Kapitel 64: ṛgvede 7.64 · divi kṣayantā rajasaḥ pṛthivyāṃ pra vāṃ ghṛtasya nirṇijodadīran
Anruf an Mitra und Varuṇa um Regen und Beistand
Anruf an das Götterpaar Mitra-Varuṇa mit Aryaman; gebeten wird um Labung, Regen und Weggeleit. Schwierig ist das Verb dadīran (1c) und die Wendung āt ariḥ sudāse (3c), die nur mit Vorbehalt gedeutet werden kann. Vers 5 ist der Kehrvers der Vasiṣṭha-Lieder.
divi kṣayantā rajasaḥ pṛthivyāṃ pra vāṃ ghṛtasya nirṇijodadīran / havyaṃ no mitro aryamā sujāto rājā sukṣatro varuṇo juṣanta
Ihr beiden, die ihr im Himmel [und] auf der Erde über den Raum herrscht: hervor sollen euch die Glanzgewänder des Schmalzes brechen [?] [Anm.: dadīran unsicher, vielleicht zu √dṛ ‚spalten, aufbrechen‘]. / Unsere Rufgabe sollen Mitra [und] Aryaman gern annehmen, / der Wohlgeborene, / der König, der mit guter Herrschaftskraft, Varuṇa.
Wort für Wort
divi
im Himmel (Lok. Sg.)
kṣayantā
herrschend, wohnend (Nom. Du.)
rajasaḥ
über den Raum, Luftraum (Gen. Sg.)
pṛthivyām
auf der Erde (Lok. Sg.)
pra
hervor (Präverb)
vām
euch beiden (Gen./Dat. Du.)
ghṛtasya
des Schmalzes (Gen. Sg.)
niḥ-nijaḥ
Glanzgewänder, Prunkhüllen (Nom. Pl.)
dadīran
sollen hervorbrechen, sich zeigen (3. Pl. Opt. Med.) [?]
ā rājānā maha ṛtasya gopā sindhupatī kṣatriyā yātamarvāk / iḷāṃ no mitrāvaruṇota vṛṣṭimava diva invataṃ jīradānū
Kommt her, ihr beiden Könige, Hüter des großen Ṛta [Wahrheit, Ordnung], / ihr Herren der Ströme, ihr Herrschaftsträger, hierher zu uns. / Labung und Regen, Mitra und Varuṇa, / treibt vom Himmel herab, ihr Rasch-Gebenden.
mitrastan no varuṇo devo aryaḥ pra sādhiṣṭhebhiḥ pathibhirnayantu / bravad yathā na ādariḥ sudāsa iṣā madema saha devagopāḥ
Mitra, Varuṇa, der Gott Aryaman sollen uns das / auf den am besten zum Ziel führenden Pfaden voranführen, / damit dann der Herr für den guten Geber [Sudās?] sprechen möge [?] [Anm.: āt ariḥ sudāse unsicher; ādariḥ ‚Zerbrecher‘ wäre die Saṃhitā-Lesung, der Padapāṭha trennt āt ariḥ]. / Mit Labung wollen wir uns zusammen erfreuen, von den Göttern behütet.
yo vāṃ gartaṃ manasā takṣadetamūrdhvāṃ dhītiṃ kṛṇavad dhārayacca / ukṣethāṃ mitrāvaruṇā ghṛtena tā rājānāsukṣitīstarpayethām
Wer euch diesen Sitz mit dem Geist zimmert, / eine aufgerichtete Andacht macht und [sie] festhält, / besprengt ihn, Mitra und Varuṇa, mit Schmalz; / diese gut Wohnenden, ihr Könige, macht satt.
Dieser Lobgesang, Varuṇa [und] Mitra, ist für euch dargereicht, wie der klare Soma für Vāyu. / Fördert die Gedanken, weckt die Fülle-Gedanken. / Ihr aber, schützt uns allezeit mit Wohlergehen. [Anm.: Kehrvers; die Saṃhitā-Zeile der Quelle bricht nach dem zweiten Pāda ab, der Padapāṭha ist vollständig.]