Kapitel 56: ṛgvede 7.56 · ka īṃ vyaktā naraḥ sanīḷā rudrasya maryā adha svaśvāḥ
Preislied auf die Marut: Herkunft, Glanz, Kraft und Schutz
Langes Marut-Lied: Rätsel um Herkunft und Gestalt der Sturmschar (V. 1-4), ihre Kraft und ihr Schmuck (5-13), Bitte um Gaben und Schutz (14-25), Refrain (26). Quellenhinweis: In der Vorlage ist der Saṃhitā-Text von V. 20-21 zerbrochen, und die Padapāṭha-Zeilen von V. 21-25 sind gegenüber den Saṃhitā-Zeilen um einen Vers nach vorn verschoben (die PP-Zeile bei 7.56.21 gehört zum Text von 7.56.22, bei .22 zu .23, bei .23 zu .24, bei .24 zu .25, bei .25 zum Refrain .26); die Wortglossen dieser Verse folgen der gelieferten PP-Zeile, die Übersetzung dem Saṃhitā-Text der jeweiligen Versnummer.
ka īṃ vyaktā naraḥ sanīḷā rudrasya maryā adha svaśvāḥ
Wer sind sie, die sichtbar Hervorgetretenen [oder: Geschmückten [?]], die Männer gleichen Nestes (gleicher Herkunft), Rudras Mannen, und dazu mit schönen Rossen?
Mit ihren selbstläuternden [?] (eigenen Reinigern) haben sie einander [?] überschüttet; windbrausend wie Falken wetteiferten sie. [Anm.: svapū und abhi vap unsicher; Bild eines wilden Wettstreits der Marut.]
Wort für Wort
abhi
hin, auf (Präverb)
sva-pūbhiḥ
mit Selbstläuterern, eigenen Reinigern [?] (Instr. Pl.)
Rein sind eure Darbringungen (havya), Marut; der Reinen reine Feier (adhvara) sende ich den Reinen zu. Kraft des Ṛta (der Ordnung) sind sie wahrhaft [?] gekommen, dem Ṛta Ergebene, rein Geborene, Reine, Läuternde. [Anm.: satyam auch als Objekt ‚zum Wahren' möglich; adhvara = Feier, Weihehandlung.]
aṃseṣvā marutaḥ khādayo vo vakṣassu rukmā upaśiśriyāṇāḥ / vi vidyuto na vṛṣṭibhī rucānā anu svadhāmāyudhairyachamānāḥ
An den Schultern [sind] euch, Marut, Spangen, auf den Brüsten angefügter Goldschmuck (rukma); wie Blitze mit Regengüssen strahlend, gemäß [eurer] Eigenart (svadhā) mit den Waffen [sich ausstreckend/ sie haltend [?]].
Wort für Wort
aṃseṣu
an den Schultern (Lok. Pl.)
ā
hin, an (Präverb)
marutaḥ
Marut (Vok.)
khādayaḥ
Spangen, Armringe (Nom. Pl.)
vaḥ
euch, eure
vakṣaḥ-su
auf den Brüsten (Lok. Pl.)
rukmāḥ
Goldschmuckstücke (Nom. Pl.)
upa-śiśriyāṇāḥ
angelehnt, angefügt (Nom. Pl. Part.)
vi
auseinander, strahlend (Präverb)
vidyutaḥ
Blitze (Nom. Pl.)
na
wie
vṛṣṭi-bhiḥ
mit Regengüssen (Instr. Pl.)
rucānāḥ
leuchtend (Nom. Pl. Part.)
anu
gemäß, entlang
svadhām āyudhair yacchamānāḥ
nach Eigenart (Akk.), mit Waffen (Instr. Pl.), sich haltend/ ausstreckend (Nom. Pl. Part.) [drei Wörter in einem Token]
pra budhnyā va īrate mahāṃsi pra nāmāni prayajyavastiradhvam / sahasriyaṃ damyaṃ bhāgametaṃ gṛhamedhīyaṃ maruto juṣadhvam
Aus der Tiefe [?] regen sich eure Größen; fördert, ihr Verehrungswürdigen, [eure] Namen voran. Diesen tausendfältigen, häuslichen Anteil, der zur Hausweihe (gṛhamedha) gehört, genießt, Marut.
