Kapitel 36: ṛgvede 7.36 · pra brahmaitu sadanād ṛtasya vi raśmibhiḥ sasṛje sūryo gāḥ
Gebetswort an Mitra-Varuṇa, Indra, Sarasvatī, Maruts, Pūṣan und Viṣṇu
Vasiṣṭha-Lied, das mit dem aufsteigenden Gebetswort und dem Morgen (Sūrya, Agni) beginnt und dann Mitra-Varuṇa, Indra, Rudra, Sarasvatī, die Maruts, Pūṣan, Bhaga und Viṣṇu anruft. Vers 3 (Wind, Kühe, Stier im Euter) ist bildhaft und sehr dunkel, Vers 4 und 7 syntaktisch schwierig. Der Refrain in Vers 9 ist im Saṃhitā-Text abgekürzt und nach dem Padapāṭha wiedergegeben.
pra brahmaitu sadanād ṛtasya vi raśmibhiḥ sasṛje sūryo gāḥ / vi sānunā pṛthivī sasra urvī pṛthu pratīkamadhyedhe agniḥ
Vorwärts soll das Gebetswort (brahma) vom Sitz der Ordnung (ṛta) gehen; Sūrya hat mit den Strahlen die Kühe [Anm.: wörtlich ‚Rinder‘, wohl Bildrede für Lichter/Strahlen, plausibel] losgelassen; mit ihrem Rücken hat sich die weite Erde ausgebreitet; auf breiter Vorderseite hat sich Agni entzündet.
Wort für Wort
pra
vorwärts
brahma
Gebetswort, Formel, Brahman (Nom. Sg.)
etu
soll gehen (3. Sg. Imp.)
sadanāt
vom Sitz (Abl. Sg.)
ṛtasya
der Ordnung, des Ṛta (Gen. Sg.)
vi
auseinander, los
raśmi-bhiḥ
mit Strahlen (Instr. Pl.)
sasṛje
wurde losgelassen / ließ los (3. Sg. Aor. Pass./Med.) [?]
imāṃ vāṃ mitrāvaruṇā suvṛktimiṣaṃ na kṛṇve asurā navīyaḥ / ino vāmanyaḥ padavīradabdho janaṃ ca mitro yatati bruvāṇaḥ
Dieses wohlgefügte Lied mache ich euch beiden, Mitra und Varuṇa, ihr Herren, wie eine Labung, ein neues. Der eine von euch beiden ist der Gebieter, der Pfadfinder, der Unbetrogene; und Mitra ordnet [oder: sammelt] das Volk, indem er spricht [?]. [Anm.: Zuweisung von inaḥ/padavīḥ und yatati unsicher.]
Auf den Ansturm des stürmenden Windes hin kamen die Gehenden [?] zur Ruhe [?] und ließen anschwellen, wie Milchkühe [ihre] Ergiebigen [?]. Im Sitz des großen Himmels geboren, brüllte der Stier in seinem eigenen Euter. [Anm.: Sehr dunkel; wohl Regen-/Wolkenbild (Wind, Wolken, Donnerstier), dies plausibel, im Einzelnen spekulativ.]
Wort für Wort
ā vātasya
hin (zu) + des Windes (Gen. Sg.)
dhrajataḥ
des stürmenden (Gen. Sg.)
rante
sie kamen zur Ruhe, ergötzten sich (3. Pl. Aor. Med.) [?]
girā ya etā yunajad dharī ta indra priyā surathā śūra dhāyū / pra yo manyuṃ ririkṣato minātyā sukratumaryamaṇaṃ vavṛtyām
Der, der mit einem Lied diese beiden Falben angeschirrt hat, deine lieben, gut gewagenten, o Held, die dich stärken [?]; und der den Zorn des Schädigenwollenden bricht: den einsichtigen Aryaman [oder: den Einsichtigen, dem Aryaman gleich] möchte ich herbeiwenden [?]. [Anm.: Der Vers hat kein klares Korrelat zu yaḥ; Deutung unsicher.]
yajante asya sakhyaṃ vayaśca namasvinaḥ sva ṛtasya dhāman / vi pṛkṣo bābadhe nṛbhi stavāna idaṃ namo rudrāya preṣṭham
Um seine Freundschaft weihen [verehrend] die Ehrerbietigen [?] und [um] Lebenskraft in seinem eigenen Bereich (dhāman) der Ordnung; er hat die Nahrungen weit weggedrängt [?], von Männern gepriesen: diese liebste Verbeugung [gilt] Rudra. [Anm.: yajante mit Akkusativ ‚um … verehren‘ und pṛkṣaḥ sind unsicher.]
Wenn zugleich die Ruhmreichen brüllend herkommen, Sarasvatī als siebte, die Mutter der Ströme, die sich gut ergossen, gutmelkend, mit gutem Strahl, mit ihrer eigenen Milch anschwellend [?]. [Anm.: Milch = Wasser als Bildrede (Flüsse als Kühe), plausibel.]
uta tye no maruto mandasānā dhiyaṃ tokaṃ ca vājino 'vantu / mā naḥ pari khyadakṣarā carantyavīvṛdhan yujyaṃ te rayiṃ naḥ
Und diese Maruts, sich erfreuend, sollen unser Denkwerk und unsere Nachkommenschaft fördern, die Kraftvollen. Nicht soll uns die Unvergängliche [?], die umherzieht, übersehen; sie haben [deinen] passenden Reichtum für uns vermehrt [?]. [Anm.: Zweite Vershälfte unsicher; akṣarā und te unklar.]
pra vo mahīmaramatiṃ kṛṇudhvaṃ pra pūṣaṇaṃ vidathyaṃ na vīram / bhagaṃ dhiyo 'vitāraṃ no asyāḥ sātau vājaṃ rātiṣācaṃ purandhim
Macht euch die große Aramati [Bereitschaft] hervor; [macht] Pūṣan [hervor], wie einen Helden der Versammlung; Bhaga, den Förderer unserer Gedanken; in der Gewinnung dieser [Sache] [erlangt] die Kraft, die gabenbegleitende Puraṃdhi [Fülle]. [Anm.: Zuordnung der letzten Glieder unsicher.]
Zu euch, Maruts, soll dieser Ruf [Preisruf] gehen, und zu Viṣṇu, dem Trinker des Eingegossenen, mit [euren] Hilfen; und dem Nachkommen [dem Nachwuchs] des Preisenden sollen sie Lebenskraft geben. Ihr aber schützt uns stets mit Segensgaben. [Anm.: Refrain im Saṃhitā-Text abgekürzt, nach dem Padapāṭha ergänzt.]