Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 7

Kapitel 89: ṛgvede 7.89 · mo ṣu varuṇa mṛnmayaṃ gṛhaṃ rājannahaṃ gamam Bitte an Varuṇa um Erbarmen

Fünf-Vers-Bittlied mit Refrain ‚sei gnädig, Varuṇa, o Wohlherrscher‘ (Verse 1-4); Vers 5 bekennt Verfehlungen gegenüber der göttlichen Ordnung. Das Bild des Aufblähens (dhmāta) in V. 2 und des Dursts inmitten der Wasser in V. 4 ist rätselhaft-drastisch (Krankheit oder Bildrede).

mo ṣu varuṇa mṛnmayaṃ gṛhaṃ rājannahaṃ gamam / mṛḷā sukṣatra mṛḷaya

Nicht möge ich, Varuṇa, in das Haus aus Lehm eingehen, König! / Sei gnädig, Wohlherrschender, erbarme dich!

Wort für Wort
mo iti
nicht (mo = mā u)
su
gut/doch (Partikel)
varuṇa
Varuṇa (Vok.)
mṛt-mayam
aus Lehm gemacht (Akk. Sg.)
gṛham
Haus (Akk. Sg.)
rājan
König (Vok.)
aham
ich (Nom.)
gamam
möge gehen (1. Sg. Aor. Konj.)
mṛḷa
sei gnädig (2. Sg. Imp.)
su-kṣatra
Wohlherrschender/mit guter Herrschaft (Vok.)
mṛḷaya
erbarme dich (2. Sg. Imp. Kaus.)

yademi prasphuranniva dṛtirna dhmāto adrivaḥ / mṛḷā s. m.

Wenn ich gehe wie einer, der zappelt, wie ein aufgeblasener Schlauch, Steinbesitzer (Herr der Presssteine/des Blitzsteins)! / Sei gnädig, Wohlherrschender, erbarme dich!

Wort für Wort
yat
wenn (Relativ)
emi
ich gehe (1. Sg. Präs.)
prasphuran-iva
wie zuckend/zappelnd (Part. + iva)
dṛtiḥ
Schlauch/Balg (Nom. Sg.)
na
wie
dhmātaḥ
aufgebläht (Part. Nom. Sg.)
adri-vaḥ
Steinbesitzer/Blitzschleuderer (Vok.)
mṛḷa
sei gnädig (2. Sg. Imp.)
su-kṣatra
Wohlherrschender (Vok.)
mṛḷaya
erbarme dich (2. Sg. Imp.)

kratvaḥ samaha dīnatā pratīpaṃ jagamā śuce / mṛḷā s. m.

Aus Mangel an Einsicht/Kraft, du Reiner, bin ich in Gegensatz [zu dir] geraten durch Niedergeschlagenheit [Anm.: kratvaḥ samaha = ‚an Willenskraft/Einsicht Schwacher‘ ? Deutung unsicher]. / Sei gnädig, Wohlherrschender, erbarme dich!

Wort für Wort
kratvaḥ
von Einsicht/Kraft (Gen./Abl. Sg.) [?]
samaha
samaha (unklar; ‚gleichermaßen/zusammen‘ o. ä.) [?]
dīnatā
Niedergeschlagenheit/Schwäche (Instr. Sg. f.)
prati-īpam
verkehrt/gegen den Strom (Akk. Sg.)
jagama
ich bin gegangen (1. Sg. Perf.)
śuce
Reiner/Strahlender (Vok.)
mṛḷa
sei gnädig (2. Sg. Imp.)
su-kṣatra
Wohlherrschender (Vok.)
mṛḷaya
erbarme dich (2. Sg. Imp.)

apāṃ madhye tasthivāṃsaṃ tṛṣṇāvidajjaritāram / mṛḷā s. m.

Den, der inmitten der Wasser steht – Durst hat ihn, den Sänger, gefunden. / Sei gnädig, Wohlherrschender, erbarme dich!

Wort für Wort
apām
der Wasser (Gen. Pl.)
madhye
in der Mitte (Lok. Sg.)
tasthi-vāṃsam
stehend (Part. Perf. Akk. Sg.)
tṛṣṇā
Durst (Nom. Sg.)
avidat
fand (3. Sg. Aor.)
jaritāram
Sänger (Akk. Sg.)
mṛḷa
sei gnädig (2. Sg. Imp.)
su-kṣatra
Wohlherrschender (Vok.)
mṛḷaya
erbarme dich (2. Sg. Imp.)

yat kiṃ cedaṃ varuṇa daivye jane 'bhidrohaṃ manuṣyāścarāmasi / acittī yat tava dharmā yuyopima mā nastasmādenaso deva rīriṣaḥ

Was immer hier, Varuṇa, wir Menschen gegen das göttliche Volk an Frevel treiben, / wenn wir in Unverstand deine Satzungen verletzt haben: für dieses Vergehen, Gott, richte uns nicht zugrunde!

Wort für Wort
yat
was (Relativ)
kim
irgend (Indef.)
ca
auch/und (Partikel)
idam
dies (Akk. Sg. n.)
varuṇa
Varuṇa (Vok.)
daivye
im göttlichen (Lok. Sg.)
jane
Volk/Geschlecht (Lok. Sg.)
abhi-droham
Frevel/Trug gegen (Akk. Sg.)
manuṣyāḥ
wir Menschen (Nom. Pl.)
carāmasi
wir treiben/begehen (1. Pl. Präs. Med.)
ac ittī
aus Unverstand (Instr. Sg.)
yat
wenn (Relativ)
tava
deine (Gen. Sg.)
dharma
Satzungen (Akk. Pl.)
yuyopima
wir haben verletzt/verfehlt (1. Pl. Perf.)
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk./Gen.)
tasmāt
deswegen (Abl.)
enasaḥ
Vergehen (Abl. Sg.)
deva
Gott (Vok.)
ririṣaḥ
schädige/richte nicht zugrunde (2. Sg. Aor. Inj.)

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