Wenn ihr, Marut, des gepriesenen, rennkräftigen (vājin) Sehers beim Anruf so gedenkt [?], dann gebt schnell Reichtümer an guter Manneskraft — [ihm,] den kein anderer, kein Geizhals, schädigen [darf].
atyāso na ye marutaḥ svañco yakṣadṛśo na śubhayanta maryāḥ / te harmyeṣṭhāḥ śiśavo na śubhrā vatsāso na prakrīḷinaḥ payodhāḥ
Die Marut, die wie Rosse gut sich bewegen, wie eine Wundererscheinung (yakṣa) anzusehen, schmücken sich, die Männer; sie, in [ihren] Burgen (Häusern) weilend, wie glänzende Kinder, wie spielende, milchsaugende Kälber.
Wort für Wort
atyāsaḥ
Rosse (Nom. Pl.)
na
wie
ye
die (Nom. Pl.)
marutaḥ
Marut
su-añcaḥ
schön sich bewegend (Nom. Pl.)
yakṣa-dṛśaḥ
wie eine Wundererscheinung anzusehend [?] (Nom. Pl.)
daśasyanto no maruto mṛḷantu varivasyanto rodasī sumeke / āre gohā nṛhā vadho vo astu sumnebhirasme vasavo namadhvam
Beschenkend [oder: Ehre erweisend] sollen uns die Marut gnädig sein, die beiden gutgefügten [?] Welten [zur] Weite [öffnend/ ehrend [?]]. Fern sei eure Rinder- und Männer-tötende Waffe; mit Wohlwollen neigt euch uns zu, ihr Vasus (Gütigen).
Wort für Wort
daśasyantaḥ
beschenkend, Ehre erweisend (Nom. Pl.)
naḥ
uns
marutaḥ
Marut
mṛḷantu
sollen gnädig sein (3. Pl. Imp.)
varivasyantaḥ
Weite schaffend, ehrend [?] (Nom. Pl.)
rodasī iti
die beiden Welten (Akk. Du.)
sumeke itisu-meke
gutgefügte [?] (Akk. Du.)
āre
fern
go--hā
Rinder-tötend (Nom. Sg.)
nṛ-hā
Männer-tötend (Nom. Sg.)
vadhaḥ
Waffe, Schlag (Nom. Sg.)
vaḥ
euer
astu
sei (3. Sg. Imp.)
sumrebhiḥ
mit Wohlwollen (Instr. Pl.; PP-Verderbnis ‚sumrebhiḥ') [?]
ā vo hotā johavīti sattaḥ satrācīṃ rātiṃ maruto gṛṇānaḥ / ya īvato vṛṣaṇo asti gopāḥ so advayāvī havate va ukthaiḥ
Zu euch ruft der Rufer (hotṛ), niedergesessen, preisend, die allseits zugewandte Gabe, Marut. Wer ein Hüter solcher Bullen [oder: euer, ihr Bullen [?]] ist, der ruft euch redlich (ohne Zwiespalt) mit Lobliedern an.
ime turaṃ maruto rāmayantīme sahaḥ sahasa ā namanti / imeśaṃsaṃ vanuṣyato ni pānti guru dveṣo araruṣe dadhanti
Diese Marut bringen den Eiligen zur Ruhe; diese beugen die Übermacht des Mächtigen nieder; diese bewachen die Rede (śaṃsa) [gegenüber/ vor] dem Angreifer [?]; sie legen schweren Hass auf den Nichtgebenden (Geizigen).
ime radhraṃ cin maruto junanti bhṛmiṃ cid yathā vasavo juṣanta / apa bādhadhvaṃ vṛṣaṇastamāṃsi dhatta viśvaṃ tanaya
Diese Marut treiben sogar den Gefügigen [?] an, und sogar den Rastlosen [?], so wie es die Vasus gern haben. Stoßt die Finsternisse weg, ihr Bullen; gebt uns die ganze Nachkommenschaft, Kind [und Kindeskind [?]].
