Kapitel 88: ṛgvede 7.88 · pra śundhyuvaṃ varuṇāya preṣṭhāṃ matiṃ vasiṣṭha mīḷhuṣe bharasva
Vasiṣṭhas Bitte an Varuṇa: Schiff, Freundschaft, Lösung der Schlinge
Persönliches Varuṇa-Lied: Der Sänger bringt Lob dar, erinnert an die frühere Vertrautheit (gemeinsame Bootsfahrt, Schaukel) und bittet um Vergebung. Schwierig ist Vers 2 (svaḥ / aśman / adhipāḥ / andhaḥ), dessen Syntax unsicher bleibt.
pra śundhyuvaṃ varuṇāya preṣṭhāṃ matiṃ vasiṣṭha mīḷhuṣe bharasva / ya īmarvāñcaṃ karate yajatraṃ sahasrāmaghaṃ vṛṣaṇaṃ bṛhantam
Bring hervor dem Varuṇa das reine/glänzende [?], liebste Gebet, Vasiṣṭha, dem Freigebigen (Stärkespender), / der ihn [Varuṇa] uns zugewandt macht, den Verehrungswürdigen, den mit Tausenden von Gaben Begabten, den Stier, den Hohen.
Wort für Wort
pra
hervor (Präverb)
śundhyuvam
glänzend/reinigend [?] (Akk. Sg. f., zu matim)
varuṇāya
dem Varuṇa (Dat. Sg.)
preṣṭhām
liebste (Akk. Sg. f.)
matim
Gebet/Gedanke (Akk. Sg. f.)
vasiṣṭha
Vasiṣṭha (Vok.)
mīḷhuṣe
dem Freigebigen/Spendenden (Dat. Sg., Partizip Perf.)
Nun, da ich zu seinem Anblick gelangt bin, denke ich an das Antlitz Agnis, [ja] an [das] Varuṇas. / Das Licht [?], wenn [es] am Stein [?], der Trank, der Hüter [?] – [Anm.: Vers syntaktisch unsicher] möge mich zur Schau der Gestalt hinführen.
ā yad ruhāva varuṇaśca nāvaṃ pra yat samudramīrayāvamadhyam / adhi yadapāṃ snubhiścarāva pra preṅkha īṅkhayāvahai śubhe kam
Wenn ich und Varuṇa das Schiff besteigen, wenn wir es hinaus mitten ins Meer treiben, / wenn wir auf den Rücken der Wasser hin fahren, dann wollen wir uns auf der Schaukel schaukeln, zum Glanz [bzw. zum Wohlsein].
Wort für Wort
ā
hinauf (Präverb)
yat
wenn
ruhāva
wir beide besteigen (1. Du. Konj.)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom.)
ca
und
nāvam
Schiff (Akk. Sg.)
pra
hinaus (Präverb)
yat
wenn
samudram
Meer (Akk. Sg.)
īrayāva
wir beide treiben/lenken (1. Du. Konj.)
madhyam
Mitte/mitten (Akk. Sg.)
adhi
über/auf (Präp.)
yat
wenn
apām
der Wasser (Gen. Pl.)
snu-bhiḥ
Rücken/Wellenkämme (Instr. Pl.)
carāva
wir beide fahren (1. Du. Konj.)
pra
hervor (Präverb)
pra-īṅkhe
auf der Schaukel (Lok. Sg.)
īṅkhayāvahai
wir beide wollen schaukeln (1. Du. Konj. Med., kaus.)
vasiṣṭhaṃ ha varuṇo nāvyādhād ṛṣiṃ cakāra svapā mahobhiḥ / stotāraṃ vipraḥ sudinatve ahnāṃ yān nu dyāvastatanan yāduṣāsaḥ
Den Vasiṣṭha hat Varuṇa auf das Schiff gesetzt; zum Seher machte er ihn, der mit Größen (Machterweisen) gutes Werk vollbringt, / den Sänger, als Kundigen, in der Heiterkeit der Tage, solange sich die Himmel [Tage] erstrecken und solange die Morgenröten [sich erstrecken].
Wort für Wort
vasiṣṭham
Vasiṣṭha (Akk. Sg.)
ha
ja/fürwahr (Partikel)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom.)
nāvi
auf dem Schiff (Lok. Sg.)
ā
hinauf (Präverb)
adhāt
setzte (3. Sg. Aor.)
ṛṣim
Seher (Akk. Sg.)
cakāra
machte (3. Sg. Perf.)
su-apāḥ
gutes Werk tuend (Nom. Sg.)
mahaḥ-bhiḥ
mit Größen/Machterweisen (Instr. Pl.)
stotāram
Sänger (Akk. Sg.)
vipraḥ
kundig/begeistert (Nom. Sg.)
sudina-tve
in der Heiterkeit/im schönen Tageslicht (Lok. Sg.)
kva tyāni nau sakhyā babhūvuḥ sacāvahe yadavṛkaṃ purā cit / bṛhantaṃ mānaṃ varuṇa svadhāvaḥ sahasradvāraṃ jagamā gṛhaṃ te
Wo sind jene Freundschaften von uns beiden geblieben, als wir früher zusammen waren, ohne Wolf/ohne Gefahr? / Ins hohe, tausendtorige Haus, Varuṇa, Eigenmächtiger, bin ich zu deinem Haus [Bau/Maß] gegangen [Anm.: mānam = Bau/Wohnstätte, sonst ‚Maß‘; wörtlich unsicher].
ya āpirnityo varuṇa priyaḥ san tvāmāgāṃsi kṛṇavat sakhā te / mā ta enasvanto yakṣin bhujema yandhi ṣmā vipra stuvate varūtham
Wer als Vertrauter, beständiger, dir, Varuṇa, [wenn] lieb, Verfehlungen begeht, [wer] dein Freund [ist]: / nicht wollen wir als Schuldige, du Verehrungswürdiger, von dir [Gnade] genießen [?]; halte Schutz bereit für den Sänger, Weiser.
In diesen festen Wohnsitzen wohnend – Varuṇa hat die Schlinge von uns gelöst; / Beistand gewinnend aus dem Schoß der Aditi. Ihr sollt uns beschützen mit Heilsmitteln, allezeit.