geboren, die Zwillinge, Verwandte. [Anm.: Rätselvers; nivacana = 'Erklärung/Ausdruck', unsicher.]
vi tanvate dhiyo asmā apāṃsi vastrā putrāya mātaro vayanti / upaprakṣe vṛṣaṇo modamānā divas pathā vadhvo yanty acha
Die Gedanken breiten die Werke für ihn aus; Gewänder weben die Mütter für den Sohn. Beim Zusammentreffen [?] gehen die Bräute, die Stiere sich freuend, auf des Himmels Pfad hin.
tad astu mitrāvaruṇā tad agne śaṃ yor asmabhyam idam astu śastam / aśīmahi gādham uta pratiṣṭhāṃ namo dive bṛhate sādanāya
Das soll sein, Mitra und Varuṇa, das, Agni: Heil und Segen soll uns dieses Gesprochene sein. Wir mögen festen Stand und Grund erlangen; Verbeugung dem hohen Himmel, dem Sitz.