Varuṇa als Ordner von Sonnenpfad, Strömen und Wind; V. 4 und 5 sind rätselhaft (dreimal sieben Namen der Kuh; drei Himmel/drei Erden, goldene Schaukel). Deutungen für V. 4/5: kosmisch-mythologisch (plausibel), rituell (spekulativ), innerlich (spekulativ).
Varuṇa grub Wege für die Sonne; er ließ die Fluten der meerbestimmten Ströme hervor(strömen); wie ein losgelassener Guss, eilend, den Regeln folgend, machte er die großen Ströme für die Tage.
ātmā te vāto raja ā navīnot paśurna bhūrṇiryavase sasavān / antarmahī bṛhatī rodasīme viśvā te dhāma varuṇa priyāṇi
Dein Atem (Selbst) ist der Wind, der den Dunstraum bewegt, wie ein Tier, das sich regt, am Futterplatz gewinnend [?]; zwischen diesen großen, hohen beiden Welten ist all dein Wesen, Varuṇa, lieb.
pari spaśo varuṇasya smadiṣṭā ubhe paśyanti rodasī sumeke / ṛtāvānaḥ kavayo yajñadhīrāḥ pracetaso ya iṣayanta manma
Ringsum sind Varuṇas Späher [?], sie sehen beide, die gut gefügten Welten; die Ordnungswahrer, Dichter, Weihehandlungs-Weisen, Weitblickenden, die den Gedanken (die Andacht) antreiben.
Wort für Wort
pari
ringsum (Präverb)
spaśaḥ
Späher (Nom. Pl.)
varuṇasya
des Varuṇa (Gen. Sg.)
smat-iṣṭāḥ
die Wünschende/lächelnd, hoffend (Nom. Pl. m.) [?]
uvāca me varuṇo medhirāya triḥ sapta nāmāghnyā bibharti / vidvān padasya guhyā na vocad yugāya vipra uparāya śikṣan
Zu mir, dem Weisen, hat Varuṇa gesprochen: dreimal sieben Namen trägt die Unverletzliche [Anm.: aghnyā, „Kuh“; Bildrede – kosmisch-mythologisch plausibel, sonst spekulativ]; der Wissende soll die verborgenen (Namen) des Ortes nicht sagen, der Seher, der einem späteren Geschlecht lehren will [?].
tisro dyāvo nihitā antarasmin tisro bhūmīruparāḥ ṣaḍvidhānāḥ / gṛtso rājā varuṇaścakra etaṃ divi preṅkhaṃhiraṇyayaṃ śubhe kam
Drei Himmel sind darin niedergelegt, drei Erden, die unteren, sechsfach geordnet; der kluge König Varuṇa hat ihn im Himmel eine goldene Schwinge (Schaukel) gemacht zum Glanz [?]. [Anm.: Rätselvers; kosmisch-mythologisch (plausibel).]
ava sindhuṃ varuṇo dyauriva sthād drapso na śveto mṛgastuviṣmān / gambhīraśaṃso rajaso vimānaḥ supārakṣatraḥ sato asya rājā
Varuṇa hat sich über den Strom hingestellt wie der Himmel [?]; wie ein weißer Tropfen, ein starkes Wild; von tiefer Preisung, Ausmesser des Luftraums, mit leicht überwindbarer Herrschaftskraft, König dieses Seienden. [Anm.: ava sindhum … sthāt unsicher.]
Wort für Wort
ava
herab, hinab (Präverb)
sindhum
Strom (Akk. Sg.)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom. Sg.)
dyauḥ-iva
wie der Himmel (Nom. Sg. + wie)
sthāt
hat sich gestellt (Aor. 3. Sg.)
drapsaḥ
Tropfen (Nom. Sg.)
na
wie
śvetaḥ
weißer (Nom. Sg. m.)
mṛgaḥ
Wild, Tier (Nom. Sg.)
tuviṣmān
stark (Nom. Sg. m.)
gambhīra-saṃsaḥ
von tiefer Preisung (Nom. Sg. m.)
rajasaḥ
des Dunstraums (Gen. Sg.)
vi-mānaḥ
Ausmesser (Nom. Sg.)
supāra-kṣatraḥ
mit gut überwindbarer Herrschaft (Nom. Sg. m.) [?]
yo mṛḷayāti cakruṣe cidāgo vayaṃ syāma varuṇe anāgāḥ / anu vratānyaditer{ṛ}dhanto yūyaṃ pāta ...
Der auch dem, der Verfehlung begangen hat, gnädig ist: mögen wir bei Varuṇa schuldlos sein, den Satzungen der Aditi folgend und gedeihend. Ihr aber schützt uns immer mit Heilsmitteln. [Anm.: Kehrvers in der Quelle abgekürzt.]
Wort für Wort
yaḥ
der (Nom. Sg.)
mṛḷayāti
ist gnädig (3. Sg. Kaus.)
cakuṣe
dem Getan-Habenden (Dat. Sg. Perf. Part.) [PP „cakuṣe“, Verderbnis]