Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 7

Kapitel 71: ṛgvede 7.71 · apa svasuruṣaso nag jihīte riṇakti kṛṣṇīraruṣāya panthām Anruf an die Aśvins beim Weichen der Nacht

Die Nacht weicht der Uṣas; die Aśvins werden zu Wagenfahrt und Schutz vor Not gerufen; ihre Taten an Cyavāna, Pedu, Atri, Jāhuṣa werden genannt. Vers 5 ist mythologisch knapp und in Einzelheiten unsicher; Vers 6 ist der Kehrvers.

apa svasuruṣaso nag jihīte riṇakti kṛṣṇīraruṣāya panthām / aśvāmaghā gomaghā vāṃ huvema divā naktaṃ śarumasmad yuyotam

Weg von der Schwester Uṣas weicht die Nacht; / die Schwarze räumt dem Rötlichen den Weg frei. / Euch, ihr Rosse- und Rinder-Gebenden [Anm.: go wörtlich Rind], möchten wir rufen; / bei Tag und Nacht haltet das Geschoss von uns fern [?].

Wort für Wort
apa
weg (Präverb)
svasuḥ
von der Schwester (Abl./Gen. Sg.)
uṣasaḥ
Uṣas (Gen./Abl. Sg.)
nak
Nacht (Nom. Sg.)
jihīte
weicht, geht weg (3. Sg. Präs. Med.)
riṇakti
räumt, gibt frei (3. Sg. Präs.)
kṛṣṇīḥ
die Dunkle, Schwarze (Nom. Sg. f.)
aruṣāya
dem Rötlichen (Dat. Sg.)
panthām
Weg (Akk. Sg.)
aśva-maghā
Rosse als Gaben gebend (Vok. Du.)
go--maghā
Rinder als Gaben gebend (Vok. Du.)
vām
euch (Akk. Du.)
huvema
mögen wir rufen (1. Pl. Opt.)
divā
bei Tag (Adv.)
naktam
bei Nacht (Adv.)
śarum
Geschoss, Verletzung [?] (Akk. Sg.)
asmat
von uns (Abl.)
yuyotam
haltet fern (2. Du. Imp.)

upāyātaṃ dāśuṣe martyāya rathena vāmamaśvinā vahantā / yuyutamasmadanirāmamīvāṃ divā naktaṃ mādhvī trāsithāṃ naḥ

Kommt herbei zum darbringenden Sterblichen / mit dem Wagen, Liebes bringend, Aśvins. / Haltet von uns fern Mangel an Labung [?] [und] Bedrängnis; / bei Tag und Nacht, ihr Honigsüßen, schützt uns.

Wort für Wort
upa-āyātam
kommt herbei (2. Du. Imp.)
dāśuṣe
dem Darbringenden (Dat. Sg.)
martyāya
dem Sterblichen (Dat. Sg.)
rathena
mit dem Wagen (Instr. Sg.)
vāmam
Liebes, Schönes (Akk. Sg. n.)
aśvinā
Aśvins (Vok. Du.)
vahantā
bringend (Nom. Du. Part.)
yuyutam
haltet fern (2. Du. Imp.)
asmat
von uns (Abl.)
anirām
Mangel an Labung, Unkraft [?] (Akk. Sg.)
amīvām
Bedrängnis, Krankheit (Akk. Sg.)
divā
bei Tag (Adv.)
naktam
bei Nacht (Adv.)
mādhvī iti
ihr Honigsüßen (Vok. Du.)
trāsīthām
schützt (2. Du. Aor. Imp. Med.)
naḥ
uns (Akk.)

ā vāṃ rathamavamasyāṃ vyuṣṭau sumnāyavo vṛṣaṇo vartayantu / syūmagabhastim ṛtayugbhiraśvairāśvinā vasumantaṃ vahethām

Euren Wagen sollen beim nächsten Aufleuchten [dieser Morgenröte] / [die] Huld Begehrenden, die Stiere, herwenden; / den [Wagen] mit riemenarmigem [zügelhändigem?] [Deichsel?] [?], mit den nach dem Ṛta angeschirrten Rossen, / bringt, Aśvins, gütergefüllt her.

Wort für Wort
ā
hierher (Präverb)
vām
euren (Gen. Du.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
avamasyām
in der nächsten, untersten [?] (Lok. Sg. f.)
vi-uṣṭau
beim Aufleuchten (Lok. Sg.)
sumna-yavaḥ
Huld verschaffend, erstrebend [?] (Nom. Pl.)
vṛṣaṇaḥ
Stiere, Männer (Nom. Pl.)
vartayantu
sollen herwenden (3. Pl. Imp. Kaus.)
syūma-gabhastim
mit Riemen als Arm, zügelhändig [?] (Akk. Sg.)
ṛtayuk-bhiḥ
mit nach Ṛta angeschirrten (Instr. Pl.)
aśvaiḥ
mit Rossen (Instr. Pl.)
ā
hierher (Präverb)
aśvinā
Aśvins (Vok. Du.)
vasu-mantam
gütergefüllt (Akk. Sg.)
vahethām
bringt (2. Du. Opt./Konj. Med.)

yo vāṃ ratho nṛpatī asti voḷhā trivandhuro vasumānusrayāmā / ā na enā nāsatyopa yātamabhi yad vāṃ viśvapsnyo jigāti

Der Wagen, der euer ist, ihr Männerherren, der Lastenfahrer, / dreisitzig, gütergefüllt, mit morgendlicher Fahrt [?]: / mit diesem kommt zu uns, Nāsatyas, / wenn der Allgestaltige [?] zu euch herangeht.

