Kapitel 1: ṛgvede 7.1 · agniṃ naro dīdhitibhiraraṇyorhastacyutī janayanta praśastam
Agni: Erzeugung, Schutz und Bitte um Gaben
Langes Agni-Lied des Vasiṣṭha-Kreises: Erzeugung des Feuers, sein Schutz vor Unholden, Bitten um Nachkommenschaft und Reichtum. Mehrere Verse (7.1.7, 11, 12, 14, 17) sind wörtlich schwer deutbar; Vers 25 wiederholt den Refrain von Vers 20.
Agni haben die Männer mit den Fingern [Anm.: dīdhiti auch ‚Andacht‘] erzeugt, aus den beiden Reibhölzern, von der Hand geschüttelt, den Gepriesenen, den weithin Sichtbaren, den Hausherrn, den [?] Atharyu-Beweglichen.
tamagnimaste vasavo ny ṛṇvan supraticakṣamavase kutaścit / dakṣāyyo yo dama āsa nityaḥ
Diesen Agni, den Wohlanzuschauenden, haben die Vasus im Heim zu Beistand von irgendwoher niedergesetzt, den Tüchtigen, der im Haus der beständige [Gast] war.
dā no agne dhiyā rayiṃ suvīraṃ svapatyaṃ sahasya praśastam / na yaṃ yāvā tarati yātumāvān
Gib uns, Agni, durch Andacht [?] Reichtum, heldenreich, mit guten Nachkommen, Kraftvoller, gepriesen, den weder ein Abwehrender [?] noch ein Zauberkräfte Besitzender überwältigt.
Zu dem Tüchtigen kommt die junge Frau, abends und morgens, mit Spende versehen, schmalzzugewandt; auch die eigene Hingabe [aramati], Güter begehrend, kommt zu ihm.
viśvā agne 'pa dahārātīryebhistapobhiradaho jarūtham / pra nisvaraṃ cātayasvāmīvām
Alle Widersacher brenne weg, Agni, mit den Gluten, mit denen du den Jarūtha [?] verbranntest; scheuche den Lärm-/Klanglosen [?], die Krankheit, hinweg.
Wer dein Antlitz entzündet, Agni – du Reichster an Gütern [Anm.: zugleich Anspielung auf Vasiṣṭha], Heller, Leuchtender, Läuternder: sei auch bei uns hier mit diesen Lobliedern.
ime naro vṛtrahatyeṣu śūrā viśvā adevīrabhi santu māyāḥ / ye me dhiyaṃ panayanta praśastām
Diese Männer, Helden in den Vṛtra-Tötungen [Anm.: Kämpfen gegen das Hindernis], sollen alle ungöttlichen Zaubertricks überwinden – die, die meine gepriesene Dichtung würdigen.
Nicht wollen wir uns, Agni, in Leere niedersetzen, [nicht] unter Männern, nicht ohne Rest [?], nicht in Heldenlosigkeit, um dich her: in kinderreichen Häusern, du Hausgott [?].
[Dich,] zu dem der Rossbesitzer stets als Weihehandlung kommt [?]: unser Haus mit Nachkommen und guten Kindern, durch eigenen Ursprung und Nachwuchs wachsend [?].
Schütze uns, Agni, vor dem Unhold, dem Missliebigen; schütze vor dem Trug des Nichtgebenden, des Übelwollenden; mit dir als Gefährten möge ich die Kampfbegierigen überwinden.
Eben dieser Agni soll die anderen Feuer übertreffen, wo der kraftvolle Sohn mit fester Hand, der tausendfach Schützende, das Unvergängliche [oder: das Wort] trifft [?].
mā no agne 'vīrate parā dā durvāsase 'mataye mā no asyai / mā naḥ kṣudhe mā rakṣasa ṛtāvo mā no dame mā vana ā juhūrthāḥ
Gib uns nicht, Agni, preis der Heldenlosigkeit, dem Schlechtgekleideten [?], dem Unverstand, nicht diesem [Übel], nicht dem Hunger, nicht dem Unhold, Wahrhaftiger; nicht im Haus, nicht im Wald lass uns zu Fall kommen [?].
Wort für Wort
mā
nicht (Verbot)
naḥ
uns (Akk./Dat. Pl.)
agne
Agni (Vok.)
avīrate
der Heldenlosigkeit (Dat. Sg.)
parā
weg (Präv.)
dā
gib (2. Sg. Aor. Inj.)
duḥ-vāsase
dem Schlechtgekleideten/Schlechtbedeckten (Dat. Sg.) [?]
nū me brahmāṇyagna ucchaśādhi tvaṃ deva maghavadbhyaḥ suṣūdaḥ / rātau syāmobhayāsa ā te yūyaṃ pāta svastibhiḥ sadā naḥ
Jetzt, Agni, richte meine Gebetsformungen (brahman) auf [Anm.: ut √śās, wörtlich ‚hinaufweisen, unterweisen‘; [?]]. Du, Gott, hast die Gabenreichen gut angetrieben. Wir wollen im Geschenk [des Gönners] beiderseits [Priester wie Gönner] stehen. Ihr [Götter] schützt uns mit Heil allezeit.
Du, Agni, Wohlanzurufender, erfreulich Anzuschauender, mit schönem Leuchten, Sohn der Kraft: leuchte! Nicht möge er [Agni] uns beim eigenen Kind verbrennen; nicht möge uns der männliche Held wegbrechen [?].
mā no agne durbhṛtaye sacaiṣu deveddheṣvagniṣu pra vocaḥ / mā te asmān durmatayo bhṛmāccid devasya sūno sahaso naśanta
Nicht liefere uns, Agni, dem Schlechtversorger aus, nicht rede zugleich [gegen uns] unter diesen von Göttern entzündeten Feuern; nicht sollen uns deine bösen Gedanken erreichen, Sohn der Kraft, auch nicht in der Verwirrung [?].
sa marto agne svanīka revānamartye ya ājuhoti havyam / sadevatā vasuvaniṃ dadhāti yaṃ sūrirarthī pṛchamāna eti
Der Sterbliche, Agni, Schönantlitziger, wird reich, du Unsterblicher, der die Spende hineinspendet; er verschafft sich Götterschaft und Güter-Gewinn [?], der Sänger, der Begehrende, kommt fragend zu ihm [?].
Du kennst das große Wohlergehen: führe uns Reichtum für die Sänger herbei, hohen, mit dem wir uns, Kraftvoller, erfreuen mögen, unvermindert an Lebenszeit, heldenreich.
nū me brahmāṇyagna ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: nu me brahmāṇi agne ut śaśādhi tvam deva maghavat-bhyaḥ susūdaḥ rātau syāma ubhayāsaḥ ā te yūyam pāta svasti-bhiḥ sadā naḥ]
Jetzt, Agni, richte meine Gebetsformungen (brahman) auf [Anm.: ut √śās, wörtlich ‚hinaufweisen, unterweisen‘; [?]]. Du, Gott, hast die Gabenreichen gut angetrieben. Wir wollen im Geschenk [des Gönners] beiderseits [Priester wie Gönner] stehen. Ihr [Götter] schützt uns mit Heil allezeit.