Kapitel 83: ṛgvede 5.83 · achā vada tavasaṃ gīrbhir ābhi stuhi parjanyaṃ namasā vivāsa
Anruf an Parjanya, den Regenspender
Lobpreis Parjanyas als brüllenden Stiers und befruchtenden Regengottes; Übergang von Gewitterschrecken (2–3) zur Bitte um Regen (6–8) und Dank (10). Vers 10 ist im Padapāṭha verkürzt.
Sprich zu dem Kräftigen hin, lobe mit diesen Liedern Parjanya, ehre [ihn] mit Verneigung; / brüllend legt der Stier mit raschen Tropfen den Samen als Keim in die Pflanzen. [Anm.: retas ‚Samen‘ – Bildrede für den befruchtenden Regen; fest.]
Er zerschlägt Bäume, und er zerschlägt die Unholde; die ganze Welt fürchtet sich vor dem großen Schlag; / auch der Schuldlose weicht vor dem Kraftvollen, wenn Parjanya donnernd die Übeltäter schlägt.
rathīva kaśayāśvāṃ abhikṣipann āvir dūtān kṛṇute varṣyṛṃ aha / dūrāt siṃhasya stanathā ud īrate yat parjanyaḥ kṛṇute varṣyaṃ nabhaḥ
Wie ein Wagenkämpfer, mit der Peitsche die Rosse antreibend, macht er [seine] Regenboten sichtbar; / von fern erheben sich die Brüllrufe des Löwen, wenn Parjanya die Regenwolke schafft.
pra vātā vānti patayanti vidyuta ud oṣadhīr jihate pinvate svaḥ / irā viśvasmai bhuvanāya jāyate yat parjanyaḥ pṛthivīṃ retasāvati
Winde wehen hervor, Blitze fliegen, Pflanzen sprießen empor, der Himmelsraum schwillt; / Labung entsteht für die ganze Welt, wenn Parjanya die Erde mit Samen erquickt.
yasya vrate pṛthivī nannamīti yasya vrate śaphavaj jarbhurīti / yasya vrata oṣadhīr viśvarūpāḥ sa naḥ parjanya mahi śarma yacha
In dessen Gebot sich die Erde neigt, in dessen Gebot das Huftier sich regt, / in dessen Gebot die Pflanzen vielgestaltig sind — er, Parjanya, gewähre uns großen Schutz.
divo no vṛṣṭim maruto rarīdhvam pra pinvata vṛṣṇo aśvasya dhārāḥ / arvāṅ etena stanayitnunehy apo niṣiñcann asuraḥ pitā naḥ
Regen aus dem Himmel gewährt uns, Maruts; lasst die Ströme des Hengstes/Stiers schwellen; / komm mit diesem Donnerer hierher, Wasser herabgießend, der Herr, unser Vater. [Anm.: asura hier ‚Herr, Machtträger‘; Ambivalenz von aśva/vṛṣan (Ross/Stier) bleibt.]
abhi kranda stanaya garbham ā dhā udanvatā pari dīyā rathena / dṛtiṃ su karṣa viṣitaṃ nyañcaṃ samā bhavantūdvato nipādāḥ
Brülle, donnere, lege den Keim hinein; mit wasserhaltigem Wagen fahre rings herum. / Zieh den Schlauch gut herab, gelöst, mit der Öffnung nach unten; eben sollen Höhen und Tiefen werden.
mahāntaṃ kośam ud acā ni ṣiñca syandantāṃ kulyā viṣitāḥ purastāt / ghṛtena dyāvāpṛthivī vy undhi suprapāṇam bhavatv aghnyābhyaḥ
Ein großes Fass hebe empor, gieße herab; strömen sollen die gelösten Kanäle nach vorn; / mit Fett/Schmalz [Regenfülle] durchfeuchte Himmel und Erde; eine gute Tränke soll es für die Rinder [aghnyā: ‚nicht zu tötende‘] geben. [Anm.: ghṛta hier bildlich fettreicher Regen; plausibel.]
avarṣīr varṣam ud u ṣū gṛbhāyākar dhanvāny atyetavā u / ajījana oṣadhīr bhojanāya kam uta prajābhyo 'vido manīṣām
Du hast Regen regnen lassen; nun hast du [ihn] auch zurückgehalten: du hast die Trockenländer durchquerbar gemacht; / du hast die Pflanzen zur Nahrung erzeugt, und für die Geschöpfe hast du Beifall/Lobpreis gewonnen. [Anm.: PP verkürzt (‚iti‘ steht für ‚ud u‘); manīṣā ‚Gedanke/Lied/Wertschätzung‘, Deutung unsicher [?].]