pra samrāje bṛhad arcā gabhīram brahma priyaṃ varuṇāya śrutāya / vi yo jaghāna śamiteva carmopastire pṛthivīṃ sūryāya
Dem Allherrscher singe hoch das tiefe, liebe Gebet, dem berühmten Varuṇa, / der die Erde für die Sonne aufgeschlagen/ausgebreitet hat, wie ein Schlächter das Fell auf der Unterlage. [Anm.: brahma = Gebetswort/Formung; vi jaghāna wörtlich ‚auseinanderschlagen‘, Bild unsicher.]
In den Bäumen hat er den Luftraum gespannt, in die Rosse Kraft, in die roten Kühe Milch, / in die Herzen Einsicht, Varuṇa, in die Wasser Agni, in den Himmel die Sonne, auf den Stein/Berg den Soma gesetzt. [Anm.: adri = Presstein oder Berg; beide Deutungen möglich.]
nīcīnabāraṃ varuṇaḥ kavandham pra sasarja rodasī antarikṣam / tena viśvasya bhuvanasya rājā yavaṃ na vṛṣṭir vy unatti bhūma
Ein Fass mit nach unten gekehrter Öffnung hat Varuṇa hervorgelassen für die beiden Welten und den Luftraum; / damit befeuchtet der König der ganzen Welt die Erde, wie der Regen die Gerste. [Anm.: kavandha ‚Fass/Kübel‘ als Bild der Regenwolke; plausibel.]
unatti bhūmim pṛthivīm uta dyāṃ yadā dugdhaṃ varuṇo vaṣṭy ād it / sam abhreṇa vasata parvatāsas taviṣīyantaḥ śrathayanta vīrāḥ
Er befeuchtet den Erdboden, die Erde und den Himmel, wenn Varuṇa das Gemolkene wünscht, sogleich; / die Berge hüllen sich in Gewölk; kraftstrebend lassen sie die Helden lockern/frei [?]. [Anm.: Rest des Verses unsicher.]
imām ū ṣv ṛsurasya śrutasya mahīm māyāṃ varuṇasya pra vocam / māneneva tasthivāṃ antarikṣe vi yo mame pṛthivīṃ sūryeṇa
Diese große Zauberkraft (Māyā) des berühmten Herrn Varuṇa will ich wohl verkünden, / der, wie mit einem Maß im Luftraum stehend, die Erde mit der Sonne vermessen hat.
imām ū nu kavitamasya māyām mahīṃ devasya nakir ā dadharṣa / ekaṃ yad udnā na pṛṇanty enīr āsiñcantīr avanayaḥ samudram
Diese große Māyā des weisesten Gottes hat niemand anzugreifen gewagt: / dass die glänzenden Ströme das eine [Meer] mit Wasser nicht füllen, obwohl sie ins Meer hineinströmen.
aryamyaṃ varuṇa mitryaṃ vā sakhāyaṃ vā sadam id bhrātaraṃ vā / veśaṃ vā nityaṃ varuṇāraṇaṃ vā yat sīm āgaś cakṛmā śiśrathas tat
Sei es gegen den Bundesgenossen des Aryaman oder des Mitra, den Freund oder den immer [dabei seienden] Bruder, / den Hausgenossen oder den Nachbarn, Varuṇa, oder den Fremden — was immer wir an Verfehlung begangen haben, das löse. [Anm.: aryamya/mitrya ‚zum Aryaman/Mitra gehörig, Bundesgenosse‘ (plausibel); veśa ‚Nachbar/Hausgenosse‘.]
kitavāso yad riripur na dīvi yad vā ghā satyam uta yan na vidma / sarvā tā vi ṣya śithireva devādhā te syāma varuṇa priyāsaḥ
Wenn Würfelspieler wie im Spiel betrogen haben, oder ob wirklich [etwas geschah] oder was wir nicht wissen, / das alles löse wie Lockeres, Gott; dann sollen wir dir, Varuṇa, lieb sein.