Kapitel 64: ṛgvede 5.64 · varuṇaṃ vo riśādasam ṛcā mitraṃ havāmahe
Anruf an Mitra und Varuṇa um Schutz und Kommen
Kurzes Lied an Mitra und Varuṇa: Anruf mit dem Vers, Bitte um Weggemeinschaft, Nähe, Schutz und Gewinn; am Ende Aufforderung zum Kommen zum gepressten Soma. Schwierig: 5.64.1 (Bild von vraja), 5.64.4d (spūrdhase), 5.64.7 (Handbezeichnungen, arcanānas).
varuṇaṃ vo riśādasam ṛcā mitraṃ havāmahe / pari vrajeva bāhvor jaganvāṃsā svarṇaram
Varuṇa, den Feindfresser, [und] Mitra rufen wir für euch mit dem Vers, / die beiden, die wie [ein Gehege] mit den Armen ringsum [uns] umfangen haben, die Himmelsmänner [?]. [Anm.: vraja 'Pferch, Gehege' – Bild plausibel; svarṇara 'Männer des Lichts/Himmels']
tā bāhavā sucetunā pra yantam asmā arcate / śevaṃ hi jāryaṃ vāṃ viśvāsu kṣāsu joguve
Diese beiden Arme, die wohl Achtsamen, sollen [sich] dem, der hier singt, entgegenstrecken; / denn euer liebes, altbewährtes [Lob] rufe ich in allen Ländern aus. [Anm.: jāryam 'altbewährt/liebreich' unsicher; joguve 'ich rufe aus']
yan nūnam aśyāṃ gatim mitrasya yāyām pathā / asya priyasya śarmaṇy ahiṃsānasya saścire
Dass ich jetzt Mitras Gang erreiche, auf [seinem] Weg dahingehe: / im Schutz dieses Lieben, nicht Schädigenden haben sie sich [gehalten]. [Anm.: saścire 'sie haben sich angehängt/geborgen']
Wort für Wort
yat
dass (Konj.)
nūnam
jetzt
aśyām
ich möge erreichen (1. Sg. Opt.)
gatim
Gang, Ziel (Akk. Sg.)
mitrasya
Mitras (Gen. Sg.)
yāyām
ich möge gehen (1. Sg. Opt.)
pathā
auf dem Weg (Instr. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
priyasya
des Lieben (Gen. Sg.)
śarmaṇ i
im Schutz (Lok. Sg.)
ahiṃsānasya
des nicht Schädigenden (Gen. Sg.)
saścire
sie haben sich gehalten/gefolgt (3. Pl. Perf. Med.)
yuvābhyām mitrāvaruṇopamaṃ dheyām ṛcā / yad dha kṣaye maghonāṃ stotṇāṃ ca spūrdhase
Euch beiden, Mitra und Varuṇa, möge ich das Nächstliegende [Beste] durch den Vers darbringen, / wenn im Haus der Gabenreichen und Sänger [ihr] zum Wettstreit [kommt]. [Anm.: upamam 'nächstes/höchstes'; spūrdhase 'zum Wettstreit' sinngemäß [?]]
uchantyām me yajatā devakṣatre ruśadgavi / sutaṃ somaṃ na hastibhir ā paḍbhir dhāvataṃ narā bibhratāv arcanānasam
Wenn [die Morgenröte] mir aufleuchtet, ihr Verehrungswürdigen, im Götterherrschaftsbezirk, mit blitzenden Rindern: / eilt herbei, ihr Männer, wie zum gepressten Soma, mit Händen [und] mit Füßen, den Arcanānas tragend [?]. [Anm.: Deutung von hastibhiḥ 'mit Händen' und dem Schluss (bibhratau) unsicher [?]]