Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 7

Kapitel 58: ṛgvede 7.58 · pra sākamukṣe arcatā gaṇāya yo daivyasya dhāmnastuviṣmān Lied an die Marut: Schar, Ungestüm und Nachsicht

Marut-Lied mit Lob der Schar und ihrer Macht (V. 1-2), Bitte um Lebenskraft und Hilfe (3-4), Bitte um Versöhnung nach einer (nicht näher bestimmten) Verfehlung (5) und Schlussrefrain (6). Schwierig sind V. 1 (sākamukṣe, avaṃśāt), 3 (Subjekt von gato nādhvā) und 5 (sasvartā, ava īmahe).

pra sākamukṣe arcatā gaṇāya yo daivyasya dhāmnastuviṣmān / uta kṣodanti rodasī mahitvā nakṣante nākaṃ nir{ṛ}teravaṃśāt

Singt hervor der gemeinsam [heranwachsenden/ besprengenden [?]] Schar (gaṇa), die im göttlichen Bereich (dhāman) mächtig ist. Und sie erschüttern [oder: überfluten [?]] durch [ihre] Größe die beiden Welten, sie erreichen das Himmelsgewölbe, [fort] von Nirṛti (Auflösung, Verderben) [und] vom Absturz [?]. [Anm.: sākamukṣe, kṣodanti und avaṃśāt unsicher.]

Wort für Wort
pra
hervor, laut (Präverb)
sākam-ukṣe
gemeinsam heranwachsend/ besprengend [?] (Dat. Sg.)
arcata
singt, preist (2. Pl. Imp.)
gaṇāya
der Schar (Dat. Sg.)
yaḥ
die (Nom. Sg.)
daivyasya
des göttlichen (Gen. Sg.)
dhāmnaḥ
Bereichs, Wesens (Gen. Sg.)
tuviṣmān
mächtig, kraftvoll (Nom. Sg.)
uta
und
kṣodanti
sie erschüttern, überfluten [?] (3. Pl.)
rodasī iti
die beiden Welten (Akk. Du.)
mahi-tvā
durch Größe (Instr. Sg.)
nakṣante
sie erreichen (3. Pl. Med.)
nākam
Himmelsgewölbe (Akk. Sg.)
niḥ-ṛteḥ
von der Auflösung, dem Verderben (Abl. Sg.)
avaṃśāt
vom Absturz [?] (Abl. Sg.)

janūścid vo marutastveṣyeṇa bhīmāsastuvimanyavo 'yāsaḥ / pra ye mahobhirojasota santi viśvo vo yāman bhayate svardṛk

Schon [eure] Geburt [?], ihr Marut, [ist] durch Ungestüm [furchtbar]: furchtbar, zornmächtig, unermüdlich sind die, die durch Größen und Kraft hervorragen. Jeder Lebende (svardṛś, ‚Licht-Schauer') fürchtet sich bei eurem Zug (yāman). [Anm.: Satzbau des ersten Halbverses unsicher.]

Wort für Wort
janūḥ
Geburt, Herkunft [?] (Nom./ Akk. Sg.)
cit
schon, sogar
vaḥ
euer
marutaḥ
Marut
tveṣyeṇa
mit Ungestüm (Instr. Sg.)
bhīmāsaḥ
furchtbar (Nom. Pl.)
tuvi-manyavaḥ
zornmächtig (Nom. Pl.)
ayāsaḥ
unermüdlich (Nom. Pl.)
pra
hervor (Präverb)
ye
die (Nom. Pl.)
mahaḥ-bhiḥ
durch Größen (Instr. Pl.)
ojasā
durch Kraft (Instr. Sg.)
uta
und
santi
sie sind (3. Pl.)
viśvaḥ
jeder, ganz (Nom. Sg.)
vaḥ
euer, euch
yāman
beim Zug (Lok. Sg.)
bhayate
fürchtet sich (3. Sg. Med.)
svaḥ-dṛk
die Sonne, das Licht sehend (Nom. Sg.)

bṛhad vayo maghavadbhyo dadhāta jujoṣannin marutaḥ suṣṭutiṃ naḥ / gato nādhvā vi tirāti jantuṃ pra ṇa spārhābhirūtibhistireta

Gebt den Gabenreichen große Lebensfülle (vayas); die Marut mögen unser schönes Lob wohl gern annehmen. Wie ein [bereits] begangener Weg bringt es den Menschen hindurch [?]; es möge uns mit begehrenswerten Hilfen fördern. [Anm.: Subjekt von vi tirāti/ tireta unklar, wohl das Lob (sustuti).]

