Kapitel 44: ṛgvede 5.44 · tam pratnathā pūrvathā viśvathemathā jyeṣṭhatātim barhiṣadaṃ svarvidam
Rätselrede über den Wachen: Lied, Soma und Agni
Sehr schwieriges Lied mit vielen dunklen Wörtern und Rätselbildern (Verse 2-13); klar und berühmt ist der Schluss (14-15) über den Wachen, den Ṛc, Sāman und Soma suchen. Die Übersetzung von 1-13 ist überwiegend tastend und mit [?] gekennzeichnet.
tam pratnathā pūrvathā viśvathemathā jyeṣṭhatātim barhiṣadaṃ svarvidam / pratīcīnaṃ vṛjanaṃ dohase girāśuṃ jayantam anu yāsu vardhase
Ihn [Agni oder Soma? Bezug ungewiss] [preist man] auf alte, frühere, jede und diese Weise: den Vorrang Schaffenden, auf dem Barhis Sitzenden, Licht Findenden; die entgegenkommende Umhegung/Kraft [?] melkst du mit dem Lied, den Raschen, Siegenden, in denen (den Liedern/Wassern) du nachfolgend erstarkst. [Anm.: Der ganze Vers ist syntaktisch schwer; Adressat und Bezugswort (yāsu) unsicher.]
śriye sudṛśīr uparasya yāḥ svar virocamānaḥ kakubhām acodate / sugopā asi na dabhāya sukrato paro māyābhir ṛta āsa nāma te
Zur Pracht [gehen] die Gutansehnlichen, die dem Unteren [gehören?] [?]; [du], selbstleuchtend strahlend, den Höhen [Gipfeln] nicht angetrieben [?]. Ein guter Hüter bist du, nicht zu täuschen, Sehr-Einsichtiger; jenseits der Zauberkräfte, ohne Ṛta [?] war dein Name. [Anm.: Wortlaut dunkel; die Deutung bleibt tastend.]
atyaṃ haviḥ sacate sac ca dhātu cāriṣṭagātuḥ sa hotā sahobhariḥ / prasarsrāṇo anu barhir vṛṣā śiśur madhye yuvājaro visruhā hitaḥ
Das laufende [?] Havis erlangt er, das Seiende und das Stützende [?], er, der Rufer, dessen Pfad unversehrt ist, Kraftbringer; vorwärts gleitend am Barhis entlang, Stier, Kind, in der Mitte, jung, nicht alternd, von den Zweigen niedergelegt [?].
pra va ete suyujo yāmann iṣṭaye nīcīr amuṣmai yamya ṛtāvṛdhaḥ / suyantubhiḥ sarvaśāsair abhīśubhiḥ krivir nāmāni pravaṇe muṣāyati
Hier für euch [kommen] diese gutgejochten [?] auf die Fahrt zum Wunsch [?]; nach unten für jenen [gerichtet], die Zügel, Ṛta-fördernd; mit guten Zügeln, allbeherrschenden, mit Raschen [?] entwendet der Krivi die Namen am Abhang [?]. [Anm.: Bild und Bezugswörter (Zügel, Krivi) sind unsicher; kaum sicher deutbar.]
Zusammenfassend [?] mit den Bäumen, den beim Pressen Greifenden, den Vogelartigen [?], in den Geistes-Trächtigen [?] gut tönend; in den Strömen und Reden [?] glänzt du, Geradgesangiger; wachse, lebendig, hin zu den Gattinnen bei der Weihehandlung. [Anm.: Zahlreiche Hapaxwörter, Deutung sehr unsicher.]
Wort für Wort
sam-jarbhurāṇaḥ
zusammen ergreifend/zusammenpackend (Nom. Sg.) [?]
taru-bhiḥ
mit Bäumen/Hölzern (Instr. Pl.)
sute--gṛbham
beim Pressen greifend (Akk. Sg.)
vayākinam
vogelartig/Vogel-Zug [?] (Akk. Sg.)
citta-garbhāsu
in geistesträchtigen/gedankenschwangeren [Frauen] (Lok. Pl.) [?]
yādṛg eva dadṛśe tādṛg ucyate saṃ chāyayā dadhire sidhrayāpsv ā / mahīm asmabhyam uruṣām uru jrayo bṛhat suvīram anapacyutaṃ sahaḥ
Wie er erschienen ist, so wird er genannt; sie haben [ihn] mit Schatten zusammengefügt, mit Erfüllung in den Wassern [?]. Große, uns weit Gewinnende, weite Fläche [?], große, männerreiche, unerschütterliche Kraft.
vety agrur janivān vā ati spṛdhaḥ samaryatā manasā sūryaḥ kaviḥ / ghraṃsaṃ rakṣantam pari viśvato gayam asmākaṃ śarma vanavat svāvasuḥ
Er verfolgt, der Unverheiratete [?] oder der mit Frau Versehene, über die Nebenbuhler hinaus, mit kampfeslustigem Sinn, die Sonne, der Dichter; ihn, den Schwächlichen [?], ringsum das Haus Behütenden; unser Obdach soll der mit eigenem Gut gewinnen. [Anm.: agru und janivān mögen 'jung/unverheiratet' und 'verheiratet' meinen; Bezug auf Sonne/Agni ungewiss.]