Wort für Wort
yaḥ
der (Nom. Sg.)
vām
euer (Gen. Du.)
rathaḥ
Wagen (Nom. Sg.)
nṛpatī itinṛ-patī
Männerherren (Vok. Du.)
asti
ist (3. Sg. Präs.)
voḷhā
Träger, Fahrer (Nom. Sg.)
tri-vandhuraḥ
dreisitzig [?] (Nom. Sg.)
vasu-mān
gütergefüllt (Nom. Sg.)
usra-yāmā
mit morgendlicher Fahrt, Lichtfahrt [?] (Nom. Sg.)
ā
hierher (Präverb)
naḥ
uns (Dat.)
enā
mit diesem (Instr. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok. Du.)
upa
hinzu (Präverb)
yātam
kommt (2. Du. Imp.)
abhi
hin (Präverb)
yat
wenn
vām
euch (Akk. Du.)
viśva-psnyaḥ
allgestaltig [?] (Nom. Sg.)
jigāti
geht, kommt (3. Sg. Präs.)

yuvaṃ cyavānaṃ jaraso 'mumuktaṃ ni pedava ūhathurāśumaśvam / niraṃhasastamasa spartamatriṃ ni jāhuṣaṃ śithire dhātamantaḥ

Ihr habt Cyavāna vom Alter befreit; / dem Pedu brachtet ihr ein schnelles Ross. / Aus der Enge, aus dem Dunkel rettet Atri [?]; / Jāhuṣa setzt ihr ins Freie hinein [?] [Anm.: Anspielungen auf Cyavāna, Pedu, Atri, Jāhuṣa; wörtlich Verjüngung/Rettung, plausibel, Einzelheiten unsicher; PP-Token 19 ‚antari ti‘ als antaḥ gelesen].

Wort für Wort
yuvam
ihr beide (Nom. Du.)
cyavānam
Cyavāna (Akk. Sg.)
jarasaḥ
vom Alter (Abl. Sg.)
amumuktam
ihr habt befreit (2. Du. Aor.)
ni
hin, nieder (Präverb)
pedave
dem Pedu (Dat. Sg.)
ūhathuḥ
ihr brachtet (2. Du. Perf.)
āśum
schnell (Akk. Sg.)
aśvam
Ross (Akk. Sg.)
ni ḥ
heraus (Präverb; PP-Schreibung ‚ni ḥ‘)
aṃhasaḥ
aus der Enge, Not (Abl. Sg.)
tamasaḥ
aus dem Dunkel (Abl. Sg.)
spartam
rettet, löst [?] (2. Du. Imp.)
atrim
Atri (Akk. Sg.)
ni
hin, nieder (Präverb)
jāhuṣam
Jāhuṣa [?] (Akk. Sg.)
śithire
in das Lockere, Freie [?] (Lok. Sg.)
dhātam
setzt (2. Du. Imp.)
antari ti
hinein, in (Adv.; PP-Schreibung ‚antari ti‘)

iyaṃ manīṣā iyamaśvinā gīr... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iyam manīṣā iyam aśvinā gīḥ imām su-vṛktim vṛṣaṇā juṣethām imā brahmāṇi yuva-yūni agman yūyam pāta svasti-bhiḥ sadā naḥ]

Dies ist [mein] Sinnen, dies, Aśvins, [mein] Lied. / Nehmt diese wohlgewendete Lobrede gern an, ihr Stiere. / Diese Gebetsworte, nach euch verlangend, sind gekommen; / ihr aber, schützt uns allezeit mit Wohlergehen. [Anm.: Kehrvers; die Saṃhitā-Zeile der Quelle ist gekürzt.]

Wort für Wort
iyam
dies (Nom. Sg. f.)
manīṣā
Sinnen, Einsicht (Nom. Sg.)
iyam
dies (Nom. Sg. f.)
aśvinā
Aśvins (Vok. Du.)
gīḥ
Lied (Nom. Sg.)
imām
diese (Akk. Sg. f.)
su-vṛktim
wohlgewendete Lobrede [?] (Akk. Sg.)
vṛṣaṇā
ihr Stiere (Vok. Du.)
juṣethām
nehmt gern an (2. Du. Imp. Med.)
imā
diese (Nom. Pl. n.)
brahmāṇi
Gebetsworte (Nom. Pl.)
yuva-yūni
nach euch verlangend (Nom. Pl. n.)
agman
sind gekommen (3. Pl. Aor.)
yūyam
ihr (Nom. Pl.)
pāta
schützt (2. Pl. Imp.)
svasti-bhiḥ
mit Wohlergehen (Instr. Pl.)
sadā
allezeit
naḥ
uns (Akk.)

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