Wort für Wort
bṛhat
großes (Akk. Sg. N.)
vayaḥ
Lebenskraft, Lebensfülle (Akk. Sg.)
maghavat-bhyaḥ
den Gabenreichen (Dat. Pl.)
dadhāta
gebt, setzt (2. Pl. Imp.)
jujoṣan
sie mögen gern annehmen (3. Pl. Inj.)
it
eben, doch
marutaḥ
Marut
su-stutim
schönes Lob (Akk. Sg.)
naḥ
unser
gataḥ
begangen, gegangen (Nom. Sg. Part.)
na
wie
adhvā
Weg (Nom. Sg.)
vi
hindurch (Präverb)
tirāti
bringt hinüber, fördert (3. Sg.)
jantum
Menschen, Lebewesen (Akk. Sg.)
pra
voran (Präverb)
naḥ
uns
spārhābhiḥ
mit begehrenswerten (Instr. Pl.)
ūti-bhiḥ
Hilfen (Instr. Pl.)
tireta
möge fördern (3. Sg. Opt. Med.)

yuṣmoto vipro marutaḥ śatasvī yuṣmoto arvā sahuriḥ sahasrī / yuṣmotaḥ samrāḷ uta hanti vṛtraṃ pra tad vo astu dhūtayo deṣṇam

Von euch geschützt, Marut, [ist] ein Seher hundertfach [begabt]; von euch geschützt der Renner, überwältigend, tausendfach [begabt]; von euch geschützt schlägt der Allherrscher Vṛtra (das Hindernis). Das soll, ihr Erschütterer, als eure Gabe (deṣṇa) hervortreten [?].

Wort für Wort
yuṣmāūtaḥ
von euch geschützt (Nom. Sg.)
vipraḥ
Seher (Nom. Sg.)
marutaḥ
Marut
śatasvī
hundertfach begabt (Nom. Sg.)
yuṣmāūtaḥ
von euch geschützt (Nom. Sg.)
arvā
Renner, Ross (Nom. Sg.)
sahuriḥ
überwältigend (Nom. Sg.)
sahasrī
tausendfach begabt (Nom. Sg.)
yuṣmāūtaḥ
von euch geschützt (Nom. Sg.)
sam-rāṭ
Allherrscher (Nom. Sg.)
uta
und
hanti
erschlägt (3. Sg.)
vṛtram
Vṛtra, das Hindernis (Akk. Sg.)
pra
hervor (Präverb)
tat
das (Nom. Sg. N.)
vaḥ
euer, von euch
astu
soll sein
dhūtayaḥ
Erschütterer (Vok. Pl.)
deṣṇam
Gabe (Nom. Sg. N.) [?]

tānā rudrasya mīḷhuṣo vivāse kuvin naṃsante marutaḥ punarnaḥ / yat sasvartā jihīḷire yadāvirava tadena īmahe turāṇām

Diese [Söhne] des gabenreichen Rudra will ich [mit Verehrung] gewinnen [?]; werden die Marut sich uns wohl wieder zuneigen [?], nachdem sie [uns] heimlich [?] gezürnt haben? Was offen [geschah], diese Verfehlung — [ihren Nachlass] erbitten wir von den Eilenden [?]. [Anm.: sasvartā, ava īmahe und Subjekt des Zürnens unsicher.]

Wort für Wort
tān
sie (Akk. Pl.)
ā
hin (Präverb)
rudrasya
des Rudra (Gen. Sg.)
mīḷhuṣaḥ
des Gabenreichen (Gen. Sg.)
vivāse
ich will verehren, gewinnen (1. Sg. Med.)
kuvit
ob wohl (Fragepartikel)
naṃsante
sie werden sich neigen [?] (3. Pl. Med.)
marutaḥ
Marut
punaḥ
wieder
naḥ
uns
yat
wenn, was
sasvartā
heimlich [?] (Adv.)
jihīḷire
sie haben gezürnt (3. Pl. Perf. Med.)
yat
was
āviḥ
offen (Adv.)
ava
ab, weg (Präverb)
tat
diese (Akk. Sg. N.)
enaḥ
Verfehlung, Vergehen (Akk. Sg.)
īmahe
wir erbitten (1. Pl. Med.)
turāṇām
der Eilenden (Gen. Pl.)

prā sā vāci suṣṭutirmaghonāmidaṃ sūktaṃ maruto juṣanta / ārāccid dveṣo vṛṣaṇo yuyota yūyaṃ pāta ...

Hervortreten soll in der Rede das schöne Lob der Gabenreichen; dieses Wohlgesprochene (sūkta) mögen die Marut gern annehmen. Haltet den Hass weit weg, ihr Bullen; ihr aber schützt uns immer mit Wohlergehen. [Anm.: Der Schluss ist in der Quelle als Refrain abgekürzt und ergänzt.]

Wort für Wort
pra
hervor (Präverb)
sā
diese (Nom. Sg. F.)
vāci
in der Rede (Lok. Sg.)
su-stutiḥ
schönes Lob (Nom. Sg.)
maghonām
der Gabenreichen (Gen. Pl.)
idam
dieses (Akk. Sg. N.)
su-uktam
Wohlgesprochenes, Lied (Akk. Sg.)
marutaḥ
Marut
juṣanta
sie mögen gern annehmen (3. Pl. Med.)
ārāt
von fern, weit weg
cit
auch
dveṣaḥ
Hass (Akk. Sg.)
vṛṣaṇaḥ
Bullen (Vok. Pl.)
yuyota
haltet fern (2. Pl. Imp.)
yūyam
ihr
pāta
schützt (2. Pl. Imp.)
svasti-bhiḥ
mit Wohlergehen (Instr. Pl.)
sadā
immer
naḥ
uns

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