Kapitel 104: ṛgvede 7.104 · indrāsomā tapataṃ rakṣa ubjataṃ nyarpayataṃ vṛṣaṇā tamovṛdhaḥ
Anruf an Indra und Soma gegen die Rakṣas und Yātudhānas
Beschwörungs- und Fluchlied gegen dämonische Wesen (rakṣas, yātudhāna, kimīdin), Verleumder und Unwahrhaftige; Indra und Soma sollen sie schlagen, die Wahrheit schützt Soma. Zahlreiche Einzelwörter (Tiernamen in V. 22, mūradeva, khargalā, pākaśaṃsa) sind unsicher.
Indra und Soma, brennt den Rakṣas, drückt ihn nieder, stoßt ihn hinab, ihr Stiere, ihn, der in der Finsternis wächst [?]; / zerbrecht die Unverständigen, verbrennt sie, erschlagt sie, stoßt sie weg, schleift die Fresser nieder [?].
Indra und Soma, gegen den, der Unheil ausspricht, gegen das Unheil möge die Glut aufwallen wie ein Kessel mit Feuer [?]. / Auf den Brahman-Hasser, den Fleischfresser, den mit schrecklichem Blick, legt unabwendbaren Hass, auf den Kimīdin.
indrāsomā duṣkṛto vavre antaranārambhaṇe tamasi pra vidhyatam / yathā nātaḥ punarekaścanodayat tad vāmastu sahase manyumacchavaḥ
Indra und Soma, durchbohrt die Übeltäter in der Höhle, in der haltlosen Finsternis, / so dass von dort nicht einer wieder aufsteigt; das sei eure überwältigende, zornerfüllte Kraft.
Indra und Soma, rollt aus dem Himmel die Waffe, aus der Erde den Zermalmer heran gegen den, der Unheil ausspricht. / Schlagt aus den Bergen das dröhnende [?] Geschoss hervor, mit dem ihr den wachsenden Rakṣas zerschmettert.
indrāsomā vartayataṃ divas paryagnitaptebhiryuvamaśmahanmabhiḥ / tapurvadhebhirajarebhiratriṇo ni parśāne vidhyataṃ yantu nisvaram
Indra und Soma, rollt vom Himmel herab mit feuergeglühten, steinschlagenden [?] Waffen, ihr beiden, / mit hitzeschlagenden, unalternden [Waffen] durchbohrt die Fresser im Abgrund; sie sollen lautlos gehen. [Anm.: aśmahanman und parśāna unsicher.]
Indra und Soma, dieses Denklied soll euch ringsum umgeben wie der Gurt zwei rennkräftige Rosse. / Diese Anrufung, die ich euch mit Einsicht zusende, diese Gebete belebt wie zwei Herren der Männer.
Wort für Wort
indrāsomā
Indra und Soma (Vok. Du.)
pari
ringsum
vām
euch beiden (Akk. Du.)
bhūtu
es soll sein (Imper. 3. Sg.)
viśvataḥ
von allen Seiten
iyam
dieses (Nom. Sg. f.)
matiḥ
Denklied (Nom. Sg.)
kakṣyā
Gurt (Nom. Sg.)
aśvāiva
wie zwei Rosse (Akk. Du.)
vāji nā
wie kraftvolle Renner (Akk. Du.) [PP-Trennfehler ‚vāji nā‘]
prati smarethāṃ tujayadbhirevairhataṃ druho rakṣaso bhaṅgurāvataḥ / indrāsomā duṣkṛte mā sugaṃ bhūd yo naḥ kadācidabhidāsati druhā
Gedenkt [unser], erschlagt mit euren drängenden Gängen die Trugwesen, die brüchigen [?] Rakṣas. / Indra und Soma, dem Übeltäter sei kein leichter Weg, der uns je mit Trug schädigen will.
Wer mich, der ich mit arglosem [?] Sinn wandle, mit unwahren Worten bespricht [d. h. verleumdet], / [sie sollen] wie von der Faust gepacktes Wasser [zu nichts] werden; ein Nichtiger sei, Indra, der Sprecher des Nichtigen.
Die, die den Arglosen [?] mit ihren Gängen auseinanderzerren [?], und die das Gute mit ihrer Eigenmacht verderben: / der Schlange soll Soma sie geben oder in den Schoß der Niṛti [Auflösung, Untergang] legen.
yo no rasaṃ dipsati pitvo agne yo aśvānāṃ yo gavāṃ yastanūnām / ripu stena steyakṛd dabhrametu ni ṣa hīyatāntanvā tanā ca
Wer uns den Saft [oder: die Nahrung, pitu], Agni, schädigen will, wer die Rosse, wer die Rinder, wer die Leiber: / der Betrüger, der Dieb, der Diebstahl-Täter soll zu Nichts kommen; er soll verlieren an Leib und Nachkommenschaft.
paraḥ so astu tanvā tanā ca tisraḥ pṛthivīradho astu viśvāḥ / prati śuṣyatu yaśo asya devā yo no divā dipsati yaśca naktam
Fern sei er, mit Leib und Nachkommen; unter alle drei Erden sei er. / Verdorren soll sein Ruhm, ihr Götter, dessen, der uns bei Tag schädigen will, und dessen, der es nachts tut.