jyāyāṃsam asya yatunasya ketuna ṛṣisvaraṃ carati yāsu nāma te / yādṛśmin dhāyi tam apasyayā vidad ya u svayaṃ vahate so araṃ karat
Größer [?] als dieser mit dem Banner des Eifrigen [?]: die Rishi-Stimme geht um, in denen dein Name [ist]; wie einer bestellt ist, den findet er, in der Arbeitsweise [?]; wer selbst zieht [?], der tut es genug [?]. [Anm.: Vers weitgehend unklar; Wortformen yatuna, apasyayā, vahate nicht sicher gedeutet.]
samudram āsām ava tasthe agrimā na riṣyati savanaṃ yasminn āyatā / atrā na hārdi kravaṇasya rejate yatrā matir vidyate pūtabandhanī
Zum Meer hin steht der Erste von diesen; nicht wird Schaden nehmen die Somapressung, bei der er ausgespannt ist. Dort zittert nicht das Herz des Klagenden, wo das Denken sich findet, das reinigende Band [?]. [Anm.: samudra evtl. Himmelsmeer/Hauptstrom; Deutung unsicher.]
sa hi kṣatrasya manasasya cittibhir evāvadasya yajatasya sadhreḥ / avatsārasya spṛṇavāma raṇvabhiḥ śaviṣṭhaṃ vājaṃ viduṣā cid ardhyam
Denn er [gewinnt] mit den Einsichten [?] der Herrschaft, des Geistigen, des so Redenden [?], des Verehrungswürdigen, des Gefährten [?], des Avatsāra [?] wollen wir mit Freuden erreichen: die stärkste Kraft, die auch ein Kundiger erlangen soll [?]. [Anm.: Der Vers bleibt unklar; evtl. Namen (Avatsāra) und Fachwörter (kṣatra).]
śyena āsām aditiḥ kakṣyo mado viśvavārasya yajatasya māyinaḥ / sam anyam-anyam arthayanty etave vidur viṣāṇam paripānam anti te
Der Falke von diesen, Aditi, der Zügelzugehörige [?], der Rausch des Allumhegenden, Verehrungswürdigen, Zauberkundigen: sie treiben einander an, aufeinander zuzugehen; sie kennen das Horn [?] und den Schutz in der Nähe. [Anm.: Vers dunkel; möglicherweise Rätselrede über Soma/Sonne, spekulativ.]
sadāpṛṇo yajato vi dviṣo vadhīd bāhuvṛktaḥ śrutavit taryo vaḥ sacā / ubhā sa varā praty eti bhāti ca yad īṃ gaṇam bhajate suprayāvabhiḥ
Der stets Erfüllende, Verehrungswürdige hat die Feinde zerschlagen, mit vom Arm Gebogenem [?], Ruf-Kundiger, Überwinder [?] mit euch verbunden; er kommt zu beiden Wahlgütern und leuchtet, wenn er die Schar mit guten Vorwärtsfahrten erlangt [?]. [Anm.: Sadāpṛṇa ist wohl Eigenname oder Beiname; Sinn unsicher.]
sutambharo yajamānasya satpatir viśvāsām ūdhaḥ sa dhiyām udañcanaḥ / bharad dhenū rasavac chiśriye payo 'nubruvāṇo adhy eti na svapan
Der Soma-Träger, der Wahrhaftigen-Herr [?] des Opferherrn, das Euter aller Gedanken, der Emporzieher: er trug die Milchkuh, die saftreiche Milch hat er sich [ange]legt; unablässig nachsprechend geht er darüber, nicht schlafend. [Anm.: Anspielung auf den wachen Soma/Agni; Bezüge von dhenu und payas bildlich.]
yo jāgāra tam ṛcaḥ kāmayante yo jāgāra tam u sāmāni yanti / yo jāgāra tam ayaṃ soma āha tavāham asmi sakhye nyokāḥ
Wer wach ist, den begehren die Ṛc-Verse; wer wach ist, zu dem gehen die Sāman-Gesänge; wer wach ist, zu dem spricht dieser Soma: 'Ich bin bei deiner Freundschaft zu Hause.'
agnir jāgāra tam ṛcaḥ kāmayante 'gnir jāgāra tam u sāmāni yanti / agnir jāgāra tam ayaṃ soma āha tavāham asmi sakhye nyokāḥ
Agni ist wach, ihn begehren die Ṛc-Verse; Agni ist wach, zu ihm gehen die Sāman-Gesänge; Agni ist wach, zu ihm spricht dieser Soma: 'Ich bin bei deiner Freundschaft zu Hause.'