ṃ tokamasme [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: mā vaḥ dātrāt marutaḥ niḥ arāma mā paścāt dadhma rathyaḥ vi-bhāge ā naḥ spārhe bhajatana vasavye yat īm su-jātam vṛṣaṇaḥ vaḥ asti]
[Anm.: Der Saṃhitā-Text ist in der Quelle hier verstümmelt; erhalten ist nur ‚ṃ tokam asme', also ‚… Kind [gebt] uns', Rest von 20cd. Die PP-Glossen dieser Zeile gehören zum Text von 7.56.22.]
mā vo dātrān maruto nirarāma mā paścād daghma rathyo vibhāge / ā na spārhe bhajatanā vasavye yadīṃ sujātaṃ vṛṣaṇo vo asti [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: sam yat hananta manyu-bhiḥ janāsaḥ śūrāḥ yahvīṣu oṣadhīṣu vikṣu adha sma naḥ marutaḥ rudriyāsaḥ trātāraḥ bhūta pṛtanāsu aryaḥ]
Nicht wollen wir, Marut, aus eurer Gabe herausgehen (leer ausgehen); nicht wollen wir hinterher [erst] anlangen [?], ihr Wagenfahrer, bei der Verteilung. Verschafft uns Anteil am Begehrenswerten, am guten Besitz (vasavya): was bei euch, ihr Bullen, an Wohlgeborenem (Edlem) ist. [Anm.: Zur PP-Verschiebung siehe Sūkta-Anmerkung; daghma/dadhma unsicher.]
saṃ yad dhananta manyubhirjanāsaḥ śūrā yahvīṣvoṣadhīṣu vikṣu / adha smā no maruto rudriyāsastrātāro bhūta pṛtanāsvaryaḥ [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: bhūri cakra marutaḥ pitryāṇi ukthāni yā vaḥ śasyante purā cit marut-bhi ḥ ugraḥ pṛtanāsu sāḷhā marut-bhiḥ it sanitā vājam arvā]
Wenn die Leute, als Helden, mit Grimm zusammenprallen [— dort] unter den rührigen Pflanzen [und] Stämmen [?] —, dann werdet, ihr Marut, Rudras Söhne, [unsere] Retter in den Kämpfen vor dem Fremden (Feind) [?]. [Anm.: yahvīṣv oṣadhīṣu vikṣu sprachlich unklar.]
bhūri cakra marutaḥ pitryāṇyukthāni yā vaḥ śasyante purā cit / marudbhirugraḥ pṛtanāsu sāḷhā marudbhirit sanitā vājamarvā [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: asme iti vīraḥ marutaḥ śuṣmī astu janānām yaḥ asuraḥ vi-dhartā apaḥ yena su-kṣitaye tarema adha svam okaḥ abhi vaḥ syāma]
Vieles habt ihr, Marut, [gemacht/ getan [?]] — ererbte Lobsprüche (ukthāni), die euch seit alters aufgesagt werden. Mit den Marut ist [einer] gewaltig, ein Bezwinger in den Kämpfen; mit den Marut allein ist der Renner ein Gewinner des Siegespreises (vāja).
asme vīro marutaḥ śuṣmyastu janānāṃ yo asuro vidhartā / apo yena sukṣitaye taremādha svamoko abhi vaḥ syāma [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: tat naḥ indraḥ varuṇaḥ mitraḥ agniḥ āpaḥ oṣadhīḥ vaninaḥ juṣanta śarman syāma marutām upa-sthe yūyam pāta svasti-bhiḥ sadā naḥ]
Bei uns sei ein kraftvoller Held, ihr Marut, der unter den Leuten ein Herr (asura) und Ausbreiter (Stütze [?]) ist, mit dem wir die Wasser zu guter Wohnstatt überwinden möchten; und dann wollen wir [auf] unsere Heimstatt [bezogen und] euch zugewandt sein [?].
Das mögen uns Indra, Varuṇa, Mitra, Agni, die Wasser, die Kräuter und die Bäume gern annehmen; im Schutz wollen wir im Schoß der Marut sein. Ihr aber schützt uns stets mit Wohlergehen! [Anm.: Der Saṃhitā-Text ist in der Quelle abgebrochen (‚tan na indro varuṇo mitro agnir…'); ergänzt nach dem Refrain, den die PP-Zeile bei 7.56.25 enthält.]