Kapitel 66: ṛgvede 7.66 · pra mitrayorvaruṇayoḥ stomo na etu śūṣyaḥ
Lied an Mitra, Varuṇa und Aryaman, die Herren der Ordnung und des Sonnenlaufs
Preislied an Mitra-Varuṇa mit Aryaman, Aditi, Savitar und Bhaga als Ṛta-Wächter; Mitte (10-11) rühmt ihre ordnende Tat an Zeiteinheiten, 14-16 gelten der aufgehenden Sonne mit Bitte um hundert Lebensjahre. Schwierig sind 10 (vidatha, trīṇi), 5cd und 8.
Die beiden, welche die Götter, die gut Geschickten, / [als] die mit dem Geschick zum Vater [?], für die Herrenmacht [asurya] als hoch Erhabene festhielten [?] [Anm.: dakṣapitarā ‚deren Vater das Geschick ist‘ oder ‚Väter des Geschicks‘; Konstruktion unsicher].
Wort für Wort
yā
welche beiden (Akk. Du.)
dhārayanta
hielten fest, stützten (3. Pl. Impf. Med.)
devāḥ
Götter (Nom. Pl.)
su-dakṣā
gut geschickt (Akk. Du.)
dakṣa-pitarā
deren Vater Geschick ist, Väter des Geschicks (Akk. Du.) [?]
Mit goldenem Reichtum [verbinde sich] dieser Gedanke, / zu unbedrohter Kraft [ergänzt]; dieser, der begeisterte, / zur Gewinnung von Einsicht [medha; auch ‚Weihehandlung‘ möglich].
Wort für Wort
rāyā
mit Reichtum (Instr. Sg.)
hiraṇya-yā
golden (Instr. Sg.)
matiḥ
Gedanke, Lied (Nom. Sg.)
iyam
dieser (Nom. Sg. f.)
avṛkāya
für unbedrohte, wolflose [?] (Dat. Sg.)
śavase
für Kraft (Dat. Sg.)
iyam
dieser (Nom. Sg. f.)
viprā
begeistert, inspiriert (Nom. Sg. f.)
medha-sātaye
zur Gewinnung von Einsicht, Weihehandlung [?] (Dat. Sg.)
bahavaḥ sūracakṣaso 'gnijihvā ṛtāvṛdhaḥ / trīṇi ye yemurvidathāni dhītibhirviśvāni paribhūtibhiḥ
Viele [sind es], mit Sonnenblick, mit Feuerzungen, den Ṛta stärkend, / welche die drei [?], alle Zuteilungen/Ordnungsbereiche [vidatha] mit ihren Gedanken, [und] mit ihren Überlegenheiten auseinandergehalten haben [?] [Anm.: trīṇi … viśvāni vidathāni unsicher; kosmische Deutung auf drei Räume plausibel, nicht sicher; vidatha = Zuteilung/Ordnung/Zusammenkunft].
vi ye dadhuḥ śaradaṃ māsamādaharyajñamaktuṃ cād ṛcam / anāpyaṃ varuṇo mitro aryamā kṣatraṃ rājāna āśata
Die Herbst [Jahr], Monat und dann Tag, / Verehrungs-Weihehandlung, Nacht [?] und dann die Ṛc [Strophe] verteilt haben: / Varuṇa, Mitra, Aryaman haben als Könige / die unerreichbare Herrschaft erlangt.
tad vo adya manāmahe sūktaiḥ sūra udite / yadohate varuṇo mitro aryamā yūyam ṛtasya rathyaḥ
Das bedenken wir euch heute mit gut Gesprochenem, wenn die Sonne aufgegangen ist, / [nämlich das], was Varuṇa, Mitra, Aryaman herbeiführen [?]; / ihr seid die Wagenlenker des Ṛta.
Wort für Wort
tat
das (Akk. Sg. n.)
vaḥ
euch (Dat.)
adya
heute
manāmahe
wir bedenken, richten den Sinn (1. Pl. Präs. Med.)
su-uktaiḥ
mit Gutgesprochenem (Instr. Pl.)
sūre
Sonne (Lok. Sg.)
ut-ite
aufgegangen (Lok. Sg.)
yat
was
ohate
sie führen herbei, erwägen [?] (3. Pl. Präs. Med.)
ṛtāvāna ṛtajātā ṛtāvṛdho ghorāso anṛtadviṣaḥ / teṣāṃvaḥ sumne suchardiṣṭame naraḥ syāma ye ca sūrayaḥ
Ihr Ṛta-Besitzer, aus dem Ṛta Geborene, Ṛta-Mehrer, furchtbare, Hasser der Unwahrheit: / in eurer schirmreichsten Huld mögen wir sein, [wir] Männer und die Gönner.
udu tyad darśataṃ vapurdiva eti pratihvare / yadīmāśurvahati deva etaśo viśvasmai cakṣase aram
Empor geht jene sehenswerte Gestalt / vom Himmel, an der Biegung [?], / wenn der Gott Etaśa, der Schnelle, sie trägt, / [ausreichend] genug für alle zum Sehen [Anm.: Etaśa = Sonnenross; prati-hvara ‚Biegung‘ unsicher].
Den Herrn [über] jedes Haupt des Beweglichen und des Stehenden, / mittendurch [?] den ganzen Raum hin, / sieben Schwestern führen ihn, die Sonne, zum Wohlgang: / die Falben ziehen [sie] auf dem Wagen.
Jenes Auge, von den Göttern eingesetzt, strahlend, / steige empor. / Mögen wir hundert Herbste [Jahre] sehen, / mögen wir hundert Herbste [Jahre] leben.