Leicht erkennbar ist es für den Verständigen: das Wahre und das Unwahre, zwei Reden, streiten miteinander. / Von den beiden das, was wahr ist, was von beiden gerader ist, das schützt Soma, und das Unwahre erschlägt er.
nā vā u somo vṛjinaṃ hinoti na kṣatriyaṃ mithuyā dhārayantam / hanti rakṣo hantyāsad vadantamubhāvindrasya prasitau śayāte
Nicht fördert Soma den Krummen, nicht den Machtträger, der Falsches [?] hält. / Er erschlägt den Rakṣas, er erschlägt den Unwahres Redenden; beide liegen in Indras Fessel [?].
Wenn ich ein Verehrer unwahrer Götter gewesen bin [?], oder vergeblich die Götter angerufen habe [?], Agni: / was zürnst du uns, Jātavedas? Die Trugredner sollen dein Verderben treffen [?].
adyā murīya yadi yātudhāno asmi yadi vāyustatapa pūruṣasya / adhā sa vīrairdaśabhirvi yūyā yo mā moghaṃ yātudhānetyāha
Heute möge ich sterben, wenn ich ein Yātudhāna bin oder wenn ich eines Menschen Leben versengt habe. / Dann soll er von seinen zehn Söhnen [oder: Männern] getrennt werden, der mich fälschlich ‚Yātudhāna‘ nennt.
yo māyātuṃ yātudhānetyāha yo vā rakṣāḥ śucirasmītyāha / indrastaṃ hantu mahatā vadhena viśvasya jantoradhamas padīṣṭa
Wer mich, der ich kein Unhold bin, ‚Yātudhāna‘ nennt, oder wer als Rakṣas sagt: ‚Ich bin rein‘: / Indra soll ihn mit gewaltiger Waffe erschlagen; als der Niedrigste aller Lebewesen soll er fallen.
Die, die nachts hervorschleicht wie eine Eule [?] und mit Trug ihren Leib verbirgt: / sie soll hinabfallen in die endlosen Höhlen; die Presssteine sollen die Rakṣas mit Getöse schlagen.
vi tiṣṭhadhvaṃ maruto vikṣvichata gṛbhāyata rakṣasaḥ saṃ pinaṣṭana / vayo ye bhūtvī patayanti naktabhirye vā ripo dadhire deve adhvare
Stellt euch auseinander, Maruts, sucht in den Siedlungen, packt die Rakṣas, zermalmt sie. / [Die,] die als Vögel geworden nachts fliegen, oder die Schädigung anrichteten bei der göttlichen Weihehandlung.
Rolle den Stein vom Himmel, Indra, den vom Soma geschärften, Maghavan, wetze ihn zu. / Von vorn, von hinten, von unten, von oben schlag die Rakṣas mit dem Felsen.
eta u tye patayanti śvayātava indraṃ dipsanti dipsavo 'dābhyam / śiśīte śakraḥ piśunebhyo vadhaṃ nūnaṃ sṛjadaśaniṃ yātumadbhyaḥ
Da fliegen jene Hunde-Unholde heran, die Schädigungswilligen wollen Indra, den Unbetrügbaren, schädigen. / Der Kräftige schärft die Waffe gegen die Verleumder; jetzt wird er den Blitzkeil gegen die Zauberer schleudern.
indro yātūnāmabhavat parāśaro havirmathīnāmabhyāvivāsatām / abhīdu śakraḥ paraśuryathā vanaṃ pātreva bhindan sata eti rakṣasaḥ
Indra wurde der Zerschmetterer der Yātus, derer, die die Darbringungen durcheinanderrühren, und derer, die ihn bedrängen [?]. / Der Kräftige geht auf sie los wie die Axt auf den Wald, wie Gefäße zerbrechend, auf die wirklich vorhandenen Rakṣas.
Wort für Wort
indraḥ
Indra (Nom.)
yātūnām
der Yātus (Gen. Pl.)
abhavat
wurde (3. Sg. Impf.)
parāśaraḥ
Zerschmetterer (Nom. Sg.)
haviḥ-mathīnām
der Darbringungs-Durcheinanderrührer (Gen. Pl.)
abhi
auf ... hin
āvivāsatām
der ihn Umwerbenden/Bedrängenden (Gen. Pl. Part.) [?]
Erschlage den Eulen-Unhold, den Kauz-Unhold [?], den Hunde-Unhold und den Koka-Unhold [?]; / den Adler-Unhold und den Geier-Unhold; wie mit einem Mahlstein zermalme den Rakṣas, Indra. [Anm.: Tierbezeichnungen ulūka fest, śuśulūka, koka unsicher.]
Nicht soll uns der Rakṣas erreichen, noch das Paar der Zauberkundigen: es soll weichen, das Paar, das Kimīdin. / Die Erde soll uns vor irdischer Bedrängnis schützen, der Luftraum uns vor himmlischer.
Indra, erschlage den männlichen Yātudhāna und die Frau, die sich durch Zauber überlegen zeigt [?]. / Halslos sollen die Mūra-Götter-Verehrer [?] zugrunde gehen; sie sollen nicht die aufgehende Sonne erblicken.