Kapitel 86: ṛgvede 7.86 · dhīrā tvasya mahinā janūṃṣi vi yastastambha rodasī cidurvī
Bußlied an Varuṇa: Frage nach der Schuld
Bekenntnis- und Fragelied an Varuṇa: Größe des Gottes, Frage nach der eigenen Verfehlung, Bitte um Lösung von Schuld; V. 6 nennt Ursachen der Verfehlung (Trank, Zorn, Würfel, Unbedachtheit, Schlaf). Stellen mit [?] in V. 4, 6.
dhīrā tvasya mahinā janūṃṣi vi yastastambha rodasī cidurvī / pra nākam ṛṣvaṃ nunude bṛhantaṃ dvitā nakṣatrampaprathacca bhūma
Weise sind seine Erzeugnisse durch Größe, der die beiden Welten, sogar die weiten, auseinander gestützt hat; er stieß den hohen Himmelsfirst, den erhabenen, hinaus; zweifach breitete er das Gestirn und die Erde aus.
uta svayā tanvā saṃ vade tat kadā nvantarvaruṇe bhuvāni / kiṃ me havyamahṛṇāno juṣeta kadā mṛḷīkaṃ sumanā abhi khyam
Und mit meinem eigenen Leib bespreche ich das: wann werde ich in Varuṇa sein? Wird er meine Darbringung ohne Zorn genießen? Wann werde ich, wohlgesinnt, seine Gnade erblicken?
pṛche tadeno varuṇa didṛkṣūpo emi cikituṣo vipṛcham / samānamin me kavayaścidāhurayaṃ ha tubhyaṃ varuṇo hṛṇīte
Ich frage nach jener Verfehlung, Varuṇa, sie zu erkennen begehrend; ich gehe zu den Kundigen, sie auszufragen; dasselbe sagen mir auch die Seher: „Dieser Varuṇa zürnt dir.“
kimāga āsa varuṇa jyeṣṭhaṃ yat stotāraṃ jighāṃsasi sakhāyam / pra tan me voco dūḷabha svadhāvo 'va tvānenā namasā tura iyām
Was war die größte Verfehlung, Varuṇa, dass du den Sänger, deinen Freund, töten willst? Sag mir das, Unbezwingbarer, Selbstgesetzlicher; sündlos möchte ich, eilend, dich mit dieser Verneigung (zu mir) herabholen [?].
ava drugdhāni pitryā sṛjā no 'va yā vayaṃ cakṛmā tanūbhiḥ / ava rājan paśutṛpaṃ na tāyuṃ sṛjā vatsaṃ na dāmno vasiṣṭham
Löse ab die von den Vätern (herrührenden) Trugtaten, löse (auch) die, die wir selbst mit unseren Leibern begangen haben; löse, König, wie einen viehsättigenden Dieb, wie ein Kalb vom Strick, so den Vasiṣṭha los.
na sa svo dakṣo varuṇa dhrutiḥ sā surā manyurvibhīdakoacittiḥ / asti jyāyān kanīyasa upāre svapnaścanedanṛtasya prayotā
Nicht war es der eigene Wille, Varuṇa, sondern Verirrung, Rauschtrank, Zorn, Würfel, Unbedachtheit; der Ältere steht nahe beim Jüngeren [?, verleitend]; auch der Schlaf ist Anstifter der Unwahrheit.
Genug will ich wie ein Diener dem gabenreichen Gott, dem Eifrigen, tun, sündlos; der Gott, der Herr, hat die Unwissenden aufgeklärt; der Weisere fördert den Klugen zum Reichtum.
ayaṃ su tubhyaṃ varuṇa svadhāvo hṛdi stoma upaśritaścidastu / śaṃ naḥ kṣeme śamu yoge no astu yūyaṃ pāta ...
Dieses Loblied möge dir, Varuṇa, Selbstgesetzlicher, ins Herz gelangen; Heil uns im Bewahren des Besitzes, Heil auch im Erwerb sei uns; ihr aber schützt uns immer mit Heilsmitteln. [Anm.: Kehrvers in der Quelle abgekürzt.]